Buchbesprechung: Die Totengräber. Der letzte Winter der Weimarer Republik

Kürzlich beendete ich die Lektüre des neu erschienenen "Die Totengräber: Der letzte Winter der Weimarer Republik" von Rüdiger Barth und Hauke Friederichs. Das Buch beschreibt die Ereignisse von der Regierungsübernahme Kurt von Schleichers im November 1932 bis zur "Machtergreifung" Hitlers am 30. Januar 1933. Um diese Periode zu veranschaulichen, bedient sich das Werk der für historische Betrachtungen eher ungewöhnlichen Darstellung, die Ereignisse chronologisch und Tag für Tag aus der Sicht der jeweilig handelnden Personen aufzuzeigen. Jeder Tag der Kanzlerschaft Kurt von Schleichers, der so etwas wie der Hauptcharakter dieser Schilderung ist, ergibt so ein Kapitel, und jedes dieser Kapitel wird von zwei Schlagzeilen eingeleitet, die in einer der großen Zeitungen dieser Epoche tonangebend waren, meistens die Vossische Allgemeine, der Völkische Beobachter, der Vorwärts und die Rote Fahne (Abonnenten des Zeitungszeugen-Projekts dürften zumindest einige dieser Organe durchaus bekannt sein). Das so entstehende Produkt liest sich komplett anders als praktisch jede andere Historiographie zur Epoche. Ob der Ansatz gewinnbringend ist, soll die folgende Rezension zeigen.


[...]

Quelle: http://geschichts-blog.blogspot.com/2018/08/buchbesprechung-die-totengraber-der.html

Weiterlesen

Filmbesprechung: Fury (Herz aus Stahl) – Orks in SS-Uniformen

April 1945. Deutschland steht kurz vor der Niederlage. Für die Besatzung des Sherman-Panzers "Fury" unter ihrem Kommandaten "Wardaddy" (Brad Pitt) ist oberste Priorität, den Krieg zu überleben, doch die überlegene Technik der deutschen Panzer macht jedes Gefecht zum Himmelfahrtskommando. Als der Hilfsfahrer getötet wird, braucht die Besatzung Ersatz. Die Besatzung grüßt den Neuling, Norman (Logan Lerman) nicht gerade mit großem Enthusiasmus. Sie befürchtet, dass er sie auf die letzten Tage noch alle umbringen wird...

Es gibt nicht gerade eine große Menge Kriegsfilme über Panzerbesatzungen; allein das macht "Fury" (deutsch: Herz aus Stahl) zu einer Besonderheit. Und was man von Anfang an loben muss: Brad Pitts verdreckte Panzercrew macht uns die Enge in dem Stahlgefährt deutlich und erinnert teilweise an "Das Boot". Hier enden die Parallelen zwischen dem gelobten Anti-Kriegsfilm der 1980er Jahre und "Fury" allerdings schon. Denn obwohl die Produktionswerte des Films wenig zu wünschen übrig lassen und die Kämpfe spektakulär in Szene gesetzt sind, ist die Geschichte selbst zwischen "fragwürdig" und "völlig lächerlich" gefangen, mit einigen starken Szenen zwischendrin. 

Erschöpfte Fury-Besatzung
Der Film öffnet mit einer grau-in-grau-Stimmung einer erschöpften Armee. Die amerikanischen Truppen die wir hier zu sehen bekommen sind verroht, zynisch und völlig verbraucht und wollen eigentlich nur noch, dass der Krieg endet. Sie haben weder Empathie für ihre Kameraden noch für Zivilisten mehr übrig. Der Umgangston der Fury-Besatzung untereinander - trotz aller Kameradschaft - ist rau und aggressiv. Trotzdem fühlt sich das Setting so eher deplatziert an. Diese US-Army scheint eher die Wehrmacht von 1945 zu sein, während ihre Kontrahenten der US-Army ähneln. Die Amerikaner haben zu wenig Material und zu wenig Soldaten, so dass sie sogar den Sekretär als Panzerfahrer rekrutieren müssen. Dieses Szenario wäre vielleicht für "Market Garden" zu verkaufen gewesen, aber im April 1945 ist es schwerlich als Gesamtbeschreibung der alliierten Armee vorstellbar, wird aber als solche verkauft. 

Wir begleiten die Fury-Crew dann zu einem Einsatz gegen Hitler-Jungen und Volkssturmsoldaten. Hier stimmt der Ton eher - die Hitlerjugend legt einen selbstmörderischen Hinterhalt mit Panzerfäusten, und das Zögern des unerfahrenen Neulings kostet einen Panzer samt Besatzung. Entlang der Straße finden die Amerikaner später gehängte Deutsche mit Schildern um den Hals, etwa "Ich wollte meine Kinder nicht für Deutschland kämpfen lasssen" oder "Feigling" und Ähnliches. Auch diese Stimmung passt, und die Verrohung der Soldaten, deren einzige Reaktion ist, den Kampf Deutscher gegen Deutsche als Erleichterung ihrer Arbeit zu begrüßen, ist durchaus glaubhaft. Gleichzeitig wird hier aber bereits die Grundlage für spätere Probleme gelegt: verantwortlich für die Massaker ist die SS, die uns als die richtig bösen, harten Elitetruppen vorgestellt werden. 

The Greatest Generation in action
Zuerst einmal aber verüben die Amerikaner nun Kriegsverbrechen an der überrannten Feindstellung. Panzerkommandant Wardaddy zwingt Norman, der unfähig ist auf die deutschen Soldaten zu schießen, einen Gefangenen zu ermorden, der verzweifelt versucht, mit Bildern seiner Familie Mitleid zu erwecken, was bei keinem einzigen anwesenden GI gelingt. Soweit erinnert die Szenerie an die Kriegsverbrechen der alliierten Landung in der Normandie aus "Der Soldat James Ryan", aber genau wie dort verlaufen sie als Hintergrundrauschen im Sande, zeigen nur die Verrohung und Brutalität des Krieges ohne die Frage aufzuwerfen, was eigentlich Recht und Unrecht im Kriege noch für eine Bedeutung haben. Schlimmer noch: Das Kalkül des Kommandten, den Neuling quasi im Schnelldurchlauf zum Soldaten zu machen, geht auf. Ab sofort bedient er das MG, wie er es sollte, und passend zum Erkenntnisgewinn laufen ihm ab sofort keine Volkssturmmänner und Jugendliche mehr vor die Flinte, sondern die böse Waffen-SS. Der Film rutscht auf dem eigenen moralischen Morast aus und sinkt. 

Mit eine der stärksten Szenen erlebt der Film nach der Einnahme einer kleinen Stadt (und der Ermordung eines gefangenen SS-Offiziers, für dessen Verbrechen gegenüber der deutschen Bevölkerung sich die Amerikaner plözlich doch interessieren). Während die Soldaten überall mehr oder weniger freiwillige Frauen prostituieren, quartiert sich der Kommandant mit dem Neuling bei zwei schönen Damen (Emma und Irmgard) ein, um sich zu waschen und einige Spiegeleier zu essen. Erneut halb freiwillig lässt er dann Norman und Emma miteinander schlafen. Die Situation eskaliert jedoch, als die anderen Panzerfahrer kommen und aus unklaren Gründen versuchen, die halbwegs zivilisierte Situation zu zerstören. Dass im ganzen Film völlig unklar bleibt, warum die Männer sich benehmen wie sie sich benehmen ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Die Besatzung bleibt uns fremd, ihre Traumatisierung durch den Krieg macht sie unberechenbar, unangenehm und gefährlich, gerade auch für Norman, der die Identifikationsfigur des Publikums bildet.

Sherman gegen Tiger
Nach einem deutschen Artillerieüberfall auf die Stadt stirbt Emma, und die Besatzung zieht weiter. Mit fünf weiteren Shermanpanzern laufen sie in einen Tiger-Kampfpanzer, und ein verzweifeltes Gefecht entbrennt, in dessen Verlauf es "Fury" gelingt, den Tiger auszuschalten - alle anderen Panzer werden aber abgeschossen. Während die Überlegenheit des Tiger gegenüber dem Sherman zu den wohl bestbekanntesten technischen Fakten des Zweiten Weltkriegs gehört, stellt die Szene den stimmungsmäßigen Problemfall des Films erneut stark heraus: die Vorstellung, dass eine technologisch und taktisch überlegen deutsche Armee die wenigen Amerikaner vor gewaltige Herausforderungen stellt gibt gutes Heldenkino her, gewiss. 

Gleichzeitig ist sie aber furchtbar ahistorisch. 1945 waren an der Ostfront insgesamt 12 Tiger im Einsatz, die zudem bereits technisch veraltete waren. Die allgegenwärtige Furcht der Amerikaner, in einen solche hineinzurennen, ist ebenso unrealistisch wie eine Elitearmee der Waffen-SS, die noch voll einsatzfähig ist. Stattdessen sind gerade die Waffen, die am ehesten eine Bedrohung darstellen - Pak, Panzerfäuste und Minen - merkwürdig harmlos. Insgesamt ist diese Schlacht aber spannend gefilmt und inszeniert, und am Ende sind die erschöpften Soldaten viele ihrer Kameraden los. Eigentlich sollte mit der Niederlage des Tigers der Weg nun frei sein. Würde der Film nun enden, wäre er trotz der Probleme mit dem Finden des richtigen Tons insgesamt noch ein passabler Anti-Kriegsfilm, der die Traumatisierung, Erschöpfung und Verrohung der Truppen aufzuzeigen weiß. Leider fängt an dieser Stelle ein komplett neuer Film an, und der wirkt eher so, als ob der Sherman nun nach Helms Klamm teleportiert worden wäre und dort Horden von angreifenden Orks - für Rohan! - abwehren muss. Zur besseren Freund-Feind-Erkennung tragen die Orks hier SS-Uniformen. 

Angriff auf Helms Klamm
Fury läuft auf eine Mine und bleibt liegen. Eine Reparatur erscheint möglich, aber Norman (der plötzlich über die Fähigkeit der Raum-Zeit-Verzerrung verfügt, die feindliche Truppen genau so schnell marschieren lässt wie nötig um eine Rede zu halten) erspäht eine Abteilung SS-Soldaten, die genau auf sie zukommt, um die 100 oder 200 Mann, mechanisiert. Die Soldaten tragen alle brandneue Uniformen, sind ausgerüstet als ob immer noch Juni 1941 wäre und marschieren singend die Straße entlang. Der Liedtext? "SS marschiert", vorgetragen in einer Tonlage, die Verwechslung mit den Kriegsschreien der Orks aus dem "Herr der Ringe" problemlos ermöglicht. Der Film ist jetzt solide in lächerlichem Territorium. "Wardaddy", der bislang den Film damit verbrachte zu erklären, dass es "mein Job ist, die Jungs sicher nach Hause zu bringen" beschließt nun aus heiterem Himmel "dieser Panzer ist mein zuhause" und den liegengebliebenen Sherman gegen die Masse der Waffen-SS zu verteidigen. Natürlich beschließen die anderen, mit ihm für die Blechbüchse zu sterben. Dieser Wandel passt so wenig zu allem was vorher kam und ist so wenig erklärt, dass es ein völlig misstönender Effekt ist. 

Was dann folgt ist eine rund zwanzigminütige Schlacht gegen eine mehr als fünfzigfache Übermacht in einem bewegungsunfähigen Panzer. Die amerikanischen Soldaten tragen plötzlich Plotrüstung, und die tausenden von Kugeln, die in ihre Richtung abgeschossen werden, treffen schlicht nicht, während sie die SS-Orks im Dutzend billiger töten. Wenn dann die Panzerbesatzung doch langsam Mann für Mann erledigt wird (meist nachdem die jeweilige Waffe keine Munition mehr hat), braucht es mehrere Treffer in Zeitlupe mit epischen Todesszenen. Allein Brad Pitt wird mehrfach getroffen, tötet noch mehrere Männer und wird zusammen mit einem Kamerad und Norman im Panzer eingeschlossen. Eine Handgranate, die in den Panzer geworfen wird explodiert nicht, bis Wardaddy sich von Norman verabschiedet, die soldatische Männlichkeit attestiert und ihn durch eine Bodenklappe in den Matsch unter dem Panzer entlassen hat. Dort wird Norman von einem SS-Soldaten gesehen, der ihn aber leben lässt - ein bemerkenswerter Kontrast zu dem Mord an dem Kriegsgefangenen zu Beginn, an den sich aber irgendwie niemand mehr zu erinnern scheint. 

Wenig Ehre, aber umso mehr Glory und War
Gereift und als echter Soldat kann Norman dann, einsamer Überlebender, am nächsten Tag von der US-Army aufgelesen werden. Die fünf Mann Besatzung des Sherman-Panzers hat mit einem bewegungsunfähigen Gerät sicherlich 150 Elitesoldaten getötet, die in Welle um Welle den Panzer angriffen, als wollte man den sowjetischen Angriff in Stalingrad aus "Duell - Enemy at the Gates" nachstellen. Die ganze Szenerie ist so absurd, dass man lachen und schreien zugleich mag. 

"Fury" kann daher nur als gescheitert betrachtet werden. Der Tonfall bleibt völlig dissonant, interessante moralische Ambivalenzen werden einfach fallengelassen und verkommen zu einem Hintergrundrauschen. Eine Entscheidung darüber, ob man einen Kriegsfilm oder Anti-Kriegsfilm machen will trifft man einfach nicht und macht stattdessen beides auf einmal. Historisch genau ist der Film auch nicht; dazu wird wesentlich zu freizügig mit bekannten Bildern gearbeitet, um diese in den Dienst des verworrenen Narrativs zu stellen. Es gibt daher besseres, was man mit seiner Zeit anfangen kann. 



Quelle: http://geschichts-blog.blogspot.com/2015/04/filmbesprechung-fury-herz-aus-stahl.html

Weiterlesen

Der Erste Weltkrieg als Spiel: Valiant Hearts

Crosspost von The Nerdstream Era. 

Can you make a game about World War I? An adventure game, no less? Ubisoft tried its hand at it. The result is a game called "Valiant Hearts", built on the Rayman2-engine, that was released end of June. The concept is a daring one: You experience the first World War from the perspective of an aging French conscript, Emile, his German son-in-law, Karl, a Belgian nurse, Anna, and an American volunteer, Freddy. The game jumps between these characters as they meet and advances three years through the war. The question remains, though - is it possible to adequatly convey the horrors of the war in a comic-style adventure game? The answer is Yes, at times. 


Emile is a farmer in France, whose German farmhand, Karl, has a little son with his daughter Marie. When the war breaks out, Karl is thrown out of France and conscripted in the German army, while Emile is conscripted in the French one. Emile meets Freddy, an American who volunteered into the French army to avenge the death of his French wife, killed by the evil Baron von Dorf. Anna's father, a scientist, was abducted by von Dorf to develop new and deadly weapons. Through the events of 1914-1917, the characters are drawn together and seperated by the waving fortunes of war. 
Strong art doesn't require dialogue
The gameplay is pretty simple: you command your figure to move left or right, hit objects with your fist or shovel, and interact with other objects. In many levels, you can also command your dog companion to fetch items or pull levers. You can always carry exactly one item, which can also be thrown. The levels either require you to solve a series of simple puzzles most of the time involving machinery with gears and levers or to escape death in equally simple reaction games. Clearly, the gameplay isn't the core of the game and serves more to transport a certain mood or plot. 
Press Space to cut wire.
For example, when the Germans first use Chlorin Gas in 1915, Emile needs to find the underground machine pumping it out, redirecting the vents so the gas is blown at the Germans. When Anna patches someone up, you have to push keys in a quick succession as to complete the healing process. In one level, you drive a tank and have to shoot at mines and planes before they hit you. Anna, commandeering a civilian car, has to evade roadblocks and enemy by driving left or right at the right time.

Just like the real thing.
The focus, therefore, lies on the narrative. There is no spoken dialogue and only occasional voice-over narration. The game instead relies on gibberish sounding French, German or English, with the occasional real words thrown in between, and the bubbles over the characters heads with symbols depicting what to do. An officer, for example, might shout at you with an arrow to the right in the bubble over his head, so you know you have to walk right. This becomes a tad more complex when you get instructions on what puzzle to solve, but it never really gets anywhere near "difficult". 
I guess he wants me to oil the dog.
The style of the graphics is very comic-y, obfuscating the eyes of the characters and pronouncing their torsos and heads over the lims, creating a very distinct style. It serves the scenario well enough, and the engine is able to convey colorful towns as well as the bleak mud stretches of the trenches. The music is also very underplayed, supporting rather than dominating the scenery. When in the trenches, you often see soldiers collapsed, dead, wounded or looking absently into the void. This creates a very vivid and depressing image of the trenches despite the seemingly jolly art style, a cognitive dissonance that is very welcome. There are also lighter scenes, like soldiers celebrating in town. 
Not a light scene.
These stylistic decisions work best for Emile's and Karl's storylines. Anna never gets to the trenches, instead raoming the countryside and aiding soldiers of both sides as necessary. The most tonally off sequences involve Freddy and Baron von Dorf. Both are totally over the top (especially von Dorf's ludicrous arsenal of super weapons that belongs more into the Indiana-Jones-Nazi-variety) and don't really fit tonally. Their storyline is also ended at about two-thirds in the game in an abrupt and entirely unexplained turn of events that seems very unfinished. Freddy's superhero-antics mercifully stop then, making more room for the more realistic feeling of Karl and Emile, whose personal story is much more touching than Freddy's.

Defeating von Dorf's Zeppelin, one handgrenade at a time
It is in these moments that the dissonance of tone becomes a much bigger, more disrupting. It is then not the First World War anymore, but some kind of fantasy land more reminiscent of "Tannhäuser" than of the reality. These parts of the game should have better been excluded in favor of more Emile and Karl. 
Shamelessly abusing a dog for emotional value.
In its strong moments, however, the game can really touch you and convey the feeling and hopelessness of the war. In one of the last sequences, for example, Emile takes part in the Neville offensive, one of the biggest and most futile bloodbaths in the war. You have to go through a sheer endless variance of trenches, survive bombardements and MG fire, without any objective that would make any sense. The officer just commands you to go on as your comrades die around you. The whole loss of purpose is masterfully captured in this sequence (which ends in the soldier's mutiny). Another strong scenario involves the tunnel warfare where Emile rescues a German soldier, has to solve some puzzles with him (that require two people) and is then rescued by him, only to be forced to kill him later. 
Dying for the fatherland in 2D.
On the other hand, scenarios like the capture of Fort Douamont are too focused on the bravery of the soldiers and drip of pathos. The same is true for much of the voice-overs. The developers were too hesitant of making a true anti-war-game, trying to have it both ways. This is almost certainly better for sales, and if it is the price to educate the youth about this conflict, I guess we have to be willing to pay it. But it stands in the way of true artistic greatness, since it continually diminishes the message of the stronger, more emotional sequences. 
No wonder when you have villains like this.
In the end, though, I can only recommend the game. It has its flaws, but it's a brave experiment that needs to be rewarded and is generally touching and even entertaining most of the time. Plus, there isn't exactly a host of World War I games laying around.

Quelle: http://geschichts-blog.blogspot.com/2014/07/der-erste-weltkrieg-als-spiel-valiant.html

Weiterlesen

Buchvorstellung: E. Künzl, Die Thermen der Römer (Stuttgart 2013)



Die aktuelle Ausgabe von "Der Limes. Nachrichtenblatt der Deutschen Limeskommission" (2013, 7/2, S.39) enthält eine Buchvorstellung zu E. Künzl, Die Thermen der Römer (Stuttgart 2013).

Das Rezensionsexemplar und die Coverabbildung wurden mir freundlicherweise vom Konrad Theiss Verlag überlassen, wofür ich mich herzlich bedanke.


Abb. Konrad Theiss Verlag

Quelle: http://provinzialroemer.blogspot.com/2013/11/buchvorstellung-e-kunzl-die-thermen-der.html

Weiterlesen

Buchbesprechung: Why Nations Fail

Von Stefan Sasse

"Why nations fail" verspricht bereits im Titel eine umfassende Gesamtanalyse. Große Theoriegebäude, die den Anspruch haben Erklärungen für politische Phänomene quer durch die Jahrhunderte und Kontinente zu bieten sind seit Karl Marx etwas aus der Mode gekommen, aber Daron Acemoglu und James A. Robinson unternehmen genau das. Das Ergebnis überzeugt, vor allem deswegen, weil die Theorie, die sie entwerfen, relativ simpel ist und nur ein Fundament für folgende Detailstudien bietet. In ihrer Erklärungskraft aber ist sie beeindruckend und verdient mindestens eine tief gehende Betrachtung. Die Autoren gehen in ihrem Buch dabei so vor, dass sie ihre Theorie kurz skizzieren und dann anhand zahlloser, meist historischer Beispiele empirische Evidenz zu schaffen versuchen. Die Frage, um die sich alles dreht, ist dabei die folgende:
Im 15. Jahrhundert war der Prosperitätsunterschied in allen Regionen der Erde nicht besonders groß - selbst Menschen im Kongo genossen mindestens 25% des Lebensstandards in Europa. Heute liegt diese Schere bei einem Faktor, der etwa bei 30 liegt - also etwa 3% des Lebensstandards. Die Schere entwickelt sich aber Industriellen Revolution auseinander. Warum also beginnt die Industrielle Revolution ausgerechnet in Großbritannien und erfasst dann die gesamte westliche Welt, während der Rest der Welt bis heute kaum in der Lage scheint, diese Entwicklung nachzuvollziehen? Die Beispiele Koreas und Japans zeigen, dass es keine Frage des Technologievorsprungs sein kann, denn den holten sie relativ schnell auf.

Die Antwort der Autoren ist interessant: es steht und fällt mit der Ausgestaltung politischer und ökonomischer Institutionen. Beide charakterisieren sie entweder als inkludierend oder als extraktiv. Eine inkludierende politische Institution erlaubt möglichst vielen Gruppen eine Teilhabe an der Macht - etwa in unseren modernen Demokratien, wo prinzipiell jede Gruppe ihre Anliegen frei vertreten (nicht zwingend durchsetzen) kann. Extraktive politische Systeme beschränken die Macht auf eine kleine Elite und erlauben keine Teilhabe der Mehrheit, etwa in Diktaturen, dem autoritären Russland und China oder den Ländern des ehemaligen Ostblocks. Inkludierende wirtschaftliche Institutionen haben niedrige Einstiegsschwellen, breitere Einkommensstreuung und erlauben kreative Zerstörung; extraktive Systeme haben hohe Eintrittshürden (häufig politische Beziehungen), sichern Besitz nicht und ziehen Reichtum zugunsten einer kleinen Elite ab. Besitzt ein Land extraktive Institutionen, kann es nicht wachsen - es gibt keinerlei Anreize für Innovationen und Investitionen.

Die Autoren erklären außerdem, dass auf Dauer Verbindungen extraktiver und inkludierender Systeme nicht möglich sind - das heißt, wenn ein Land sein ökonomisches System inkludierend gestaltet, um Wirtschaftswachtum zu erzeugen, werden entweder seine politischen Institutionen ebenfalls inkludierend werden müssen, oder aber das Wirtschaftssystem wieder extraktiv werden. Ein Beispiel hierfür ist England: Die Liberalisierung der Wirtschaft (inkludierendes System) wird von einer stetigen Ausweitung politischer Rechte (ebenfalls inkludierend) gefolgt, weil die Gewinner der wirtschaftlichen Entwicklung (neue Eliten) diesen Erfolg auch politisch sichern wollen, während die Verlierer (alte Eliten) ihren bewahren möchten. Gewinnen die alten Eliten diesen Konflikt, wird die Wirtschaft wieder extraktiv. Am Beispiel Englands: Die frühen Fabrikanten und Großhändler erhalten Mitsprache im Parlament (neue Eliten), der Adel (alte Eliten, wirtschaftlich auf Landwirtschaft fixiert) verliert an Macht. Den neuen Eliten gelingt es aber nicht, ihren eigenen Status zu bewahren, als neue Innovationen aufkommen - stattdessen erhalten neue Gruppen Mitspracherecht, und so weiter und so fort. Die Autoren nennen dies den "tugendhaften Kreislauf"; ein Erfolg gebiert den nächsten. Das Gegenteil des Ganzen ist der "Teufelskreis", in dem extraktive Systeme neue extraktive Systeme gebieren. Beispiele dafür finden sich in der Kolonialgeschichte. Die europäischen Kolonialherren entmachten die regionalen Despoten und führen ein eigenes Ausbeutungssystem ein. Als die Kolonien unabhängig werden, treten neue Ausbeuter auf den Plan. Eine extraktive Institution wird von der nächsten abgelöst. Historisch ist der Teufelskreis wesentlich häufiger, denn der "tugendhafte Kreislauf" kann jederzeit unterbrochen werden: Sobald eine Gruppe ihre eigene Machtstellung absichert, indem sie neue Eliten ausschließt (und damit Kreative Zerstörung verhindert), werden die Systeme extraktiv. Microsoft hätte beispielsweise alle Mitbewerber ausschalten können, wenn das US-Kartellamt das nicht verhindert hätte und diesen Markt extraktiv gestalten können.

Viel Gewicht der Autoren liegt auf dem Prozess der Kreativen Zerstörung. Neue Innovationen zerstören stets alte Strukturen, und die alte Elite hat daran kein Interesse und versucht es zu verhindern. So wurden mechanische Webstühle ähnlich dem Weberschiffchen, die zu den Zündungsfunken der Industriellen Revolution wurden, bereits im Römischen Weltreich und Elisabeth I. erfunden und den jeweiligen Monarchen präsentiert. Sowohl der römische Kaiser als auch die englische Königin reagierten gleich: Sie ließen die Erfindung vernichten und den Erfinder kaltstellen. Sie fürchteten die Kreative Zerstörung, denn die Erfindung würde viele Handwerker arbeitslos machen und ihre politische Machtstellung gefährden (Unruhe gefährdet politische Macht immer, man blicke nur auf den aktuellen Prozess von Internet-Partizipation und dem Aufstieg der Piraten als harmloses Beispiel). Daher auch die lange Phase der Stagnation in Technik im römischen Kaiserreich, dem Mittelalter und durch die Neuzeit hindurch in Europa. Die Eliten bewahren das Bestehende und erlauben keine kreative Zerstörung. Ein besonders krasses Beispiel ist ein Königreich in Afrika im 17. Jahrhundert, in dem die Menschen nicht einmal das Rad und den Pflug einführten. Da die Besitzrechte nicht gesichert waren und der König in extraktiver Tradition allen Besitz auf sich konzentrierte, bestand für Bauern nie ein Anreiz, effizienter zu arbeiten. Weder Rad noch Pflug waren in dem Königreich verbreitet, obwohl sie als Konzept durchaus bekannt waren.

Es ist wichtig, dass die Autoren die Möglichkeit von Wirtschaftswachstum unter extraktiven Systemen in ihre Theorie einbezogen haben. Das beste Beispiel hierfür, über das sie auch lange berichten, ist die Sowjetunion, die zwischen dem Ende der 1920er und dem Ende der 1960er Jahre eine Phase beispiellosen Wirtschaftswachstums erreichte, das bei etwa 5% jährlich lag und viele Ökonomen auch in der westlichen Welt von der Überlegenheit des sowjetischen Modells sprechen ließ. In den 1950er Jahren gingen viele seriöse amerikanische Ökonomen davon aus, dass die Sowjetunion Ende der 1980er Jahre die USA an Wirtschaftsleistung und Lebensstandard überflügeln würde. Stattdessen rutschte die Sowjetunion in den 1960er Jahren in eine Rezession, aus der sie nie wieder herauskam. Der Grund dafür liegt laut den Autoren darin, dass das forcierte Wirtschaftswachstum in einem extraktiven System wie der Sowjetunion (die Gewinne kamen hauptsächlich der Parteielite zugute) quasi aus der Substanz erfolgt. Das russische Zarenreich lag weit unter seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten. Die Sowjets konnten also ein Wirtschaftswachstum dadurch forcieren, diese gigantischen Potenziale zu erschließen. Da sie es ohne Rentabilitätsgedanken taten, fraßen sie dabei aber die Substanz auf (man denke nur an die aus dem Boden gestampften, sinnlos riesigen Industriekomplexe mitten im Nirgendwo). Dieses Wachstum kann nicht nachhaltig sein.

Dieses Argument ist für die Autoren zentral in ihrer Bewertung des chinesischen Wirtschaftswachstums. Sie sagen, dass es sich um extraktive Institutionen handelt und das Wachstum daher nicht nachhaltig sein kann. Macht China so weiter wie bisher, wird es ebenfalls irgendwann deutlich stagnieren - und zwar sicher, bevor es den Westen eingeholt hat. Es ist wichtig, dass dies kein Automatismus ist - würden die Chinesen etwa ihr politisches System inkludierender gestalten, so wäre es durchaus möglich, dass das Wachstum nachhaltig wird. Nur, derzeit ist ihr System extraktiv, und unter diesen Bedingungen kann kein nachhaltiges Wachstum entstehen, da die alten Eliten sich der einhergehenden Kreativen Zerstörung versagen werden.

Die Lektüre des Buchs ist mehr als nur gewinnbringend. Selbst wenn man den Thesen nicht zustimmen sollte, bietet das Buch in seinen zahllosen historischen Beispielen hochinteressanten Lesestoff, muss man sich mit dem Gedankengebäude doch auseinandersetzen und es argumentativ durchdringen. Ich kann jedem nur empfehlen, sich den Gedanken der Autoren zu widmen; der Gewinn ist kaum zu messen.

Bei Amazon kaufen
Kindle-Version kaufen

Quelle: http://geschichts-blog.blogspot.com/2013/01/buchbesprechung-why-nations-fail.html

Weiterlesen

Buchbesprechung: Dietmar Herz – USA verstehen

Von Stefan Sasse

USA verstehenDie USA sind auch 20 Jahre nach Ende des Kalten Krieges immer noch die mächtigste und wichtigste Nation der Welt. Ohne sie lässt sich kaum etwas durchführen. Gleichzeitig sind die Amerikaner, trotz der Ähnlichkeiten in Kultur und Sprache, ein Volk mit einer anderen Mentalität als die Europäer. Nur wenige Europäer können verstehen, warum die Amerikaner so sensibel auf das Recht auf Waffenbesitz reagieren, wie sie ernsthaft Abtreibungsrechte verweigern oder die Stars-and-Stripes überall wehen sehen wollen können. Dietmar Herz, der sich als Journalist bereits seit langem mit den Amerikanern, ihrer Geschichte und ihrer Politik innen wie außen beschäftigt, versucht nun mit „USA verstehen“ diese Lücke zu füllen.

Das Buch umfasst 413 eng beschriebene Seiten in solidem, schön gestaltetem Hardcover. In chronologischer Reihenfolge führt Herz den Leser ausführlich durch die Geschichte der USA, bevor er kurz Regierungs- und Wirtschaftssystem sowie die Medien- und Universitätslandschaft skizziert. Genau hier aber liegt das Problem des Buchs: wer darauf hofft, danach einen besseren Blick auf die oben aufgeworfenen Verständnisprobleme gewonnen zu haben dürfte enttäuscht werden. Denn letztlich liegt der Fokus auf einer umfassenden Darstellung der amerikanischen Geschichte, der einige grundlegende Strukturinformationen zum besseren Verständnis nachgestellt werden. Mentalitäts- oder kulturgeschichtliche Aspekte finden allenfalls am Rande statt. 

Damit keine Missverständnisse auftauchen: die Geschichte der USA in Herz‘ Darstellung ist kompetent geschrieben, kompakt und gut recherchiert auf vergleichsweise aktuellem Stand. Auch die Einführungen am Ende des Buchs sind kompakt, verständlich und flüssig geschrieben. Trotzdem wirkt die Verteilung letztlich, als ob der Autor sich nicht recht habe entscheiden können, was er eigentlich schreiben wollte. Zu 90% liest das Buch sich nicht wie „USA verstehen“, sondern wie eine „Einführung in die Geschichte der USA“. Wer sich hier nicht bereits sehr gut auskennt, wird von Herz viele neue Informationen geliefert bekommen und danach eine Rundum-Bildung auf diesem Gebiet haben. Dies kann nicht bezweifelt werden, und Herz‘ Schreibe macht das Buch unter diesem Aspekt auch interessant genug. 

Allein, hat man die erste Enttäuschung über die inhaltlichen Leerstellen für das Thema „USA verstehen“ überwunden, so bleiben zwei Kritikpunkte zurück. Der erste ist die arge Knappheit der Zusatzinformationen im letzten Viertel des Buchs (die ersten 300 Seiten umfassen die Geschichte, nur die letzten hundert den Rest). Hier wäre etwas mehr durchaus mehr gewesen. Die Themen werden nur sehr eingeschränkt angerissen, und besonders bei den Medien- und Universitätssystemen merkt man den beschränkten Platz sehr deutlich, da die einzelnen Bundesstaaten hier deutlich divergieren. Zusätzliche hundert Seiten hätten hier sicherlich geholfen, die Einführung über die reine Skizze hinaus zu gestalten. 

Der andere Kritikpunkt betrifft die Geschichtsdarstellung selbst. Obwohl umfangreich recherchiert und flüssig geschrieben und dabei durchaus kompakt, konzentriert sie sich allzu stark auf die Präsidenten und ihre Handlungen und lässt etwa Gesellschafts-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte größtenteils außen vor. Dies fällt besonders in jenen Epochen auf, in denen die Präsidenten besonders schwache Figuren waren, etwa n der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Während für die Zeit des Ost-West-Konflikts eine solche Darstellung durchaus Sinn macht und Verständnis fördernd ist, fällt sie hier deutlich zu kurz. 

Mit diesen Einschränkungen ist Herz‘ Buch jedoch trotz allem zu empfehlen. Als Einführung für den bisher unkundigen Leser oder auch als Auffrischung für auf dem Feld erfahrenere Zeitgenossen hat es deutliche Tugenden. Nur ist man nach der Lektüre noch lange nicht beim „USA verstehen“ angelangt - dafür braucht es doch noch mehr. 

Rezension im Auftrag des Roten Dorn. Mit freundlicher Genehmigung. 

Quelle: http://geschichts-blog.blogspot.com/2012/01/buchbesprechung-dietmar-herz-usa.html

Weiterlesen