Vorträge und kleinere Arbeiten. 1934–1935

Journal Name: Journal for the History of Modern Theology / Zeitschrift für Neuere Theologiegeschichte
Volume: 26
Issue: 2
Pages: 130-136

Quelle: http://www.degruyter.com/view/j/znth.2019.26.issue-2/znth-2019-0021/znth-2019-0021.xml

Powers of Distinction: On Religion and Modernity

Journal Name: Journal for the History of Modern Theology / Zeitschrift für Neuere Theologiegeschichte
Volume: 26
Issue: 2
Pages: 147-151

Quelle: http://www.degruyter.com/view/j/znth.2019.26.issue-2/znth-2019-0024/znth-2019-0024.xml

Karl Barth. Ein Leben im Widerspruch

Journal Name: Journal for the History of Modern Theology / Zeitschrift für Neuere Theologiegeschichte
Volume: 26
Issue: 2
Pages: 139-147

Quelle: http://www.degruyter.com/view/j/znth.2019.26.issue-2/znth-2019-0023/znth-2019-0023.xml

Geschichte und Gemeinschaft bei Ernst Troeltsch

Journal Name: Journal for the History of Modern Theology / Zeitschrift für Neuere Theologiegeschichte
Volume: 26
Issue: 2
Pages: 152-155

Quelle: http://www.degruyter.com/view/j/znth.2019.26.issue-2/znth-2019-0025/znth-2019-0025.xml

‘Enlightenment takes hold of our lands’: translating and publishing in Volhynia and Podolia in the 1800s–50s

.

Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13507486.2019.1676197?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

‘Enlightenment takes hold of our lands’: translating and publishing in Volhynia and Podolia in the 1800s–50s

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13507486.2019.1676197?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Zwischen Männlichkeit, Metapolitik und Straßenkampf

#Treffpunkt

In den vergangenen fünf Jahren hat sich Kampfsport für die Neonazi-Szene zum wichtigsten Aktionsfeld neben RechtsRock entwickelt. Bei Veranstaltungen wie dem »Kampf der Nibelungen« kommen hunderte Neonazis, Hooligans und Rocker zusammen. Die Ideologie dahinter ist sexistisch, gewalttätig und nationalsozialistisch.

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»Kampf der Nibelungen« Transparent bei der Veranstaltung in Ostritz 2018 @ Henrik Merker

Im Februar 2019 gingen die Organisatoren des größten extrem rechten Kampfsport-Events, des »Kampf der Nibelungen« (KdN), öffentlich auf die Suche nach einem neuen Veranstaltungsort. In den sozialen Netzwerken posteten sie: »Wir suchen eine Halle für den KdN 2019. Es kann eine Eventhalle, Disco oder Stadthalle sein. Voraussetzung wäre Platz für ca. 1000 Zuschauer.« Die neue Suche zeigt, wie groß mittlerweile der Zulauf zu derartigen Events in der Szene und darüber hinaus ist. Neben RechtsRock hat sich damit ein weiteres subkulturelles Aktionsfeld etabliert und in den letzten Jahren professionalisiert, das über die extrem rechte Szene hinaus reicht und so auch andere Milieus mobilisiert. Im Vergleich dazu gibt es hingegen bundesweit keine relevante neonazistische Demonstration mehr, die TeilnehmerInnenzahlen jenseits der 1.000 Personen mobilisieren könnte.

Der KdN oder »Ring der Nibelungen«, wie er noch 2013 bei seiner Gründung hieß, zog in den Anfangsjahren »nur« zwischen 120 und 200 ZuschauerInnen an. Die rechte Szene hat sich in den vergangenen Jahren deutlich sichtbar auf die Aktionsfelder RechtsRock und Kampfsport orientiert. Diese agieren aber keineswegs getrennt, sondern sind personell und organisatorisch eng miteinander verwoben. Das zeigte sich nicht nur 2018, als der KdN Teil des RechtsRock-Events »Schild & Schwert« von Thorsten Heise in Ostritz war, sondern auch international wie beim »Propatria Fest« nahe Athen im April 2019. »Propatria Fest« ist nicht nur ein Kampfsportevent, sondern gleichzeitig auch eine RechtsRock-Veranstaltung, bei der Auftritte verschiedener RechtsRock-Bands wie der »Green Arrows« oder »Terrorsphära« zum Rahmenprogramm gehören.

Auch mehrere der deutschen Neonazimarken, welche die neonazistische Kampfsportszene unterstützen, werden von Personen betrieben, die sich aus der RechtsRock-Szene rekrutieren, wie beispielsweise die Marke »Greifvogel Wear – Radical Warrior Clothing Brand«, die ihren Sitz in Südbrandenburg hat und vom ehemaligen »Blood&Honour«-Mitglied Sebastian Raack betrieben wird. Raack ist darüber hinaus auch Betreiber des Labels/Versands »Opos Records«. Und auch die Marke »Black Legion« hat nicht nur eine Partnerschaft mit den RechtsRock-Bands »Green Arrows« und »Frontalkraft«, sondern ihr Besitzer Martin Seidel ist außerdem Inhaber des Labels/Versands »Rebel Records«. Damit hat sich also offensichtlich nicht nur ein neues Betätigungsfeld der Szene weiter vergrößert, sondern auch die geschäftlichen Aktionskreise einiger Bewegungsunternehmer haben sich erweitert.

Nicht neu, aber im Aufwind
Dass sich die extrem rechte Szene auch für den militanten Kampf wappnet, ist keineswegs neu. In den zurückliegenden Jahrzehnten gab es immer wieder Wehrsportgruppen und ähnliche Aktivitäten, die sich nicht nur auf den militanten politischen Kampf vorbereiteten, sondern aus deren Reihen auch Anschläge und Morde verübt wurden. Und auch die Kampfsportszene wird nicht erst in den vergangenen fünf bis sechs Jahren von der extremen Rechten aktiv genutzt. Schon 2005 berichtete das »Antifaschistische Infoblatt« (AIB 68/ 4.2005) über die Überschneidungen der Neonaziszene mit dem Kampfsport- und Hooligan-Milieu – sowohl beim Publikum als auch bei den Kämpfern – zum Beispiel beim »Fight Club Chemnitz«.

Außerdem gab es bereits Anfang der 2000er Jahre Kampfsportteams in Sachsen, die sich von neonazistischen Firmen wie »Front Records« sponsern ließen. Mit dem weiteren Ausbau der Strukturen dürfte aber nicht zuletzt auch der in den letzten Jahren aufgetretene Boom um die Kampfsportarten Kickboxen oder Mixed Martial Arts (MMA) insgesamt zu tun haben.

Die neonazistische Szene hat derartige Entwicklungen immer auch aufgenommen und für sich nutzbar gemacht. In den vergangenen Jahren ist eine enorme Professionalisierung deutlich geworden, die es der Szene auch aus ihren Erfahrungen im Bereich RechtsRock ermöglicht, derartig große Events auf die Beine zu stellen. Damit einher geht auch ein zunehmend selbstbewusstes Auftreten in der Öffentlichkeit. Die Zeiten der klandestin organisierten Konzerte und Kampfsport-Events sind längst vorbei: Großkonzerte mit bis zu 6.000 TeilnehmerInnen aus ganz Europa und ein KdN mit erwarteten 1.000 BesucherInnen sind die aktuelle Realität der neonazistischen Großveranstaltungen.

Kampfsport als Metapolitik und im Spiegel extrem rechter Ideologie

Der aktuelle Kampfsport-Boom wird dabei am rechten Rand spektrenübergreifend ideologisch eingeordnet und begrüßt. Auf verschiedenen Ebenen konstruiert die Szene damit die Rückkehr zu einer »Wehrhaftigkeit des Volkes« und zur »Männlichkeit«.

Schon 2017 schrieb die neu-rechte »Blaue Narzisse«: »Männer müssen kämpfen. Sie müssen Frau und Kind, Volk und Vaterland verteidigen, wenn es sein muss. (…) Eine Gesellschaft, die nicht mehr weiß, wie man kämpft, die nicht mehr den gerechten Zorn des Angegriffenen kennt, ist zum Untergang verurteilt.« Der Duktus neonazistischer Publikationen zum Thema ist dabei nahezu gleich. Auf der extrem rechten Plattform »Gegenstrom« erschien Anfang 2018 ein Text unter dem Titel »Kampfsport als Metapolitik«, in dem es heißt: »In Zeiten der propagierten Geschlechtsneutralität bzw. der Gleichmacherei ist Kampfsport eins der wenigen Bindeglieder, in der der deutsche und westeuropäische Mann sich seiner Männlichkeit noch bewusst sein darf.« Verbunden wird diese Konstruktion von »Männlichkeit« mit dem Argumentationsmuster einer vermeintlichen Verteidigung gegen »Migranten«. Die »Blaue Narzisse« schreibt dazu: »Umso problematischer wird die Situation, wenn solcherart konditionierte Männer auf Millionen von Einwanderern treffen, deren Kultur mehr oder minder genau gegenteilig ausgerichtet ist.

Die Zurückweisung der Verteufelung von Kriegertum und wehrhafter Gesinnung ist also mehr als die Verteidigung eines ‹Hobbys›, sondern notwendig zur Auferstehung des Abendlandes.« Die neonazistische Partei »Der III. Weg« arbeitet mit ihrer Untergruppe »Körper und Geist« daran, »einmal das ganze Volk wieder wehrhaft zu machen« und versteht die eigene Sportgemeinschaft als »Teil einer Bewegung zur völkischen Wiedergeburt unserer Nation«, wie es auf der Homepage heißt. Und auch die Plattform »Gegenstrom« konstruiert eben jenes Bedrohungsszenario, wenn die Neonazis schreiben: »Fast täglich muss die autochthone Bevölkerung zuschauen, wie Volksangehörige durch kulturfremde Migranten drangsaliert werden.«

Eben jene Argumentation ist es auch, die als ideologische Grundlage eines rechten Terrors gilt, der seine Mordtaten – wie in Neuseeland – als Verteidigungsaktion gegen eben jene konstruierte Bedrohungslage beziehungsweise die »Überfremdung« versteht. Dass das Kampfsporttraining bei weitem nicht nur im Ring eingesetzt werden soll, lassen die verschiedenen Erörterungen, die in der extrem rechten Szene existieren, mehr oder weniger deutlich werden. So heißt es bei »Gegenstrom«: »Es dürfte davon ausgegangen werden, dass die Bereitschaft dann draußen, außerhalb der Trainingseinrichtungen, genauso geweckt ist, wenn es die Situation erfordert.«

Die ideologischen Deutungsmuster bewegen sich dabei tief im Fundus des Nationalsozialismus. So gibt es mit der Gruppierung »Wardon 21« seit 2017 auch eine neonazistische Straight-Edge-Auslegung der ideologischen Diskussionen rund um den Kampfsport. So sei durch »jahrzehntelange Umerziehung des deutschen Volkskörpers« ein »Menschenschlag heran gezüchtet [sic!]« worden, »welcher sich freiwillig und sogar freudig in die geistigen Degenerationsmühlen dieses Systems begeben hat«. Daher sieht »Wardon« ihr Ziel darin, »dem Ideal wahrer Volksgesundheit zuzustreben«. Ideologisch bewegen sich die Begründungszusammenhänge somit irgendwo zwischen völkischen Idealen und dem Training für Straßenkampf und Revolution. Die ganz konkrete Gefahr sieht man in Neonazi-Hochburgen, wo trainierte Kampfsportler auf politische GegnerInnen treffen oder bei Demonstrationen versuchen, JournalistInnen zu attackieren. Hier wird jenseits der ideologischen Begründungszusammenhänge die Professionalisierung der Gewalt spürbar und real.

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Wandel, Kommerzialisierung und Professionalisierung

In den vergangenen Jahren hat sich die klassische Neonazi-Szene deutlich in Richtung ihrer subkulturellen Aktionsfelder orientiert. Aufmärsche, die seit Ende der 1990er Jahre als zentrale Aktionsform galten, gehen in der Anzahl und der TeilnehmerInnenstärke weiter zurück. Ihre Funktionen haben dabei RechtsRock- und Kampfsportveranstaltungen übernommen: So dienen diese nicht nur der Verbreitung von extrem rechter Ideologie und der Vernetzung der Szene, sondern eben auch als Finanzquelle.

Bei der extrem rechten Kampfsportszene folgt die aktuelle Entwicklung einem ähnlichen Muster wie bei der RechtsRockszene seit dem Beginn der 2000er Jahre. Nur verläuft diese heute deutlich rasanter, wohl auch aufgrund der vorhandenen Erfahrungen aus dem Geschäft mit der Hassmusik. Der Fanforscher Robert Claus spricht in den vergangenen Jahren sowohl von einer »Kommerzialisierung« als auch einer »Professionalisierung der Gewalt« beziehungsweise einem »rechten Hooliganismus«. Die Gefahren sind offensichtlich: Neonazis und rechte Hooligans werden ihre gewaltdurchsetzte Ideologie verstärkt auf die Straße tragen und das Gewaltpotential wird dadurch noch weiter steigen.

Der Beitrag Zwischen Männlichkeit, Metapolitik und Straßenkampf erschien zuerst auf der rechte rand.

Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/5598/kampfsport-maennlichkeit-metapolitik-und-strassenkampf/

Nationalisierung von Arbeit im 21. Jahrhundert

#DeutscheArbeit

Politiker*innen der »Alternative für Deutschland« beziehen sich bekanntermaßen regelmäßig affirmativ auf Vergangenheit und kritisch auf Erinnerungskultur, um ein positives deutsches Selbstbild zu zeichnen. Weniger beachtet wird, welche Rolle Arbeit in diesem Bild spielt und wie sie auf historische Kontinuitäten in der Rechten verweist.

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»Kleine Arbeit« ist eine Sackgasse in Wismar – für die AfD soll es die »deutsche Arbeit« nicht sein
© Mark Mühlhaus / attenzione

Im April 2016 sprach Björn Höcke, der Fraktionsvorsitzende der »Alternative für Deutschland« (AfD) im Thüringischen Landtag, in einer Rede in Schweinfurt davon, die »primäre soziale Frage« beziehe sich nicht mehr wie früher auf oben und unten. Die »neue deutsche soziale Frage des 21. Jahrhunderts« sei die nach der Verteilung des Volksvermögens »von innen nach außen«. Damit ist nicht nur die Ausgangslage einer völkischen Sozialpolitik skizziert, die Höcke und sein »Flügel« umzusetzen versuchen. Die Reformulierung der sozialen Frage durch die Unterscheidung von innen und außen ist auch Ausdruck einer neuen Nationalisierung von Arbeit im 21. Jahrhundert.

Die Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel, sorgte im letzten Jahr während der Haushaltsdebatte im deutschen Bundestag für einen Skandal, als sie davon sprach, dass »Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse (…) unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern« werden. Denn, so erklärte der AfD-EU-Parlamentarier Jörg Meuthen einige Wochen zuvor im Interview mit dem rechten Magazin »Recherche D«: »Wir wissen, dass man entweder offene Grenzen oder einen Sozialstaat haben kann. Wir wissen, dass unser Sozialstaat ein Pull-Faktor ist, der en gros Migranten anzieht, die nicht arbeiten wollen.« (s. drr Nr. 172) Wann immer sie können, zeichnen Vertreter*innen der AfD das Bild von Geflüchteten, die nicht arbeiten wollten, die faul seien und dem Staat auf der Tasche lägen.

Es war der Fraktionsvorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alexander Gauland, der in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von einer »globalistischen Klasse« schrieb, deren Angehörige Schlüsselpositionen in Wirtschaft und Politik einnähmen, aber den Bezug zu ihrer Heimat verloren hätten. Ihnen gegenüber stünden zwei Milieus, die »in der AfD eine Allianz« eingegangen seien: die bürgerliche Mittelschicht und »viele sogenannte einfache Menschen, deren Jobs oft miserabel bezahlt werden oder nicht mehr existieren, die ein Leben lang den Buckel krumm gemacht haben und heute von einer schäbigen Rente leben müssen«. Gauland übte sich hier in der Anrufung des sogenannten kleinen Mannes. Die AfD geriert sich damit als Partei der hart Arbeitenden.

Unmittelbar nach dem Erscheinen des Artikels wurde bereits darauf hingewiesen, dass der Text verblüffende Ähnlichkeiten zu einer Rede aufweist, die Adolf Hitler 1933 vor Arbeitern in der Siemensstadt hielt. Gauland will die Rede nicht gekannt haben. So oder so, die Ähnlichkeiten sind kein Zufall. Sie zeigen sich in der Gegenüberstellung von globaler Elite und faulen Fremden auf der einen und hart arbeitender, deutscher Bevölkerung auf der anderen Seite.

Björn Höcke fügte dem Selbstbild dieser Gegenüberstellung eine historische Dimension hinzu. In dem 2018 publizierten Interviewband »Nie zweimal in denselben Fluss« redete er von einem »Ansehen« der Deutschen in der Welt, das auf einem »Wohlstandsaufbau« beruhe, »der in der Zeit von 1850 bis 1918 aus dem Geist der praktischen Tüchtigkeit der Deutschen erwuchs«. Landolf Ladig, mit ziemlicher Sicherheit ein Pseudonym von Höcke, gab diesem Argument einige Jahre zuvor eine andere Stoßrichtung: In einem Artikel für die von dem Neonazi-Kader Thorsten Heise herausgegebene Zeitschrift »Volk in Bewegung« sprach er davon, dass »eben nicht die Aggressivität der Deutschen ursächlich für zwei Weltkriege« gewesen sei, sondern »ihr Fleiß, ihre Formliebe und ihr Ideenreichtum«.

Eine lange Geschichte »deutscher Arbeit«
Das von den AfD-Politiker*innen propagierte Bild der Deutschen haben diese keineswegs erfunden. Im Gegenteil, sie schließen an historische Vorläufer an, die sich mindestens bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen. Damals prägte Wilhelm Heinrich Riehl den Begriff »deutsche Arbeit«. Fleiß, Disziplin, Sittlichkeit – mit diesen Attributen sollte die Behauptung untermauert werden, es gebe eine spezifisch deutsche Art zu arbeiten. Riehl, der als Begründer der Volkskunde gilt, setzte sich kritisch mit der Durchsetzung des Kapitalismus beziehungsweise der Warenförmigkeit von Arbeit und Arbeitskraft auseinander. Seine Hauptsorge galt dem Erstarken der Arbeiter*innenbewegung und dem Sozialismus. Seine Ausführungen zur »deutschen Arbeit« lesen sich wie eine Entfremdungsdiagnose, nur dass Riehl im Gegensatz zu Karl Marx reaktionär-völkische Lösungsvorschläge unterbreitete: Es gelte, die Arbeit in den Dienst des nationalen Kollektivs zu stellen, um sie mit Sinn aufzuladen und Freude an ihr zu empfinden. Erst die Arbeit schweiße die Deutschen zusammen, präge ihre Besonderheit und immunisiere sie gegen vermeintlich schädigende Einflüsse, die laut Riehl insbesondere von Juden und Jüdinnen ausgingen.
Der Begriff »deutsche Arbeit« verweist auf das, was der Literaturwissenschaftler Frank Trommler als »Nationalisierung von Arbeit« bezeichnete. Arbeit sollte dazu dienen, nationalen Zusammenhalt herzustellen und die nationale Gemeinschaft zu formieren. Von Anfang an ging dieser Formierungsprozess mit antisemitischen und rassistischen Ausschlüssen einher. So ist es auch kaum verwunderlich, dass der Begriff »deutsche Arbeit«, der im Zuge der Globalisierung um 1900 immer populärer wurde, zu einem zentralen Bestandteil völkisch-reaktionärer Ideologien und Bewegungen des 20. Jahrhunderts avancierte. Dies zeigt sich auch und vor allem im Hinblick auf den Nationalsozialismus, wo er als Fundament der Volksgemeinschafts-Idee fungierte und Vernichtungspolitiken legitimierte.

»Deutsche Arbeit« – so lässt sich resümieren – befeuerte lange Zeit die Konzepte und Visionen der Rechten, wenn auch nicht immer so explizit wie bei Riehl oder Hitler. Es ging um das Versprechen der Überwindung von Spaltung, Vereinzelung und Entfremdung, das heißt Überwindung der als negativ empfundenen Konsequenzen kapitalistischer Modernisierung. Gleichwohl stand nicht die kapitalistische Organisationsform der Arbeit an sich zur Disposition. Vielmehr sollte die in antagonistische Klassen zu zerfallen drohende Gesellschaft wieder versöhnt werden – mittels nationaler Arbeit. Arbeit also, die dem nationalen Gemeinwohl diene, die Nation stärke, sie erst herstelle. Keineswegs ging es dabei in erster Linie um Wertschöpfung und Produktivität. Eher sollten sich die Deutschen in kultureller oder moralischer Hinsicht als wertvoll erweisen. Anders gesagt: Die postulierte Höherwertigkeit der Deutschen im Verhältnis zu Juden und Jüdinnen, Kolonisierten, Sinti*ze und Rom*nja, Pol*innen, Engländer*innen und anderen wurde auf einen vermeintlich besonderen Arbeitsethos zurückgeführt, eine besondere Beziehung und Haltung zur Arbeit. In jedem Fall ließ sich der Begriff »deutsche Arbeit« systemkritisch wenden und einsetzen – allerdings nur im Sinne einer »konformistischen Rebellion« (Erich Fromm) oder einer »autoritären Revolte« (Volker Weiß).

Anschluss und Vermittung
Die zitierten Sätze prominenter AfD-Politiker*innen schließen nicht bruchlos an den Begriff »deutsche Arbeit« an. Aber sie stehen in der langen Tradition dieses Begriffs und stellen Versuche der Reaktualisierung dar. Stichwortgeber für eine Nationalisierung von Arbeit im 21. Jahrhundert war sicherlich Thilo Sarrazin, der in seinem Bestseller »Deutschland schafft sich ab« immer wieder die Faulheit der Einwanderer*innen betonte. Das Buch wurde auch deshalb ein Erfolg, weil es als Begleitmusik zur globalen Krise seit 2007 funktionierte, in der auch vom »faulen Griechen« die Rede war. Sarrazin artikulierte ein Selbstbild, indem er ebenfalls einen besonderen, deutschen Fleiß predigte. Dieses Selbstbild ist in hohem Maße anschlussfähig – immerhin gehört Fleiß seit jeher zu den klassischen bürgerlichen Tugenden. Das heißt, das Selbstbild wird bis weit in die Mitte geteilt, wenngleich nicht jedes Mal mit der Idee einer nationalen Besonderheit verbunden. Es trägt so aber zu einer Vermittung der Ideen von Rechten bei.

Bislang wird das Selbstbild noch nicht in Politik übersetzt. Das hat auch etwas mit dem Richtungsstreit zu tun, der in der AfD tobt. Höckes Versuch, eine völkische Sozialpolitik umzusetzen, ist in der AfD weiterhin kein Konsens. Marktliberale Positionen stehen dem gegenüber und es ist noch nicht abzusehen, wer sich durchsetzt. Der angekündigte Bundesparteitag, auf dem dieser Streit hätte ausgefochten werden sollen, wurde vertagt. Die Idee von »deutscher Arbeit« spielt aber metapolitisch bereits eine Rolle, einerseits um Wähler*innen anzusprechen, andererseits um die eigenen Ideen zu begründen. In welcher Form sie politisch verwirklicht wird, muss sich noch zeigen.

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Zu untersuchen bleibt schließlich, inwiefern sich hier eine einzigartige deutsche Entwicklung ausmachen lässt. Denn als Nationalisierung von Arbeit können schon im 19. Jahrhundert auch Entwicklungen außerhalb Deutschlands bezeichnet werden. Und auch heute finden sich ähnliche Tendenzen in anderen nationalen Bewegungen, mit jeweils eigener Vorgeschichte. Der französische Autor Renaud Camus zum Beispiel, der als Vordenker der »Identitären Bewegung« gilt und außerdem das Stichwort vom »Großen Austausch« geprägt hat, führt die vermeintliche Unmöglichkeit des Zusammenlebens von Europäer*innen und insbesondere afrikanischen Einwander*innen unter anderem darauf zurück, dass Letztere keinen Begriff von Arbeit hätten und entsprechend nichts Produktives leisten würden. Zu analysieren wäre also, ob gegenwärtig eine Internationalisierung stattfindet, indem sich verschiedene rechte, nationale Bewegungen in ihrem Bezug auf Arbeit treffen und synchronisieren.

Der Beitrag Nationalisierung von Arbeit im 21. Jahrhundert erschien zuerst auf der rechte rand.

Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/5650/nationalisierung-arbeit/

De-border Yourself/Desfronterízate

Journal Name: New Global Studies
Volume: 13
Issue: 3
Pages: 394-403

Quelle: http://www.degruyter.com/view/j/ngs.2019.13.issue-3/ngs-2019-0034/ngs-2019-0034.xml

Does Digital Exclusion Undermine Social Media’s Democratizing Capacity?

Journal Name: New Global Studies
Volume: 13
Issue: 3
Pages: 357-364

Quelle: http://www.degruyter.com/view/j/ngs.2019.13.issue-3/ngs-2019-0035/ngs-2019-0035.xml