Die „Rengerische Staaten“

80 Bände globale Staatenkunde um 1700, erforscht von Volker Bauer

Volker Bauer befasst sich mit einer staatenkundlichen Serie, den „Rengerische Staaten“, die ab 1704 im Verlag Renger in Halle erschien und es bis 1718 auf rund 80 Bände brachte. Zwei Drittel der Bände decken Europa, ein Drittel Afrika, Asien und Amerika ab.

„Globale Staatenkunde“ in der Rengerischen Buchhandlung in Halle/Saale

[1] Als erstes erschien 1704 der Band zu Portugal „Der Staat von Portugall“ – völlig anonym, das heißt ohne Verlagsimpressum und ohne Autor. Im Großen und Ganzen gilt das für die ganze Serie. Diesen Umstand nutzt Bauer einerseits für eine geradezu kriminologische Untersuchung, in deren Zuge er Verlag und wahrscheinliche Autoren dingfest macht, andererseits nutzt er ihn für eine mediengeschichtliche Einordnung der ebenfalls von ihm rekonstruierten und offenbar erfolgreichen Verlagsstrategie (Kapitel 1).

[2] Die „Rengerische Staaten“ richteten sich nicht an die Wissenschaften, auch wenn die Autoren mit der Universität Halle verbunden waren, sondern an ein interessiertes Publikum, das möglichst niederschwellig in die Lektüre einsteigen können sollte. Je niederschwelliger, desto höher der Verlagserfolg, das war schon immer so, wie es sich wieder einmal bestätigt.



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Quelle: https://wolfgangschmale.eu/2026/02/09/die-rengerische-staaten/

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Europa Regina II

Europa als Herrscherin der Welt nach den Vorstellungen des Heinrich Ludwig Gude (1708) in den „Rengerische Staaten“

Der Kontrast zwischen den üblichen frühneuzeitlichen allegorischen Darstellungen Europas als Regina Mundi und der heutigen geopolitischen Minderbedeutung Europas könnte kaum größer sein. Im Jahr 2026 drängt sich der Vergleich spontan in die Betrachtung solcher historischer Bildquellen hinein. Aber weder gibt es Anlass zu Nostalgie mit Blick auf die Europa Regina noch zu einer neuen Machtrhetorik im Fahrwasser der Autokraten der ersten Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts, vielmehr bleibt die kritische postkoloniale Perspektive die richtige.

Die „Einleitung zu den Europäischen Staaten Und Derselben Beschluß“ (1708)

[1] Bei dem hier zum Anlass genommenen Bild handelt es sich um den Frontispiz einer lediglich 82 Seiten umfassenden Schrift unter dem Titel „Einleitung zu den Europäischen Staaten Und Derselben Beschluß“. Sie erschien 1708 im Verlag Rengerische Buchhandlung, die in Halle a.d.S. ansässig war.

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Quelle: https://wolfgangschmale.eu/2026/02/02/europa-regina-ii/

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Wer ist der eigentliche Feind?

Lea Griesing

Vor und zu Beginn des Ersten Weltkrieges herrschte in Deutschland eine patriotische Hochstimmung, ja eine „Atmosphäre sich überbietender Vaterlandsliebe“.[1] Die unterschiedlichsten Autoren verfassten patriotische Lieder, Gedichte, Bücher und gestalteten Broschüren und Plakate. Die deutsche Propaganda setzte dabei visuell ganz auf Bilder entschlossener und siegesgewisser Soldaten, in denen der eigene Ehemann, Sohn oder Vater wiedererkannt werden sollte. Und mehr noch:

„In Deutschland dienten die propagandistischen Bilder – auch [die] für das feindliche Ausland bestimmten – fast ausschließlich der Bestätigung des deutschen Selbstbildes als überlegenes Kulturvolk das sogar noch im Krieg seinen Feinden Gerechtigkeit widerfahren ließ; ein unschuldiges Opfer, das gerade aufgrund seiner Überlegenheit angegriffen wurde.“[2]

Die eigene Selbstüberhöhung brachte bei erfolgreicher Propagandawirkung zugleich mit sich, dass das Gegenüber als untergeordnet angesehen wurde und Feindbilder entstanden. Die selbst zugeschriebene Opferposition verstärkte im ,Idealfalle‘ die übersteigerte Abwehrhaltung gegenüber dem Feind. Stereotype Feindbilder wurden propagiert und sollten Teil der deutschen Mentalität werden.

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Quelle: http://feldpost.hypotheses.org/264

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