Comités du numéro

Comité de rédaction

Anaïs Albert, Olivier Allard, Anabelle Allouch, Thomas Angeletti, Pierre Charbonnier, Amina Damerdji, Juliette Galonnier, Romain J. Garcier, Samuel Hayat, Yaël Kreplak, Igor Krtolica, Natalia La Valle, Stefan Le Courant, Camille Paloque-Bergès, Anthony Pecqueux et Christelle Rabier

Comité de lecture

Nicolai Abramovich, Dominique Belkis, Nicolas Belorgey, Celia Bense Ferreira Alves, Sophie Béroud, Camille Bloomfield, Adrienne Boutang, Cyrille Bret, Esteban Buch, Clément Canonne, Martha Caraion, Barbara Carnevali, Alain Chatriot, Jackie Clarke, Rémy Clot-Goudard, Philippe Corcuff, Grégory Cormann, Rafaël Cos, Claude-Olivier Doron, Nicolas Doutey, Sophie Dubuisson-Quellier, Jean-Baptiste Eczet, Sylvie Fortin, Marie Garrau, Jérôme Glicenstein, Haud Guéguen, Bérénice Hamidi-Kim, Nassira Hedjerassi, Antoine Hennion, Annie Hourcade, Pierre-Joseph Laurent, Tomas Legon, Pascal Marichalar, Nicolas Marquis, Vincent Martigny, Dominique Memmi, Pierre-Michel Menger, Eve Meuret C...

Quelle: http://journals.openedition.org/traces/8583

Comités du numéro

Comité de rédaction

Anaïs Albert, Olivier Allard, Thomas Angeletti, Pierre Charbonnier, Amina Damerdji, Juliette Galonnier, Romain J. Garcier, Samuel Hayat, Yaël Kreplak, Igor Krtolica, Natalia La Valle, Stefan Le Courant, Camille Paloque-Bergès, Anthony Pecqueux, Christelle Rabier et Pierre Saint-Germier

Comité de lecture

Pascale Absi, François Athané, Natalie Benelli, Céline Bessière, Alexandra Bidet, Loïc Bonneval, Sylvain Brunier, Yahan Chuang, Jérôme Denis, Fabrice Dhume, Cédric Frétigné, Elsa Galerand, Romain J. Garcier, Eric Geerkens, Romain Grancher, Mathieu Grégoire, Mathieu Hély, Camille Hochedez, Florence Joshua, Joel Laillier, Delphine Lance, Cécile Lavergne, Renaud Le Goix, Marc Lenormand, Benoit Leroux, Gildas Loirand, Séverine Louvel, Benjamin Loveluck, Catherine Marry, Gérard Mauger, Maëlle Meigniez, Ugo Palheta, Marie Piganiol, Jacques Rémy, José Rose, Delphine Serre, Laurence Tain et Jean-Baptiste Xambo

Figurent dans ce comité de lecture les personnes qui ont particip...

Quelle: http://journals.openedition.org/traces/8598

Historiography of school architecture in the state of São Paulo: the nineteenth century amidst history and architecture

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00309230.2018.1546329?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

»Deutschland zuerst!«

#Außenpolitik

»Deutschland zuerst!« Erkennbar inspiriert von US-Präsident Donald Trump, formuliert Armin-Paulus Hampel, außenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der »Alternative für Deutschland« (AfD), die Maxime seiner Partei für das Auftreten der Bundesrepublik in der Welt. »An deutschen Interessen«, so hieß es im Programm der Partei für die Bundestagswahl 2017, soll die deutsche Außenpolitik sich orientieren. Nun richtet jede Regierung ihre Auslandsaktivitäten an zentralen Interessen ihres Landes aus – die AfD hat darauf kein Monopol. Allerdings definiert sie deutsche Interessen anders als die stark auf die EU orientierte bundesdeutsche Politik der vergangenen Jahrzehnte.

Magazin der rechte rand

Hampel © Mark Mühlhaus / attenzione

Nationale Kompetenzen
Kern der Außenpolitik, die der AfD vorschwebt, ist ein Deutschland, das nationale Kompetenzen von der EU zurückgewonnen hat. Die Union, so der Vorwurf der Rechtspartei an die CDU/CSU, trage den Interessen der Bundesrepublik nicht hinlänglich Rechnung. »Die Zukunft Europas liegt nicht in der EU in ihrem jetzigen Zustand«, hieß es im AfD-Bundestagswahlprogramm, »auch nicht in ihrer weiteren Zentralisierung, sondern in einem Europa souveräner Staaten, die partnerschaftlich zusammenarbeiten«. Ein Rückbau der europäischen Integration soll den Weg für die Realisierung deutscher Interessen bereiten.

Beispiel Flüchtlingsabwehr: Die AfD sprach sich im März 2018 im Bundestag für »umfassende Grenzkontrollen« an den deutschen Außengrenzen aus. Diese kollidieren freilich mit dem Schengener Abkommen, das die AfD daher einschränken will. Nun ist sie damit nicht isoliert: Auch die Bundesregierung hat die Schengen-Regeln kräftig gedehnt, seit sie im September 2015 Kontrollen an den Binnengrenzen einführte und sie dann stets aufs Neue verlängerte. Doch die AfD geht weiter als die etablierten Parteien. Sie positioniert sich schärfer gegen Schengen – und sie weitet ihr Streben nach Renationalisierung auf weitere Politikfelder aus. »Unsere Vision ist ein souveränes Deutschland« in einem »Europa als Staatenbund«, erläutert Hampel. Andere sprechen von einem »Europa der Vaterländer« mit dauerhaften Personenkontrollen an den Grenzen.

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Auf der Kundgebung der AfD am 1. Mai 2018 in Eisenach mit Björn Höcke wurde der »Euro« im Stil einer Hakenkreuzfahne dargestellt. © Mark Mühlhaus / attenzione

Zurück zur D-Mark
Besonders deutlich wird die Abkehr der AfD von der bisherigen europäischen Integration in der Frage der Währung. Die kostspielige Euro-Rettungspolitik der Bundesregierung war für Ökonomen wie Bernd Lucke und für Wirtschaftsvertreter wie den Ex-Präsidenten des »Bundesverbandes der Deutschen Industrie« Hans-Olaf Henkel 2010 der Anlass, politisch aktiv zu werden: Die EU-Einheitswährung, meinten sie, komme Deutschland allzu teuer zu stehen. Sie sei den Nutzen, den sie etwa beim Export einbringe, nicht mehr wert. Der Protest gegen den Euro, mitgetragen von Teilen der mittelständischen Wirtschaft, die ein spezielles Interesse an einer starken Währung hat, hat die AfD in ihrer Gründungsphase zusammengeschweißt und spielt für sie bis heute eine hervorgehobene Rolle. Deutschland solle »die Transferunion aufkündigen und den Euroraum verlassen«, heißt es im Bundestagswahlprogramm. Ziel sei »die Wiedereinführung einer neuen nationalen Währung (‹Deutsche Mark›)«.

Wehrpflicht und Aufrüstung
Ähnlich deutlich betont die AfD nationale Interessen in ihren Konzepten für die Bundeswehr und deren Auslandseinsätze. So hat sie im März im Bundestag die Verlängerung der Militärintervention in Mali abgelehnt. Dort würden lediglich »alte französische Kolonialinteressen« bedient, erklärte Jens Kestner, ein einsatzerfahrener Oberfeldwebel der Panzertruppe, Bestattungsunternehmer und AfD-Mitglied im Verteidigungsausschuss des Parlaments. Dafür dürfe man das Leben deutscher Soldaten nicht riskieren. Im Kern hat die Bundesregierung diese Position jahrelang geteilt: »Zu meiner Zeit hieß es im Auswärtigen Amt immer«, berichtete Wolfgang Ischinger, einst ein hochrangiger Diplomat, Anfang 2018: »Achtung, wenn die Franzosen kommen und ‹Afrika› sagen, dann ist das nur der Versuch, uns in postkoloniale Händel hineinzuziehen, das lassen wir mal lieber.« Dass die Bundesregierung mit dem Mali-Einsatz von dieser Tradition abgewichen ist – freilich mit dem Ziel, den deutschen Einfluss im französischsprachigen Afrika zu stärken –, hält die AfD für einen Fehler: Letztlich verschwende man damit nur unnötig Potenzial.

Wer nicht für »fremde Interessen« in den Krieg ziehen will, muss sich gegebenenfalls, wie die AfD in ihrem Bundestagswahlprogramm schreibt, »selbst verteidigen« – und so setzt die Partei sich denn auch für die Wiedereinführung der Wehrpflicht und für eine massive Aufrüstung ein. Der deutsche Wehretat müsse von 38,5 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf 70 Milliarden Euro im Jahr 2025 steigen, fordert Rüdiger Lucassen, verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion. Lucassen weiß, wovon er spricht. Er war 34 Jahre lang Berufsoffizier bei der Bundeswehr, Hubschrauberpilot, Referent bei der NATO und im Verteidigungsministerium sowie zuletzt Oberst im Generalstab. Lucassen ist, militärisch gesehen, Profi und war bis vor kurzem Geschäftsführer eines Unternehmens, das sich mit der Ausbildung von Militärs und Polizisten befasst und laut einer Selbstdarstellung unter anderem in den Aufbau eines Rheinmetall-Gefechtsübungszentrums in Russland sowie in die Ausbildung von Landstreitkräften in den Vereinigten Arabischen Emiraten involviert ist. Lucassen will die Bundeswehr auf 240.000 Soldaten aufstocken und ein Reservistenkorps mit 50.000 Militärs aufbauen, das auch im Inland eingesetzt werden kann. Und dann – raus aus den Bündnissen? Auf gar keinen Fall! »Die militärische Zusammenarbeit der EU« müsse vielmehr »gestärkt werden«, gibt der AfD-Bundestagsabgeordnete Siegbert Droese zu Protokoll – schließlich müsse man gemeinsam die Außengrenzen abschotten. Lediglich den Aufbau einer nicht direkt von Berlin kontrollierten EU-Armee lehnt die AfD ab.

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April 2018 – AfD im Bundestag vlnr: Joerg Schneider, Juergen Pohl und Siegbert Droese © Christian Ditsch

Für Trump und Russland – gegen Amerika
»Wir fordern den Austritt aus der Nato«, hieß es in einem Antrag, den einige Dutzend AfD-Mitglieder vor dem Parteitag Ende April 2016 vorgelegt hatten. Der radikal-völkische Flügel äußerte dafür Sympathie. In der Gesamtpartei haben die RealpolitikerInnen allerdings ähnliche Stellungnahmen bislang verhindert. »Wir stellen die Nato nicht infrage«, bekräftigte kürzlich AfD-Verteidigungsfachmann Lucassen. Begünstigt wird die Akzeptanz dieser Position durch die Tatsache, dass mit Donald Trump ein Ultrarechter ins Weiße Haus eingezogen ist und die Geschicke des – den Völkischen allgemein eher verhassten – transatlantischen Verbündeten lenkt. Trump habe zum Beispiel »die stabilisierende Funktion von Grenzen« erkannt, lobten mit Blick auf seine Mauerbaupläne die zwei AfD-Ko-Sprecher im Januar 2017 in einem begeisterten Glückwunschschreiben: Kumpanei unter Rechten verdeckt derzeit den alten Antiamerikanismus, der auch in der AfD immer wieder anzutreffen ist.

Dabei schlägt das Herz der AfD eher im Osten. »Es liegt im deutschen Interesse, Russland in eine sicherheitspolitische Gesamtstruktur einzubinden«, heißt es im Parteiprogramm zur Bundestagswahl. Hinter dem Ziel, enger mit Moskau zu kooperieren, verbergen sich unterschiedliche, in der Praxis aber sich überlappende politische Stränge. Der erste ist ideologischer Natur: Die antiwestlichen Ressentiments, die auf dem radikal-völkischen Flügel der AfD florieren, verbinden sich traditionell mit Russland, der Macht im Osten, die als Gegengewicht gegen den verhassten Liberalismus des Westens gilt. Daneben stehen, zweitens, praktische Erfahrungen, wie sie beispielsweise Hans-Jörg Müller machte – als Manager der »Würth Group«, eines mittelständischen Unternehmens, das die Folgen der Russland-Sanktionen im Rahmen seines Russland-Geschäfts hautnah erleben konnte. Müller, Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Mittelstandsforums der AfD, spricht nicht nur Russisch. Er weiß auch, dass so mancher deutsche Mittelständler, der um sein Russland-Geschäft kämpft, die AfD wegen ihres Kampfs gegen die Russland-Sanktionen positiv sieht. Und dann wäre da noch die dritte Perspektive, die von Strategen wie dem AfD-Ko-Bundessprecher Alexander Gauland, der immer wieder betont hat, »gute Beziehungen zu Russland zu pflegen« gehöre »zur deutsch-preußischen Tradition«. Denn Russland war in der deutschen Geschichte immer wieder machtpolitisches Gegengewicht gegen Staaten im Westen: 1813 im Krieg gegen das napoleonische Frankreich, 1870/´71 im Reichseinigungskrieg, danach in der Bismarckschen Rückversicherungspolitik und mit dem Rapallo-Vertrag gegen die Sieger des Ersten Weltkriegs. Kooperiert man in gewissem Maß mit Moskau, so die Grundidee, dann kann man Russland als Gegengewicht gegen den Einfluss der westlichen Mächte nutzen.

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Alexander Gauland © Mark Mühlhaus / attenzione

Syrien im Visier
In der Öffentlichkeit sind derlei Erwägungen, die immer wieder auch in der staatlichen deutschen Außenpolitik eine Rolle gespielt haben und vielleicht in Zukunft wieder einmal spielen werden, von skandalisierenden Berichten über Besuche von AfD-Politikern auf der Krim überlagert worden. Russland-Kontakte sind für die Hauptströmung der deutschen Außenpolitik zur Zeit nicht opportun. Ähnlich verhält es sich mit Syrien. So hat die AfD-Delegation, die das Land Anfang März 2018 bereiste, um es als sicher genug für Abschiebungen zu klassifizieren, sich erfolgreich als Tabubrecherin inszenieren können. Faktisch hat sie Kontakte geknüpft, die vielleicht sogar dem einen oder anderen Mittelständler helfen können: Deutsche Unternehmen haben Syrien mit Blick auf den bevorstehenden Wiederaufbau – und damit verbundene attraktive Geschäfte – längst ins Visier genommen. Die AfD hat das schon realisiert – die staatliche Politik wird früher oder später folgen.

 

weiterlesen:

»»» Radikalisierung hoch drei

von Sören Frerks
Magazin »der rechte rand« Ausgabe 174 – September / Oktober 2018

 

der rechte rand magazin

Magazin der rechte rand Ausgabe 174

 

Der Beitrag »Deutschland zuerst!« erschien zuerst auf der rechte rand.

Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/4063/deutschland-zuerst/

The Romanian Orthodox Church and the Holocaust

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13507486.2018.1549861?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Transnational norms and governing illegal wildlife trade in China and Japan: elephant ivory and related products under CITES

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09557571.2018.1530636?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Der Puls bleibt oben

#Propaganda

Ohne Social Media würde bei der »Alternative für Deutschland« in Sachen Öffentlichkeitsarbeit nicht viel laufen. Auch nach der Bundestagswahl gilt: Facebook ist Kommunikationskanal Nummer 1.

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© Felix M. Steiner

Wie keine andere Partei weiß die »Alternative für Deutschland« (AfD) die sozialen Netzwerke für ihre Zwecke zu nutzen. Der Erfolg der AfD ist auch darauf zurückzuführen, über diesen Weg direkt mit ihrer WählerInnenschaft in Kontakt zu treten, mit ihr zu interagieren und mit gezielten Provokationen auch ein Echo in den »etablierten« Medien zu erreichen. Diese Schleife aus Grenzüberschreitung in den sozialen Netzwerken durch AfD-PolitikerInnen, Aufmerksamkeit und Berichterstattung in etablierten Medien mit empörten Kommentaren und anschließendem Zurückrudern der AfD unter Betonung der eigenen Opferrolle wurde schon oft durchgespielt und hat sich trotz Selbstkritik einiger Medienschaffender noch nicht endgültig abgenutzt. Noch gibt es also ein Wechselspiel zwischen AfD und den etablierten Medien über soziale Netzwerke, das die AfD aber langfristig überflüssig machen will. Denn auch wenn die Partei und ihre SteigbügelhalterInnen inzwischen bewiesen haben, dass man weitestgehend ungestraft jede noch so dumme Frage stellen und auch die menschenverachtendste Antwort geben darf, beschweren sie sich immer noch, von der »Lügenpresse« ignoriert, missverstanden und diffamiert zu werden. Die Konsequenz, so die Partei, sei daher, sich unabhängig zu machen und einen eigenen »Newsroom« zu eröffnen, der rund um die Uhr angeblich vertuschte Wahrheiten an der »Political Correctness« vorbei unter dem Teppich hervorholt. Im eigenen TV-Studio produzierte Videos und selbst recherchierte Inhalte sollen über soziale Netzwerke und die eigene Homepage verbreitet werden, die AfD hat zu diesem Zweck bereits zahlreiche MitarbeiterInnen eingestellt. Nach einem Treffen mit dem ehemaligen Macher von »Breitbart.com«, Stephen Bannon, ließ sich Alice Weidel damit zitieren, das ambitionierte Fernziel sei, dass die Menschen in Zukunft AfD und nicht ARD schauten.

AfD statt ARD
Seit dem Einzug in den Bundestag haben Partei und PolitikerInnen ihre Social-Media-Arbeit deutlich professionalisiert. Viele der Abgeordneten haben (neben ihrer privaten) jetzt eine offizielle Facebook-Seite, die in einigen Fällen extern betreut wird. Neben der AfD-Seite gibt es die Online-/Facebook-Präsenz »AfD-Fraktion im Bundestag«. Der Instagram-Kanal scheint wenig Erfolg gehabt zu haben, hier finden sich nur wenige ältere Einträge und wenige Follower. Der Kurznachrichtendienst Twitter wird bedient und auf dem eigenen YouTube-Kanal sind meist Pressekonferenzen und Reden einzelner Abgeordneter zu finden. Während die Website »AfD TV« noch vor sich hindümpelt, sind auf YouTube die ersten Ansätze der alternativen AfD-Nachrichten zu begutachten: Unter der Rubrik »Nachrichten aus der Fraktion« finden sich kurze Clips mit Symbolfotos in recht schlechter Tonqualität und Untertiteln, die im Stil von Nachrichtenbeiträgen Themen der AfD bewerben. Dass hier alle journalistischen Standards gekonnt umschifft werden, überrascht nicht weiter, ist aber doch tragisch, wenn man bedenkt, dass sich die AfD-AnhängerInnen vorzugsweise in sozialen Medien informieren und dass dies womöglich die einzigen Nachrichten sind, die sie sehen. Mehr von der AfD’schen Journalismus-Interpretation bekommen die Fans auf der Facebook-Präsenz »AfD-Fraktion im Bundestag« zu sehen: Hier gibt es auch ein an die Tagesschau angelehntes Format, außerdem kommen in einer Art Interview-Format AfD-PolitikerInnen mit ihren Themen zu Wort.

Ständiger Ausnahmezustand zur Selbstlegitimation
Über die Social-Media-Strategie der AfD ist viel geschrieben worden (s. drr Nr. 167), der aggressive Wahlkampf in den und aus den Netzwerken heraus, teils mit Hilfe von Troll-Armeen, hat viel Beachtung gefunden und vielleicht die eine oder andere WählerIn an die Wahl-Urne gelockt. Am scharfen Tonfall hat sich im Prinzip nicht viel geändert, es wird immer noch gehetzt, meist über Geflüchtete, Muslime, die »Alt-Parteien« und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und was sonst noch zum Establishment aus Sicht der AfD gehört. Der Puls muss oben bleiben, der Ausnahmezustand ist die neue Normalität, dafür sorgt die AfD mit den bekannten Aufreger-Themen und Provokationen. Das Header-Bild im Juli ist Werbung für die »interaktive« Sonderseite »Masseneinwanderung bedeutet Messereinwanderung«, auf der Fälle von Gewalttaten mit Messern aufgelistet werden. Die Panikmache gilt letztendlich der Selbstlegitimation. Der Warnung vor dem drohenden Bürgerkrieg, ausgelöst durch kriminelle AusländerInnen und vorangetrieben durch korrupte Eliten folgt der Hinweis auf die AfD, die das noch verhindern könnte. Um diese Botschaft zu verbreiten, steht hinter jedem Video der Aufruf, ihn zu liken und zu teilen. Seit die Partei im Bundestag sitzt und die anderen Parteien »vor sich hertreibt«, ändert sich jedoch etwas: Vieles sei besser geworden, so die eigene Erzählung. Zu diesem Zweck dokumentiert die AfD umfassend, was sie tut. Der Slogan dazu heißt »AfD wirkt«. Zu sehen sind zum Beispiel Peter Bystron und Markus Frohnmeier vor der Berliner Staatsanwaltschaft, die berichten, »Strafanzeige gegen NGO-Schlepper« stellen zu wollen. Da stehen sie, blättern ostentativ in Papieren mit Unterschriften der Abgeordneten und am Ende des Videos gehen sie tatsächlich rein, um ihre Anzeige zu stellen. Auf die meisten Menschen würde das jetzt vermutlich vorhersehbar, manipulativ oder lächerlich wirken, doch in der Kommentarspalte wird gejubelt: »Ihr redet nicht, ihr handelt! Danke dass ihr uns schützen wollt ?.«

Die »MacherInnen« der AfD
Auch ein Stilmittel in der Filterblase: Die AfD verdichtet das Bild einer erfolgreichen Oppositionspartei, indem sie die schönsten Reden, die knackigsten Sätze in Talkshows und die bissigsten Kommentare zusammenschneidet und dieses ständig wiederholt. Durch die Zusammenschnitte aus Talk-Show-Statements, Wiedergabe von Bundestagsreden der AfD-Abgeordneten plus Applaus und Kommentaren zu aktuellen Themen erlangt die AfD die Deutungshoheit über das Geschehen und inszeniert sich als alleinige Akteurin. Widerspruch, Niederlagen und Kritik werden ausgeblendet, störende Fakten weggelassen und schon erscheint die AfD gegenüber den »Altparteien« als Retterin und Musterschülerin der Demokratie. Gegenüber der allgemeinen AfD-Facebook-Seite ist die Fraktionsseite viel stärker personalisiert und rückt die Abgeordneten als kompetente »MacherInnen« ins rechte Licht. Die Vorsitzenden Alice Weidel und Alexander Gauland werden besonders nach vorne gestellt, ihre Reden sind abrufbar, sie geben Pressekonferenzen und kommentieren das Tagesgeschehen mit Memes, also Bildmontagen mit kurzen Sprüchen – je nach Thema mit ernst-bösartigem Gesichtsausdruck oder spöttischem Lächeln vor wechselnden Hintergründen. Darüber hinaus soll die Fachkompetenz und Seriosität einzelner Abgeordneter betont werden: Reden, Kommentare, Vorträge und Pressekonferenzen der fachpolitischen SprecherInnen werden abgebildet und teilweise live auf Facebook gestreamt. Mit großer Ernsthaftigkeit referieren die neuen ExpertInnen ihre Zweifel am menschengemachten Klimawandel (deshalb erübrige sich Klimaschutz) oder zitieren Studien, nach denen kleine Jungs lieber mit Autos und Mädchen lieber mit kleinen Küchen und Kosmetik spielen: »Gender Mainstreaming« ist nach dieser Lesart überflüssiger »Staatsfeminismus«.

Aus der Echokammer gibt es kein Entkommen
Innerhalb des AfD-Kosmos ist die Stimmung aufgeheizt bis euphorisch – zwischen andauernder Alarmbereitschaft und Siegestaumel. Das Phänomen der Echokammer ist hinreichend beschrieben, und die Gründe für die AfD-AnhängerInnen und -PolitkerInnen, aus ihrem selbst geschaffenen, homogenen Diskursraum auszutreten, werden mit steigender Professionalisierung der Medienarbeit immer weniger. Dazu kommt die wohlwollende Berichterstattung von »Compact« »PI-News«, der deutschen Sparte von »Russia Today«, »Junge Freiheit« und vielen AfD-freundlichen BloggerInnen, die inzwischen flächendeckend eine alternative Medienlandschaft im Internet bilden. Vom Rest des gesellschaftlichen Meinungsklimas bekommt man da wenig mit und kann auch Widersprüche und Zynismus schwerer entschlüsseln. Die AfD inszeniert sich seit jeher als Korrektiv einer aus den Fugen geratenen Gesellschaft, und das zunehmend noch offensiver und selbstbewusster, seitdem sie im Bundestag sitzt. Alexander Gauland lässt sich beispielsweise in einem Post vom 16. Juli wie folgt zitieren: »Ich bin entsetzt über die Verrohung der Sprache und den Hass, der der Zeit-Autorin Mariam Lau für ihren Artikel zur Seenotrettung in den Sozialen Netzwerken entgegenschlägt.« Dass Alexander Gauland, der sich beim Grenzendichtmachen nicht »von Kinderaugen erpressen lassen« will, das »Dritte Reich« einen »Vogelschiss« nennt und eine ihm missliebige Politikerin mit türkischen Wurzeln nach Anatolien »entsorgen« möchte, zu eben diesen Hass-Produzenten gehört die er kritisiert, dürfte im AfD-Kosmos den Wenigsten auffallen.

Im Informationskrieg
Einen nicht unerheblichen Teil der ihr zur Verfügung stehenden Mittel plant die AfD also für den Ausbau der Gegenöffentlichkeit zu verwenden, um den »Informationskrieg« für sich zu entscheiden. Als Vorbild dafür dienen die Medienstrategien der »Freiheitlichen Partei Österreich« oder die US-amerikanische Seite »Breitbart«. In diesem abgeschotteten Diskursraum existieren gegenläufige Meinungen höchstens noch als Untermauerung der eigenen Thesen. Und auch außerhalb ihrer eigenen Medien hat die AfD eine Diskursverschiebung weit nach rechts erreicht und teilweise die Übernahme ihrer Begrifflichkeiten erzwungen. Innerhalb ihrer Echokammer hat sie schon einiges erreicht auf dem Weg, den Diskurs abzuschaffen und durch Propaganda zu ersetzen.

 

Uum Thema social media, AfD und facebook:

»»» Politik als »Informationskrieg«

das Interview mit Johannes Hillje führte Felix M. Steiner
Magazin »der rechte rand« Ausgabe 174 – September / Oktober 2018

#Interview

 

»»» Ein Monat mit der AfD

von Frida Westrick
Magazin “der rechte rand” Ausgabe 167 – Juli 2017

Der Beitrag Der Puls bleibt oben erschien zuerst auf der rechte rand.

Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/4061/der-puls-bleibt-oben/

Ulf Hannerz Andre Gingrich: Small Countries. Structures and Sensibilities

Journal Name: New Global Studies
Issue: Ahead of print

Quelle: http://www.degruyter.com/view/j/ngs.ahead-of-print/ngs-2018-0041/ngs-2018-0041.xml

Interwar Yugoslav state-building and the changing social position of the Sokol gymnastics movement

Volume 26, Issue 1, February 2019, Page 60-83
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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13507486.2018.1468735?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Soup kitchens and Yugoslav poor relief between the two world wars

Volume 26, Issue 1, February 2019, Page 141-162
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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13507486.2018.1468736?ai=z4&mi=3fqos0&af=R