Luckes AfD: Sammlung ohne Leitplanken

#Entwicklung

Zwar unterscheidet sich die heutige völkisch-nationalistische »Alternative für Deutschland« von der, die einst neoliberale Volkswirte um Bernd Lucke gegründet haben. Doch die Partei war von Anfang an als Sammlungspartei konzipiert. Lucke selbst hat die weitere Öffnung nach rechts forciert.

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Bernd Lucke mit selbst gemachtem AfD-Poloshirt 2013 in Hannover @ Mark Mühlhaus / attenzione

Zur Zeit ihrer Gründung wurde die »Alternative für Deutschland«
(AfD) als Partei von in die Jahre gekommenen Volkswirtschafts­professor*innen wahrgenommen. Tatsächlich zählten zu den ersten Mitgliedern viele mit Professorentitel, die vor allem der Euro-Politik der Bundesregierung kritisch gegenüberstanden. Dennoch greift es zu kurz, die Gründung der Partei auf die Eurokritik zu verengen. Vielmehr war sie eine Sammlungspartei mit zwei unterschiedlichen Strömungen: Zu den neoliberalen Eurokritiker*innen gesellten sich rechtskonservative Kulturkämpfer*innen. Beide fanden zusammen, weil es in ihren jeweiligen ursprünglichen Lagern zu Spaltungen kam.

Nationalneoliberale gegen die Regierung
Bereits ab 2010 haben sich vermehrt national gesinnte neoliberale Volkswirt*innen organisiert, um Einfluss auf den damaligen Euro-Kurs der Bundesregierung zu nehmen. So entstand etwa im Februar 2011 eine Stellungnahme gegen den Plan der europäischen Finanzminister*innen, einen dauerhaften »Europäischen Stabilitätsmechanismus« (ESM) einzurichten und den Euro-Rettungsschirm auszudehnen. Volkswirt*innen und Teile aus mittelständischen Kapitalfraktionen richteten sich gegen eine Vergemeinschaftung der Schulden, die zu diesem Zeitpunkt vor allem in Bezug auf Griechenland im Gespräch war.
Es folgten mehrere Aufsätze von Bernd Lucke und Kolleg*innen in großen Tageszeitungen, um Einfluss auf die damalige liberalkonservative Bundesregierung zu nehmen. Innerhalb der schwarz-gelben Koalition wurde zu diesem Zeitpunkt die Forderung einer flexiblen Währungsunion und der damit zusammenhängende mögliche Rauswurf Griechenlands aus dem Euro-Raum diskutiert. Kurz gesagt, es standen sich im liberalkonservativen Lager zwei unterschiedliche Europakonzepte gegenüber. Eines, das gemeinsam mit dem exportorientierten Kapital auf eine Vertiefung der europäischen Integration in wirtschaftlicher Hinsicht setzte, und eines, das mit mittelständischen Kapitalfraktionen stärker die nationalstaatliche Souveränität betonte und der EU und dem Euro kritisch gegenüberstand. Neoliberale versus Nationalneoliberale.

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Die Hoffnungen der nationalneoliberalen Volkswirt*innen, die Bundesregierung würde ihren Empfehlungen folgen, erfüllten sich nicht. Am 29. Juni 2012 stimmte der Bundestag dem ESM zu. Die legendären Worte Wolfgang Schäubles wenige Wochen später »It will not happen that there will be a Staatsbankrott in Greece« und damit das Bekenntnis, dass Griechenland nicht aus der Währungsgemeinschaft ausgeschlossen werden würde, markierten die Vollendung der neuen EZB-Zinsstrategie und ein Scheitern der nationalneoliberalen Fraktion um Lucke. Diese entschied sich spätestens zu diesem Zeitpunkt, eine Alternative zu Union und FDP ins Leben zu rufen. Bereits kurz zuvor gründeten sie den »Verein zur Unterstützung Wahlalternative 2013«, aus dem später die AfD hervorgehen sollte. Neben Nationalneoliberalen waren Rechtskonservative Teil des Bündnisses, die im traditionellen konservativen Lager keine Perspektive mehr sahen.

Die Spaltung der Konservativen
Das Auseinanderbrechen des Konservatismus hatte sich bereits in den Jahren zuvor angedeutet. Die Spaltung verlief zwischen gesellschaftspolitisch reaktionären auf der einen und modernisierten Konservativen auf der anderen Seite. Die Mehrheit in der Union stand dabei für Letztere. Diese hatte die Entwicklungen der Gesellschaft der vergangenen Jahrzehnte weitgehend akzeptiert: dass Deutschland ein Einwanderungsland geworden war, dass eine Mehrheit der Gesellschaft sich für Gleichberechtigung der Geschlechter aussprach, dass gleichgeschlechtliche Liebe auch von der Mehrheitsgesellschaft zumindest mehr oder weniger als Normalität anerkannt wurde.

Demgegenüber standen Ansätze eines »radikalisierten Konservatismus« (Natascha Strobl) in Deutschland, wie exemplarisch die Debatte um Thilo Sarrazins Buch »Deutschland schafft sich ab« im Sommer 2010 deutlich gemacht hatte. Das Buch ist nicht nur ein Pamphlet zur Rehabilitierung der in Deutschland ins Abseits geratenen Intelligenzforschung, sondern zugleich ein erzkonservatives Plädoyer für die Stärkung der »deutschen Leitkultur«. So warnte Sarrazin vor der angeblich drohenden Vormachtstellung des Islams, einer vermeintlich um sich greifenden politischen Korrektheit sowie vor »Deutschenfeindlichkeit« und betonte gleichzeitig die Vorzüge eines elitären Bildungssystems. Sarrazin verband in seinem Buch also Themen, die rechtskonservative Kreise seit geraumer Zeit beschäftigten.

Trotz eines von linker und liberaler Seite beklagten gesellschaftspolitischen Rollbacks im Zuge der Kontroverse bedeutete deren Verlauf und ihr Ergebnis für Rechtskonservative eine faktische Niederlage, denn obwohl Sarrazin vielfach zitiert und diskutiert wurde, haben reaktionäre Positionen letztlich einen Bedeutungsverlust hinnehmen müssen. Der völkisch-nationalistische Rassismus ist im hegemonialen Diskurs zugunsten eines Rassismus der neoliberalen Leistungsgesellschaft ins Hintertreffen geraten.

Eine ähnliche Entwicklung gab es vier Jahre zuvor in der Frauen- und Familienpolitik, als im September 2006 die damalige Fernsehmoderatorin Eva Herman ihr Buch »Das Eva-Prinzip« veröffentlicht hatte. Darin plädierte sie für eine klassische Rollenverteilung: Männer seien ihrer biologischen Veranlagung nach nicht für die Kindererziehung vorgesehen, im Gegensatz zu Frauen, die sich auf ihre »natürlichen« Fähigkeiten besinnen sollten.

Zwar mobilisierte Herman ähnlich wie später Sarrazin Reaktionäre auch aus Teilen der CDU, aber die Realität sprach eine andere Sprache: Die Diskussion um das Buch fiel zusammen mit einer deutlichen Wende in der Familienpolitik der Union. Die damalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen sorgte während ihrer Amtszeit zwischen 2005 und 2009 durch mehrere Vorstöße für Unmut in den eigenen Reihen, da sie ein vergleichsweise modernisiertes Familienleitbild vertrat. So setzte sie etwa das gesetzliche Recht auf Krippenplätze durch.
Während sich die Mehrheit der Union, insbesondere an der Spitze, an veränderte gesellschaftliche Voraussetzungen anpasste, formierten sich am rechten Rand des etablierten Konservatismus zunehmend Diskurse um Einwanderung, Integration sowie die Rolle der Frau und sexuelle Vielfalt, die immer mehr in Opposition zur als zu links empfundenen Union unter Kanzlerin Angela Merkel standen.

Die Debatten in der zweiten Hälfte der 2000er Jahre hatten Erfolgsaussichten einer neuen Partei rechts der Union befeuert. Mitten in der Sarrazin-Debatte gab die Bild am Sonntag eine Umfrage in Auftrag, nach der sich 18 Prozent vorstellen könnten, eine »Sarrazin-Partei« zu wählen. Nur wenige Wochen zuvor schrieb der damalige Journalist und inzwischen für die AfD arbeitende Michael Klonovsky erwartungsvoll im Wochenmagazin Focus: »Nie war die Zeit für die Gründung einer konservativen Alternative günstiger als heute.«
Gegen die angeblich sozialdemokratisierte Union unter Merkel hatte sich vor Gründung der AfD eine Gruppierung namens »Berliner Kreis« gebildet. Die Rechtskonservativen vermochten es aber nicht, ihre Positionen in der Union zu stärken. Alexander Gauland und Konrad Adam waren Teil des Berliner Kreises, verließen diesen und die CDU, um sich auf die Suche nach etwas Neuem zu machen.

Sie fanden die nationalneoliberalen Volkswirte um Bernd Lucke, die sich zeitgleich von »ihrer« liberalkonservativen Regierung abgewandt hatten. Dazu gesellte sich das kulturkämpferische Kampagnennetzwerk um Beatrix von Storch. Ausschlaggebend für dieses Bündnis dürfte die Einschätzung gewesen sein, dass weder eine neoliberale noch eine ausschließlich rechtskonservative Partei in Deutschland langfristig Chancen gehabt hätte, sich zu etablieren.

Strategische Öffnung nach rechts
Das auf dem Gründungsparteitag der AfD im April 2013 beschlossene, lediglich drei Seiten umfassende Bundestagswahlprogramm war ein weithin liberal-konservatives Papier. Entsprechend waren im Wahlkampf offen rassistische Töne selten zu hören, wenngleich sich gegen Ende der Wahlkampagne eine Öffnung gegenüber rechts abzeichnete. Bereits Ende Juli 2013 soll Lucke in einer E-Mail angesichts des eher schleppend laufenden Wahlkampfs einen »Tabubruch« angeregt haben. »Das machen wir, indem wir Herrn Sarrazin vereinnahmen. Das kann uns viel Aufmerksamkeit, Kritik der linken Presse und viel Zuspruch in der Bevölkerung einbringen», wurde Lucke in der Presse zitiert.

Die strategische Ausrichtung nach rechts dürfte die bereits zu diesem Zeitpunkt aktiven völkisch-nationalistischen Kräfte in der AfD gestützt und noch nicht Aktive motiviert haben. Die explizite Öffnung der Partei nach rechts schlug sich vor allem im Sommer 2014 in den Landtagswahlkämpfen in Thüringen, Brandenburg und Sachsen nieder, wo die AfD mit Law-and-Order und Rassismus punkten konnte. Eine Folge: Die auch in gesellschaftspolitischen Fragen liberal Gesinnten kehrten der Partei zunehmend den Rücken. Die Geister, die er rief, konnte Bernd Lucke spätestens ab Sommer 2014 nicht mehr einfangen, zu mächtig und taktisch geschickt agierte der sich schnell entwickelnde völkisch-nationalistische »Flügel« um Björn Höcke. Bei einem außerordentlichen Parteitag Anfang Juli 2015 kam es zum Showdown zwischen einer Gruppe um Bernd Lucke und der völkisch-nationalistischen Strömung, der es gelang, auch Neoliberale und Rechtskonservative für ein Anti-Lucke-Bündnis zu gewinnen. Lucke verlor die entscheidende Wahl gegen Frauke Petry, die damals mit Höcke paktierte, und gründete erfolglos eine neue Partei.

Völkisch-nationalistische Strömung gibt heute den Takt vor
Bei der AfD ging es von Anfang an um mehr als eine »Alternative« zur vorherrschenden Europolitik. Nationalneoliberale und Rechtskonservative kamen zusammen, um das Spektrum rechts von Union und FDP zu sammeln. Früh öffneten sie Türen für die extreme Rechte. Inzwischen gibt die völkisch-nationalistische Strömung den Takt in der AfD vor. Rechtskonservative und Nationalneoliberale sind weiterhin Teil der Partei, allerdings deutlich dezimiert und schwächer als zu Beginn. Die völkisch-nationalistischen Vertreter*innen wissen zugleich, dass sie zumindest mittelfristig Nationalneoliberale und Rechtskonservative besonders aus Westdeutschland brauchen, um bundesweit relevant zu sein. Gerade den geschichtsbewussten Rechtsradikalen ist klar: Wer eines Tages die Macht haben will, ist auf die opportunistischen Teile der Konservativen, des Kleinbürger*innentums und des Kapitals angewiesen.

Völkisch-nationalistische Strömung gibt heute den Takt vor
Bei der AfD ging es von Anfang an um mehr als eine »Alternative« zur vorherrschenden Europolitik. Nationalneoliberale und Rechtskonservative kamen zusammen, um das Spektrum rechts von Union und FDP zu sammeln. Früh öffneten sie Türen für die extreme Rechte. Inzwischen gibt die völkisch-nationalistische Strömung den Takt in der AfD vor. Rechtskonservative und Nationalneoliberale sind weiterhin Teil der Partei, allerdings deutlich dezimiert und schwächer als zu Beginn. Die völkisch-nationalistischen Vertreter*innen wissen zugleich, dass sie zumindest mittelfristig Nationalneoliberale und Rechtskonservative besonders aus Westdeutschland brauchen, um bundesweit relevant zu sein. Gerade den geschichtsbewussten Rechtsradikalen ist klar: Wer eines Tages die Macht haben will, ist auf die opportunistischen Teile der Konservativen, des Kleinbürger*innentums und des Kapitals angewiesen.

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“Making teaching cheap”: secondary employment and feminisation in elementary schools in the Uppsala region in central Sweden, 1861–1910

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00309230.2023.2213161?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Regionalism and modern Europe. Identity construction and movements from 1890 to the present day

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14608944.2023.2222362?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Nations and capital. The missing link in global expansion

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14608944.2023.2222361?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

The Tokyo 2020 Olympic Games and the performativity of sport nationalism: Taiwanese identity and online mobilization

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14608944.2023.2220283?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Theatre self-translation as cultural renegotiation and a tool of empowerment: the case of Luigi Pirandello

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14781700.2023.2193192?ai=15d&mi=3fqos0&af=R

Die Anwält*innen

#Personal

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Martin Kohlmann beim Aufmarsch von Neonazis und Faschist*innen der AfD 2018 in Chemnitz. @ Mark Mühlhaus / attenzione

Die Berufsgruppe der Rechtsanwält*innen scheint besonders attraktiv in der akademisch orientierten Rechten zu sein. Generell gelten Anwält*innen als eher konservative Zunft und es dürfte auch in vielen Traditions-Jura-Fakultäten einen höheren Grad an Korporierten unter männlichen Jura-Studenten als in anderen Fächern geben. Dabei lassen sich verschiedene Typen von Anwält*innen ausmachen. Sogenannte Szene-Anwält*innen verteidigen auch aus politischer Motivation Mandant*innen gleicher Gesinnung bei einschlägigen Straftaten. Manche erstellen Gutachten oder führen juristische Schulungen für Neonazis durch. Andere organisieren sich in eigenen Netzwerken wie dem 1992 gegründeten »Deutschen Rechtsbüro« (DRB), das sich einmal selbst als »Selbsthilfegruppe zur Wahrung der Grundrechte nationaler Deutscher« bezeichnete. Das DRB soll bis 2013 die Texte von rund 300 RechtsRock-CDs begutachtet haben. Einige Anwält*innen engagieren sich wiederum in der »Alternative für Deutschland« (AfD), haben aber keine entsprechende Spezialisierung auf eine rechte Klientel. Oder sie beteiligen sich an Ideologie-Produktion wie Thor von Waldstein. Manche konservativen beziehungsweise reaktionären Anwält*innen werden vor allen Dingen wegen ihrer Reputation mandatiert.

Der Burschenschafter: Matthias Brauer
Matthias Brauer aus Bonn ist Mitglied der extrem rechten »Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn« und der »Burschenschaft Dresdensia-Rugia zu Gießen«.
Im Dachverband »Deutsche Burschenschaft« (DB) fungiert er derzeit als »Verbandsobmann für Jugendarbeit und Sport«.
Brauer beziehungsweise seine Kanzlei verteidigt besonders gerne Verbandsbrüder. So vertritt er seit 2019 Marcel Grauf gegen die Kontext-Zeitung in Stuttgart, die aus geleakten Texten zitiert hat, die sie Grauf zuordnet. Auch seine ehemalige Arbeitgeberin, die damalige Landtagsabgeordnete der AfD und heutige Bundestagsabgeordnete Christina Baum, wurde 2019 von Brauer vertreten.
Zu Brauers Kanzlei »Dr. Brauer Rechtsanwälte« mit Sitz in Bonn gehören mehrere weitere extreme Rechte wie Philipp Neumann (»Phil«). Er ist Sänger und Gitarrist der der 2007 gegründeten RechtsRock-Band »Flak«.

Die Neonazi-Anwältin: Nicole Schneiders (* 1978)
Dass Nicole Schneiders bis heute der Neonaziszene angehört, daraus macht sie in ihrem Instagram-Auftritt keinen Hehl. Ein Bild zeigt, dass bei ihr über ihrem Sofa ein Zitat der NS-Ikone Albert Leo Schlageter prangt. Ebenso aussagekräftig ist ihre Teilnahme an einer Neonazi-Demonstration in Wunsiedel am 14. November 2021 oder in Dortmund am 1. Mai 2022.
Verheiratet ist die geborene Schäfers mit Dominik Schneiders, kaum weniger neonazistisch ausgerichtet, wenn man nach dessen einschlägigen Tattoos und T-Shirts geht.
Nicole Schneiders studierte Anfang der 2000er Jahre in Jena und Mannheim Rechtswissenschaften. In Jena war sie bis 2002 stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes der »Nationaldemokratischen Partei Deutschlands« (NPD), während der NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben den Vorsitz inne hatte. Genau diesen verteidigte sie im NSU-Prozess in München.
Seit 2018 ist sie Teil der Partnerschaftsgesellschaft »Rechtsanwälte Hammer & Schneiders«. Steffen Hammer war Sänger der RechtsRockband »Noie Werte«. Als Rechtsanwalt hat er in der Vergangenheit auch Neonazis vertreten.

Totengräber der Republikaner: Rolf Schlierer (* 1955)
Das Magazin Der Spiegel nannte ihn einen »Nadelstreifen-Nationalisten«. Der Rechtsanwalt Rolf Schlierer aus Stuttgart ist aktuell etwas in Vergessenheit geraten. Er ist seit 1974 Mitglied der »Gießener Burschenschaft Germania« und war 1975/1976 Vorsitzender des Hochschulpolitischen Ausschusses der »Deutschen Burschenschaft« (DB) und 1982 bis 1985 ihr Pressereferent. Die Germania ist mittlerweile aus der DB ausgetreten und in der »Allgemeinen Deutschen Burschenschaft« (ADB) organisiert.
Nachdem Schlierer Franz Schönhuber gestürzt hatte, war er er von 1994 bis 2014 Vorsitzender der Partei »Die Republikaner«. Er versuchte zumindest nach außen hin einen eher bürgerlichen Kurs zu verfolgen. Für seine damalige Partei saß Schlierer von 1992 bis 2001 im Landtag von Baden-Württemberg. Nach langem Siechgang verließ Schlierer 2018 seine Partei.
Er tauchte im Umfeld des dubiosen »Vereins zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten« wieder auf, dessen Gründung im Dezember 2018 von ihm als Jurist begleitet wurde. Über den Verein bzw. dessen Nachfolger wurden Millionen Euro in AfD-Werbung gepumpt.
Gleichzeitig kandidierte er bei den Kommunalwahlen 2019 für die AfD in Stuttgart auf dem aussichtslosen Platz Nr. 60 und hielt in dieser Zeit bei AfD-Gliederungen Vorträge über »die Methoden des Verfassungsschutzes«.

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Der AfD-Europaabgeordnete: Dr. Maximilian Krah (* 1977)
Maximilian Krah aus Dresden ist seit 2005 Rechtsanwalt. Lange Jahre Mitglied in CDU und JU trat 2016 er aus der CDU aus und wechselte zur AfD.
Als Anwalt war der Korporierte und Katholik zeitweise Anwalt der »Piusbruderschaft«, zu der er nach eigenen Angaben erstmals 2005 Kontakte hatte. So managte er für diese millionenschwere Vermögenstransaktionen, unter anderem kümmerte er sich als Vorstandsmitglied der Jaidhofer Privatstiftung in Wien von 2008 an um die Übernahme einer Erbschaft in zweistelliger Millionenhöhe. Laut Eigenangabe hat er im Jahr 2013 den Kontakt zur Piusbruderschaft abgebrochen. Weitere Mandant*innen von ihm waren Frauke Petry oder der »Hutbürger« Maik G., der 2019 versuchte, das ZDF auf »mindestens 20.000 Euro« Entschädigung zu verklagen.
Nach Startschwierigkeiten machte er Karriere in der CDU und wurde 2019 für die AfD ins Europaparlament gewählt.
Inzwischen macht Krah durch sehr russland-freundliche Statements auf sich aufmerksam.

Der Völkische: Wolfram Nahrath (* 1962)
Wolfram Nahrath aus Berlin wurde von der taz einmal als »Berliner Star-Anwalt der Neonazi-Szene« beschrieben. Nahrath und seine Familie können auf eine lange Vergangenheit in der völkisch-neonazistischen Szene zurückblicken. Er war seit 1980 Jugendführer der »Wiking Jugend« und von 1991 bis zum Verbot 1994 ihr Bundesvorsitzender. Auch in der 2008 verbotenen Nachfolge-Organisation »Heimattreue Deutsche Jugend« war er aktiv. Ebenso war er Vorstandsmitglied der »Notgemeinschaft für Volk und Kultur« und der »Berliner Kulturgemeinschaft Preußen«. Seit 2000 war er Mitglied im NPD-Bundesschiedsgericht.
Auch seine Mandant*innen spiegeln seine Szene-Anbindung wider. So verteidigte er unter anderem den Gubener Hetz-Mörder (2000), die Band »Race War« (2006) oder diverse Holocaustleugner*innen wie Silvia Stolz (2015) oder Ursula Haverbeck (2020).

Der sächsische Separatist: Martin Kohlmann (* 1977)
Martin Kohlmann aus Chemnitz labelt sich selbst als »Fachmann für Meinungsfreiheit«. Er arbeitet seit 2007 als Strafverteidiger. Er wurde auch schon zu Geldstrafen wegen Steuerhinterziehung und Hausfriedensbruch verurteilt. Von der »Vereinigung der Strafverteidiger Sachsen« wurde Kohlmann ausgeschlossen, nachdem er im Plädoyer für seinen Mandanten aus der »Terrorgruppe Freital« den Richtern des Oberlandesgerichts Dresden drohte, sie hätten sich in der Zukunft für ihre Taten zu verantworten. Er ist kommunalpolitisch aktiv und sitzt seit 1999 im Chemnitzer Stadtrat. Erst für die Republikaner, dann für die rechte Wähler*innenvereinigung »Pro Chemnitz« und schließlich für die »Freien Sachsen«. Seine Mandat*innen waren unter anderem Günter Deckert (NPD-Bundesvorsitzender), Adrian Ursache (»Reichsbürger«) und ein bundesweit bekannt gewordener Galgen-Träger von PEGIDA. Er selbst zeigte 2017 den Sänger der Band Kraftklub an, weil dieser »Pro Chemnitz« auf einem Konzert als »Vollidioten« bezeichnete.

Der NPD-Funktionär: Peter Richter (* 1985)
Peter Richter aus Saarbrücken soll seine beiden rechtswissenschaftliche Examina als Jahrgangsbester seines Bundeslands absolviert haben. Er ist seit Dezember 2012 zugelassener Rechtsanwalt und war Prozessbevollmächtigter der NPD in ihrem zweiten Verbotsverfahren (2013-2017). Richter vertrat die NPD als Anwalt auch in anderen Gerichtsverfahren, zum Beispiel wenn er die Neutralitätspflicht von Amtsträger*innen verletzt sah, weil diese die NPD öffentlich kritisiert hatten. Er ist stellvertretender Vorsitzender des saarländischen NPD-Landesverbandes, außerdem Chefredakteur des NPD-Magazins »Deutsche Stimme«.

Der Rechtskonservative: Dr. Ralf Höcker (* 1971)
Dr. Ralf Höcker aus Köln ist Medienanwalt. Er war von Juni 2019 bis Februar 2020 Pressesprecher der »WerteUnion« und am 22. Juli 2019 Redner auf dem Sommerfest der rechten Wochenzeitung »Junge Freiheit«. Von ihm stammt folgendes Zitat: »Unser Job besteht darin, Journalisten jeden Tag auf die Finger zu hauen.« Seine Mandant*innen beziehungsweise die seiner Kanzlei sind ›bunt‹ gemischt, abzüglich der Rot-Töne. Er vertrat bereits die AfD Mecklenburg-Vorpommern, den Antisemiten Wolfgang Gedeon oder den rassistischen Schützen Hans Josef Bähner aus Köln (2020), aber genauso Recep Tayyip Erdo?an im Mai 2016 gegen den TV-Satiriker Böhmermann. Außerdem vertrat er die AfD 2018 gegen das antifaschistische Magazin »der rechte rand«.

Der Reaktionär: Joachim Steinhövel (* 1962)
Joachim Steinhövel aus Hamburg wurde von der FAZ als »Pitbull in Robe« tituliert. Der Rechtsanwalt betreibt seit 1989 eine eigene Kanzlei in Hamburg und moderierte beim privaten Sender Radio Schleswig-Holstein in Kiel und später im RTL-Fernsehen unterschiedliche Sendungen. Gelegentlich schreibt Steinhövel für das rechts-libertäre Monatsmagazin »eigentümlich frei«, den rechten Blog »Achse des Guten« oder das rechte Onlinemagazin »Tichys Einblick«.
Auf dem Sommerfest der »Jungen Freiheit« am 15. Juli 2017 hielt er eine Rede und referierte für die AfD im Juni 2020 im Bundestag zum Thema »Faktenchecker: Meinungsdiktatur im Netz!«.
Von der NS-Szene hält er sich fern. Mandant*innen von Steinhövel waren Reaktionäre wie Matthias Matussek, Akif Pirincci, Gabriele Kuby, Hedwig von Beverfoerde, Henryk M. Broder, Hamed Abdel-Samad oder Roland Tichy.

Der Beitrag Die Anwält*innen erschien zuerst auf der rechte rand.

Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/9511/die-anwaeltinnen/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=die-anwaeltinnen

Sámi Feminism and Activism in Ann-Helén Laestadius’ Novel Stöld

Volume 31, Issue 2, June 2023
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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/08038740.2023.2214376?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Unashamed Citizenship: Activist Voices in Scandinavia

Volume 31, Issue 2, June 2023
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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/08038740.2023.2207310?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

“Women Became Free!” Activism, Feminism, Race, and Political Poetry of the Second Degree in Henrika Ringboms Händelser ur Nya Pressen 1968-1974

Volume 31, Issue 2, June 2023
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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/08038740.2023.2183987?ai=z4&mi=3fqos0&af=R