Die Freimaurerei stellte im geselligen 18. Jahrhundert einen der bedeutensten Geheimbünde dar. Zahlreiche bekannte Adlige, Intellektuelle und Kaufleute bevölkerten die freimaurerischen Logen, die sich seit Beginn des Jahrhunderts von Großbritannien aus rasch auf dem Kontinent verbreitet hatten. Auch nach der Französischen Revolution von 1789, die entgegen vieler anders lautender Verschwörungstheorien nicht von den Freimaurern geplant worden war, sondern insbesondere die französische Freimaurerei in eine tiefe Krise führen sollte, riss das Interesse an den Logen und den in ihnen gepflegten Ritualen nicht ab. Der Adel, der im Ancien Régime noch stark die Logen frequentiert hatte, wich um 1800 jedoch mehr und mehr der aufstrebenden bürgerlichen Elite.
Das Engagement Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dycks, der nach dem Einmarsch der Franzosen vom Altgrafen zwischenzeitlich zum einfachen “Citoyen” geworden war, innerhalb der napoleonischen Freimaurerei ist somit durchaus auffällig. Hierbei ist zu beachten, dass Napoleon die Logen für seine Sache zu nutzen wusste und sie letztlich sogar durch seinen Archichancelier Cambacérès beaufsichtigen ließ.
Ein Beitrag der Netzbiographie fragt nach den Gründen, die Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck dazu veranlassten, diesem “diskreten Netzwerk” beizutreten. Dabei zeichnet sich ab, dass es nicht nur politisches Kalkül war, das ihn zur freimaurerischen “Arbeit” berief.
Martin Otto Braun
Quelle: http://rhad.hypotheses.org/221
