On the timeliness of the four elements

Authors

Christoph Müller
Karlsruhe, E-Mail: molinarius@web.de

Fulltext

Abstract English

The long history of the doctrine of the four elements with its aspects of understanding outer nature and human being himself came to an end at the beginning of the 19th century. The reasons were partly immanent to science development. On the other hand the technical infrastructure of modern living environment creates a restricted perception. The subject only perceives what is man made. It remains the illusionistic suggestion of man being dependent only from himself. At present, the four elements have become topical again in the macro area in ecological disaster scenarios; in the micro area in meditation teachings, which revive symbolic correspondences of a micro-macrocosmic kind. For the time being, man remains an earthling. Before he gets lost in a self image of being some kind of an existentialistic project, the human being has to realize in an act of immanent self-transcendence: The basis of my ek-sistence consists in an elementary flow of substances. In the anthropocene, the discourse on alienation must first become elementary again.

Keywords

Four Elements, Micro-Macrocosmos, Alienation, Anthropocene, Meditation

Citation

Christoph Müller “On the timeliness of the four elements,” Journal of New Frontiers in Spatial Concepts, ISSN 1868-6648, vol. 10 (2018), 17 – 22, Article ID http://ejournal.uvka.de/spatialconcepts/archives/2111, Pages: 6

Quelle: http://ejournal.uvka.de/spatialconcepts/archives/2111

Inhalt Ausgabe 175

»Wenn uns der Feind bekämpft …« #Widerstand Seite 3

Die Brille der Äquidistanz #Extremismustheorie Seite 6

»Ein rein instrumentelles Verhältnis zu Juden« #Interview Seite 8

Holocaustleugnung auf der Bühne #Antisemitismus Seite 10

»Erfolg und Ernüchterung« #Bayern Seite 11

Keine Überraschung #Hessen Seite 12

Angst vor Bildung #Schule Seite 14

Kampffeld Schule #LehrerInnen Seite 16

Wieder mal auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit #NPD Seite 18

Gewalt, RechtsRock und Kommerz #Justizwunder Seite 20

Erfurts Neonazis wechseln Partei #DerIII.Weg Seite 23

»Die Wölfe sind los« #Chemnitz Seite 24

kurz & bündig I Seite 27

(Ver)stimmungen #BuchmesseFrankfurt Seite 28

Mit offenen Armen in die Sackgasse #Fundamentalismus Seite 30

Nicht so schlimm und doch eine Katastrophe #Schweden Seite 32

»Das ist unser Marsch!« #Polen Seite 34

kurz & bündig II Seite 36

Rezensionen Seite 37

Der Beitrag Inhalt Ausgabe 175 erschien zuerst auf der rechte rand.

Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/3933/inhalt-ausgabe-175/

Editorial / Kommentar Ausgabe 175

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Massaker in Kirchen und Synagogen, Fahrzeugattacken auf DemonstrantInnen, Briefbomben gegen politische GegnerInnen, Massenschlägereien auf der Straße und Neonazis, die zum Umsturz aufrufen. Das ist die Realität in den USA. Terror von Rechts ist in diesem Land ebenso wenig neu wie in Europa. Erinnert sei an das Attentat von Oklahoma City 1995: Timothy McVeigh hatte damals mit einer Bombe 168 Menschen ermordet. Und dennoch gibt es gegenwärtig einen entscheidenden Faktor, der den weißen Wahn legitimiert und die rechte Gewaltspirale befeuert. Der amtierende Präsident Donald J. Trump hatte einen rassistischen Wahlkampf geführt und seine UnterstützerInnen wie »Fox News«, extrem rechte ThinkTanks und Blogger wie Alex Jones verbreiteten seine Hetze. Nun geht Trumps zweites Amtsjahr zu Ende und der US-Präsident und seine Verbündeten befinden sich noch immer – oder schon wieder – im Wahlkampfmodus. Die extreme Rechte – ganz gleich welches Spektrum – kennt keinen anderen als den politischen Ausnahmezustand, den sie stets herbeisehnt. Die FeministInnen und UmweltschützerInnen, die »Gutmenschen« – in den USA als »Social Justice Warriors« verunglimpft – People of Color, Jüdinnen und Juden und Muslime sowie MigrantInnen, Medien und der demokratische Staat; sie alle stehen im Fadenkreuz von Trump und seinem Gefolge. Dass sie den Worten Taten folgen lassen, haben die Ereignisse schmerzlich gezeigt. Unser Mitgefühl und unsere unsere Solidarität gelten all den Opfern und Angehörigen dieser faschistischen Gewalt.

Magazin der rechte rand

© Mark Mühlhaus / attenzione

Und es gilt angesichts dieser Hetze und Gewalt sich nicht klein zu machen, sondern die sich bietenden Möglichkeiten zu nutzen. Zwar konnten die »Republikaner« bei den sogenannten Midterm-Wahlen die Mehrheit im Senat behaupten. Bei den Kongresswahlen verloren sie ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus, die »Demokraten« gewannen 27 Sitze hinzu. Gewonnen haben gerade auch jene, die sonst Zielscheibe der Angriffe von Rechts sind. Frauen, Lesben, Schwule, Menschen mit Migrationshintergrund und -geschichte, Muslimas und Indigene. Ein Hoffnungsschimmer.

Eure Redaktion

Der Beitrag Editorial / Kommentar Ausgabe 175 erschien zuerst auf der rechte rand.

Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/3931/editorial-kommentar-ausgabe-175/

»Identitär« auf Britisch

#UK

Seit fast einem Jahr existiert ein Ableger der neu-rechten »Identitären Bewegung« in Großbritannien. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten hat sich die Gruppe unter neuer Führung und mit Hilfe aus dem Ausland zu einem Player in der extremen Rechten auf der Insel entwickelt.

Magazin der rechte rand

Anti-fascists unveiled a banner reading ‘Smash Nazi Hipsters!’ at Birkbeck earlier ahead of tomorrow’s Generation Identity.

Die »Identitäre Bewegung« (IB) ist in Großbritannien angekommen. Zwar brauchte es einige Jahre länger als auf dem europäischen Festland, doch mittlerweile scheint sich die »Generation Identity« (GI), wie das britische Pendant sich nennt, zu etablieren. Ihr Vorgehen ähnelt in großen Teilen dem ihrer kontinentalen Schwesterorganisationen: Eine hohe Social-Media-Präsenz, möglichst öffentlichkeitsheischende Aktionsformen sowie ein hipper Corporate-Identity-Look sorgen trotz kleiner Mitgliederzahl für große Aufmerksamkeit. Die »Sunday Times« schrieb unlängst geradezu erstaunt über das auf der Insel neue Phänomen: »Bürgerlich und wortgewandt, mit Skinny Jeans und New-Balance-Turnschuhen anstelle von Bomber-Jacken und Stiefeln.«

Dabei sah es zunächst danach aus, als würde das Projekt auf der Insel floppen. Seit Anfang 2017 existieren Internet-Auftritte der »Genera­tion Identity United Kingdom and the Republic of Ireland«, doch im Herbst waren erstmals Offline-Aktivitäten der Gruppe zu verzeichnen. Ihr offizieller Launch fand am 23. Oktober 2017 statt, als ein knappes Dutzend »Identitäre« am Geländer der Westminster Bridge in London ein großes Transparent mit der Aufschrift »Defend London, stop Islamisation« entrollte. Die Brücke im Stadtzentrum war ein halbes Jahr zuvor Schauplatz eines islamistischen Attentats gewesen.
Die Aktion verfehlte jedoch die beabsichtige Wirkung deutlich, britische Medien nahmen davon kaum Notiz. Vielmehr geriet die GI im Rahmen einer Fernsehreportage in den Fokus, die unter dem Titel »Undercover: Inside Britain‘s New Far Right« ausgestrahlt wurde, in der unter anderem der damalige GI-Co-Chef Jordan Diamond als Vertrauter von Anne Marie Waters porträtiert wurde. Waters gründete »Pegida UK« sowie die extrem rechte Kleinpartei »For Britain« nach erfolgloser Kandidatur für den Vorsitz der rechtspopulistischen ­»UK Independence Party« (UKIP). GI-Angehörige fallen in dem Beitrag durch krude Theorien über das Verschwinden der »Weißen« in Europa auf. Diamond und sein Partner an der Spitze der Gruppe, Sebastian Seccombe, zogen sich nach der Veröffentlichung zunächst zurück.

Was die Reportage außerdem belegt, ist die Führungsrolle kontinentaleuropäischer »Identitärer« bei der Initialisierung des britischen Ablegers. Insbesondere der österreichische IB-Aktivist Martin Sellner tat sich hierbei hervor. Er sieht das Engagement auf der Insel scheinbar als Eintrittskarte für den angelsächsischen Raum: Nicht wenige seiner Videos produziert der notorische »Vlogger« inzwischen auf Englisch. Im Rahmen seines London-Aufenthalts sprach er am 21. Oktober auch auf der prestigeträchtigen Konferenz des rechten Think-Tanks »Traditional Britain Group«. In dieses Bild passt außerdem Sellners Beziehung zur US-amerikanischen »Alt-Right«-Aktivistin Brittany ­Pettibone.

Ein neuer Chef
Nachdem der Startschuss für die GI weniger spektakulär verlief als erhofft, änderte sich dies mit dem Wechsel an der Führungsspitze der Gruppe. Der in London lebende Norweger Tore Rasmussen übernahm etwa ab dem Jahreswechsel die Koordination der Aktivitäten. Seither organisierte die GI eine Vielzahl an Aktionen, die sie zunehmend in den Fokus von AntifaschistInnen rückten und zum Teil mediale Öffentlichkeit erhielten. Im Dezember verkleidete sich ein Mitglied als Londons muslimischer Bürgermeister Sadiq Khan und sammelte Unterschriften für die Abschaffung des Weihnachtfests. Ihm zur Seite standen zwei vollverschleierte Personen. Mehrmals inszenierte die GI Verteilaktionen von schweinefleischhaltigem Essen an nicht-muslimische Obdachlose. In die im März dieses Jahres im Land aufkommende Empörung über einen Missbrauchsskandal in Telford bei Birmingham versuchte die Gruppe mit rassistischer Stimmungsmache zu intervenieren. Hinzu kommen zahlreiche Flugblatt- und Transparent-Aktionen.

Die bisher größte Aufmerksamkeitswelle erreichte die GI freilich mit Beihilfe aus dem Ausland. Nachdem ein Auftritt von Martin Sellner bei einer Veranstaltung der »Young Independence«, der UKIP-Nachwuchsorganisation, bereits zum zweiten Mal durch öffentlichen Druck verhindert wurde, wollte Sellner am 11. März 2018 in der berühmten »Speaker‘s Corner« des Londoner Hyde Parks eine Rede zum Thema »Meinungsfreiheit in der modernen Welt« halten. Doch britische Behörden verweigerten Sellner sowie Pettibone kurzerhand die Einreise. Die »Identitären« gerierten sich daraufhin als Opfer einer vermeintlichen Meinungsdiktatur und hielten ihre Veranstaltung, begleitet von antifaschistischem Protest, dennoch ab. In Österreich und in Ungarn wurden Solidaritätsbekundungen von örtlichen »Identitären« organisiert. Zumindest die bizarre Anekdote vom leidenschaftlichen Anti-Migrations-Aktivisten Sellner im britischen Abschiebegewahrsam sorgte für Medienecho.

Gemeinsam mit Tommy Robinson
Eine Woche später kam es zur Neuauflage: Stephen Yaxley-Lennon alias Tommy Robinson, ehemaliger Anführer der anti-muslimischen Hooligan-Vereinigung »English Defence League«, ebenfalls »PEGIDA UK«-Gründer und inzwischen Medienaktivist beim rechten Online-Magazin »Rebel Media«, trug statt des festgesetzten Sellner dessen Rede in der »Speaker‘s Corner« in einem inszenierten Akt des Widerstands vor. GI-Mitglieder flyerten im Umkreis der Veranstaltung, bei der es vereinzelt zu Gewalttätigkeiten gegenüber GegendemonstrantInnen kam.
Beide Gelegenheiten machten die Verankerung der GI im rechten bis extrem rechten Milieu deutlich. Es waren jeweils Anhänger der »Football Lads Alliance« zugegen, einer Gruppe, die als selbsternannte Bewegung gegen Extremismus entstand, vor allem aber durch rassistische Agitation und Kontakte zu langjährigen Aktivisten der rechten Szene von sich reden machte. Sie ähnelt den deutschen »Hooligans gegen Salafisten« und brachte mehrere zehntausend Menschen auf die Straße, erscheint mittlerweile aber zunehmend in Auflösung begriffen.

Auch die Liaison mit Tommy Robinson spricht Bände. Aufgrund seiner Medienarbeit ist er gegenwärtig einer der prominentesten Akteure der extremen Rechten Großbritanniens. Als er Ende Mai zum wiederholten Male verbotenerweise live von einem Gerichtsprozess berichtete und anschließend verhaftet wurde, erreichte eine Petition, die seine Freilassung forderte, in weniger als einer Woche mehr als eine halbe Million UnterstützerInnen. Robinson traf sich mehrfach mit Identitären, diese wiederum besuchten unter anderem den von ihm organisierten »Day for Freedom« am 6. Mai 2018. Der 35-Jährige wurde zwischenzeitlich als möglicher Leiter der GI gehandelt.

Das scheint allerdings inzwischen der 23-jährige Tom Dupre zu sein. Er trug an Sellners Stelle die Rede im März vor und wurde für dessen »Vlog« ausführlich interviewt. Dupre wird vor allem unterstützt vom Londoner Charlie Fox und dem Nordengländer Benjamin Jones. Für Irland und Nordirland zuständig ist die 38-jährige Deirdre McTucker alias Damhnait McKenna. Das interessanteste GI-Mitglied dürfte aber Jake Bewick aus Sheffield sein. Er nahm nach Angaben der Antirassismus-Organisation »Hope Not Hate« noch 2016 an einer Demonstration der »National Action« teil, die im selben Jahr als terroristische Gruppe verboten wurde.

Nicht erfolgreich
Dass die britische Sektion inzwischen einige Wertschätzung erfährt, bewies die Ausrichtung einer europaweiten Konferenz der IB am 14. April dieses Jahres durch die GI. Allerdings geriet auch diese Veranstaltung nicht zuletzt aufgrund antifaschistischer Intervention zu einem weiteren Desaster. Das Treffen unter dem Titel »European Reunion« war mit markigen Worten angekündigt, erlebte aber bereits vor Beginn einige Dämpfer. Dem als Sprecher angekündigten Martin Sellner und dem ungarischen Identitären Ábel Bòdi wurde am Tag zuvor die Einreise ins Land verwehrt. Für die mit feministischer Symbolik kokettierende »#120-Dezibel-Kampagne« sollte aus Deutschland Annika Franziska Stahn von der IB Schwaben anreisen. Stattdessen sprach Freya Honold von der IB Dresden, die wie Stahn Autorin des antifeministischen Blogs »radikal feminin« ist.
Obwohl der Ort der Zusammenkunft durch die GI nicht bekannt gegeben wurde, veröffentlichte »Hope Not Hate« bereits am Mittag des Konferenztages die Adresse. Anstatt sich, wie angekündigt, in London zu treffen, geschah dies in einem Stadtteilzentrum in Sevenoaks in der Grafschaft Kent, fast 50 Kilometer von London entfernt. Dort mussten dann die Identitären ihre Sachen packen, nachdem bekannt wurde, wer sich eingemietet hatte. Auch in einem nahegelegenen Pub, in den die Gruppe anschließend einkehrte, wurde sie bald wieder vor die Tür gesetzt. Zwar versuchte die GI die Konferenz im Nachhinein als Erfolg zu verkaufen, in der für sie so wichtigen Öffentlichkeit standen sie aber als die Verlierer des Tages da.

Nichtsdestotrotz tut die britische Linke gut daran, die GI nicht zu unterschätzen. Innerhalb nicht einmal eines Jahres haben es die wenigen Mitglieder unter großem persönlichen Einsatz geschafft, sich als derzeit aktivste Gruppe der extremen Rechten auf der Insel einzurichten. Sie verstehen es, eine modernisierte Alternative zum herkömmlichen britischen Nationalismus mitsamt seinen rassistischen Ressentiments zu bieten, der an Schlagkraft zu verlieren drohte, nachdem er im »Brexit«-Votum einen demokratischen Ausdruck fand. In diesem Sinne füllt die GI die Lücke zwischen UKIP und einer Vielzahl an extrem rechten Kleinparteien, den offen rassistischen bis neonazistischen Schlägergangs aus dem Hooligan-Milieu und Untergrund-Organisationen wie »National Action«. Und schließlich verschiebt sie auch den Diskurs: In hippem Gewand ethnisiert sie die Debatte um MigrantInnen und Muslime, die in Großbritannien bisher eher eine Debatte um differente Kulturen gewesen ist.

Der Beitrag »Identitär« auf Britisch erschien zuerst auf der rechte rand.

Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/3896/identitaere-uk/

Merging with the metals: an analysis of the role micro-political relationships played in the merger of the Printing and Kindred Industries Union with the Australian Manufacturing Workers Union

.

Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/0023656X.2019.1552712?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Anglicizing America: empire, revolution, republic

.

Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13507486.2018.1549855?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Types and figures: comments on Lawrence Venuti’s reading of Jerome

Volume 12, Issue 3, September 2019, Page 357-372
.

Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14781700.2018.1543612?ai=15d&mi=3fqos0&af=R

Types and figures: comments on Lawrence Venuti’s reading of Jerome

Volume 12, Issue 3, September 2019, Page 357-372
.

Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14781700.2018.1543612?ai=15d&mi=3fqos0&af=R

Russian homophobia from Stalin to Sochi

.

Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13507486.2018.1549857?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Spanien

#Europa

Zwei neue Rechtsparteien treten zur Europawahl an. Die neue Konkurrenz sorgt für einen Rechtsruck der Konservativen.

Magazin der rechte rand

Anhängerin des faschistischen Diktators Franco in Madrid © Mark Mühlhaus / attenzione

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat fatale Auswirkungen auf Spanien. Doch im Gegensatz zu anderen südeuropäischen Ländern scheint in Spanien die extreme Rechte bislang nicht davon zu profitieren. Sie wird bei den Europawahlen kaum eine Rolle spielen. Die Voraussetzung dafür ist, dass die rechtskonservativ-liberale Volkspartei »Partido Popular« (PP) ein Spektrum abdeckt, das bis weit in die extreme Rechte reicht. Als Nachfolgerin der postfranquistischen »Alianza Popular« ist der PP noch stark mit den Überbleibseln des alten Regimes des faschistischen Diktators Francisco Franco verbunden. Der ideologische Dunstkreis rechts vom liberal- und rechtskonservativen Spektrum war stets Bestandteil der Partei, die sich gleichwohl in den letzten 20 Jahren deutlich modernisiert hat. Zwei bis zehn Prozent der Wahlbevölkerung Spaniens gelten als rechts bis extrem rechts – ein Potenzial, das laut den Zahlen des Forschungsinstituts »Centro de Investigaciones Sociológicas« der PP bislang bis zu 90 Prozent ausschöpfen konnte.

Reformulierung des Neofaschismus
Die Jahrzehnte währende Allianz zwischen der extremen Rechten und dem PP scheint jedoch brüchig zu werden, Reorganisationstendenzen am rechten Rand der Gesellschaft und des PP zeichnen sich ab. So ist das neue Bündnis »España en marcha« (»Spanien marschiert«) der Versuch, das in Kleinstorganisationen zersplitterte Milieu der extremen Rechten zu vereinen. An diesem Prozess sind zehn Organisationen beteiligt, unter anderem die »Democracia Nacional«, »La Falange«, »Movimiento Católico Español«, die neofaschistische »Alianza Nacional« und »Nudo Patriota Español«. Das Bündnis versucht erzkonservative, nationalkatholizistische Milieus und neofaschistische Organisationen, die eine Nähe zur gewaltbereiten Skinhead-Szene aufweisen, zusammenzubringen. »España en marcha« will die bürgerlich-demokratische Verfassung von 1978 und die dort implementierte föderale Struktur des Staates abschaffen, um einen Zentralstaat wiederherzustellen. Forderungen nach regionaler Unabhängigkeit werden als »staatsfeindlicher Terrorismus« behandelt, MigrantInnen sollen abgeschoben werden. Der zentrale kulturelle Bezugspunkt von »España en marcha« ist das Christentum, das die »Wurzel der traditionellen Werte der spanischen Gesellschaft« sei. Ein Recht auf Abtreibung sowie die Gleichstellung für Lesben und Schwule werden zurückgewiesen, die Homo-Ehe sei eine »Anomalie gegenüber der traditionellen Moral des spanischen Volkes«. Diese neue rechte Bündnisstruktur kann auf die Loyalität der Neonazi-Szene bauen, deren Potential auf 10.000 AktivistInnen geschätzt wird.

Rechtsabspaltung des PP
Anfang 2014 hat sich zudem eine Rechtsabspaltung vom PP vollzogen. Ehemalige Mitglieder gründeten die Partei »Vox« (»Die Stimme«). Ziel ist die Verteidigung der territorialen Einheit Spaniens, die politische Zentralisierung sowie die konsequente Bekämpfung separatistischer Tendenzen. Zudem kanalisiert »Vox« das Unbehagen des rechten Flügels und breiter Teile der Parteibasis über den Umgang der PP-Regierung mit dem baskischen Konflikt. Vor allem zwei Entscheidungen sorgten für Kritik: zum Einen die Entlassung von Häftlingen von »Euskadi Ta Askatasuna« (ETA) durch den Staat nach einem Urteil des EU-Menschengerichtshofs, zum Anderen der Wahlantritt der linken Unabhängigkeitsbewegung im Baskenland. Nach dem Gewaltverzicht der ETA zog das Argument nicht mehr, dass deren Kandidatur die Fortsetzung des Terrorismus mit anderen Mitteln sei. Die nunmehr starke Präsenz linksnationalistischer PolitikerInnen in den Kommunen und dem baskischen Regionalparlament stellt für den rechten Flügel des PP eine Provokation dar. Spaniens konservativer Ministerpräsident Mariano Rajoy (PP) hätte verhindern müssen, so der Vorwurf, dass die RepräsentantInnen der »izquierda abertzale« (»Abertzale Linke«), die teils auf bis zu 30 Prozent der Stimmen kamen, wieder in die Parlamente einziehen konnten.
Eines der Gründungsmitglieder von »Vox«, das langjährige PP-Mitglied Ortega Lara, war Ende der 1990er Jahre von der ETA entführt worden und setzt sich für einen unnachgiebigen Kampf gegen die ETA im sich abzeichnenden Friedensprozess ein. Mit Santiago Abascal Conde war ein weiteres ehemaliges PP-Mitglied an der Gründung von »Vox« beteiligt, und Ende Januar 2014 gab der Europarlamentarier und Vizepräsident des Europäischen Parlaments Alejandro Vidal-Quadras (PP) seinen Übertritt in die Partei bekannt. »Vox« gelingt es, sich als glaubwürdige Akteurin gegen den »Separatismus« darzustellen und mobilisiert die breite Unzufriedenheit mit der korrupten politischen Elite Spaniens. Kern der neuen rechtskonservativen Partei, die wirtschaftspolitisch einen ökonomischen Liberalismus vertritt, ist der Schutz der traditionellen Werte der spanischen Nation, so auch der Familie – eine zentrale Forderung ist die Abschaffung der Abtreibung.

Rechtsdrall
»Vox« wird, anders als »España en marcha«, der Sprung ins Europaparlament zugetraut. Sie verfügt über erfahrene und renommierte PolitikerInnen, professionelles Auftreten sowie gute Beziehungen zu den Medien. Die neuen Organisationen am rechten Rand üben schon jetzt Druck auf den PP aus, der aus Angst um den rechten Parteiflügel versucht, das rechte Milieu weiter an sich zu binden. So ist das neue Gesetz zur Verschärfung der Abtreibungsregelungen ein klares Zugeständnis an die Rechte. Wie weit nach rechts offen die Partei ist, zeigte sich auch, als der Julián Huete Cervigón, Lokalpolitiker des PP, Abtreibung mit der »Endlösung«, also dem Holocaust, verglich.

Der Beitrag Spanien erschien zuerst auf der rechte rand.

Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/3887/spanien-europa/