Editorial der 165

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

ein Begriff geistert in diesen Tagen durch die Welt: »Fake News«. Vom rechten US-Präsidenten Donald Trump Anfang des Jahres als Vorwurf gegen die CNN gerichtet, ist der Schlagabtausch mittlerweile auch in Deutschland angekommen. Medienhäuser und Bundesregierung suchen nach Wegen des Umgangs mit Desinformationen und greifen zu althergebrachten Mitteln: Löschen und bestrafen. Dabei sind Fehlinformationen ein alter Schuh und schon immer Teil von Propaganda, ganz gleich ob in Diktaturen oder westlichen Demokratien. Und während auf dem weltpolitischen Tableau die großen Kämpfe gefochten werden, machen auch die KolporteurInnen rassistischer Hassreden und rechter Stimmungsmache im Kleinen weiter. Etwa nachdem ein Amokfahrer Ende Februar in Heidelberg in eine Menschenmenge raste. Im Internet verbreiteten sich Spekulationen, dass der Täter »Flüchtling« oder »Terrorist« sei. Die Polizei wies die Gerüchte via Twitter mehrfach zurück: »Und nun noch mal für alle. Tatverdächtiger: Deutscher OHNE Migrationshintergrund!« Doch der Hinweis auf diese Fakten dürfte kaum geholfen haben – zumindest nicht bei jenen, die eh nur noch denken, was sie glauben wollen.
Indes ist vollkommen offen, ob die »Alternative für Deutschland« (AfD) im Bundestagswahlkampf »Social Bots« einsetzt, um in sozialen Medien automatisierte Meinungsmache zu betreiben. Zwar widerspricht die Partei dem Vorwurf in altbekannter Weise: Meldung in die Welt setzen, dann zurückrudern. Doch laut der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« scheint auch das Dementi der Rechtspartei »Fake News« zu sein. Nach ihren Recherchen gäbe es Indizien auf zahlreiche rein virtuelle AfD-NutzerInnenprofile bei Facebook. Die Strategie dahinter ist klar: anderslautende Meldungen als »Lügenpresse« abkanzeln, die eigenen Postillen als Verkünder der reinen Wahrheit in Position bringen und somit eine rechte Meinungsführerschaft suggerieren.
Ebenfalls in einer Welt zwischen Wirklichkeit und Eigensuggestion leben die »Reichsbürger«. In den letzten Monaten wurde durch eine Schießerei mit einem getöten Polizisten, möglichen Anschlagsplänen und Razzien offensichtlich, dass die Bewegung eine reale Bedrohung darstellt. Auf den ersten Blick handelt es sich um skurrile SpinnerInnen und RevanchistInnen. Doch bei genauerer Betrachtung befindet sich unter ihnen eine Reihe guter Bekannter. Schon vor über zehn Jahren berichteten wir über Verbindungen von Horst Mahler oder dem mittlerweile verbotenen »Collegium Humanum« zu den »Reichsbürgern« (s. drr Nr. 99, 102). Seit dem ist viel passiert. Über 10.000 AnhängerInnen soll die Bewegung heute haben, meint der Verfassungsschutz. Allein in Bayern über 1.700, davon fast 300 mit Waffenerlaubnis. Das Spektrum der Szene ist breit: Von neonazistischen ÜberzeugungstäterInnen über antisemitische VerschwörungstheoretikerInnen bis hin zu jenen, die sich mit ihrer Ideologie vom Fortbestand des »Deutschen Reiches« vor dem Fiskus drücken wollen.
Einmal mehr stellt sich die Frage: Warum muss erst ein Repräsentant des Staates sterben, bevor dieser handelt, und das, obwohl sogar die Behörden die Szene immer im Blick hatten, sie aber offenbar nie ernst nahmen.

Quelle: http://www.der-rechte-rand.de/archive/2028/editorial_165/

Inhalt Ausgabe 165

Seite 3

  • Terror

Nazis

  • Anschlag in Düsseldorf 4
  • Soziale Nazis 6

Braunzone

  • Vor der Wahl: Nordrhein-Westfalen 7
  • Hauen und stechen 8
  • Rechts in der Bundesversammlung 10
  • Trump-Fans 12
  • Vergangenheit 14
  • »Hohenlohe wacht auf« 15
  • Gotterkenntnis 16
  • »Dranbleiben« 18

Schwerpunkt »Reichsbürger«

  • »Deutsches Reich statt BRD« 20
  • Reichweiten 22
  • »Sammlungsbeobachtungsobjekt« 24
  • »Deutsches Polizei Hilfswerk« 26
  • Warnungen verharmlost 28
  • Daheim im »Reich« 29
  • Szenen einer Radikalisierung 30
  • Skurril, gefährlich und rechts 31
  • Für immer ein »Reich« 32

kurz und bündig 34

International

  • Gedenken in Sofia 36
  • Vor der Wahl: Frankreich 38

Musik

  • NS-Rap 40

Rezensionen 42

Photos
Marc Jäger (Titelbild, Seite 19)
Archiv der rechte rand (Seiten 4, 5, 10, 14, 25)
Mark Mühlhaus/attenzione (Seiten 7, 8)
Katia Vásquez Pacheco (Seiten 20, 32)
Christian Ditsch (Seite 22)
Marian Ramaswamy (Seiten 36, 37 (2))
Antifaschistisches Nachrichtenportal Niedersachsen (Seite 37)
Roland Geisheimer/attenzione (Seiten 3, 39)

Quelle: http://www.der-rechte-rand.de/archive/2023/drr-165-inhalt/

The peasant matrix for nation building: an effective model? Some reflections on the Belarusian case

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Quelle: http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14608944.2017.1298581?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Not Just Economics: White Populism and Its Emotional Demons

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Quelle: http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/08038740.2017.1298667?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Making Constitutions. Presidents, Parties, and Institutional Choice in Latin America

.

Quelle: http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/02606755.2016.1224128?ai=2w6&mi=47tg1r&af=R

The Field Concept in Psychology, Gestalt Theory, Physics, and Epic Theatre – Brecht’s Adaptations of Kurt Lewin

Authors

Ines Langemeyer
Instituts für Berufspädagogik und Allgemeine Pädagogik, Karlsruher Institut für Technologie,
E-Mail: ines.langemeyer@kit.edu

Fulltext

Abstract English

In the first half of the 20th century, the field concept was part of theoretical and methodological innovations in physics, gestalt theory as well as epic theatre as introduced by Bertolt Brecht. Another reference is the psychology of Kurt Lewin. In what ways Brecht took notice of Lewin’s research, especially his demand of a transition from Aristotelian to Galileian thought is reconstructed within the context of paradigm shifts fostered by logical empiricism, gestalt theory and physics. Lewin’s argumentation of an advanced understanding of the lawfulness of societal and psychological processes is placed in the center and traced back as an inspiration to Brecht’s writings. Vice versa, the article investigates in what ways Brecht’s theoretical writings and adaptations of Lewin’s approach can be reconsidered as a source for psychological theorizing.

Keywords

Field theory, Conceptual modelling, Procedural thinking, Dialectics, Paradigm shift

Citation

Ines Langemeyer “The Field Concept in Psychology, Gestalt Theory, Physics, and Epic Theatre – Brecht’s Adaptations of Kurt Lewin,” Journal of New Frontiers in Spatial Concepts, ISSN 1868-6648, vol. 9 (2017), 1-16, Article ID http://ejournal.uvka.de/spatialconcepts/archives/2015, Pages: 16

Quelle: http://ejournal.uvka.de/spatialconcepts/archives/2015

Permanent precarity: capital and labour in the Central African copperbelt

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Quelle: http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/0023656X.2017.1298712?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Don Tapscott and Alex Tapscott: Blockchain Revolution

Journal Name: New Global Studies
Volume: 11
Issue: 1
Pages: 47-53

Quelle: http://www.degruyter.com/view/j/ngs.2017.11.issue-1/ngs-2017-0002/ngs-2017-0002.xml

America’s Global Moment: Italy Witnesses the Spanish-American War

Journal Name: New Global Studies
Volume: 11
Issue: 1
Pages: 55-67

Quelle: http://www.degruyter.com/view/j/ngs.2017.11.issue-1/ngs-2017-0007/ngs-2017-0007.xml

The negotiation burden of institutional interactions: non-state organizations and the international negotiations on forests

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Quelle: http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09557571.2017.1293610?ai=z4&mi=3fqos0&af=R