Interview mit Dr. Ulrich Baumann, Historiker und stellvertretender Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas.
Quelle: http://lernen-aus-der-geschichte.de/Online-Lernen/content/10033
Geschichtswissenschaftliche Blogs auf einen Blick
Interview mit Dr. Ulrich Baumann, Historiker und stellvertretender Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas.
Quelle: http://lernen-aus-der-geschichte.de/Online-Lernen/content/10033
Interview mit Dr. Ulrich Baumann, Historiker und stellvertretender Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas.
Quelle: http://lernen-aus-der-geschichte.de/Online-Lernen/content/10033
Archivalia hat mich wieder mal drauf gebracht: Eine aktuelle Übersicht über geschichtswissenschaftliche Blogs bringt eigentlich ein ernüchterndes Ergebnis: Blogs von Hochschullehrern gibt es in Deutschland nur selten, ansonsten mangelt es nicht an Geschichtsblogs. "Digitale Regionalgeschichte" wird netterweise auch erwähnt, wobei mein letzter längerer Artikel offenbar übersehen wurde. Macht aber nichts. Es ist hier ruhig geworden. Liegt vielleicht auch daran, dass ich derzeit nicht sicher bin, wie und ob ich Digitale Regionalgeschichte weiter entwickeln werde. Vielleicht stelle ich hier aber demnächst Thesen zur Entwicklung des "ländlichen Raumes". Vielleicht.
Gestern durfte ich in einem Workshop des Zentrums für Vergleichende Europäische Studien (ZEUS) vortragen. Titel des Workshops war Medizin im Kalten Krieg. Medizinische Expertise in der europäischen Zeitgeschichte. Ich sprach über Psychiater als Migrationsexperten. Ausgehend von einem Artikel (« L’invention » de l’immigré. La psychiatrie belge face à la migration maghrébine dans les années 1960 et 1970) der in Kürze im Le Mouvement Social erscheinen soll, wollte ich das Thema geographisch ausweiten, indem ich die Debatten in Deutschland und Frankreich miteinbezog. Ich beschränkte mich auf publizierte Fachdiskurse (Handbücher und Fachzeitschriften) für diese beiden Ländern. Fragestellung war wie Psychiater von den 1950er bis in die 1970er Jahre hinein zur Definition der Immigranten als “gesellschaftliches Problem” (Joseph Gusfield) beigetragen haben.
Zwei Bemerkungen waren für mich besonders interessant. Einerseits muss ich begriffsgeschichtlich klarer werden: Gastarbeiter, Immigranten, transplantés, Flüchtlinge… Zwischen 1950 und 1980 ändern sich die Definitionen sehr stark. Und es scheint auf dieser Ebene Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich zu geben. In Deutschland spricht man am Anfang eher von Gastarbeitern, in Frankreich eher von Immigranten. Und das schliesst an die zweite Bemerkung an: Deutschland definiert sich erst sehr spät als Einwanderungsgesellschaft, was erklären könnte, warum deutsche Psychiater Migration später als die französischen Mediziner “entdecken”.
Im Rahmen eines anderen Vortrags von Stefanie Coché zur Psychiatrische Einweisungspraxis in Nationalsozialismus, BRD und DDR (1941–63) hat Eric Engstrom die Frage aufgeworfen, inwieweit Historiker immer noch in einer antipsychiatrischen Genealogie gefangen sind. Zu diesem Thema finde ich einen rezenten Artikel von Catherine Fussinger in History of Psychiatry sehr inspirierend. Anknüpfend daran müsste man nicht nur Arbeiten zur Einweisung anregen, sondern auch Studien zu Entlassungen in der Psychiatrie. Schlussendlich hat Dagmar Ellerbrock darauf hingewiesen, dass Körpergeschichte und science studies Möglichkeiten bieten, dem “Primat der Psychiatriekritik” (Eric Engstrom) zu entgehen.
Die Illustration für diesen Post ist die Titelseite der “Urstudie” zur Psychopathologie der Migranten von Ornulv Odegaard aus dem Jahre 1932.
Quelle: http://majerus.hypotheses.org/24
Gestern durfte ich in einem Workshop des Zentrums für Vergleichende Europäische Studien (ZEUS) vortragen. Titel des Workshops war Medizin im Kalten Krieg. Medizinische Expertise in der europäischen Zeitgeschichte. Ich sprach über Psychiater als Migrationsexperten. Ausgehend von einem Artikel (« L’invention » de l’immigré. La psychiatrie belge face à la migration maghrébine dans les années 1960 et 1970) der in Kürze im Le Mouvement Social erscheinen soll, wollte ich das Thema geographisch ausweiten, indem ich die Debatten in Deutschland und Frankreich miteinbezog. Ich beschränkte mich auf publizierte Fachdiskurse (Handbücher und Fachzeitschriften) für diese beiden Ländern. Fragestellung war wie Psychiater von den 1950er bis in die 1970er Jahre hinein zur Definition der Immigranten als “gesellschaftliches Problem” (Joseph Gusfield) beigetragen haben.
Zwei Bemerkungen waren für mich besonders interessant. Einerseits muss ich begriffsgeschichtlich klarer werden: Gastarbeiter, Immigranten, transplantés, Flüchtlinge… Zwischen 1950 und 1980 ändern sich die Definitionen sehr stark. Und es scheint auf dieser Ebene Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich zu geben. In Deutschland spricht man am Anfang eher von Gastarbeitern, in Frankreich eher von Immigranten. Und das schliesst an die zweite Bemerkung an: Deutschland definiert sich erst sehr spät als Einwanderungsgesellschaft, was erklären könnte, warum deutsche Psychiater Migration später als die französischen Mediziner “entdecken”.
Im Rahmen eines anderen Vortrags von Stefanie Coché zur Psychiatrische Einweisungspraxis in Nationalsozialismus, BRD und DDR (1941–63) hat Eric Engstrom die Frage aufgeworfen, inwieweit Historiker immer noch in einer antipsychiatrischen Genealogie gefangen sind. Zu diesem Thema finde ich einen rezenten Artikel von Catherine Fussinger in History of Psychiatry sehr inspirierend. Anknüpfend daran müsste man nicht nur Arbeiten zur Einweisung anregen, sondern auch Studien zu Entlassungen in der Psychiatrie. Schlussendlich hat Dagmar Ellerbrock darauf hingewiesen, dass Körpergeschichte und science studies Möglichkeiten bieten, dem “Primat der Psychiatriekritik” (Eric Engstrom) zu entgehen.
Die Illustration für diesen Post ist die Titelseite der “Urstudie” zur Psychopathologie der Migranten von Ornulv Odegaard aus dem Jahre 1932.
Quelle: http://majerus.hypotheses.org/24