Karl Mauch – Auf der Suche nach der Kontingenz?

15.03.2017 Aljoscha Tillmanns

Karl (oder Carl) Mauch1 (1837-75), eigentlich Hilfs- und Hauslehrer aus dem Schwabenland, war sein Beruf zu langweilig; schon während seiner Tätigkeit als Lehrer eignete er sich naturwissenschaftliche, geographische und medizinische Kenntnisse an. Den Beruf als Lehrer übte er nur vier Jahre lang aus (1859-63), dann wechselte er in einen Beruf, der zwar höhere Gefahren mit sich brachte, aber dementsprechend auch größeres Abenteuer versprach: Er fuhr zwei Jahre lang zur See. Ob er hier zwischen dem Risiko, in das er sich begab, und den Chancen – der Befriedigung seiner Wissbegierde – abwog?

1865 landete er in Durban an, reiste von dort weiter und begann mit der Kartographierung des Transvaal, 1866-67 erforschte er das Gebiet des heutigen Zimbabwe, 1870 bereiste er die Delagoa-Bucht. Im Jahr 1871 machte er dann seine vermutlich größte Entdeckung: die Ruinen von Great Zimbabwe, immerhin namengebend für den heutigen Staat Zimbabwe.

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Quelle: https://grk1919.hypotheses.org/270

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Selbstversuch: Wenn zwei Historiker ein Spiel machen…

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„Einer der letzten Päpste […] hat kraft seiner Herrschaft über die Welt diese Inseln und dieses ozeanische Festland besagtem König und besagter Königin und ihren Nachfolgern in diesen Königreichen, unseren Herren, mit allem, was darin ist, zum Geschenk gegeben […]. Nachdem nun Ihre Hoheiten dank dieser Schenkung Könige und Herrn dieser Inseln und Festlandsgebiete sind, und da einige Inseln mehr, ja fast alle, diesen solchermaßen installierten Königen und Herrn Gehorsam geleistet haben und ihnen nun dienen, wie es Untertanen obliegt, mit gutem Willen, ohne Widerstand und das geringste Zögern, da sie ferner, instruiert durch alles vorher Gesagte, die zu ihrer Missionierung zu unserem heiligen Glauben gesandten Ordensbrüder aufnahmen und ihnen gehorchten, und das alles dankbar und aus freiem Willen, und sich ohne Belohnung oder sonstige Bedingungen zu Christen bekehrten und es noch sind und Ihre Hoheiten […] sie dementsprechend wie die anderen Untertanen und Vasallen behandeln ließen, so seid ihr zu dem gleichen gehalten und verpflichtet.“ Aus dem Requirimiento[1]

Enthusiastische Dilettanten

Treffen sich zwei Historiker. Sagt der eine zum anderen, Sag‘ mal, wollen wir nicht zusammen ein Spiel basteln? Was so anfängt, ist entweder ein skurriler Witz oder aber der Beginn eines Experiments. Was kommt dabei heraus, wenn besagte Historiker nicht nur über digitale Spiele mit historischem Hintergrund schreiben, sondern sich auch in die Pflicht nehmen, selbst eins zu entwickeln? Wenn man die Mittel hat und den Aufwand nicht scheut, vielleicht etwas wie Valiant Hearts.

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Quelle: https://gespielt.hypotheses.org/1231

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Vom Gegenwärtigen im Vergangenen. Neue Perspektiven auf das Spannungsverhältnis von Kontingenz und Heimat

15.02.2017 Anna Strommenger

Es gilt in der Forschung zur Bedeutung von Heimat als nahezu unbestritten, dass diese zunehmend dann in den Fokus gesellschaftlicher Verhandlung rückt, wenn sie – aus welchen Gründen auch immer – in die Krise gerät oder prekär zu werden droht. Erst der tatsächliche oder geglaubte Verlust eines zuvor unhinterfragt bleibenden Nahverhältnisses zwischen Mensch und Umwelt evoziert die Notwendigkeit der gesellschaftlichen Neubestimmung von Heimat und lässt diese so zu einem Reflexionsbegriff gesellschaftlichen Veränderung werden.1 Für eine Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Prävalenz von Kontingenz ist die Analyse (historischer) Heimatkonjunkturen dabei von doppeltem Interesse: Sie macht nicht nur gesellschaftlicher Kontingenzerfahrung sichtbar, sondern lässt gleichzeitig Rückschlüsse auf verschiedene Formen der Kontingenzbewältigung zu.

 

Wenn an dieser Stelle für eine neue Perspektive auf das historisch spezifische Spannungsverhältnis von Kontingenz und Heimat im deutschen Kaiserreich plädiert wird, so geschieht dies vor dem Hintergrund aktueller Debatten um das, was Heimat ausmache. Neue Forschungsperspektiven entstehen nicht zuletzt in der Konfrontation vergangener Gegenwart mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen, da die Deutung und Konturierung von Vergangenem stets auch von gegenwärtigen Problemlagen affiziert wird.

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Quelle: http://grk1919.hypotheses.org/262

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Eine neue Chance für ostdeutsche Wissenschaftler_innen oder die Brisanz eines wissenschaftsgeschichtlichen Themas

18.01.2017 Marie-Christin Schönstädt

Man könnte denken, dass es im 27. Jahr nach der Wiedervereinigung keine Rolle mehr spielt, in welchem Teil Deutschlands jemand aufgewachsen ist und sozialisiert wurde. In dem kürzlich erschienenen Artikel „Der Osten will Posten“1 , wird jedoch ein anderes Bild gezeichnet. Timo Meynhardt, ein 44-jähriger Professor, hat eine Stelle als Lehrstuhlinhaber an der Handelshochschule Leipzig (HHL). Er ist in der DDR aufgewachsen und zur Schule gegangen. Seine universitäre Karriere durchlief er im bereits vereinten Deutschland an der Universität Jena und an einigeninternationalen Standorten in Oxford, Peking und einer Promotion in St. Gallen.

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Quelle: http://grk1919.hypotheses.org/246

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Die Kontingenz des Wandels. Plädoyer für eine neue Sichtweise auf das 12. Jahrhundert

21.12.2016 David Passig

Will man sich als Historiker heute dem 12. Jahrhundert annähern, wird man alsbald feststellen, dass man konfrontiert ist mit einer nicht mehr zu überschauenden Fülle von Literatur. In einer enormen Zahl von Überblicks-, aber auch Einzelproblemdarstellungen wird dabei ein breites Spektrum von Themen, Perspektiven, Narrativen und Interpretationen des 12. Jahrhunderts angeboten. Selbst in der Bezeichnung des Zeitraumes beherrscht Vielfalt das Forschungsfeld. In einem Punkt jedoch kommt der größte Teil der Arbeiten zum gleichen Ergebnis: Das 12. Jahrhundert zeichne sich vor allem durch einen tiefgreifenden Wandel der Verhältnisse auf nahezu allen Ebenen des Lebens der Menschen aus.

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Quelle: http://grk1919.hypotheses.org/236

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Die Kontingenz des Wandels. Plädoyer für eine neue Sichtweise auf das 12. Jahrhundert

21.12.2016 David Passig

Will man sich als Historiker heute dem 12. Jahrhundert annähern, wird man alsbald feststellen, dass man konfrontiert ist mit einer nicht mehr zu überschauenden Fülle von Literatur. In einer enormen Zahl von Überblicks-, aber auch Einzelproblemdarstellungen wird dabei ein breites Spektrum von Themen, Perspektiven, Narrativen und Interpretationen des 12. Jahrhunderts angeboten. Selbst in der Bezeichnung des Zeitraumes beherrscht Vielfalt das Forschungsfeld. In einem Punkt jedoch kommt der größte Teil der Arbeiten zum gleichen Ergebnis: Das 12. Jahrhundert zeichne sich vor allem durch einen tiefgreifenden Wandel der Verhältnisse auf nahezu allen Ebenen des Lebens der Menschen aus.

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Quelle: http://grk1919.hypotheses.org/236

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Musica asiatica – Musica europea: Mut zu neuen Fachdiskursen. Ein Interview mit Christian Utz (Graz)

Der Komponist und Musikwissenschaftler Christian Utz ist Professor für Musiktheorie und Musikanalyse an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Graz sowie Privatdozent für Musikwissenschaft an der Universität Wien. Zuvor hat er Musikwissenschaft und Komposition u.a. an den Universitäten in Tokyo, Hsinchu/Taiwan und Klagenfurt gelehrt. In „Musicologia oggi“ (Musikwissenschaft heute), dem 2016 unter dem Generalthema „Musica asiatica – Musica europea“ stehenden Veranstaltungszyklus der Musikgeschichtlichen Abteilung des Deutschen Historischen Instituts in Rom, sprach Utz vergangene Woche über „Transnationale Verflechtungen in der Musik der 1950er und 1960er Jahre“.

Musicaroma: Sie haben über die Öffnung des Westens gegenüber der asiatischen Musikkultur in den Zeiten des Kalten Krieges gesprochen und für sie auch politische Motive geltend gemacht, diese zugleich relativiert.

Christian Utz: Es geht mir im Grunde darum, diese politischen Motive, die in der vergangenen Zeit vor allem von der US-amerikanischen Forschung stark in der Vordergrund gerückt worden sind, mit dem Beharren auf einer Eigenständigkeit und „Eigensinnigkeit“ künstlerischer Entscheidungen gegenüber der „Tagespolitik“, die von den meisten europäischen ForscherInnen verteidigt wird, zusammenzudenken. Einerseits ist es offensichtlich, dass ein multiethnischer Universalismus, wie ihn etwa Henry Cowell in den 1950er Jahren und Karlheinz Stockhausen in den 1960er Jahren praktizierten, der US-Außenpolitik des „containment“ entgegenkam: Es ging darum, der Ausweitung des sowjetischen Machtbereichs auch auf kulturellem Gebiet nachhaltig etwas entgegenzusetzen.

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Quelle: https://musicaroma.hypotheses.org/835

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Aldo Moro Opernheld

Sandro Cappelletto

Sandro Cappelletto

Ein zahlreiches und begeistertes Publikum wohnte am Freitag, dem 9. Dezember 2016, im Teatro Palladium zu Rom der Weltpremiere von „Un’infinita primavera attendo“ (Einen nicht endenden Frühling erwarte ich) bei, einer Kurzoper in einem Prolog und neun Szenen mit Aldo Moro als Protagonisten. Eine Verspätung der historiographischen Auseinandersetzung mit dem 1978 von den Roten Brigaden ermordeten Christdemokraten und zweimaligen italienischen Ministerpräsidenten beklagt im Programmheft der veranstaltenden Accademia Filarmonica Romana deren Präsident Paolo Baratta. Man habe deshalb zur hundertsten Wiederkehr von Moros Geburtstag gemeinsam mit dem Istituto della Enciclopedia Italiana Treccani einen Impuls geben wollen, einen Impuls in Form eines Auftrags zur Komposition einer Aldo Moro-Oper. Herausgekommen ist in jedem Fall ein wieder überzeugendes Zeichen des Engagements der altehrwürdigen (deswegen keineswegs angestaubten) römischen Musikakademie für die Neue Musik und für Italiens junge Komponistengeneration. Sandro Cappellettos Text ist kein wirklich politischer Operntext und schon gar kein agitativer. Aldo Moro alias Il Presidente (Daniele Adriani, Tenor) wird vor allem in seinen christlich-humanistischen Zügen gezeichnet und über eine Sequenz  mehr oder weniger distinkter Bilder in dieser seiner Gesinnung bestätigt. Aber er ist von Anfang an vor allem Opfer, Opfer einer alles beherrschenden Feindseligkeit und Gewaltsamkeit zumal zwischen den ideologisch verhärteten politischen und gesellschaftlichen Fronten. Moros unablässiges Bemühen, Brücken zu schlagen und Prioritäten der Menschlichkeit und des Dialogs zu setzen, führt ihn in erschütternde Konfrontationen mit einer sich intellektuell gebärdenden, aggressiv herausfordernden Presse, mit von Kommunistenangst neurotisierten politischen „Partnern“ – glänzend die Szene mit dem amerikanischen Senator (Giorgio Celenza, Bass, zugleich dritter Journalist) auf einer Hotelterrasse in Puerto Rico – sowie mit dem rigorosen Apparat der Heiligen Kirche.

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Quelle: https://musicaroma.hypotheses.org/816

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Der Kampf um die Zukunft als Kampf um die Deutungshoheit der Vergangenheit

28.11.2016 Anna Michaelis

Wissenschaft kann viele gesellschaftliche Funktionen haben, sie kann durch technische Innovationen den Lebensstandard von Gesellschaften heben, kann gesellschaftliche Zustände analysieren und damit aufklärerische Funktion haben usw.. Vor allem in Phasen von Krisenempfinden und Desorientierung kann Wissenschaft aber auch dazu in Dienst genommen werden, Zeitlichkeit in den Griff zu bekommen. Die generalisierende Narration von den Jahrzehnten um die Jahrhundertwende als das „nervöse Zeitalter“ ist sicherlich ein ausgetretener Pfad der historischen Sinnproduktion und in einiger Hinsicht angreifbar. Nehmen wir allerdings eine kleine Gruppe, eine Minderheit, nämlich die deutschen Juden in den Blick, lässt sich das Bild eines allgemeinen Krisenempfindens spezifizieren und dadurch differenzierter betrachten. Inwiefern stand für die deutschen Juden im Wilhelminischen Deutschland Zukunft zur Disposition?

 



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Quelle: https://grk1919.hypotheses.org/229

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