Von Würzburg nach Texas
Die diesjährige TEI Conference and Members’ Meeting wird vom 7.-11. November 2012 an der Texas A&M University stattfinden. Der Call for Papers folgt in Kürze.
Quelle: http://dhd-blog.org/?p=323
Vortrag Hanna Hacker: Transfers durch den Maoismus, Wien 22.3.2012
Hanna Hacker: La Chine, mon amour? Transfers durch den Maoismus: 1974 mit Tel Quel
Zeit: Donnerstag, 22. März 2012, 12:00
Ort: Seminarraum 1 des Instituts für Zeitgeschichte
Universitäts-Campus, Spitalgasse 2-4/Hof 1, 1090 Wien
Im Kontext maoistischer Begeisterung unter der westlichen Linken reisten im Frühjahr 1974 fünf namhafte Intellektuelle aus Frankreich nach China: Roland Barthes, Julia Kristeva, Marcelin Pleynet, Philippe Sollers, François Wahl. Sie gehörten zum engeren Kreis der Herausgeber_innen und Autor_innen der führenden Avantgarde-Zeitschrift Tel Quel. Alle publizierten sie in den Jahren und Jahrzehnten danach ausgiebig und immer wieder zu ihrer China-Erfahrung. Dabei traten exotisierende, orientalistische, kolonialistische Erzählmomente zu Tage, mit denen sich seit den 1980er Jahren die Sekundärliteratur intensiv und oft polemisch auseinandersetzt.
Der Vortrag stellt ein Re-Reading der Reisetexte der Telquelianer zur Diskussion und fokussiert dabei auf Elemente, die in der kritischen Rezeption bislang systematisch ausgeblendet erscheinen. Zu diesen vernachlässigten Fragefeldern zählen insbesondere die folgenden: Welche Funktion haben die Auslassungen und Leerstellen in der oft zitierten Schlüsselszene, in der sich die Reisegruppe gleichsam existenziell mit dem Blick der Fremden konfrontiert sah? Welchen Status hat Kristevas Buch Die Chinesin als Intertext in einer ganzen Reihe feministischer Reiseberichte über China unter Mao? Und schließlich, wenn wir Barthes und François Wahl als nicht-heteronormativ positionierte Autoren betrachten, welche Rolle spielen homosexuelle Präsenz und homophobe Gewalt in den chinesischen Narrationen der Telquelianer?
Hanna Hacker, Soziologin und Historikerin, Professur für Sozial- und Kulturwissenschaftliche Entwicklungsforschung am Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien, Arbeitsschwerpunkte auf Cultural und Postcolonial Studies in feministischer und queerer Perspektive. Langjähriges Engagement in feministischen Politikzusammenhängen; Lehre an österreichischen Universitäten, an der Central European University in Budapest und an der Université Yaoundé I (Kamerun); Publikationen zur Geschichte von Frauenbewegungen, Frauenbeziehungen, Sexualitäten, Geschlechterdefinitionen, Critical Whiteness und Nord/Süd-Diskursen.
Der Vortrag beruht auf einem Beitrag zum ÖZG-Band Politisch Reisen, herausgegeben von Johanna Gehmacher und Liz Harvey: Hanna Hacker: La Chine, mon amour? Feministische und queere Transfers durch den Maoismus: Tel Quel, 1974. In: ÖZG. Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften, 22, 1, 2011, 161-184.
Call for Papers für die Sommeruniversität »Conflict Studies« und Neue Militärgeschichte. Neue Perspektiven auf das »Zeitalter der Weltkriege 1914-1945«
1914-1918-online. International Encyclopedia of the First World War – Projektstart an der FU Berlin
Am 20./21. Januar 2012 fand an der FU Berlin ein großer Workshop zum Projektstart der von der DFG geförderten Online-Enzyklopädie 1914-1918-online statt. Ziel des von Oliver Janz (FU Berlin) geleiteten Projektes ist es, zum 100. Jahrestag des Ersten Weltkriegs 2014 ein von international anerkannten Experten geschriebenes, englischsprachiges Referenzwerk im open-access zur Verfügung zu stellen. Das DHI Paris ist – wie auch die deutschen Auslandsinstitute in Moskau und Warschau – als strategischer Kooperationspartner eng mit dem Projekt verbunden und unterstützt das Projektteam nach Kräften.
Wie schreibt man eine globale Geschichte des Ersten Weltkriegs? Diese Leitfrage stand im Mittelpunkt des zweitägigen Kick-off-Workshops, zu dem große Teile des Editorial Boards, des Editorial Advisory Boards und Vertreter der zahlreichen Kooperationspartner nach Berlin gekommen waren. In vielerlei Hinsicht gab Hew Strachan (University of Oxford) in seiner Keynote Lecture „The First World War as global war“ die Richtung der allgemeinen Diskussion vor, indem er gekonnt die angesichts der weltweiten Verschränkung der kriegführenden Mächte zwangsläufig globale Dimension des Krieges herausarbeitete und das Überkommen der nach wie vor dominanten nationalen Narrative als wichtigste Herausforderung der Geschichtsschreibung zum Ersten Weltkrieg bezeichnete. In der großen Runde international profilierter Weltkriegs-Experten gab es niemanden, der ihm da widersprochen hätte… allein eine Antwort auf die Ausgangsfrage bzw. gar ein Rezept für die stringente Einlösung der gebetsmühlenartig vorgebrachten Forderung, doch endlich „richtig“ globalgeschichtlich zu arbeiten, konnte (und wollte) der Beitrag nicht liefern. Denn in der Praxis muss man sich, insbesondere wenn die Ebene von Einzelstudien zu Gunsten von Überblicksdarstellungen verlassen wird, sehr schnell mit ganz unterschiedlichen Problemen herumplagen, insbesondere auf der Ebene der sprachlichen Kompetenzen des einzelnen Forschers, die zwangsläufig sehr begrenzt sind und nur die Rezeption eines Bruchteils der relevanten Literatur und Quellen erlauben. Der einzige Ausweg – und das machte die Diskussion zu den verschiedenen Vorträgen des Workshops sehr deutlich – liegt in der kollaborativen Arbeit, nur durch Netzwerkbildung und Kooperation können letztlich regionale Expertise und Sprachkenntnisse in ausreichendem Maße gebündelt und übergreifende Fragestellungen erkannt bzw. angestoßen werden.
Und genau hier liegt eine wesentliche Stärke von 1914-1918-online: die inhaltliche Ausrichtung und Verantwortung liegt in den Händen eines rund 50-köpfigen Editorial Boards, das sich aus HistorikerInnen aus der ganzen Welt zusammensetzt. Die Tatsache, dass nur rund ein Viertel der Editors aus Deutschland stammt bzw. an deutschen Institutionen lehrt und forscht, belegt eindrücklich, wie ernst es dem doch immerhin mit deutschen Geldern finanzierten Projekt damit ist, seine transnationale Agenda umzusetzen. Damit stehen die Chancen sehr gut, dass es gelingt, den Stand der Forschung nicht nur abzubilden, sondern neue Themen zu definieren, Projekte anzustoßen und der Historiographie zum Ersten Weltkrieg Impulse zu geben.
Einen ausführlichen Tagungsbericht gibt es hier.
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Neue Vortragsreihe am DHIP: La guerre au XXe siècle
Eine Podiumsdiskussion zum Thema L’occupation allemande en France en 14–18bildet am 14. Februar, 18-20 Uhr, den Auftakt zu einer neuen, auf mehrere Jahre angelegten Vortragsreihe des DHIP.
Die insgesamt sieben Veranstaltungen, die im Laufe des ersten Halbjahres 2012 stattfinden werden, konzentrieren sich auf den Ersten und Zweiten Weltkrieg. Weitere Vorträge werden ab der zweiten Jahreshälfte den Fokus auch auf Konflikte nach 1945 (z.B. Dekolonisierungskriege) sowie den Kalten Krieg richten. Insbesondere der Erste Weltkrieg wird im Hinblick auf seinen centenaire 2014 in der Programmplanung jedoch auch weiterhin eine große Rolle spielen.
Dank der Expertise zweier Forschungsgruppen, die über den Ersten Weltkrieg (Leitung: Arndt Weinrich) und den Algerienkrieg (Leitung: Steffen Prauser) arbeiten, möchte das Deutsche Historische Institut Paris ganz im Sinne des integrativen Ansatzes der War Studies den Schwerpunkt auf eine komparative Deutung der Konflikte des 20. Jahrhunderts legen. Die neue Vortragsreihe bietet dementsprechend einen breiten Überblick über die aktuellen Tendenzen historischer Forschung im Bezug auf die vielseitigen Phänomene Krieg und Kriegsgewalt an.
Zum Programm:Cycle de conférence: La guerre au XXe siècle
Rostiger Stacheldraht, Photo: Waugsberg, 19. Mai 2007
Tagungsbericht: Guerres futures, guerres imaginées: vers une histoire culturelle de l’avant-1914
Am 9. und 10. November 2011 fand im Historial de la Grande Guerre in Péronne und am Deutschen Historischen Institut Paris eine große internationale Tagung, Guerres futures, guerres imaginées: Vers une histoire culturelle de l’avant-1914, statt.
Das Kolloquium hatte sich zum Ziel gesetzt, einen kulturgeschichtlichen Ansatz auf die Vorkriegszeit des Ersten Weltkrieges anzuwenden. Ein Blickwinkel, der in der Vergangenheit eher für die Kriegs- und Nachkriegszeit gewählt wurde, also für Kriegserfahrungen oder Kriegserinnerungen. Verkürzt gesagt ging es um die „unspoken assumptions“ (James Joll) von Entscheidungseliten und anderen relevanten soziokulturellen Bevölkerungsgruppen in den Vorkriegsjahren. So wurden im Verlauf der Tagung die Kriegsbilder, und -vorstellungen unterschiedlicher militärischer oder politischer Akteure, Zivilbevölkerung bzw. der Presse diskutiert. Es sollte die Art und Weise analysiert werden, wie der Erste Weltkrieg in der Zeit unmittelbar vor seinem Ausbruch imaginiert wurde. Es ging mit anderen Worten darum, einen Beitrag zu einer „histoire du futur dans le passé“ (John Horne) zu leisten.
Anbei der Link zum von HSozKult veröffentlichten Tagungsbericht:
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=4049&count=3871&recno=2&sort=datum&order=down
Projektpräsentation zu den Fuggerzeitungen
Vortragende: Paola Molino/Nikolaus Schobesberger
Vortragstitel: Die Fuggerzeitungen: Am Beginn einer medialen Gesellschaft
Moderation: Katrin Keller
Ort: Universität Wien, Hauptgebäude, Hörsaal 45, Dr. Karl Luegerring 1, 1010 Wien
Zeit: Mittwoch, 14. März 2012, 18:30
Abstract: Die Wiener Fuggerzeitungen sind eine der umfangreichsten Sammlungen von handschriftlichen Zeitungen in Europa. Sie umfassen den Zeitraum von 1568 bis 1605 und dokumentieren damit die Entwicklung zum gedruckten Massenmedium im deutschsprachigen Raum. Zugleich stellen sie eine Quelle von europäischer Bedeutung für die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts dar. Der Vortrag präsentiert diese Quelle und ordnet die Wiener Sammlung in die derzeitige Forschung zur Presse- und Kommunikationsgeschichte ein. Zugleich sollen erste Ergebnisse des zur Zeit laufenden Projekts zur Erschließung der in der Wiener Nationalbibliothek überlieferten Fuggerzeitungen vorgestellt werden.
Zu den Personen:
Katrin Keller studierte Geschichte und Germanistik an der Universität Leipzig. Promotion und Habilitation waren Themen der frühneuzeitlichen Stadtgeschichte gewidmet. Seit 1999 lehrt und arbeitet sie in Wien; ihre Forschungsschwerpunkte sind Geschichte der höfischen Gesellschaft, Frauen und Politik in der Frühen Neuzeit und Geschichte des Adels in der Habsburgermonarchie. Im Projekt über die Fuggerzeitungen wird sie sich mit der Berichterstattung über Höfe und Zeremoniell beschäftigen.
Paola Molino studierte Geschichte an den Universitäten Florenz und Mainz (Abschl. 2006), und promovierte am European University Institute in Florenz (2011) mit einer Dissertation über Bibliotheken am Ende des 16. Jahrhunderts am Beispiel der Wiener Hofbibliothek zwischen 1575 und 1608. Im Projekt über die Fuggerzeitungen wird sie sich mit dem Thema Fuggerzeitungen im Vergleich beschäftigen.
Nikolaus Schobesberger studierte Geschichte (Abschl. 2008) und Geographie/Kartographie (Abschl. 2010) an der Universität Wien, absolviert zur Zeit das Masterstudium Geschichtsforschung, historische Hilfs- und Archivwissenschaften am IÖG und schreibt seine Dissertation zur Kriegsberichterstattung in frühen Zeitungen.
Wie jedesmal sind nach dem Vortrag alle eingeladen, uns ins Gasthaus Rebhuhn (Berggasse 24, 1090 Wien) zu begleiten!
5. DOC-team-Graduiertenkonferenz, 26. Jänner 2012
Am Donnerstag, 26. Jänner 2012, findet in der Akademie der Wissenschaften die 5. DOC-team-Graduiertenkonferenz statt, bei der DOC-team-StipendiatInnen – unter anderen auch wir – erste Ergebnisse ihrer Forschungstätigkeit präsentieren. Ort: Clubraum der ÖAW, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien.
Programm (hier gibt’s auch ein PDF):
9:30 Uhr Eröffnung
9:45 Uhr
Silvia Dallinger, Judith Pfeifer, Johanna Witzeling
‘Die Türken vor (und in) Wien’ – Zur Vermittlung und Vergegenwärtigung von Geschichtsbildern über ‘die osmanische Bedrohung’ in Österreich
10:30 Uhr
Helene Dearing, Louise Kubelka, Julia Rudolph
Women at work – economic, legal and philosophical dimensions of parental leave
11:15 Pause
11:30 Uhr
Sema Colpan, Lydia Nsiah, Joachim Schätz
‘Sponsored Films’ und die Kultur der Modernisierung. Schnittstellen zwischen Ökonomie und Ästhetik im österreichischen Werbe- und Industriefilm
12:15 Uhr
Christoph Musik, Daniel Messner, Stephan Gruber
Verdaten. Klassifizieren. Archivieren. Identifizierungstechniken zwischen Praxis und Vision
