Call for Papers: Not all quiet on the Ottoman Fronts “Neglected Perspectives on a Global War, 1914-18″. Internationale Tagung in Istanbul, 09.-12. April 2014

Tim O'brienDie historische Stiftung „Tarih Vakfı“ und das Orient-Institut in Istanbul veranstalten im Rahmen des 100-jährigen Erinnerns an den Ersten Weltkrieg, eine internationale und interdisziplinäre Tagung. Mit kulturwissenschaftlichen Ansätzen, setzt sich die Tagung mit den Ursachen des Kriegsausbruchs auseinander und diskutiert die ursprünglichen Kriegsziele und die „Schuldfrage“. Neben der Schlacht von Gallipoli, wird der Kriegseintritt des Osmanischen Reiches beleuchtet. Besonderes Interesse erfahren diverse Länder wie die Türkei, Australien und Neuseeland, die im Zusammenhang mit diesen Ereignissen stehen. Aber auch die Rolle Deutschlands stellt einen wesentlichen Aspekt der Diskussion dar.

Bewerbungsschluss ist der 01. Juni 2013.

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Foto: Istanbul Birds in Flight (Color)von Oberazzi, Lizenz CC BY-NC-SA

Quelle: http://grandeguerre.hypotheses.org/1001

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Der Centenaire 2014 und die deutsch-französischen Beziehungen

Das Grab des Unbekannten Soldaten unter dem Arc de Triomphe, Photo Michael Reeve, 29 Januar 2004

Die gedenkpolitischen Planungen zum 100. Jahrestag – dem centenaire – des Ersten Weltkriegs nehmen in Frankreich langsam Fahrt auf. Ein vom Président de la République in Auftrag gegebener Bericht, der “rapport Zimet”, schlägt für die Jahre 2014-2018 ein sehr ambitioniertes Großprogramm vor, in dessen Verlauf Zentralstaat und collectivités régionales gemeinsam des vierjährigen, totalen Krieges, der “Urkatastrophe” des 20. Jahrhunderts, gedenken wollen.

Der “rapport Zimet” – das offizielle Programm

Auf einzelne Aspekte des mittlerweile im Netz veröffentlichten und in seinen Grundzügen von den maßgeblichen Stellen (Präsident, Premierminister) abgesegneten Plans soll hier nicht weiter eingegangen werden. Die großen Linien sehen für das Jahr 2014 eine Reihe von zentralen und dezentralen Gedenkveranstaltungen vor: Eröffnung des Gedenkjahres durch ein Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs am 28. 6. 2014 in Sarajevo, einen 14 juillet im Zeichen des Ersten Weltkriegs mit u.a. der Uraufführung eines Requiems und einer großen Royal-de-Luxe-Inszenierung auf den Champs-Elysées. Am 31. Juli soll die Ermordung Jean Jaurès’ 1914 Anlass zu einer zentralen Gedenkveranstaltung geben, bevor am 2. August ein dezentraler Gedenktag an die Mobilmachung zu Beginn des Krieges erinnern wird. Einige Wochen später, im September 2014, wird dann der 100. Jahrestag der Marne-Schlacht gefeiert werden. Krönender Abschluss des offiziellen Programms soll dann am Onze Novembre die “panthéonisation de Maurice Genevoix”, also die Überführung der sterblichen Überreste des wohl emblematischsten frz. Schriftstellers der “génération du feu” sein.

Der auf diese Art und Weise angefachte “élan commémoratif” wird dann in den Jahren 2015-2017 durch die collectivités régionales weitergetragen werden, bevor 2018 dann der (Zentral-)Staat wieder stärker auf den Plan tritt. Diese Arbeitsteilung gehorcht sicherlich z.T. Budgetzwängen, spiegelt aber auch ganz entscheidend die starke regionale Verankerung der Erinnerungskultur in Frankreich wider, wo es insbesondere in den 13 départements, die im Ersten Weltkrieg von Kampfhandlungen unmittelbar berührt worden sind, eine Unmenge an lokalpolitischen bzw. zivilgesellschaftlichen Gedenkinitiativen gibt. So wird z.B. das Jahr 2016 ganz im Zeichen des Gedenkens an die Verdun- und die Somme-Schlacht stehen, ohne dass Paris hier eine federführende Position einzunehmen beabsichtigt.

3 Begleitprojekte

Parallel dazu, das umfangreiche Programm flankierend, sieht der Bericht drei größere Projekte vor, die wissenschaftliche, zivilgesellschaftliche und politische Akteure zusammenbringen sollen:

Zum einen ist angedacht, die Kriegsstammrollen (registres de matricules) der rund 8 Millionen frz. Soldaten im Ersten Weltkrieg zu digitalisieren und im open-access zur Verfügung zu stellen. Dieses Angebot käme zu den bereits jetzt frei verfügbaren Datenbanken zum Ersten Weltkrieg auf Mémoire des Hommes (Morts pour la France, Personnel de l’aéronautique militaire, Journaux des unités) hinzu und würde das Quellenangebot zum Ersten Weltkrieg substantiell erweitern.

Zum zweiten wird für 2016 die Klassifizierung des ehemaligen belgischen und französischen Frontgebietes als Weltkulturerbe vorangetrieben. Hier sind es wieder die 13 von 1914-1918 vom Krieg unmittelbar betroffenen départements, die in enger Zusammenarbeit mit belgischen Einrichtungen die Bewerbung bei der UNESCO vorbereiten. Frankreich und Belgien würden das dossier dann gemeinsam in die verantwortlichen Gremien einbringen. Ein Erfolg würde die weltweite Sichtbarkeit der ehemaligen Frontlinien signifikant erhöhen und, das gehört zu den eher unausgesprochenen Annahmen, das Tourismus-Aufkommen in den derart ausgezeichneten Gebieten deutlich erhöhen.

Darüber hinaus ist vorgesehen, eine Kommission einzusetzen, die sich mit der in Frankreich nach wie vor brisanten und subkutan politischen Frage der „Fusillés pour l’exemple“, d.h. der wegen „Feigheit vor dem Feind“ standrechtlich erschossenen frz. Soldaten, auseinandersetzt und Empfehlungen ausspricht, wie mit ihrem quer zum tendenziell harmonisierenden, offiziellen Gedenkdiskurs liegenden Schicksal umzugehen ist.

Die Bedeutung des Ersten Weltkriegs in Frankreich

Die Dimensionen des Jubiläums-Jahres 2014 führen die Bedeutung des Ersten Weltkriegs für Frankreich eindrücklich vor Augen. Es ist für deutsche Beobachter nicht unbedingt leicht nachvollziehbar, aber es ist so: der Erste Weltkrieg, jene vier Jahre, in denen sich Frankreich – so jedenfalls die vorherrschende Lesart – vereint und opferbereit den Herausforderungen der Weltgeschichte stellte, hat sich in den letzten 10-20 Jahren zum Ursprungsmythos des modernen Frankreich entwickelt.  La Grande Guerre hat damit im nationalen Symbolhaushalt der V. Republik eine Bedeutung erlangt, die mit der der französischen Revolution von 1789 durchaus vergleichbar ist. Dementsprechend verbindet sich mit dem centenaire eine klare geschichtspolitische Agenda. Anders als die problematische Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, ist die Erinnerung an 14-18 trotz aller Nuancen und Differenzierungen – Nicolas Offenstadt spricht zu Recht von der erstaunlichen „plasticité symbolique“, d.h. der symbolischen Viel- und Mehrdeutigkeit des Ersten Weltkriegs[1] – eine Sinnressource für die Gegenwart. Das gilt für das ganze politische Spektrum. Bei allen Unterschieden in Stil und Tonalität z.B. zwischen der Rede Nicolas Sarkozys  am Grab des Unbekannten Soldaten und der Ansprache seines sozialistischen Herausforderers Francois Hollande auf dem Soldatenfriedhof Saint-Thomas d‘Argonne am 11. November 2011, ist unverkennbar, dass beide im 100. Jahrestag des Kriegsausbruchs eine herausragende Gelegenheit sehen, die nationale Einheit der Franzosen in der Kriegszeit in Szene zu setzen: „Cohésion nationale“, „rassemblement national“, „unité nationale“ sind z.B. immer wiederkehrende Schlagworte. Dass es dabei insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Krisenlage auch darum geht, durch die Würdigung der Opferbereitschaft vergangener Generationen die Bevölkerung in die Pflicht zu nehmen, den Herausforderungen der Zukunft tapfer und mit Selbstbewusstsein zu begegnen, liegt auf der Hand.

Es ist ganz entscheidend zu verstehen, dass das französische Interesse am Ersten Weltkrieg keinesfalls auf diese politisch-pädagogische Funktion reduziert werden kann. Die gedenkpolitischen Großinitiativen sind ganz im Gegenteil nur die Spitze des Eisbergs. Charakteristisch für die aktuelle Phase der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg ist vielmehr eindeutig das relative Übergewicht zivilgesellschaftlicher und regionaler bzw. lokaler Akteure. Impulse gehen weniger vom Zentralstaat aus, auch wenn dieser für die offiziellen Feierlichkeiten zuständig bleibt und z.B. über die DMPA (Direction de la Mémoire du Patrimoine et des Archives) im Ministère de la Défense eine Koordinierungs- und Finanzierungsfunktion ausübt, als von den Collectivités terrioriales, also den Kommunen, Départements und Régions, insbesondere – doch keinesfalls nur – im durch den Krieg besonders betroffenen Nordosten Frankreichs (Nord-Pas-de-Calais, Picardie, Champagne-Ardenne, Alsace und Lorraine). So entstanden z.B. das Historial de la Grande Guerre 1992 und aktuell das neue große Weltkriegs-Museum in Meaux aus lokalen Initiativen, die durchaus auch mit dem Hintergedanken, den tourisme de mémoire zu entwickeln, die Spuren des Krieges als Patrimoine culturel, also als schützenswertes Kulturgut, in Szene zu setzen beabsichtigen. Kulminationspunkt dieser Tendenz ist ohne Zweifel die bereits angesprochene Initiative, die Frontlinien von 1914-1918 von der UNESCO als Weltkulturerbe schützen zu lassen.

Ein weiterer wichtiger Anker der Weltkriegserinnerung in Frankreich sind die zahlreichen zivilgesellschaftlichen Vereine und Verbände wie z.B. La Cavalerie dans la Bataille de la Marne, Les Amis de Vauquois, Soissonnais 14-18, Le Poilu de la Marne, Mémoire de la GG, Bleu horizon, die mit verschiedenen Zielsetzungen seit den 1980er, 1990er Jahren von Geschichtsinteressierten ins Leben gerufen wurden. Geht es vielen dieser Associations um den Erhalt der Schlachtfelder oder auch um den Erhalt ausgewählter monuments aux morts, organisieren andere Gedenkmärsche oder organisieren das Reenactment bestimmter Schlachten.

Der veritable „activisme 14-18“, den Nicolas Offenstadt in seinem sehr lesenswerten “14-18 aujourd’hui” beschreibt, kennt weitere Spielformen. Familiengeschichtliche Privatforschung, in diesem Zusammenhang teils in jahrelanger Kleinarbeit edierte Tagebücher und Feldpost, lokalgeschichtliche Initiativen und nicht zuletzt die seit den 1990er Jahren weiter zunehmende Thematisierung des Ersten Weltkriegs in Literatur, Film, Comic, Musik, etc. sorgen dafür, dass der Erste Weltkrieg in Frankreich anders als in Deutschland nicht nur „Geschichte“, sondern Gegenstand einer veritablen „pratique sociale et culturelle“[2] ist, die grassroot-Aktivismus und Gedenkpolitik, populäre und politische Erinnerungskultur gleichermaßen  durchdringt.

Internationalisierung des Gedenkens

So sehr das frz. Weltkriegsgedenken auch lokal, regional und nicht zuletzt national verankert ist, so wenig lässt sich im Europa des 21. Jahrhunderts eines Weltkrieges national gedenken. Von vornherein sieht der “rapport Zimet” daher systematisch die Internationalisierung der Gedenkveranstaltungen vor. Dabei wird angestrebt, nicht nur die ‚üblichen Verdächtigen’ aus Europa und Übersee einzubeziehen, sondern in größerem Maße als zuvor die globale Dimension des Krieges und seiner Konsequenzen abzubilden, so sollen z.B. die frz. Botschaften überall in der Welt ein Kulturprogramm entwerfen, das der Bedeutung des Krieges für das jeweilige Gastland Rechnung trägt. Eine große Bedeutung hat daher das Gedenken an die frz. Kolonialtruppen („tirailleurs sénégalais“) und die vielen außereuropäischen Kombattanten und Nicht-Kombattanten (z.B. Chinese Labour Corps). Besonders eng wird die Zusammenarbeit in diesem Kontext auch mit denjenigen (westlichen) Ländern sein, für deren Nationalgeschichte der Erste Weltkrieg eine entscheidende Zäsur darstellt (Kanada, Neuseeland, Australien) und in denen die Vorbereitungen auf das Jahr 2014 z.T. schon sehr weit fortgeschritten sind.

Ein deutsch-französischer Kern

Unbenommen dieser globalen Dimension der Feierlichkeiten gehen die französischen Planungen aber von einem starken deutsch-französischen Kern aus, und in der Tat liegt es ja angesichts der historischen Feindschaft zwischen den beiden Ländern nahe, die Erfolgsgeschichte ihrer Aussöhnung und Annäherung als Ausgangspunkt für einen aufgeklärt-kritischen Blick auf die Vergangenheit zu nehmen. Der Erste Weltkrieg als Negativfolie, vor der die deutsch-französische Zusammenarbeit und darüber hinaus die europäische Integration in umso hellerem Licht erscheinen, dieser in vielerlei Hinsicht richtige und alternativlose Ansatz lag bereits den Feierlichkeiten zum Onze novembre 2009 zugrunde, als Merkel und Sarkozy gemeinsam am Grab des unbekannten Soldaten in Paris der Toten des Ersten Weltkriegs gedachten.

Im « rapport Zimet » liest sich das so: « C’est main dans la main avec l’Allemagne, partenaire, depuis cinquante ans, d’une réconciliation historique et de l’édification d’une Europe pacifique, qu’elle devra être racontée et commémorée. » Oder an anderer Stelle : « Cette parole franco-allemande sur la mémoire de la Grande Guerre sera déterminante pour travailler entre Européens autour de l’héritage commun de la Première Guerre mondiale, (…). La création d’un socle mémoriel et culturel franco-allemand solide et confiant sera déterminant pour la réussite du Centenaire. »[3] Mit anderen Worten : der Gedenk-Kooperation mit der Bundesrepublik Deutschland wird tendenziell ein höherer Stellenwert beigemessen als dem gemeinsamen Gedenken mit dem Kriegsverbündeten Großbritannien! Gerade im Lichte der aktuellen Krise erwartet die französische Seite ein starkes Signal, das dem Willen Deutschlands, sich der europäischen Integration weiter zu verschreiben, symbolisch Ausdruck verleiht.

Der Erste Weltkrieg in Deutschland

Nun ist es mit Symbolen und ihrer politisch gewollten transnationalen Übertragung und Instrumentalisierung so eine Sache. Abgesehen davon, dass die politische Kultur der Bundesrepublik sich insgesamt – jedenfalls verglichen mit Frankreich – mit symbolischer Kommunikation schwer tut, erschwert im konkreten Fall eine fundamental andere Beziehung zum Ersten Weltkrieg nicht nur die Formulierung einer deutschen Position, sondern viel grundsätzlicher das Verständnis für die französischen Erwartungen.

Ein kurzes Beispiel stehe hier pars pro toto für die stabile Asymmetrie in der Wahrnehmung der Jahre 1914-1918: Als am 12. März 2008 Lazare Ponticelli, der letzte französische Kriegsteilnehmer starb, war das allen französischen Tageszeitungen eine Meldung auf der Titelseite wert. Fünf Tage später, am 17. März, fand im Invalidendom in Paris eine offizielle Trauerfeier statt, die live im Fernsehen (TF1, France 2) übertragen wurde. Der Président de la République hielt eine Rede, hochrangige Repräsentanten des frz. Staates erwiesen dem Toten die letzte Ehre. Landesweit wurde der Schulunterricht für eine Schweigeminute unterbrochen und die Lehrer wurden per ministeriellem Erlass dazu aufgefordert, den jungen Franzosen und Französinnen Leben und Leistung des Verstorbenen in Erinnerung zu rufen. Mit dem letzten der „derniers poilus“, wie die französische Öffentlichkeit die letzten Veteranen des Ersten Weltkriegs mit einer Mischung aus Respekt, Ehrfurcht und Zuneigung in den letzten Jahren ihres Lebens genannte hatte, nahm Frankreich ganz offensichtlich von einem wichtigen Symbol, ja einem Kristallisationspunkt der nationalen Identität Abschied. Die besondere Stellung die Ponticelli, Louis de Cazenave und Jean Grélaud, die drei letzten poilus, als Orientierungspunkte, ja als „sages“, als Weise, in den 2000er Jahren eingenommen haben, ist in diesem Zusammenhang deswegen besonders interessant, weil sie auf eine manifeste Leerstelle verweist. Der letzte deutsche Kriegsteilnehmer nämlich, sofern man den angesichts der ungleich schwierigeren Quellenlage überhaupt sicher sein kann, dass er der letzte gewesen ist, der nur wenige Wochen vor Ponticelli starb, Erich Kästner, starb von der deutschen Öffentlichkeit unbemerkt und ohne jedwede Reaktion von offizieller Seite.

Ein deutsch-französischer Vergleich soll hier nicht weitergeführt werden. Es genügt, die Reden Merkels und Sarkozys unter dem Arc de Triomphe vom November 2009 zu lesen, um zu verstehen, wie sehr deutscherseits der Holocaust und die Schrecken des Dritten Reichs als negativer Ursprungsmythos der Bundesrepublik den Ersten Weltkrieg weitgehend aus dem kollektiven Bewusstsein verdrängt haben. Dies heißt nicht, dass von Seiten der Geschichtswissenschaft oder in der Museumslandschaft nicht ein reges Interesse am Ersten Weltkrieg bestünde. Großprojekte wie 1914-1918-online oder Europeana 1914-1918 belegen ganz im Gegenteil, dass sich in diesem Bereich sehr viel tut. Nur haben wir es hier mit einem eher akademischen, allgemein historischen Interesse an den Jahren 1914-1918 zu tun.  Für Symbolik und Selbstverständnis der Bundesrepublik und in der politischen Kultur Deutschlands insgesamt spielt der Erste Weltkrieg dagegen überhaupt keine Rolle.

Fazit

Diesen deskriptiven Befund muss man wertfrei zur Kenntnis nehmen. Die offensichtlich differente Erinnerung an den Ersten Weltkrieg wirft letztlich ein Schlaglicht auf das Nicht-Vorhandensein einer mémoire collective européenne, und daran wird sich auch auf mittlere Sicht nichts ändern, was auch nicht weiter schlimm ist. Eine größere Sensibilität von deutscher Seite für die Erwartungen des Partners Frankreich kann aber gleichwohl helfen, manche Irritation zu vermeiden. Der 100. Jahrestag der „Urkatastrophe“ Europas bietet die Chance, die dauerhafte Pazifizierung Europas zu feiern und von deutscher Seite ein symbolisch starkes Bekenntnis zu den deutsch-französischen Beziehungen und zur europäischen Integration abzulegen. Dass dies vor dem Hintergrund eines in den letzten Wochen und Monaten keinesfalls nur in Frankreich massiv zunehmenden antideutschen Sentiments wünschenswert wäre, scheint jedenfalls kaum bestreitbar.

 

 

 


[1] Nicolas Offenstadt: 14-18 aujourd’hui. La Grande Guerre dans la France contemporaine, Paris 2010, S. 154.

[2] Offenstadt, S. 8.

[3] Rapport Zimet, S. 10, 24.

Quelle: http://grandeguerre.hypotheses.org/143

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