Rezension zu: Ulrike Lembke (Hg.): Regulierungen des Intimen. Sexualität und Recht im modernen Staat. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2017.

Seit dem Paradigmenwechsel vom Moralstrafrecht zum Rechtsgüterschutz hält sich der Staat offiziell aus den einvernehmlichen sexuellen Beziehungen der Bürger*innen heraus. Dass es dieser Liberalisierungserzählung zum Trotz zu vielfältigen rechtlichen Zugriffen auf Intimität, Sexualität und Geschlecht kommt, verdeutlicht der von Ulrike Lembke herausgegebene Band auf anschauliche Weise. Nicht allen Autor*innen gelingt es, rechtliche Fragen mit solchen zu verbinden, die über das Recht als Bezugssystem hinausweisen und damit an Fragestellungen aus anderen Disziplinen anschlussfähig sind. Dennoch ist der Band auch für Nichtjurist*innen mit einem Interesse an dem Nexus von Recht und Sexualität zu empfehlen.

Quelle: https://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/1222

Rezension zu: Jenny Bauer: Geschlechterdiskurse um 1900. Literarische Identitätsentwürfe im Kontext deutsch-skandinavischer Raumproduktion. Bielefeld: transcript Verlag 2016.

In vier Einzelfallanalysen aus der deutschsprachigen und skandinavischen Moderne verhandelt Jenny Bauer in ihrer literaturwissenschaftlichen Arbeit geschlechtliche Subjektentwürfe zwischen Hegemonie und Marginalisierung. Geleitet wird die Auseinandersetzung mit verschiedenen Konzeptionen von Männlichkeit und Weiblichkeit, von Heterosexualität und Homosexualität durch die übergreifende Frage nach den Interdependenzen zwischen Raum und Geschlecht, denen sich Bauer durch eine methodologische Engführung verschiedener Ansätze aus der Raum- und der Gendertheorie nähert.

Quelle: https://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/1221

Rezension zu: Jürgen Budde, Susanne Offen, Anja Tervooren (Hg.): Das Geschlecht der Inklusion. Opladen u.a.: Verlag Barbara Budrich 2016.

Gegenstand der 2016 erschienenen Ausgabe des Jahrbuchs Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft ist eine Auslotung des Potentials, das Theoreme aus den Gender, Queer und Disability Studies für das aktuelle Paradigma der Inklusion bieten. Im Fokus stehen dabei gesellschaftliche Normen und Normalisierungsprozesse. Weitere Schwerpunkte sind die Themen Intersektionalität, Care und die Frage nach einer anderen, weniger auf Autonomie und stattdessen auf zwischenmenschliche Abhängigkeiten und Beziehungen ausgerichteten Ethik.

Quelle: https://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/1228

Rezension zu: Nadine Balzter, Florian Cristobal Klenk, Olga Zitzelsberger (Hg.): Queering MINT. Impulse für eine dekonstruktive Lehrer_innenbildung. Opladen u.a.: Verlag Barbara Budrich 2016.

Mit seinen fundierten Einführungen und besonders seinen fachspezifischen Ansätzen liefert Queering MINT eine Fülle von differenzierten Ansätzen und Praxen für eine queer-feministisch inspirierte Pädagogik in Mathematik, Naturwissenschaften, Informatik und Technik: eine sehr zu empfehlende und lesenswerte Sammlung für alle, die sich mit (un-)möglichen Dialog- und Lehrversuchen in MINT befassen.

Quelle: https://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/1231

Rezension zu: Jürgen Martschukat, Olaf Stieglitz (Hg.): race & sex: Eine Geschichte der Neuzeit. 49 Schlüsseltexte aus vier Jahrhunderten neu gelesen. Berlin: Neofelis Verlag 2016.

Anhand der Vorstellung und Analyse von 49 Schlüsseltexten aus vier Jahrhunderten wird die Geschichte der Neuzeit erzählt. Die gewählten Quellen fokussieren dabei auf unterschiedlichste Weise das Verhältnis von Rassismus einerseits und Sexualität und Geschlechtlichkeit andererseits.

Quelle: https://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/1229

Rezension zu: Silke Martin, Lena Eckert (Hg.): Schöner Lehren. Gegendert und gequeert. Marburg: Schüren Verlag 2017.

„Was kann es heißen, gendersensibel und diversitygerecht in den Medienwissenschaften zu lehren? Welche Didaktiken lassen sich verwenden und wie können Methoden umgesetzt werden?“, fragen die Herausgeber*innen im Klappentext. In fünf Modulbausteinen für Seminarsitzungen à 90 Minuten zeigen die Autor*innen Antworten auf diese Fragen auf. Eine programmatische Einleitung und ein Gespräch zwischen den Autor*innen über ihre Lernprozesse in Bezug auf gendersensible und diversitygerechte Lehre kontextualisieren diese Module. Anhand der Modulbausteine werden Möglichkeiten für die didaktische Gestaltung von spezifischen Seminarsitzungen illustriert. Darüber hinaus ist das vorliegende Bändchen jedoch zu unentschieden in seinem Anliegen; die in der Einleitung formulierten Ansprüche werden nur teilweise eingelöst.

Quelle: https://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/1232

Rezension zu: Imke Leicht: Wer findet Gehör? Kritische Reformulierungen des menschenrechtlichen Universialismus. Opladen u.a.: Verlag Barbara Budrich 2016.

Imke Leicht gelingen kritische Reformulierungen des menschenrechtlichen Universalismus, an deren Ausgangspunkt die moralphilosophische Theorie Seyla Benhabibs steht. Zugleich unterzieht sie Benhabibs Theorie einer Kritik, da Benhabibs auf Verständigung orientierter Universalismus die real existierenden rechtlichen Ausschlüsse nicht erfasse, die verhindern, dass Menschenrechte faktisch gelten. Hierzu nutzt Leicht die Kritik an gesellschaftlichen Normen von Judith Butler sowie die postkoloniale Kritik von Gayatri Spivak. Für die kritische Reformulierung des menschenrechtlichen Universalismus ist nach Leicht allerdings entscheidend – der Normativitätskritik von Butler und Spivak zum Trotz –, am Universalismus sowie einer normativen Unterscheidung zwischen exkludierenden und emanzipatorischen Normen festzuhalten.

Quelle: https://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/1225

Rezension zu: Christine Riegel: Bildung – Intersektionalität – Othering. Pädagogisches Handeln in widersprüchlichen Verhältnissen. Bielefeld: transcript Verlag 2016.

In ihrer erziehungswissenschaftlichen Habilitationsschrift untersucht Christine Riegel das emanzipatorische Potential und die sozialen Ungleichheitsverhältnisse, die durch Bildung und Bildungsorganisationen erzeugt bzw. konsolidiert werden. Damit greift sie ein bildungspolitisch relevantes Thema auf, das auf fundiertem, theoretisch versiertem Niveau bearbeitet wird. Sie systematisiert die intersektionale Analyseperspektive, um kritische, veränderungsorientierte Aussagen über akute macht- und herrschaftsbasierte Bildungspraktiken in Schule und Jugendarbeit zu treffen. Die qualitativ-empirische Studie zielt darauf ab, Differenz- und Dominanzverhältnisse in der sozialen Praxis offenzulegen und bewusst zu machen, inwieweit permanente Reflexion essentieller Bestandteil pädagogischen Handelns ist.

Quelle: https://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/1230

Rezension zu: Martina Schattkowsky (Hg.): Frauen und Reformation. Handlungsfelder – Rollenmuster – Engagement. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2016.

Der Sammelband, der Teil eines Großprojektes aus Anlass des Jubiläumsjahres der Reformation ist, enthält zwölf Einzelbeiträge, die in drei thematische Kategorien eingeordnet sind. Die Forschungsfrage lautet, ob die Reformation den Frauen neue Handlungsspielräume eröffnete und damit auch neue Handlungsfähigkeiten für sie schuf. Die Einzelbeiträge werden im Hinblick auf diese Forschungsperspektive kritisch erörtert. Ganz besonders hervorzuheben ist der programmatische Aufsatz von Ute Gause, die die Reformationsgeschichtsschreibung und die Genderforschung engführt und eine Neukonzeptionierung der Reformations- und evangelischen Kirchengeschichtsschreibung unter Einschluss der Geschlechterforschung fordert.

Quelle: https://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/1227

Rezension zu: Lynne Fallwell, Keira V. Williams (Hg.): Gender and the Representation of Evil. New York u.a.: Routledge 2017.

Als Normenüberschreiterin wird ‚die böse Frau‘ im vorliegenden Sammelband aus interdisziplinärer Perspektive betrachtet. Die mediale Repräsentation der ‚bösen Frau‘ erweist sich dabei als zentrales Element gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse. Obwohl die Kategorie des ‚Bösen‘ sowie die Kategorie ‚Gender‘, die hier explizit in ihrer ‚weiblichen‘ Kodifikation Beachtung findet, als Konstrukte betrachtet werden, lässt es der Schwerpunkt der Beiträge auf dem 19. und 20. Jahrhundert nicht zu, die diachrone Perspektive um frühere Epochen zu erweitern. Diese hätten das in der Gesamtschau der Beiträge suggerierte, relativ statische Frauenbild perspektivieren können. Eindrücklich demonstriert der Band, dass Repräsentationen ‚des Bösen‘ geschlechtsspezifisch kodiert sind.

Quelle: https://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/1233