“Unser Ziel ist es, den wissenschaftlichen Austausch im Netz zu fördern.” Interview mit Georgios Chatzoudis

Interview mit Georgios Chatzoudis, Leiter der Online-Redaktion L.I.S.A. -  Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung.

Mareike König: Herr Chatzoudis, Sie sind Leiter der Online-Redaktion “L.I.S.A. – Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung”. Was genau ist dieses Portal?

Georgios Chatzoudis: Das lässt sich hoffentlich in wenigen Worten nachvollziehbar und anschaulich sagen. Am besten ist natürlich ein kurzer Besuch bei L.I.S.A., denn das Portal ist so angelegt, dass sich das Eine möglichst aus dem Anderen ergibt. Aber ich versuche es einmal: Das Wissenschaftsportal L.I.S.A. ist eine interaktive und multimediale Plattform, die sich an alle richtet, die sich für Historische Geisteswissenschaften interessieren – also beispielsweise für Geschichte, Archäologie, Kunstgeschichte oder auch Islamwissenschaften. Insofern bildet L.I.S.A. den gesamten Förderbereich der Gerda Henkel Stiftung ab, die ausschließlich Disziplinen aus den Historischen Geisteswissenschaften fördert. Wer bei L.I.S.A. angemeldet ist, kann eigene Beiträge verfassen – und zwar in jeder Form, die die digitale Welt zurzeit bietet: als Text, mit Bildern und Bildgalerien, als Audiofile oder als Video.

Unser Ziel ist es dabei, über L.I.S.A. den wissenschaftlichen Austausch im Netz zu fördern und die Prozesse und Ergebnisse wissenschaftlichen Arbeitens mit einer interessierten Öffentlichkeit zu teilen. Denn wir sind davon überzeugt, dass die digitale Welt sowohl die Wissenskommunikation und als auch wissenschaftliche Arbeitsweisen verändern wird – wenn nicht sogar die Wissenschaft an sich. Warum wir das glauben? Digitale Kommunikationsformen haben in unseren Alltag inzwischen einen so wirksamen Einzug erfahren, dass diese Entwicklung sicherlich nicht an der Wissenschaft spurlos vorbeiziehen wird. Die Frage ist daher nicht, ob der digitale Wandel die Wissenschaft beziehungsweise ihre Arbeitsweisen und Kommunikationsformen verändert wird, sondern vielmehr wie. Das ist aber noch nicht ausgemacht, sondern wird von allen Beteiligten derzeit rege verhandelt. Anders gesagt: Wer jetzt mitmacht, hat die Gelegenheit mitzugestalten. Das begreifen auch wir als wissenschaftsfördernde Institution als eine große Chance, neue Formen der Wissenskommunikation auszuprobieren und weiterzuentwickeln.

Screenshot des Portals L.I.S.A.

Mareike König: Welche Zielgruppe wird mit L.I.S.A. angesprochen?

Georgios Chatzoudis: Auch in dieser Frage haben wir eine Entwicklung durchgemacht. Zunächst hatte die Stiftung an eine Art Intranet für die Stipendiaten gedacht, aber schon in der Entwicklungsphase wurde uns klar, dass diese Ausrichtung zu eng gefasst war und wir haben daher das Portal für eine breitere Zielgruppe geöffnet. Durch die gute mediale Resonanz zum Start waren viele Interessierte auf L.I.S.A. aufmerksam geworden und wollten mitmachen. Mit dem Effekt, dass L.I.S.A. inzwischen allen offen steht, die sich für Geschichte, Archäologie und andere geisteswissenschaftliche Disziplinen interessieren.

Insofern stellen wir zurzeit eine sehr heterogene Zielgruppe fest – das reicht vom Stipendiaten über Abiturienten, Studenten, Wissenschaftliche Mitarbeiter, Lehrbeauftragte und Lehrstuhlinhaber bis zum Naturwissenschaftler und technischen Ingenieur, der sich nebenbei für Kunst- oder Rechtsgeschichte interessiert. Wir setzen als Redaktion jedenfalls keine Grenzen mehr, sondern freuen uns, wenn Themen aus den Historischen Geisteswissenschaften öffentlich dargestellt, diskutiert und ausgetauscht werden.

Mareike König: Wie können Geisteswissenschaftler die Angebote der Plattform nutzen?

Auf vielfältige und unterschiedliche Weise – die einfachste Form ist der „normale Beitrag“, der als Text, bebildert, vertont oder in Form eines Videos erscheinen kann. Dabei gilt das Blogprinzip – der neueste Beitrag steht an oberster Stelle, bis ein neuer Eintrag erscheint. Wer möchte, kann diesen Beitrag natürlich kommentieren.

Darüber hinaus verfügt unser Portal über einen kollaborativen Arbeitsbereich, den wir L.I.S.A.teamwork genannt haben. Dort können sich Wissenschaftler zu einer Arbeitsgruppe zusammenschließen und untereinander in einem geschlossenen Bereich, zu dem nur sie Zugang und Einsicht haben, austauschen. Die Mitglieder einer Gruppe haben beispielsweise die Möglichkeit, Dokumente, Bilder oder auch Videos hochzuladen und zu archivieren.

Mareike König: L.I.S.A. ist seit 2010 am Start: welche Bilanz ziehen Sie nach zwei Jahren?

Georgios Chatzoudis: Wir sind ganz zufrieden: Seit dem Start am 23. Februar 2010 ist L.I.S.A. mehr als 13.500.000 Mal aufgerufen worden – nach einem Jahr waren es noch eine Million Seitenaufrufe. Bislang haben sich mehr als 500 Mitglieder registrieren lassen. Unser wöchentlicher L.I.S.A.Newsletter erreicht zurzeit fast 1.000 Abonnenten. Auch die Zahl der Beiträge ist nach zwei Jahren Laufzeit inzwischen deutlich gestiegen – aktuell verfügt das Portal über fast 600 Einträge. Erfreulich ist für uns dabei vor allem, dass die Zahl der sogenannten Fremdbeiträge, also Beiträge, die nicht aus der Feder der Redaktion stammen, stetig wächst. Für uns ein wichtiger Indikator dafür, dass L.I.S.A. nicht nur wahrgenommen wird, sondern vor allem lebt. In der Regel ist die Hürde, einen eigenen Beitrag zu verfassen, ja doch eher hoch.

Ein Grund für die wachsende Reichweite von L.I.S.A. ist dabei auf einen wichtigen Multiplikator zurückzuführen, der auch den Sprung in der Nutzerzahl innerhalb eines Jahres erklärt: Präsenz in und Nutzung der sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter und GooglePlus.

Mareike König: Welche Beiträge haben bei L.I.S.A. die höchsten Zugriffszahlen und woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Georgios Chatzoudis: Ich habe mich da gerade selbst überraschen lassen und auf den Filter „meist gelesene Beiträge“ geklickt. Demnach führt zurzeit ein Beitrag einer Stipendiatin mit mehr als 70.000 Aufrufen. In ihrem Beitrag beschriebt sie ihr archäologisches Promotionsprojekt – und zwar in englischer Sprache. Letzteres mag ein Grund dafür sein, dass der Beitrag besonders häufig aufgerufen worden ist. Für uns ein Grund mehr, die Navigation bei L.I.S.A. zweisprachig zu halten, also in Deutsch und Englisch. Die Beiträge erscheinen dabei allerdings immer nur in der Sprache, in der sie auch geschrieben wurden. Auf den Plätzen zwei und drei folgen wieder Beiträge in englischer Sprache mit jeweils mehr als 60.000 Klicks – auch hier waren Stipendiaten die Autoren.

Noch häufiger wurden allerdings unsere Filme aus der Rubrik L.I.S.A.video aufgerufen. Die Idee dahinter: Wissenschaftler, deren Projekte von der Gerda Henkel Stiftung gefördert werden, haben ihre wissenschaftliche Arbeit selbst gefilmt. Aus dem Rohmaterial sind anschließend professionell produzierte Projektvideos entstanden, die wir in Episoden veröffentlicht haben. Ziel war und ist es, die Arbeit beispielsweise eines Archäologen oder einer Kunsthistorikerin aus deren Perspektive zu erfahren. Die Forscherinnen und Forscher mussten sich also nicht an Drehbuch und Anweisungen einer Produktionsfirma halten, sondern sie waren Drehbuchautoren und Kamerateam in einem. Sie bestimmten, was gezeigt werden soll und was nicht. Die achtzig Episoden der ersten Staffel sind bisher fast eine Million Mal aufgerufen worden – allein das archäologische Projekt im griechischen Kalapodi um Prof. Dr. Wolf-Dieter Niemeier mehr als 110.000 Mal.


Übersichtsseite des Video-Angebots bei L.I.S.A.

Wir erklären uns das große Interesse an L.I.S.A.video damit, dass Wissenschaft beziehungsweise konkrete Forschungsprojekte im Film dargestellt werden und somit für viele Menschen besser erfahrbar sind. Außerdem ist das Internet geradezu süchtig nach Videos, also warum dann nicht der Online-Community auch Filme mit wissenschaftlichen Inhalten zur Verfügung stellen?

Zusammenfassend und grundsätzlich gilt aber folgendes: Ein Beitrag erfährt nach unserer Erfahrung viel Zuspruch, wenn er gut geschrieben ist, Mut zu einer griffigen Sprache und zum Medienwechsel beweist, visuell ansprechend gestaltet ist – beispielswiese über Bilder Inhalte illustriert und anschließend intelligent beworben wird, insbesondere unter Verwendung sozialer Netzwerke.

Mareike König: Wie geht es weiter mit L.I.S.A., in welche Richtung wird sich die Plattform in den nächsten Jahren entwickeln?

Georgios Chatzoudis: L.I.S.A. ist heute noch – auch nach etwas mehr als zwei Jahren Laufzeit – für uns ein Experiment, an dem wir stetig an den Stellschrauben drehen. Wir nehmen beispielsweise gerne Anregungen unserer Nutzer auf, um die Navigation im Portal zu vereinfachen oder neue Rubriken und Kategorien einzurichten. So kam unter anderem der kollaborative Bereich L.I.S.A.teamwork zustande.

Darüber hinaus versuchen wir, mit Neuerungen aus der digitalen Welt, so gut es geht, Schritt zu halten. Das ist alles andere als leicht, bei der Geschwindigkeit, mit dem sich der digitale Wandel vollzieht. So haben wir zuletzt mit L.I.S.A.mobil eine Version unseres Portals für Smartphones geschaffen, also mit einer abgespeckten Architektur und dafür klar einsehbaren Strukturen.

Des Weiteren wollen wir den Bereich L.I.S.A.Lecture künftig weiter ausbauen. Dabei handelt es sich um ausgesuchte Online-Vorträge und Online-Vorlesungen, die wir selbst aufzeichnen und nachbereiten. Dazu gehören auch unsere Expertenchats bei L.I.S.A.live, an der sich die Nutzer mit Fragen beteiligen können. Warum bauen wir diesen Bereich aus? Anhand der Klickzahlen stellen wir fest, dass Experten im Video online sehr häufig nachgefragt werden. So ist beispielsweise die Aufzeichnung unseres L.I.S.A.live-Chats mit der Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Gudrun Krämer bisher fast 40.000 Mal aufgerufen worden. Das heißt aber auch, dass Wissenschaftler über das Internet beziehungsweise über ihre Präsenz in wissenschaftlichen Webauftritten eine ganz andere Reichweite als in einem Hörsaal oder bei einer Podiumsdiskussion vor vielleicht hundert Leuten haben.

Ein letzter Bereich, mit dem wir uns in Zukunft stärker befassen werden, ist die digitale Veröffentlichung und Archivierung von wissenschaftlichen Monographien – Stichwort: Open Access.

Was wir uns für die Zukunft noch wünschen? Eine stetig wachsende Gemeinde an Lesern, Beitragenden und Kommentatoren, die sich für geisteswissenschaftliche Themen einerseits und deren Vermittlung andererseits interessieren. Wir möchten uns dafür vor allem mit anderen verwandten Portalen und Webpräsenzen stärker vernetzen, neue Kooperationen anregen und bestehende ausbauen. Ziel sollte es aus unserer Sicht sein, die vorhandenen Kräfte zu bündeln, um einen sich nur langsam bewegenden Brocken endlich ins Rollen zu bringen: die Geisteswissenschaften im Netz – online, interaktiv und multimedial.

 Mareike König: Herr Chatzoudis, vielen Dank für das Interview!

Georgios Chatzoudis hat die Fragen schriftlich beantwortet.

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Links

L.I.S.A. – Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung  http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de

L.I.S.A.teamwork http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/lisa_teamwork.php?nav_id=36

L.I.S.A.Newsletter http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de#newsletter

Rubrik L.I.S.A.video http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/videos_projects.php?nav_id=32&season=3592

Expertenchats bei L.I.S.A. http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/live.php?nav_id=1274

 

Weitere Interviews auf diesem Blog

Bloggen als monastische Übung. Interview mit Hans Ulrich Gumbrecht, 14.7.2011. http://dhdhi.hypotheses.org/967

“Die bedeutenden Wissenschaftssprachen müssen erhalten bleiben”. Interview mit Hinnerk Bruhns,24.1.2012. http://dhdhi.hypotheses.org/726

 

 

Quelle: http://dhdhi.hypotheses.org/930

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“Unser Ziel ist es, den wissenschaftlichen Austausch im Netz zu fördern.” Interview mit Georgios Chatzoudis


Interview mit Georgios Chatzoudis, Leiter der Online-Redaktion L.I.S.A. -  Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung.

Mareike König: Herr Chatzoudis, Sie sind Leiter der Online-Redaktion “L.I.S.A. – Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung”. Was genau ist dieses Portal?

Georgios Chatzoudis: Das lässt sich hoffentlich in wenigen Worten nachvollziehbar und anschaulich sagen. Am besten ist natürlich ein kurzer Besuch bei L.I.S.A., denn das Portal ist so angelegt, dass sich das Eine möglichst aus dem Anderen ergibt. Aber ich versuche es einmal: Das Wissenschaftsportal L.I.S.A. ist eine interaktive und multimediale Plattform, die sich an alle richtet, die sich für Historische Geisteswissenschaften interessieren – also beispielsweise für Geschichte, Archäologie, Kunstgeschichte oder auch Islamwissenschaften. Insofern bildet L.I.S.A. den gesamten Förderbereich der Gerda Henkel Stiftung ab, die ausschließlich Disziplinen aus den Historischen Geisteswissenschaften fördert. Wer bei L.I.S.A. angemeldet ist, kann eigene Beiträge verfassen – und zwar in jeder Form, die die digitale Welt zurzeit bietet: als Text, mit Bildern und Bildgalerien, als Audiofile oder als Video.

Unser Ziel ist es dabei, über L.I.S.A. den wissenschaftlichen Austausch im Netz zu fördern und die Prozesse und Ergebnisse wissenschaftlichen Arbeitens mit einer interessierten Öffentlichkeit zu teilen. Denn wir sind davon überzeugt, dass die digitale Welt sowohl die Wissenskommunikation und als auch wissenschaftliche Arbeitsweisen verändern wird – wenn nicht sogar die Wissenschaft an sich. Warum wir das glauben? Digitale Kommunikationsformen haben in unseren Alltag inzwischen einen so wirksamen Einzug erfahren, dass diese Entwicklung sicherlich nicht an der Wissenschaft spurlos vorbeiziehen wird. Die Frage ist daher nicht, ob der digitale Wandel die Wissenschaft beziehungsweise ihre Arbeitsweisen und Kommunikationsformen verändert wird, sondern vielmehr wie. Das ist aber noch nicht ausgemacht, sondern wird von allen Beteiligten derzeit rege verhandelt. Anders gesagt: Wer jetzt mitmacht, hat die Gelegenheit mitzugestalten. Das begreifen auch wir als wissenschaftsfördernde Institution als eine große Chance, neue Formen der Wissenskommunikation auszuprobieren und weiterzuentwickeln.

Screenshot des Portals L.I.S.A.

Mareike König: Welche Zielgruppe wird mit L.I.S.A. angesprochen?

Georgios Chatzoudis: Auch in dieser Frage haben wir eine Entwicklung durchgemacht. Zunächst hatte die Stiftung an eine Art Intranet für die Stipendiaten gedacht, aber schon in der Entwicklungsphase wurde uns klar, dass diese Ausrichtung zu eng gefasst war und wir haben daher das Portal für eine breitere Zielgruppe geöffnet. Durch die gute mediale Resonanz zum Start waren viele Interessierte auf L.I.S.A. aufmerksam geworden und wollten mitmachen. Mit dem Effekt, dass L.I.S.A. inzwischen allen offen steht, die sich für Geschichte, Archäologie und andere geisteswissenschaftliche Disziplinen interessieren.

Insofern stellen wir zurzeit eine sehr heterogene Zielgruppe fest – das reicht vom Stipendiaten über Abiturienten, Studenten, Wissenschaftliche Mitarbeiter, Lehrbeauftragte und Lehrstuhlinhaber bis zum Naturwissenschaftler und technischen Ingenieur, der sich nebenbei für Kunst- oder Rechtsgeschichte interessiert. Wir setzen als Redaktion jedenfalls keine Grenzen mehr, sondern freuen uns, wenn Themen aus den Historischen Geisteswissenschaften öffentlich dargestellt, diskutiert und ausgetauscht werden.

Mareike König: Wie können Geisteswissenschaftler die Angebote der Plattform nutzen?

Auf vielfältige und unterschiedliche Weise – die einfachste Form ist der „normale Beitrag“, der als Text, bebildert, vertont oder in Form eines Videos erscheinen kann. Dabei gilt das Blogprinzip – der neueste Beitrag steht an oberster Stelle, bis ein neuer Eintrag erscheint. Wer möchte, kann diesen Beitrag natürlich kommentieren.

Darüber hinaus verfügt unser Portal über einen kollaborativen Arbeitsbereich, den wir L.I.S.A.teamwork genannt haben. Dort können sich Wissenschaftler zu einer Arbeitsgruppe zusammenschließen und untereinander in einem geschlossenen Bereich, zu dem nur sie Zugang und Einsicht haben, austauschen. Die Mitglieder einer Gruppe haben beispielsweise die Möglichkeit, Dokumente, Bilder oder auch Videos hochzuladen und zu archivieren.

Mareike König: L.I.S.A. ist seit 2010 am Start: welche Bilanz ziehen Sie nach zwei Jahren?

Georgios Chatzoudis: Wir sind ganz zufrieden: Seit dem Start am 23. Februar 2010 ist L.I.S.A. mehr als 13.500.000 Mal aufgerufen worden – nach einem Jahr waren es noch eine Million Seitenaufrufe. Bislang haben sich mehr als 500 Mitglieder registrieren lassen. Unser wöchentlicher L.I.S.A.Newsletter erreicht zurzeit fast 1.000 Abonnenten. Auch die Zahl der Beiträge ist nach zwei Jahren Laufzeit inzwischen deutlich gestiegen – aktuell verfügt das Portal über fast 600 Einträge. Erfreulich ist für uns dabei vor allem, dass die Zahl der sogenannten Fremdbeiträge, also Beiträge, die nicht aus der Feder der Redaktion stammen, stetig wächst. Für uns ein wichtiger Indikator dafür, dass L.I.S.A. nicht nur wahrgenommen wird, sondern vor allem lebt. In der Regel ist die Hürde, einen eigenen Beitrag zu verfassen, ja doch eher hoch.

Ein Grund für die wachsende Reichweite von L.I.S.A. ist dabei auf einen wichtigen Multiplikator zurückzuführen, der auch den Sprung in der Nutzerzahl innerhalb eines Jahres erklärt: Präsenz in und Nutzung der sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter und GooglePlus.

Mareike König: Welche Beiträge haben bei L.I.S.A. die höchsten Zugriffszahlen und woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Georgios Chatzoudis: Ich habe mich da gerade selbst überraschen lassen und auf den Filter „meist gelesene Beiträge“ geklickt. Demnach führt zurzeit ein Beitrag einer Stipendiatin mit mehr als 70.000 Aufrufen. In ihrem Beitrag beschriebt sie ihr archäologisches Promotionsprojekt – und zwar in englischer Sprache. Letzteres mag ein Grund dafür sein, dass der Beitrag besonders häufig aufgerufen worden ist. Für uns ein Grund mehr, die Navigation bei L.I.S.A. zweisprachig zu halten, also in Deutsch und Englisch. Die Beiträge erscheinen dabei allerdings immer nur in der Sprache, in der sie auch geschrieben wurden. Auf den Plätzen zwei und drei folgen wieder Beiträge in englischer Sprache mit jeweils mehr als 60.000 Klicks – auch hier waren Stipendiaten die Autoren.

Noch häufiger wurden allerdings unsere Filme aus der Rubrik L.I.S.A.video aufgerufen. Die Idee dahinter: Wissenschaftler, deren Projekte von der Gerda Henkel Stiftung gefördert werden, haben ihre wissenschaftliche Arbeit selbst gefilmt. Aus dem Rohmaterial sind anschließend professionell produzierte Projektvideos entstanden, die wir in Episoden veröffentlicht haben. Ziel war und ist es, die Arbeit beispielsweise eines Archäologen oder einer Kunsthistorikerin aus deren Perspektive zu erfahren. Die Forscherinnen und Forscher mussten sich also nicht an Drehbuch und Anweisungen einer Produktionsfirma halten, sondern sie waren Drehbuchautoren und Kamerateam in einem. Sie bestimmten, was gezeigt werden soll und was nicht. Die achtzig Episoden der ersten Staffel sind bisher fast eine Million Mal aufgerufen worden – allein das archäologische Projekt im griechischen Kalapodi um Prof. Dr. Wolf-Dieter Niemeier mehr als 110.000 Mal.


Übersichtsseite des Video-Angebots bei L.I.S.A.

Wir erklären uns das große Interesse an L.I.S.A.video damit, dass Wissenschaft beziehungsweise konkrete Forschungsprojekte im Film dargestellt werden und somit für viele Menschen besser erfahrbar sind. Außerdem ist das Internet geradezu süchtig nach Videos, also warum dann nicht der Online-Community auch Filme mit wissenschaftlichen Inhalten zur Verfügung stellen?

Zusammenfassend und grundsätzlich gilt aber folgendes: Ein Beitrag erfährt nach unserer Erfahrung viel Zuspruch, wenn er gut geschrieben ist, Mut zu einer griffigen Sprache und zum Medienwechsel beweist, visuell ansprechend gestaltet ist – beispielswiese über Bilder Inhalte illustriert und anschließend intelligent beworben wird, insbesondere unter Verwendung sozialer Netzwerke.

Mareike König: Wie geht es weiter mit L.I.S.A., in welche Richtung wird sich die Plattform in den nächsten Jahren entwickeln?

Georgios Chatzoudis: L.I.S.A. ist heute noch – auch nach etwas mehr als zwei Jahren Laufzeit – für uns ein Experiment, an dem wir stetig an den Stellschrauben drehen. Wir nehmen beispielsweise gerne Anregungen unserer Nutzer auf, um die Navigation im Portal zu vereinfachen oder neue Rubriken und Kategorien einzurichten. So kam unter anderem der kollaborative Bereich L.I.S.A.teamwork zustande.

Darüber hinaus versuchen wir, mit Neuerungen aus der digitalen Welt, so gut es geht, Schritt zu halten. Das ist alles andere als leicht, bei der Geschwindigkeit, mit dem sich der digitale Wandel vollzieht. So haben wir zuletzt mit L.I.S.A.mobil eine Version unseres Portals für Smartphones geschaffen, also mit einer abgespeckten Architektur und dafür klar einsehbaren Strukturen.

Des Weiteren wollen wir den Bereich L.I.S.A.Lecture künftig weiter ausbauen. Dabei handelt es sich um ausgesuchte Online-Vorträge und Online-Vorlesungen, die wir selbst aufzeichnen und nachbereiten. Dazu gehören auch unsere Expertenchats bei L.I.S.A.live, an der sich die Nutzer mit Fragen beteiligen können. Warum bauen wir diesen Bereich aus? Anhand der Klickzahlen stellen wir fest, dass Experten im Video online sehr häufig nachgefragt werden. So ist beispielsweise die Aufzeichnung unseres L.I.S.A.live-Chats mit der Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Gudrun Krämer bisher fast 40.000 Mal aufgerufen worden. Das heißt aber auch, dass Wissenschaftler über das Internet beziehungsweise über ihre Präsenz in wissenschaftlichen Webauftritten eine ganz andere Reichweite als in einem Hörsaal oder bei einer Podiumsdiskussion vor vielleicht hundert Leuten haben.

Ein letzter Bereich, mit dem wir uns in Zukunft stärker befassen werden, ist die digitale Veröffentlichung und Archivierung von wissenschaftlichen Monographien – Stichwort: Open Access.

Was wir uns für die Zukunft noch wünschen? Eine stetig wachsende Gemeinde an Lesern, Beitragenden und Kommentatoren, die sich für geisteswissenschaftliche Themen einerseits und deren Vermittlung andererseits interessieren. Wir möchten uns dafür vor allem mit anderen verwandten Portalen und Webpräsenzen stärker vernetzen, neue Kooperationen anregen und bestehende ausbauen. Ziel sollte es aus unserer Sicht sein, die vorhandenen Kräfte zu bündeln, um einen sich nur langsam bewegenden Brocken endlich ins Rollen zu bringen: die Geisteswissenschaften im Netz – online, interaktiv und multimedial.

 Mareike König: Herr Chatzoudis, vielen Dank für das Interview!

Georgios Chatzoudis hat die Fragen schriftlich beantwortet.

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L.I.S.A. – Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung  http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de

L.I.S.A.teamwork http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/lisa_teamwork.php?nav_id=36

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Rubrik L.I.S.A.video http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/videos_projects.php?nav_id=32&season=3592

Expertenchats bei L.I.S.A. http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/live.php?nav_id=1274

 

Weitere Interviews auf diesem Blog

Bloggen als monastische Übung. Interview mit Hans Ulrich Gumbrecht, 14.7.2011. http://dhdhi.hypotheses.org/967

“Die bedeutenden Wissenschaftssprachen müssen erhalten bleiben”. Interview mit Hinnerk Bruhns,24.1.2012. http://dhdhi.hypotheses.org/726

 

 

Quelle: http://dhdhi.hypotheses.org/930

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Die Werkstatt des Historikers öffnen: Soziale Medien und Wissenschaftsblogs

The shoemaker F. A. Sandell in his workshop.

The shoemaker F. A. Sandell in his workshop

Aus dem Französischen übersetzt von Inger Brandt und Mareike König.

In welcher Weise verändern die digitalen Technologien die Arbeitsbedingungen des Historikers? Bereits seit mehreren Jahrzehnten gibt es darauf Antworten. Die Erstellung quantitativer Datenbanken, die Digitalisierung wichtiger Quellen, die kartografische Darstellung und die Analyse sozialer Netzwerke mit IT-Werkzeugen sind dabei die ältesten und wichtigsten Meilensteine. Die Retrodigitalisierung und Online-Veröffentlichung akademischer Literatur der Disziplin, seien es Zeitschriften oder Bücher, stellen eine weitere Etappe in dieser Richtung dar. Die digitale Technologie hat bis heute zugleich den Werkzeugkasten des Historikers – um den schönen Ausdruck aus dem gleichnamigen Blog La Boite à Outil des Historien aufzugreifen – und seine Publikationsmöglichkeiten grundlegend verändert.

Einige berühmte Beispiele aus der Vergangenheit haben Historiker gelehrt, dass nicht immer eindeutig bestimmt werden kann, ab wann es Zeit ist, die „Revolution zu beenden“. Revolutionäre Phänomene nähren sich mitunter selbst. Man kann daher von einer „permanenten Revolution“[1] sprechen, wie es der Soziologe Philippe Breton mit Blick auf das Internet tut. Es sind heute also die neuen Werkzeuge und vor allem die neuen Praktiken der vernetzten Kommunikation, die – nachdem sie seit einigen Jahren immer stärker von der breiten Öffentlichkeit genutzt wurden – seit kurzem auch in den Sozial- und Geisteswissenschaften auftauchen. Es handelt sich um die Werkzeuge des Web 2.0, die sich von der Vorgängergeneration durch ihre einfache Nutzung und durch ihren gleichzeitig unkonzentrierten, horizontalen und unmittelbaren Charakter der Kommunikationspraktiken unterscheiden: Plattformen für content sharing (Dokumente, Fotos, bibliografische Referenzen), Blogs und soziale Netzwerke stellen ein Ensemble an „sozialen Medien“ dar. Deren Anwendung durch Historiker wird zunehmend selbst Gegenstand der Debatte. Das zeigt auch das kürzlich vom Deutschen Historischen Institut Paris organisierte Kolloquium „Im Netz der sozialen Medien – Neue Publikations- und Kommunikationswege in den Geisteswissenschaften“[2]. Es war besonders interessant, im Verlauf des Kolloquiums Wissenschaftler unterschiedlicher Herkunft darüber reden zu hören, wie sie sich die neuen Werkzeuge aneignen, um ihre Kommunikationspraktiken von Grund auf zu erneuern. Man traf dort Historiker wie Peter Haber von der Universität Basel mit seinem Blog bei Hist.net, André Gunthert von der EHESS, der die Plattform Culture visuelle für wissenschaftliche Blogs in visueller Geschichte aufgebaut hat, oder auch Klaus Graf, der das berühmte Weblog Archivalia vorstellte und mit der provokanten These „ein Wissenschaftler ohne Blog ist ein schlechter Wissenschaftler“ für Aufsehen sorgte[3].

Eine Arbeit bei „geöffneter Werkstatt“

Trotz der Polemik kann es interessant sein nachzuvollziehen, welche Rolle ein Wissenschaftsblog bei der Arbeit eines Forschers spielen kann und ab welchem Moment des Forschungsprozesses er eingesetzt wird. Und da es sich offensichtlich um ein Kommunikationsmittel handelt, stellt sich die Frage nach der Einordnung von Blogs im Vergleich zu den traditionellen Publikationen wie Zeitschriften und Büchern, die mittlerweile auch im Internet vertrieben werden. Bei aufmerksamer Betrachtung wissenschaftlicher Blogs wie den gerade erwähnten oder denen auf der von Cléo betriebenen Plattform hypotheses.org gehosteten Blogs kristallisiert sich folgendes Hauptmerkmal heraus: Während die traditionellen Publikationen scharf die interne Kommunikation (Forschungsergebnisse adressiert an Kollegen) von der externen Kommunikation (an die breite Öffentlichkeit gerichtete populärwissenschaftliche Aufbereitung) trennen, neigen die Wissenschaftsblogs dazu, beide Bereiche an einem Veröffentlichungsort zusammenzuführen. In seinem Blog arbeitet der Historiker bei „geöffneter Werkstatt“; er enthüllt seine tagtägliche Arbeitsroutine, seine Lektüren, seine Erkenntnisse, seine Hypothesen, seine Zweifel. Schließlich legt er einen Aspekt seiner Forschung offen, noch „während diese im Entstehen“ ist, wie es bei den Soziologen aus der Schule von Bruno Latour heißt[4]. Das weckt sowohl das Interesse der unmittelbaren Kollegen, die möglichst schnell Zugang zu dieser Information erhalten und diese eventuell nach wissenschaftlichen Gepflogenheiten kritisieren möchten, als auch das Interesse einer breiteren Öffentlichkeit, die aus unterschiedlichen Gründen am jeweiligen Thema interessiert ist. Wie dem auch sei, eines unterscheidet das Blog deutlich von den kanonischen Publikationsformen, die sowohl in der Form als auch im Erscheinungsrhythmus festgelegt sind: und das ist die Freiheit, die der Autor im Hinblick auf Tonfall, Form, Länge, Thema und Publikationsrhythmus hat. Diese große Freiheit der Ausdrucksmöglichkeiten macht dem Wissenschaftler Spaß und motiviert ihn daher zum Schreiben. Gleichzeitig zieht sie eine hybride Leserschaft an, die mit dem Autor ein Gespräch beginnen kann. Das Ergebnis ist erstaunlich: Die wissenschaftlichen Blogs unterscheiden sich stark voneinander; die Forscher, ob allein oder gemeinsam in einem Forschungsteam, veröffentlichen hier alle Arten von Informationen in unterschiedlichen Rhythmen und in variierender Länge. Im Vergleich zu Zeitschriften und anderen konzeptionell stärker eingeschränkten Publikationsformen geben Blogs ein völlig uneinheitliches Bild ab. Sie zeigen das „Sammelsurium des Wissenschaftlers“, wie es Marin Dacos so treffend ausdrückt[5]. Und über genau diese Vielfalt begreift man das Wesen der Blogs erst richtig, indem die verschiedenen Arten von Informationen, die auf den Blogs verbreitet werden, genauer betrachtet.

Am häufigsten findet man dort kurze Anmerkungen zu den Neuigkeiten aus dem Fachgebiet des Autors: Ankündigungen über Kolloquien und Studientage, call for papers, Meldungen über Neuerscheinungen oder Ausstellungen. Oftmals begnügt sich der bloggende Wissenschaftler damit, die Texte der Aufrufe, die Programme der Kolloquien, den Klappentext des erschienenen Werks wiederzugeben, ohne einen besonderen Kommentar hinzuzufügen. Dies ist beispielsweise beim Blog Emma der Fall, das aus dem von Damien Boquet und Piroska Nagy geleiteten Forschungsprogramm zu Emotionen im Mittelalter hervorgegangen ist. Man kann vielleicht nach dem Nutzen eines solchen Blogs fragen, das anscheinend nur aus einer Ansammlung von hier und da erschienen Annoncen besteht. In Wirklichkeit handelt es sich um ein wertvolles Monitoring-Tool, da diese Blogs eine – manchmal in Kategorien geordnete – qualitative Auswahl an Neuigkeiten zu einem Fachgebiet bieten. Für die gleiche Aufgabe könnten auch andere Tools genutzt werden (wie Anzeige-Services oder Ressourcen-Aggregatoren), aber das Blog ist ein ebenso interessanter Informationsträger. Auf hypotheses.org haben einige Blogs diese Vorgehensweise systematisiert, in dem sie „den Radar eingeschaltet“ und „Monitoring-Blogs“ eingerichtet haben. So steht beispielsweise Nuevo Mundo Radar für das wissenschaftliche Monitoring des lateinamerikanischen Raums durch das Redaktionsteam der gleichnamigen Zeitschrift. Es sei angemerkt, dass die Praxis des minimalistischen sharing von Meldungen durch die zunehmende Anzahl von unterstützenden Tools verschiedenster Art eine wunderbare Dynamik besitzt. So ist auch das von Dan Cohen geleitete Center for History and New Media in Washington dabei, mit Pressforward[6] ein Tool basierend auf eben diesem Prinzip zu entwickeln.

Lektürenotizen

Einige Wissenschaftsblogger entscheiden sich, alle oder einen Teil ihrer Auswahl zu kommentieren. Dabei handelt es sich dann um richtige Postings in Form von Kurzberichten, wie man sie beispielsweise im kürzlich von Raphaëlle Bats gestarteten Blog Les Préfaces du Griffon zur Geschichte des Lyoner Verlagswesens im 16. Jahrhundert findet. Diese knappen Notizen, aufgeschrieben und sogleich im Eifer des Gefechts veröffentlicht, diese ersten Kommentare zu einer Veröffentlichung müssen deutlich unterschieden werden von Buchbesprechungen, die in Wirklichkeit eigene Artikel sind und in Zeitschriften veröffentlicht werden. Die verschiedenen Formen decken sich nicht, sondern ergänzen sich vielmehr: Der im Blog veröffentlichte Eintrag bietet den Vorteil der Schnelligkeit und der Freiheit im Tonfall (häufig ist man dort bissiger), während eine Buchbesprechung formal und inhaltlich überprüft wird, und somit oft umfassender und sachlicher ist. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Eine in gewisser Weise der Entwurf für das Andere wird. Beim Blogbeitrag handelt sich dann um eine Art vorbereitende Stufe, die zu einer peer-review-Veröffentlichung führt.

Andere Wissenschaftsblogs bieten ausgearbeitete Notizen, die zwar dem Texttyp entsprechend kurz sind, aber über einen bestimmten Forschungsaspekt Bericht erstatten. Hier wäre Rwanda zu erwähnen, ein vielversprechendes Blog, in dem der Doktorand Rémi Korman von seinen Recherchen in den Archiven Ruandas zur Geschichte des Genozids und dem Gedenken daran berichtet. Er erzählt in seinen Notizen relativ sachlich vom Zustand der Quellen, die er bearbeitet, und zwar in dem Moment, in dem er seine Forschungen durchführt. Es ist einer der Vorteile dieser Art von Online-Publikation, die auf einer sehr simplen Blogtechnik beruht, dass sie von überall her und selbst bei schwieriger Internetverbindung durchgeführt werden kann. Andere Forschergruppen, wie das Team, das sich im Blog Terriat mit „Warteräumen“ (territoires de l’attente) im Migrationsprozess in den amerikanischen und atlantischen Gesellschaften befasst, entscheiden sich eher für kurze Notizen, die historische Quellen wie Fotos und Interviewausschnitte kommentieren. Hier wird das Schriftstück weder durch einen umfassenden Anmerkungsapparat noch durch einen Zweifel an der Kohärenz oder der Konstruktion gestört. Es handelt sich um Notizen, die Tag für Tag in dieser Form im Blog landen und veröffentlicht werden. Im Gegensatz zur Zeitschrift, in der die Artikel lektoriert und von Fachkollegen überprüft werden, handelt es sich beim Blog ausschließlich um das Forschungsjournal des Wissenschaftlers – und um nichts weiter. Aber als solches stellt es eine unschätzbare Quelle für Informationen aus erster Hand dar. Das Blog kann auch kollektiv organisiert sein, was den Charakter von Aimos widerspiegelt. Dort hat sich eine Gruppe junger Wissenschaftler zusammengefunden, die untereinander, aber auch mit einer breiteren Öffentlichkeit, Ressourcen über die Kunst und Bilder der Arbeiter- und Sozialbewegung austauchen wollen.

Das Blog besitzt darüber hinaus gelegentlich auch einen historischen Wert an sich, was das Team vom Centre d’étude des mondes africains deutlich erkannt hat. Sie veröffentlichen in Les Cahiers de Terrain de Raymond Mauny online eine digitalisierte Version der Aufzeichnungen des bekannten Archäologen. Dabei erfolgt die Publikation der einzelnen Aufzeichnungen im gleichen Zeitabstand, in dem sie der Forscher damals notierte… nur 60 Jahre später. Abgesehen von der Neugier, die eine solche Aktion weckt, und dem Geschick, mit dem dieser Teil des wissenschaftlichen Erbes gewürdigt wird, kann man nur erstaunt sein über die historische Kontinuität einer wissenschaftlichen Tradition, die sich so von einem Informationsträger zum nächsten einstellt. Und jenseits der revolutionären Bejahung, die die Entwicklung digitaler Technologien oftmals begleiten: das Wissenschaftsblog oder das online Forschungsjournal ist nichts anderes als ein gemeinsames Ausgrabungsjournal, was gleichzeitig alles und nichts verändert. Im Übrigen wollte Christian Jacob genau das im zweiten Band seiner von ihm herausgegebenen meisterhaften historischen Untersuchung über die „Lieux de Savoirs“[7] erreichen, in dem er ein Kapitel über wissenschaftliche Blogs einforderte.

Eine schizophrene Kommunikation?

Über das Ausgrabungsjournal hinaus entscheiden sich einige Forscherteams, ihre Beiträge stärker zu edieren, indem sie Textstil und Präsentation der Information angleichen. Dies trifft beispielsweise auf das Blog de la Grotte des Fraux zu, das sich mit den Ausgrabungen in der gleichnamigen Höhle im Departement Dordogne befasst. Dieses reich bebilderte Blog berichtet äußerst gewissenhaft vom Fortschritt der Arbeiten in den Tiefen der Grotte. Ein interessanter Fall, da es zugleich eine fachlich sehr spezialisierte Leserschaft (die Texte sind oft sehr technisch) und ein breites Publikum von Liebhabern der Archäologie anspricht:

„Die spezifische Welt der Kunst und der Höhle, mit all den Bildern, Vorstellungswelten und dem Verbotenen, das damit verbunden ist, verkörpert die Schwierigkeiten, mit einem speziellen Forschungsgegenstand konfrontiert zu sein. Da sowohl die wissenschaftliche Gemeinschaft wie auch die Öffentlichkeit nur schwer Zugang zu diesen physischen und geistigen Orten finden, ist es unser Anliegen, den Forschern und der Öffentlichkeit diese Gedankenelemente zur Verfügung zu stellen.

Diese Haltung mag schizophren erscheinen! Wie soll die korrekte Durchführung eines Forschungsvorhabens – das ein Abwägen der Hypothesen, eine Prüfung der Protokolle und eine Bestätigung der Ergebnisse erfordert – mit der Veröffentlichung von vorläufigen Rohdaten, die Gefahr laufen widerlegt zu werden, zusammengeführt werden? Das ist die große Herausforderung in diesem Forschungsblog: möglichst schnelle Verbreitung der Daten auf einem wissenschaftlichen Portal, bei gleichzeitiger Wahrung der Freiheit, sich widersprechen und sein Urteil ändern zu können. Das ist die Idee, die uns an diesem Projekt so fasziniert hat.“

Schizophren gestaltet sich das Projekt Blog de la Grotte des Fraux allerdings keineswegs, ganz im Gegenteil. Denn es wird versucht, im selben editorischen Rahmen zugleich nicht belegte Arbeitshypothesen, bestätigte Ergebnisse und Erläuterungen für ein fachfremdes Publikum zu vereinen. Aus diesem Grund stellt das Blog eines der interessantesten und innovativsten Experimente auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Kommunikation dar.

Von einem Blog mit Textentwürfen bis zum stärker ausgearbeiteten Grabungsjournal hat das online Forschungsjournal den Vorteil einer großen Flexibilität, die jedem Autor erlaubt, die Art und Weise der Nutzung seines Blogs selbst festzulegen. Die Distanz zum Blog ist nicht leicht aufzubauen und wird in tausend aufeinanderfolgenden Anpassungen vorgenommen, wie Benoît Kermoal in einem seiner letzten Beiträge seines Blog Enklask/ Enquête, bei dem es wie in seiner gleichnamigen Doktorarbeit um die Geschichte der sozialistischen Bewegung in der Bretagne geht, erkennen lässt.

„Trotz meiner Vorsicht scheinen einige Leser zu glauben, dass die Notizen in diesem Blog meine gesamte Forschungsarbeit ausmachen. Es handelt sich aber lediglich um Skizzen, um Teile eines Puzzles ohne Vorlage, um eine Ansammlung von Legosteinen, die schlecht zusammengefügt sind und noch kein Objekt bilden. Ich mache aber dennoch weiter, und zwar vor allem, um mich im Schreiben zu üben. Ich betreibe diese Form der Übung aber auch deshalb weiter, weil sie mir erlaubt, meine Forschung zu ordnen, zu klassifizieren, gedankliche Pfade zu kreuzen und zu verfolgen und nicht den lähmenden Eindruck zu bekommen, auf der Stelle zu treten.

Das kann dem Leser natürlich als Entwurf erscheinen, als zu skizzenhaft und zweifellos auch als ähnlich egozentrisch wie ein Forschungsjournal, das man für sich behält. Aber Enklask/ Enquête ist kein Notizheft mit Textentwürfen (davon habe ich bereits genug); es ist auch keine Aneinanderreihung von Beiträgen, die zusammen fertige und redigierte Artikel nach den Regeln der Geschichtskunst bilden. Es handelt sich um eine hybride Form, eine Erforschung mehrerer Wege, bevor der richtige gefunden ist. Man sollte sich nicht davor fürchten, wieder zurück zu gehen, sich einzugestehen, dass man sich verlaufen hat oder seine Fehler anzuerkennen. Das Wichtige ist jedoch, mit seinen Forschungen voranzukommen. Eine solche hybride Form impliziert zusätzlich eine Vielzahl von Änderungen im Ton, in der Sichtweise und im Ansatzpunkt.“[8]

Die Archive öffnen?

Der Bereich der Archive spielt eine zentrale Rolle in der Werkstatt des Historikers. Hier tut er sich schwer mit der Preisgabe von Informationen. Die Entdeckungen, die er dort machen kann, könnten ihm möglicherweise einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Kollegen verschaffen. Obwohl es für den Historiker oft schwierig ist, Informationen aus „seinen“ Archiven öffentlich zu machen, insbesondere solange seine Arbeit bisher noch nicht in einem oder mehreren Werken veröffentlicht wurde, haben einige Wissenschaftler dennoch beschlossen, bei „offenem Archiv“ zu arbeiten. Ein solcher Fall ist Isabelle Brancourt, die seit mehreren Jahren über das Parlament von Paris  forscht. In ihrem Blog betreibt sie seit zwei Jahren vor allem „die Bereitstellung [ihres] persönlichen Forschungsjournals mit der Analyse der Sammlung des Gerichtsschreibers Jean-Gilbert Delisle, im Dienste des zivilen Urkundsbeamten des Pariser Parlaments in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts“[9]. Es sind nicht viele Beispiele von Wissenschaftlern bekannt, die ihre Rohdaten während des laufenden Forschungsprozesses zur Verfügung stellen. Die Vorgehensweise ist selten genug, scheint es, so dass sie hier besonders hervorgehoben werden soll, denn sie hinterfragt die gängigste Gewohnheit der Disziplin.

Es wäre schade, diesen Überblick der verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten von wissenschaftlichen Blogs abzuschließen, ohne die methodologischen Blogs zu erwähnen, die in mehreren Disziplinen entstehen. Dazu gehören zum Beispiel in der Soziologie Quanti, aber auch in der Geschichtswissenschaft Devenir Historien-ne, oder auch interdisziplinär das Blog Les Aspects concrets de la Thèse, das nicht nur Historiker, sondern auch andere Disziplinen anspricht. Thinking with my fingers: Für die Mehrheit der Blogger wie auch für die Wissenschaftlerin Torill Mortensen, die diesen Titel für ihr Blog gewählt hat, handelt es sich beim wissenschaftlichen Blog zunächst um ein Werkzeug zur Selbstreflexion, da das Blog ihnen erlaubt, durch die Erklärung ihrer Forschung in ihrer Arbeit voran zu kommen. Jedoch sind Blogs nicht trivial: online gestellt, wird es veröffentlicht und weiter verbreitet. Das bringt eine Mehrdeutigkeit mit sich, die von Benoît Kermoal schön zusammengefasst wurde: „An wen richten sich die Beiträge? Das kommt darauf an, mal an mich selbst, mal an alle Leser, manchmal an Doktoranden oder an Liebhaber der lokalen Geschichte oder der Geschichte der Arbeiterbewegung. Aber es ist vor allem eine Arbeit, die mir erlaubt, meine Forschungen zu strukturieren.“[10] Diese Mehrdeutigkeit ist der Preis für die Freiheit und sie kann mit gutem Recht kritisiert werden. Und das wird sie im Übrigen auch oft. Sie macht aber auch den Reichtum eines wissenschaftlichen Blogs aus. Ein Blog kann Kreativität freisetzen, weil es den Schreibenden von jeglichem akademischen Formalismus befreit. Allerdings kann dieser Prozess nur funktionieren, wenn das Blog der öffentlichen Lektüre unterworfen wird, sei es mit Blick auf unterschiedliche oder unbestimmte Empfänger. Es stellt also für Doktoranden wie auch für erfahrene Wissenschaftler ein nicht zu leugnendes Risiko dar. Das ist die Sache jedoch wert.

Autorenversion eines Artikels für die Zeitschrift „Bulletin de la Societe d’histoire moderne et contemporaine“.

Originalversion Ouvrir l’atelier de l’historien: médias sociaux et carnets de recherche en ligne <http://www.homo-numericus.net/spip.php?article304>

 


[1] Philippe Breton, Le culte de l’internet: une menace pour le lien social?, Paris (Editions La Découverte) 2000.

[2] Pierre Mounier, Dans la toile des médias sociaux / Im Netz der sozialen Medien 27-28 Juin 2011, in: Digital Humanities à l’IHA, 24.5.2011, http://dhiha.hypotheses.org/25 .

[3] Mareike König, Tweets und Gedanken zur Tagung “Im Netz der sozialen Medien“, in: Digital Humanities à l’IHA, 11.7.2011, <http://dhiha.hypotheses.org/284>.

[4] Antoine Blanchard, Comment montrer la “science en train de se faire”?, in: La Science, La Cité, 31.5.2008, <http://www.enroweb.com/blogsciences/index.php?2008/05/31/261>.

[5] Marin Dacos, Pierre Mounier, Les Carnets de recherches en ligne. Espace d’une conversation scientifique décentrée, in: Lieux de savoir, Paris (Albin Michel), im Druck, S. ii.

[6] Roy Rosenzweig, Introducing PressForward, in: Center for History and New Media, 24.6.2011, <http://chnm.gmu.edu/news/introducing-pressforward/>.

[7] Christian Jacob (Hg.), Lieux de savoir?, t. 2, Les mains de l’intellect, Paris (Editions Albin Michel) 2011.

[8] Benoît Kermoal, Seulement la partie visible de l’iceberg, Enklask / Enquete, 6.9.2011, <http://enklask.hypotheses.org/257>.

[9] Isabelle Brancourt, Mon „carnet“ Delisle?: Son Journal pour l’année 1730 (I), in: Parlement de Paris (XVIe-XVIIIe siècle), 9.2.2010, <http://parlementdeparis.hypotheses.org/218>.

[10] Benoît Kermoal, Seulement la partie visible de l’iceberg, Enklask / Enquete, 6.9.2011, <http://enklask.hypotheses.org/257>.

Quelle: http://dhdhi.hypotheses.org/591

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Über den Nutzen von Twitter auf Tagungen: das Beispiel .hist2011

Der digitale Wandel der Geschichte war das Thema der Tagung .hist2011, die im September 2011 in Berlin statt gefunden hat. Es war die dritte Veranstaltung dieser Art nach .hist2003 und .hist2006, organisiert in diesem Jahr von Clio-Online und dem Wissenschafts-Portal L.I.S.A. der Gerda-Henkel-Stiftung. Vorträge, Podiumsdiskussionen und Werkstattberichte wechselten sich ab (bzw. fanden parallel statt) und boten ein sehr vielfältiges Bild dessen, was digitale Geschichte in Deutschland aktuell darstellt.

Unter den zahlreichen Zuhörer/innen waren auch einige Twitterer, die ihre Follower mit Neuigkeiten von der Tagung versorgten oder untereinander diskutierten. Im ausführlichen Tagungsbericht von Stefan Gorißen und Thomas Meyer, erschienen bei H-Soz-u-Kult, liest man jetzt dazu:

„Neben Werkschau und offenen Diskussionen in den Sektionen und Podien wurde der digitale Wandel selbst auch aktiv in twitter und facebook begleitet; wobei bisher nicht ersichtlich ist, zu welchem Nutzen: Haben die Teilnehmer auf den Podien und in den Sektionen doch keinerlei Gelegenheit auf Einwürfe über diese Kanäle zu reagieren.“

Das Argument weist eher auf eine organisatorische Herausforderung als auf ein strukturelles Problem des Kommunikationskanals Twitter hin. Über eine gut platzierte Twitterwall, bei der über einen Beamer die Tweets für alle sichtbar an die Wand projiziert werden, können die Vortragenden die Einwürfe auch lesen und in der Folge dann wenn gewünscht  darauf reagieren. Zeitweise waren im Hauptsaal der Veranstaltung die Tweets zwar über die Leinwand sichtbar, diese hing jedoch hinter dem Podium. Auch hat Diskussionsleiter Peter Haber versucht, Abhilfe zu schaffen und hat seinen Podiumsteilnehmer/innen einige der Tweets vorgelesen, so dass es in diesem Fall Gelegenheit zur Reaktion gab.

Doch davon abgesehen greift das Argument auch generell zu kurz. Denn Twitter hat auf Tagungen nicht nur dann einen Nutzen, wenn die Vortragenden auch auf die Einwürfe reagieren (können). Dazu hier einige Gedanken, gefolgt von einer ersten Auswertung der Tweets zur Tagung .hist2011.

Live und vielstimmig für die interessierte Fachöffentlichkeit zwitschern
Die User von Twitter kommentieren in Echtzeit die Vorträge auf einer Tagung. Sie twittern die wichtigsten Aussagen, bekräftigen oder widersprechen diesen. Sie schreiben über die Stimmung im Raum, über alles, was ihnen zur Tagung einfällt. Sie reichern die Aussagen der Vortragenden und Diskutierenden an z.B. mit Links zu besprochenen Texten, Bildern oder Videos. Sie twittern Fotos von der Veranstaltung und geben damit einen konkreten Einblick, wie es vor Ort aussieht.

Damit schaffen sie einerseits eine zweite Diskussionsebene für die Teilnehmer/innen der Tagung vor Ort. Andererseits berichten die Twitterer auch live von der Tagung an ihre Follower, die nicht präsent sein können. Diese erfahren so in Echtzeit und lange bevor ein Tagungsbericht erscheint von den wichtigsten Aussagen wie auch von der Stimmung auf der Tagung. Damit sind die Tweets zusammengenommen letztlich auch ein micro-gebloggter und mit Fotos und Links angereicherter Tagungsbericht, der live und vielstimmig in die interessierte Fachöffentlichkeit gezwitschert wird und sofort kommentiert werden kann.

Doch das Besondere am Einsatz von Twitter bei Tagungen geht über die live gebloggten Diskussionsaussagen und Stimmungsbilder hinaus: Eine Analyse kann Kommunikations-Netzwerke zeigen und Aufschluss über Prozesse des Wissensaustauschs in Webcommunities geben[1]. Denn die Twitterer führen auch ein virtuelles Gespräch mit anderen Twitterern, die sie persönlich manchmal gar nicht kennen oder über das Twittern dann erst kennen lernen. Wie war das nun bei .hist2011?

Statistik und Auswertung der Tweets zur Tagung .hist2011
Die Tweets zur Tagung .hist2011 sind in der im Anhang eingefügten Excel-Tabelle archiviert und werden damit als Live-Tagungsbericht erneut und dauerhaft publiziert. Die Tweets mit dem hashtag #dothist wurden am 19.9.2011, also vier Tage nach Ende der Tagung, mit dem Programm Archivist gespeichert und archiviert. Es handelt sich insgesamt um 454 Tweets von 66 verschiedenen Twitter-Accounts. Die fünf aktivsten Twitterer waren:

1. portallisa:                89 tweets
2. peha64:                   72 tweets
3. mareike2405:          62 tweets
4. wilkohardenberg:   59 tweets
5. ankrjoe:                   14 tweets

Bemerkenswert ist der große Abstand zwischen Platz 4 und 5, hat doch der User wilkohardenberg ca. viermal so viele Tweets geschickt wie User ankrjoe.

In den Tweets wurde auf 30 verschiedene Websites verwiesen, viele davon auf Sites, auf denen Fotos der Tagung geladen wurde (z.B. yfrog); sechs Mal wurde ein Link auf die Website der Gerda-Henkel-Stiftung gesetzt (siehe Anlage sitestable).

Kommunikations-Netzwerke über Twitter bei .hist2011
Zwei Grafiken visualisieren die Gespräche und Netze zwischen den einzelnen Usern. Diese Visualisierungen wurden von Cornelius Puschmann (Universität Düsseldorf) auf der Basis der extrahierten Tweets mit der open-source Platform gephi erstellt. Ihm sei an dieser Stelle noch mal ausdrücklich dafür gedankt.

Die Grafik 1 zeigt Nachrichten, bei denen ein User gezielt angesprochen wurde. Dabei handelt es sich also um „Gespräche“ zwischen zwei oder mehreren Personen. Da im Laufe eines solchen „Gesprächs“ der hashtag oftmals weggelassen wird, ist dies keine vollständige Statistik, sondern berücksichtigt nur die Nachrichten, bei denen der hashtag #dothist verwendet wurde.

Grafik 1: Gespräche zwischen Usern unter dem hashtag #dothist (Grafik erstellt von Cornelius Puschmann)

Die Größe der Kreise zeigt an, wie viele Nachrichten eine Person bekommen hat. Die Farbtiefe zeigt an, wie viele Nachrichten die Person selbst geschickt hat. User peha64 hat demnach die meisten Nachrichten verschickt und auch die meisten Nachrichten bekommen. Das wird durch die zentrale Position in der Grafik erneut unterstrichen. Zu sehen ist außerdem, dass User portallisa beispielsweise selbst keine Nachrichten verschickt hat. Dies wird dadurch erklärt, dass es sich dabei um einen institutionellen Account handelt, die per se nicht oder selten mit anderen Usern in einen persönlichen Kontakt treten.

Die Grafik 2 zeigt die Retweets unter dem hashtag #dothist an, also die Tweets, die von anderen Usern erneut gepostet wurden. Retweets, so die Erläuterung von Cornelius Puschmann, werden heute nicht mehr nur als selbstloser Akt der Weitergabe einer Information gesehen, sondern haben vor allem eine soziale Funktion. Sie verweisen auf die Relevanz dessen, was eine andere Person tweetet und signalisieren damit Akzeptanz und Bestätigung des Geschriebenen durch den Re-Tweeter.

Grafik 2: Retweets unter #dothist (Grafik erstellt von Cornelius Puschmann)

Grafik 2: Retweets unter #dothist (Grafik erstellt von Cornelius Puschmann)

Die Farbtiefe der Grafik zeigt an, wie viele Retweets gegeben wurden. Die Größe der Kreise zeigt an, wie viele Retweets ein User bekommen hat. So hat der User torstenreimer beispielsweise sehr viele Retweets bekommen, hat aber selbst weniger Nachrichten retweetet. Auch User wilkohardenberg hat mehr Retweets empfangen (18) als gegeben (10), was auf  Zustimmung zu seinen Tweets schließen lässt.

Die Verbindungslinien zeigen an, ob reziprok oder einseitig retweetet wurde. Eine gerade Linie visualisiert ein reziprokes Verhältnis, z.B. zwischen den Usern portallisa und peha63. Eine gekrümmte Linie zeigt an, dass der eine User häufiger Nachrichten eines anderen erneut gesendet hat, als es umgekehrt der Fall war.

Die dunkle Farbe und die zentrale Stellung im Graphen visualisiert hier, so Cornelius Puschmann, dass User mareike2405 die meisten Verbindungen innerhalb der twitternden Personen hatte. Am „effektivsten“ – wenn man so einen Maßstab überhaupt anlegen möchte – war jedoch User torstenreimer, der mit insgesamt nur 13 eigenen Tweets, 16 Retweets bekommen hat. Diese Auswertungen sind jedoch ausschließlich bezogen – das sei noch mal betont – auf die Aktivitäten unter dem hashtag #dothist.

 

Dateien im Anhang


Tagungsberichte und Informationen zu .hist2011

Stefan Gorißen, Thomas Meyer, Tagungsbericht „.hist2011 – Geschichte im digitalen Wandel“, 14.09.2011-15.09.2011, Berlin, in: H-Soz-u-Kult, 13.10.2011, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=3854>.

Interview mit Georgios Chatzoudis: „Das Verhältnis der Wissenschaftler zur Öffentlichkeit ist ambivalent“, in: Blog der Frankfurter Buchmesse, 10.10.2011, <http://blog.buchmesse.de/blog/de/2011/10/10/interview-georgios-chatzoudis/>.

Silke Jagodzinski, „Digitalisierung ist der neue König Midas“ (Stefan Münker). Die Tagung .hist2011 zur Geschichte im digitalen Wandel (14./15.09.2011, Berlin), in: editura, 20.09.2011, <http://www.editura.de/blog/2011/09/20/%E2%80%9Edigitalisierung-ist-der-neue-k%C3%B6nig-midas%E2%80%9C-stefan-m%C3%BCnker>.

Peter Haber, Gezwitscher aus Berlin, in: hist.net, 18.09.2011, <http://weblog.hist.net/archives/tag/hist2011>.

Website der Tagung .hist2011: <http://www2.hu-berlin.de/historisches-forschungsnetz/tagung/index.php?conference=hist2011&schedConf=hist11>

Sowie mehrere Beiträge bei L.I.S.A., u.a.:

.hist2011 – ein erster Blick zurück
<http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/co4ntent.php?nav_id=1814>

Nachlese “.hist2011″ – Posterschau und Interview
<http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/content.php?nav_id=1829>

 

  1. 1. Dröge, E., Maghferat, P., Puschmann, C., Verbina, J., & Weller, K. (2011). Konferenz-Tweets. Ein Ansatz zur Analyse der Twitter-Kommunikation bei wissenschaftlichen Konferenzen, in: J. Griesbaum, T. Mandl, & C. Womser-Hacker (Hg.), Information und Wissen: global, sozial und frei? Proceedings of the 12th International Symposium for Information Science (ISI 2011), S. 98-110. Boizenburg: Verlag Werner Hülsbusch. (pdf, bibtex

Quelle: http://dhdhi.hypotheses.org/380

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Videos und Podcasts der Tagung “Im Netz der sozialen Medien” jetzt online

Die Vorträge der Tagung “Im Netz der sozialen Medien: Neue Publikations- und Kommunikationswege in den Geisteswissenschaften”, die vom 27.-28. Juni 2011 am DHI Paris stattfand, werden jetzt der Reihe nach online gestellt. Die folgenden Vorträge können Sie bereits jeweils in ihrer Originalsprache auf der Website des DHI ansehen bzw. -hören (für Geräte mit und ohne Flash):

  • Geert Lovink: Kulturpolitik der sozialen Medien – von der Kritik zu Alternativen
  • René König: Social Network Sites – Ein Trend für die Wissenschaft?
  • Patrick Peccatte : Utiliser Flickr dans un contexte d’archives iconographiques: le projet PhotosNormandie
  • Patrick Danowski: Was Bibliotheken von LibraryThing lernen können
  • Lilian Landes: Rezensieren im Web 2.0: Die Zukunft der wissenschaftlichen Buchbesprechung
  • Gloria Orrigi: Liquid Publications: les publications scientifiques à la rencontre du Web
  • Klaus Graf: Das wissenschaftliche Potential von Wissenschaftsblogs
  • Antoine Blanchard: Braconner en SHS: quand les digital natives bousculent les frontières institutionnelles sur le Web

Link zu den Videos und Podcasts der Vorträge: http://www.dhi-paris.fr/de/home/podcast/digital-humanities-am-dhip-3.html

Zum Programm der Tagung: http://dhdhi.hypotheses.org/25

Quelle: http://dhdhi.hypotheses.org/479

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