Neuer Name, große Chance
#Frankreich
Der »Rassemblement National« wird mit großer Wahrscheinlichkeit stärkste französische Partei bei der diesjährigen Europawahl. Für diesen Fall schmiedet Marine Le Pen bereits Pläne für eine neue, rechte Fraktion im EU-Parlament. Welche Bedeutung die »Gilet jaunes« für die Wahl haben, ist derzeit noch unklar.
Am 13. Januar 2019 fand im Pariser Veranstaltungssaal »La Mutualité« die Vorstellung der zwölf SpitzenkandidatInnen des »Rassemblement National« (»Nationale Sammlung«, RN) für die kommende Wahl des Europaparlaments statt. Seit dem 1. Juni 2018 ist RN der Name des früheren »Front National« (FN). Im Vorfeld wurde mit Spannung erwartet, ob VertreterInnen der andauernden sozioökonomischen Protestbewegung »Gilet jaunes« (»Gelbwesten«) auf der Liste stehen würden. Umfragen sagen voraus, dass der RN mit 21 bis 24 Prozent bei dieser Wahl zur stärksten Partei in Frankreich werden dürfte. Das wären je nach Umfrage voraussichtlich zwischen einem und sechs Prozent mehr als für die Liste von Emmanuel Macrons Regierungspartei »La République en marche« (»Die Republik in Bewegung«, LREM).

Die Antwort auf die aufgeworfene Frage lautet letztendlich »Nein«. Es scheint dem RN nicht gelungen zu sein, die bislang keiner Partei angehörenden VertreterInnen der mehrmonatigen Proteste für eine Kandidatur auf seiner Liste zu gewinnen. Oder er sah davon ab, weil ihm das Risiko zu groß erschien, der »Vereinnahmung« angeklagt und dadurch diskreditiert zu werden. An der Basis ist die neofaschistische Partei in der Protestbewegung – die heterogen zusammengesetzt ist, und an der auch ein Teil der Linken sowie eine Minderheit der Gewerkschaften teilnimmt – durchaus vertreten. Als beispielsweise am ersten Tag der mit der »Gelben Westen«-Bewegung assoziierten Verkehrsblockaden am 17. November 2018 ein Kommunalparlamentarier in Etaples-sur-Mer durch einen Verkehrsunfall an einem Blockadepunkt verletzt wurde, stellte sich heraus, dass es sich um einen Mandatsträger des RN handelte: Francis Leroy. Ein PKW war auf das von den Protestierenden errichtete Verkehrshindernis aufgefahren.
»Wir sind alle Gelbwesten-Träger!«, mit diesen Worten rechtfertigte RN-Chefin Marine Le Pen die Abwesenheit von Protest-RepräsentantInnen aus der »Zivilgesellschaft«. Keine »Gilet jaunes«; weder auf dem Podium noch auf der Liste. Unterdessen ist dem RN ein prominenter Fang geglückt: der frühere Minister Thierry Mariani, der nun auf einem prominenten Listenplatz für die extreme Rechte unter Marine Le Pen kandidiert. Mariani war zuvor ein herausgehobener Vertreter des rechten Flügels der Konservativen und amtierte unter Präsident Nicolas Sarkozy zwei Jahre lang (2010 bis 2012) als Verkehrsminister.
Europatournee im Wahlkampf
Den Wahlkampf zur kommenden Europaparlamentswahl 2019 startete Marine LePen nicht erst mit der Vorstellung der KandidatInnen auf den aussichtsreichsten Listenplätzen. Vielmehr begann sie mit einer kleinen Rundreise, die sie im Herbst 2018 unter anderem nach Rom und Sofia führte. Am meisten Beachtung fand dabei ihr Auftritt in Rom am 8. Oktober 2018. Formal eingeladen hatte sie die »Unione Generale del Lavoro« (»Allgemeine Arbeiterunion«, UGL). Tatsächlich handelt es sich bei dieser vor allem um eine Art Satellitenorganisation der hauptsächlich in Norditalien verankerten »Lega«, der rassistischen und ursprünglich auch regionalistischen, ja einstmals separatistischen Partei des seit Juni 2018 amtierenden Innenministers Matteo Salvini.
Anlässlich ihrer beider Teilnahme an der Konferenz mit anschließender Pressekonferenz präsentierte Salvini sich zusammen mit der französischen Gastrednerin vor den italienischen und internationalen Medien. Beide hegen gemeinsam große Ambitionen: Nach den Europaparlamentswahlen wollen sie mit den nationalistischen Rechtsparteien aus mehreren EU-Ländern die dann stärkste Fraktion im Europäischen Parlament aufbauen.

#Europaparlament
Rechte und konservative Fraktionen im Europäischen Parlament
Grafik mit allen rechten und konservativen Fraktionen im EU Parlament – Stand Januar 2019 Download der Grafik in DinA3 als PDF
Pläne für neue Fraktion
Auf der rechten Flanke des EU-Parlaments werden tatsächlich die Karten neu gemischt. Denn dort sitzen die Parteien, die rechts von der bürgerlich-konservativen »Europäischen Volkspartei« (EVP) angesiedelt sind, bislang in drei unterschiedlichen Fraktionen. Eine von ihnen wird durch den französischen RN angeführt, die zweite durch die britischen Konservativen oder »Tories«. Eine dritte durch die »Unabhängigkeitspartei des Vereinigten Königreichs« (UKIP). Aufgrund des, jedenfalls nach bisherigen Planungen Ende März 2019 vorgesehenen, Brexit, werden zwei der drei genannten Parteien jedoch aus dem EU-Parlament ausscheiden. Le Pen und Salvini, zu deren Verbündeten im Europaparlament derzeit unter anderen die österreichische »Freiheitliche Partei Österreichs« (FPÖ) zählt, sehen sich dadurch erheblich im Aufwind. Zumal in der nächsten Legislaturperiode voraussichtlich auch neu dort vertretene Parteien wie die tschechische Partei »Freiheit und direkte Demokratie« (SPD) dazu gehören werden.
Ihren möglichen Wahlerfolg sehen sie allerdings nicht als Auftrag, im Rahmen der bestehenden EU-Institutionen Politik zu betreiben, sondern in deren Überwindung. Anlässlich ihres gemeinsamen Auftritts mangelte es Le Pen und Salvini nicht an harten Worten gegenüber der existierenden Union. Diese bezeichneten sie unter anderem als »Bunker«, bezichtigten sie der »Kerkerlogik« und klassifizierten sie als »ein totalitäres System«, das »für die Ausweitung der Macht einer globalisierten Superklasse und nicht der Völker« errichtet worden sei. Alexander Gaulands Ergüsse in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« von Anfang Oktober 2018 lassen grüßen. Gleichzeitig sprach Matteo Salvini davon, man werde und wolle »das wahre Europa retten«. Gerne auch zusammen mit Viktor Orbán und Wladimir Putin.
Alte und neue Verbündete
Die Etappe in Rom war für Marine Le Pen zwar erst der Auftakt ihrer Tour – sie war jedoch symbolisch wohl die wichtigste. Italien galt für die französische extreme Rechte lange Zeit als Land der Träume. Aus Italien kamen das Geld, die Infrastruktur, das Know-How und auch die Plakate, mit denen 1972 der »Front National« gegründet und aufgebaut wurde – in einer Zeit der Schwäche der extremen Rechten in Frankreich, nach ihrer Niederlage im Algerienkrieg sowie ihrer Marginalisierung im Mai 1968. Sponsor und Unterstützer war dabei die italienische neofaschistische Partei »Movimento Sociale Italiano« (»Italienische Sozialbewegung«, MSI), die 1946 in der unmittelbaren Nachkriegszeit gegründet worden war. Nicht zufällig ähnelte der Name dem der »Repubblica Sociale Italiana« (»Italienischen Sozialrepublik«, RSI), die nach dem Ende der faschistischen Zentralregierung in Rom von 1943 bis 1945 bestand. Die MSI existiert in der damaligen Form nicht mehr, ihre ErbInnen sind über mehrere Parteien verstreut. Auf französischer Seite hat sie bei der extremen Rechten mindestens eine sichtbare Spur hinterlassen: Als Parteisymbol benutzt der RN – wie zuvor der FN – die blau-weiß-rote Flamme in den Nationalfarben, die ursprünglich eine pure Adaption des MSI-Symbols darstellte.
Ein weiterer Akteur stand bei dem gemeinsamen Auftritt in Rom zumindest geistig im Raum: Steve Bannon, der US-amerikanische ehemalige Präsidentenberater. Er sieht sich gerne als Ideen- und Stichwortgeber für die europäischen Rechtsparteien. Diesbezüglich erteilten Le Pen und Salvini ihm jedoch eine Abfuhr: Man brauche keinen Hintermann. Wozu ist man auch NationalistIn, wenn man unter Kontrolle eines US-Amerikaners stehen soll? Am darauf folgenden Donnerstag, dem 11. Oktober 2018, traf Marine Le Pen Bannon dann doch noch persönlich. Von ihrem Gespräch wurde bekannt, Bannon habe eingeräumt, bei der von ihm gegründeten Struktur »The Movement« handle es sich nicht um eine Partei im europäischen Sinne. Das bedeutet, dass er sich auf eine Rolle als Ideenlieferant zu Themen wie Immigration und Ökonomie – wo er sich als Vordenker einer »Anti-Davos-Partei«, also gegen das Weltwirtschaftsforum (WEF) und die »Globalisierer« versteht – beschränken werde.
Rolle der »Gelbwesten« noch unklar
Eine Unbekannte befindet sich aus Sicht des RN bislang noch im Spiel – für den Fall, dass eine eigenständige Liste im Namen der Protestbewegung der »Gelbwesten« antreten sollte, könnte dies die Le Pen-Partei rund ein halbes Dutzend Prozentpunkte kosten. Ein solches Szenario wird bislang allerdings vor allem durch die Regierungspartei LREM heraufbeschworen. Es war LREM, die mit eigenen Geldern eine Umfrage in Auftrag gab, die die französische Sonntagszeitung »Le Journal du dimanche« am 9. Dezember 2018 publizierte. Deren Ergebnis: Eine solche Liste würde demnach vor allem die Parteien der extremen Rechten sowie Jean-Luc Mélenchon auf der Linken Stimmen kosten, also die aktivsten Oppositionsparteien schwächen. Dieser Befragung zufolge erhielte in einem solchen Kontext der RN 14 Prozent der Stimmen. Eine – hypothetische – Liste der »Gelbwesten« ihrerseits 12 Prozent, und Mélenchons Wahlplattform »La France insoumise« (»Das widerspenstige Frankreich«, LFI) käme auf neun Prozent der Stimmen.
Allerdings dürfte dies kaum funktionieren, vielmehr würde das Aufstellen gemeinsamer Listen die heterogene Protestbewegung sofort auseinander treiben. Marine Le Pen profitiert unterdessen erkennbar von der neuen innenpolitischen Situation, die seit den jüngsten Protesten eingetreten ist. Einer aktuellen Umfrage zufolge käme Le Pen mit 27 Prozent der Stimmen direkt auf den ersten Platz – statt mit 21,3 Prozent auf den zweiten wie im Frühjahr 2017.
Der Beitrag Neuer Name, große Chance erschien zuerst auf der rechte rand.
Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/4697/frankreich-neuer-name-rassemblement-national/
23 | 2016 – varia

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Il venditore d’antichità by Vincenzo Capobianchi (1880): possibly the most scholarly work of the neo-Pompeian painting [Texte intégral disponible en mai 2019]
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Alexandre à Jérusalem. Variations byzantines sur un thème hérité de Flavius Josèphe [Texte intégral disponible en mai 2019]
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Une traversée des conjonctures intellectuelles, 1970-2015 [Texte intégral disponible en juin 2019]
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Fontes Inediti Numismaticae Antiquae : présentation succincte d’un nouveau projet antiquaire [Texte intégral disponible en mai 2019]
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Latin et grec dans l’enseignement secondaire : une approche historique [Texte intégral disponible en mai 2019]
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Lire, relire la bibliothèque des sciences de l'Antiquité
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« L’impression de quelque chose de très grand et d’inachevé ». Franz Cumont découvre l’Amérique et ses universités en 1911 [Texte intégral disponible en mai 2019]
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Les grandes universités américaines [Texte intégral disponible en mai 2019]
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Droit et réception de l'Antiquité
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L'Atelier des doctorants
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Aux origines poétiques de la couleur : pour une approche littéraire des lexiques chromatiques anciens. L’exemple des élégiaques latins et de leurs modèles grecs [Texte intégral disponible en mai 2019]
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"Voyages et voyageurs"
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Jérusalem Cœur du monde [Texte intégral disponible en mai 2019]
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Comptes rendus de lecture
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Luca Asmonti, Athenian Democracy. A Sourcebook [Texte intégral]
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Claude Calame, Qu’est-ce que la mythologie grecque ? [Texte intégral]
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Olivier Devillers & Karin Sion-Jenkins (éd.), César sous Auguste [Texte intégral]
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François Hartog, Partir pour la Grèce [Texte intégral]
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Jacques Le Goff, Faut-il vraiment découper l’histoire en tranches ? [Texte intégral]
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Laura Mecella, Dexippo di Atene. Testimonianze e frammenti [Texte intégral]
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Mary P. Nichols, Thucydides and the Pursuit of Freedom [Texte intégral]
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Jonathan Zarecki, Cicero's Ideal Statesman in Theory and Practice [Texte intégral]
Quelle: http://anabases.revues.org/5535
23 | 2016 – Varia

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Historiographie et identités culturelles
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Rechter Rand auf der grünen Insel
#Irland
Ein Blick auf die Republik Irland und auf Nordirland
Über die politische Lage auf der grünen Insel ist bei uns im Allgemeinen wenig bekannt. Dabei ist die Verfasstheit der irischen Gesellschaft gerade im Hinblick auf Rassismus und Fremdenfeindlichkeit besonders interessant, weil IrInnen über Jahrhunderte selbst oft ihr Land aus Not oder als politische Flüchtlinge verlassen mussten. Nach der Finanzkrise von 2008 kehrten mehr als 200.000 Menschen Irland aus Not den Rücken. Zum anderen hat die Debatte um den Brexit die Aufmerksamkeit wieder auf die Tatsache gelenkt, dass auf der irischen Insel zwei Staaten existieren, die Republik Irland mit knapp fünf Millionen EinwohnerInnen und Nordirland mit 1,7 Millionen. In Nordirland tobte über Jahrzehnte ein bewaffneter Konflikt, der durch das Friedensabkommen von 1998 militärisch beendet wurde, dessen politische Ursachen aber noch nicht überwunden sind.

Schatten der Vergangenheit
Die Republik Irland wurde 1937 geschaffen und 1949 offiziell ausgerufen. Sie bildete sich aus dem Freistaat, den IrInnen im Unabhängigkeitskrieg von 1919 bis 1921 gegen Großbritannien erkämpft hatten. Allerdings hatte die britische Regierung unter Androhung von erneuter militärischer Gewalt die irische Regierung gezwungen, einer Abspaltung des nordöstlichen Teils der irischen Insel zuzustimmen. Seither ist »Nordirland« Teil des »Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland«. Im »Süden«, wie Irland ohne den nordöstlichen Zipfel der Insel oft genannt wird, bilden bis zum heutigen Tag jeweils eine der beiden Parteien »Fianna Fáil«(»Soldaten des Schicksals«) und »Fine Gael« (»Stamm der Iren«) mit wechselnden kleineren Koalitionspartnern die Regierung der Republik Irland. Aktuell ist »Fine Gael« stärkste Partei mit Leo Varadkar als Regierungschef. Ihr erster Präsident Eoin O’Duffy schuf als glühender Mussolini-Verehrer die Organisation der »Blueshirts« (»Blauhemden«), die als eine von drei Gründungsorganisationen 1933 in »Fine Gael« aufging. »Blueshirts« beteiligten sich auf der Seite des Putschisten und späteren Diktators Francisco Franco am spanischen Bürgerkrieg. Heutzutage ist »Fine Gael« eine konservative und neoliberale Partei.Am rechten Rand finden sich nur kleinere Gruppen, die nicht in nationalen oder lokalen Parlamenten vertreten sind und auch auf europäischer Ebene kaum eine Rolle spielen. Einzelpersonen des rechten Randes sind aber aktiv und tauchen immer wieder in unterschiedlichen Organisationen auf. So trat Justin Barrett seit Ende der 1990er Jahre bei der Anti-Abtreibungs-Organisation »Youth Defence« in Erscheinung. 2016 gründete er die »National Party Ireland«. Barrett hat Beziehungen zur italienischen »Forza Nuova« sowie zur deutschen NPD und ist in der Vergangenheit mehrfach als Redner auf Veranstaltungen beider Parteien aufgetreten.
#UK
»Identitär« auf Britisch
von Simon Volpers im Magazin »der rechte rand«
»Identitäre« und »Pegida Ireland«
Am 22. Juli 2015 wurde »Identity Ireland« von Gary Allen, Peter O’Loughlin und Alan Tighe gegründet. Sie bestritten, das Gründungsdatum der islam- und migrationsfeindlichen Partei bewusst auf den vierten Jahrestag des Attentats des norwegischen Faschisten Anders Behring Breivik gelegt zu haben. Peter O’Loughlin nahm an den Europawahlen 2014 teil, den Nachwahlen in Carlow-Kilkenny in 2015 und an den Wahlen zum irischen Parlament Dáil 2016. Er erreichte zwischen 183 (0,36 %) und 930 (1,4 %) der Erststimmen. »Identity Ireland« hat personelle Überschneidungen mit der »Immigration Control Platform«, die seit 1998 existiert. Einzelne ihrer AktivistInnen kandidierten zwischen 2002 und 2011 auf verschiedenen Ebenen, jedoch ohne Erfolg. Am 6. Februar 2016 misslang Peter O’Loughlin von »Identity Ireland« der Versuch, in Dublin »Pegida Ireland« zu gründen. Eine starke Gegendemonstration verhinderte das Treffen. Die Europaabgeordnete der irischen Linkspartei »Sinn Féin«, Lynn Boylan, rief dabei zu extremer Wachsamkeit angesichts rechter Umtriebe auf: »Wir müssen sehr aufpassen, dass sich rassistische Politik nicht im Mainstream breit macht. Das gilt auch im Zusammenhang mit der Diskriminierung der Traveller. (…) Jede/r hat die Verantwortung, (…) Stellung zu beziehen, (…).« »Sinn Féin« ist eine gesamtirische Partei und gehört zur irisch-republikanischen Bewegung, deren Ziel ein vereintes Irland und eine gleichberechtigte Gesellschaft ist. Mit den Europawahlen 2014 entwickelte sie sich in der Republik Irland zur stärksten Oppositionspartei.Am Rande der Demonstration wurden die wenigen PEGIDA-SymphatisantInnen, die sich eingefunden hatten, von AntifaschistInnen verfolgt. Sie flüchteten sich in Geschäfte und wurden später von der irischen Polizei in Handschellen abgeführt.Generell hat sich die Gesellschaft in der Republik Irland in den vergangenen Jahren in eine progressive Richtung entwickelt. Sichtbares Zeichen sind die Referenden zur Gleichstellung der LGBT-Community und zur gleichgeschlechtlichen Ehe sowie das Referendum zur Abschaffung des Abtreibungsverbots. Die Themen wurden intensiv in der Öffentlichkeit diskutiert und mit großer Mehrheit von der irischen Bevölkerung angenommen. Bei den Europawahlen von 2014 holten linke KandidatInnen verschiedener Parteien insgesamt fünf Sitze, das ehemals beherrschende bürgerliche Lager sechs Sitze, der rechte Rand ging leer aus.
Entrechtung als Staatsdoktrin
In Nordirland stellt sich die Situation komplett anders dar. Die Gründung eines eigenen Staates »Nordirland« war schon 1920 vom britischen Parlament gegen den erklärten Willen der großen Mehrheit der irischen Bevölkerung beschlossen worden. Der Grenzverlauf wurde so gewählt, dass der irisch-katholische Anteil der Bevölkerung möglichst klein und gegenüber der protestantischen Bevölkerung in der Minderheit bleiben sollte. Denn für die nordirische Machtelite war die irische Bevölkerung von Anfang an der Feind im Innern. Sie konstruierte Nordirland als »protestantischen Staat für ein protestantisches Volk« und entrechtete und unterdrückte systematisch die irisch-katholische Hälfte der Bevölkerung. Ein ideologisches Mittel war der »Sectarianism«, eine Form des Rassismus, in der Iren, ihre Sprache, Traditionen und die katholische Religion als minderwertig und staatsbedrohend klassifiziert wurden. Als eine starke Bürgerrechtsbewegung, die sich in den irischen Vierteln gebildet hatte, aber auch progressive StudentInnen einschloss, Ende der 1960er Jahre für gleiche Rechte auf die Straße ging, wurde sie von pro-britischen paramilitärischen Organisationen und von der Polizei angegriffen. Als sich in den irischen Vierteln die »Irish Republican Army« (IRA) neu bildete, setzte London die britische Armee in Nordirland ein und ersetzte 1972 die 50-jährige Alleinherrschaft der »Ulster Unionist Party« durch ein Nordirlandministerium im britischen Kabinett.

DUP gibt den Ton an
In den nächsten Jahrzehnten galt die Politik Großbritanniens nicht der Schaffung einer gleichberechtigten Gesellschaft in Nordirland, sondern der Unterdrückung des Aufstands in den irischen Vierteln. Dazu setzte London neben der Polizei, der britischen Armee, sowie diversen britischen Geheimdiensten auch auf pro-britische Paramilitärs, die sich selbst »Loyalisten« nennen. Ihr Kampfschrei war »No surrender – Keine Kapitulation«. Noch heute behaupten pro-britische Hardliner, die Iren wollten die britische Identität vernichten. Die heute tonangebende Partei in den pro-britischen Vierteln ist die »Democratic Ulster Party« (DUP), eine Mischung aus rechtem Rand und erzkonservativer Haltung, die aktuell die Minderheitsregierung von Theresa May stützt. Die DUP wurde 1971 von Ian Paisley gegründet, der in den 1950ern bereits die »Free Presbyterian Church« als fundamentalistische und antikatholische Abspaltung der Presbyterian Church gegründet hatte. Die DUP befeuerte während des Konflikts den Hass auf alles Irische, sei es Tradition, Lebensweise oder Sprache und auf Katholiken.
Verbindungen zu Paramilitärs
Das Friedensabkommen von 1998 beendete den bewaffneten Konflikt. Sein zentraler Teil ist ein Programm zur Demokratisierung Nordirlands und zur Schaffung einer gleichberechtigten Gesellschaft. Eine Allparteienregierung mit Minderheitenschutz sollte verhindern, dass die pro-britische Mehrheit die irische Minderheit (und auch andere Minderheiten in Nordirland) erneut entrechtet. Erst 2007 war die DUP bereit, in die Regierung einzutreten. Sie weigert sich bis heute, Themen des Friedensabkommens, wie zum Beispiel die Formulierung einer allgemeinen Menschen- und Bürgerrechtscharta, umzusetzen.Anfang 2017 brachte die Linkspartei »Sinn Féin« (SF), die mit 27,9 Prozent der Erststimmen bei den letzten Regionalwahlen inzwischen in Nordirland fast die Stärke der DUP (28,1 %) erreicht hat, die Regierung zu Fall. Grund war die Weigerung der DUP, sich an vereinbarte Gesetzesvorhaben zu halten und ein Korruptionsfall, in den die nordirische Regierungschefin Arlene Foster (DUP) verwickelt war.Aus Protest gegen den Eintritt der DUP in die Regionalregierung hatten sich Hardliner vom rechten Rand der DUP abgespalten und die Partei »Traditional Unionist Voice« (TUV) gegründet. Bei der Europawahl 2014 erhielt ihr Vorsitzender Jim Allister 12 Prozent der Stimmen, schaffte es jedoch nicht auf einen der drei Abgeordnetensitze, die Nordirland im Europaparlament zustehen. Martina Anderson (SF) erzielte mit 25 Prozent der Stimmen das beste Ergebnis. Gewählt wurden ebenfalls Diane Dodds (DUP, 20,9 %) und Jim Nicholson (UUP, 13,3 %). Mit Jolene Bunting saß seit 2014 erstmalig eine Stadträtin der TUV im Belfaster Rathaus. Sie verließ aber die Partei und knüpfte engere Verbindungen zum englischen rechten Rand. 2017 half sie der rechtsradikalen englischen Organisation »Generation Identity«, in Belfast Fuß zu fassen. Seither gab es verschiedene Aktivitäten der Gruppe. Unter anderem nahmen sie im Juni 2018 an einer »Free Tommy Robinson«-Demonstration teil. Tommy Robinson ist Gründer der »English Defence League«, einer Hooligangruppe am rechten Rand mit Verbindungen zu loyalistischen nordirischen Paramilitärs.
Der Beitrag Rechter Rand auf der grünen Insel erschien zuerst auf der rechte rand.
Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/4687/irland-nordirland-rechter-rand-gruene-insel/