LuttaDada 5

Man mag es für möglich halten oder nicht, aber selbst ein LuttaDada muss Leib und Magen zusammenhalten. Ganz recht, das LuttaDada schmaust und speist und mampft – und zwar recht gerne, wie man anhand der leiblichen Fülle erkennen kann, die auf so vielen hundert Bildern aus der Werkstatt des CranachDada dokumentiert ist. Aber inzwischen fällt es dem LuttaDada nicht mehr leicht, zu entscheiden, was es essen soll. Es gibt nicht nur so viel, es gibt auch so viel Falsches, und zwar Falsches, das als solches nur schwer zu erkennen ist. Zum Beispiel Teigwaren. Welch köstliches Exempel menschlicher Ingeniösität! Und was kann man damit alles falsch machen.

Thomas Pforte von der Wittenberger Werbeagentur S. Pforte hatte beispielsweise die großartige Idee, das Antlitz des LuttaDada in Hartweizenteigwarenform zu bannen, um Menschen die Möglichkeit zu eröffnen, dieses Produkt unter Zuhilfenahme kochenden Wassers der Bissfestigkeit zuzuführen und anschließend zu verspeisen.

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Quelle: https://meinjahrmitluther.wordpress.com/2017/05/18/luttadada-5/

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Ähnlichkeitsbeschlagung. Fünfte These zur Geschichtskultur

Die fünfte These zur Geschichtskultur lautet: Die deutsche Geschichtskultur des frühen 21. Jahrhunderts tendiert dazu, Vergangenes nicht mehr als fremd und irritierend wahrzunehmen, sondern es sich der eigenen Gegenwart anzuähneln.

Immer Ärger mit den Unterschieden

Mit Unterschieden scheint die Gattung Mensch so ihre liebe Müh‘ und Not zu haben. Insbesondere bei Unterschieden, die irritierend wirken können, weil sie Unbekanntes, Fremdes, Unpassendes oder Abweichendes mit sich führen, sind regelmäßig Schwierigkeiten unterschiedlicher Art zu konstatieren. Denn Unterschiede wirken verunsichernd. Sie machen sogar Angst. Bekanntermaßen lassen sich solche Unterschiede nicht vermeiden (höchstens verdrängen). Sie platzen zuweilen unangemeldet in unseren Alltag hinein, stehen da in ihrer ganzen Nichteinsortierbarkeit, machen Arbeit, machen Ärger und vermitteln vor allem die unerwünschte Einsicht, dass die jeweils eigene Weltsicht keineswegs selbstverständlich, schon gar nicht naturnotwendig ist. Nach dieser Erkenntnis haben die Unterschiedsgeplagten aber meistenfalls gar nicht gefragt.

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Quelle: https://meinjahrmitluther.wordpress.com/2017/05/12/aehnlichkeitsbeschlagung-fuenfte-these-zur-geschichtskultur/

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Luthermobil

Zu den Menschen

Man kennt es möglicherweise noch, das Guidomobil, jenes unsägliche Symbol siegestrunkener FDP-Überheblichkeit, mit dem der Parteivorsitzende Westerwelle 2002 Wahlkampf machte; oder den Brexit-„Vote Leave“-Bus, mit dem die Befürworter des britischen EU-Austritts 2016 landauf, landab behaupteten, 350 Millionen Pfund pro Woche an den nationalen Gesundheitsdienst anstatt nach Brüssel überweisen zu wollen (eine Aussage, von der Nigel Farage schon einen Tag nach der Brexit-Abstimmung nicht mehr wissen wollte – noch so ein Siegestrunkener, der langsam wieder nüchtern werden musste).

Nur zwei Beispiele aus einer schier endlosen Reihe von Gefährten – Züge, Wohnmobile, Sattelschlepper –, die regelmäßig bei politischen Kampagnen eingesetzt werden. Busse und ähnlich geartete Fahrzeuge sind eine gern gewählte Möglichkeit, um den direkten Kontakt mit ‚den Menschen‘ zu suchen. (Auch wenn ich bis zum heutigen Tag noch nicht so recht verstanden habe, um was für eine Kollektiveinheit es sich bei den in politischen Äußerungen ständig angerufenen ‚Menschen‘ handeln soll. Wohl ein freundlich klingender Ersatz für die kontaminierten beziehungsweise inhaltlich entleerten Begriffe ‚Nation‘ und ‚Volk‘. ‚Menschen‘ tönt irgendwie sympathischer, vor allem persönlicher, ruft aber selbstredend ebenso eine Chimäre an wie die ehemals verwendeten Alternativen.)

Da es allen, die in diesem Gemeinwesen Verantwortung tragen, laut herrschendem politischen Diskurs um ‚die Menschen‘ gehen muss, gilt es diese amorphe Masse möglichst effektiv zu erreichen. Eine solche Menschenerreichung kann mittels Medien nur vermittelt gelingen – wie der Begriff ‚Medium‘ schon hinreichend deutlich macht –, weshalb auch immer wieder andere Wege gesucht werden, um mit ‚den Menschen‘ in direkten Kontakt zu treten.

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Quelle: https://meinjahrmitluther.wordpress.com/2017/03/31/luthermobil/

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Kondom-Postille

Wenn Kirchen und Kondome kollidieren, lässt der Skandal nicht lange auf sich warten. Das gilt auch noch im Jahr 2017.

Es muss wohl am Wochenende des 11./12. März dieses Jahres gewesen sein, als die Düsseldorfer Jugendkirche Kondome an Jugendeinrichtungen verteilte, und zwar mit – wie es in der Formulierung des Evangelischen Pressedienstes (epd) hieß – „provokanten Sprüchen“. Zu lesen war auf den Kondomverpackungen unter anderem „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“, „Für Huren und Heilige“, „Schrei vor Erlösung“ oder „Nageln bis der Papst kommt“.

Nun, wahrscheinlich hätte von dieser Verteilaktion kaum jemand etwas mitbekommen, außer denjenigen, welche die Idee dazu hatten, den Jugendlichen, welche die Kondome benutzt hätten und den Spermien, die in ihrem natürlichen Verteilungsdrang aufgehalten worden wären, wenn, ja, wenn nicht die Evangelische Kirche im Rheinland die Aktion unterbunden und bereits ausgeteilte Kondome wieder eingesammelt hätte.



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Quelle: https://meinjahrmitluther.wordpress.com/2017/03/24/kondom-postille/

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Unsere Vergangenheit soll schöner werden. Vierte These zur Geschichtskultur

Die vierte These zur Geschichtskultur lautet: Unsere Geschichtskultur tendiert zur Bevorzugung von Inhalten, die mit gegenwärtigen Interessen korrespondieren und auf die Vergangenheit ein (falsches) besseres Licht werfen.

Gleichförmigkeit

Geben wir uns für einen Moment der naiven Annahme hin, eine Internet-Suchmaschine wie Google stünde stellvertretend für das Wissen der Welt über sich selbst. In diese Suchmaschine können wir Stichwörter eingeben wie „Reformation“ oder „Martin Luther“. Welche Ergebnisse werden uns präsentiert? Unfehlbar werden wir zunächst mit einigen Werbeanzeigen konfrontiert (wobei die Unfehlbarkeit in diesem Zusammenhang eine durchaus mehrdeutige Konnotation erfährt), zum Beispiel von Tourismusanbietern oder aus der Modebranche (jawohl, auch die Reformation wird in eine Modekollektion verwandelt). Sodann folgen einige Informationsseiten, deren Angebote sich in der Google-Hierarchie, mit welchen Mitteln auch immer, ganz nach oben gearbeitet haben: Wikipedia-Artikel oder die Eingangsseite des Zentralkomitees der Kommission zur Durchführung der Jubiläumsfeierlichkeiten der Reformation, kurz ZKDJR (oder so ähnlich). Etwa ab Google-Suchmaschinentreffer Nr. 11 wird man dann mit Veranstaltungshinweisen ganz unterschiedlicher Art überhäuft, mit internationalen, nationalen, regionalen und lokalen Aufführungen, Ausstellungen und Informationsveranstaltungen, die dem historischen Ereignis der Reformation zur größeren Ehre gereichen sollen.



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Quelle: https://meinjahrmitluther.wordpress.com/2017/03/15/unsere-vergangenheit-soll-schoener-werden-vierte-these-zur-geschichtskultur/

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LuttaDada 2

Das LuttaDada kann sich freuen. Endlich ist es soweit, endlich ist das Jahr 2017 angebrochen – sein Jahr! Das LuttaDada wird wachsen und gedeihen, denn mit jeder neuen Jubiläumsaktion, die sich die LuttaDadaisten ausdenken aus Anlass dieses 500jährigen Dingsbums, wird es an Bedeutung gewinnen. Die LuttaDadaisierung wird die ganze Welt erfassen! Jawohl, das LuttaDada ist inzwischen anmaßend genug, die Herrschaft über die Welt ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Was ein TrumpDada kann …

Die ersten Anzeichen dieser Weltherrschaft sind unübersehbar. Oder ist irgendjemand der Meinung, es sei ein Zufall ist, wenn eine Gedenkmünze mit dem LuttaDada geprägt werden? Nicht irgendwelche Gedenkmünzen, nein! Auf dieser sieht man das LuttaDada als Superman (oder besser Lutherman) über das Schloss Stolberg fliegen.

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Quelle: https://meinjahrmitluther.wordpress.com/2017/01/11/luttadada-2/

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Falk-Postille

Man kann aus Martin Luther einen Freiheitshelden machen. Muss man aber nicht. Man kann die ‚Botschaft‘ der Reformation (wie lautete sie gleich noch?) in das Korsett standardisierter Musicalmelodien packen. Man muss sich das aber nicht anhören. Man kann die geistliche Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts in ein fahrstuhltaugliches Funktionsmusikgeriesel verwandeln. Man muss dafür aber kein Geld ausgeben.



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Quelle: https://meinjahrmitluther.wordpress.com/2017/01/09/falk-postille/

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LuttaDada 1

Was ist das LuttaDada? Das LuttaDada kommt in vielerlei Gestalt daher. Es passt sich amöbig den Verhältnissen und Gegebenheiten und Erfordernissen an. Das LuttaDada ist immer und überall. Das LuttaDada ist immer da (und immer dada) und trotzdem nie zu greifen.

So schillert das LuttaDada in allerlei Farben. Auch im Münsterland! Denn das Martin – jawohl, man ist mit dem LuttaDada zuweilen schon so vertraut, dass man es beim Vornamen anspricht –, also dieses Martin ist im Münsterland nicht einfach nur ein Mensch. Nein, es ist Plastik, es ist 2,50 Meter groß, es wiegt 50 Kilogramm, und es erscheint in weißer Gestalt.

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Quelle: https://meinjahrmitluther.wordpress.com/2016/12/16/luttadada-1/

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Verlebendigung. Zweite These zur Geschichtskultur

Echt tot? Gemälde aus der Cranach-Werkstatt nach einer Zeichnung von Lukas Furtenagel 1564 (Titelfoto von Perledarte)

Die zweite These zur Geschichtskultur lautet: Unsere Geschichtskultur setzt auf Verlebendigung und ist personenfixiert.

Diese These lässt sich durch einen recht schlichten Hinweis belegen. Es sei daran erinnert: Wir haben es derzeit mit einem Reformationsjubiläum zu tun, nicht mit einem Lutherjubiläum. Warum wird dann aber deutlich intensiver über die Person Luthers berichtet als über den wesentlich komplexeren Vorgang der Reformation? Möglicherweise genau deswegen: weil diese Reformation so komplex ist? Und weshalb wird auch bei Luther – und zwar durchaus traditionell – viel eher über Persönliches berichtet (sein Charakter, seine Ehe, seine Essgewohnheiten …) oder Mitteilung gemacht von besonderen Ereignissen in[1] Lyndal Roper: Der feiste Doktor. Luther, sein Körper und seine Biographen, Göttingen 2012

seiner Biographie (Blitzeinschlag!

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Quelle: https://meinjahrmitluther.wordpress.com/2016/12/12/zweite-these-zur-geschichtskultur-verlebendigung/

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40 und Schluss: Öffentliche Metamorphosen oder Du musst dein Leben ändern!

Abschied und Willkommleben ändern

Das soll er sein, der letzte Eintrag auf diesem Blog. Sollte man sich die Mühe machen, die Historie dieses Mikromediums nachzuverfolgen, könnte man unschwer feststellen, dass die Frequenz der Einträge in den vergangenen Monaten merklich zurückgegangen ist. Das ließe sich als nachlassendes Interesse interpretieren. Tatsächlich hat es aber mit der Umleitung meiner Schreibenergie zu tun. So viel Vergnügen mir das Blogschreiben auch bereitet, so ist es doch nur ein Buchstabenfeld neben anderen, das zu beackern ist. Daher habe ich den Entschluss gefasst, nicht das Bloggen aufzugeben, aber seine Form zu verändern. Anstatt nur sporadisch alle paar Wochen (oder gar Monate) einmal die Zeit zu finden, mich an dieser Stelle zu äußern und das Blog auf diese Weise zu einem Nebenhermedium zu machen, will ich es zukünftig konzentrierter und gleichzeitig ausgiebiger nutzen: als Mitteilungsform, das seinen Möglichkeiten gerecht wird, als aktuelles, auf eingreifendes Kommentieren angelegtes und nicht zuletzt auch ephemeres Medium. Man könnte auch sagen, dass ich mich medial meinem wissenschaftlichen Forschungsgebiet, der frühneuzeitlichen Geschichte, annähere. Denn zumindest das 16. und 17.

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Quelle: https://achimlandwehr.wordpress.com/2015/12/31/40-und-schluss-oeffentliche-metamorphosen-oder-du-musst-dein-leben-aendern/

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