Eva Horn, Verfasserin der Studie Der geheime Krieg. Verrat, Spionage und moderne Fiktion, ist Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Universität Wien; ein Porträt von ihr liefert uni:view.
Edith Saurer gestorben
Traurig: Edith Saurer, die Betreuerin meiner Dissertation, ist gestorben. Erstmals begegnete ich ihr im Sommersemester 1989, als ich ihre Vorlesung "Materielle Kultur und Politik" besuchte. Diese Lehrveranstaltung öffnete mir die Augen dafür, was Geschichtswissenschaften sein können und trug nicht wenig dazu bei, dass ich auf Geschichte als Hauptfach wechselte; es war wohl damals, dass ich erstmals von Foucaults Überwachen und Strafen erfuhr. In den folgenden Jahren besuchte ich zweimal Edith Saurers Arbeitsgemeinschaft "Geschichte Schreiben"; einen dafür von mir verfassten Text kommentierte sie mit den Worten, er erinnere sie an ein Stück von Anton Webern. Unvergessen bleibt mir auch die Mitarbeit an der Ausstellung "Ort(e) des Lesens? Die Universitätsbibliothek Wien", die im Rahmen eines von Edith Saurer geleiteten Forschungsseminars stattfand und bei der ein Teil nicht zuletzt dem Belüftungs- und Heizungssystem der Uni Wien gewidmet war, für das sie sich so sehr interessierte.
Neben Edith Saurers Verdiensten um die Schaffung wissenschaftlicher Institutionen - sie initiierte L'Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaften, die Sammlung Frauennachlässe und die Forschungsplattform "Neuverortung der Frauen- und Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext", war weiters an der Gründung der Zeitschrift Historische Anthropologie beteiligt - halte ich vor allem ihre 1989 bei Vandenhoeck & Ruprecht erschienene Habilitation Straße, Schmuggel, Lottospiel. Materielle Kultur und Staat in Niederösterreich, Böhmen und Lombardo-Venetien im frühen 19. Jahrhundert für beeindruckend: Letztere beginnt gleich mit einem Zitat über den Besen und enthält Kapitel über den Schotterdiskurs, den Straßeneinräumer sowie Räder, Reibung, Rollen, also über jene vermeintlichen Details, deren Beachtung für die Forschung so wichtig ist.
Ein für Edith Saurers originellen Zugang zur Geschichte charakteristischer Text - Knöpfe, Knöpfungen. Über den verborgenen Sinn geschlechtsspezifischer Verschlussweisen von Kleidungsstücken - ist beim Freitag online zugänglich.
Neben Edith Saurers Verdiensten um die Schaffung wissenschaftlicher Institutionen - sie initiierte L'Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaften, die Sammlung Frauennachlässe und die Forschungsplattform "Neuverortung der Frauen- und Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext", war weiters an der Gründung der Zeitschrift Historische Anthropologie beteiligt - halte ich vor allem ihre 1989 bei Vandenhoeck & Ruprecht erschienene Habilitation Straße, Schmuggel, Lottospiel. Materielle Kultur und Staat in Niederösterreich, Böhmen und Lombardo-Venetien im frühen 19. Jahrhundert für beeindruckend: Letztere beginnt gleich mit einem Zitat über den Besen und enthält Kapitel über den Schotterdiskurs, den Straßeneinräumer sowie Räder, Reibung, Rollen, also über jene vermeintlichen Details, deren Beachtung für die Forschung so wichtig ist.
Ein für Edith Saurers originellen Zugang zur Geschichte charakteristischer Text - Knöpfe, Knöpfungen. Über den verborgenen Sinn geschlechtsspezifischer Verschlussweisen von Kleidungsstücken - ist beim Freitag online zugänglich.
Von der Nummerierung der Säulen der Amsterdamer Börse, 1768
Neues von der Amsterdamer Börse (vgl.):
Die Börse ist ein großes Gebäude und seiner Bestimmung gemäß eingerichtet; es hat aber keine Zierathen, und kommt in der Baukunst der Londner nicht bey; die Erfindung, die Pfeiler zu zählen, um den Kaufmann, mit dem man zu sprechen hat, desto leichter aufzufinden, ist sehr bequem, und verdient nachgeahmt zu werden.



Marshall, Joseph: Josef Marshalls Reisen durch Holland, Flandern, Deutschland, Dänemark, Schweden, Rußland, Pohlen und Preußen in den Jahren 1768, 1769 und 1770. Danzig: Wedel, 17731778. 4 Bände, hier Bd. 1, 1773, S. 53-55, http://books.google.at/books?id=Xh8VAAAAQAAJ&pg=PA53
Die Börse ist ein großes Gebäude und seiner Bestimmung gemäß eingerichtet; es hat aber keine Zierathen, und kommt in der Baukunst der Londner nicht bey; die Erfindung, die Pfeiler zu zählen, um den Kaufmann, mit dem man zu sprechen hat, desto leichter aufzufinden, ist sehr bequem, und verdient nachgeahmt zu werden.
Marshall, Joseph: Josef Marshalls Reisen durch Holland, Flandern, Deutschland, Dänemark, Schweden, Rußland, Pohlen und Preußen in den Jahren 1768, 1769 und 1770. Danzig: Wedel, 17731778. 4 Bände, hier Bd. 1, 1773, S. 53-55, http://books.google.at/books?id=Xh8VAAAAQAAJ&pg=PA53
Perchtoldsdorf 1099
100 Jahre Meiner Verlag
Anlässlich seines 100jährigen Geburtstag porträtiert die NZZ den Meiner Verlag.
Interview mit Daniel Chavarría
Lesenswertes Gespräch mit dem kubanischen Krimi-Autor Daniel Chavarría, der auch schon Erfahrungen im Flugzeugentführen vorweisen kann.
Terror und Phantastik
Vor wenigen Tagen fand am IFK die Tagung Terror und Phantastik statt; einen Bericht darüber sendet Ö1 am Montag (4.4.2011, 19:06-19:30):
Terror und Fantastik. Eine Sendung zur Verbindung zwischen fantastischem und realem Terror. Von Ulrike Schmitzer (zu einer Tagung des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften IFK in Wien)
Das Wort "Terror" stammt aus der Zeit der Französischen Revolution. Es wurde erstmals im 18. Jahrhundert verwendet, um die Terrorherrschaft von 1793-1794 zu bezeichnen. Damals ließ die Regierung alle Konterrevolutionäre - alle Gegner der Revolution - brutal foltern und hinrichten. Diesem "Großen Schrecken" fielen rund 40.000 Menschen zum Opfer.
Der Terror fand seine fiktionale Wirkungsstätte im Schauerroman. Kein Zufall, dass es die Schauerliteratur in den 1790er Jahren zu einem ersten Boom brachte. Der Staatsterror hatte ein Klima der diffusen Ängste und Gerüchte verbreitet. Motive des Schauerromans finden sich auch in zahlreichen modernen Romanen. Argentinien ist ein Beispiel aus der jüngsten Geschichte, in dem die Aufarbeitung der Vergangenheit mit den Kunstmitteln der Fantastik erfolgte, z. B. in Manuel Puigs später verfilmtem Roman "Kuss der Spinnenfrau".
Ist der moderne Terror deshalb so wirksam, weil er die Imagination aktiviert? Welche Narrative funktionieren heute noch?
Terror und Fantastik. Eine Sendung zur Verbindung zwischen fantastischem und realem Terror. Von Ulrike Schmitzer (zu einer Tagung des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften IFK in Wien)
Das Wort "Terror" stammt aus der Zeit der Französischen Revolution. Es wurde erstmals im 18. Jahrhundert verwendet, um die Terrorherrschaft von 1793-1794 zu bezeichnen. Damals ließ die Regierung alle Konterrevolutionäre - alle Gegner der Revolution - brutal foltern und hinrichten. Diesem "Großen Schrecken" fielen rund 40.000 Menschen zum Opfer.
Der Terror fand seine fiktionale Wirkungsstätte im Schauerroman. Kein Zufall, dass es die Schauerliteratur in den 1790er Jahren zu einem ersten Boom brachte. Der Staatsterror hatte ein Klima der diffusen Ängste und Gerüchte verbreitet. Motive des Schauerromans finden sich auch in zahlreichen modernen Romanen. Argentinien ist ein Beispiel aus der jüngsten Geschichte, in dem die Aufarbeitung der Vergangenheit mit den Kunstmitteln der Fantastik erfolgte, z. B. in Manuel Puigs später verfilmtem Roman "Kuss der Spinnenfrau".
Ist der moderne Terror deshalb so wirksam, weil er die Imagination aktiviert? Welche Narrative funktionieren heute noch?
Ö1-Saldo: Machtwechsel bei Google
Freitag beschäftigt sich Ö1-Saldo (1.4.2011, 9:44-10:00) mit Googler Larry Page:
Google-Gründer Larry Page wird wieder Chef. "Tägliche Aufsicht durch Erwachsene nicht mehr nötig". Mit dieser knappen Feststellung auf dem Internet-Kurznachrichtendienst Twitter hat der langjährige Googlechef Eric Schmidt den Führungswechsel angekündigt.
Eric Schmidt, 56, war 10 Jahre lang Google-Chef, weil Investoren den jungen Google-Gründern Larry Page und Sergei Brin die Leitung des Konzerns nicht zugetraut haben, aber jetzt sind die Lehrjahre vorbei. Am Montag, dem 4. April, übernimmt der 38-jährige Larry Page wieder das Ruder.
Manager des Alltags
Überspitzt gesagt, managed Page jetzt einen Teil unseres Alltags, denn "googeln" ist zu einem unverzichtbaren Verb in unserem Sprachgebrauch geworden. Von der Internetsuchmaschine, der Videoplattform You Tube, zu Bürosoftware oder Fotodienst, bis hin zum Handybetriebssystem Android, Google ist scheinbar überall.
Wer im Internet surft, kann Google kaum umgehen. Vielen Menschen ist das unheimlich. Kritiker bezeichnen Google als Datenkrake, die jeden Click den wir auf Googles Webseiten machen, zu Geld macht, denn jeder Click hinterlässt eine digitale Spur mit Informationen. Und je mehr Google über uns weiß, desto besser kann Google Werbung verkaufen, ein Milliardengeschäft. Aber eigentlich sagt Google, will uns das Unternehmen doch nur Gutes, nämlich uns Zugang zu Information verschaffen.
Wechsel von b2b auf b2c?
Was könnte nun der Machtwechsel bei Google bedeuten? Eric Schmidt hatte tendenziell die Bedürfnisse von Firmenkunden im Visier, die Google Gründer konzentrieren sich eher auf Produkte für private Konsumenten. Auch in der Außenwirkung könnte sich einiges ändern. Bei gemeinsamen Auftritten wirkt der erfahrene Manager Eric Schmidt oft gewandter als der Google Gründer Larry Page.
Eine Szene bei einer gemeinsamen Präsentation illustriert das deutlich, zum Beispiel als sich ein Kunde über die seiner Meinung nach zu geringe Laufzeit seines Akkus auf einem Android-Handy beschwert. Larry Page antwortet: "Ich finde dass die Akkus eigentlich gut funktionieren", sagt Page. Schmidt unterbricht ihn. "Widersprich ihm nicht, Larry, das ist seine Erfahrung", mahnt Schmidt unter Gelächter der Anwesenden. Page lenkt ein: "Okay, ich werde ihm das Telefon nachher neu einstellen, manchmal haben Leute im Hintergrund Software laufen, die Strom fressen, der Akku müsste einen Tag reichen, sonst ist was faul".
Und Facebook?
Google ist erfolgreich, aber Larry Page steht vor großen Herausforderungen. Wahrscheinlich die größte heißt Facebook. Facebook wird immer mächtiger und umfangreicher, Internet User verbringen immer mehr Zeit auf Facebooks Seiten und verlassen die Facebook-Welt seltener. Ein ernstes Problem für Google, denn Facebook gräbt Google die lukrativen Werbedollars ab. Außerdem war Google bisher mit eigenen Initiativen für soziale Netzwerke nicht erfolgreich. Viele Google Manager wechseln derzeit zu Facebook.
Google-Gründer Larry Page wird wieder Chef. "Tägliche Aufsicht durch Erwachsene nicht mehr nötig". Mit dieser knappen Feststellung auf dem Internet-Kurznachrichtendienst Twitter hat der langjährige Googlechef Eric Schmidt den Führungswechsel angekündigt.
Eric Schmidt, 56, war 10 Jahre lang Google-Chef, weil Investoren den jungen Google-Gründern Larry Page und Sergei Brin die Leitung des Konzerns nicht zugetraut haben, aber jetzt sind die Lehrjahre vorbei. Am Montag, dem 4. April, übernimmt der 38-jährige Larry Page wieder das Ruder.
Manager des Alltags
Überspitzt gesagt, managed Page jetzt einen Teil unseres Alltags, denn "googeln" ist zu einem unverzichtbaren Verb in unserem Sprachgebrauch geworden. Von der Internetsuchmaschine, der Videoplattform You Tube, zu Bürosoftware oder Fotodienst, bis hin zum Handybetriebssystem Android, Google ist scheinbar überall.
Wer im Internet surft, kann Google kaum umgehen. Vielen Menschen ist das unheimlich. Kritiker bezeichnen Google als Datenkrake, die jeden Click den wir auf Googles Webseiten machen, zu Geld macht, denn jeder Click hinterlässt eine digitale Spur mit Informationen. Und je mehr Google über uns weiß, desto besser kann Google Werbung verkaufen, ein Milliardengeschäft. Aber eigentlich sagt Google, will uns das Unternehmen doch nur Gutes, nämlich uns Zugang zu Information verschaffen.
Wechsel von b2b auf b2c?
Was könnte nun der Machtwechsel bei Google bedeuten? Eric Schmidt hatte tendenziell die Bedürfnisse von Firmenkunden im Visier, die Google Gründer konzentrieren sich eher auf Produkte für private Konsumenten. Auch in der Außenwirkung könnte sich einiges ändern. Bei gemeinsamen Auftritten wirkt der erfahrene Manager Eric Schmidt oft gewandter als der Google Gründer Larry Page.
Eine Szene bei einer gemeinsamen Präsentation illustriert das deutlich, zum Beispiel als sich ein Kunde über die seiner Meinung nach zu geringe Laufzeit seines Akkus auf einem Android-Handy beschwert. Larry Page antwortet: "Ich finde dass die Akkus eigentlich gut funktionieren", sagt Page. Schmidt unterbricht ihn. "Widersprich ihm nicht, Larry, das ist seine Erfahrung", mahnt Schmidt unter Gelächter der Anwesenden. Page lenkt ein: "Okay, ich werde ihm das Telefon nachher neu einstellen, manchmal haben Leute im Hintergrund Software laufen, die Strom fressen, der Akku müsste einen Tag reichen, sonst ist was faul".
Und Facebook?
Google ist erfolgreich, aber Larry Page steht vor großen Herausforderungen. Wahrscheinlich die größte heißt Facebook. Facebook wird immer mächtiger und umfangreicher, Internet User verbringen immer mehr Zeit auf Facebooks Seiten und verlassen die Facebook-Welt seltener. Ein ernstes Problem für Google, denn Facebook gräbt Google die lukrativen Werbedollars ab. Außerdem war Google bisher mit eigenen Initiativen für soziale Netzwerke nicht erfolgreich. Viele Google Manager wechseln derzeit zu Facebook.
Attwenger – Berechtigte Renitenz, substanzielle Skepsis und Punk
Einstellung der Förderung für wissenschaftliche Bibliotheken
Das österreichische Wissenschaftsministerium setzt seinen Zerstörungsfeldzug gegen die österreichische Wissenschaftslandschaft fort: Laut Standard werden nun auch die Förderungen für wissenschaftliche Bibliotheken gestrichen.
