Im »Ghetto«

#Book_Fair

Rechte Verlage auf der Frankfurter Buchmesse 2018. Höcke und Sarrazin sind angekündigt.

Der rechte rand Magazin

Kubitschek auf der Buchmesse in Leipzig »die mit Schaum vorm Mund lesen…« © Mark Mühlhaus / attenzione

Götz Kubitschek gibt sich cool. Natürlich sei es »nicht nett und nicht fair«, wie die Leitung der Frankfurter Buchmesse mit drei rechten Verlagen in diesem Jahr umgehe. »Aber nett und fair sind keine politisch relevanten Wörter und schon gar keine Argumente«, sagte der neu-rechte Verleger im Interview mit dem extrem rechten Internetportal »PI-News« – und tut so, als würden ihn die Ausgrenzung und die Proteste gegen rechte Verlage auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig kalt lassen. Doch wer den Kleinverleger mit Hang zum Cholerischen schon einmal erlebt hat, ahnt, wie es in ihm kocht.

Vom 10. bis 14. Oktober werden in Frankfurt mehrere rechte Verlage auf der Messe ausstellen und Veranstaltungen anbieten. Der Blog »PI-News« entschied sich auf der Suche nach einer knalligen Überschrift für einen abwegigen Vergleich: Die Zeitungen »Junge Freiheit« (JF) und »Cato« sowie der Verlag »Manuscriptum« würden von der Messe »in eine Art´Ghetto-Sackgasse´ abgeschoben.« Bei der JF ist die Wortwahl zwar zurückhaltender, der Ärger aber gleich. Seit 1991 sei das Blatt mit einem Stand auf der Buchmesse – nun würde eine »Handvoll konservative Aussteller« in den »äußersten Winkel einer Halle« verbannt, jammerte JF-Chef Dieter Stein. In einem »30 Meter langen, etwa fünf Meter schmalen Gang, der an drei Seiten von Wänden eingeschlossen« sei, müsse das rechte Blatt nun am »Ende dieser Sackgasse« ausstellen. Würden   »oppositionelle, kritische Verlage in ähnlicher Weise« in Russland oder der Türkei an »den Rand gedrängt und isoliert«, würde der »antidemokratische Charakter der dortigen Gesellschaften« beklagt, so Stein. Die Leitung der Messe stelle sich mit ihrer Entscheidung »in den Dienst einer linken Kampagne«. Doch aufgeben wolle er nicht: »Wir verwandeln die Sackgasse in eine demokratische Partymeile. Wir laden alle Journalisten, Autoren, Verleger jeder Couleur – und vor allem unsere Leser dazu ein, uns an unserem Messestand zu besuchen.«
Eine »Partymeile« der JF?
Das klingt nach männerbündischem Burschen-Besäufnis, Wagners Walkürenritt, verklemmten   »Jung Unionisten« in Wachsjacken und gildenschaftlichem Wandertag.

»»» Feindliche Übernahme – Buchmesse Frankfurt 2017

Kubitschek dagegen gibt sich abgeklärt. Er habe sich entschieden, dieses Jahr nicht in Frankfurt dabei zu sein – anders als 2017 und anders als im Frühjahr 2018 in Leipzig. Warum? »Weil ich die Ghettoisierung kommen sah«, sagt Kubitschek. Doch vielleicht auch deshalb, weil die Teilnahme in Frankfurt deutlich teurer ist als die in Leipzig. Vielleicht lohnt sich die Veranstaltung in Hessen für den Kleinverleger aus der Provinz Sachsen-Anhalts finanziell einfach nicht mehr. »Frankfurt 2017 – das war schon ein Höhepunkt«, gesteht Kubitschek. Damals war es der »Neuen Rechten« und »Idenitären« gelungen, die Messe zu kapern und sich medial durch Provokationen und ein mangelhaftes Management der Situation als selbstbewusster Akteur und Opfer angeblicher Zensur darzustellen.

Ein Höhepunkt in Frankfurt wird für die extreme Rechte eine Buchvorstellung mit dem Thüringer AfD-Chef Björn Höcke am 12. Oktober sein. Er will am späten Nachmittag auf der Messe sein Buch »Nie zweimal in denselben Fluss« (Manuscriptum, 2018) vorstellen. Der Verlag aus Lüdinghausen (Nordrheinwestfalen), der auch mit einem Stand auf der Messe sein wird, kündigt an, an dem Podiumsgespräch würden auch der Herausgeber der Zeitschrift »TUMULT – Vierteljahresschrift für Konsensstörung«, Frank Böckelmann, die Literaturwissenschaftlerin Bettina Gruber und der Maler und Kulturpublizist Sebastian Hennig teilnehmen. 2017 gab es antifaschistische Proteste gegen Höckes Besuch.

der rechte rand magazin

Magazin der rechte rand Ausgabe 174

Ein anderes rechtes Highlight: Die Lesung von Thilo Sarrazin aus seinem neuen Buch »Feindliche Übernahme« (FinanzBuch Verlag, 2018) am 10. Oktober. Neben den neu-rechten Ausstellern   »Cato«, JF, »Manuscriptum« und der JF-nahen »Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung« werden weitere Verlage an der Messe teilnehmen, die selber rechts sind oder Überschneidungen in die extreme Rechte aufweisen: Zum Beispiel der verrückt-rechte »Ahriman-Verlag«, der österreichische »Ares Verlag« (u.a. die Zeitschrift »Neue Ordnung« und Autoren der extremen Rechten wie Alain de Benoist, Karlheinz Weißmann, Claus M. Wolfschlag uvm.), die extrem konservative bis offen rechte evangelikale »idea – Evangelische Nachrichtenagentur« sowie weitere religös-fundamentalistische Verlage.

Neue Rechte, Identitäre und Neonazis in Leipzig © Archiv »derrechterand«

»»» Der Blog – Buchmesse Leipzig 2018

Anders als in Leipzig im Frühjahr 2018 sind in Frankfurt Kubitscheks »Verlag Antaios«, das rechte Verschwörungs-Blatt »Compact« und die NPD-Zeitung »Deutsche Stimme« nicht dabei. Es dürften deren Nähe zu »Identitären«, völkischen Burschenschaftern, militanten Neonazis oder verrückten Verschwörungs-FreundInnen gewesen sein, die zu der Eskalation in Leipzig beigetragen haben. Sowohl in Frankfurt 2017 als auch in Leipzig 2018 fokussierten sich die Auseinandersetzungen vor allem um den Provokateur Kubitschek. Doch mit Höcke und Sarrazin stehen andere Symbolfiguren der extremen Rechten bereit, die auf der Messe Rassismus und völkisches Denken vor einem Massenpublikum ausbreiten werden – und zwar populärer, als es der schwäbelnde Kleinverleger und Ziegenhirte Götz Kubitschek kann.

 

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Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/3730/buchmesse-frakfurt-2018/

Inhalt Ausgabe 174

Geheimdienst und AfD #Verfassungsschutz Seite 3

Schlussstrichurteil #NSU Seite 4

Die Fußballszene #Chemnitz Seite 6

»Wir sind keine Nazis« #Gesellschaft Seite 8

kurz & bündig I Seite 9

Marsch durch Parlamente #AfD Seite 11

AfD Radikalisierung #Faschisten Seite 12

Hass #AfDimBundestag Seite 14

Geld und Einfluss #Jobmaschine Seite 16

»Informationskrieg« #Interview Seite 18

Social Media #Propaganda Seite 20

AfD #Außenpolitik Seite 22

AfD #Rente Seite 24

Gesellschaft #Rollback Seite 26

Völkisch, Autoritär #AfD Seite 28

»Ideenschmiede« #Finanzen Seite 30

Frauke Petry #Abgemeldet Seite 32

AfD #LTWBayern Seite 34

AfD #LTWHessen Seite 36

Unter den Talaren #68er Seite 38

kurz & bündig II Seite 41

Rechtsparteien #EUParlament Seite 42

Prozess #Identitäre Seite 44

Rezensionen Seite 46

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Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/3724/inhalt-ausgabe-174/

German and British parliaments and conceptions of the global climate threat during the United Nation Earth Summit of 1992

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/02606755.2018.1532669?ai=2w6&mi=47tg1r&af=R

Bibliothek des Konservatismus

#NeueRechte

Seit 2016 erhalten die FördererInnen der neu-rechten »Bibliothek des Konservatismus« alle zwei Monate den Informationsbrief »Agenda«.

Magazin der Rechte Rand

Screenshot Titelbild »Agenda«

»Nach innen verdichten, nach außen öffnen«, das sind die Ziele der »Bibliothek des Konservatismus« (BdK), sagte Bibliotheksleiter Wolfgang Fenske. Dem ersten Ziel dient unter anderem der Informationsbrief »Agenda«. Jede Ausgabe folgt demselben Aufbau und hat acht Seiten. Das Editorial, immer geschrieben von Fenske, ist fast der einzige Text, bei dem ein Autor genannt wird. In der ersten Ausgabe ging Fenske der Frage nach, was konservativ sei. Für die Beantwortung zog er Arthur Moeller van den Bruck heran: »Konservativ ist, Dinge zu schaffen, die zu erhalten sich lohnt.« Liest sich das zunächst unspektakulär, lässt der Absender aufhorchen. Van den Bruck wirkte als Jungkonservativer in der Weimarer Republik und gilt als ein Vordenker der »Neuen Rechten«. Damit ist die politische Ausrichtung klar. Die 2012 gegründete Bibliothek wird von der »Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung« (FKBF) in Berlin betrieben. Vorsitzender ist Dieter Stein, Chef der neu-rechten Wochenzeitung »Junge Freiheit« (JF).

Der Kurs des Blattes spiegelt sich auch in den Autoren-Porträts wider. Auffällig ist, dass hier vor allem diejenigen Protagonisten vorgestellt werden, die von den 1970er Jahren bis heute kontinuierlich dieselben Inhalte bedienen und mit Publikationen und organisatorischer Arbeit aktiv waren. Zu nennen ist hier der Historiker und Soziologe Caspar von Schrenck-Notzing (»Agenda«, Nr. 1/2016). 1965 erschien seine Studie mit dem tendenziösen Titel »Charakterwäsche. Die Politik der amerikanischen Umerziehung in Deutschland«. Damit verschaffte er sich Reputation in rechtskonservativen Kreisen. Die von ihm 1970 gegründete Zeitschrift »Criticón« – 2005 eingestellt – war publizistisches Forum eines breiten konservativen Spektrums. Er gründete 2000 die FKBF, die Trägerin der 2012 eröffneten BdK ist und zu einem großen Teil auf der ehemaligen Privatbibliothek des 2009 verstorbenen Schrenck-Notzing aufbaut. Die FKBF stiftet in Kooperation mit der JF den »Gerhard-Löwenthal-Preis« für neu-rechten Nachwuchsjournalismus.

Ebenfalls in dem Blatt vorgestellt wird der in Österreich geborene Gerd-Klaus Kaltenbrunner, der einer der wichtigsten neu-rechten Ideologen im deutschsprachigen Raum ist. So wird in »Agenda« an ihn als großen Denker erinnert und als einen, der sowohl in konservativen Tageszeitungen als auch in dezidiert rechten Magazinen veröffentlichte und Bücher schrieb. 1974 gelang es ihm, in dem bekannten und seriösen »Verlag Herder« rechtskonservative Vorstellungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In der Reihe »Herderbücherei Initiative« brachte er zwischen 1974 und 1988 insgesamt 75 Bände heraus, für die er die Einführungen schrieb und die AutorInnen auswählte. Dieses Projekt wertete Siegfried Jäger vom »Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung« zu Recht als Versuch, »das geistige Klima der Bundesrepublik nach rechts zu verschieben« sowie »als Antwort auf die Intellektuellen und Studentenbewegung der 60er und 70er Jahre«. In »Agenda« werden zudem regelmäßig rechtskonservative Klassiker sowie aktuelle und vor allem bereits eingestellte rechte Magazine und Zeitschriften präsentiert. Darauf folgen Rezensionen von Neuerscheinungen. Wiederholt wird außerdem auf die BdK-eigene Schriftenreihe »Erträge« verwiesen, in der »Vorträge (publiziert werden), die in der Bibliothek des Konservatismus gehalten wurden, sowie wissenschaftliche Arbeiten, die in Anbindung an die Bibliothek entstanden sind. Darüber hinaus werden Texte veröffentlicht, die für eine akademische Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Konservatismus im weitesten Sinne von Interesse sind«.

Die BdK möchte in der Wissenschaft nicht nur wahr-, sondern auch ernstgenommen werden. Im Informationsbrief wird unter den Rubriken »Rückblick« und »Ausblick« dargestellt, dass hier das Who is Who aus dem rechtskonservativen bis neu-rechten Milieu Vorträge hält: unter anderem Karlheinz Weißmann, Alice Weidel und Erika Steinbach. Mit Referenten wie Helmut Roewer und Bassam Tibi können zudem Interessierte außerhalb des eigentlichen Publikums angesprochen werden. Um eine eigene Begriffsschärfung voranzutreiben, wurde im Mai 2017 zur neuen Veranstaltungsreihe »Konservativ heute« eingeladen, deren Ergebnisse in diesem Jahr in einem Sammelband veröffentlicht werden sollen. Als feste Institution innerhalb der BdK können die seit 2013 jährlichen Veranstaltungen vor dem »Marsch für das Leben« gesehen werden, bei denen sich »Lebensschutz«-AktivistInnen treffen, um für klassische Rollenbilder, traditionelle Familien und gegen Abtreibung zu demonstrieren. Dass die Themenfelder Antifeminismus und Familismus für die BdK eine Herzensangelegenheit darstellen, wird an der bereits 2012 eingegangenen Kooperation mit der christlich-fundamentalistischen »Stiftung Ja zum Leben« und dem in der Bibliothek zu findenden »Sonderbestand Lebensrecht« deutlich.

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Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/3714/bibliothek-konservatismus/

The challenge of returning home: the role of school and teachers in the well-being of Finnish war children, “Finnebørn”, during and after World War II

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00309230.2018.1521449?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Early defenders of women’s intellectual rights: Wollstonecraft’s and Rokeya’s strategies to promote female education

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00309230.2018.1515235?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Parliament, printed petitions and the political imaginary in seventeenth-century England

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/02606755.2018.1532652?ai=2w6&mi=47tg1r&af=R

Ein Streifzug durch die Medien der christlichen Rechten

#NeueRechte

Sie haben unverfängliche Namen wie »ideaSpektrum«, »LebensForum« oder »Die Tagespost«. Doch was wie Lifestylemagazin und Lokalpresse klingt, sind christlich-fundamentalistische Blätter, die Antifeminismus und Rechtskonservatismus propagieren.

 

der rechte rand Magazin

Wochenzeitschrift »ideaSpektrum« auf der Buchmesse Leipzig 2018 © Mark Mühlhaus / attenzione

Die fundamentalistischen Kreise, die es in evangelikalen, freikirchlichen und katholischen Gemeinden gibt, vertreten unter Berufung auf eine wörtliche Auslegung der Bibel (»Bibeltreue«) unterschiedliche autoritäre und antidemokratische Positionen, die teilweise deckungsgleich sind mit Forderungen der extremen Rechten. So wird beispielsweise das dramatische Bild eines bedrängten Christentums gezeichnet, das sich gegen einen äußeren Feind, »den Islam«, und einen inneren Feind, die säkularisierte Gesellschaft, wehren muss, um den weiteren Verlust oder Untergang »christlich-abendländischer Werte« zu verhindern. Vor allem der von der extremen Rechten in den vergangenen Jahren in Stellung gebrachte Antifeminismus bietet vielfache Anknüpfungspunkte, denn die fundamentalistischen AktivistInnen fordern als »natürlich« und »gottgegeben« apostrophierte, angenommene Selbstverständlichkeiten wie die patriarchale, zweigeschlechtliche Ordnung, die daraus abgeleitete heterosexuelle Ehe mit all ihren Geschlechterklischees und Rollenaufteilungen und inszenieren sich selbst als bedrohte, angegriffene Minderheit (s. drr Nr. 170).

Evangelikale Medienmonopole
Eines der einflussreichsten Medien ist die 1970 gegründete evangelische Nachrichtenagentur »idea«, de facto das Medienhaus der evangelikalen »Deutschen Evangelischen Allianz« (DEA) mit ihren rund 1,3 Millionen Mitgliedern. Kern der Medienarbeit sind das Nachrichtenportal »idea.de« sowie die seit 1979 erscheinende Wochenzeitschrift »ideaSpektrum«. Journalistischer Leiter und presserechtlich Verantwortlicher war von 1978 bis Ende 2017 Helmut Matthies, Träger des »Gerhard-Löwenthal-Preises« der »Jungen Freiheit«; sein Nachfolger ist Pfarrer Matthias Pankau. Neben Online und Print wird auch das werktägliche TV-Format »ideaFernsehen« produziert. »ideaSpektrum« hat nach Eigenangaben wöchentlich über 90.000 LeserInnen. Die Auflage betrug inklusive E-Paper im dritten Quartal 2017 laut Statistik der »Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern« aber nur knapp 28.000 Exemplare.
Neben Aspekten der evangelikalen Gemeindearbeit widmet sich »idea« der religiösen Deutung tagesaktueller Ereignisse, von der Christenverfolgung bis hin zur Frage, ob gleichgeschlechtliche Paare in den evangelischen Gemeinden gesegnet werden dürfen. Die »Alternative für Deutschland« (AfD) wird ausdrücklich ebenso behandelt wie alle anderen Parteien auch; über die Arbeit der »Christen in der AfD« (ChrAfD) berichtet »idea« regelmäßig. Dabei öffnet die Agentur vor allem solchen Positionen den Raum, welche die Ablehnung der AfD durch die Amtskirchen kritisieren und eine Normalisierung im Umgang mit der AfD fordern. Der neue Chef Matthias Pankau: »Die AfD ist auf demokratischem Wege gewählt worden. In der Tagespolitik kann und muss sie sich nun beweisen – so wie alle anderen Parteien auch. (…) Wir hofieren die AfD nicht, aber wir verteufeln sie auch nicht.« Die tagesaktuellen Nachrichten werden von einer Vielzahl anderer konservativer bis christlich-fundamentalistischer Medien aufgegriffen, damit beschränkt sich ihre Resonanz im Wesentlichen auf den rechten bis extrem rechten evangelikalen und katholischen Bereich.

Die »Stiftung Christlicher Medien« (SCM) ist das Dach einer Firmengruppe mit verschiedenen Verlagen und Marken. Die SCM beschreibt sich als »evangelisch-freikirchlich« und steht nach Eigenangaben inhaltlich ebenfalls der evangelikalen DEA nahe. In ihrer Breite ist es jedoch schwierig, eine politische Ausrichtung ähnlich wie bei »idea­Spektrum« auszumachen. »Wichtig ist uns die Orientierung auf Jesus Christus – er ist die Mitte unseres Auftrags: Jesus nachfolgen – unser Kernanliegen«, heißt es auf einer der vielen Homepages. Die Zeitschriftensparte, der SCM-Bundes-Verlag mit Sitz in Witten, produziert derzeit 16 unterschiedliche Zeitschriften, die »helfen« möchten, »den Glauben zu leben – mitten im Alltag« und auf verschiedene Zielgruppen zugeschnitten sind. »KLÄX – Spielen. Glauben. Rätseln. Wissen« (Auflage: 13.000) beispielsweise adressiert »Kids im Grundschulalter«. »SevenEleven« bietet KindergottesdienstmitarbeiterInnen Material für die titelgebende Altersgruppe und das »Teensmag« trägt den Untertitel »Trends. Glaube. Action. Tiefgang« und erscheint in einer Auflage von 18.000 Exemplaren. Weitere Titel sind »die christliche Frauenzeitschrift« namens »Lydia« (»Persönlich. Echt. Lebensnah.«) mit einer Druckauflage von 65.000 Exemplaren, »JOYCE« (»Was Frauen inspiriert« – Auflage: 16.000) und »MOVO« (»Was Männer bewegt. Was Männer bewegen.« – Auflage: 13.000). Verschiedene Fachzeitschriften adressieren gezielt TheologInnen, SeelsorgerInnen oder VerantwortungsträgerInnen: In »Gemeinde.Praktisch« (»Technik. Service. Know-How«) geht es beispielsweise um die technische Verbesserung der Akustik in der Kirche.

»Romtreuer« Katholizismus
Während es im evangelikalen Bereich kaum andere Anbieter als SCM und »idea« gibt, ist das Angebot im katholischen Fundamentalismus unübersichtlicher. Das »Forum Deutscher Katholiken« beispielsweise ist eine der wichtigsten rechts-katholischen Vereinigungen, die sich als Opposition zum »Zentralrat Deutscher Katholiken« (ZdK) versteht: »Nach unserer Meinung weicht das ZdK in wesentlichen Fragen vom Glauben der Kirche ab.« In ihrem Monatsblatt »Der Fels« berichten AutorInnen wie Jürgen Liminski (ebenso Autor in der »Preußischen Allgemeinen Zeitung« und bei der rechts-katholischen »Kirche in Not«), Felizitas Küble (»Charismatismus-Blog«), Werner Münch (ehem. CDU-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt) oder Hubert Gindert (Herausgeber und Sprecher des Forums) über aktuelle und grundsätzliche politische und religiöse Fragen. Auch bekannte ProtagonistInnen der »Lebensschutz«-Bewegung wie Alexandra Maria Linder von der »Aktion Lebensrecht für Alle« (ALfA) und dem »Bundesverband Lebensrecht« (BVL) oder der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer füllen hier die Seiten. Das Forum kritisiert das ZdK, aber auch die Bundesregierung unter anderem »für das Festhalten an ‹Donum Vitae›, das mit der Erteilung des Beratungsscheins ungeborene Kinder der ‹gesetzwidrigen, aber straffreien› Abtreibung ausliefert oder für die Zustimmung zur Genderideologie«.

Über gewissen Einfluss verfügt auch »Die Tagespost«, die einzige überregionale katholische Zeitung in Deutschland. Die traditionsreiche und »romtreue« Zeitung erscheint seit Beginn des Jahres 2018 nach wirtschaftlichen Problemen – sie verlor in den letzten zehn Jahren rund ein Drittel der AbonnentInnen – nur noch einmal wöchentlich und verkauft derzeit circa 10.000 Exemplare. Hinzu kommt die Online-Präsenz, mit inzwischen auch tagesaktuellen Meldungen. Artikel und Interviews der Tagespost werden auch in anderen Medien aus dem Bereich aufgegriffen. VertreterInnen der AfD wird selbstverständlich Platz eingeräumt, so beispielsweise dem kirchenpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktion, Volker Münz, um den scharf kritisierten Antrag seiner Fraktion zu Schwerbehinderten zu verteidigen. Obwohl »Die Tagespost« mit der Neuordnung wirtschaftlich unabhängiger geworden ist, greift ihr die Freisinger Bischofskonferenz nach wie vor finanziell unter die Arme. Die Zeitung hatte bei Auseinandersetzungen innerhalb der katholischen Kirche immer wieder die konservative und papsttreue Linie auch gegen die deutsche Amtskirche vertreten, so 1999 im Streit um die Frage, ob die katholische »Donum Vitae« in der Schwangerschaftskonfliktberatung bleibt.
Eine Monatszeitung für Religion und Politik gibt der Verein »Christliche Mitte« (CM) heraus. »Der Kurier« der einstigen christlich-fundamentalistischen Kleinstpartei strotzt vor antimuslimischen Ressentiments und homo- und transfeindlichen Inhalten. In wenigen Zeilen wird Propaganda in scheinbaren Nachrichten präsentiert: »Katholisches Bollwerk Köln«, »Wo der Islam wütet« und »Die ‹Homo-Ehe› – ein großer Betrug«. Oder: »Angela Merkel – ein deutsches Verhängnis«, worin Werner J. Mertensacker über die historischen Pläne zur Vernichtung des deutschen Volkes schwadroniert. Diesmal versuche man, die Vernichtung »durch einen kompletten Austausch« zu erreichen und es liege nahe zu vermuten, dass Merkel einen israelischen »Führungs-Offizier« habe, so Mertensacker. In dem Blatt schreibt ebenfalls der fanatische »Lebensschützer« Klaus Günter Annen, der unter Ausnutzung des Paragrafen 219a mit seiner »Initiative Nie wieder e. V.« reihenweise ÄrztInnen angezeigt hat, die Abtreibungen durchführen.

Neben den konfessionell geprägten christlichen Medien seien noch die Publikationen der »Lebensschutz«-Bewegung erwähnt, die jedoch in ihrer thematischen Beschränkung trotz beispielsweise fünfstelliger Mitgliederzahlen bei der »Aktion Lebensrecht für Alle« (ALfA) eine geringere Reichweite in ihrem politischen und ideologischen Einfluss haben dürften. So bieten die vierteljährlich erscheinende Zeitschriften »LebensForum« (Auflage: 6.500), an deren Redaktion auch die »Ärzte für das Leben« beteiligt sind, und das Blatt »Lebenszeichen«, das nur an ALfA-Mitglieder adressiert ist, ausschließlich Artikel und Meldungen zum weiten Feld »Lebensschutz«.

Insofern ist diese Auswahl exemplarisch für das Spektrum rechter christlicher Publikationen: Die christliche Rechte ist gerade in Deutschland konfessionell zersplittert und die innerchristlichen Auseinandersetzungen werden von antifaschistischen BeobachterInnen allzu oft desinteressiert als religiöse Fachfragen abgetan. Dabei werden hier gesellschaftlich relevante Richtungsfragen entschieden, gerade in Bezug auf Gender und Rassismus vs. »Nächstenliebe«, die über das Spektrum hinaus gesellschaftliche Strahlkraft haben.

Der Beitrag Ein Streifzug durch die Medien der christlichen Rechten erschien zuerst auf der rechte rand.

Quelle: https://www.der-rechte-rand.de/archive/3711/christlich-rechte-medien/

Del término descolonización y sus derivas pedagógicas

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00309230.2018.1508240?ai=z4&mi=3fqos0&af=R

Los espacios recreativos a principios del siglo XX en la capital argentina. Problemas, tensiones y pugnas sobre los múltiples sentidos de la diferencia sexual

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Quelle: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00309230.2018.1503691?ai=z4&mi=3fqos0&af=R