Der dauerhafte „Einzelfall“

#AfD

Es ist ein wiederkehrendes Muster. Die Medien berichten über Entgleisungen von PolitikerInnen der „Alternative für Deutschland“ (AfD), die politische Empörung ist groß und die Rechtsaußenpartei redet sich heraus. Nathan Mattes hat* auf (www.wir…) zahlreiche dieser rassistischen, völkischen, nationalistischen, sexistischen und antidemokratischen Zitate zusammengetragen.
Dafür wurde er von der AfD verklagt, denn seine Dokumentation belegt, dass die Partei extrem rechts und ihr Mittel die ganz alltägliche Hetze ist – in den Parlamenten, im Internet und auf der Straße.

Magazin der rechte rand Ausgabe 171

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*Nachtrag: Nathan Mattes wurde gerichtlich untersagt diese Webseite weiter zu betreiben.

 

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Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/3841/afd-hetze-karte/

The Euro Crisis and European Identities: Political and Media Discourse in Germany, Ireland and Poland

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09644008.2018.1543178?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Party Competition and Government Formation in Germany: Business as Usual or New Patterns?

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09644008.2018.1538362?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Rethinking borders and boundaries for a mobile history of education

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00309230.2018.1521452?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

“Wonder Nuns:” Sor Patrocinio, the Politics of the Supernatural, and Republican Caricature

This paper examines the relationship between politics and the supernatural in nineteenth‐century Spain through the figure of Sor Patrocinio: a stigmatized nun and advisor to Queen Isabel II of Spain. I introduce Sor Patrocinio as an example of a “wonder nun:” a type of ultra‐charismatic, supposedly supernaturally gifted religious woman who influenced her country's political agenda. During Sor Patrocinio's rise to fame, she lost control of her public image. In their efforts to dethrone Isabel II, Spanish republicans transformed Sor Patrocinio into a politico‐religious symbol, a living reminder of the anti‐liberal and neo‐Catholic tendencies attributed to Isabel II and her clique. On the one hand, her case exemplifies the struggle of liberalism to form modern nations in Europe. On the other, it shows how some religious women obtained power through their experience of the supernatural during the “culture wars” of the period, reflecting how such experience was shaped by political affairs.

Quelle: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/1467-9809.12544?af=R

Der Geheimdienst, die AfD und rechtes Regieren

#Verfassungschutz

Magazin der rechte rand

Hans-Georg Maaßen
an der rechten Schulter von Horst Seehofer
© Christian Ditsch

Suchen Sie im aktuellen Verfassungsschutzbericht das Schlagwort »NSU«, den »Nationalsozialistischen Untergrund«. Sie werden es nicht finden. Obwohl organisierte Neonazis Solidarität mit den Nazi-MörderInnen organisierten. Obwohl der NSU-Prozess medial breit bearbeitet wurde, der Staat sich bis heute nicht umfassend erklärt hat und für die Angehörigen und Überlebenden nichts erledigt ist. Doch für die Spitzel-Behörde ist das Kapitel beendet. Akten wurden vernichtet, der Untersuchungsausschuss im Bundestag ist schadlos überstanden und im Prozess wurde die Thematisierung der Rolle von Spitzeln und Behörden unterdrückt. Im Ergebnis steht der Geheimdienst heute besser da: mehr Personal, mehr Geld und mehr Befugnisse. Und ein zum Sonderberater ins Innenministerium weggelobter Präsident (Stand 24.09.2018), der sich mit führenden VertreterInnen der rechtsradikalen »Alternative für Deutschland« (AfD) trifft, als wäre das normal.

Suchen Sie im aktuellen Verfassungsschutzbericht die »AfD«. Sie werden sie finden. Aber nicht, weil die Partei frühere Neonazis beschäftigt und als Mitglieder hat. Nicht, weil sie rassistisch bis neofaschistisch agiert. Nicht, weil sie völkische Ideen verbreitet und sich gegen parlamentarische Demokratie, Pressefreiheit und Menschenwürde richtet. Nein, die AfD wird im Verfassungsschutzbericht erwähnt, nur weil AntifaschistInnen gegen sie protestierten oder Widerstand leisteten. Die AfD als Opfer von »Linksextremisten«, das ist die Botschaft des Dienstes, dessen Präsident sich mit VertreterInnen der Partei trifft. Einer Partei, deren FunktionsträgerInnen sich aus Polizei, Armee, Journalismus, Wissenschaft, Beschäftigten des Staates oder früheren Mitgliedern von CDU, CSU und FDP rekrutieren – den Funktionseliten der Bundesrepublik. Der rechte »Hutbürger« aus dem Landeskriminalamt Sachsen ist da nur die hässliche Spitze des Eisbergs – oder, wie »Spiegel Online« jüngst schrieb: »Der Apparat zieht Reaktionäre an«.

Suchen Sie das Stichwort »Identitäre Bewegung« (IB) im Verfassungsschutzbericht. Sie werden es finden. Doch die Formulierungen zeigen Zurückhaltung: Die IB »kritisiert« die Asylpolitik, heißt es dort. Völkische AktivistInnen, AntidemokratInnen und frühere Neonazis sind also nur KritikerInnen? Von »einzelnen Mitgliedern« seien »Kontakte in die rechtsextremistische Szene« bekannt und es liege eine »auf ethnisch, völkisch-abstammungsmäßigen Kriterien fußende einwanderungskritische und islamfeindliche Haltung« vor. Und dennoch: Die »Identitären« sind für das Amt nur ein »Verdachtsfall«.

Oder suchen Sie die Stichworte »Institut für Staatspolitik«, »Götz Kubitschek«, »Sezession« oder »Neue Rechte« im Bericht des Geheimdienstes. Sie werden nichts finden. Die Stichwortgeber der radikalen Rechten, die Orte und Institutionen faschistischer Ideologieproduktion, die Denkstuben zur Rehabilitierung »Konservativer Revolutionäre« und autoritärerer Staatsdenker werden nicht erwähnt, obwohl sie erkennbar Einfluss erlangt haben.

Sind der Verfassungsschutz, seine wissenschaftlichen ZuträgerInnen, die Innenministerien und die Mehrheit der Politik auf dem rechten Auge blind? Nein. Sie alle wissen um die AfD, um die »Neue Rechte«, um den NSU oder PEGIDA. Die Einen kennen sie aus den eigenen Akten. Die Anderen aus den inzwischen zahlreichen fundierten Medienberichten, aus den als »linksextrem« diffamierten antifaschistischen Recherche-Projekten, aus kritischer Wissenschaft oder aus den zahlreichen parlamentarischen Anfragen in Bund und Ländern. Das, was der Verfassungsschutz tut, ist weder politische Blindheit, Unwissenheit noch Beamten-Trägheit. Die Nachsicht gegenüber der Rechten, die Fixierung auf die Linke und die Extremismus-Doktrin sind konservative Staatsraison und Kern konservativer Sicherheitspolitik. Die aufgeflogenen Treffen des Verfassungsschutz-Chefs mit der rechtsradikalen AfD haben einen kurzen Einblick in dieses Denken gewährt: L`état c`est moi – der Staat bin ich! Schon bei seiner Einsetzung im August 2012 – nach dem Auffliegen des NSU – galt Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen BeobachterInnen als »eiskalter Technokrat« und konservativer Hardliner – unter anderem aufgrund seiner Rolle bei der verhinderten Rückkehr des Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz nach Deutschland und weil er die Auffassung vertrat, das Organisieren von Kirchenasyl könne im Einzelfall als »Bildung einer kriminellen Vereinigung« gewertet werden.

Die autoritäre Nation, die Ablehnung der Werte der französischen Revolution von Freiheit und Gleichheit und ein fest verwurzelter Antikommunismus – der auch ganz ohne »Kommunismus« auskommt – werden im Entscheidungsfall erneut die Basis rechter und konservativer Politik sein. Demokratie, Liberalismus und Rechtsstaat gelten nur, solange sie nicht schaden. Sie werden nicht nur von Rechtsaußen angegriffen, sondern vor allem aus der Mitte nicht verteidigt. In Ungarn, Österreich und den USA ist das zu beobachten – dort herrscht die Regierungs-Rechte schon und baut den Staat um. In Deutschland sind die letzten Schranken noch nicht gefallen. Noch nicht. Der Verfassungsschutz jedenfalls ist kein Bollwerk dagegen – das beweist er immer wieder.

Nachtrag: #Maaßen wurde Anfang November 2018 in den Ruhestand versetzt.

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Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/3837/maassen-afd-verfassungsschutz/

Book review

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09557571.2018.1493847?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

A game of English make-believe: Reading eighteenth-century French pseudotranslations

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14781700.2018.1534604?ai=15d&mi=3fqos0&af=R

‘Life will pass quickly for me’: Women, Clocks and Timekeeping in Nineteenth‐Century France

Gender &History, EarlyView.

Quelle: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/1468-0424.12374?af=R

Staatsschutzsenat liefert Schlussstrichurteil

#NSU

Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts München hat sein Urteil im NSU-Prozess gesprochen und er hat das geliefert, was von ihm zu erwarten war. Lebenslang mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld für Beate Zschäpe als überlebendes Mitglied der angeblich »isolierten Gruppe« und für die übrigen vier angeklagten Unterstützer so niedrige Urteile, dass die Kernaussage deutlicher nicht sein kann: Diese seien weit weg gewesen vom eigentlichen »Nationalsozialistischen Untergrund« (NSU), es habe keine Einbindung in ein militantes Netzwerk gegeben und es existierten in Deutschland keine militanten beziehungsweise terroristischen Neonazi-Netzwerke.

Magazin der rechte rand

Demonstration in Berlin »Kein Schlussstrich – Das Problem heißt Rassismus« anlässlich der Urteilsverkündung im Münchner NSU-Prozess. © Christian Ditsch

Eine höhere Bestrafung hätte diese Aussage in Frage gestellt. Ralf Wohlleben, früher aktiv in der »Nationaldemokratischen Partei Deutschlands« (NPD) und wichtige Persönlichkeit innerhalb der »Freien Kameradschaften«, wurde für die Lieferung der ?eská wegen Beihilfe zu den mit ihr begangenen Morden zu zehn Jahren Haft verurteilt. Es wurde gerade nicht darauf abgestellt, dass er eine Zentralfigur des UnterstützerInnennetzwerkes, aber auch in der militanten Neonaziszene war. Denn eine enge Verbindung zwischen der organisierten, »legalen« Szene und dem NSU hätte die viel kritisierte These der Bundesanwaltschaft (BAW) von der isolierten Dreiergruppe, die sogar eine Einzeltäterthese ist, in Frage gestellt.

Ähnlich ist die Verurteilung des Angeklagten André Eminger zu bewerten, der lediglich eine Strafe von zweieinhalb Jahren wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung erhielt. Dass das Gericht ausgerechnet dem bis heute überzeugten Nationalsozialisten Eminger – der Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos auch über den Tod hinaus die Treue hält – unterstellte, er habe nicht gewusst, welche Straftaten diese mit den von ihm gemieteten Autos begehen, ist abstrus. Umso mehr als das Gericht im Herbst 2017 nach dem Plädoyer der BAW Untersuchungshaft angeordnet, also einen dringenden Tatverdacht für alle angeklagten Straftaten bejaht hatte. Irgendwann muss dem Senat klar geworden sein, dass Eminger bei einer Verurteilung, wie sie der Bundesanwalt gefordert hatte, in der Öffentlichkeit logischerweise als viertes Mitglied des NSU gesehen werden würde. Dies hätte grundlegende Zweifel an der von offizieller Seite weiterhin vertretenen Einzeltäterthese ausgelöst.
Die Verurteilung von Carsten Schulze unter Anwendung von Jugendstrafrecht und Holger Gerlach zu jeweils drei Jahren Haft bewegen sich dagegen im strafrechtlichen Rahmen. Wobei Letzterer wohl ebenso von den sehr oberflächlichen Ermittlungen zu seiner Rolle im NSU-Netzwerk profitierte, denn der Senat blieb auch bei ihm unter den von der BAW geforderten fünf Jahren.

Reaktionen auf das Urteil – falsche Erwartungen?
In Erwartung eines solchen Urteils, das BAW und Gericht noch dazu als »Schlussstrich« unter »Pannenermittlungen« verkaufen wollten, sind die antifaschistische Demonstrationen, die Prozessbeobachtung durch NSU-Watch und das Engagement vieler NebenklägerInnen und ihrer AnwältInnen zu sehen.
Als das Gerichtsverfahren 2013 begann, stellte sich für manche VertreterInnen der Nebenklage die Frage, ob sie sich dazu hergeben sollten, durch ihre Beteiligung den Prozess quasi zu legitimieren. Die Aktivitäten der engagierten Nebenklage rechtfertigten dieses Wagnis allerdings schon bald. Das Gericht konnte dazu gebracht werden, die Unterstützerszene in Sachsen, vor allem »Blood & Honour« (B&H) in Chemnitz, unter die Lupe zu nehmen und V-Leute im Umfeld des NSU beziehungsweise deren V-Mann-Führer zu vernehmen. Dabei wurde deutlich, dass das Kerntrio nach seinem »Abtauchen« aus Jena in Chemnitz sowohl persönlich als auch organisatorisch eng in die dortige Naziszene eingebunden wurde. Hier begann die Freundschaft zu Eminger und auch Zschäpe nahm in dieser Situation an zahlreichen Diskussionen mit der B&H-Ortsgruppe teil, bei denen die nähere Zukunft und die Bereitstellung von falschen Papieren besprochen wurden.

All dies machte es Gericht und BAW unmöglich, einen kurzen Prozess, einen schnellen Schlussstrich zu ziehen. Wenngleich das Gericht letztlich eine Aufklärung der Strukturen in der Zeit seit dem Umzug nach Zwickau im Jahr 2000 unmöglich machte und die Nebenklage an die Grenzen ihrer Möglichkeiten kam, kann der Prozess insgesamt als Erfolg der Nebenklage und der kritischen Öffentlichkeit gewertet werden. Die mediale und gesellschaftspolitische Sichtweise auf den NSU ist heute maßgeblich von den Thesen der antifaschistischen Aufklärung bestimmt.

Die kritische Arbeit zum NSU war deshalb erfolgreich, weil sie ein eindeutiges Verhältnis zum Staat hatte. Von Beginn an war klar, dass der politische Widersacher in diesem Prozess vor allem der Bundesanwalt mit seinen Schlussstrichambitionen war. Das stete Aufzeigen des institutionellem Rassismus, des Versagens und der Verantwortlichkeit des Verfassungsschutzes sowie die Aufdeckung der militanten Neonazi-Netzwerke konnten den Blick immer wieder auf die gesellschaftlichen Grundprobleme lenken, die den eigentlichen Kern der Auseinandersetzung mit dem NSU ausmachen. Das Engagement vieler in und um den Prozess ging also von der alten Prämisse aus, dass Antifaschismus Handarbeit bleibt, dass auf den Staat – trotz Aufklärungsversprechen der Bundeskanzlerin und strategischen Eingeständnissen der Behörden – kein Verlass ist.

Nach dem Prozess – NSU abgeschlossen oder Dauerthema?
In der gegenwärtigen antifaschistischen Arbeit wird der NSU-Rechtsterror noch längere Zeit Thema sein: die Untersuchungsausschüsse, das irgendwann erscheinende schriftliche Urteil und die erwartbare Einstellung der Strafverfahren gegen neun weitere UnterstützerInnen werden Aufmerksamkeit erregen. Fraglich ist jedoch, in welcher Form eine kontinuierliche Einbeziehung des Themas in die politische Auseinandersetzung möglich ist. Bei der Beantwortung dieser Frage könnte ein Blick in die Vergangenheit hilfreich sein.

Der NSU entstand nach den nationalistisch-chauvinistischen und rassistischen Ausschreitungen der 1990er Jahre, die letztlich abebbten, weil die faktische Abschaffung des Asylrechts – ein lang gehegter Wunschtraum der etablierten Westparteien – der militanten Neonazi-Szene die offen zur Schau gestellte Zustimmung erheblicher Bevölkerungsteile wegbrechen ließ. Verstärkt durch das NPD-Verbotsverfahren und zunehmende Repression gegen die extrem rechte Szene.

Die vor allem aus Westdeutschland übergestülpten Neonazistrukturen wirkten aber weiter. Die »Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front« förderte die Entstehung von Gruppen wie dem »Thüringer Heimatschutz« (THS) und band sie in ihre Aktivitäten ein. Es gelang dem THS, sich mit gut organisierten Aktionen zu präsentieren. Dies führte zu einem größeren Selbstbewusstsein, zu eigenen Themenstellungen und Organisationsansätzen. Auch die bereits 1992 verbotene »Nationalistische Front« hatte frühzeitig darauf gesetzt, unabhängige Strukturen in den neuen Bundesländern aufzubauen. Außerdem verbreitete sie geschickt ihren nationalrevolutionären Ansatz, der im Wechselspiel mit der Enttäuschung über die wenig heilsbringenden Auswirkungen des Kapitalismus und einer gewissen Ostalgie gut angenommen wurde. Parallel hierzu entwickelte sich eine dynamische Skinhead-Subkultur. Konzerte, Läden und Versandhandel wurden lukrativ zur Kommerzialisierung der Szene genutzt und dienten dazu, ein sehr breites jugendliches Publikum anzusprechen.

Die von den Neonazis mitgebrachte Ideologie beinhaltete den bewaffneten Kampf, der seit den 1950er-Jahren Teil der westdeutschen Aktivitäten war. Zuletzt hatten die »Deutschen Aktionsgruppen« von Manfred Roeder Anfang der 1980er Jahre mit tödlichen Anschlägen auf Geflüchtete eine militante Kampagne gegen das Asylrecht eingeleitet. Im selben Zeitraum gab die »Hepp-Kexel-Gruppe« mit Anschlägen gegen amerikanische Militäreinrichtungen der legalen Propaganda eine terroristische Seite. Bewaffnete Aktionen waren für die Neonazis wichtig, zeigten sie doch, dass die seit Ende der 1960er-Jahre stark geschrumpfte Szene immer noch handlungsfähig war. Es gab keine Trennung zwischen bewaffneter und legaler Arbeit, propagiert wurde ab den späten 1980ern ein Netzwerk kleiner voneinander unabhängiger Gruppen.

Momentaufnahme des Rechtsterrors
Die Jenaer Ortsgruppe des THS nahm diese Ideologie auf: Während der eine Teil eine Mordserie, Bombenanschläge und Banküberfälle beging, organisierten sich Wohlleben und sein Umfeld innerhalb der NPD. Sie stellten die Schnittstelle zur Musikszene dar – vor allem zu »Blood & Honour« und den »Hammerskins« – und entwickelten die Strukturen der »Freien Kameradschaften« weiter. So ist es keine Überraschung, dass zahlreiche AktivistInnen aus den Netzwerken um den NSU herum heute noch maßgeblich aktiv sind und in den vergangenen Jahren bei Aktionen gegen Geflüchtete immer wieder auftauchten.
Kurzum: Die Taten des NSU reihen sich ein in eine Jahrzehnte dauernde Geschichte des Rechtsterrors in Deutschland, die natürlich auch nach dem Ende des NSU-Prozesses nicht beendet ist.

Die antifaschistische Bewegung sieht sich derzeit damit konfrontiert, dass ein erheblicher Teil der bis weit in die »Alternative für Deutschland« hineinreichenden Ideologie vom angeblichen »Volkstod«, vom »großen Austausch« immer auch den bewaffneten Kampf als »letzte Möglichkeit des Widerstandes« beinhaltet. Entsprechende Parolen, Texte und RechtsRock-Songs stellen kein angeberisches Posiergehabe dar, sondern eine mögliche Handlungsalternative. Insoweit ist es kein Zufall, dass Anschläge auf Geflüchtetenunterkünfte in den letzten Jahren besonders dort einen Höhepunkt erreichten, wo organisierte Neonazis lokal verankert sind.

Das Thema NSU wird in der Zukunft vor allem dann wichtig sein, wenn es gelingt, anhand politischer, personeller und struktureller Kontinuitäten deutlich zu machen, dass die Netzwerke, die den NSU erst ermöglicht und ihn unterstützt haben, weiterhin existieren. In deren Wirken finden die NSU-Verbrechen ihre Fortsetzung. So lange sie weiterarbeiten können, besteht jederzeit die Gefahr neuer Morde und Anschläge.

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Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/3833/schlussstrichurteil-nsu/