Briefe für Monsieur Junius

Am Ende hatte es doch noch geklappt: Nach monatelangen Verhandlungen ließ Kaiser Ferdinand II. Geleitbriefe für Gesandte ausfertigen, die den Pfalzgrafen Friedrich auf dem anstehenden Kurfürstentag zu Regensburg vertreten sollten. Was eigentlich eine Routineangelegenheit darstellte, war hier durchaus heikel. Denn der Pfalzgraf hatte mit seiner Ächtung im Jahr 1621 alle Titel und Ansprüche verloren und befand sich seitdem im Exil in Den Haag. Immer noch reklamierte er den böhmischen Königstitel für sich, und immer noch bemühte er sich um die Restitution all seiner Herrschaftstitel, die er seit dem für ihn desaströsen Ausgang des böhmischen Kriegs verloren hatte.

Dazu war es wichtig, überhaupt wieder auf die politische Bühne zurückzukommen, und ein Kurfürstentag, wie er für den Sommer 1630 in Regensburg ausgeschrieben war, stellte ein zentrales Ereignis dar, wollten hier doch die Kurfürsten mit dem Kaiser darüber beraten, wie ein allgemeiner Friede wiederherzustellen sei. Aber nicht nur die Kurfürsten waren zugegen, auch viele andere Reichsstände und auswärtige Potentaten schickten Gesandte; der Kurfürstentag war so etwas wie ein Ersatz für den Reichstag.

Und der Pfalzgraf hatte es nun tatsächlich geschafft: Er deputierte Johann Joachim von Rusdorf, den führenden Kopf der pfälzischen Exilregierung, nach Regensburg. Rusdorf war ein erfahrener Diplomat, und er kam nicht allein. Vielmehr schloß er sich Sir Robert Anstruther, dem Gesandten der englischen Krone, an. Auch dies war schon ein politisches Zeichen, denn die Pfälzer setzten sehr auf die politische Unterstützung des englischen Königs, und dies sollte auch auf dem Kurfürstentag sinnfällig werden.

Die Verhandlungen in Regensburg standen oft schon im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses, und hier verdanken wir Dieter Albrecht eine mustergültige Edition im Rahmen der Briefe und Akten. Dort findet sich nun der Hinweis, daß Rusdorf seine Berichte aus Regensburg an Ludwig Camerarius, Theobald Moritz und einen gewissen „Monsieur Junius“ („Mr. Junius“) schickte (S. 699 und 706). Ersterer hatte lange Jahre die pfälzische Exilpolitik geleitet, stand allerdings seit 1626 in schwedischen Diensten; Moritz war pfälzischer Sekretär und Rat. Doch wer war Junius? Albrecht setzt in seiner Edition den Namen in Ab- u.Abführung, distanziert sich also von ihm, den er nicht recht einzuordnen vermag, und fügt im Register dann doch erläuternd hinzu: „pfälzischer Rat“ (S. 776).

Ich möchte hier einen anderen Vorschlag machen, nachdem mir im Zuge meiner Arbeit um den kurkölnischen Gesandten Johann van der Veecken ebenfalls ein Junius untergekommen ist – und zwar an prominenter Stelle: Veecken stand auch in Kontakt mit ihm, denn er war der Sekretär des Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien, der als Statthalter der Generalstaaten von zentraler politischer Bedeutung war. Wenn dieser Junius tatsächlich der Adressat der Rusdorfschen Berichte war, erscheinen die Korrespondenzen des pfälzischen Gesandten aus Regensburg in einem neuen Licht. Denn alle diese Briefe gingen nach Den Haag, adressierten aber jeweils verschiedene politische Kreise: Indem er an Moritz schrieb, bediente er einmal die eigenen Leute, also die Pfälzer; mit Camerarius bezog er nicht nur einen alten Bekannten mit ein, sondern den Repräsentanten der schwedischen Macht, und mit Junius wahrte er den Kontakt zum Statthalter Friedrich Heinrich, mithin also zu den Generalstaaten. (An die Engländer mußte er nicht schreiben, Anstruther war ja mit ihm in Regensburg.)

An der Stelle wird wieder einmal deutlich, wie sinnvoll online verfügbare Quelleneditionen sind. Anstatt hier weitläufig für das Blog zu schreiben, wäre es viel einfacher, eine Online-Ressource direkt zu ergänzen – und sei es nur ganz einfach und billig in einem Kommentarfeld zu einem PDF.

Quelle: http://dkblog.hypotheses.org/557

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26. Durchsetzungsfähigkeit und Macht

Wissen Sie, wer sich durchsetzt, gilt als klug, gewandt, schlau, wertvoll. Denn diese Person hat es geschafft, ihr Interesse vor das Interesse der anderen zu stellen. Und im direkten Vergleich hat sie dann natürlich gewonnen. Klar, denn das Leben ist immer eine Olympiade. Kalkulieren, durchsetzen und wenn es sein muss, auch ein wenig intrigant sein, dann hat man verstanden, worauf es im Leben ankommt: Macht und Durchsetzungsfähigkeit. Max Weber definiert Macht so: „Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“ (WuG §16).

Wenn Sie ein blinder Riese sind, dann sind sie auch mächtig, aber sie werden dennoch bei jedem Wutanfall Ihre Küche in Stücke hauen, oder Odysseus entwischen lassen. Das ist schlecht, weil Sie Niemanden nirgendwo kochen werden können. Aber auch andersherum, also dort, wo nicht Kraft gefragt ist, sondern List, verlieren Sie häufig trotz Ihrer Macht: Der Inbegriff der listigen Person ist Sisyphos. Mit seiner ruchlosen Trickserei und „Intrigerei“ brachte er es es sogar fertig, einige Male den Tod zu überlisten. Er galt als der verschlagenste aller Menschen. Und auch das ist eine Form von Macht, die natürlich nichts mit Stärke und Gehorsam von Untergebenen zu tun hat, sondern sich in den kleinen Köpfen vieler Sisyphosse abspielt, die ihre Interessen, ohne die Fähigkeiten des Riesen zu haben, durchsetzen wollen. Würden Sie sich mit einem der beiden Exempel identifizieren wollen (wenn ich sie positiv dargestellt hätte)? Schwer zu entscheiden, oder?

Naja, Platons Zugang zu dem Problem ist klar und überraschend zugleich: Im Dialog Gorgias des Sokrates findet sich die denkwürdige Aussage, es sei besser Unrecht zu erleiden als Unrecht zu tun. Selbst also wenn man mächtig genug wäre, sich zwischen beiden entscheiden zu können, sollte man lieber Unrecht erleiden wollen. Auch im Mythos des Er am Ende des Dialogs sehen wir außerdem den Odysseus, den Schlauesten aller Menschen, wie er sich sein nächstes Leben kurz vor der Wiedergeburt auswählt: Nach langem Überlegen entscheidet er sich gegen das Leben eines Königs und Tyrannen und für das Leben eines Privatmannes. Auch interessant, oder?

Was hat es also mit diesem Bedenken gegen Durchsetzungsfähigkeit und Macht auf sich? Damit kommen wir wieder bei den Interessen an: Wer seine Talente ausgeprägt hat, wer gelernt hat, mit sich auszukommen und mit sich selbst im Reinen zu sein, hat bereits eines der größten Güter erlangt, die es gibt. Sie denken, das sei Quatsch? Hokuspokus? Nein, schauen Sie, es läuft doch alles auf das selbe hinaus: Wenn Sie Geld machen, dann denken Sie auch an Sorglosigkeit, Befriedigung von Lüsten und die Unabhängigkeit, die daraus resultiert, oder? Mit dem Geld werden Sie diese Ziele jedoch nie gänzlich erreichen, da es immer abhängig von der Geldabwertung, der Zentralbank, der Inflation und so weiter sein wird. Besser wäre da gesellschaftliches Ansehen zu erlangen. Ein guter Job bei einer internationalen Organisation, ein schicker Botschafterposten stärkt Ihre Position in der Gesellschaft und gibt Ihnen Selbstvertrauen und Souveränität. Aber auch hier werden Sie immer von einem Vorgesetzten abhängig sein, von politischen Umwürfen und der Presse. Alles Dinge, auf die Sie nicht weiter zugreifen können. Bleibt also die Frage nach dem, was die reine Selbstgenügsamkeit ist, die unabhängig von solch variablen äußeren Gütern bestehen bleibt. Diese besonders schwere Form der Autarkie muss in erster Linie unmittelbar von Ihnen selbst abhängen, von dem, auf das Sie vollen Zugriff haben, Ihre innere Einstellung. Sollten Sie so weit sein (ich bin es z. B. sicher noch nicht) und eine solche autarke Einstellung erlangt haben, dann werden Sie selbst in einer besonders mächtigen Position Ihre Aufmerksamkeit weg von sich selbst richten (Sie bedürfen ja nichts mehr, sind autark) und weder den Fehler des Riesen noch den Fehler des Sisyphos begehen. Sie werden Ihre Aufmerksamkeit vollkommen auf das richten, was zu tun ist: Ihre Bürger, wenn Sie Politiker sind, Ihre Patienten, wenn Sie Arzt sind. Und das Unrechtleiden? Klar, sie werden lieber Unrecht leiden, als es zu tun, weil es für Sie schlimmer ist, die so wertvolle Autarkie aufzugeben. Wenn jemand anderes diese aufgibt, dann liegt es nicht mehr in Ihrer Macht es zu ändern. Wer Unrecht tut, hat eine hässliche Seele. Wer es erleidet, kann nichts dafür.

“Und muss der autarke Mensch nicht auch Essen und Schlafen? Soll er selbst Gemüse anbauen, oder was?”

“Diese Frage können Sie nach der Stunde gerne noch einmal Stellen.”

Aber sind Sie vielleicht Realpolitiker oder Realpolitikerin und denken tatsächlich, das sei immer noch Quatsch? Sie denken, die Welt sei ein Schachbrett und wer nicht angreift und kalkuliert, gehe zugrunde, weil er irgendwann nichts mehr zu essen haben werde? Klar, wenn Sie einmal in dem Spiel drin sind, dann ist ein Ausstieg schwer. Aber die Realpolitiker tun sich eben auch seit vielen Jahren sehr schwer damit zu verstehen, wie souveräne Einzelstaaten Ihre Macht freiwillig an eine andere „Organisation“ abgegeben haben konnten: An die EU.

Ich glaube ich werde noch etwas dazu schreiben müssen, oder?

Ich verabschiede mich jetzt aber, um wieder etwas an meiner Autarkie zu arbeiten.

Grüße

D.

Quelle: http://philophiso.hypotheses.org/368

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Das Wiener Institut für die Erforschung der Frühen Neuzeit bloggt

Als Administrator des neu eingerichteten Hypotheses-Blogs zeichnet der als Blogger bekannte Anton Tantner verantwortlich. Publiziert werden sollen “insbesondere Projektpräsentationen, Besprechungen von Büchern, Ausstellungen und digitalen Ressourcen”, wobei der Verdacht nahe liegt, dass weitgehend Inhalte der gedruckten Zeitschrift, die immer noch einen gewissen Newsletter-Charme ausstrahlt, weiterverwertet werden sollen. Der erste Beitrag stammt aus der Printausgabe: Karl Vocelka versucht einen kurzen Rückblick auf 25 Jahre Institutsgeschichte. Rezensionen sind kostenfrei in Recensio.net nachzulesen. Für mich unverständlich ist, wieso man das Jubiläum nicht genutzt hat, die vergangenen Jahrgänge der Zeitschrift zu retrodigitalisieren, kostenlos ins Netz zu stellen und künftig auf Open Access zu setzen. Die angekündigten Blog-Inhalte lassen auf “magere” H-SOZ-U-KULT-artige Inhalte schließen, die zwar autorenseitig überaus beliebt sind, wie Gemeinschaftsblogs wie Ordensgeschichte und leider auch die Startseite von de.hypotheses.org zeigen, aber das Potential digitaler Wissenschaftskommunikation nicht ansatzweise ausschöpfen. Für Abstracts und Projektpräsentationen braucht es keine Blogs. Ob es Tantner gelingt, auch spannendere Inhalte einzuwerben?

Quelle: http://frueheneuzeit.hypotheses.org/1810

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Weblog „Frühneuzeit-Info“ online

Nun ist es soweit, das bei de.Hypotheses angesiedelte Weblog Frühneuzeit-Info ist unter der Adresse http://fnzinfo.hypotheses.org online gegangen; Träger ist das in Wien vor einem Vierteljahrhundert gegründete Institut für die Erforschung der Frühen Neuzeit; der erste Beitrag ist ein Rückblick von Karl Vocelka auf ebendiese 25 Jahre, in der Folge sollen im Wochenrhythmus insbesondere Forschungsberichte, Rezensionen und Ausstellungskritiken veröffentlicht werden, daneben soll auch auf Veranstaltungen und dergleichen hingewiesen werden.

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022215960/

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DASISH workshop on trust and certification, Oct 16/17

DASISH invites you to a workshop on the topic of trusted repositories, focusing in particular on existing standards for audit and certification and the conditions for their implementation as well as their current use in the Social Sciences and Humanities (SSH).

During the workshop, we will introduce the audit and certification instruments comprising the European Framework for Audit and Certification of Digital Repositories (Data Seal of Approval, DIN 31644 and ISO 16363), particularly their scope and review procedures. These will be enriched with case studies and experiences from SSH data services that already underwent an audit. There will be a focus on the situation in the SSH ESFRI projects and ample time will be dedicated to answering questions and discussing the state of affairs, particularly the expected benefits, encountered challenges/obstacles and ESFRI project-specific needs with regard to certification.

Registration and more information on the workshop.

Registration is free, but mandatory. The deadline is October 10th, 2014.

The workshop takes place on October 16/17th, at NWO, Java Building, Laan van Nieuw Oost-indië 300, The Hague.
How to get there.

For further information, please contact Astrid Recker (astrid.recker@gesis.org) or Claudia Engelhardt
(claudia.engelhardt@sub-goettingen.de).

With best regards,
Vigdis Kvalheim
Astrid Recker
Claudia Engelhardt

Quelle: http://dhd-blog.org/?p=4122

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China-News: “Das erste Theeschiff aus China” (1866)

Das Ende des Teehandelsmonopols der East India Company  eröffnete in den 1830er Jahren den Wettbewerb auf den Teehandelsrouten. Um die (besonders profitable) erste Teeladung der neuen Ernte nach Europa zu bringen, wurden nun kleinere und schnellere Schiffe, die sogenannten Teeklipper gebaut. Ab den 1850ern wurden für die erste Ladung einer Ernte, die London erreichte, Prämien ausgelobt. Die Rennen wurde zunächst über die “Shipping Intelligence”-Kolumnen der Tageszeitungen verfolgt. In den 1860ern wurden die Berichte in englischen Tageszeitungen immer umfangreicher, mit täglichen Berichten und zum Teil wilden Spekulationen, denn ‘echte’ Nachrichten waren spärlich.

Die Schiffe warteten in der Regel vor Fúzhōu 福州 auf die Ladung. Die übliche Route führte über das Südchinesische Meer durch die Sunda-Straße über den Indischen Ozean. Nach der Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung führte die Route mitten im Atlantik nach Norden bis zur Höhe der Azoren, dann ostwärts durch den Ärmelkanal und um das Kap der Guten Hoffnung in den Atlantik und durch den Ärmelkanal – insgesamt rund 14 000 Seemeilen (oder knapp 26 000 Kilometer). Die Angaben schwanken, die tatsächlichen Routen wurden den Windverhältnissen angepasst – und der Sieger im Great Tea Race of 1866 notierte rund 15 800 Seemeilen (29 260 km).[1]

Der Hype um die Teeklipper erreichte 1866 einen Höhepunkt, nicht zuletzt deshalb, weil hohe Wetten liefen. Ins Rennen von Fuzhou nach London gingen -  neben vielen anderen – fünf aussichtsreiche Kandidaten: Ariel (gebaut 1865[2]), Fiery Cross (gebaut 1860 und 1861, 1862, 1863 und 1865 Sieger im Teeclipper-Rennen[3]), Serica (gebaut 1863[4]), Taitsing (gebaut 1865[5]) und Taeping (gebaut 1863[6]).[7]

Taeping, Ariel und Serica verließen am 28. Mai 1866 die Ankerplätze in der Mündung des Mǐn Jiāng 閩江 und erreichten am 6. September die die Docks in London. Taeping lag 28 Minuten vor Ariel, Serica 75 Minuten nach Ariel, 28 Stunden danach folgte Fiery Cross und am folgenden Tag Taitsing.

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Ariel 1866 track recropped” by ThoughtIdRetired – track added from data in Lubbock, Basil (1919 reprinted 1981) The China Clippers, Glasgow: Brown, Son and Ferguson Ltd. ISBN: 0 85174 109 6.. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.

Während englische Blätter mit Fortdauer des Rennens immer ausführlicher berichteten, wurde das Great Tea Race  in den Wiener Blättern eher als Kuriosum gesehen:

Eine neue Art von Sport macht gegenwärtig von sich reden. Es handelt sich nämlich um ein Wettrennen, dessen Bahn keine geringere sein soll, als der ganze Ozean. Die Renner sind die sämmtlichen Theeschiffe [...][8]

Über den Start der “Wettfahrt der Theeschiffe zwischen China und England” berichtete Das Vaterland am 23. Juni 1766  kurz:

Die große Wettfahrt der englischen Theeschiffe über den Ocean von China nach England hat so eben begonnen.
Zehn Schiffe gehen diesmal gleichzeitig von Hongkong (sic!) ab, wo starke Wetten gemacht wurden. Ein neues Schiff, „Ariel”, ist der Liebling, „Tanping”[9] und „das feurige Kreuz”[10]

Diese kurze Notiz erschien rund vier Wochen nach dem Start des Rennens, die Informationen sind nicht sehr exakt – denn keines der weit mehr als zehn Schiffe ging von Hongkong ab.

Zu den Teilnehmern am Rennen heißt es weiter:

Die beiden letztgenannten Schiffe machten voriges Jahr die ganze Reise neben einander, bis sie im englischen Canal van einer Windstille überfallen wurden; letzteres Fahrzeug verschaffte sich den Beistand eines Remorqueurs und gewann einen Vorsprung von mehreren Stunden bei einer Reisedauer von 88 Tagen.[11]

Die Darstellung ist etwas irreführend. Die Clipper forderten auf der Höhe von Dungeness (Grafschaft Kent) Lotsen und Schlepper an, ab Gravesend (Grafschaft Kent) wurden sie von Schleppkähnen die Themse hinauf nach London gebracht.  1865 lag  Serica knapp in Führung, doch Fiery Cross wurde zuerst ins Schlepptau genommen und konnte so das Rennen für sich entscheiden. Für die Fahrt von Fuzhou 福州 nach London hatten die Schiffe 106 Tage (28.5.-11.9.1865) gebraucht.[12] Die “88 Tage” beziehen sich auf den Teeklipper Taeping, der 1864/65 von Xiamen 廈門 nach London 88 Tage gebraucht hatte.[13]

Zum Ausgang des Rennens hieß es in der Wiener Zeitung vom 27. September 1866:

Wiener Zeitung (27.9.1966) S. 830 [Ausschnitt]

Wiener Zeitung Nr. 238 (27.9.1866) 870 [Ausschnitt] – Quelle: ANNO.

Auch hier werden die Details leicht verzerrt wiedergegeben.

[...] An der Wettfahrt zwischen den Schiffen, welche den ersten Thee neuer Ernte aus China nach Europa bringen, beteiligten sich dieses Mal 3 Clipper, [...]

Ins Rennen gingen wesentlich mehr als drei Clipper, doch nur die oben erwähnten konnten sich wirklich Chancen auf den Sieg ausrechnen.

[...] welche sämmtlich an einem Tage, Donnerstag den 6. d. M., in London eintrafen. Dieses gleichzeitige Zurücklegen einer dreimonatlichen Fahrt über den Ocean ist einer der sonderbarsten Zufälle, welche in den Annalen der modernen Schifffahrt verzeichnet sind.

Den Ausgang als “Zufall” zu bezeichnen, schmälert die Leistung der Beteiligten. Die Ausgänge waren in den 1860ern immer knapper geworden, dass drei Schiffe innerhalb weniger Stunden das Ziel erreichten war sicher kein “Zufall”.

[...] Der Sieger erhält von der Genossenschaft der Londoner Theehändler eine Prämie von 10 Sh. per Ton und in China werden große Wetten darauf gemacht.[14]

Die Prämien waren im Konnossement (“bill of lading”) eingetragen und mussten vom Warenempfänger an das erste Schiff, das London erreichte, gezahlt werden.  Das rechnete sich nur, wenn der Gewinn, der aus der ersten Ladung erzielt werden konnte, hoch genug war – was nicht mehr der Fall war.  Die Rennverläufe wurden zunehmend knapper, 1865 und 1866 hatten die ersten Schiffe  am selben Tag London erreicht. Die damit verfügbare ‘erste’ Teemenge drückte den Preis.  Dazu kam, dass die erste Teeladung 1866 mehr als zwei Wochen vor den Klippern in London angekommen war:  Der Auxiliary Steamer  Erl King, der nicht zu den Teilnehmern des Great Tea Race of 1866 zählte, hatte Fuzhou am 5. Juni 1866 verlassen und nach 77 Tagen am 20. August 1866 London erreicht. Damit wurde die ‘erste Ladung’ aus dem Great Tea Race zum Verlustgeschäft, denn die Ladung, die  Erl King gebracht hatte, war längst auf dem Markt und das große Angebot führte zum Preisverfall. Um weitere Verluste zu vermeiden, wurden nach 1866 keine weiteren Prämien ausgelobt.

Das Great Tea Race of 1866 markiert den Anfang vom Ende der Ära der Klipper, an ihre Stelle traten Dampfer, die den 1869 eröffneten Suezkanal passieren konnten – das letzte Tea Race lieferten sich 1872 Thermopylae (gebaut 1868[15]) und Cutty Sark (gebaut 1869[16]).

  1. Basil Lubbock: The China clippers. Fourth Edition (Glasgow: J. Brown 1919), 269-285.
  2. ((The Maritime History Virtual Archives: “Ariel”. <abgerufen am 2.10.2014>.
  3. The Martitime Historiy Virtual Archives: “Fiery Cross” <abgerufen am 2.10.2014>.
  4. The Maritime History Virtual Archives: “Serica”. <abgerufen am 2.10.2014>.
  5. The Maritime History Virtual Archives: “Taitsing”. <abgerufen am 2.10.2014>.
  6. The Maritime History Virtual Archives: “Taeping”. <abgerufen am 2.10.2014>.
  7. S. Basil Lubbock: The China clippers. Second edition (Glasgow: J. Brown 1914), Kapitel  “The Great Tea Race of 1866″ , 217-235.
  8. Die Debatte Nr. 169 (23.6.1866) 2 – Online: ANNO.
  9. D.i. “Taeping”.
  10. D.i. “Fiery Cross.””erregen ebenfalls großes Vertrauen unter dem wettenden Publicum. [...] Dasjenige Schiff, welches den ersten neuen Thee nach England bringt, erhält einen Preis von 1000 Pfund St., welcher Betrag durch die Londoner Theehändler aufgebracht wird. ((Das Vaterland Nr. 142 (23.6.1866) 3 – Online: ANNO.
  11. Das Vaterland Nr. 142 (23.6.1866) 3 – Online: ANNO.
  12. Vgl. Lubbock (1914) 2010.
  13. Taeping war ursprünglich am 1.7.1864 von Fuhzou abgegangen, musste aber am 23. Juli beschädigt in Xiamen ankern. Von Xiamen ging Taeping im Oktober aus und erreichte im Januar 1865 London. Vgl. Lubbock (1914) 208 f.
  14. Wiener Zeitung Nr. 238 (27.9.1866) 870 – Online: ANNO.
  15. The Maritinime History Virtual Archives: “Thermopylae” <abgerufen am 2.10.2014>.
  16. The Maritime History Virtual Archives: “Cutty Sark” <abgerufen am 2.10.2014>.

Quelle: http://mindthegaps.hypotheses.org/1764

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Leitung der Geschäftsstelle für den „Rat für Informationsinfrastrukturen“

An der Georg-August-Universität Göttingen Stiftung Öffentlichen Rechts ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Stelle der

Leitung der Geschäftsstelle für den „Rat für Informationsinfrastrukturen“

mit der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit (z. Zt. 39,8 Stunden/ Woche) befristet für die Projektlaufzeit von zunächst vier Jahren zu besetzen. Die Stelle ist nicht teilzeitgeeignet. Die Vergütung wird in einer der Position angemessenen Höhe erfolgen.

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat im November 2013 die Einrichtung eines Rats für Infor­mationsinfrastrukturen – zunächst für eine vierjährige Projektphase – beschlossen. Der Rat soll beratend und koordinierend für die Selbstkoordinierung der Wissenschaft sowie für Bund und Länder in der GWK wirken und die Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Informationsinfrastruktur vorantreiben (zu weiterführenden Infor­mationen siehe unter: http://www.gwk-bonn.de/index.php?id=205). Der Rat soll administrativ durch eine Geschäfts­stelle an der Universität Göttingen betreut werden, die umfassend für einen reibungslosen Ablauf aller Aspekte der Tätigkeit des Rates Sorge zu tragen hat.

Zum Aufgabengebiet gehören insbesondere: Aufbau und Führung der Geschäftsstelle; organisatorische Planung und Umsetzung der Arbeit des Rats, inhaltliche Vorbereitung der Sitzungen einschließlich der Erstellung fachlich fundierter Entwürfe von Empfehlungstexten in enger Abstimmung mit dem/der Vorsitzenden; Abstimmung mit Geschäftsstellen von GWK, der Allianz deutscher Wissenschaftsorganisationen, weiteren ausgewählten Einrichtungen von Wissenschaft und Infrastruktur sowie Fachgesellschaften und anderen Organisationen von Wissenschaftlern; Projektsteuerung in Abstimmung mit dem zuständigen Präsidiumsmitglied der Georg-August-Universität.

Gefordert sein wird die Fähigkeit zum eigenverantwortlichen und zielorientierten Arbeiten auch in Phasen hoher Belastung. Persönlich zeichnen Sie sich daher durch ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft, Flexibilität, Leitungs- und Durchsetzungsfähigkeit aus. Sie sind es gewohnt, mit vielfältigen Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Politik zu kommunizieren. Ein hohes Organisationstalent und die Fähigkeit zu rascher, fach- und themenüber­greifender Auffassungsgabe und Analyse gehören zu Ihren Stärken. Verhandlungssichere Englischkenntnisse und die Beherrschung der gängigen EDV-Programme sind für Sie eine Selbstverständlichkeit.

Erwartet werden ein wissenschaftliches Hochschulstudium, möglichst abgeschlossen mit einer Promotion, mehr­jährige Erfahrungen in der wissenschaftspolitischen Administration sowie überdurchschnittliche Kenntnisse des Wissenschaftssystems in Deutschland. Erfahrungen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Forschungs-/In­formationsinfrastrukturen sind von Vorteil.

Ihre Bewerbung mit den üblichen Unterlagen senden Sie bitte innerhalb von drei Wochen an die Georg-August-Universität Göttingen Stiftung Öffentlichen Rechts, Abteilung Personaladministration und Personalentwicklung, z. Hd. Herrn Martin Krüssel, Heinrich-Düker-Weg 5, 37073 Göttingen. Alternativ können Sie Ihre Bewerbung auch per E-Mail als pdf-Datei an martin.kruessel@zvw.uni-goettingen.de senden.

Die üblichen Bewerbungsunterlagen bitte nur in Kopie einreichen. Es erfolgt keine Rücksendung. Die Unterlagen werden nach einer Aufbewahrungsfrist von fünf Monaten vernichtet. Bei einem beigefügten frankierten Freium­schlag erfolgt eine Rücksendung der Unterlagen.

Die Universität Göttingen strebt in den Bereichen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind, eine Erhöhung des Frauenanteils an und fordert daher qualifizierte Frauen ausdrücklich zur Bewerbung auf. Schwerbehinderte Menschen werden bei entsprechender Eignung bevorzugt berücksichtigt.

Quelle: http://dhd-blog.org/?p=4117

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APA-Interview mit Hans Hautmann zu habsburgischen Kriegsverbrechen im Ersten Weltkrieg

Gestern habe ich die vom Aktionsradius Wien veranstaltete Führung von Hans Hautmann durch die neue Erste Weltkrieg-Ausstellung im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum besucht (zu dieser für einen Flohmarkt adäquaten Präsentation zusammengewürfelter Militaria siehe die treffende Kritik von Robert Sommer im Augustin); zu den Forschungsschwerpunkten Hautmanns zählen u. a. die Kriegsverbrechen respektive Crimes against Humanity der Habsburgermonarchie, ein instruktives Interview mit ihm wurde von der APA ausgeschickt.

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022215513/

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