Kai Dalek

#Verfassungsschutz und #Neonazis

Von 1987 an arbeitete Kai Dalek für das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz. In den 1990er Jahren wurde er zu einem der einflussreichsten Neonazis in Süddeutschland.

Der 1964 in Berlin geborene Kai Markus Dalek zog 1987 aus privaten Gründen ins oberfränkische Marktrodach-Oberrodach. In West-Berlin soll er für den dortigen Verfassungsschutz die linke Szene ausgespäht haben. Die dortige Behörde übergab ihren Mann nun ordnungsgemäß an die bayerischen KollegInnen. Wegen seiner »nationalen Einstellung« zogen es diese vor, den Spitzel zukünftig in der rechten Szene einzusetzen. Bei Dalek dürfte es sich also nicht um einen klassischen »V-Mann«, sondern um eine Art »verdeckten Ermittler« (»VE«) des Verfassungsschutzes handeln. Der erste Weg führte den Agenten in die »Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front« (GdNF) Michael Kühnens, die sich als »Arm der nationalsozialistischen Bewegung der neuen Generation in der Tradition der SA« verstand. Bei öffentlichen oder internen Veranstaltungen der militanten Neonaziszene hatte er meistens seine Videokamera dabei und machte Aufnahmen, was ihn schnell zu einer bundesweit bekannten Figur machte. 1989 und 1990 gehörte Dalek schon zum Vorbereitungskreis der ersten Rudolf-Heß-Gedenkmärsche in Wunsiedel.

Auch am Rande linker Demonstrationen tauchte Dalek mit seiner Kamera auf und übernahm 1990 die Leitung des »Antikommunistischen Aktionsbündnis« (ANTIKO) in den Kreisen der GdNF. Die von Dalek und Co. propagierte Anti-Antifa-Kampagne sollte politische GegnerInnen bekämpfen und zugleich die eigene, zersplitterte Szene einigen. Hinter den Kulissen sorgte Dalek tatkräftig dafür, die Anti-Antifa-Aktivitäten der Neonazis auf ein neues Level zu heben: Der Geheimdienstler schleuste in Nürnberg eine »Nationaler Block«-Aktivistin ins Umfeld des antifaschistischen Archivs »Abidoz« ein. Norman Kempken, Eberhard Hefendehl und anderen half er, zum Jahreswechsel 1992/1993 die 40-seitige Broschüre »Der Einblick« zu veröffentlichen. Unter dem Titel »Organisiert die Anti-Antifa« listete sie 250 AntifaschistInnen und linke Einrichtungen auf, um diesen, so hieß es im Vorwort, »unruhige Nächte [zu] bescheren«. Die HerausgeberInnen des antifaschistischen Standardwerks »Drahtzieher im braunen Netz« brachten die furchtbaren Konsequenzen in ihrem Buch 1996 auf den Punkt: »Gezielte Jagden und Mordversuche an aktiven AntifaschistInnen gehören in einigen Regionen bereits zum Alltag«.

Das »Einblick«-Strafverfahren wurde bei Dalek, im Gegensatz zu den anderen Beschuldigten, eingestellt. Dabei speiste er Anti-Antifa-Artikel und Fotos politischer GegnerInnen längst auch in das neonazistische »Thule-Netz« ein. In dem von 1993 bis 1999 bestehenden Computernetzwerk, mit dem die Führungskader der bundesweiten Neonaziszene verschlüsselt kommunizieren konnten, war Dalek eine zentrale Figur. Über seine Thule-Mailbox »Kraftwerk BBS«, die er unter dem Pseudonym »Undertaker« betrieb, schlug er militante Töne an, verbreitete Texte der IRA und rechtfertigte die Taten des Neonazis Kay Diesner. Diesner hatte 1997 einen Polizisten erschossen und mehrere Personen schwerst verletzt.

Lokal beteiligte sich Dalek im »Frankenrat«, dem Führungsgremium des 1990 gegründeten »Deutschen Freundeskreis Franken« (DFF). Prompt gründete sich im DFF eine »Anti-Antifa Franken«. Zusammen mit Jürgen Sünkel (Kronach) und Jürgen Schwab (damals: Amorbach) startete Kai Dalek beim DFF 1993 das Zeitungsprojekt »Junges Franken«, das durch die Kooperation mit der neonazistischen »Berlin-Brandenburger Zeitung« ab 1994 zu einer der ambitioniertesten Publikationen der Szene avancierte. Ein Schwerpunkt der professionell gemachten Zeitung war wieder die Anti-Antifa-Arbeit. »Das Komm zerschlagen – Rotfront verjagen« hieß es beispielsweise auf dem Titel der zweiten Ausgabe und auf der nächsten Seite wurde dazu aufgerufen, dem »ausländerfreundlichsten Mitbürger Frankens« – in dieser Rubrik wurden AntifaschistInnen namentlich aufgelistet – »eine entsprechende Belohnung« zukommen zu lassen. Auch die von Dalek bereitgestellte Infrastruktur – in Steinwiesen betrieb er ein »Computer-Grafik-Design-Studio«, in Weißenbrunn die »Sicherheits­firma« »Secuguard« – nützte der Neonaziszene.

Dalek nahm für die Kameradschaften in Nordbayern und Südthüringen eine führende Stellung ein. Der Abschlussbericht der Thüringer »Schäfer«-Kommission bestätigt das genauso wie die Aussage Tino Brandts im NSU-Prozess: »Das war in Bayern unsere Führungskraft«. Daleks terroristisches Umfeld reichte schließlich bis zum NSU: Die Staatsanwaltschaft Gera ermittelte von 1995-1997 gegen ihn und Brandt wegen »Bildung einer kriminellen Vereinigung«, das Verfahren wurde »mit Hinblick auf die V-Mann-Tätigkeit Daleks« eingestellt, wie es im bayerischen NSU-Untersuchungsausschuss hieß. 1997 war Dalek führend auf dem Großaufmarsch gegen die Ausstellung »Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944« in München tätig, an dem auch Uwe Mundlos teilnahm. In den 1998 beim Abtauchen von Mundlos hinterlassenen Telefonlisten ist er als »Kai D.« einmal handschriftlich und einmal maschinenschriftlich eingetragen.

Der Verfassungsschutzmitarbeiter Dalek soll dem Vernehmen nach mindestens 150.000 Euro für seine Tätigkeit bekommen haben. Wie viele AntifaschistInnen hat er in Lebensgefahr gebracht? Wie viele Menschen hat er zu gewalttätigen Aktionen aufgestachelt? Die von ihm initiierte terroristische Anti-Antifa-Arbeit hat die Aktivitäten der bayerischen Neonazis jedenfalls bis heute nachhaltig geprägt.

Magazin der rechte rand

Nazi-Spitzel – Ausgabe @derrechterand 150 / 2014

Der Beitrag Kai Dalek erschien zuerst auf der rechte rand.

Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/4045/kai-dalek-nazi-spitzel/

Trade, non-state actors and conflict: evidence from Greece and Turkey

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09557571.2018.1501346?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

From Smart City to Urban Digi-Doomsaying

Authors

Daniël Ploeger
The Royal Central School of Speech and Drama, University of London, E-Mail: daniel.ploeger@cssd.ac.uk

Fulltext

Abstract English

Creating a counterpoint to commonplace imaginaries of the smart city as a utopian space where all problems are solved through digital optimization of the socio-cultural status-quo, Dani Ploeger’s public artwork Post-Apocalypse Smart City Lagoon uses an icon of smart city ideology – the QR code – to invoke visions beyond the impending catastrophe of techno-consumer culture. Drawing from Jean-Pierre Dupuy’s concept of enlightened doomsaying, QR codes on public trash cans across Venice lead to immersive digital videos that show the Venetian Lagoon after the water has risen and only floating trash cans remain.

Keywords

Smart city, utopia, catastrophe, QR code, digital art

Citation

Karen Elizabeth Bishop “Open Spaces in Time: Kairos as Design for Rebuilding Memory Sites”, Journal of New Frontiers in Spatial Concepts, ISSN 1868-6648, vol. 10 (2018), 72 – 74, Article ID http://ejournal.uvka.de/spatialconcepts/archives/2191, Pages: 3

Quelle: http://ejournal.uvka.de/spatialconcepts/archives/2191

Book review

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09557571.2018.1515711?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Small states and the ‘throughput’ legitimacy of international organizations

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09557571.2018.1493048?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Open Spaces in Time: Kairos as Design for Rebuilding Memory Sites

Authors

Karen Elizabeth Bishop
School of Arts and Sciences, Rutgers University, New Brunswick, E-Mail: kebishop@rutgers.edu

Fulltext

Abstract English

Amphibia, the 2012 proposal by AGC Concepts Architects to repurpose the site of the former Tejas Verdes prison camp in Chile, is a hybrid and fluid memorial space that allows for a kairotic ecoethics in the country’s postdictatorial landscape.

Keywords

Memory site, torture, Pinochet dictatorship, kairos, eco-ethics

Citation

Karen Elizabeth Bishop “Open Spaces in Time: Kairos as Design for Rebuilding Memory Sites” , Journal of New Frontiers in Spatial Concepts, ISSN 1868-6648, vol. 10 (2018), 58 – 62, Article ID http://ejournal.uvka.de/spatialconcepts/archives/2187, Pages: 5

Quelle: http://ejournal.uvka.de/spatialconcepts/archives/2187

The Transnational Activities of German Trade Unions and Works Councils: From Foreign Policy to Active Engagement

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09644008.2018.1551486?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

The Transnational Activities of German Trade Unions and Works Councils: From Foreign Policy to Active Engagement

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09644008.2018.1551486?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Holocaustleugnung auf der Bühne

#Antisemitismus

Aufmärsche der extremen Rechten in Chemnitz, bei denen der Hitlergruß gezeigt wird. RechtsRock-Konzerte, bei denen das Publikum unter »Heil«-Rufen den rechten Arm reckt. Nicht nur in der Anonymität des Internets bekennen sich Rechte zum Nationalsozialismus; die Hemmschwelle, das auch in der Öffentlichkeit mit Gesten und Worten zu machen, scheint zu sinken.

Magazin der rechte rand

Neonazis zeigen Solidarita?t mit Ursula Haverbeck, hier am 1. Mai 2018 in Erfurt © Kai Budler

Am 30. Juni 2018 versammelten sich Rechte in Nürnberg anlässlich der Inhaftierung von HolocaustleugnerInnen wie Horst Mahler sowie zuletzt Ursula Haverbeck und Gerhard Ittner unter dem Motto »Freiheit für alle politischen Gefangenen – Für die Abschaffung des Paragraphen 130 StGB (Volksverhetzung, Anm. d. Verf.)«. Deutlich mehr als zweihundert, weitgehend bürgerlich gekleidete Neonazis mittleren bis höheren Alters folgten dem Aufruf. Der Aufmarsch der Rechten war eine einzige nationalsozialistische Propaganda. Auf offener Bühne wurde der Holocaust geleugnet, für Hitlers »Mein Kampf« geworben und ein Hitlergruß gezeigt. Die Polizei vor Ort griff nicht ein, war an diesem Tag damit beschäftigt, den antifaschistischen Protest fernzuhalten. Im Nachgang war zu erfahren, dass laut Polizeipräsidium Mittelfranken »die rechtlichen Voraussetzungen für eine lückenlose und vollständige Dokumentation« der Neonazidemo nicht vorgelegen hätten. Somit musste auf »Aufzeichnungen von dritten Personen« zurückgegriffen werden, als klar wurde, dass die rechte Veranstaltung völlig aus dem Ruder gelaufen war.

Antisemiten und HolocaustleugnerInnen Horst Mahler, Ursula Haverbeck, Gerhard Ittner

Magazin der rechte rand

Der NPD-Rechtsanwalt Horst Mahler und Ursula Haverbeck-Wetzel vom neonazistischem Collegium Humanum in Vlotho. 2005 © Roland Geisheimer / attenzione

 

Magazin der rechte rand

Gerhard Ittner 2016 in Dresden © JFDA

Christlicher Antisemitismus
Christian Bärthel wütete auf der Zwischenkundgebung unter anderem mit Hilfe von eigens zusammengestellten Bibelzitaten gegen die »Synagoge des Satans«, die seine Gesinnungsfreunde ins Gefängnis bringe. Er sprach von »Juden, denen man das Maul stopfen muss«. Im Zusammenhang mit der Hinrichtung von Jesus von Nazareth deutete er den Begriff des Holocaust als Opferritual um und hetzte erneut gegen Jüdinnen und Juden. Der Tod Jesu sei verursacht »durch das Betreiben der Judenheit, die die Völker benutzten als Handlanger, wie sie es immer tun. Sie klagen an und andere müssen die Dreckarbeit machen«.

Holocaustleugnung und Hitler
Auf dem Willy-Brandt-Platz – passenderweise in der Nähe des ehemaligen NSDAP-Gauhauses – begeisterte Marianne W. aus dem oberfränkischen Schauenstein das rechte Publikum mit der Aussage, ein ihr bekannter Jude habe zugegeben, dass die Vergasung der Juden eine Lüge sei. »Dann habe ich ihn überrumpelt und hab gesagt: Die Vergasung der Juden ist eine Lüge und du weißt es und du bist beteiligt und dann war er perplex, aber nur für einen Moment, und hat gesagt: Ja, das stimmt.« Die »Gaswagen« habe es dagegen wirklich gegeben. Diese seien jedoch »von bolschewistisch-zionistischen Juden erfunden« und zur Bekämpfung von deren Gegnern verwendet worden. Anschließend lobte ein »Fabio« aus der Schweiz Hitlers antisemitische Hetzschrift »Mein Kampf«. Das Buch sei »die Vorlage für die Freiheit«. Die Deutschen hätten den »ersten Freiheitskampf eines Volkes gegen das Böse schlechthin« geführt. Sein Fazit: »Wir haben die Vorlage, wir müssen sie nur umsetzen.« Während die beiden vorgenannten RednerInnen namentlich nicht angekündigt waren, war der Auftritt des Deutsch-Kanadiers Alfred Schaefer bereits im Vorfeld bekannt gegeben worden. Dieser zeigte am Schluss seiner Rede auf offener Bühne den Hitlergruß. Auch als Redner dabei war der als »Der Volkslehrer« bekannte ehemalige Berliner Grundschullehrer Nikolai Nerling. Henry Hafenmeyer, der als langjähriger Begleiter von Ursula Haverbeck angekündigt wurde, verkehrte in seiner Rede das Täter-Opfer-Verhältnis, indem er jüdischen Menschen folgende Ideologie unterstellte: »Nur die Juden sind Menschen, die Nicht-Juden sind wie Vieh«.

Es gibt immer einen Grund nicht einzugreifen…
Nachdem das Kind in den Brunnen gefallen war und die Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg sowie der Bayerische Landesverband Deutscher Sinti und Roma scharfe Kritik am Verhalten der städtischen Behörden und der Polizei geäußert hatten, ruderten diese nicht zurück, sondern verteidigten sogar noch ihre Vorgehensweise. Die antisemitische Eskalation und die relativ hohe Zahl der TeilnehmerInnen seien nicht vorhersehbar gewesen, die radikalsten Äußerungen erst kurz vor Veranstaltungsende gefallen.

In antifaschistischen Kreisen war bereits Wochen vorher bekannt, welche Szene sich hier versammeln würde. Dies wurde auch entsprechend veröffentlicht. In einer Mobilisierungsmail des »Nürnberger Bündnis Nazistopp« wenige Tage vor der Neonazidemo hieß es unter anderem: »Solche Gestalten haben in Nürnberg nichts zu suchen, also auf die Straße! Da die Leute aus dieser Szene fast schon zwanghaft Strafbares von sich geben, sind wir gespannt, ob die Behörden auch dementsprechend beobachten.«

 

Der Beitrag Holocaustleugnung auf der Bühne erschien zuerst auf der rechte rand.

Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/4004/holocaustleugnung-auf-der-buehne/

The legacy of Cold War anti-racism: a genealogy of cultural distance in the internationalisation of higher education

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00309230.2018.1551410?ai=z4&mi=3fqos0&af=R