Das Bibliotheksmagazin. Mitteilungen aus den Staatsbibliotheken in Berlin und München (PDF, S. 3-8) veröffentlicht einen Beitrag zum von der Berliner Stabi neuerworbenen Adressbuch Alexander von Humboldts, das insbesondere für Berlin Adressen mit Hausnummern beinhaltet. [via Perlentaucher]
Vom Versagen der FAZ
Letzten Samstag erschien prominent auf der ersten Seite der FAZ ein Kommentar, der die Pogrome von Rostock geradezu nachträglich rechtfertigte, weil sie das Ende einer - in den Augen des Kommentators - sozialromantischen Utopie des Multikulturalismus mit sich gebracht hätten. Der FAZ war dieser Kommentar so peinlich, dass sie ihn nachträglich und stillschweigend geändert hat; ich habe ihn zum Anlass genommen, auf der Homepage der FAZ einen (etwas elliptisch geratenen) Kommentar zum Kommentar abzugeben. Nicht, dass ich solche Aktionen für besonders wichtig halte, aber warum soll man nicht diese Mühe auf sich nehmen, wenn man zwei Minuten erübrigen kann. Die FAZ hat meinen Kommentar übrigens nicht freigeschalten; wurde wohl vom zuständigen Redakteur/von der zuständigen Redakteurin als nicht richtlinienkonform betrachtet (während die Verwendung des Begriffs "Zigeuner" offensichtlich richtlinienkonform ist...).
Mein Kommentar zum Kommentar:
Versagen des Journalismus
In einer bürgerlichen Demokratie gibt es keine wichtigere politische Grenzlinie als die zwischen Konservativismus und Rechtsextremismus. Mit der Veröffentlichung dieses Kommentars beweist die FAZ, dass sie nicht bereit ist, diese Grenze zu ziehen, sondern in Krisenzeiten die faschistische Karte als legitim zu betrachten; wenigstens war ihr die Originalfassung des Kommentars so peinlich, dass sie ihn stillschweigend geändert hat.
Lesenswertes zum FAZ-Kommentar hat übrigens auch Tom Strohschneider im ND veröffentlicht.
Mein Kommentar zum Kommentar:
Versagen des Journalismus
In einer bürgerlichen Demokratie gibt es keine wichtigere politische Grenzlinie als die zwischen Konservativismus und Rechtsextremismus. Mit der Veröffentlichung dieses Kommentars beweist die FAZ, dass sie nicht bereit ist, diese Grenze zu ziehen, sondern in Krisenzeiten die faschistische Karte als legitim zu betrachten; wenigstens war ihr die Originalfassung des Kommentars so peinlich, dass sie ihn stillschweigend geändert hat.
Lesenswertes zum FAZ-Kommentar hat übrigens auch Tom Strohschneider im ND veröffentlicht.
Thomas Konicz: Arbeitswelt im Web 2.0
Nicht gerade rosige Perspektiven sind es, die Thomas Konicz in einem für Telepolis verfassten Beitrag über die schöne neue Arbeitswelt im Zeitalter von Crowdsourcing und Cloudworking für die Zukunft entwirft. Und tatsächlich würde ich darin auch gerne mehr Überlegungen zu Möglichkeiten des Widerstands lesen, Konicz entwickelt nur an einer Stelle eine leise Andeutung:
Diese angestrebte Bindungslosigkeit des neuen Internetproletariats ist für die Unternehmen Segen und Fluch zugleich. Der Verzicht auf einen Arbeitsplatz mitsamt fester Anstellung, Büroflächen, Sozialabgaben und Arbeitsausrüstung lässt auch keinerlei Verbindlichkeit, Loyalitäten oder sonstiger Bindungsgefühle seitens des neuen digitalen Prekariats aufkommen. Eine Identifizierung des Tagelöhners mit dem Konzern - der für gewöhnlich eine spezifische Corporate Identity kreiert - ist somit nicht mehr möglich. Hierdurch fällt der Kernbelegschaft auch die Sicherung einer zuverlässigen Mitarbeit der Tagelöhner, mitunter der Qualitätskontrolle der abgelieferten Arbeit, sehr schwer.
Diese angestrebte Bindungslosigkeit des neuen Internetproletariats ist für die Unternehmen Segen und Fluch zugleich. Der Verzicht auf einen Arbeitsplatz mitsamt fester Anstellung, Büroflächen, Sozialabgaben und Arbeitsausrüstung lässt auch keinerlei Verbindlichkeit, Loyalitäten oder sonstiger Bindungsgefühle seitens des neuen digitalen Prekariats aufkommen. Eine Identifizierung des Tagelöhners mit dem Konzern - der für gewöhnlich eine spezifische Corporate Identity kreiert - ist somit nicht mehr möglich. Hierdurch fällt der Kernbelegschaft auch die Sicherung einer zuverlässigen Mitarbeit der Tagelöhner, mitunter der Qualitätskontrolle der abgelieferten Arbeit, sehr schwer.
Hazel Rosenstrauchs böhmische Miniatur über den empfindsamen Henker Karl Huß
Hazel Rosenstrauch hat gestern verkündet, dass ihr neues Buch erschienen ist, und es klingt äußerst spannend:
Rosenstrauch, Hazel: Karl Huß, der empfindsame Henker. Eine böhmische Miniatur. Berlin: Matthes & Seitz, 2012. 175 S., 19.90 Euro [Verlags-Info]
Huß war nicht wirklich Henker, sondern Scharfrichter, lebte von 1761 1836 erst in Brix, dann in Eger (Cheb) und zuletzt in Königswart (Kynvart). Er hat geköpft und geheilt, hat Steine, Münzen und Waffen gesammelt, eine Chronik der Stadt Eger, seine Autobiographie und eine Schrift gegen den Aberglauben verfasst. Am Ende seines Lebens wurde er ehrlich gemacht und starb als Kustos der Metternichschen Sammlungen.
Der Essay erzählt von Stigmatisierung und Feingefühl, vom aufgeklärtem Absolutismus und Abschaffung der Todesstrafe (die den Scharfrichter arbeitslos machte), von Patriotismen, böhmischen Gespenstern und allerlei sozialen wie emotionalen Umordnungen. Als wichtige Nebenfiguren treten Goethe und der österreichische Staatskanzler Fürst Metternich, aber auch Joseph von Sonnenfels, Carl Ludwig Sand, Kaiser, Könige und Intellektuelle auf.
Neben anderen Städten ist auch in Wien eine Präsentation geplant, nämlich am 20.11.2012 um 19 Uhr, in der Buchhandlung Orlando, Liechtensteinstraße 17.
Rosenstrauch, Hazel: Karl Huß, der empfindsame Henker. Eine böhmische Miniatur. Berlin: Matthes & Seitz, 2012. 175 S., 19.90 Euro [Verlags-Info]
Huß war nicht wirklich Henker, sondern Scharfrichter, lebte von 1761 1836 erst in Brix, dann in Eger (Cheb) und zuletzt in Königswart (Kynvart). Er hat geköpft und geheilt, hat Steine, Münzen und Waffen gesammelt, eine Chronik der Stadt Eger, seine Autobiographie und eine Schrift gegen den Aberglauben verfasst. Am Ende seines Lebens wurde er ehrlich gemacht und starb als Kustos der Metternichschen Sammlungen.
Der Essay erzählt von Stigmatisierung und Feingefühl, vom aufgeklärtem Absolutismus und Abschaffung der Todesstrafe (die den Scharfrichter arbeitslos machte), von Patriotismen, böhmischen Gespenstern und allerlei sozialen wie emotionalen Umordnungen. Als wichtige Nebenfiguren treten Goethe und der österreichische Staatskanzler Fürst Metternich, aber auch Joseph von Sonnenfels, Carl Ludwig Sand, Kaiser, Könige und Intellektuelle auf.
Neben anderen Städten ist auch in Wien eine Präsentation geplant, nämlich am 20.11.2012 um 19 Uhr, in der Buchhandlung Orlando, Liechtensteinstraße 17.
Eine politische Geschichte des Balkons
Die Wonnen der Elektropathologie
Zeitspuren zeigt Bilder aus dem von Stefan Jellinek 1932 publizierten Buch Elektroschutz in 132 Bildern; Jellinek gründete in Wien das Elektropathologische Museum, dessen Bestände nun wirklich Kultcharakter haben und seit 2005 Teil des Technischen Museums Wien sind: http://www.technischesmuseum.at/objekt/plakat-des-elektropathologischen-museums-um-1930
[via G+/Klaus Graf]
[via G+/Klaus Graf]
Jungius‘ Zettelkasten – Ausstellung in Hamburg
An der Stabi Hamburg findet vom 6.9.-28.10.2012 die Ausstellung Joachim Jungius: Der Zettelkasten des Doktors statt.
[via G+/Stefan Heßbrüggen]
[via G+/Stefan Heßbrüggen]
Mareike König: Twitter in der Wissenschaft: Ein Leitfaden für Historiker/innen
Sehr instruktive Anleitung für die Benützung von Twitter für HistorikerInnen, die Mareike König für das Weblog des DHI Paris verfasst hat.
20 Jahre deutsch-deutsche Fröhlichkeit
Eigentlich reichen drei Eigennamen, um die deutsche Geschichte der 1990er Jahre zu schreiben: Rostock, Mölln, Solingen. Rückblicke auf die rassistischen Pogrome von Rostock vor 20 Jahren liefert Analyse & Kritik.
Seminar Ordnungstechniken in der Geschichte der Neuzeit
Kommendes Wintersemester halte in an der Universität Wien ein Seminar mit dem Titel Ordnungstechniken in der Geschichte der Neuzeit, das so unterschiedliche Themen wie die alphabetische Sortierung, die Schränke und Klassifikationen der Naturforscher, Standardisierung von Waffen, Flussbegradigungen und Monster, die sich der Einordnung entziehen zu versuchen, behandeln soll. Nähere Informationen dazu gibt es unter http://tantner.net/Seminar/.