Wolodymyr Jermolenko, Jg. 1980, ist seit November 2022 Präsident des Ukrainischen PEN-Clubs. Er zählt zu den international gehörten ukrainischen Intellektuellen. Er absolvierte u.a. die Central European University, in seiner Dissertation (PhD 2009) befasste er sich mit Walter Benjamin. In einer zweiten politikwissenschaftlichen Dissertation (Paris 2011, EHESS) verglich er „Zwei Epochen der konterrevolutionären Philosophie: Das konterrevolutionäre Denken in Frankreich (1789–1830) und in Russland (1905–1939)“. In der Ukraine ist er zivilgesellschaftlich engagiert, u.a. sammelt er Gelder, mit denen Fahrzeuge für die Armee erworben werden können.
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Die Entorbanisierung Ungarns seit dem 12. April 2026
Am 12. April 2026 wurde die Regierung Orbán abgewählt, Fidesz verlor die Wahlen. Die Partei Tisza errang eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Péter Magyar, der erst 2024 Fidesz den Rücken gekehrt hatte, wurde am 9. Mai 2026 zum neuen Premierminister gewählt. Am 12. April hieß es in Ungarn und in der EU: „Ungarn hat Europa gewählt“. Magyar hatte einen klaren pro-EU Wahlkampf geführt. Dessen ungeachtet ist er ein konservativer Politiker, der sich mit der Agenda einer diskriminierungsfreien Gesellschaft, wie es Art. 2 des EU-Vertrags und dem darauf aufbauenden EU-Recht entsprechen würde, schwer tut.
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Quelle: https://wolfgangschmale.eu/2026/08/13/die-entorbanisierung-ungarns-seit-dem-12-april-2026/
EU: Gemeinsame Erklärung „Europa für Kultur – Kultur für Europa“
Worum es geht
EU-Kommission, Rat und Europäisches Parlament haben am 18. Juni 2026 eine gemeinsame Erklärung unter der Überschrift „Europa für Kultur – Kultur für Europa“ verabschiedet. Die Erklärung stellt lediglich den jüngsten politischen Schritt hinsichtlich des für die EU-Politik immer zentraler werdenden Felds „Kultur“ dar. Vorangegangen sind u.a. die „Europäische Kulturagenda im Zeichen der Globalisierung“ (2007) und die „Neue Europäische Agenda für Kultur“ (2018 – Europäisches Kulturerbejahr). Die Betrachtungsfelder wurden systematisch erweitert, von Identität und Vielfalt zu Wirtschaft und Gesellschaft und nun zur zentralen Strategie der EU.
Im Dokument geht es darum, was die EU – die nicht nur in diesem Dokument als Synonym für Europa steht – zur Förderung der Kultur und Kulturschaffenden zu tun beabsichtigt, aber vor allem darum, wie Europa von „seiner“ Kultur politisch, ökonomisch, international und generell strategisch profitieren kann.
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Eriwan: Zwei Tage Europas Hauptstadt. Armenien und EU nähern sich an
Am 4. und 5. Mai 2026 stand Armenien im Mittelpunkt des EU-Geschehens: Es wurde ein EU-Armeniengipfel abgehalten (am 5. Mai 2026), außerdem fand in der armenischen Hauptstadt Eriwan das diesjährige Treffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) statt (4.Mai 2026).
Der EPG gehören die 27 EU-Mitgliedsstaaten an, weitere 17 nicht Staaten, darunter Armenien, Aserbaidschan und die Türkei. Dazu geladen waren Kanada, die NATO, der Europarat und weitere Organisationen wie die OSZE. Die EPG geht auf eine Anregung des französischen Präsidenten aus dem Jahr 2022 zurück.
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Quelle: https://wolfgangschmale.eu/2026/05/07/eriwan-zwei-tage-europas-hauptstadt/
Ungarn hat Europa gewählt?
Ungarn hat Europa gewählt. Vielleicht. Jedenfals: Viktor Orbán und seine Partei Fidesz wurden am 12. April 2026 in die Opposition geschickt, Péter Magyar und seine Partei Tisza erreichten eine Zweidrittelmehrheit im Parlament – und damit die Verfassungsmehrheit.
Nachdem Orbán im Wahlkampf immer aggressiver gegen die EU auftrat und die Ukraine-Hilfen, insbesondere einen Kredit über 90 Milliarden Euro, blockierte, wurde in Brüssel und vielen Hauptstädten Europas aufgeatmet.
Magyar ist politisch und gesellschaftlich national und konservativ eingestellt, aber er hat im Wahlkampf immer wieder ein Bekenntnis zu Europa abgelegt. Dies hat die Mehrheit der Wähler*innen mehr überzeugt, als Orbáns Verschwörungstheorien und Aggressivität.
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Quelle: https://wolfgangschmale.eu/2026/04/14/ungarn-hat-europa-gewaehlt/
Die Resolution 80/250 der Generalversammlung der Vereinten Nationen vom 25. März 2026 zum „Sklavenhandel mit versklavten Afrikaner*innen und zur rassistisch motivierten Versklavung von Afrikaner*innen als schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit“
Inhalt:
Chronologie: Sklavenhandel und Versklavung als Thema der Vereinten Nationen
Der Inhalt der Resolution 80/250
Kommentar zur Resolution: Wege zu Dekolonialität
Abstimmungsverhalten zur Resolution 80/250
Verwandte Blogeinträge im Europablog
[1] Am 25. März 2026 verabschiedete die Generalversammlung (=GV) der Vereinten Nationen die Resolution 80/250: „Declaration of the Trafficking of Enslaved Africans and Racialized Chattel Enslavement of Africans as the Gravest Crime against Humanity“. Der 25. März war kein zufälliges Datum: Am 17. Dezember 2007 hatte die GV die Resolution 62/122 verabschiedet, die den 25. März als „International Day of Remembrance of the Victims of Slavery and the Transatlantic Slave Trade“ festlegte.
Chronologie: Sklavenhandel und Versklavung als Thema der Vereinten Nationen
[2] Die Resolution bezieht sich auf eine große Zahl von Dokumenten der Vereinten Nationen, beginnend mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948. Weiters werden stützend zitiert: International Covenant on Civil and Political Rights (1966); International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights (1966); International Convention on the Elimination of All Forms of Racial Discrimination (1966); Durban Declaration and Programme of Action (2001).
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Tag der Demokratiegeschichte
In Deutschland wurde am 18. März 2026 erstmals der „Tag der Demokratiegeschichte“ begangen. Die Schirmherrschaft lag beim deutschen Bundespräsidenten, der Deutsche Bundestag war beteiligt, es gab ein recht umfassendes Medienecho, an rund 250 Orten wurden Veranstaltungen – über den 18.3. hinaus – durchgeführt, und einen Wikipedia-Artikel gab es auch schon. Treibende Kraft war/ist die (Bundes-)Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte. Über die Aktivitäten des Tages selbst sowie der nachfolgenden berichtet eine eigene Seite: https://tag-der-demokratie-geschichte.de/.
Der Tag der Demokratiegeschichte
Die Stiftung titelt in Fettdruck: „Wir feiern die Geschichte unserer Demokratie!
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Quelle: https://wolfgangschmale.eu/2026/03/19/tag-der-demokratiegeschichte/
Kanada als 28. Mitglied der EU? Die Rede Mark Carneys auf dem Weltwirtschaftsforum Davos
Will Kanada 28. EU-Mitglied werden? Der kanadische Premierminister Mark Carney zeigte in seiner vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos, 20. Januar 2026, gehaltenen Rede Europa einen in der aktuellen Situation der Liquidierung des nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebauten internationalen Systems gangbaren Weg auf. Es handelt sich inhaltlich um eine Europa-Rede – mit Kanada als Motor.
Kanada als Motor auch für die EU
[1] Mark Carneys Rede vom 20. Januar 2026 vor dem Weltwirtschaftsforum Davos beschäftigt die Medien auch drei Wochen später noch, und das mit Recht. Er zeigt nicht zuletzt Europa einen in der aktuellen Situation der Liquidierung des nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebauten internationalen Systems gangbaren Weg auf. Es handelt sich inhaltlich um eine Europa-Rede – mit Kanada als Motor.
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Quelle: https://wolfgangschmale.eu/2026/02/11/eu-und-kanada-mark-carney/
Europa Regina II
Europa als Herrscherin der Welt nach den Vorstellungen des Heinrich Ludwig Gude (1708) in den „Rengerische Staaten“
Der Kontrast zwischen den üblichen frühneuzeitlichen allegorischen Darstellungen Europas als Regina Mundi und der heutigen geopolitischen Minderbedeutung Europas könnte kaum größer sein. Im Jahr 2026 drängt sich der Vergleich spontan in die Betrachtung solcher historischer Bildquellen hinein. Aber weder gibt es Anlass zu Nostalgie mit Blick auf die Europa Regina noch zu einer neuen Machtrhetorik im Fahrwasser der Autokraten der ersten Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts, vielmehr bleibt die kritische postkoloniale Perspektive die richtige.
Die „Einleitung zu den Europäischen Staaten Und Derselben Beschluß“ (1708)
[1] Bei dem hier zum Anlass genommenen Bild handelt es sich um den Frontispiz einer lediglich 82 Seiten umfassenden Schrift unter dem Titel „Einleitung zu den Europäischen Staaten Und Derselben Beschluß“. Sie erschien 1708 im Verlag Rengerische Buchhandlung, die in Halle a.d.S. ansässig war.
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Quelle: https://wolfgangschmale.eu/2026/02/02/europa-regina-ii/
Die „Europa-Rede“ Wolodymyr Selenskyjs auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos
Am 22. Januar 2026 hielt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Rede vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Rede liefert eine Tour d’horizon aktueller Konflikte – Grönland, Iran, der russische Krieg gegen die Ukraine etc. – und arbeitet zu jedem Konflikt aus Sicht des Präsidenten die jeweilige Schwäche Europas heraus. In gewissem Sinn ist es eine Europa-Rede.
Selenskyjs Kritik an Europa
Kurz zusammengefasst lauten die Kritikpunkte wie folgt: Er, Selenskyj, habe schon 2025 auf dem Davoser Forum gesagt, Europa müsse lernen, sich selbst zu verteidigen, aber nichts sei passiert. 2026 stehe er wieder hier und müsse dasselbe feststellen, doch warum laufe das so?
Es laufe deshalb so, weil (unvermeidlich) andauernd etwas passiere und Europa immer ratlos sei.
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