P. Albert Hübl – Bibliothekar, Archivar, Gymnasialdirektor

Der Historiker Pater Albert Hübl (1867–1931) zählt zu den bedeutendsten Mönchen des Schottenklosters; seine Leistungen wirken noch heute nach, seine Werke sind nach wie vor in Verwendung. Am 21. Juli dieses Jahres jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal – Anlass für eine Würdigung in Form einer kleinen Sonderpräsentation im Museum im Schottenstift wie auch hier im Blog.

Geboren wurde der junge Karl Hübl am 21. Juli 1867 als Sohn eines Simmeringer Gastwirtes (heute 11. Wiener Gemeindebezirk). Nach dem Besuch des Schottengymnasiums trat er 1885 unter dem Ordensnamen Albert in die Schottenabtei ein und studierte an der Universität Wien zunächst Theologie, danach auch Geschichte und Geographie. 1890 wurde er zum Priester geweiht, ab 1895 unterrichtete er selbst am stiftseigenen Gymnasium.

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Quelle: http://schotten.hypotheses.org/1335

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300 Jahre Maria Theresia

Aus Anlass ihres 300. Geburtstages würdigen zahlreiche Ausstellungen im heurigen Jahr Kaiserin Maria Theresia (1717–1780), die als regierende Erzherzogin von Österreich, Königin von Ungarn und Königin von Böhmen Österreich und Europa bis heute mitgeprägt hat. Als bescheidener Beitrag zu diesem Jubiläum ist auch ein kleiner Themenschwerpunkt mit Objekten aus dem Stiftsarchiv des Schottenstifts zu betrachten, der derzeit im Museum im Schottenstift zu sehen ist.

Explizit an das Schottenstift richtete sich Maria Theresia mit einer Pergamenturkunde vom 31. Juli 1756, einer Privilegienbestätigung für das Kloster. Die erste Seite dieses Libells wird vollständig vom (mittleren) Titel Maria Theresias eingenommen; auf den folgenden Seiten sind die wichtigsten Privilegien des Klosters inseriert, beginnend mit dem Stiftbrief Herzog Heinrichs II. Jasomirgott.

Urk 1756-07-31, fol. 1r

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Quelle: https://schotten.hypotheses.org/1278

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Neue Archivbeschreibung nach ISDIAH

ISDIAH – das ist der International Standard for Describing Institutions with Archival Holdings. Dieser ermöglicht die standardisierte Beschreibung von Archiven und wurde 2008 vom Internationalen Archivrat (International Council on Archives, ICA) verabschiedet. Eine Archivbeschreibung nach ISDIAH geht weit über die Angabe von Archivbeständen, Kontaktmöglichkeiten und Benutzungsbestimmungen hinaus. Sie umfasst 31 Verzeichnungselemente (gegliedert nach den sechs Bereichen Identifikation, Kontakt, Beschreibung, Zugang, Service und Kontrolle) und gibt etwa Aukunft zur Geschichte des Archivs, zu seinem geographischen und kulturellen Kontext, zum Archivgebäude, zu Findmitteln und Publikationen über das Archiv oder zur Erreichbarkeit des Archivs.

Seit kurzem bietet auch das Archiv des Schottenstifts eine eigene solche Archivbeschreibung nach ISDIAH an, die von der Webseite des Archivs heruntergeladen werden kann. Diese berücksichtigt natürlich bereits die neue Archiv- und Benutzungsordnung, enthält aber auch zahlreiche Angaben, die sich bislang nirgendswo nachlesen ließen. Wir hoffen, dass sie potentiellen Benutzerinnen und Benutzern hilfreich sein und eine interessierte Leserschaft finden wird.

ISDIAH



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Quelle: https://schotten.hypotheses.org/1079

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Eine Legende von der heiligen Elisabeth

Im Vorjahr erschien ein italienischer Artikel mit Editionen mehrerer mittelalterlicher Versionen von Legenden über die heilige Elisabeth von Thüringen, darunter auch eine kurze Legenda de sancta Elyzabeth, die nur in zwei Handschriften überliefert ist: Eine steht in der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek (Pal. Lat. 857), eine andere ist der Cod. 250 (Hübl 223) des Schottenstiftes, in dem sich besagter Text auf fol. 50v–53r findet.

Cod. 250 (Hübl 223), fol. 50v
Cod. 250 (Hübl 223), fol. 50v

Die übrigen Texte dieser nicht sehr umfangreichen Handschrift beschäftigen sich übrigens mit der heiligen Hedwig von Schlesien.



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Quelle: http://schotten.hypotheses.org/718

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Buchschuhe für die Handschriften

Ein Schmuckstück nicht nur des Archivs sondern auch des ganzen Schottenstifts ist das Handschriftenarchiv, jener Raum, in dem unter anderem die Handschriftensammlung aufgestellt ist. Besondere Bewunderung ruft immer wieder die Ästhetik der Bücherwände hervor. Unsere Handschriften und Inkunabeln verfügen weitestgehend noch über ihre mittelalterlichen Einbände und sind unverpackt aufgestellt. Dies bringt aber auch Probleme mit sich, denn die meisten Einbände der aus Platzgründen dicht gedrängten Bücher sind mit Metallbeschlägen versehen, weshalb es beim Ausheben in der Vergangenheit immer wieder zu kleineren Beschädigungen an benachbarten Büchern und dem Holz der Regalböden kam.

Als sowohl die konservatorischen wie auch die ästhetischen Bedürfnisse bedienende Maßnahme wurde nun die Aufstellung der Bücher in Buchschuhen vorgenommen. Im Gegensatz zu Schubern (oder gar Schachteln), die eine markante optische Veränderung mit sich gebracht hätten, sind Buchschuhe nicht nur vorne sondern auch oben offen und zudem aus einem dünneren säurefreien Archivkarton gefertigt. Dadurch können die Einbanddeckel der Bücher nicht mehr aneinander reiben, bei geschickter Bemessung sind die Buchschuhe zugleich aber kaum sichtbar.    

HsA_Buchschuhe_2
Ein Regalbrett, zwei Blickwinkel: Von vorne sind die Buchschuhe sichtbar, von der Seite nicht.

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Quelle: https://schotten.hypotheses.org/1002

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Buchschuhe für die Handschriften

Ein Schmuckstück nicht nur des Archivs sondern auch des ganzen Schottenstifts ist das Handschriftenarchiv, jener Raum, in dem unter anderem die Handschriftensammlung aufgestellt ist. Besondere Bewunderung ruft immer wieder die Ästhetik der Bücherwände hervor. Unsere Handschriften und Inkunabeln verfügen weitestgehend noch über ihre mittelalterlichen Einbände und sind unverpackt aufgestellt. Dies bringt aber auch Probleme mit sich, denn die meisten Einbände der aus Platzgründen dicht gedrängten Bücher sind mit Metallbeschlägen versehen, weshalb es beim Ausheben in der Vergangenheit immer wieder zu kleineren Beschädigungen an benachbarten Büchern und dem Holz der Regalböden kam.

Als sowohl die konservatorischen wie auch die ästhetischen Bedürfnisse bedienende Maßnahme wurde nun die Aufstellung der Bücher in Buchschuhen vorgenommen. Im Gegensatz zu Schubern (oder gar Schachteln), die eine markante optische Veränderung mit sich gebracht hätten, sind Buchschuhe nicht nur vorne sondern auch oben offen und zudem aus einem dünneren säurefreien Archivkarton gefertigt. Dadurch können die Einbanddeckel der Bücher nicht mehr aneinander reiben, bei geschickter Bemessung sind die Buchschuhe zugleich aber kaum sichtbar.    

HsA_Buchschuhe_2
Ein Regalbrett, zwei Blickwinkel: Von vorne sind die Buchschuhe sichtbar, von der Seite nicht.

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Quelle: https://schotten.hypotheses.org/1002

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500 Jahre Schülertheater bei den Schotten und der Humanist Benedictus Chelidonius

Dieser Tage finden gerade wieder die jährlichen Aufführungen der Bühnenspiele am Schottengymnasium statt, gegeben wird „Der Bürger als Edelmann“ von Molière. Die Tradition dieses Schülertheaters bei den Schotten ist aber älter als die meisten vermuten würden – sogar älter als Molière! – und dieses Jahr könnte man diesbezüglich gut und gerne ein Jubiläum feiern: Die erste nachweisbare Theaterproduktion von Schottenschülern fand vor genau 500 Jahren im Jahr 1515 statt!

In Wien waren gerade die Vorbereitungen für den Wiener Fürstentag im Gange, zu dem im Juli 1515 die Jagiellonen-Brüder König Wladislaw II. von Böhmen und Ungarn und König Sigismund I. von Polen-Litauen mit Kaiser Maximilian I. zusammentreffen sollten und dessen direktes Ergebnis die Zweite habsburgische Doppelhochzeit zwischen Maximilians Enkelkindern Maria und Ferdinand auf der einen und Wladislaws Kindern Ludwig und Anna auf der anderen Seite sein sollte. Zu Ehren der zehnjährigen Erzherzogin Maria, die bereits länger in Wien weilte, und in Anwesenheit des Kardinals Matthäus Lang, der in diplomatischen Diensten Maximilians stand, führten Ende Februar 1515 die adeligen Schüler des Schottenstiftes unter der Leitung ihres Lehrers Johannes Chilimarus in einem Saal der Wiener Hofburg das burlesk-pädagogische Huldigungsspiel „Voluptatis cum virtute disceptatio“ des Benedictus Chelidonius auf.1

Das dreiaktige Fest- und Huldigungsspiel in lateinischer Sprache stellte eine Kombination der antiken Mythen von Herakles am Scheideweg und des Urteils des Paris dar und thematisierte allegorisch den Streit zwischen Tugend und Laster. Die Aufgabe des Schiedsrichters übertragen die Göttinnen Venus und Pallas darin dem jungen Herzog Karl von Burgund, dem späteren Kaiser Karl V., dem das Stück auch gewidmet war und der sich, wäre er zu diesem Zeitpunkt in Wien gewesen, vermutlich selbst hätte spielen sollen. Dargestellt wurde Karl in dieser Aufführung stattdessen vom Schottenschüler Niklas Graf zu Salm dem Jüngeren (dem Sohn des Verteidigers Wiens bei der Ersten Türkenbelagerung). Die szenische Gestaltung des Stücks hatte ihre Wurzeln in den Nürnberger Fastnachtspielen und wies durchaus auch derb-komische Elemente wie eine Prügelszene auf, was nicht verwundert, da der Autor Chelidonius aus Nürnberg stammte. Zugleich ist „Voluptatis cum virtute disceptatio“ aber auch ein Prototyp des Schulspiels, das bald einen ersten Aufschwung erleben sollte.    

Das Stück erschien im Juni 1515 auch im Druck bei Johannes Singriener, Verleger war Leonhard Alantsee.2 Leider ist diese Postinkunabel im Schottenstift aber nicht mehr vorhanden. Der dreibändige Bibliothekskatalog des Schottenstifts aus dem Jahr 1883 nennt das Werk zwar, doch ist es dort mit Bleistift gestrichen; im kurze Zeit später entstandenen zehnbändigen Katalog scheint es gar nicht mehr auf – es muss also wohl spätestens in den 1880er-Jahren verlustig gegangen sein.3

Benedictus Chelidonius: Voluptatis cum virtute disceptatio

Der Autor von „Voluptatis cum virtute disceptatio“, der Humanist Benedictus Chelidonius (eigentlich Benedikt Schwalbe), war Benediktinermönch des Nürnberger Egidienklosters, lebte aber seit 1514 im Wiener Schottenstift. Als neulateinischer Lyriker verfasste er zahlreiche Widmungsgedichte, Begleitverse und poetische Vorreden. Bemerkenswert ist seine Zusammenarbeit mit Albrecht Dürer, welcher zu drei Werken Chelidonius’ Holzschnittfolgen anfertigte – darunter auch die bekannte „Große Passion“. In Wien stand Chelidonius’ literarische Tätigkeit in enger Beziehung zum Hof. 1518 wurde er zum Abt des Schottenstifts gewählt, er verstarb aber bereits 1521 nach nur drei Jahren im Amt.4

Mehr zu Chelidonius findet sich auch im Wikipedia-Artikel „Benedictus Chelidonius“, der vor einiger Zeit sogar auf der dortigen Startseite vorgestellt wurde.

  1. Zu diesem Huldigungsspiel und seiner Inszenierung: Markus Reiterer: Die Herkulesentscheidung von Prodikos und ihre frühhumanistische Rezeption in der „Voluptatis cum Virtute disceptatio“ des Benedictus Chelidonius (ungedr. phil. Diss., Wien 1955); Margret Dietrich: Chelidonius’ Spiel: „Voluptatis cum virtute disceptatio“, Wien 1515. Versuch einer Rekonstruktion der Inszenierung, in: Maske und Kothurn 5 (1959) 44–59; Gábor Kiss Farkas: Dramen am Wiener und Ofener Hof. Benedictus Chelidonius und Bartholomeus Frankfordinus Pannonius (1515–1519), in: Maria von Ungarn (1505–1558). Eine Renaissancefürstin, hg. von Martina Fuchs und Orsolya Réthelyi (Geschichte in der Epoche Karls V. 8, Münster 2007) 293–312. — In der gedruckten Ausgabe des Schauspiels ist als Aufführungsdatum der 20. Februar 1515, der Faschingsdienstag dieses Jahres, angegeben; Reiterer vermutet jedoch schlüssig, dass die Aufführung zwischen dem 23. und 25. Februar 1515 stattgefunden haben muss (a.a.O. 42). Stephan Füssel geht von einer Aufführung am 25. Februar, dem ersten Fastensonntag, und einer absichtlichen Rückdatierung in die Faschingszeit aus (Stephan Füssel: Riccardus Bartholinus Perusinus. Humanistische Panegyrik am Hofe Kaiser Maximilians I. (Saecula spiritalia 16, Baden-Baden 1987) 120f.).
  2. Voluptatis cum Virtute disceptatio: Carolo Burgundiae duce Illustrissimo, Divique Caes. Maxaemiliani Nepote, litis diremptore aequissimo. Viennæ Pannoniae coram Maria Hungarorum Regina designata, Dominoque Mattheo S. angeli diac. Cardinali Reverendissimo recitata. A Benedicto Chelidonio Heroicis lusa versibus (Wien 1515).
  3. In Österreich findet sich der Druck scheinbar nur in drei Bibliotheken: in der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, in der Universitätsbibliothek Innsbruck und in der Diözesanbibliothek St. Pölten.
  4. Zu Chelidonius: Paulus Volk: Chelidonius (Schwalbe), Benedictus, in: NDB 3 (1957) 195f.; Johannes Staub: Chelidonius (Schwalbe), Benedictus, in: LThK³ 2 (1994) 1032f.; Manfred Knedlik: Chelidonius (Schwalbe), Benedictus, in: BBKL 20 (2002) 293–296; Claudia Wiener: Chelidonius (Schwalbe; Hirundo, Musophilus), Benedictus, in: Deutscher Humanismus 1480–1520. Verfasserlexikon 1 (2008) 427–439.

Quelle: http://schotten.hypotheses.org/826

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