Leo Fischer über das Zeit-Magazin

Schöne Charakterisierung des Zeit-Magazin durch den kurzzeitig dafür twitternden Leo Fischer im ND:

Eigentlich nur eine Beilage der renommierten »Zeit«, vereint es auf seinen paar Dutzend Seiten erstaunliche Widersprüche. Neben Kochrezepten und Modestrecken gibt es luzide Aufsätze zu nationalen Fragen, wie etwa Mode und Kochen. Als Fokuspunkt eines liberal-urbanen Bürgertums lässt es gleichzeitig immer auch den rechtsnationalen Schwaller Harald Martenstein zu Wort kommen. Als labbriges Heftchen aus billigstem Pausenbrotpapier ruft es Anzeigenpreise von bis zu dreißigtausend Euro auf - die von verrückt gewordenen Juwelieren und Uhrmachern auch noch bezahlt werden.
Aus all diesen Gründen gehörte das »Zeit«-Magazin zu den Topquellen des Satiremagazins »Titanic«, wenn man sich die neuesten Infamien der Bourgeoisie antun wollte. Hier stehen ästhetisch ansprechende Fotografien über das Elend in der Welt neben Anzeigen der Leute, die für es verantwortlich sind; hier wird der Studienrat mit Kreuzworträtseln und Ratespielen bedient wie nur von irgendeiner Frauenzeitschrift, allerdings ohne dabei seinen Standesdünkel aufgeben zu müssen. Wo also anders findet man derart konzentriert und auf den Punkt gebracht wieder, was die Kritische Theorie »falsches Bewusstsein« nannte?

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022630134/

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Der Augustin, Fachzeitschrift für Geschichte der Adressierung

Der aktuelle Augustin (Nr. 439) ist wieder mal eine besondere Lesefreude, und ich hoffe doch tatsächlich, dass Heini Staudinger von GEA den formidablen Vorschlag aufgreifen wird, zusätzlich zum Finanz- nun auch zum Justizrebellen zu werden und sich für akzeptable Arbeitsbedingungen, Pensions- und Krankenversicherung inklusive in Österreichs Gefängnissen einsetzt. Besonders freut mich selbstredend, dass Mehmet Emirs Abenteuer des Herrn Hüseyins spannende adressierungshistorische Beobachtungen aus einem kurdischen Dorf in den 1970er Jahren liefern:

In den 1970ern ritt man entweder mit einem Maultier, Esel oder Pferd. In der Kreisstadt sah man sehr wenige Autos. Traktoren gab es auch sehr wenige. Die Kreisstadt war voller Esel, Maultiere und Pferde. Da gab es auch viele Hufschmiede. [Absatz] Briefe adressierte man über irgendwelche Lebensmittelgeschäfte in dieser Kreisstadt. Wenn jemand dort war, holte er alle Briefe, die für das Dorf adressiert waren. Daher dauerte es immer sehr lange, bis die Briefe von Hüseyins Vater im Dorf ankamen.

[...]

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022623573/

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Navid Kermani über Verirren und Kindersuche in Fes

Ging es jedoch um ein Kind, das sich verlaufen hatte, dann wurde der Hilferuf der Eltern über ein Netz von stimmgewaltigen Rufern, die wie eine Feuerwehr in Bereitschaft standen, bis in die hintersten Höfe der Basare und äußersten Winkel der Stadtmauer getragen – und innerhalb von Sekunden hielt die gesamte Bevölkerung Ausschau nach dem verlorenen Kind.

Kermani, Navid:, Die heilige Verirrung. Fes heute, in: Burckhardt, Titus: Fes. Stadt des Islam. München: C. H. Beck, 2015, Nachwort.

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022611206/

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Reinste Freude: Der aktuelle Augustin

Der aktuelle Augustin - lang mussten die LeserInnen warten, bis die erste Ausgabe dieses Jahrs erschien! - ist wieder mal eine reine Freude: Erwähnt seien nur das grandiose Interview mit der Blunznstrickerin Dominique Kähler Schweizer (ihr Repertoire umfasst auch angeschimmmelte Zitronen sowie gehäkelte Blutegel), eine Reportage über das sich verbreitende Phänomen der Stadtbürger_innenschaft, eine weitere über das Zusammenwohnen in kubanischen Cuarterías, Hinweise auf brutalistische Architektur, der erste Teil einer sprachkundlichen Serie von Richard Schuberth, Herr Groll über die Johanniter, usw. usw. ... wow, ein Lesevergnügen!

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022603583/

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Auftritt bei den Zwischentönen des Deutschlandfunk

Kommenden Sonntag bin ich bei der Sendung Zwischentöne im Deutschlandfunk zu Gast (6.11.2016, 13:30-15:00); der Untertitel der Sendung lautet Musik und Fragen zur Person, und meine mitgebrachte Musik umfasste u.a. Anton Webern, die Sex Pistols, Portishead und das famose Stimmgewitter. Zum Einstimmen mal dessen Revoluzzer: https://myspace.com/stimmgewitter/music/song/der-revoluzzer-16272812-16073997?play=1
Mit Musik kann die Sendung sieben Tage lang nachgehört werden, danach steht sie sechs Monate ohne Musik zur Verfügung.

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022594412/

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Neuerscheinung News Networks in Early Modern Europe – Open Access zugänglich

Es gibt dieser Tage auch good news aus England: Ein paar Wochen früher als geplant ist nun ein gewichtiger Band zu News Networks in Early Modern Europe erschienen, der Themen abdeckt wie Postgeschichte, die Wortbedeutung von Gazzetta, Kriegsberichterstattung und Nachrichtenverkauf. Der Band ist nicht nur auf Papier erhältlich, sondern bei Brill obendrein Open Access zugänglich:

Raymond, Joad/Moxham, Noah (Hg.): News Networks in Early Modern Europe. (=Library of the Written Word; 47). Leiden/Boston: Brill, 2016.
DOI: http://dx.doi.org/10.1163/9789004277199

Auch ich habe einen Beitrag dafür verfasst, nämlich zu den habsburgischen Adressbüros:

Tantner, Anton: Intelligence Offices in the Habsburg Monarchy, in: Raymond, Joad/Moxham, Noah (Hg.): News Networks in Early Modern Europe.

[...]

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022577489/

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Ö1: Zeitreise Überwachung / Kommunikation im vordigitalen Zeitalter

In den nächsten Tagen gibt es gleich zwei Ö1-Sendungen zu medienhistorischen Themen, mit ein paar Wortbeiträgen von mir, zum einen nämlich gleich heute Matrix (26.6.2016, 22:30-23:00) zum Thema Zeitreise Überwachung und dann am Mittwoch ein Salzburger Nachtstudio (29.6.2016, 21:00-22:00) über Trommeln, Rohrpost, Gaunerzinken. Die Kommunikation im vordigitalen Zeitalter.

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022577014/

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Die Geschichtenerzähler des Djemaa El Fna

Auch schon wieder drei Jahre her, dass ich in Marrakesch auf dem Platz Djemaa El Fna mit all seinen Gauklern und Obstständen herumgestapft bin; in Erinnerung gerufen wurde er mir in einer ansonsten nicht soo bemerkenswerten Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste, Standort Hanseatenweg, mit dem Titel DEMO:POLIS - Das Recht auf Öffentlichen Raum. Eines der dort gezeigten Projekte ist das Al Halqa Virtual project von Thomas Ladenburger, der u.a. die von den professionellen Geschichtenerzähler am Djemaa El Fna berichteten Fabeln und dergleichen sammelte und auf Deutsch übersetzte, so dass nun einige Stunden Audios zur Verfügung stehen, die unter https://www.alhalqa-virtual.com/index.php/de/viewer.html?set_code=Hoerbuch_Al_Halqa&parentsitetype=solo&parentsiteid=108 nachgehört werden können.

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022554190/

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