Masonic Pageantry: The Inspiration for Scottish Rite Costumes, 1867–1920

Between 1913 and 1920, the Supreme Council of the Northern Masonic Jurisdiction, Ancient Accepted Scottish Rite contracted to have 119 costumes designed for their rituals. The Scottish Rite Masonic Museum & Library has a complete set of these illustrations, which include notes about their design sources. This article provides an overview of the costumes and their sources, along with some biographical information on their designers. The designs are influenced by sources from inside and outside the fraternity and serve as an example of how the fraternity did not operate in a vacuum despite its secrecy.

Quelle: https://journals.equinoxpub.com/index.php/JRFF/article/view/36815

Les tableaux sur toile du Grand Temple de la rue du Persil à Bruxelles (1878–79): Salomon, Hiram et les autres, entre Egypte et Assyrie

Between August 2014 and September 2015, the big lodge room of the rue du Persil in Brussels was restored. This Egyptian style temple was constructed for the Amis Philanthropes lodge in 1878-1879. Not only a major example of this specific type of monumental masonic temple architecture, it was also the location for 14 canvas paintings on its side walls and along the eastern throne. The still highly appreciated series was produced by Louis Delbeke and Jan Verhas and carried a rich token of masonic references linked to the current state of Assyrian and Egyptian archeology in those days. The article is presented in French.

Quelle: https://journals.equinoxpub.com/index.php/JRFF/article/view/36814

Editorial: Material Culture and Art in the Lodge Room

Quelle: https://journals.equinoxpub.com/index.php/JRFF/article/view/36813

Die Rechten wollen keine solidarisch-demokratische Arbeitswelt

#Interview

Viele in den Gewerkschaften sind auf der Suche nach linken Antworten auf die rechte Mobilisierung in den Betrieben. Darüber sprach Sören Frerks für »der rechte rand« mit Hans-Jürgen Urban. Er ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.

 

Magazin der rechte rand Ausgabe 171

© IG Metall

drr: Gegenwärtig wird in Deutschland über rechte Listen bei den Betriebsratswahlen gesprochen. In Frankreich ist der »Front National« bei den Gewerkschaften schon länger auf Stimmenfang und will diese am liebsten gleichschalten. Und in Österreich steht insbesondere auf Betreiben der FPÖ die Pflichtmitgliedschaft in den gewerkschaftsnahen Arbeiterkammern zur Disposition. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?
Hans-Jürgen Urban: Der zunehmende Rechtspopulismus ist in der Tat kein ausschließlich deutsches Phänomen. Hierzulande wird er bislang aber vorwiegend als Gefahr für die parlamentarische Demokratie diskutiert. Aber mittlerweile scheint er auch den Gewerkschaften und Betriebsräten zunehmend zu schaffen zu machen. Studien zeigen, dass auch Gewerkschaftsmitglieder mit rechten Parteien und Deutungsmustern sympathisieren. Zudem müssen sich Gewerkschaften und Betriebsräte bei der Mobilisierung von Belegschaften zur Verteidigung von Arbeitsplätzen und Standorten immer öfter vor rechten TrittbrettfahrerInnen schützen. In diesen mitunter stark emotionalisierten Konfliktsituationen versuchen diese, mit rassistisch verzerrten Krisendeutungen und chauvinistischen »Lösungsvorschlägen« den Gewerkschaften die Deutungshoheit streitig zu machen. Nicht weil sie ein echtes Interesse an einer solidarischen Arbeitswelt haben, sondern um die mediale Öffentlichkeit für eigene Agitationszwecke zu nutzen. All dem müssen wir uns offensiv stellen.

Die AfD-nahen ArbeitnehmerInnengruppierungen nennen sich »Zentrum Automobil«, »Alternative Vereinigung der Arbeitnehmer« oder »Arbeitnehmer in der AfD«. Wie werden diese Versuche, rechte Politik in die Betriebe zu tragen, aus Sicht der IG Metall bewertet?
Seit geraumer Zeit häufen sich die Anzeichen dafür, dass die »Neue Rechte« die Betriebsratswahlen nutzen will, um Einfluss in den Unternehmen zu gewinnen. In einigen Unternehmen waren wir bereits in der Vergangenheit mit rechten Umtrieben konfrontiert. Die rechten Listen agieren dabei wie rechtspopulistische Parteien. Es wird gezielt Stimmung gegen die IG Metall gemacht, konstruktives Arbeiten findet jedoch nicht statt. Bisher scheint sich die Anzahl rechter Listen bei der bevorstehenden Betriebsratswahl zwar im Promillebereich zu bewegen und die Anerkennung der IG Metall und ihrer Betriebsräte als starke Interessenvertretung der Belegschaften nicht umfassend gefährdet. Einen Anlass zur politischen Entwarnung gibt es aber nicht.

Die AfD wird nicht nur von Prekarisierten gewählt: Im Nachgang der Bundestagswahl zeigte sich, dass die AfD insbesondere unter ArbeiterInnen viele Stimmen holen konnte. Haben RechtspopulistInnen hier ein besonders großes Potenzial?
Die übergroße Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen fühlt sich Werten wie Gerechtigkeit und Solidarität verpflichtet und engagiert sich gegen Fremdenfeindlichkeit. Und wenn man in den Betrieben unterwegs ist, sieht man wie viel Integration im Arbeitsalltag gelebt wird. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass soziale und kulturelle Umbrüche auch die Zukunftsängste in der ArbeiterInnenschaft wie in der Mittelschicht verstärken. Das befördert mitunter rechte Einstellungsmuster. Dies allerdings nicht nur bei den sogenannten ‹Modernisierungs- oder GlobalisierungsverliererInnen›. Im Gegenteil: Tendenziell können sich eher Personen mit mittlerer und höherer Statuslage vorstellen, die AfD zu wählen. Rechte Ideologien sind also in allen gesellschaftlichen Milieus vertreten. Die Bilder vom frustrierten Arbeitslosen oder vom rechten Arbeiter sind verkürzte Darstellung und gefährliche Verharmlosungen des Problems. Wir müssen vielmehr die Breite des rechten Phänomens anerkennen. Entsprechend breit muss auch eine Gegenstrategie angelegt sein.

Welche Möglichkeiten gewerkschaftlicher Strategien sehen Sie, um dem politischen Rechtstrend etwas entgegenzusetzen?
Die Gewerkschaften stehen nicht alleine in der Verantwortung, den Rechtspopulismus in Betrieben und Gesellschaft zurückzudrängen. Aber sie haben eine wichtige Rolle. Die gelebte Alltagssolidarität im Betrieb ist ein zentrales Bollwerk gegen Rassismus und Chauvinismus. IG Metall-Vertrauensleuten und Betriebsräten kommt mit ihrer entschiedenen Interessenvertretungspolitik und Gewerkschaftskultur, die keine Unterschiede nach Herkunft, Religionszugehörigkeit oder Geschlecht macht, hierbei eine Schlüsselstellung zu. Außerdem müssen Gewerkschaften der neoliberalen Transformation unseres Sozial- und Wirtschaftssystems eine alternative Sozialpolitik und Transformationsperspektive entgegensetzen. Eine Perspektive, die Solidarität und Demokratie wieder erlebbar macht und somit diejenigen, um die der Rechtspopulismus buhlt, in ein progressives Politikprojekt einbindet. Denn soziale Sicherheit und Gerechtigkeit sind und bleiben ein unverzichtbares und zu stärkendes Fundament von Demokratie. Unverzichtbar ist zudem der Kampf gegen den um sich greifenden Alltagsrassismus. Denn auch ein Mehr an sozialer Sicherheit und Verteilungsgerechtigkeit verwandelt Rassismus nicht automatisch in Humanismus. Es ist die Aufgabe der Gewerkschaften, soziale und kulturelle Inklusion in den Betrieb zu tragen und dort erfahrbar zu machen.

Bei den Protesten gegen die Schließung des Siemens-Generatorenwerks Erfurt im November 2017 hat die AfD versucht, sich in Persona des thüringischen Vorsitzenden Björn Höcke in Szene zu setzen. Die Reaktion war eindeutig: Die »IG Metall hat mit der AfD-Politik keinerlei inhaltliche Schnittmenge. Die AfD ist für die Kämpfe und Konflikte (…) kein Bündnispartner. Gegen Versuche der Vereinnahmung werden wir mit allen Mitteln vorgehen.« Wie kann diese Abgrenzungsstrategie in der Zukunft praktisch aussehen?
Zunächst einmal ist es richtig, die AfD nicht wie jede andere Partei zu behandeln. Die AfD hat nicht das Recht, wie selbstverständlich am demokratischen Diskurs teilzunehmen, weil sie diesen verachtet und sich selbst außerhalb des demokratischen Spektrums positioniert. Die offen rassistischen Ausfälle führender AfDlerInnen in der jüngsten Vergangenheit belegen das aufs Neue. Toleranz und Solidarität müssen sich hier als robuste Tugenden erweisen und sich derjenigen erwehren, die sie mit Füßen treten. Für uns als Gewerkschaften bedeutet das: Wir brauchen eine Doppelstrategie aus klarer Kante und offener Tür. Rassismus und Hetzereien dürfen nicht geduldet werden. Gleichzeitig müssen wir den über Ungerechtigkeit Empörten ein Angebot machen, sich in einer solidarischen Bewegung zu engagieren. Dies dürfen wir nicht der extremen Rechten überlassen. Denn wer wirklich etwas tun möchte für mehr Gerechtigkeit, ist bei uns gut und unter Rechtspopulisten denkbar schlecht aufgehoben.

Manche werfen den Gewerkschaften provokant gesagt vor, sich neben ihrem Kerngeschäft der ArbeitnehmerInnenvertretung zu vielen anderen Themen zu widmen. Haben sich die Gewerkschaften in der letzten Zeit zu wenig auf die originären Interessen der ArbeitnehmerInnen konzentriert?
Unbestritten sind die Betriebs- und Tarifpolitik die Kernfelder gewerkschaftlicher Arbeit. Unsere Mitglieder bekräftigen in Beschäftigtenbefragungen aber immer wieder, dass sie von uns auch eine gesellschafts- und sozialpolitische Einmischung erwarten. Sie erwarten gewerkschaftliches Engagement für soziale Sicherheit und Verteilungsgerechtigkeit. Zu Recht! Zugleich war die Tarifrunde 2018 der IG Metall ein gelungenes Beispiel für eine solidarisch-demokratische Gegenbewegung. Neben den unmittelbar spürbaren Verbesserungen beim Einkommen sowie der Option auf eine ‹verkürzte Vollzeit› von 28 Wochenstunden war der gesamte Verhandlungsprozess durch eine umfassende Aktivierung und emanzipatorische Einbeziehung der Mitglieder geprägt. Der Bedarf an individueller Zeitsouveränität ergab sich aus einer Befragung, an der sich etwa 700.000 Beschäftigte beteiligten, darunter ein Drittel Nicht-Mitglieder. Die Warnstreiks wurden sogar von gut 1,5 Millionen Beschäftigten getragen. Dieser Arbeitskampf erzeugte eine hohe Identifikation mit der Bewegung und ein emotionales Klima, das eine wesentliche Mobilisierungsressource war. Die Folge ist eine verstärkte Bindung an »ihre Gewerkschaft« und an das allgemeine Projekt einer solidarischen Interessenpolitik.

Vor neun Jahren entwickelten Sie den Begriff der »Mosaik-Linken«. Ihre These war, dass sich die Gewerkschaften im Spiegel der Finanzkrise und des Neoliberalismus erneuern müssten, um Teil einer großen sozialen Bewegung zu werden. Wie bewerten Sie diese Idee angesichts des Erstarkens des rechten Blocks heute?
Ich sehe mehr denn je den Bedarf für die Formierung eines linken Reformakteurs. Wir erleben derzeit die Transformation des Wohlfahrtsstaats-Kapitalismus in einen »autoritären Finanzmarkt-Kapitalismus«. Die Folgen sind schwindender sozialer Zusammenhalt und eine verstärkte subjektive Verunsicherung. Beides befördert in der Bevölkerung einen Akzeptanzverlust von Demokratie und kultureller Diversität. Hier entsteht ein Orientierungsvakuum, in das der Rechtspopulismus gezielt und systematisch mit Deutungsangeboten vorstößt. Er versucht so eine soziale Bewegung von rechts zu formen. Daher braucht es dringend einen gewichtigen fortschrittlichen Reformakteur, der dem etwas entgegensetzt. Der Sozialreformismus sozialdemokratischer Prägung erscheint gegenwärtig weder fähig noch willens, dem Bedürfnis nach einer zeitgemäßen Kollektividentität durch progressive Angebote zu entsprechen. Ich halte das für eine gefährliche Leerstelle und es wird höchste Zeit, dass sich daran etwas ändert. Die Gewerkschaften sind gefordert, hierzu ihren Beitrag zu leisten.

Vielen Dank für das Interview!

Der Beitrag Die Rechten wollen keine solidarisch-demokratische Arbeitswelt erschien zuerst auf der rechte rand.

Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/3316/die-rechten-wollen-keine-solidarisch-demokratische-arbeitswelt/

Between Givers and the Poor: Managing Charity in the Portuguese Empire

Journal Name: New Global Studies
Issue: Ahead of print

Quelle: http://www.degruyter.com/view/j/ngs.ahead-of-print/ngs-2018-0032/ngs-2018-0032.xml

Walter Scheidel: The Great Leveler: Violence and the History of Inequality from the Stone Age to the Twenty-First Century

Journal Name: New Global Studies
Issue: Ahead of print

Quelle: http://www.degruyter.com/view/j/ngs.ahead-of-print/ngs-2018-0034/ngs-2018-0034.xml

Die soziale Frage

#AfD

Immer mehr abhängig Beschäftigte machen ihr Kreuz bei der »Alternative für Deutschland«. Doch vertritt sie wirklich die Interessen der »kleinen Leute«?

 

Jörg Meuthen stellt den Mindestlohn weiterhin in Frage: »Denn es gibt Menschen, die arbeiten, aber dabei nicht jene Produktivität erreichen, die einem Mindestlohn von 8,50 Euro entspricht.«

Der Aufstieg der »Alternative für Deutschland« (AfD) ging auch mit einer Veränderung ihrer WählerInnenbasis einher. Waren es bei der Europawahl 2014 vor allem WählerInnen aus der Mittelschicht, die der Partei ihre Stimme gaben, gelang es der AfD, danach ihr WählerInnenpotenzial zu verbreitern. In zahlreichen Bundesländern erhielt sie laut Umfragen den größten Zuspruch von Arbeitenden. Die DGB-Gewerkschaften, mit rund sechs Millionen Mitgliedern die mit Abstand größten Interessenvertretungen der Arbeitenden in Deutschland, gehören damit zu den wichtigsten Protagonistinnen im Kampf gegen die AfD. Wollen sie dieser Aufgabe gerecht werden, gilt es bei elementaren ökonomischen Interessen ihrer Mitglieder anzusetzen und die verheerenden Auswirkungen der Forderungen der AfD auf die Rechte der Arbeitenden ins Zentrum der gewerkschaftlichen Aufklärung über die AfD zu rücken – zumal der AfD in Fragen der sozialen Gerechtigkeit eine hohe Kompetenz von ihren WählerInnen zugeschrieben wird.

Die AfD und die soziale Frage
Bei der Frage, wofür die AfD in wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen steht, muss zunächst ein tiefer Riss, der die Partei hierbei kennzeichnet, resümiert werden. Während der völkisch-nationalistische Flügel der Partei versucht, die Betroffenen von Sozialabbau und neoliberaler Deregulierung mit sozialprotektionistischen Forderungen und teils kapitalismuskritischer Rhetorik für die AfD zu gewinnen, setzen die marktradikalen Hardliner in der Partei auf die Verknüpfung von sozialdarwinistischem Wohlstandschauvinismus und rassistisch-biologistischen Vorstellungen. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen marktradikalen Neoliberalen und den PropagandistInnen eines sozialen Nationalismus zeigen sich bei einer Betrachtung der verschiedenen sozialpolitischen Programmpunkte der AfD.

Magazin der rechte rand Ausgabe 171

© Roland Geisheimer / attenzione

Deregulierung des Arbeitsmarkts
Die Arbeitsmarktpolitik der AfD ist seit ihrer Gründung gekennzeichnet durch einen Kurs der neoliberalen Deregulierung und Umstrukturierung. Auf Druck des völkisch-nationalistischen Flügels wurden zwar einige der unpopulärsten Positionen revidiert, die Ausrichtung auf eine grundlegende neoliberale Umstrukturierung des Arbeitsmarktes wurde jedoch beibehalten. Das zeigt sich unter anderem bei der Haltung der Partei zum Mindestlohn. Lange Zeit positionierte sich die AfD klar gegen eine Lohnuntergrenze. Im April 2015 bezeichnete die damalige Parteivorsitzende Frauke Petry das Mindestlohngesetz als »neosozialistisch«, einen »Job-Killer« und Ausdruck »realitätsferner Sozialromantik«. Kurz vor dem Stuttgarter Grundsatzprogramm-Parteitag im Mai 2016 sprach sich der Bundesvorsitzende Jörg Meuthen »gegen jede soziale Vollkaskomentalität« aus. Die AfD könne »nicht nur eine Partei der Geringverdiener und Arbeitslosen sein«, so Meuthen. Im verabschiedeten Grundsatzprogramm vollzog die Partei zumindest nach außen hin eine Kehrtwende und spricht sich nun für einen gesetzlichen Mindestlohn aus. Im Vorfeld hatten sowohl Nationalkonservative wie auch völkische NationalistInnen hierfür geworben und dies unter anderem mit dem gestiegenen Zuzug von Geflüchteten und dem dadurch notwendigen Schutz ‹Deutscher› vor Lohndumping begründet. Der Mindestlohn schütze »vor dem durch die derzeitige Massenmigration zu erwartenden Lohndruck«, heißt es im Grundsatzprogramm. So gelingt es der Partei, ihre Neuorientierung mit rassistischen Ressentiments zu verbinden. Die AfD lässt jedoch bewusst die Höhe des gesetzlichen Mindestlohns offen. Den Marktradikalen in der Partei bietet das die Möglichkeit, ihren Kurs weiter zu verfolgen. In Landtagen sprach sich die AfD mehrmals gegen eine Erhöhung des Mindestlohns aus. Jörg Meuthen stellt den Mindestlohn weiterhin in Frage: »Denn es gibt Menschen, die arbeiten, aber dabei nicht jene Produktivität erreichen, die einem Mindestlohn von 8,50 Euro entspricht.«
Während einige BeobachterInnen aus den Kurskorrekturen einen prinzipiellen Wandel der AfD hin zu einer stärker an der sozialen Frage ausgerichteten Politik ableiten, zeigt sich gerade in der Arbeitsmarktpolitik das weiterhin dominante neoliberale Weltbild der Partei. So fordern VertreterInnen der AfD immer wieder die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes zu Lasten der Beschäftigten, den erzwungenen Arbeitseinsatz von Erwerbslosen oder die Absenkung von Hartz-IV-Leistungen. In ihrem Grundsatzprogramm fordert die Partei eine Neuordnung und Entbürokratisierung des Arbeitsrechts, womit vor allem der Abbau von ArbeitnehmerInnenrechten verbunden ist. In der Leih- und Zeitarbeit verurteilt die AfD zwar den Missbrauch dieser Beschäftigungsverhältnisse, ohne jedoch prekäre Arbeitsverhältnisse grundsätzlich abzulehnen oder eindämmen zu wollen. In Sachsen sprach sich die AfD in ihrem Landtagswahlprogramm gegen Missbrauch von Zeitarbeit und Werkverträgen aus. Gleichzeitig forderte die Fraktion die »Zurückdrängung marktfremder merkel-sozialistischer Markt­bürokratisierung« und positionierte sich klar gegen die vermeintlichen »(Über-)Regulierungen bei der Zeitarbeit«.

Umstrukturierung des Steuersystems
Die Steuerpolitik gehört seit der Gründung zu den Schwerpunktthemen der AfD. Im Mittelpunkt steht dabei, Unternehmen und Besserverdienende steuerlich zu entlasten und sozialpolitische Aufgaben zurückzufahren. Im Gegensatz zu anderen Politikfeldern stößt der neoliberale Umbau des Steuersystems jedoch bisher auf keinen nennenswerten Widerspruch innerhalb der AfD. Kernelement der AfD-Steuerpolitik ist die Reform der Einkommenssteuer. Die in Deutschland geltende progressive Versteuerung, wonach höhere Einkommen mit einem höheren Prozentsatz belastet werden, will die AfD durch ein Stufenmodell ersetzen, das Spitzeneinkommen deutlich entlastet. Eine Entlastung Besserverdienender würde auch die geforderte Abschaffung der Vermögens- und Erbschaftssteuer mit sich bringen. Ihre Pläne zur Umstrukturierung der Einkommenssteuer verknüpft die AfD mit einer Überprüfung der Körperschafts- und Gewerbessteuer. Die Abschaffung der Gewerbesteuer, der wichtigsten Einnahmequelle der Kommunen und die von der AfD geforderte Insolvenzfähigkeit von Städten, würde das Ende zahlreicher kommunalfinanzierter Aufgaben bedeuten – mit verheerenden Auswirkungen für die betroffene Bevölkerung und die Beschäftigten im öffentlichen Dienst.

Neoliberaler Staatsumbau und Sozialabbau
Die größten innerparteilichen Widersprüche in der Wirtschaftspolitik zeigen sich bei der öffentlichen Daseinsvorsorge und der Zukunft der sozialen Sicherungssysteme. Von Beginn an verfolgte die AfD hier eine durch Privatisierung staatlicher Infrastruktur und Zerschlagung gesetzlicher Sicherungssysteme gekennzeichnete Ausrichtung. Ziel dieser Politik ist der Rückzug des Staates auf allen Ebenen. Der Staat soll auf die Bereitstellung kostenloser Infrastruktur für Unternehmen reduziert werden. Verbunden sind diese Vorstellungen eines Minimalstaates mit einer Stärkung der traditionellen Familie, der die Aufgabe der sozialen Sicherung zugeschrieben wird. Bei Krankheit, Alter oder Arbeitslosigkeit soll nicht der Staat, sondern die Familie die Betroffenen versorgen. Auch wenn spätestens nach dem Austritt des AfD-Gründers Bernd Lucke das völkisch-nationalistische Lager, das dem Staat eine wesentlich aktivere Rolle in Wirtschaft und Gesellschaft zuweist und Privatisierungen ablehnend gegenüber steht, zunehmend an Einfluss gewann, gelang es diesem Lager nicht, sich in Fragen der öffentlichen Daseinsvorsorge und der sozialen Sicherungssysteme programmatisch durchzusetzen.
Trotz des teils vehementen Widerstands des völkisch-nationalistischen Lagers prägten die Marktradikalen mit ihrer Vorstellung eines Minimalstaats in fast allen strittigen Punkten das Grundsatzprogramm. So beklagt die Partei, »der öffentliche Sektor« sei »über sachgerechte Grenzen hinausgewuchert«. Im Weiteren heißt es: »Nur ein schlanker Staat kann (…) ein guter Staat sein.« Damit will die AfD die Aufgaben des Staates »auf die vier klassischen Gebiete: Innere und äußere Sicherheit, Justiz, Auswärtige Beziehungen und Finanzverwaltung« beschränken und die öffentliche Daseinsvorsorge weitestgehend privatisieren. Ihren Privatisierungskurs verbindet die AfD mit einem Abbau der sozialen Sicherungssysteme, beispielhaft dargestellt an der Rentenpolitik: So fordert sie in ihrem Grundsatzprogramm eine Kopplung der Lebensarbeitszeit an die Lebenserwartung, was einer deutlichen Erhöhung des Renteneintrittsalters gleichkommt. Besonders betroffen davon wären prekär Beschäftigte mit geringen Löhnen und schlechten Arbeitsbedingungen.
Betrachtet man die Aussagen zahlreicher Spitzenfunktionäre der AfD zur Rentenpolitik, so zeigt sich, dass vielen die im Grundsatzprogramm verankerten Pläne nicht weit genug gehen. Jörg Meuthen fordert einen »Systemwechsel in der Rentenversicherung« und plädiert für ein Ende der gesetzlichen Rentenversicherung zugunsten einer »staatlich erzwungenen privaten Vorsorge«.

Was Gewerkschaften nun tun müssen
Eine Betrachtung der wirtschafts- und sozialpolitischen Positionen der AfD zeigt, dass zwar in den vergangenen Jahren diejenigen in der Partei an Einfluss gewannen, die versuchen die soziale und die natio­nale Frage miteinander zu verknüpfen. Den marktradikalen Hardlinern gelang es jedoch, die Oberhand zu behalten. Gemessen an ihrer wirtschaftspolitischen Programmatik ist die AfD noch immer ein neoliberales Elitenprojekt.
Die Ausgrenzung und Abwertung sozial Benachteiligter, bei gleichzeitiger Förderung der Eliten, bleibt einer der Wesenskerne der AfD. Rassistisch-biologistische Vorstellungen und sozialdarwinistischer Wohlstands-Chauvinismus erweisen sich als einigendes Band zwischen den Flügeln der Partei. Teil dieser Politik ist der Abbau der sozialen und politischen Rechte der Arbeitenden. Genau dort gilt es in der gewerkschaftlichen Aufklärung über die AfD anzusetzen. Im Mittelpunkt muss die Auseinandersetzung in den Betrieben stehen, um den Beschäftigten aufzuzeigen, welche Folgen eine Umsetzung der Forderungen der AfD für sie persönlich hätte. Mit ihrem Zugangsrecht in die Betriebe und auf Betriebsversammlungen sind die Gewerkschaften der einzige antifaschistische Akteur, der hierzu in der Lage ist. Dem vielfach tief verankerten Rassismus, der die Hauptantriebsfeder für die Unterstützung der AfD durch ArbeitnehmerInnen darstellt, ist damit jedoch nicht beizukommen. Hier gilt es klar Position zu beziehen. Es muss deutlich werden, dass Ausgrenzung und Diskriminierung in einer gemeinsamen, auf dem Solidarprinzip basierenden Interessenvertretung der Lohnabhängigen keinen Platz haben. Wichtigste Aufgabe der Gewerkschaften sollte es daher sein, die Ausgrenzung von sozial Benachteiligten – von Langzeitarbeitslosen, prekär Beschäftigten oder NiedriglohnbezieherInnen – durch die AfD noch stärker als bisher mit deren Hetze gegen Flüchtlinge und MigrantInnen in Bezug zu setzen. Die Verbindung zwischen beidem muss somit in der gewerkschaftlichen Aufklärung über die AfD eine zentrale Rolle spielen.

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Der Beitrag Die soziale Frage erschien zuerst auf der rechte rand.

Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/3302/afd-soziale-frage/

Walter Scheidel: The Great Leveler: Violence and the History of Inequality from the Stone Age to the Twenty-First Century

Journal Name: New Global Studies
Volume: 12
Issue: 3
Pages: 401-403

Quelle: http://www.degruyter.com/view/j/ngs.2018.12.issue-3/ngs-2018-0034/ngs-2018-0034.xml

Between Givers and the Poor: Managing Charity in the Portuguese Empire

Journal Name: New Global Studies
Volume: 12
Issue: 2
Pages: 175-194

Quelle: http://www.degruyter.com/view/j/ngs.2018.12.issue-2/ngs-2018-0032/ngs-2018-0032.xml

The Charitable Bonds of the Spanish Empire: the Casa De Contratación as an Institution of Charity

Journal Name: New Global Studies
Issue: Ahead of print

Quelle: http://www.degruyter.com/view/j/ngs.ahead-of-print/ngs-2018-0026/ngs-2018-0026.xml