XII. Konferenz Kultur und Informatik

mitgeteilt von Elisabeth Lindinger, Hochschule für Wirtschaft und Technik Berlin

Logo Konferenzreihe Kultur und Informatik (Konferenz) Einladung zur Konferenz “Kultur und Informatik” am 22. und 23. Mai im Pergamonmuseum Berlin.

Die 12. Veranstaltung der Reihe „Kultur und Informatik“ steht unter dem Titel “Reality and Virtuality” und stellt Best-Practice-Beispiele, Herausforderungen und Entwicklungstendenzen im Bereich von Modellierung, Visualisierung und Interaktion in den Mittelpunkt. Die Konferenz richtet sich einerseits an Kulturpolitiker, Mitarbeiter der Kultur- und Kreativwirtschaft, an Kommunikationswissenschaftler, Kultur- und Kunstakteure sowie andererseits an Informatiker und Techniker, die zu kulturellen Themen forschen und entwickeln.
Die folgenden zentrale Fragen stehen im Mittelpunkt der Vorträge und Präsentationen:

  •     kulturpolitische Rahmenbedingungen,
  •     die Verflechtung und gegenseitige Beeinflussung von Kultur und Informatik,
  •     Einfluss von Kunst und Kultur auf die Gestaltung der Zukunft,
  •     die mediengerechte Aufbereitung von Informationen sowie
  •     die intuitive Benutzung von Mediensystemen

Informationen zu den Vorträgen und die Möglichkeit zur Registrierung finden Sie unter http://inka.htw-berlin.de/kui/

Quelle: http://dhd-blog.org/?p=3389

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Le plus grand musicien de France – Rameau-Jahr 2014

Jean-Philippe Rameau (1683-1764), Gemälde von Joseph Aved (1702-1766), um 1728 | Foto: Wikipedia

Wer sich für Musik aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges interessiert, kommt an diesem Gedenkjahr nicht vorbei: Vor genau 250 Jahren starb der große, französische Komponist Jean-Philippe Rameau in Paris. Klavierschülern ist er vielleicht durch seine pièces de clavecin bekannt. In Frankreich wird das Jubeljahr groß gefeiert. Fast jeden Tag werden Rameaus Werke über das ganze Land verteilt dargeboten. Auch in Berlin und Wien gab es bereits und wird es noch einige erwähnenswerte Aufführungen geben.

Rameau schuf bzw. überarbeitete eine Reihe von Werken während der Siebenjährige Krieg tobte:

  • 1757 Anacréon
  • 1757 Les surprises de l’amour (Überarbeitung des gleichnamigen Ballets von 1748)
  • 1760 Les Paladins

Wie bei vielen Werken Rameaus hat man auch hier das Glück, dass sehr gute Aufnahmen existieren, die dem interessierten Hörer den kulturellen Hintergrund der Zeitgenossen auf angenehme Art und Weise vermitteln. Leider ist Rameau derzeit in Deutschland noch relativ unbekannt, vielleicht ändert sich dies in Zukunft.

 

Quelle: http://dsk.hypotheses.org/44

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ISSN für Wissenschaftsblogs – mehr als nur Symbolik?

Eine achtstellige Nummer ziert seit September letzten Jahres manches Wissenschaftsblog und sorgt für Freude bei den Bloggenden. Die DNB hatte sich (endlich) entschlossen, ISSN auch an “wissenschaftliche Blogs und Blogs von allgemeinem Interesse” zu vergeben, die bisher von der Zuteilung ausgenommen waren((1)). Generell freut man sich immer, wenn gewährt wird, was einem zunächst verwehrt war. Und ISSN klingt wichtig und offiziell. Aber was bringt die achtstellige Zahl eigentlich konkret? “Ruhm? Ehre?”, wie @MschFr in einem Tweet fragt? Vermutlich nicht. Aber ist alles nur Symbolik? Dazu hier ein paar Gedanken.

1.) Eindeutige Identifizierung des Blogtitels

Um zu bestimmen, was die ISSN bringt, zunächst ein kurzer Blick darauf, was die ISSN eigentlich ist. Auf der Website der DNB liest man dazu:

“Die ISSN (International Standard Serial Number) ist eine international verbindliche Standardnummer und dient einzig – unabhängig von Sprache, Schrift, Zitierform, Erscheinungsweise, Verlag, Erscheinungsland u. a. – der kurzen unverwechselbaren Identifikation von fortlaufend erscheinenden Publikationen.”

Mit anderen Worten: Die ISSN dient der eindeutigen Identifizierung des Titels einer fortlaufenden Publikation, um beispielsweise Verwechslung zweier gleichlautender Titel auszuschließen. Die ISSN ist daher mit dem Titel einer Publikation verknüpft, nicht etwa mit der URL. Ändert sich der Titel bei gleichbleibender URL, muss eine neue ISSN beantragt werden.

Schön und gut, mag man einwerfen, aber die eindeutige Identifizierung des Titels meines Blogs, brauche ich die wirklich? Das kommt vermutlich (auch) auf den Titel des Blogs an, “Redaktionsblogs” mag es viele geben. Um eindeutig festzulegen, zu welchem Redaktionsblog ein bestimmter Artikel gehört, ist die Möglichkeit der eindeutigen Identifikation des Blogs wichtig. Zumal wenn das Blog irgendwann “umzieht” und sich die URL ändert.

2.) Zitierbarkeit von Blogbeiträgen

Wir befinden uns hier jedoch nicht nur in bibliothekarischen Gefilden, denn für das wissenschaftliche Zitat ist die Eindeutigkeit des Titels ebenfalls unerlässlich. Blogbeiträge lassen sich eindeutig einem Blogtitel zuordnen und werden auch so katalogisiert (siehe unten). Allerdings sagt die ISSN nichts über die Langzeitverfügbarkeit eines Beitrags aus, denn die Blogs mit ISSN werden von der DNB derzeit wohl nicht automatisch in die Langzeitarchivierung aufgenommen. Zumindest geht das aus der Website der DNB nicht hervor((2)).

3.) Formale Gleichstellung mit anderen fortlaufenden Publikationen

Mit der Entscheidung, ISSN auch an Wissenschaftsblogs zu vergeben, werden diese formal wie andere fortlaufende Publikationswerke behandelt. Das bedeutet die zumindest formale bibliothekarische Anerkennung von Weblogs als gleichwertiges Format für wissenschaftliche Publikationen. Die Betonung liegt hier auf “bibliothekarische” Anerkennung, aber immerhin!

4.) Erhöhte Sichtbarkeit durch Aufnahme in Kataloge und Verzeichnisse

Der Katalogeintrag des Blogs "Mittelalter" in der ZDB

Der Katalogeintrag des Blogs “Mittelalter” in der ZDB

Die formale Gleichstellung ist eine wichtiges Symbol. Sie hat außerdem praktische Auswirkungen auf die Sichtbarkeit der Blogs: Die Weblogs mit ISSN werden in der Zeitschriftendatenbank (ZDB) verzeichnet und erhalten dort eine eigene Katalogaufnahme. Sie werden auch – irgendwann – in den Katalog der DNB eingespielt. Damit können Bibliotheken die Blogs über diese “offizielle” Aufnahme in ihrem Bestand nachweisen. Katalogisate von Blogbeiträgen können mit der Aufnahme des Blogtitels verknüpft werden und sind damit in Verbünden von allen teilnehmenden Bibliotheken nachnutzbar. Bibliothekarisch wird kein Unterschied gemacht, ob ein Beitrag in der HZ oder im Blog “Ordensgeschichte” erscheint.

Weblogs mit ISSN werden außerdem in andere Verzeichnisse aufgenommen wie beispielsweise ROAD – Directory of Open Access scholarly Resources((3)). Dieses Verzeichnis wird vom Internationalen ISSN Center erstellt und dient u.a. als zentraler Einstieg für Open Access Publikationen verschiedener Art im wissenschaftlichen Bereich. Hier geht’s beispielsweise zum Eintrag von Archivalia in ROAD.

 

5.) Ein bisschen inhaltliche Anerkennung

Die Vergabe der ISSN läuft nach rein formalen Kriterien((4)). Doch wird die Anerkennung von Wissenschaftsblogs dadurch befördert, dass die Vergabe der ISSN nur an Wissenschaftblogs und an “Blogs von allgemeinem Interesse” erfolgt((5)). Eine genaue Definition dazu gibt es (natürlich) nicht. Explizit werden private Websites und gewerbliche Angebote von der ISSN-Vergabe ausgeklammert((6)). “Privat” meint hier wohl nicht privat geführt, sondern “private Themen”, also Themen des Alltags. Die Unterscheidung ist natürlich schwierig und kann willkürlich ausfallen. Damit wird jedoch einem verbreiteten Vorurteil gegenüber Blogs begegnet: Oftmals heisst es, dass sich in Blogs ausschließlich Privatpersonen über ihren Alltag austauschen. Nein, sagt jetzt auch die DNB, es gibt auch Wissenschaftsblogs, und diese erhalten eben eine ISSN.

Mit anderen Worten…

Die formale bibliothekarische Anerkennung ist aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt zur allgemeinen Anerkennung und zur größeren Sichtbarkeit von Blogs als wissenschaftliche Publikationsorte. Über ihre inhaltliche Qualität ist mithin zwar nichts gesagt. Das trifft aber bei anderen fortlaufenden Publikationen genauso zu, denn generell wird bei der Vergabe der ISSN “keine Aussage über die inhaltliche Qualität einer Publikation getroffen”, wie es auf der Website der DNB heisst((7)). Das bedeutet, wie bei anderen Publikationen ist es an den Herausgeber/innen bzw. bei den Blogs an der Community, für die Qualität der Beiträge zu sorgen (z.B. über ein Open Peer Review oder über Kommentare). Es werden die üblichen Voraussetzungen geschaffen, um Aufsätze in Blogs genau wie Aufsätze in Zeitschriften zu katalogisieren. Bleibt zu hoffen, dass sich die universitären und wissenschaftlichen Einrichtungen dieser bibliothekarischen Anerkennung irgendwann anschließen. Die ISSN als Symbol könnte dabei behilflich sein.

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Siehe auch:

Mareike König, ISSN für Blogs bei de.hypotheses – praktische Hinweise, in: Bloghaus, 04.2014, Link.

Mareike König, Erste ISSN für Blogs von de.hypotheses vergeben, in: Redaktionsblog, 11.9.2013, http://redaktionsblog.hypotheses.org/1614.

  1. Sollte ein Blog schon früher eine ISSN bekommen haben, so weil die DNB es vermutlich nicht als Blog, sondern als Website oder andere Netzpublikation eingestuft hat
  2. Zum Thema Langzeitarchivierung von Blogs liest man auf der Website der DNB, dass es eine Kooperation mit der Firma Populis gebe, http://www.dnb.de/DE/Netzpublikationen/netzpublikationen_node.html#doc35134bodyText5. Information dazu bei blog.de
  3. Ich danke Klaus Graf für diesen Hinweis, http://archiv.twoday.net/stories/590625737/.
  4. Vgl. dazu Mareike König, ISSN für Blogs bei de.hypotheses – praktische Hinweise, in: Bloghaus, 08.04.2014, http://bloghaus.hypotheses.org/982
  5. Vgl. die Ankündigung der Vergabe von ISSN an Blogs im Newsletter “Standardisierung und Erschließung” der DNB vom Dezember 2013, S. 8.
  6. Vgl. Webiste DNB, FAQ ISSN, Werden ISSN auch für Netzpublikationen vergeben?, http://www.dnb.de/DE/Wir/Kooperation/ISSN/issnFAQ.html#doc32066bodyText4.
  7. Vgl. Nationales ISSN-Zentrum für Deutschland – häufig gestellte Fragen (FAQ), http://www.dnb.de/DE/Wir/Kooperation/ISSN/issnFAQ.html#doc32066bodyText19.

Quelle: http://redaktionsblog.hypotheses.org/2220

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Neue Ausgabe des Soziologiemagazins zum Thema “Krisen und Umbrüche – Wie wandeln sich Gesellschaften?”

K R I S E N, liebe Leser_innen, sind scheinbar allgegenwärtig. So wird zumindest vielerorts getitelt: Von der Europa-, Finanz- und Schuldenkrise hin zur Krise der Demokratie und schlussendlich zum Subjekt selbst angelangt, ziehen sich diese und viele weitere Krisendiagnosen … Continue reading

Quelle: http://soziologieblog.hypotheses.org/6454

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50. Deutscher Historikertag in Göttingen: Programm online | #histag14

Das Programm des 50. Deutschen Historikertags, der vom 23. bis zum 26. September 2014 in Göttingen stattfinden wird, ist online.

Die Sektionen zur Digitalen Geschichtswissenschaft:
http://www.historikertag.de/Goettingen2014/digitale-geschichtswissenschaft

Neue Arbeitsformen in der Geschichtswissenschaft. Was gewinnt und was verliert die historische Forschung durch Science 2.0? (Sektionsleitung: Mareike König / Simone Lässig)

Digitalisierung der Geschichtswissenschaften. Gewinner und Verlierer? (Sektionsleitung: Rüdiger Hohls / Heiko Weber)

Wikipedia und Geschichtswissenschaft. Eine Zwischenbilanz (Sektionsleitung: Thomas Wozniak / Uwe Rohwedder)

Erster Weltkrieg digital. Perspektiven der transnationalen Forschung und Vernetzung in den Geschichtswissenschaften (Sektionsleitung: Oliver Janz / Gregor Horstkemper)

 

Blog: http://www.historikertag.de/Goettingen2014/category/blog

Facebook: https://www.facebook.com/historikertaggoettingen2014

Twitter: @historikertag

Hashtag: #histag14

 

(Tweetarchiv zu #histag12)

Quelle: http://digigw.hypotheses.org/719

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Die “Kanzlerakte”: eine offensichtliche Aktenfälschung

 

Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/15/Kanzlerakte.jpgQuelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/15/Kanzlerakte.jpg

Im letzten Eintrag habe ich die Dokumentenbände des BND vorgestellt. Das gibt mir den Anlass, eine groteske Aktenfälschung unter die Lupe zu nehmen, die vorgibt, ein BND-Schriftstück zu sein.

Im Internet ist eine regelrechte Mythologie um eine “Kanzlerakte” entstanden: ein hypothetisches Schriftstück, dass angeblich jeder deutsche Bundeskanzler vor seinem Amtsantritt unterzeichnen musste. Es gibt einen guten Wikipedia-Artikel zu diesem Unfug.

Der “Beweis” soll ein Schreiben des BND sein, in dem der Verlust eines Exemplars jenes “geheimen Staatsvertrags” berichtet wird. Der verlinkte Wikipedia-Artikel enthält bereits einige gute Argumente, die zum Teil aktenkundlicher Art sind, zum Teil allgemein auf die Plausibilität abstellen, an der es eklatant mangelt. Ich beschränke mich im Folgenden auf das Instrumentarium der Aktenkunde mit ihren Hilfswissenschaften Paläographie und Verwaltungsgeschichte. Außerdem halte ich mich an die Fehler und vermeide Hinweise, wie man es besser machen könnte :-)

1. Analyse der inneren Merkmale

Briefkopf: Wie die Wikipedia richtig ausführt, passt die maschinenschriftliche Behördenfirma nicht zu einem externen Schreiben einer Oberen Bundesbehörde (nicht: “Ministerium”!). Außerdem sind wir nicht in Frankreich, wo in der Behördenfirma von oben nach unten alle Instanzen aufgeführt werden, vom Ministerium bis zum bearbeitenden Büro. Eine “Kontroll-Abteilung” ist dem Namen und der Sache nach der deutschen Verwaltungstradition fremd.

Innenadresse: fehlt, wäre bei einem externen Schreiben aber nötig.

Geheimhaltungsvermerk: “VS-Verschlußsache Nur für den Dienstgebrauch” entspricht nicht den Formvorschriften, die zum angeblichen Datum des Dokuments bereits galten (wenn ich den Vermerk unten rechts richtig lese: 1992). Den zusätzliche Vermerk “Strengste Vertraulichkeit” gibt es nicht. Die Beschränkung eines gedachten Routineverteilers auf den “Minister” ist dagegen noch passabel.

Betreff: wird nicht mit “Vorgang” eingeleitet.

Unterschrift: Die Amtsbezeichnung “Staatsminister” ist hier fehl am Platz.

Blattaufteilung: Auch der unterwürfigste Bericht wird heute nicht mehr halbbrüchig (= breiter linker Rand) geschrieben.

2. Systematische Einordnung

Der Fälscher hatte einen externen Bericht des Bundesnachrichtendienstes an eine übergeordnete Instanz im Sinn. Dafür spricht die Nachahmung des Kopfbogens, wobei die fehlende Innenadresse ein Fehler ist. Die Höflichkeitsformeln zu Anfang und Ende würden daraus einen Bericht in der Form eines Privatdienstschreibens machen.
Aber nicht nur, dass es nie einen Staatsminister Rickermann gab, wie die Wikipedia richtig anmerkt: Dem Fälscher war nicht klar, dass es beim BND überhaupt keine Staatsminister gibt. “Staatsminister” ist die Amtsbezeichnung der Parlamentarischen Staatssekretäre bei der Bundeskanzlerin und beim Bundesminister des Auswärtigen (zu den Gründen Wischnewski 1989: 177 f.). Ein StM oder PStS ist kein Beamter mit Verwaltungsaufgaben, sondern steht in einem besonderen öffentlich-rechtlichen Amtsverhältnis und ist für die Unterstützung bei politischen Aufgaben einem Mitglied der Bundesregierung beigegeben. Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes ist aber natürlich ein Berufsbeamter.
Oder meint der Fälscher, der Geheimdienst selbst würde von einem Minister geleitet werden, wie einst die Stasi? Das könnte ein Hinweis auf Herkunft, Sozialisation und Vorstellungswelt sein. (Ein interner Bericht gehört aber nicht auf Kopfbogen.)

3. Genetische Einordnung

Merkmale:
- Imitat eines Kopfbogens
- Nachgemachte Unterschrift
- Aufgesetzte Vermerke und Verfügungen des vermeintlichen Empfängers
also: Fälschung einer behändigten Ausfertigung.

Nach der klassischen aktenkundlichen Lehre sind die Vermerke und Verfügungen des Empfängers ja nicht Gegenstand der Analytik, sondern der genetischen Betrachtung, weil sie nicht zum Formenapparat des ausgefertigten Schreibens gehören. Mir hat diese methodologische Differenzierung unter praktischen Gesichtspunkten nie recht eingeleuchtet. Hier haben wir aber einmal einen Fall, in dem sie Erkenntnis bringt: Der Geschäftsgangsvermerk unten rechts wurde vom Fälscher offenbar als Vordruck verstanden, den der Absender vorbereitet hat; der Empfänger hätte nur noch die Daten eingetragen. Dann wäre dieser Vermerk als inneres Merkmal des Schreibens zu verstehen.

Das widerspricht der Verwaltungspraxis: Eingangsvermerk oder zdA- und Wiedervorlage-Verfügungen (hier auch noch falsch abgekürzt) werden vom Empfänger aufgesetzt und machen wesentlich die Behändigung des eingegangenen Schreibens aus. Vorgedruckt wird so etwas nur auf Formularen, insbesondere Fragebögen für Antragsteller in der nachgeordneten Leistungsverwaltung. So ein Stück könnte dem Fälscher als Vorlage gedient haben.

Die beiden Verfügungen am Rand sollen den numinosen Charakter der Fälschung unterstreichen: Es wurde Vernichtung des allergeheimsten Skandalons angeordnet, aber irgendjemand gab es doch ins Archiv (= Registratur des Bundeskanzleramtes), und das alles in dieser lustigen alten Schrift aus Omas Poesiealbum.

Da lacht der Paläograph. Während Archiv-Neulinge deutsche Kurrent-Aktenschriften meistens falsch als Sütterlin bezeichnen, sehen wir hier das schlechte Imitat echten Sütterlins, also der von Ludwig Sütterlin entworfenen und 1915 an den preußischen Schulen eingeführten Normalschrift, deren Hauptkennzeichen der Verzicht auf die Neigung der Buchstaben in Schreibrichtung war (Beck/Beck 2007: 87 f.). Die hier gemalten Buchstaben sind zwar ungelenk und latinisiert, aber eindeutig eine Steilschrift. Selbst wenn 1992 im Bundeskanzleramt noch zwei Urgesteine deutsche Schreibschrift angewandt hätten, dann bestimmt nicht so, wie in der Grundschule im Hausaufgabenheft, sondern als Aktenschrift mit deutlicher Kursivierung.

Alle anderen Vermerke und Verfügungen einschließlich das Datums sind bewusst unleserlich gehalten, wenn nicht sogar Trugschrift.

4. Einschätzung

Das Stück ist eine grobe Fälschung. Die Liste der in der Wikipedia aufgeführten formalen Mängel lässt sich um einige Punkte verlängern, deren kumulierter Beweis erdrückend ist. Von der historischen Plausibilität ganz zu schweigen. Der Fälscher ist mit beträchtlichem Fleiß, aber geringem Wissen ans Werk gegangen, wobei manche Elemente auf eine ziemlich piefige Vorstellungswelt hinweisen.

Literatur:

Beck, Friedrich und Lorenz Friedrich Beck 2007. Die lateinische Schrift: Schriftzeugnisse aus dem deutschen Sprachgebiet vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Köln.

Wischnewski, Hans-Jürgen 1989. Mit Leidenschaft und Augenmaß. In Mogadischu und anderswo. München.

 

 

Quelle: http://aktenkunde.hypotheses.org/163

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Von Köln über Barcelona zur DDR-Geschichte

Weinert

Es ist die quälende Ungewissheit, die der Film “Die Familie” von Stefan Weinert so plastisch darstellt. Weinert erzählt die Geschichte der Familien von Mauertoten. Bis heute wissen manche von ihnen nicht, was ihren Söhnen, Ehemännern oder Brüdern tatsächlich zugestoßen ist.

Auf der 7. Geschichtsmesse in Suhl präsentierte Weinert seinen Film “Die Familie”. Im “MONTAGSRADIO – Vor Ort” spricht er mit Miriam Menzel und Patrick Stegemann über seinen Weg vom Schauspieler zum Filmemacher und erklärt, warum er erst von seiner Heimatstadt Köln nach Barcelona gehen musste, um sich intensiver mit der DDR auseinanderzusetzen.

Der Film “Die Familie” wurde mittlerweile mit dem “Cinema for Peace”-Award ausgezeichnet, hier ein visueller Vorgeschmack.

Die Reihe “MONTAGSRADIO – Vor Ort in Suhl” wurde gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

 

Für einen schnellen Überblick: die Timeline zum Gespräch mit Stefan Weinert

0:35 Worum geht’s im Film “Die Familie”?

1:34 Wie kamst du zu den Protagonisten?

2:45 Vom Schauspiel zur Zeitgeschichte

7:00 Probleme als Westdeutscher und “Aufarbeitungsneuling”

12:00 Klassische Dokumentarfilme sind alle gleich – mit diesen Rezeptionsgewohnheiten möchte Weinert brechen.

13:00 Weinert vertraut der Kraft der Zeitzeugen.

15.20 Wie hält man als Filmemacher das Leid der Zeitzeugen aus, das im Film ja so eine große Rolle spielt?

17.45 Was ist die Grenze der Brutalität, die im Film gezeigt werden kann?

19.10 Was leistet der Film eigentlich?

22:00 “Cinema for Peace”-Award, aber kein Sendeplatz im deutschen Fernsehen!?

23:20 Wie kommt Film international an?

27:20 Der Film funktioniert in Spanien besser als in Westdeutschland – entscheidend ist die Diktaturerfahrung, nicht die regionale Nähe.

34:00 Montagsradio Fragebogen

35:00 Stefan Weinerts Filmempfehlung: “Die Wohnung”.

Quelle: http://www.montagsradio.de/2014/04/14/von-koeln-ueber-barcelona-zur-ddr-geschichte/

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Frankreich und der Prinz von Anhalt-Köthen

Ein Fallbeispiel für die Bedeutung der deutschen Fremdenregimenter als Patronageressource und Mittel der Reichspolitik im Siebenjährigen Krieg

Preußen und England griffen zu Beginn des Siebenjährigen Krieges auf konfessionelle Propaganda zurück, die bei Protestanten die Angst vor einem Religionskrieg der katholischen Mächte schüren sollte und sich die zahlreichen Streitpunkte zwischen Katholiken und Protestanten im Alten Reich zu Nutze machte. Der Umgang Frankreichs mit der Propaganda der Kriegsgegner ist ein äußerst spannendes Forschungsfeld, über das wir bisher in erster Linie durch Externbrinks Arbeit zu Deutschlandbild und Diplomatie Frankreichs im Siebenjährigen Krieg informiert sind. Frankreich umwarb in der Absicht die konfessionellen Fronten aufzubrechen, auch kleinere Reichsfürsten ohne finanzielles oder militärisches Gewicht. Die Legitimation für ein Eingreifen gegenüber Reichsfriedensbrecher Friedrich II. ergab sich aus dem Westfälischen Frieden. Die Armee Ludwigs XV. wurde in diesem Kontext als politischer Faktor bisher kaum beachtet. Dabei verfügte die französische Armee mit den deutschen Fremdenregimentern über eine wichtige Patronageressource, die zur Gewinnung protestantischer Verbündeter herangezogen werden konnte. Die französische Klientelpolitik im Reich lässt sich gut an den deutschen Regimentschefs ablesen. Ein von der Forschung noch nicht untersuchtes Beispiel ist das direkt im preußischen Einflussbereich befindliche, kleine, lutherische Fürstentum Anhalt-Köthen.

1. Anhalt-Köthen im Klientelverband Friedrichs II.

Friedrich II. von Preußen versuchte den Fürsten August Ludwig (1697-1755), der 1753 direkt als Generalleutnant in die preußische Armee eintrat, im Vorfeld des Siebenjährigen Krieges durch Gunstbeweise an sich zu binden. Im Jahr 1751/1752 traten die beiden Söhne des Fürsten, der Erbprinz Karl Georg Leberecht und sein jüngerer Bruder, in preußische Dienste und wurden von Friedrich II. äußerst zuvorkommend behandelt.1 Im Januar 1753 erhielt der Fürst, nachdem er mit dem Monarchen gespeist hatte, einen Ring und eine Tabatiere mit dem Porträt des Königs als Geschenk.2 Als der Erbprinz Karl Georg Leberecht (1730-1789) 1755 die Regierung übernahm, lockerte sich das Klientelverhältnis. Der jüngere Bruder des neuen Fürsten, Prinz Friedrich Erdmann von Anhalt-Köthen(-Pleß) (1731-1797) hatte den Befehl über eine Kompanie.3 Auch er suchte anfangs die Nähe zum preußischen König, wie aus einer Bittschrift an Friedrich II. von 1754 hervorgeht, in der er den Monarchen bat, ihn zu einer Revue nach Stargard begleiten zu dürfen.4 Als sein Bruder 1755 die Herrschaft über Anhalt-Köthen antrat, suchte Friedrich Erdmann um seinen Abschied nach und erhielt seine Dimission. Der Rang eines Kompaniechefs hatte auf Dauer wenig Attraktivität für den fürstlichen Klienten, der in der ausbleibenden Beförderung eine „ungerechte[] Zurücksetzung“ sah.5 Anscheinend war kein Regimentskommando zur Hand und die Patronageressource Militär somit erschöpft.6

2. Prinz Erdmanns Wechsel in die französische Armee

Im Jahr 1757 setzte Prinz Friedrich Erdmann seine Karriere im französischen Militär fort. Ein politischer Hintergrund ist insbesondere zu diesem Zeitpunkt naheliegend, da Frankreich die vier anhaltinischen Fürstentümer umwarb. Dort war der Marquis de Fraigne als Diplomat und Spion aktiv. Er wurde von Preußen als Gefahr wahrgenommen und im Februar 1758 unter Missachtung des Landesrechts von einem Kommando preußischer Soldaten aus dem Schloss des Fürsten von Anhalt-Zerbst entführt und inhaftiert.7 Nachträglich versuchte Abbé Bernis ihn durch den Status eines ministre plénipotentiaire auprès des quatre princes de la maison d’Anhalt vor Friedrich II. zu schützen. Zur französischen Politik gegenüber Anhalt-Köthen gibt es bis jetzt jedoch keine Forschungsergebnisse. Ob Fraigne auch Anhalt-Köthen für die französische Sache gewinnen konnte, bliebe noch zu erforschen, ist aber nicht unwahrscheinlich. Die Askanier gehörten schließlich zum wichtigsten Klientel Preußens, wie auch ihr Anteil an den ausländischen Fürsten und Prinzen in der preußischen Armee deutlich macht.8

3. Frankreich und die anhaltinischen Fürstentümer

1757 stimmte der Gesandte der anhaltinischen Fürstentümer im Fürstenrat, der auch Anhalt-Köthen vertrat, nach anfänglichem Zögern für die Kriegserklärung gegen Preußen, worauf Friedrich II. trotz Beschwichtigungsversuchen Bernburg, Köthen und Dessau als feindlich ansah.9 Seit 1757 forderte das preußische Feld-Kriegs-Kommissariat jährlich Kriegslieferungen, wie aus Beschwerden der Anhalt-Köthischen Ritterschaft über die Form der Ausschreibung und die ungleiche Verteilung auf das Land durch den Fürsten hervorgeht.10 Das Fürstentum wurde durch Aushebungen, Lieferungen, Durchmärsche und Kontributionen stark belastet.11 Dass sich in dieser Situation nur der jüngere Bruder des Fürsten, nicht aber der Fürst selbst, offen an Frankreich anlehnte, lag wahrscheinlich in der unmittelbaren Nähe zu Preußen und der damit verbundenen Gefahr begründet.

4. Prinz Friedrich Erdmann im Siebenjährigen Krieg

Der folgende Karriereschub des Prinzen Friedrich Erdmann in französischen Diensten legt nahe, dass hier mit der Patronageressource Militär Preußen sowohl direkt als auch auf der Ebene der religiösen Propaganda geschwächt werden sollte.12 Der Prinz trat in das deutsche Kavallerieregiment Royal Allemand als überzähliger mestre-de-camp ein und kämpfte bei Hastenbeck, Kloster-Zeven und Krefeld.13 Beim Weserübergang im Frühsommer 1757 verschuldete er beinahe den Tod des französischen Oberkommandierenden d’Estrées, als „das Pferd des Prinzen von Anhalt-Cöthen gegen das Pferd des Herzogs ungestümmiglich mit Gewalt gesteigert, ist das Pferd des Herzogs in das Wasser gestürzet“.14 Am 10. Februar 1759 wurde der Prinz zum brigadier befördert und schon am 10. März 1759 zum colonel des Fremdenregiments Anhalt-Köthen.15 Friedrich Erdmann übte das Kommando über sein Regiment nicht nur nominell aus. Das Regiment nahm unter dem Befehl des Prinzen 1759 an den Schlachten von Bergen und Minden teil. Nach der Niederlage bei Minden erschien eine falsche Vermisstenmeldung: „den Cörper des [gefallenen] jungen Prinzen Friedrich Erdmann von Anhalt-Cöthen, hat man nicht finden können.“16 Der Prinz und ein Teil des Regiments wurden 1760 nach der Schlacht bei Corbach in der Nähe von Emsdorff gefangen genommen.17

5. Ein Rekrutierungsplakat des Regiments im Bestand des DHM

Das Regiment Anhalt-Köthen brachte der französischen Armee protestantische Rekruten, die durch die in den deutschen Fremdenregimentern übliche, pragmatische Toleranz eingebunden werden sollten. Auf einem Werbeplakat für das Infanterieregiment Anhalt-Köthen aus dem Jahr 1762 heißt es:

Besonders ist auch zu bemerken, daß sowohl die so der Catholischen als auch diejenigen so der Protestantischen Religion zugethan, freye und ohngekränkte Uebung ihres GottesDienstes bey dem Regiment genießen. Überdas so haben Ihro Königl. Majestät in höchst Dero Verordnung vom 21. Decembris 1762, Art. 25. 26. 27. und 28. allergnädigst zugesagt, daß alle diejenige sowohl Catholische als Protestanten, welche die bestimmte Zeit Ihro Majestät treu und ehrlich gedienet, entweder in dem Königlichen Invaliden-Haus Verpflegung, oder aber ihr völliges Tractament in dem Ort und Land, wo sie es begehren, Zeitlebens empfangen […].“18

Eine Vernetzung zwischen Personen aus dem Umfeld des anhalt-köthischen Hofes und dem Regiment fand über den Prinzen möglicherweise ebenfalls statt.

6. Der Prinz und das Regiment nach 1763

Als Fürst Karl Georg Leberecht von Anhalt-Köthen im August 1763 frisch vermählt in Köthen feierlich einzog, kam Friedrich Erdmann im Zeremoniell eine gebührende Rolle als Nummer zwei des Hauses Anhalt-Köthen zu, was auf eine grundlegende Akzeptanz seines Übertritts in französische Dienste hindeutet.19 Der Prinz wurde nach Kriegsende 1765 zum lieutenant général befördert, ließ sich anscheinend seinem Selbstverständnis gemäß als französischer General porträtieren20 und wurde als fähiger Offizier der französischen Armee beurteilt, da „personne ne connaît mieux que lui la manutention d’un corps et les moyens de la discipline“.21 Das Regiment Anhalt-Köthen überließ er 1783 gegen eine Ablösesumme von 28.048 livres dem Prinzen von Salm-Salm. Für Friedrich II. blieb Prinz Friedrich Erdmann noch lange nach dem Siebenjährigen Krieg eine Persona non grata.22 Friedrich Erdmann von Anhalt-Köthen ist ein bisher weitgehend unbekanntes Beispiel für den Gewinn protestantischen Klientels aus der Gruppe der preußischen Satelliten mithilfe der Fremdenregimenter.23

Während die Forschung von der französischen Konfessionspolitik im Reich während des Siebenjährigen Krieges in den letzten Jahren ein relativ klares Bild gewonnen hat, bleiben bei der Armee noch viele Fragen offen. Ein Ansatz wäre, französische Fremdenregimenter verstärkt aus konfessioneller Perspektive zu untersuchen. Gerade anhand der anhaltinischen Fürstentümer ließe sich die Verzahnung von Politik, Militär und Konfession im Siebenjährigen Krieg mit Akten von Kriegs- und Außenministerium exemplarisch untersuchen.

7. Anmerkungen:

1Rödenbeck, Tagebuch, Bd. 1, Berlin 1840, S. 218, 222. Winkel, Netz des Königs, Paderborn u.a. 2013, S. 359, 360. 2Rödenbeck, Tagebuch, Bd. 1, Berlin 1840, S. 249.3Winkel, Netz des Königs, Paderborn u.a. 2013, S. 126. 4Ebd., S. 126. 5Briefe und Journale der Fürstin Louise Ferdinande zu Anhalt-Cöthen, Bd. 3, Dresden [um 1882], S. 55. 6Zum Regiment als knappe Patronageressource: Winkel, Netz des Königs, Paderborn u.a. 2013, S. 190-196. 7Externbrink, Diplomatie Frankreichs, Berlin 2006, S. 64f. 8Winkel, Netz des Königs, Paderborn u.a. 2013, S. 359f. 9Ebd., S. 262. Zum angespannten Verhältnis zwischen Friedrich II. und Anhalt-Dessau: Ebd., S. 259-267. 10Moser, Reichs-Staats-Handbuch, Frankfurt am Main/Leipzig 1768, S. 376-380. 11ADB, Bd. 15 (1882), S. 227-228, Stichwort: Karl Georg Leberecht, Fürst von Anhalt-Cöthen.12Insofern wären die französischen Bemühungen um den Prinzen von Anhalt-Köthen mit den Bemühungen um Brandenburg-Bayreuth, Brandenburg-Ansbach und Württemberg vergleichbar. 13Bodinier, Dictionnaire des officiers, Bd. 1 (2009), S. 70-71, Stichwort: Anhalt-Cöthen, prince d’Anhalt. Fieffé, troupes étrangères, Bd. 1, Paris 1854, S. 341. Der Prinz übte nicht das Kommando des Regiments aus, sondern war mestre-de-camp reformé bzw. colonel à la suite. Kroener gibt fälschlich an, dass Friedrich Erdmann mestre-de-camp gewesen sei. Kroener, Deutsche Offiziere, S. 63. 14Münchner-Zeitungen, Num. CXX, Anno 1757, Freytag den 29. Julii, S. 482. 15Hier fälschlich als Friedrich Hermann bezeichnet. Kroener, Deutsche Offiziere, S. 63. Fieffé, troupes étrangères, Bd. 1, Paris 1854, S. 408. 16Heiden, bedrängte Teutschland, Des bedrängten Teutschlands Vierter Theil in den Begebenheiten des Jahres 1759, Augsburg 1759, S. 46.17Vgl. Waehner, Tagebuch, Göttingen 2012, S. 128: „Der durchgehende courier meldet, daß der Durch[lauchtige] Erbprinz d[en] 16. hu[ius] unweit Marburg […] 4.700 Mann Fr[anzosen] unter welchen sich der Chef des corps, der Prinz v[on] Anhalt[-Köthen], mit befindet, 6 canonen, 7 Fahnen in Empfang genommen“. Siehe auch: Fieffé, troupes étrangères, Bd. 1, Paris 1854, S. 409. 18Werbeplakat für das Infanterie-Regiment Anhalt, Deutschland um 1762, 61,0 x 36,0 cm, DHM Berlin, Inv.-Nr. Gr 92/65. Vgl. zu Offizieren aus dem Umfeld des Prinzen: Briefe und Journale der Fürstin Louise Ferdinande zu Anhalt-Cöthen, Bd. 3, Dresden [um 1882] S. 79 (Bludowsky von Orlau), 183 (Gottschalkowsky), 252. 19Steiff, Sammlung der Freudenbezeugungen, Cöthen 1763, S. 11f. Der Einzug hatte an vielen Stellen den Charakter einer Friedensfeier, wie an den Festdekorationen sichtbar wurde: Ebd., S. 33, 36 („Hat der Krieg uns gleich gedrückt, / Glücksburg uns nunmehr erquickt: / Weil es auch an Cöthen denckt, / Und uns eine Mutter schenckt“), 39, 47. 20 Wilhelm Christian Tischbein (1751-1824): Fürst Friedrich Erdmann von Anhalt-Köthen-Pleß (1731-1797), Schlesien nach 1784, unbekannte Maße, Muzeum Zamkowe w Pszczynie (Schlossmuseum in Pleß), ohne Inventarnummer. 21 Bodinier, Dictionnaire des officiers, Bd 1 (2009), S. 71, Stichwort: Anhalt-Cöthen, prince d’Anhalt. 22 Briefe und Journale der Fürstin Louise Ferdinande zu Anhalt-Cöthen, Bd. 3, Dresden [um 1882], S. 55. 23Vgl. Winkel, Netz des Königs, Paderborn u.a. 2013, S. 262.

Quelle: http://dsk.hypotheses.org/13

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“Es gibt immer weniger den Typus des „Missionars“, der seine persönliche Sichtweise in den Vordergrund rückt”


Interview mit Prof. Dr. Carola Richter

Prof. Dr. Carola Richter ist Juniorprofessorin für Internationale Kommunikation an der Freien Universität Berlin. Dort forscht sie zu Mediensystem und Kommunikationskulturen im Nahen Osten, Asien und Afrika. Beim WeberWorldCafé “Bürger, Blogger, Botschafter” am 28. April 2014 wird sie als Expertin zum Thema Mediendiplomatie Frage und Antwort stehen.

Prof. Carola Richter (Foto: privat)

Prof. Dr. Carola Richter (Foto: privat)

In ihrer Forschung setzen Sie sich unter anderem mit der Wirkung der Medien auf Gesellschaften auseinander. Durch mediale Berichterstattung bekommen wir Einsicht in Konflikte in anderen Ländern, die sich vor einem uns oft nicht ausreichend bekannten kulturellen, sozialen und politischen Hintergrund abspielen. Im NDR lief vor einiger Zeit ein spannender Beitrag über die einseitige deutsche Berichterstattung über die Unruhen in der Ukraine, in dem gezeigt wurde, dass in Deutschland fast nur Regierungskritiker zu Wort kommen, allen voran Vitali Klitschko. Andere Kräfte, wie beispielsweise die rechte Swoboda werden dabei außer Acht gelassen. Der  Russische Rundfunk wird oft als „Propagandamaschine Putins“ bezeichnet. Dort  werden die Umstürze in der Ukraine als „faschistischer Putsch“ bezeichnet und so diskreditiert.

Wie kann man mit diesem Dilemma der einseitigen Berichterstattung umgehen?

Der Tenor der Auslandsberichterstattung ist immer abhängig von verschiedenen Faktoren. Dabei spielen einerseits die individuelle Sozialisation der Journalisten, aber auch die so genannte Institutionensphäre – also die politische Ausrichtung der einzelnen Medien und die internen Redaktionsabläufe, sowie die Gesellschaftssphäre eine Rolle – also wie das Meinungsklima gegenüber einem bestimmten Land ist. Dieses Meinungsklima wird nicht zuletzt davon geprägt, wie die politischen Eliten das Land bewerten, wie die historischen Relationen zwischen den Gesellschaften sind und wie kulturell nah man sich zueinander fühlt.

In Bezug auf Russland gibt es eine klare Positionierung der Bundesregierung. Die historischen Beziehungen zu Russland waren nie frei von Problemen, und in vielen Bereichen fühlen sich die Deutschen den Russen kulturell eher fern. Dies trägt sicherlich zu einer gewissen Einheitlichkeit der Berichterstattung bei, auch wenn es vereinzelt durchaus (selbst)kritische Stimmen gibt. Auf russischer Seite sind angesichts dezidiert staatlich oder zumindest staats-oligarchisch gebundener Medien die Stimmen noch homogener.

Man kann als Rezipient immer versuchen, verschiedene Meinungen zu hören: Internet und Satellitenfernsehen ermöglichen uns ja das Wahrnehmen der anderen Seite. Aus journalismus-ethischer Sicht ist aber darauf zu dringen, dass die einzelnen deutschen Medien sich ihrer Verpflichtung zur Pluralität bewusster werden und versuchen, trotz aller Schwierigkeiten eine Vielzahl an Stimmen einzufangen und sich so autonom gegenüber der Politik verhalten, dass sie die Grenzen des Sagbaren selbst erweitern.

Kann es überhaupt „neutrale“ Auslandsberichterstattung geben? Sind JournalistInnen nicht schon auf Grund ihrer persönlichen Erfahrungen/ihrer Sozialisation voreingenommen?

Ich habe die JournalistInnen deutscher Qualitätsmedien und insbesondere AuslandskorrespondentInnen immer als sehr selbstreflektiert und gewissenhaft kennengelernt. Es gibt auch immer weniger den Typus des „Advokaten“ oder „Missionars“, der seine persönliche Sichtweise in den Vordergrund rückt. Natürlich sind trotzdem alle durch ihre Sozialisation geprägt, haben durch Sprachkenntnisse Zugang oder eben keinen zu bestimmten Quellen. Sie sind aber meiner Ansicht nach nicht die zentrale Komponente für eine problematische Berichterstattung. Vielmehr sind es die Anforderungen der Redaktion, die bestimmte Themen aus der Ferne als wichtig oder „nachrichtenwert“ erachtet, oder die bestimmte Akteure als Quellen bei anderen gesehen hat und nun auch diese Quellen nutzen möchte. Das Verhalten der Öffentlichkeit und der Behörden im Gastland gegenüber ausländischen Journalisten prägt sicherlich auch deren Berichterstattung. KollegInnen, die in China arbeiten, haben mir einmal gesagt, dass einem von den Behörden immer das Gefühl gegeben wird, man sei nicht willkommen oder sogar ein Gegner.

Neutrale Berichterstattung ist sicherlich auch nicht unbedingt notwendig, aber eine reflektierte Berichterstattung sollte leistbar sein. Warum berichte ich jetzt so? Wen wollte ich noch interviewen und warum taucht der/die als Quelle jetzt nicht auf? An welche Informationen konnte ich kommen und an welche nicht? Das Publikum hat ein Recht darauf, dass diese Fragen in der Berichterstattung beantwortet werden, um sich eine Meinung bilden zu können.

Sie haben viel zur Berichterstattung über den Nahen Osten und Nordafrika geforscht. Welche Narrative lassen sich dabei in den deutschen Medien erkennen? Welche Blickwinkel vermissen Sie?

Die Nahost-Berichterstattung ist gekennzeichnet von einer klaren Konfliktperspektive. Der Islam als prägende Religion der Region wird dabei als politische Ideologie interpretiert, die sich in verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen dem liberalen Westen gegenüberstellen lässt. Sei es bei der Stellung der Frau, der Bildung, Demokratiebestrebungen, dem Umgang mit Minderheiten – überall wird der Islam als eindimensionales Erklärungsmuster angeboten. Selbst der arabische Frühling mit seinen durch die Bürger eingeforderten massiven Umwälzungen hat dieses Muster nur kurzzeitig verändert. Häufig werden Maximalforderungen an die arabischen Gesellschaften gestellt, um damit deren Defizite überdeutlich sichtbar zu machen, ohne dies zugleich in den Kontext zu setzen, wie es denn anderswo ohne die Einflussvariable des Islam ist. Die Rechte Homosexueller sind in Ägypten bei Weitem nicht die gleichen wie die Heterosexueller – aber wie ist das denn in den USA? Es fehlt tatsächlich häufig an einer Einordnung der existierenden Probleme und einer etwas komplexeren Sichtung der Ursachen.

Quelle: http://wwc.hypotheses.org/102

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Die oberen und die unteren Wasser: weder vermischt noch getrennt (BerR 4,5)

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Quelle: http://bereschitrabba.hypotheses.org/991

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