Die Brille der Äquidistanz vernebelt den Blick

#Extremismustheorie

Alle Formen des Extremismus gleichermaßen abzulehnen und äquidistant zu forschen, ist der Anspruch der Extremismus-«Theorie«. Die Unzulänglichkeit dieses Ansatzes ist schon lange bekannt. Die mangelhafte Auseinandersetzung mit dem Rechtsruck der letzten Jahre zeugt vom Versagen der Extremismusforschung.

Magazin der rechte rand

Extremismustheorien für 98 €
Screenshot – Jahrbuch Extremismus & Demokratie (E & D) © Archiv #derrechterand

Jahrbuch 2018:

Mit Beiträgen u. a. von
Uwe Backes, Wilfried von Bredow, Hubertus Buchstein, Alexander Gallus, Sebastian Gräfe, Florian Hartleb, Eckhard Jesse, Gerd Koenen, Jürgen P. Lang, Michail Logvinov, Tom Mannewitz, Isabelle-Christine Panreck, Clemens Pleul, Tom Thieme, Gerhard Wettig und Barbara Zehnpfennig.

 

Der Rechtsruck in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) ist seit mehreren Jahren voll im Gange: in den Parlamenten, in den Köpfen und auf der Straße. In der sozialwissenschaftlichen »Rechtsextremismusforschung« werden diese Entwicklungen breit erforscht. Dieser Forschungszweig gewinnt seine Definitionen und Ergebnisse durch eine Auseinandersetzung mit sozialen Phänomenen und versteht »Rechtsextremismus« als Zusammenspiel verschiedener Ideologieelemente. Hierdurch war schon seit langem das hohe Potential extrem rechter Einstellungen bekannt, das sich erst in den letzten Jahren parteipolitisch formierte.

Davon zu unterscheiden ist der Ansatz der »Extremismusforschung«, der die politische Landschaft in Demokratie und Extremismus unterteilt. Als ExtremistIn gilt, wer die Grundlagen demokratischer Verfassungsstaaten missachtet. Das »Postulat der Äquidistanz« besagt, die Unterformen »Rechtsextremismus«, »Linksextremismus« und »Islamismus« gleichermaßen unter die Lupe zu nehmen. Zentrales Publikationsorgan dieses Ansatzes ist das »Jahrbuch Extremismus & Demokratie«, herausgegeben von Uwe Backes, Alexander Gallus und Eckhard Jesse. Ein Blick in die Ausgaben der letzten Jahre soll zeigen, inwieweit dort dem Anspruch entsprochen wird, Gefahren für die Demokratie zu erkennen und zu analysieren.

Die AfD in den »Jahrbüchern«
Erstmals Erwähnung findet die »Alternative für Deutschland« (AfD) im »Jahrbuch 2014«, in dem die Entwicklungen des Vorjahres beschrieben werden. Alexander Gallus dokumentiert Auszüge aus dem Programm zur Bundestagswahl 2013 und gibt verschiedene Einschätzungen über die politische Einordnung der AfD wieder. Mit einer eigenen Analyse oder gar einer Beurteilung nach den Kriterien der Extremismusforschung hält er sich zurück. Ein Jahr später findet die Partei, trotz mehrerer Wahlerfolge, keine gesonderte Beachtung im »Jahrbuch«.

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Meuthen kommt wenig überraschend zu dem Schluss, die AfD sei »grundgesetztreu und rechtsstaatverliebt«
© Roland Geisheimer / attenzione

In der Ausgabe von 2016 ist eine Debatte über die Beurteilung der AfD abgedruckt. Die Herausgeber ließen in vier Beiträgen diskutieren, wie die Partei demokratietheoretisch einzuschätzen sei, wie die innerparteilichen Strömungen zu gewichten seien und ob die Partei vom Verfassungsschutz beobachtet werden solle. Die Politikwissenschaftler Frank Decker, Thorsten Oppelland und Werner Patzelt sollten diese Fragen erörtern. Zudem wurden die Parteivorsitzenden der AfD, Frauke Petry und Jörg Meuthen, zu einem Beitrag eingeladen, mit dem Ziel, »das Selbstverständnis der Partei zu dokumentieren«, wie die Herausgeber schrieben. Petry und Meuthen kommen wenig überraschend zu dem Schluss, die AfD sei »grundgesetztreu und rechtsstaatverliebt«. Aber auch die drei Politikwissenschaftler sehen in der AfD keine extremistische Partei, die beobachtet werden müsse. Besonders deutlich wird die extremismustheoretische Argumentation in den Ausführungen von Patzelt. Zwar sieht er, dass »ein Großteil der AfD-Mitglieder und AfD-WählerInnen islamophobe und (übergeneralisierte) muslimfeindliche Positionen« vertritt und räumt auch ein, dass »Rechtspopulismus nicht selten mit Rassismus einher(gehe)«. In seiner Folgerung ist die AfD jedoch als demokratisch einzustufen: »Insgesamt gibt es keinen Grund die AfD als ‹außerhalb des demokratischen Spektrums’ befindlich einzuschätzen. (…) Von der NPD unterscheidet die AfD grundlegend, dass sie die politische Ordnung Deutschlands und dessen Grundwerte bejaht, also gerade innerhalb des Verfassungskonsenses eine andere Politik herbeiführen will (…). Es ist deshalb die AfD keine ‹Anti-System-Partei›, sondern ein Alternativangebot innerhalb des Systems.« Diesem Urteil widersprechen Decker und Oppelland trotz leicht abweichender Analysefokusse nicht.

Werner Patzelt © https://commons.wikimedia.or/wiki/File:Politikwissenschaftler_Werner_Josef_Patzelt.JPG
Alexander Böhm [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], von Wikimedia Commons

Nach den Prämissen der Extremismusforschung ist diese Einschätzung nicht falsch. Denn da sich die AfD zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung (fdGO) bekennt und das Gros ihrer FunktionärInnen die staatliche Ordnung der BRD nicht offen in Frage stellt, kann sie nur schwerlich als extremistisch gelten. Nach dem Extremismusansatz gilt die Partei im Umkehrschluss als demokratisch und zwar solange sie ‹nur› rassistische, homophobe oder andere antiegalitäre Ideologien vertritt und dabei staatliche Institutionen und Funktionsweisen, geschützt durch die fdGO, nicht in Frage stellt. Bislang kann sich daher die AfD eines »Persilscheins« der Extremismusforschung sicher sein.

An dieser Einschätzung hat sich auch im »Jahrbuch 2017« nichts geändert. Trotz bemerkenswerter Wahlerfolge bei den Landtagswahlen 2016 und zunehmender Radikalisierung der Partei ist die AfD auf den fast 500 Seiten kein Gegenstand weiterer Analysen. Es bleibt abzuwarten, wie die jüngsten Ereignisse in Chemnitz von den entsprechenden WissenschaftlerInnen eingeordnet werden.

Rechte Gewalt in den »Jahrbüchern«
Ein sprunghafter Anstieg rechter Gewalt ist mit dem Jahr 2015 zu verzeichnen. Hier sind sich zumindest in der Tendenz die Sicherheitsbehörden mit zivilgesellschaftlichen BeobachterInnen einig. Im »Jahrbuch« 2016 und 2017 werden die Zahlen des BKA zwar wiedergegeben, aber nicht weiter kommentiert. Auch die Aushebung terroristischer Vereinigungen wie der »Oldschool Society« oder der »Gruppe Freital« werden nur erwähnt. Der Anschlag in München vom 22. Juli 2016, dem neun Menschen zum Opfer fielen, findet ebensowenig Erwähnung wie die vielen Toten im Mittelmeer, deren Tod auf eine fremdenfeindliche Migrationspolitik zurückzuführen ist. Es fällt schwer, die Analysen der Extremismusforschung zum Anstieg rechter Gewalt zu beurteilen, da sie schlichtweg fehlen.

Aufweichung der eigenen Analysedogmen?
Trotz der eklatanten Lücken in den Analysen der Extremismusforschung deutet sich im »Jahrbuch 2017« eine positive Entwicklung an. Während in den vergangenen Ausgaben Ansätze der sozialwissenschaftlichen »Rechtsextremismusforschung« regelmäßig in Grund und Boden rezensiert wurden, fallen die Bewertungen im aktuellsten Band ungewöhnlich wohlwollend aus. So werden beispielsweise die Studie von Andreas Zick und Beate Küpper »Gespaltene Mitte – feindselige Zustände«, das Buch »Von Wutbürgern und Brandstiftern. AfD – PEGIDA – Gewaltnetze« von Hajo Funke oder das »Handbuch Rechtsextremismus« von Fabian Virchow, Martin Langebach und Alexander Häusler weitgehend positiv aufgenommen.

Auch der Artikel von drei AutorInnen des brandenburgischen Innenministeriums / Verfassungsschutzes über die Ideologie der »ReichsbürgerInnen« ist differenziert und kenntnisreich. Sie analysieren die Ideologie der »ReichsbürgerInnen«-Szene und arbeiten Elemente wie Autoritarismus, Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus heraus. Dabei greifen sie auf Arbeiten der sozialwissenschaftlichen »Rechtsextremismusforschung« zurück und verzichten weitgehend auf die Kategorisierung der Extremismusforschung. Vielleicht ist die vergleichsweise ausgeprägte Orientierung an der sozialwissenschaftlichen »Rechtsextremismusforschung« im gegenwärtigen Jahrbuch eine Ausnahme. Vielleicht aber merken die Herausgeber des »Jahrbuchs«, dass ihr Ansatz den gegenwärtigen Rechtsruck nicht adäquat erfassen kann. Doch auch wenn durch einen weiteren Einzug sozialwissenschaftlicher Erklärungsansätze fundierte Analysen zur extremen Rechten geschrieben würden, änderte dies am Grundproblem der Extremismusforschung wenig.

Extremismusforschung ist nicht reformierbar
Vor 35 Jahren schrieben Backes und Jesse ihren ersten gemeinsamen Aufsatz, in dem sie bereits forderten, »Rechts«- und »Linksextremismus« gleichermaßen abzulehnen. Auch im »Jahrbuch 2017« bemängeln sie eine geringe Aufmerksamkeit für »Linksextremismus«, da die öffentliche Wahrnehmung »nicht auf Äquidistanz basiert«. Dass eine Wahrnehmung durch die Brille der Äquidistanz systematisch den Blick auf die gesellschaftspolitische Realität vernebelt und zu falschen Schlüssen führt, beweist die Extremismusforschung seit ihrem ersten Tag. Die Täter der rassistischen Ausschreitungen in Rostock und Mölln Anfang der 1990er Jahre, beschrieben Backes und Jesse im Jahr 1994 als »eine Anzahl nicht-organisierter Kinder und Jugendlicher und 50 Beifallklatscher aus der Bevölkerung«. Dass die Öffentlichkeit so viel über rechte Gewalt spricht, liege daran, dass »Journalisten überwiegend links von der Mitte angesiedelt sind« – eine klassisch rechte Argumentation – und nicht etwa an den fast 200 Todesopfern seit 1990. Auch die Einordnung des »Nationalsozialistischen Untergrund« (NSU) fiel Backes und Jesse merklich schwer. Im Jahr 2013 schrieben sie: »(…) so dass zu wünschen wäre, die NSU-Diskussion gäbe Anstöße für die Entwicklung neuer Forschungsprojekte. Diese sollten sich nicht auf einzelne Akteure konzentrieren, sondern der Gewaltdynamik stärkere Beachtung schenken, wie sie aus der Wechselwirkung und den Interaktionen extremistischer Szenen entsteht.« Warum aber eine rassistisch motivierte Mordserie, verübt von drei Neonazis an migrantischen Gewerbetreibenden, ein Forschungsprojekt zu Konfrontationsgewalt zwischen Linken und Rechten begründet, bleibt das Geheimnis dieser Professoren.

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Demonstration zur Urteilsverkündung im NSU Prozess in München

Schließlich ist zu resümieren: Eine Extremismus- beziehungsweise Demokratieforschung, welche die rechte Gewalt aufgrund ihres falschen Analyseansatzes systematisch relativiert und zum gegenwärtigen Rechtsruck nichts Substanzielles sagen kann oder möchte, ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.

 

Der Beitrag Die Brille der Äquidistanz vernebelt den Blick erschien zuerst auf der rechte rand.

Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/3998/die-brille-der-aequidistanz-vernebelt-den-blick/

Ethnic cleansing and the European Union. An interdisciplinary approach to security, memory and ethnography

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14608944.2018.1563991?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Catholic Education in the Wake of Vatican II

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00309230.2019.1567562?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Catholic Education in the Wake of Vatican II

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00309230.2019.1567562?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

A ‘pivot’ that never existed: America’s Asian strategy under Obama and Trump

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09557571.2018.1553936?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Whistleblowing as a new regulatory instrument in global governance: the case of tax evasion

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09557571.2018.1546278?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Book review

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09557571.2018.1563967?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Dorothy L. Hodgson Judith A. Byfield: Global Africa. Into the Twenty-First Century

Journal Name: New Global Studies
Volume: 13
Issue: 1
Pages: 165-166

Quelle: http://www.degruyter.com/view/j/ngs.2019.13.issue-1/ngs-2019-0001/ngs-2019-0001.xml

Negative Beziehungen und die Schmetterlingspolitik des Sexes

Quelle: https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/negative-beziehungen-und-die-schmetterlingspolitik-des-sexes

Kampf gegen die offene Gesellschaft

#Rollback

Kultur-, Bildungs- und Medienpolitik: Die kulturpolitische Agenda der Partei »Alternative für Deutschland« will den Marsch in die völkisch-autoritäre Gesellschaft.

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Hans-Thomas Tillschneider auf der Buchmesse in Leipzig am Stand des IfS zusammen mit Mitgliedern der »Identitären Bewegung« © Mark Mühlhaus / attenzione

Mitten im Sommer brachte der bayerische Landesverband der Partei »Alternative für Deutschland« (AfD) in einem Social-Media-Post das Wesen seiner gesellschaftspolitischen Vorstellungen auf die griffige Formel: »Heimatlieder statt Pimmelpuppen im Kindergarten«. Dieser Satz beinhaltet, was die gesellschaftspolitischen Positionen der Partei ausmacht: Nationalismus und eine klare Feinderklärung. Der Anlass der Wortmeldung des bayerischen Landesverbandes war die Ankündigung der rechten ungarischen Regierung, die Erziehung zum Patriotismus in Kindergärten und Schulen zur Pflicht zu machen. Patriotismus ist der Schlüsselbegriff zum Verständnis der Positionen der Partei im Feld der Gesellschaftspolitik.

Kultur- und Bildungspolitik
Wer nach programmatischen Aussagen der AfD zu kulturpolitischen Themen sucht, findet sie bei den AfD-Parteiintellektuellen Marc Jongen und Hans-Thomas Tillschneider. Sie agieren als Stichwortgeber und Verstärker rechter Ideologie in der AfD. Tillschneider, promovierter Islamwissenschaftler, AfD-Landtagsabgeordneter in Sachsen-Anhalt und neben Björn Höcke bekannter Protagonist des völkischen »Flügel«, versteht sich als Bildungspolitiker. In dieser Eigenschaft zieht er im Landtag gegen emanzipatorische Pädagogik zu Felde. Unter Bildung versteht Tillschneider »die bewusste Vermittlung von Kultur auf der Grundlage von Autorität und Tradition«. Was nicht auf dieser Linie liegt, wird als »Kuschelpädagogik« denunziert. Tillschneider möchte in der Schule zu »einer Kultur des pädagogischen Strafens zurückfinden«. Dass er das dreigliedrige Schulsystem favorisiert, geht mit dem pädagogischen Leitbild des konservativen Philologen-Verbands konform. Seine Idee, Flüchtlingskinder getrennt von allen anderen SchülerInnen zu unterrichten, liegt weit rechts davon.
Ebenso dezidierte Auffassungen vertrat Tillschneider in Bezug auf die Spielpläne der Theater: »Die Aufgabe des deutschen Theaters war von Beginn an die Vermittlung von nationaler Identität (…). Wenn wir eine starke Theaterkultur wollen, brauchen wir also zuerst eine starke Nationalkultur.« Er kritisierte, dass in den Theatern »linksliberale Vielfaltsideologien« zu viel Raum einnähmen. Tillschneiders Forum für seine Vorstellungen ist aber nicht nur das Landesparlament. Als Redner bei PEGIDA, beim sogenannten »Kyffhäusertreffen« des »Flügels« der AfD oder bei der Akademie des neu-rechten »Institut für Staatspolitik« (IfS) in Schnellroda ist er als ideologischer Stichwortgeber aktiv.
Als kulturpolitischer Lautsprecher der AfD ist auf Bundesebene auch Marc Jongen zu vernehmen. Der promovierte Philosoph und vormalige Assistent des Philosophie-Professors Peter Sloterdijk sitzt für die rechte Partei im Bundestag. Nach eigenem Bekunden ist es ihm »eine Freude (…), die Entsiffung des Kulturbetriebs in Angriff zu nehmen«. Im Bundestagsplenum bedient Jongen die Schlüsselwörter des neurechten Kulturkampfes. Förderprogramme der Bundesregierung zur Kultur dienten dazu, so meint er, »Kunst und Kultur auf eine globalistische und migrationsfreundliche Linie zu bringen.« Jongens Reden im Bundestag singen das Loblied auf die Kulturnation Deutschland.

Feindbild Gleichstellung und Gender
Auf dem Feld der Gesellschaftspolitik verfolgt die AfD kein Thema mit solcher Leidenschaft wie die Gleichstellungs- und Genderpolitik. Im Anschluss an rechte und konservative, antifeministische Diskurse, bekämpft die AfD alle Ansätze zur Geschlechtergerechtigkeit als angeblichen Versuch, Kinder und Jugendliche umzuerziehen und sie in ihrer »natürlichen« geschlechtlichen Identität zu verwirren. Familienpolitisches Leitbild der AfD ist die heterosexuelle Familie aus Vater, Mutter und im Idealfall drei Kindern. Hier soll eine spezifische Familienförderung aus steuerlicher Begünstigung und einem Müttergehalt ansetzen.

Medienpolitik
Auf die öffentlich-rechtlichen Medien ist die AfD nicht gut zu sprechen. Bereits zu Zeiten der Parteivorsitzenden Frauke Petry fiel das Wort von der »Pinocchio-Presse«. Insbesondere die von allen Haushalten zu entrichtende Mediengebühr (»GEZ«) ist der Partei ein Dorn im Auge. Die heutige AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch agitierte 2016 gegen die GEZ und ließ es zur Kontopfändung kommen. In der AfD wird gern vom »Staatsfunk« gesprochen, wenn es gilt, kritische Berichterstattung öffentlich-rechtlicher Sender zu diskreditieren. Medienpolitisch favorisiert die AfD einen Umbau der Finanzierung der Sender. An die Stelle einer von allen BürgerInnen zu zahlenden Gebühr und frei zu empfangender Sender, soll nach Vorstellungen der AfD eine Art Senderabonnement treten, wonach die NutzerInnen nur bezahlen, was sie konsumieren. Wie der Umbau des Systems öffentlich-rechtlicher Sender erfolgen soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. Weitgehend einig ist man sich in der Partei jedoch in der Kritik an der Ausrichtung des Informationsangebots der Sender. Durch sie sieht sich die AfD diskriminiert und in ein schlechtes Licht gerückt. Generell glaubt die Partei, dass in den Medien eine linksliberale Elite am Werk sei, deren politische Ausrichtung die Berichterstattung dominiere, und das Meinungsbild in der Bevölkerung verzerrt wiedergebe. Dass sich ein Teil der Gefolgschaft der AfD dies mit Vokabeln wie »Lügenpresse« oder »Systempresse« übersetzt, kann nicht überraschen. Demgegenüber setzt die AfD auf ihre eigenen Medienstrategien. Reichweitestärker als andere Parteien bedient sie Kanäle sozialer Netzwerke und machte zuletzt mit der Ankündigung von sich reden, einen eigenen Nachrichtenkanal aufbauen zu wollen. Die im Umfeld der AfD tätige Initiative »Ein-Prozent« ist schon einen Schritt weiter. Deren AktivistInnen erproben Kampagnenformate der Mobilisierung gegen die kritische Berichterstattung im Format der Gegenöffentlichkeit.

Kulturbegriff
Aus zahlreichen Statements von AfD-Funktions- und MandatsträgerInnen wird deutlich, dass in der Partei Kultur als Instrument nationaler Sinnstiftung und Identitätsvergewisserung verstanden wird. Diesem Ziel sollen sich alle vom Staat geförderten kulturellen Aktivitäten unterordnen. In einem Landtagswahlprogramm wurde es konkret: »Museen, Orchester und Theater sind in der Pflicht, einen positiven Bezug zur eigenen Heimat zu fördern.« Übersetzt: An die Stelle eines diskursorientierten Regietheaters soll offenbar die Inszenierung volkstümlicher Stoffe aus der Heimatgeschichte treten. Da ist es nur konsequent, wenn die AfD die Praxis regionalen Brauchtums und die Erforschung der Heimatgeschichte stärken will.

Biedermeier
In der Summe ergibt die kultur- und gesellschaftspolitische Konzeption der AfD das Bild einer biedermeierlichen Nation, in der Hierarchie, Tradition und Disziplin verbunden mit einem kräftigen Schuss Romantik das Maß aller Dinge sind. Für die Grundlagen ihrer Kultur- und Gesellschaftspolitik bedient sich die AfD der Leitbilder des wilhelminischen Nationalismus vor dem ersten Weltkrieg ebenso wie der »Konservativen Revolution«. Wo es aber um die praktische Politik geht, nimmt sie Bezug auf die Debatten um einen neuen Konservatismus und die von dem rechten Schriftsteller und Philosophen Gerd-Klaus Kaltenbrunner zu Beginn der 1980er Jahre entworfenen Konzepte für eine »Tendenzwende«. Gegen Liberalität, Moderne und Diversität hingegen hat die AfD einen Kulturkampf ausgerufen, in dem alle zu GegnerInnen werden, die nicht den Wertevorstellungen der Heiligen Dreifaltigkeit der AfD von Volk, Nation und Identität folgen mögen, gleichgültig, ob sie sich ihrem Selbstverständnis nach in einem politischen Kontext bewegen oder nicht. Die AfD hat der offenen Gesellschaft den Kampf angesagt.

Der Beitrag Kampf gegen die offene Gesellschaft erschien zuerst auf der rechte rand.

Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/4065/kampf-gegen-die-offene-gesellschaft/