K. Olectiv: Die letzten Tage von… – Neuausgabe eines kollektiven Fortsetzungsromans…

Olectiv_LetztenTagevonEin äußerst schön gestaltetes Papier-Buch ist die in der exklusiven disadorno edition erschienene Neuauflage des von Emanuel Bruck und dem späteren Historiker Jürgen Kuczynski 1931 unter dem Pseudonym K. OLECTIV für die KPD-Tageszeitung Rote Fahne verfassten Fortsetzungsromans Die letzten Tage von...

Laut Verlagsangabe griffen darin Kuczynski und Bruck (...) die Entwicklungen und Debatten um die proletarisch-revolutionäre Literatur, wie sie insbesondere in der ›Roten Fahne‹ und im BPRS [Bund Proletarisch-Revolutionärer Schriftsteller] geführt wurden, auf und spitzen sie in avantgardistischer und experimenteller Weise zu. Es war ein Ausprobieren dessen, was möglich ist – gerade in der Form eines täglichen Fortsetzungsromans in der Zeitung. Man wird den Roman nicht als großes Werk erinnern, aber er bleibt interessant als Experiment für eine Literatur, die »Waffe im Klassenkampf« sein sollte.

Spannend finde ich daran, dass in dem Roman auch die Arbeitsabläufe der Zeitungsproduktion beschrieben werden, und am Schluss besuchen die Romanfiguren gar eine Redaktionskonferenz, bei der sie ihr eigenes Schicksal erzählen sollen. Lesenswert ist auch das im Buch enthaltene Interview mit Jürgen Kuczynskis Sohn, Thomas Kuczynski.

OLECTIV, K.: Die letzten Tage von...

[...]

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022601932/

Weiterlesen

Binet: Die siebte Sprachfunktion

Leider hinter der Paywall versteckt veröffentlicht die FAZ heute eine Rezension des von Laurent Binet verfassten Romans Die siebte Sprachfunktion, laut FAZ eine witzig-respektlose Wissenschaftssatire und ein Sittenbild des intellektuellen Frankreichs Anfang der Achtziger. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass der tödliche Unfall Roland Barthes 1980 ein Mord war, woraus sich ein Dekonstruktionsroman entwickelt, der viele Spuren legt und sich dabei als pointenreicher Theorietransfer erweist.

Binet, Laurent: Die siebte Sprachfunktion. Reinbek: Rowohlt, 2016. [Verlags-Info]

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022599448/

Weiterlesen

Von der Nummerierung in Utopien

Der Wohleingerichtete Staat, 1699 erschienen, gilt als die erste deutschsprachige, als Monographie publizierte Utopie und beschreibt die gemäß dem anonymen Autor vorbildhaften Verhältnisse auf der Insel Ophir:1 Den Anfang macht eine recht langatmige Schilderung der Fürstenerziehung, wir erfahren, dass Reisende verpflichtend Berichte über ihre Reise abliefern müssen (S. 309), Juden streng überwacht werden, die Gassen „rein und sauber gehalten“ werden müssen und darin „keine Löcher gelassen“ werden dürfen (S. 382f); die Gastwirte agieren auch als Spitzel (S. 435 f), die BewohnerInnen jedes Dorfs müssen ihre je eigene, an eine Uniform („Soldaten-Habit“) gemahnende dorfspezifische Einheitskleidung tragen (S. 448) – Trachten konnten also schon im 17. Jahrhundert als erfunden imaginiert werden.  Kurzum, die Utopie des Wohleingerichteten Staats liefert – ohne dass irgendeine spannungsfördernde Handlung vorkäme – ein Panorama dessen, was um 1700 als gutes Regieren gilt

An zwei Stellen findet in diesem Buch der Einsatz der Kulturtechnik der Nummerierung Erwähnung; einmal soll sie verwendet werden, um die Tätigkeit der Advokaten effizienter zu gestalten:

Die Advocaten müssen nur in Schrifften verfahren / und ihre Sätze in gewisse Numeros eintheilen / und auch die Seiten numeriren / und dieselbe / wie alles / versiegelt eingeben / dürffen auch nicht / was in einer Schrifft befindlich / in der andern wiederholen / sondern sich nur bloß wenn es nöthig / mit Anführung des numeri und der Seite darauf beziehen;2

Es wäre zu überprüfen, wie weit die hier beschriebenen Praktiken Ende des 17.

[...]

Quelle: https://nummer.hypotheses.org/255

Weiterlesen

Wholly Communion

Gestern Abend habe ich mir im Centre Pompidou die Ausstellung Beat Generation gegeben, durchaus sehenswert, und vor allem hat sie mich wieder an die unglaubliche Dichterlesung in der Royal Albert Hall am 11. Juni 1965 erinnert, der im Dokumentarfilm Wholly Communion nachgesehen werden kann. Dort trat nicht nur Allen Ginsberg vor einem frenetischen Massenpublikum auf, sondern auch Ernst Jandl - höchste Empfehlung: https://youtu.be/jS74c-VfxtI?t=3m28s

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022588017/

Weiterlesen

Wu Ming: Altai nun auf Deutsch erhältlich

Dank der Beilage des heutigen ND (Paywall) weiss ich nun, dass bei Assoziation A seit kurzem der Nachfolgeroman des famosen Q auf Deutsch verfügbar ist:

Wu Ming: Altai. Berlin/Hamburg: Assoziation A, 2016. (Verlags-Info)

Ankündigung:

Venedig 1569. Eine gewaltige Detonation erschüttert die Nacht, der Himmel lastet rot auf der Lagune. Das Arsenal, die Werft der Serenissima, steht in Flammen, die Jagd auf die Schuldigen wird eröffnet. Manuel Cardoso, ein konvertierter Jude, wird zu Unrecht verdächtigt und dient als Sündenbock. Durch Flucht kann er sich dem Zugriff entziehen und gelangt über Ragusa und Thessaloniki nach Istanbul.

Hier, im Zentrum des Osmanischen Reiches, lernt er Joseph Nasi kennen, Spross einer sephardischen Bankiersfamilie und herausragende Persönlichkeit der Renaissance. Nasis Familie wurde aus Spanien und Portugal vertrieben, ließ sich in Antwerpen und später Venedig nieder, ohne den Nachstellungen der Inquisition entgehen zu können. Vor dem Hintergrund einer kollektiven Verfolgung organisierte sie ein gigantisches Fluchthilfenetzwerk, um die verfolgten Juden in Sicherheit zu bringen.

[...]

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022585039/

Weiterlesen

Erschiessen wir die Nacht! Rezension einer Auswahl von Roque Daltons Gedichten

Tina Leisch hat vor drei Jahren einen wunderbaren Dokumentarfilm über Roque Dalton gedreht (vgl.) und in der Folge gemeinsam mit Erich Hackl eine Auswahl der Gedichte des El Salvadorianischen Schriftstellers und Revolutionärs herausgegeben; der Band wird nun von Literaturkritik.de rezensiert.

Dalton, Roque: !Fusilemos la noche! Erschießen wir die Nacht! Gedichte. Mit DVD. Klagenfurt/Celovec: Edition Meerauge, 2015.

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022556361/

Weiterlesen

Dietmar Daths Hörspiel „Die Magnetin“ auf Ö1

Morgen (15.3.2016, 21:00-22:00) sendet Ö1 die SWR-Produktion Die Magnetin von Dietmar Dath (Text) und Thomas Weber (Musik), ein Hörspiel mit recht abgefahrener Beschreibung:

Liebe ist sowieso nichts Irdisches, man kann sich also auch gleich in eine Göttin verlieben wie in diesem Hörspiel. Prod. SWR 2015

Die Schwierigkeiten, die man sich so einhandelt, verlangen, dass man mit dem dritten Ohr hinhört - und wenn das Ewige auf Sendung geht, wird jeder Ton zum Segen, jeder Sound zum Gebet.
Drei Personen, zwei diesseitige, eine jenseitige. Die Unterschiede sind glasklar: Das Jenseits ist eine Frau. Die beiden Männer, die man ebenfalls sofort unterscheiden kann, weil der eine jung und ungeduldig ist, der andere alt und listig, scheinen klar verteilte Positionen einzunehmen: Kunde und Dienstleister, Suchender und Priester, Kranker und Arzt. In Wirklichkeit benutzt der eine den andern, und zwar im Auftrag des Jenseits. Drei gegen einen: Die vierte Figur in diesem Hörspiel ist die Musik persönlich, und am Ende ist sie es, die zeigt, dass Lügen religiös reichhaltiger und wichtiger ist als Beichten.

[...]

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022552248/

Weiterlesen

Radio Orange-Interview mit Nanni Balestrini

Herbert Gnauer hat für seine Sendung Radio Dispositiv Nanni Balestrini interviewt:

Nanni Balestrini ist Schriftsteller, bildender Künstler und politischer Aktivist. In einem seiner bekanntesten Romane 'Wir wollen alles' (Vogliamo tutto) schilderte er die Ende der 1960er Jahre im Turiner FIAT Werk stattgefundenen Auseinandersetzungen und Kämpfe. Aber auch experimentelle Lyrik spielt bei ihm eine wichtige Rolle. Anlässlich einer Ausstellung in der Galerie Wechselstrom, die von einer Performance in der nahegelegenen Kulturtankstelle flankiert wurde, war er zu Besuch in Wien. Im Interview sprach er über sein Leben, seine Arbeit, analyisierte politische Ereignisse und Entwicklungen. Ernst Kanitz vom italienischen Kulturinstitut sorgte für virtuose Übersetzung.

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022532056/

Weiterlesen
1 2 3 11