You can call this the new world order of political discourse, brothe*r [1]

„[…] die Linke [verfängt] im Netz nicht richtig […], weil sie Komplexität und Präzision bevorzugt und beides kann […] nicht (oder nur selten) viral gehen“

— René Walter, nerdcore.

In einem — durchaus lesenswerten — Interview zur heutigen „Fakten-Krise“ hat forderte *die* Expertin für Objektivität, Wissenschaftshistorikerin Lorraine Daston eine Neue-Medien-Kompetenz. „[…]es fehlt eine systematische Schulung der Öffentlichkeit. Ich selber etwa würde gern wissen: Woran liegt es, wenn etwas im Netz viral wird? Wie kann man ein Meme entschärfen?“

Mal abgesehen davon, dass eine systematische Schulung in diesem sich rasant und dynamisch entwickelten Feld wohl dazu verdammt wäre, den Entwicklungen immer mindestens einen Schritt hinterherzuhinken: reicht es im heutigen Umfeld wirklich, die Vorgänge lediglich zu verstehen und zu durchschauen? Reicht es, _reagieren_ zu können, zu wissen, wie man Internet-Phänomene entschärft?

[...]

Quelle: https://shocknawe.hypotheses.org/407

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You can call this the new world order of political discourse, brothe*r [1]

„[…] die Linke [verfängt] im Netz nicht richtig […], weil sie Komplexität und Präzision bevorzugt und beides kann […] nicht (oder nur selten) viral gehen“

— René Walter, nerdcore.

In einem — durchaus lesenswerten — Interview zur heutigen „Fakten-Krise“ hat forderte *die* Expertin für Objektivität, Wissenschaftshistorikerin Lorraine Daston eine Neue-Medien-Kompetenz. „[…]es fehlt eine systematische Schulung der Öffentlichkeit. Ich selber etwa würde gern wissen: Woran liegt es, wenn etwas im Netz viral wird? Wie kann man ein Meme entschärfen?“

Mal abgesehen davon, dass eine systematische Schulung in diesem sich rasant und dynamisch entwickelten Feld wohl dazu verdammt wäre, den Entwicklungen immer mindestens einen Schritt hinterherzuhinken: reicht es im heutigen Umfeld wirklich, die Vorgänge lediglich zu verstehen und zu durchschauen? Reicht es, _reagieren_ zu können, zu wissen, wie man Internet-Phänomene entschärft?

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Quelle: https://shocknawe.hypotheses.org/407

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Avantgarde in VR.

screenshot_2016-12-30-17-26-58

Was macht ein gutes Architekturprogramm aus? Eine detailgetreue Simulation, die einerseits informativ ist, andererseits aber auch visuell und technisch überzeugt. Dazu in mehreren Sprachen und auf mehreren Systemen gleichzeitig.

Vor einigen Monaten bin ich auf eine Meisterleistung in diesem Bereich gestossen – ein Geheimtipp laut den eher bescheidenen Downloadzahlen. Unerkärlich – bei der Qualität. Denn ist das Virtuelle Architekturmuseum wohl das Grossartigste, was ich in diesem Bereich bisher gesehen habe.

 



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Quelle: http://merzdadaco.hypotheses.org/684

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Mit Fleck auf der Insel [ALWAYS BETA]

„Welches Buch würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?“ – so lautet eine beliebte Frage in People-Magazinen, bei Miss-Wahlen oder Bewerbungsgesprächen. Als sie sich letzthin ganz konkret stellte, habe ich diese Frage für mich mit Ludwik Flecks Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache beantwortet. In einer Zeit, die von einer wachsenden Zahl von Kommentatoren als beginnendes „postfaktisches Zeitalter“ gehandelt wird, schien mir das nicht die schlechteste Idee.

Quelle: http://shocknawe.hypotheses.org/329

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Mit Fleck auf der Insel [ALWAYS BETA]

„Welches Buch würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?“ – so lautet eine beliebte Frage in People-Magazinen, bei Miss-Wahlen oder Bewerbungsgesprächen. Als sie sich letzthin ganz konkret stellte, habe ich diese Frage für mich mit Ludwik Flecks Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache beantwortet. In einer Zeit, die von einer wachsenden Zahl von Kommentatoren als beginnendes „postfaktisches Zeitalter“ gehandelt wird, schien mir das nicht die schlechteste Idee.

Quelle: http://shocknawe.hypotheses.org/329

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Aus der Reihe tanzen: Leonard Schmieding analysiert den HipHop in der DDR (Rezension)

Big City Breakers_Dessau 1988_Archive Here We Come-Nico Raschick

Plastisch und elastisch: Die Big City Breakers 1988 in Dessau (Quelle: Archive Here We Come Nico Raschick).

Es lief ganz nach Honeckers Geschmack. Im Defilé zum 750. Geburtstag der Stadt Berlin zog 1987 an der Tribüne des Staatsratsvorsitzenden in bunten Historien-Kostümen vorbei, was das Geschichtsbild der inzwischen geteilten Stadt nach östlicher Lesart verkörperte: antiklerikale Bauern mit scharfen Sensen, fahnenschwingende 1848er, spartakistische Matrosen mit geballten Fäusten, eine Schalmeien-Kapelle des Rotfrontkämpferbundes, Rotarmisten mit Kalaschnikows und schließlich die uniformierten Massenorganisationen der Gegenwart mit Blumen in den Händen. Die marxistische Chrono-Logik störte ein vergleichsweise ahistorisches Bild: Mitten im Historienumzug eskortierten Jugendliche in bunter Sportbekleidung mit abgehackten Tanzschritten und akrobatischen Verrenkungen einen etwas bizarr als Computer gestalteten Festwagen. Eine Hundertschaft Ost-Berliner Breakdancer war irgendwie in den Umzug geraten, doch der Spuk war schnell vorüber. Vor der Tribüne trieben Sicherheitskräfte die Tänzer nervös an, bloß weiterzugehen – und so entging dem greisen Vorsitzenden eine eigens für ihn einstudierte Choreographie des „Hip Hop made in GDR“.

Die kleine Szene illustriert beispielhaft die Position einer DDR-Jugendkultur, die oftmals mitten auf dem Präsentierteller agierte, in der Kulturlandschaft aber immer wieder aneckte und ratloses Befremden verursachte.

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Quelle: http://pophistory.hypotheses.org/1984

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Aus der Reihe tanzen: Leonard Schmieding analysiert den HipHop in der DDR (Rezension)

Big City Breakers_Dessau 1988_Archive Here We Come-Nico Raschick

Plastisch und elastisch: Die Big City Breakers 1988 in Dessau (Quelle: Archive Here We Come Nico Raschick).

Es lief ganz nach Honeckers Geschmack. Im Defilé zum 750. Geburtstag der Stadt Berlin zog 1987 an der Tribüne des Staatsratsvorsitzenden in bunten Historien-Kostümen vorbei, was das Geschichtsbild der inzwischen geteilten Stadt nach östlicher Lesart verkörperte: antiklerikale Bauern mit scharfen Sensen, fahnenschwingende 1848er, spartakistische Matrosen mit geballten Fäusten, eine Schalmeien-Kapelle des Rotfrontkämpferbundes, Rotarmisten mit Kalaschnikows und schließlich die uniformierten Massenorganisationen der Gegenwart mit Blumen in den Händen. Die marxistische Chrono-Logik störte ein vergleichsweise ahistorisches Bild: Mitten im Historienumzug eskortierten Jugendliche in bunter Sportbekleidung mit abgehackten Tanzschritten und akrobatischen Verrenkungen einen etwas bizarr als Computer gestalteten Festwagen. Eine Hundertschaft Ost-Berliner Breakdancer war irgendwie in den Umzug geraten, doch der Spuk war schnell vorüber. Vor der Tribüne trieben Sicherheitskräfte die Tänzer nervös an, bloß weiterzugehen – und so entging dem greisen Vorsitzenden eine eigens für ihn einstudierte Choreographie des „Hip Hop made in GDR“.

Die kleine Szene illustriert beispielhaft die Position einer DDR-Jugendkultur, die oftmals mitten auf dem Präsentierteller agierte, in der Kulturlandschaft aber immer wieder aneckte und ratloses Befremden verursachte.

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Quelle: http://pophistory.hypotheses.org/1984

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Pophistorische Zugänge zu Native Americans nach 1945: eine Plattenkritik

Bei der Wiederveröffentlichung „vergessener“ Popmusik ist nicht selten eine gewisse Skepsis angebracht: Die Liste verkannter Meisterwerke ist endlich und die wenigsten Veröffentlichungen können das Versprechen einlösen, einen völlig neuen Blick auf popkulturelle Traditionslinien zu eröffnen. Dies gilt umso mehr, als in diesem Feld seit längerer Zeit ein Trend zu immer ausgefalleneren Genres zu beobachten ist, der das Prinzip popkultureller Distinktionsbildung beständig zu neuen Entdeckungen treibt. Konnte man eben noch mit dem Abspielen kambodschanischer Beat-Musik oder Rumba-Rhythmen aus dem franquistischen Spanien punkten, so ist die Musikindustrie schon längst auf dem Weg zu neuen Milieus und Subgenres, deren Nichtkenntnis einem zuvor nicht als Mangel aufgefallen war.

Mittlerweile haben sich hierbei eine Reihe von Musiklabels etablieren können, die immer neue Platten, Künstler und Genres wiederentdecken und für den Musikmarkt neu aufbereiten – oft mit großem Aufwand sowohl in der aufnahmetechnischen Rekonstruktion, opulenter ästhetischer Gestaltung und fundierter redaktionellen Aufbereitung. Man liegt vermutlich nicht ganz falsch, dieses expandierende Veröffentlichungsfeld mit jenem Phänomen in Verbindung zu setzen, das Simon Reynolds jüngst als „Pop Culture’s Addiction to it’s Own Past“ beschrieben hat. In einigen Fällen können solche Zusammenstellungen jedoch nicht nur wertvolle Musik neu zum Vorschein bringen, sondern auch einen neuen Blick auf pop- und gesellschaftsgeschichtliche Fragen stimulieren.

The Chieftones, image courtesy of artist (lightintheattic.net)

Die vorliegende Veröffentlichung ist ein Beispiel eines solchen Falles. Es handelt sich um die Platte „Native North America (Vol. 1): Aboriginal Folk, Rock, and Country 1966–1985“, die im Herbst 2014 auf dem Label „Light in the Attic“ erschienen ist. Das Album beinhaltet ein beeindruckendes Spektrum an Musik von Native Americans aus den kanadischen Territorien und den nördlichen US-Bundesstaaten und vereint auf diese Weise Songs aus so unterschiedlichen Gebieten wie Newfoundland, Nova Scotia, den in Nunavut lebenden Inuit und der nördlichen Pazifikküste von Oregon bis nach Alaska. Eine zweite LP, welche die südlichen Bundesstaaten der USA in den Blick nimmt, ist in Planung. Kevin Howes, der die Musik über Jahre gesammelt hat und in einem kurzen Text im Booklet in den gesellschaftlichen Kontext einführt, schreibt hierzu: „Beginning in the 1960s and well into the 1980s, a movement of Aboriginal musicians, artists, writers, and poets from across North America crafted a new blend of music: folk, country, rock, pop, blues, jazz, and classical, all reflected through their distinct cultural heritage.“

Flöten und Wassertrommeln sucht man auf den Veröffentlichungen demnach vergebens: Stattdessen lassen sich in vielen Fällen sehr klassische Besetzungen von Sängern/Gitarristen in der Tradition der zeitgenössischen Folk-Welle bis zu klassischen Rock-Besetzungen wie man sie bei der aus Inuit bestehenden Rockband Sugluk finden kann. Nicht alle Aufnahmen klingen revolutionär, einiges klingt sogar ausgesprochen konventionell, aber jede der drei Platten birgt unbekannte Künstler von überraschender Qualität und Originalität, wobei vielleicht Willy Mitchell und der in Kanada nicht völlig unbekannte Willie Dunn hervorgehoben werden können.

Willie Thrasher, image courtesy of artist (lightintheattic.net)

Wichtiger als die musikalische Qualität ist für den Kontext popgeschichtlicher Fragestellungen die Tatsache, dass mit der Musik, den Songtexten und den sie begleitenden biographischen Darstellungen des Booklets die – zumindest in Deutschland – historiographisch wenig präsente Geschichte der Native Americans in den USA und Kanada der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Blick gerät. Gerade der hier fokussierte musikalische Kontext ist dabei überaus spannend, weil hierdurch implizit immer wieder die Phänomene einer sowohl vom kanadischen als auch vom US-amerikanischen Staat noch lange nach 1945 forcierten kulturellen Einordnung zu Gehör kommen, aber eben auch die hierauf reagierenden Widerstände und sich verstärkenden Emanzipationsbewegungen der Nachkriegsjahrzehnte.

Wie dieser ambivalente Prozess zu hybriden popkulturellen Phänomen der Identitätsbildung führte, stellt einen äußerst spannenden Forschungsgegenstand der Popgeschichte dar, der in der Verbindung von Musik, Texten und biographischen Angaben auf den Platten immer wieder neue Bezüge eröffnet. Die Veröffentlichung bildet auf diese Weise einen vielversprechenden Zugang zur Kultur- und Gesellschaftsgeschichte von Native Americans nach 1945, wie sie in klassischen Veröffentlichungen und Curricula zur „Amerikanischen Geschichte“ nur selten eine zentrale Rolle spielen.

Für die wissenschaftliche Beschäftigung mit popgeschichtlichen Fragestellungen können solche Veröffentlichungen ein Anstoß sein, um sich (noch) weiter von den durch Verkaufszahlen beglaubigten „wirkungsmächtigen“ Feldern der Popkultur wegzubewegen und nach alternativen popmusikalischen Vergangenheiten zu fragen, die immer auch zu einem neuen Blick auf allgemeine kultur- und gesellschaftsgeschichtliche eröffnen können.

V.A.: Native North America (Vol. 1): Aboriginal Folk, Rock, and Country 1966–1985.
Label: Light In The Attic (CD / LP / MP3)

Quelle: http://pophistory.hypotheses.org/1694

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Zwischen dashboard und front end: Junge Wissenschaftler üben die Kunst des Bloggens

Lösen blogging, twitter und facebook in der Historiographie  bald klassische Hilfswissenschaften wie Epigraphik, Sphragistik oder Numismatik ab? Mit dieser provozierenden (wenngleich nicht ganz ernst gemeinten) Frage eröffnete der Historiker Bodo Mrozek am 25. Juni in Potsdam einen Workshop über wissenschaftliches Bloggen.

Die Veranstaltung fand statt am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, der Max Weber-Stiftung, dem Deutschen Historischen Institut Paris, dem Arbeitskreis Popgeschichte und der Plattform de.hypotheses.org. Mareike König, „digital native“ vom DHI-Paris und Sascha Foerster, Community-Manager der der Max-Weber-Stiftung, nahmen zahlreiche (weniger überraschend: vornehmlich junge, durchaus überraschend: mehrheitlich weibliche) Interessierte mit in die Blogosphäre der Geisteswissenschaften.

Vollbesetzte Reihen: Der Potsdamer Workshop “Wissenschaftliches Bloggen”
stieß vor allem bei jungen Wissenschaftlerinnen auf großes Interesse.

Mareike König (DHI Paris) und Sascha Foerster (Max Weber-Stiftung) führen in Potsdam in die Praxis des Bloggens ein.

Vorgestellt wurde die Plattform hypotheses.org, ein nicht-kommerzielles europäisches Blogportal für Geistes- und Sozialwissenschaften. Hypotheses ermöglicht, das Genre des Blogs und seinen eigenen Stil in wissenschaftlicher Seriosität zu verankern – nur wissenschaftliche Blogs dürfen auf hypotheses eröffnet werden. Darunter sind sowohl persönliche Blogs einzelner Wissenschaftler als auch Gruppenblogs, die an einem gemeinsamen Thema arbeitende Wissenschaftler vereinen. Projektbezogene Blogs begleiten etwa eine Konferenz oder ein Editionsvorhaben. Viele Blogs richten sich an die breite Öffentlichkeit, manche auch an ein spezifisches Fachpublikum. Der französische Begriff für letztere, „carnets de recherche“, macht deutlich was die Kernidee des wissenschaftlichen Bloggens ist: Das eigene wissenschaftliche Arbeiten und Denken, das bisher meist als Gekritzel in privaten Notizbüchern landete, öffentlich machen.

<em>Carnet de recherche moderne et à l'ancien:</em> Vom Block zum Blog.

Carnet de recherche moderne et à l’ancien: Vom Block zum Blog.

Frankreich erschien in der Präsentation vielfach als Vorreiter und Deutschland in Hinblick auf das wissenschaftliche bloggen tatsächlich immer wieder als das in diesen Tagen viel gekalauerte Neuland. Das gilt nicht nur für die aktiv Bloggenden in den Wissenschaften, sondern auch für die großen Institutionen, die für die Dokumentation, Archivierung, Verbreitung und damit nicht zuletzt auch Anerkennung wissenschaftlicher Arbeiten verantwortlich zeichnen. Zur Praxis der Bibliotèque Nationale de France an Blogs eigene ISSN-Ziffern zu vergeben und sie damit in ihren Katalog aufzunhmen, musste die Deutsche Nationalbibliothek erst durch eine „Pflichtablieferungsverordnung“ getragen werden. Und auch die VG-Wort hat Blog-Publikationen in ihr Vergütungssystem aufgenommen.

Der Workshop führte angehende und
erfahrene BloggerInnen zusammen.

Die Diskussion während des Workshops machte deutlich: Das Bloggen fordert die Welt-, Selbst- und Arbeitsbilder der Geisteswissenschaften in vielen Punkten radikal heraus. Sich für drei Jahre in sein Kämmerchen einzuschließen, dort Aktenberge und Datenmengen anzuhäufen und dann mit einem fertigen dicken (und in der Regel nur für ein winzigen Publikum lesbaren) Werk zurück ans Licht der Öffentlichkeit zu kommen, ist noch immer der verteidigte Status quo. Beim Bloggen macht man Skizzen, Vermutungen, Ideen, liefert Prozesshaftes und Unfertiges –kann das Wissenschaft im hehren alten Sinne sein?

Die Fragen, die die Teilnehmenden ansprachen, zielten somit auch vor allem auf die Absicherung als wissenschaftlicher Nachwuchs: Mache ich mich nicht angreifbar, wenn ich öffentlich mache, das ich etwas nicht weiß? Wie schütze ich mich davor, dass andere meine noch nicht zwischen zwei Buchdeckeln festgeschriebenen Ideen abkupfern? Verpulvere ich nicht mein Material für wichtige Aufsätze und Bücher, wenn ich es vorher schon gebloggt habe?

Das Bloggen sei eine Form der wissenschaftlichen Publikationen neben anderen, die auch weiter ihre Berechtigung behalten würden, argumentierte Mareike König. Welches im konkreten Fall die angemessene Form ist, müsse jeder für sich entscheiden. Angesichts der Ausdifferenzierung der Publikationsformen, würden die Chancen, die das Bloggen dabei bietet aber immer deutlicher: Die kleinere Form, die zeitliche Beschleunigung im Vergleich zu den zähen peer-review-Publikationen, die Öffnung des Leserkreises und die potenziellen Anregungen durch die direkte Kommunikation mit dem Publikum, zählten zu den großen Vorteilen. Vor allem aber bildet das bloggen über die eigene Forschung – so eine wesentliche Erkenntnis des Workshops –  eine ständige Trainingseinheit in wissenschaftlichem Arbeiten: Es übt das Strukturieren und Schreiben von Texten, schult das Loslassen eigener Texte im Publikationsprozess, unterstützt das Netzwerken mit anderen und trainiert darin, sich selbst und die eigene Forschung einer interessierten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

PopHistory-Bloggerinnen Glaucia Peres da Silva und Sarah Zalfen (v.l.n.r).

PopHistory-Bloggerinnen Glaucia Peres da Silva und Sarah Zalfen (v.l.n.r).

Sascha Foerster gab schließlich Einblicke in die Praxis des Bloggens. Er öffnete die technische Werkzeugkiste des digitalen Historikers: Social media, Facebook, google+, twitter und co. Foerster stellte den technischen Aufbau von hypotheses.org vor und ebnete den Teilnehmenden damit den Weg zum ersten eigenen Blog. Vom Anlegen eines eigene Profils, über das Erstellen des ersten Artikels bis zum Einfügen von Bildern sowie der Recherche und Angabe der korrekten Urheberrechte, konnten die Blogneulinge das Erlernte Schritt für Schritt in einem eigenen (natürlich vor öffentlichen Blicken geschützten) Testblog erproben und umsetzten. Front end und back end, widget, dashboard und tagging waren für die Teilnehmer am Ende des Tages keine Fremdworte mehr.

Der Vortrag von Mareike König lässt sich auf Slideshare abrufen.

(Text und Fotos: CC BY-3.0 DE.)

Quelle: http://pophistory.hypotheses.org/865

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