Vergangenheit als Marketinginstrument?
Alexander Schug from kooperative-berlin on Vimeo.
Inwiefern lässt sich Zeitgeschichte vermarkten und sollte Vergangenheit überhaupt vermarktet werden? Verzerrt sich die Erforschung der Vergangenheit nicht, sobald sie dem Marketing dient? Im kommenden MONTAGSRADIO 03/2012 sprechen Markus Heidmeier und Jochen Thermann mit dem Historiker Alexander Schug, dem Mitbegründer und Geschäftsführer der Vergangenheitsagentur. Demnächst erscheint hier das komplette Gespräch.
Quelle: http://www.montagsradio.de/2012/02/20/vergangenheit-als-marketinginstrument/
Orte des Terrors – Vermittlung und Authentizität
Opposition und Fluchthelfer. Die Mordanschläge der Stasi auf Wolfgang Welsch
Wolfgang Welsch überlebte drei Attentate der Stasi auf sein Leben. Nach jahrelanger politischer Haft gelangte er 1971 in die Bundesrepublik und arbeitete als Fluchthelfer. Das machte ihn in den Augen der Stasi zum Staatsfeind der DDR. Die Stasi scheute in der Folge keinen Aufwand und verübte auf ihn mehrere Mordanschläge. Im MONTAGSRADIO, Ausgabe 17/2011, spricht Wolfgang Welsch über seine Biographie: über Widerstand, Haft, die Attentate und darüber, wie man aufhört zu hassen.
Wolfgang Welsch geriet schon als Jugendlicher in eine oppositionelle Haltung. Ein erster Fluchtversuch im Jahr 1964 scheiterte jedoch, und Welsch wurde zu politischer Haft verurteilt. Die inhumanen Haftbedingungen, die Folter und das Unrecht, die er als Häftling erlebt hat, führten zu einer Radikalisierung Welschs. Das Angebot eines “Freikaufs” durch die Bundesrepublik, lehnte er ab. Nach seiner Haftentlassung begann er mit Dreharbeiten zu einem Film; sein Vorhaben wurde jedoch verraten und Welsch musste erneut ins Gefängnis. 1971 wurde er auf politischem Druck aus der Haft entlassen. Wolfgang Welsch reiste nun aus in die Bundesrepublik und arbeitete fortan als Fluchthelfer. Einen versuchten Giftmordanschlag der Stasi in Israel überlebt er nur knapp. Zeitgleich verschwindet auch ein derzeitiger Freund und Welsch hält ihn für tot. Die Zusammenhänge erfährt Wolfgang Welsch erst Jahre später, er stellt Strafanzeige und trifft den tot geglaubten Freund vor Gericht wieder.
Und hier die Timeline von dem Gespräch:
1:00 die “dunklen Stunden” in der Biographie: Scheinhinrichtung während der Haft, Attentate
3:00 erste Flugblätter nach dem Mauerbau
7:30 Fluchtwunsch
12:00 Vorbild “Weiße Rose”, politisches Bewusstsein
14:00 Der Begriff “Widerstand”
18:00 Folter während der Haft und in der Gegenwart
23:00 Bewertung der Situation von Flüchtlingen heute
28:00 erneute Haft wegen “Hochverrat”; Kontakt nach außen
32:00 Kritik an Aufarbeitung, nachträgliche Konstruktion einer DDR-Opposition
40:00 Giftmordanschlag in Israel
43:00 Der Attentäter im Auftrag der Stasi
49:00 Verdachtsmomente
53:00 1990 Erstattung der Strafanzeige gegen Erich Mielke
56:00 Ermittlungen finden nicht statt
01:00:00 Exil wegen Morddrohungen; 1993: der Stern beginnt mit Recherchen
1:06:00 Begegnung mit dem Attentäter im Gerichtssaal
1:10:00 Vergebung und das Ende des Hasses
1:13:00 Fragebogen
Und hier gehts direkt zum MP3.
Ego-Shooter an der Berliner Mauer und Auschwitz als Kulisse für ein Onlinegame
MONTAGSRADIO, Ausgabe 5/2011. Gast: Andreas Lange, Direktor des Computerspielemuseums. Thema: Computerspiele und Ideologie.
Wie passen Computerspiele und Zeitgeschichte zusammen? Welchen ideologischen Auftrag hatten Computerspiele zu Zeiten der Blockkonfrontation? Und welchen haben sie heute? Lassen sich Situationen, Konstellationen und Momente der Zeitgeschichte als Kulisse für Onlinegames nutzen? Drückt sich auch in Spielen das kollektive Unbewußte aus, wie beispielsweise in Mainstreamfilmen?
Ursprünglich als militärische Planspiele konzipiert, bestimmen Computerspiele in kommerzialisierter Form längst unsere Alltags-Kultur. Historische Ereignisse können in der Welt der Computerspiele nach eigenem Belieben nachgespielt oder verändert werden. Hier entscheidet der User selbst seine Positionierung und den Ausgang der Ereignisse.
Moskauer Rosarchiv veröffentlicht Katyn-Dokumente
Das Massaker an tausenden polnischen Offizieren nahe des Dorfs Katyn im Jahr 1940 belastet bis heute das polnisch-russische Verhältnis. Nicht zuletzt der Tod des polnischen Präsidenten Lech Kaczyński im April 2010 auf einer Reise zu diesem Ort rief auch international die 70 Jahre zurückliegenden Ereignisse in Erinnerung. Ebenfalls im April 2010 wurde der Grundstein für eine ernsthafte polnisch-russische Aufarbeitung der Umstände dieses Verbrechens gelegt, indem die Premiers beider Staaten gemeinsam an den Trauerfeierlichkeiten in Katyn teilnahmen. Vor diesem Hintergrund ist wohl die aufsehenerregende Maßnahme der russischen Archivbehörde Rosarchiv zu verstehen, Kopien von russischen NKWD-Berichten und Notizen des sowjetischen Geheimdienstchefs Berija über die Massenerschießung von polnischen Intellekuellen und Offizieren auf ihrer Internetseite einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Jahrzehnte lang blieben die als „vollkommen geheim“ klassierten Dokumente unter Verschluss. Nun sei das wichtigste Aktenmaterial des „berühmten Pakets Nr. 1“ einsehbar.
Quelle: http://wissens-werk.de/blog/aeon/2010/05/08/moskauer-rosarchiv-veroffentlicht-katyn-dokumente/



