Die Unversöhnlichen müssen gehen

#Rauswurf

In Baden-Württemberg wurden Ende März 2020 die AfD-Landtagsabgeordneten Stefan Räpple und Wolfgang Gedeon aus ihrer Partei ausgeschlossen. Beide wollen das nicht hinnehmen und haben angekündigt, die Entscheidung vor einem ordentlichen Gericht anzufechten.

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Stefan Räpple und Wolfgang Gedeon © Leon Wallis / Wikimedia / CC BY-SA 4.0

Rauswurf: Stefan Räpple
Stefan Räpple fiel als Landtagsabgeordneter der AfD wiederholt durch Pöbeleien auf. Für bundesweite Schlagzeilen sorgte Räpple am 4. November 2019, als er mit anderen Rechten mit einem »Merkel muss weg«-Transparent die Einweihungszeremonie eines NSU-Gedenkortes in Zwickau – in Anwesenheit der Kanzlerin – störte. Später schrieb er zur Störaktion auf Facebook: »Nicht nur dass dieser Fake-NSU-Blödsinn in Zwickau durch eine sinnlose Baumpflanzaktion in die Gehirne des gebeutelten und geschröpften Volkes wieder und wieder hineingehämmert wird. Nein, Angela Merkel lässt die ganze Innenstadt weiträumig sperren, damit sie ja nicht mit dem Volk in Berührung kommt und in Ruhe an der Fake-NSU Gedenkveranstaltung Rosen niederlegen kann.«

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Bereits am 11. Dezember 2018 fasste das Landesschiedsgericht der AfD Baden-Württemberg den Beschluss, gegen Räpple ein Parteiausschlussverfahren wegen Verstößen gegen die Grundsätze der Partei und wiederholten parteischädigenden Verhaltens einzuleiten. Es dauerte bis März, ehe er ausgeschlossen wurde. Räpple gab bekannt, vor ein ordentliches Gericht zu gehen und griff seine ehemaligen Parteikolleg*innen harsch an: »Dieser Ausschlussversuch ist natürlich ein Affront gegen diejenigen Mitglieder und Wähler, die sich eine AfD als authentische (Fundamental-) Opposition gegen die deutschenhassenden Altparteien wünschen und auch ist es ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die in der Aufgabe der Oppositions-Abgeordneten mehr sehen, als brav ins Parlament zu gehen, die Diäten zu kassieren, Muscheln mit den anderen zu essen, nicht anzuecken und den Kontakt zur Straße zu verlieren.« Räpple vermutete zudem eine gezielte Verschwörung: »JEDE bundesdeutsche Partei wird von der Geburt an von den Geheimdiensten strukturell unterwandert, wahrscheinlich sogar mitbegründet. Neben dem sog. Verfassungsschutz, also die BRD-Stasi, tummeln sich auch hunderte BND-Agenten und Mitglieder von ausländischen Geheimdiensten in ALLEN Parteien herum.« [Hervorhebung im Original.]

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© Lucius Teidelbaum

Rauswurf: Wolfgang Gedeon
Ebenso wie im Fall Räpple, erfolgte der Rauswurf von Wolfgang Gedeon im März 2020. Entschieden hatte in diesem Fall das Bundesschiedsgericht. Der Landtagsabgeordnete war bereits am 6. Juli 2016, nach einem Streit um seine antisemitischen Aussagen und einer vorübergehenden Fraktionsspaltung, aus der AfD-Landtagsfraktion ausgetreten, blieb jedoch weiterhin Parteimitglied. Der vom Landesverband angestrengte Rauswurf aus der Partei scheiterte jedoch im Dezember 2017. Parallel dazu gab es in der AfD-Landtagsfraktion immer wieder Versuche Gedeon zu reintegrieren. Schließlich entschied das Bundesschiedsgericht am 20. März 2020 gegen ihn. In einer ersten Reaktion auf den Ausschluss führte Gedeon seinen Rauswurf auf seine Haltung als vermeintlichen ‘Antizionisten’ zurück und schlussfolgerte: »Wer sich also gegen die aggressiv-nationalistische Ideologie des Zionismus positioniert und sich – wie ich mich – als Antizionist versteht, hätte demnach keinen Platz in der AfD.« Ebenso wie Räpple, kündigte er juristische Maßnahmen an: »Ich werde aber – auch mit den Mitteln der öffentlichen Gerichtsbarkeit – dafür sorgen, dass sie ihr Ziel nicht erreichen und die AfD nicht zum trojanischen Pferd der rechten Opposition wird!«

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Parteifreie Rechtsradikale
Gedeon und Räpple dürften in den Funktionärs-Reihen der AfD nur wenige beispringen. Ähnlich wie die bereits ausgeschlossene Doris von Sayn-Wittgenstein sind auch die Vertreter*innen des in Auflösung befindlichen »Flügels« nicht für die beiden in die Bresche gesprungen. Räpple und Sayn-Wittgenstein gehören zu einer Strömung, die von der »Jungen Freiheit« als »Burladinger Flügel« bezeichnet wird, benannt nach der kleinen Stadt Burladingen im Zollernalbkreis (Baden-Württemberg), in dem sich die Gruppe im Januar 2019 traf. In diesem »Burladinger Flügel« versammeln sich diejenigen Hardliner*innen, die selbst dem »Flügel« um Höcke zu undiszipliniert sind. Diese Gruppe ist zwar nicht identisch mit den Herausgeber*innen des Newsletter »Stuttgarter Briefe«, wird aber von diesem unterstützt. In der 12. Ausgabe, von Anfang April 2020 wird sich mit Gedeon und Räpple solidarisiert und dem AfD-Bundesvorstand vorgeworfen, er wolle sich »bei den Deutschlandabschaffern anbiedern«. Zudem wird der Bundesvorsitzende Jörg Meuthen wegen seines Vorschlags einer Parteispaltung zum Rücktritt aufgefordert. Auch wenn Meuthens Position durch seinen Vorschlag zur geordneten Parteispaltung ins Wanken geraten sein sollte, wird wohl kaum jemand Räpple oder Gedeon in die Partei zurückholen wollen. Sie werden aller Voraussicht nach, parteifreie Rechtsradikale bleiben. Die AfD wird durch den Rauswurf der beiden Quertreiber jedoch kaum weniger rechtsradikal, nur disziplinierter. Sie hat sich mit Räpple und Gedeon eines hinderlichen Ballasts entledigt, der bei bürgerlichen Rechtswähler*innen für Hemmnisse gesorgt haben dürfte.

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Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/6540/unversoehnliche-afd-raepple-gedeon/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=unversoehnliche-afd-raepple-gedeon

Sisterhood and after: an oral history of the UK women’s liberation movement, 1968–present

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13507486.2020.1747846?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

All that Glitters is Not Gold: Shrinking and Bending Gender Equality in Rankings and Nation Branding

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/08038740.2020.1745884?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Literary portrayals of court interpreters and Irish speakers in the long nineteenth century

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14781700.2020.1745679?ai=15d&mi=3fqos0&af=R

The Compleat German Economic Voter: New Pathways in Patrimonial and Positional Economic Voting

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09644008.2020.1750006?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

The Politics of Ecocide, Genocide and Megaprojects: Interrogating Natural Resource Extraction, Identity and the Normalization of Erasure

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14623528.2020.1754051?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Strömungsübergreifende Geschlossenheit

#Hessen

In Hessen haben prominente »Flügel«-Anhänger*innen angekündigt, ihre Strukturen aufzulösen. Diese Entscheidung dürfte die Geschlossenheit des Landesverbandes stärken.

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Andreas Lichert gratuliert Robert Lambrou zur Wahl als Landesvorsitzenden
© Mark Mühlhaus / attenzione

Nachdem der Bundesvorstand seine Forderung nach Auflösung des »Flügels« verkündet hatte, forderte Klaus Herrmann, einer von zwei Landessprechern der hessischen »Alternative für Deutschland« (AfD), »die komplette Auflösung aller Strukturen, seien sie finanziell oder personell«. Dem kamen namhafte Vertreter*innen des hessischen »Flügels« nach: mit einem entsprechenden Schreiben wandten sich die Flügel-Obfrau Christine Anderson sowie die Landtagsabgeordneten Andreas Lichert und Heiko Scholz an die Anhänger*innen des »Flügels«.

Nur wenige »Flügel«-Mitglieder bekennen sich
In Hessen haben sich in der jüngeren Vergangenheit nur wenige Mitglieder offen als Anhänger*innen des »Flügels« zu erkennen gegeben. Diejenigen, die es taten, nehmen führende Positionen ein. Der prominenteste unter ihnen ist Andreas Lichert. Er war von 2005 bis 2018 im Vorstand des Trägervereins des »Instituts für Staatspolitik« – in dem er zudem über zehn Jahre den Vorsitz inne hatte. 2017 trat er als Bevollmächtigter beim Kauf eines Hauses in Halle auf, das sich zum wichtigsten Stützpunkt der »Identitären Bewegung« (IB) in Deutschland entwickeln sollte. Lichert stand der IB schon länger nahe und kritisierte öffentlich den im Juni 2016 verabschiedeten Unvereinbarkeitsbeschlusses der Parteimitgliedschaft mit der IB. Trotz dieses Beschlusses trat Lichert immer wieder mit Vertreter*innen der IB auf. Doch geschadet hat dies dem Landesvorstandsmitglied kaum. Innerhalb der Landtagsfraktion gilt er als einflussreich und vertritt die Fraktion in zwei Ausschüssen. Deutlich geringer ist der Einfluss der »Flügel«-Obfrau Christine Anderson. Nach internen Auseinandersetzungen trat sie 2018 vom Vorsitz im Limburger Kreisverband zurück und gab ihren Sitz im Kreistag auf. Doch ihre Wahl ins EU-Parlament im Mai 2019 verlieh ihrer Stimme neue Kraft. Die ehemalige PEGIDA-Aktivistin bekannte sich in ihrer Rede beim Kyffhäusertreffen im Juli 2019 zu Höcke und betonte, für sie mache der »Flügel« den entscheidenden Faktor für die Erfolge der AfD aus.

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Flügel-Obfrau Christine Anderson erklärt die Welt
© Mark Mühlhaus / attenzione

Der dritte im Bunde, Heiko Scholz, war bis dato noch nicht öffentlich als »Flügel«-Anhänger in Erscheinung getreten. Scholz ist bildungspolitischer Sprecher der Fraktion und nimmt im LV insbesondere die Rolle des Fürsprechers der – auch vom hessischen Verfassungsschutz beobachteten – »Jungen Alternative« (JA) ein. Mit Jens Mierdel stellte er im Juli 2019 den damaligen Vorsitzenden der JA Hessen als persönlichen Referenten ein. Über Mierdel war zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt, dass er zwei Jahre in der IB aktiv und zeitweise auch Bezirksleiter der IB Hessen war.

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Erweiterter Kreis
Obwohl sich über diese Personen hinaus kein Landtagsabgeordneter öffentlich zum »Flügel« bekannte, gibt es bei einigen eine erkennbare Nähe. So nahm der parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Frank Grobe, an mehreren Kyffhäusertreffen teil. Dimitri Schulz war für den 28. März 2020 als Co-Redner von Höcke in Höxter angekündigt – ehe die Veranstaltung abgesagt wurde. Schulz hatte im August 2017 für Aufsehen gesorgt, nachdem er auf dem Kongress der Russlanddeutschen in der AfD Beifall klatschte, als der Redner Jan von Flocken den Holocaust-Leugner Horst Mahler einen »politischen Gefangenen« der BRD nannte. Ein Indikator für die Nähe zu Höcke und dem »Flügel« könnte die Zurückhaltung einiger Landtagsabgeordneter gegenüber dem Appell »Für eine geeinte und starke AfD« vom Juli 2019 sein. Den Appell, mit dem sich rund 100 Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet gegen Höckes Angriff auf den Bundesvorstand wandten, unterschrieben – trotz Aufforderung durch die Vorsitzenden – nur 10 von 17 Abgeordneten. Auch in einigen Kreisvorständen scheinen »Flügel«-Anhänger*innen zumindest die Richtung vorzugeben. Hierzu dürften insbesondere der von Andreas Lichert geführte Wetteraukreisverband sowie Vorstandsmitglieder der Kreisverbände Offenbacher Land und Groß Gerau zählen.

»Flügel«-nahe »Junge Alternative«
Deutlich unverhohlener als die Abgeordneten gaben sich Mitglieder der JA Hessen als Höcke- und »Flügel«-Anhänger*innen zu erkennen. Dies zeigte sich zuletzt auf dem Kyffhäusertreffen 2019. Während Mary Khan die Veranstaltung moderierte, trat Patrick Pana als Bannerträger des hessischen Flügel-Ablegers auf. Khan ist seit 2017 Mitglied des Vorstandes der JA Hessen und mittlerweile auch stellvertretende Bundesvorsitzende. Von Ende 2017 bis Anfang 2019 war sie zudem Mitglied im Landesvorstand (LV) der hessischen AfD. Pana ist stellvertretender Landesvorsitzender der JA Hessen und bekennender Anhänger des Sozialpatriotismus des »Flügels«. Er nahm an Akademien des IfS teil und stand immer wieder im persönlichen Kontakt mit (ehemaligen) Akteur*innen der IB (siehe drr 177).

So zuletzt am 27. März 2020 im Rahmen eines Gastbeitrages für das online-Magazin »Tagesstimme«. Das Magazin hat seinen Redaktionssitz im ehemaligen Quartier der IB Graz und wird geleitet von Stefan Juritz, der bis vor kurzem Aktivist der IB Österreich war. Dort fordert Pana in klassischer »Flügel«-Sprache, die AfD müsse »Bewegungspartei werden« . Den »Flügel« bezeichnet er als »Wächter der Gründungsideale [der AfD] und Brandmauer zu einem verkommenen Parteienkartell«.

Die Landesvorsitzenden halten die Reihen geschlossen
In seinen ersten Jahren war der hessische LV von offen ausgetragenen Richtungskämpfen und persönlichen Machtkämpfen geprägt. Dies änderte sich im Dezember 2017 mit der Wahl von Robert Lambrou und Klaus Herrmann zur Landesspitze. Ihre damalige Losung war die Geschlossenheit des LV (siehe drr 170).

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Dies gelang ihnen, indem sie sich bei kritischen Pressenachfragen zum Verhalten ihrer Mitglieder – mit wenigen Ausnahmen – schützend vor ihre Parteikameraden stellten. Lediglich in Einzelfällen leitete man demonstrativ Ausschlussverfahren ein (siehe drr 175).

Darüber hinaus mied das Duo stets den Konflikt mit dem »Flügel«. Immer wieder behauptet Lambrou, die gesamte Partei – auch explizit der »Flügel« und Personen wie Andreas Lichert – stünden »auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung« (siehe drr 174).

Noch im Juli 2019 betonte Lambrou gegenüber der Hessenschau, der »Flügel« gehöre zur AfD.

Die Strategie der Landesspitze ging bisher auf: Die Mehrheit der hessischen »Flügel«-Mitglieder vermied trotz klarer Bekenntnisse zu Höcke & Co die Konfrontation mit der Landesspitze und bekundete als Reaktion auf die von Jörg Meuthen ins Spiel gebrachte Spaltung der Partei den Willen zur Einheit. Denn sie wissen: Sie können auf die Rückendeckung der Landesspitze bauen und weiter politisch wirken wie zuvor. Oder wie es Andreas Lichert als Reaktion auf den Beschluss des Bundesvorstands zur Auflösung des »Flügels«, formulierte: »Diese Leute, diese Gedanken und die politischen Schlüsse daraus, die bleiben ja in der Partei und das ist das wichtigste.«

Der Beitrag Strömungsübergreifende Geschlossenheit erschien zuerst auf der rechte rand.

Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/6496/stroemungsuebergreifende-geschlossenheit-afd-hessen/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=stroemungsuebergreifende-geschlossenheit-afd-hessen

Germany and Namibia: Negotiating Genocide

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14623528.2020.1750823?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Triple Victimhood: On the Mnemonic Confluence of the Holocaust, Stalinist Crime, and Colonial Genocide

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14623528.2020.1750822?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Translating sectarianism: Performing identities in Northern Irish football

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14781700.2020.1746390?ai=15d&mi=3fqos0&af=R