Divina favente clemencia. Auserwählung, Frömmigkeit und Heilsvermittlung in der Herrschaftspraxis Kaiser Karls IV.

1000 Worte Forschung: Abgeschlossene Dissertation (Mittelalterliche Geschichte) an der TU Darmstadt (2012)

© Royal Canonry of Premonstratensians at Strahov, Prague, CZ

Miniatur aus dem Liber pontificalis des Albrecht von Sternberg: Kaiser Karl IV. (links) und Albrecht von Sternberg (rechts) verehren Christus. © Královská kanonie premonstrátů na Strahově, Praha, DG I 19, fol. 34v.

Noch immer wird bezüglich der Frage nach der religiösen Legitimierung von Herrschaft im römisch-deutschen Reich des Mittelalters „Canossa als Wende“ (F.-R. Erkens) verstanden. Im Zuge des sog. Investiturstreits und spätestens mit dem Wormser Konkordat hätten die mittelalterlichen Kaiser die sakralen Grundlagen ihres Handelns verloren, allenfalls Schrumpfformen der „politischen Heiligenverehrung“ (J. Petersohn) seien bis in die Stauferzeit tradiert worden, während für das eigentliche Spätmittelalter immer wieder auf den von Hermann Heimpel ausgiebig erforschten Weihnachtsdienst rekurriert wird.

Zu Recht rückt damit die Figur Kaiser Karls IV. (1346-1378) in den Fokus, der berühmt-berüchtigte ‚Reliquiensammler‘, dessen „Staats- und Privatfrömmigkeit“ vor über 30 Jahren Franz Machilek herausgestrichen hat. Seit ca. 15 Jahren findet die Frömmigkeit des Luxemburgers neue Aufmerksamkeit in Einzelstudien unterschiedlichen Umfangs. An diese Arbeiten schließt die vorgelegte Dissertation mit dem Anspruch an, das fromme Herrscherhandeln Karls erstmals in seiner Prozesshaftigkeit zu betrachten und die Frage nach der legitimierenden Wirkung religiös fundierter Herrschaftspraxis im Reich des späten Mittelalters im Detail zu stellen. Zur Schärfung der Handlungszentrierung der Untersuchung und zum besseren Verständnis, wie eine legitimierende Wirkung durch Frömmigkeit erreicht werden konnte, wurden (religions-)soziologische Ansätze von Max Weber und Pierre Bourdieu herangezogen. Archivalische Recherchen erfolgten vor allem an ausgewählten Überlieferungsorten in Nord- und Mittelitalien sowie natürlich in Prag.

Die Ergebnisse der Studie sind in drei Großkapiteln zusammengefasst, die sich Karl IV. als sakralem Akteur sowie spezifischer seinem Erwerb von Reliquien und deren weiteren Nutzung widmen. Gerade die Auserwählung – in den Augen anderer wie im mutmaßlichen Selbstbild Karls – ist ein Strukturmerkmal der karolinischen Herrschaftslegitimierung. Die bekannten Passagen der Vita Caroli Quarti sind dabei keineswegs deren erster Beleg, sondern eher eine Rückprojektion auf Basis einer Entwicklung bis zum Anfang der 1350er Jahre. Der Rückgriff auf die ältere Devotionsformel divina favente clemencia ist keineswegs auf den Kanzleigebrauch nach der Kaiserkrönung beschränkt, vielmehr wird so schon nach 1346 die besondere Rolle Gottes bei den Erfolgen des Königs hervorgehoben. Doch erst der Tod Ludwigs des Bayern im Oktober 1347, in der Perspektive des Luxemburgers ein göttliches Zeichen, ist gleichsam ein Startschuss, der Karls Prägung durch das Vorbild der französischen Könige rasch verblassen lässt. Unmittelbar darauf erfolgt eine Veränderung des Siegelbildes, in dem Karl IV. als erster Herrscher bereits vor der Kaiserkrönung sazerdotale Attribute wie Mitra und Stola führt. Auch die erste Lesung des Evangeliums durch den Herrscher in der Weihnachtsmesse im selben Jahr kann in diesem Zusammenhang besser verstanden werden. Einen weiteren ‚Bewusstseinsschub der Auserwählung‘ bewirkte neben dem Erhalt der Reichsinsignien von den Wittelsbachern das Zusammentreffen Karls mit der Mystikerin Christina Ebener 1350, die ganz konkrete Visionen bezüglich der ihm von Gott zugedachten Rolle mitteilen konnte. Vor diesem Hintergrund kam es ca. 1351/52 (E. Hillenbrandt) zur Abfassung der sog. Autobiographie; nach der Rekonvaleszenz von seiner mysteriösen Lähmung begann Karl ab 1353 zielgerichtet mit der Vorbereitung der Kaiserkrönung, aber auch der eigenständigen Erhebung von Reliquien, die zuvor fehlen.

Detail des Freskos ‚Ecclesia militans‘ von Andrea di Bonaiuto (Andrea da Firenze) aus der Capella Spagnola der Dominikanerkirche S. Maria Novella in Florenz, entstanden 1366/67. In der linken Hand des Kaisers, der als Karl IV. zu identifizieren ist, findet sich statt des Reichsapfels ein menschlicher Schädel. Bemerkenswert auch die Aureole um den Kopf des Kaisers. Foto: Martin Bauch

Dieser Reliquienerwerb wird im zweiten Großkapitel genauer ins Auge gefasst. Dabei stellt sich rasch heraus, dass neben dem Vorbild Ludwigs des Heiligen auch die přemyslidischen Vorfahren Karls beispielgebend waren. Die Reliquienakquise hatte, wie auf Basis einer fast 600 in Prag nachweisbarer Einzelheiltümer umfassenden Liste demonstriert wird, ihre zeitlichen Schwerpunkte im Vorfeld der Kaiserkrönung 1353-55 und des zweiten Italienzuges 1368/69; es kristallisiert sich auch der Südwesten des Reichs mit den Erzstiften und den reichsunmittelbaren Klöstern entlang des Rheins als neben Rom bevorzugten Herkunftsregionen der nach Böhmen verbrachten Reliquien heraus. Tatsächlich nutzte Karl die ökonomische Schwäche der von ihm besuchten Kommunitäten, aber auch gute Beziehungen zum Ortsbischof sowie bereits etablierte Kontakte von Klerikern seiner Kanzlei, um an die begehrten Heiltümer zu gelangen. Großer Wert wurde auf Anciennität und Authentizität der Überreste gelegt – die aus der Praxis rekonstruierten Echtheitskriterien orientierten sich kaum an den Argumenten Guiberts von Nogent. Für die Wahl der Reliquien war nicht in erster Linie die Prominenz des Heiligen wichtig, sondern die Möglichkeit, möglichst große Teile des Körpers zu erhalten. Bemerkenswert war auch die Rolle des erhebenden Herrschers: Nicht nur wurde peinlich genau darauf geachtet, die Fiktion der freiwilligen Herausgabe der Reliquien zu wahren. Auch wurden Gegenleistungen an die Reliquiengeber bestmöglich verschleiert; Geldzahlungen sind kaum je festzustellen, dreister Reliquienraub durch Karl ist ein Forschungsmythos. Auffällig ist auch das Bestreben des Luxemburgers, eigenhändig an der Umbettung der heiligen Gebeine teilzunehmen, obwohl solches Handeln ihm als Laien kanonisch untersagt war. Hier manifestiert sich wie schon beim Weihnachtsdienst oder einigen der untersuchten Herrschereinzüge eine Tendenz zur kontrollierten Grenzüberschreitung, die den römisch-deutschen König oder Kaiser einem Kleriker annäherte, obwohl er eindeutig Laie blieb. Ähnlich liegt der wenig bekannte Fall der an die Person des Herrschers gebundenen Ablässe für Teilnehmer von Messen in Gegenwart Karls.

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Mittleres Feld des Apokalypse-Mosaiks über dem Südportal des Veitsdoms (ca. 1370/71). Unter Christus in der Mandorla finden sich die böhmischen Landespatrone Prokop, Sigismund, Veit, Wenzel, Ludmilla und Adalbert (v.l.n.r.). Darunter die Stifterfiguren Karls IV. (l.) und Elisabeths v. Pommern (r.). Foto: Sebastian Keller

Die sich an diesen Beispielen andeutende Erkenntnis, dass der römisch-deutsche Herrscher als semi-sazerdotaler Heilsvermittler für seine Untertanten tätig wurde, bestätigt sich bei der Untersuchung der weiteren Nutzung der Reliquien: Nicht nur wurden die Herrschaftszentren der luxemburgischen Lande und des Reichs durch Karl IV. gezielt sakralisiert, also durch Liturgie, Architektur und Heiligen- wie Reliquienkult mit einander verbunden; dies galt natürlich vor allem für Prag und den Veitsdom, wobei die Prager Neustadt in Absetzung von der älteren Forschung als Rekonstruktion des Reichs und nicht etwa Jerusalem interpretiert wird. Vielmehr kann auch das Verständnis der mysteriösen Burg Karlstein um neue Aspekte ergänzt werden: Die Heiligkreuzkapelle, ein Nachbau des Himmels selbst, diente dem Kaiser u.a. als Oratorium zur Konsultation mit den in ihren Reliquien präsenten Schutzheiligen des Reichs und seiner Städte. Die ausgeklügelte Praxis der Sakralisierung gerade auch durch Performanz – für die Heiltumsweisungen in der Prager Neustadt kann etwa eine eigenhändige Beteiligung Karls IV. plausibel gemacht werden – hat bald Nachahmer unter den Reichsfürsten gefunden. Und doch stieß sie wie auch der ausgeprägte Heiligenkult schon früh auf Kritik in Böhmen. Aus den Reihen des unter Karl sozialisierten Klerus selbst kamen die Kirchenreformer, auf  denen Jan Hus aufbauen sollte. Die Frage nach dem Erfolg der karolinischen Sakralisierungsbemühungen mit mutmaßlich herrschaftslegitimierendem Effekt wird also am Ende des Forschungsvorhabens keineswegs eindeutig positiv beantwortet.

Trotz allem wird im Lauf der Untersuchung klar, dass das vermeintlich gesicherte Bild des staats- und privatfrommen Luxemburgers mit seiner berüchtigten Vorliebe für heilige Überreste deutlich vielschichtiger ist als bisher gedacht: Die spezifisch karolinische Praxis von Frömmigkeit und Heilsvermittlung vor dem Hintergrund vielfach betonter Auserwählung muss den Vergleich mit den Sakralmonarchien Westeuropas nicht scheuen. Dass sie aufgrund der Hussiten und dynastischer Wechsel keine Kontinuität begründen konnte, teilt sie mit vielen anderen Aspekten des Heiligen Römischen Reichs im späten Mittelalter.

Martin Bauch: Divina favente clemencia. Auserwählung, Frömmigkeit und Heilsvermittlung in der Herrschaftspraxis Kaiser Karls IV., Köln; Wien 2014 (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittealters. Beihefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii, 35).

Quelle: http://mittelalter.hypotheses.org/3473

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Tweetup #Shrigpin @Pinakotheken @davidshrigley @kulturkonsorten

Gestern Abend, gegen 18.15 Uhr habe ich beschwingt die Pinakothek der Moderne verlassen. Normalerweise bin ich, wenn ich so ein Haus verlasse, ganz schön k.o. von den vielen Eindrücken, dem Umhergehen und dem Betrachten. Ich habe dann dringend das Bedürfnis nach Erholung. Aber gestern war das anders. Ganz anders.

Denn gestern gab es in der Pinakothek der Moderne den Tweetup #Shrigpin zur Promotion der Ausstellung des Zeichners David Shrigley. Naja, Werbung halt, könnte man abwinkend sagen. Sicher, auf der einen Seite stimmt das. Auf der anderen Seite konnte ich an etwas teilhaben, dass nun wirklich nicht alltäglich ist:

Ca. 150 Personen dürfen die vom Künstler erstellte Skulptur sehen und dann zeichnen oder darüber twittern. Die wichtigste Regel: Niemand darf sie fotografieren. Noch vor der Ausstellungseröffnung am Donnerstag (10.4.) wird sie von Shrigley persönlich zerstört. Alles, was die Besucher dann noch von ihr sehen können, sind die Wahrnehmungen dieser etwa 150 Personen. Der Künstler spricht somit nur noch durch die Zeichnungen oder Texte (Tweets) Dritter. Das ist ein bisschen wie „Stille Post“. Er hat andere durch seine Skulptur, durch sein Werk inspiriert und sie zum Tun aufgerufen. Das Ursprungswerk des Künstlers dient als Mittel zum Zweck zur Inspiration der anderen. Nimmt man es weg – zerstört es – bleibt nur noch die Kommunikation darüber erhalten, die wiederum Auslöser für Inspiration der Besucher wird, die nur diese Kommunikation nicht aber das Kunstwerk selbst sehen. Sie werden angeregt, das Kunstwerk für sich selbst zu erschaffen und sich vorzustellen, wie es tatsächlich ausgesehen haben könnte. Und damit wird es wieder Auslöser für weitere Kommunikationsprozesse.

Tweet vs. Zeichnung

Vor Ort waren gestern 15 Twitterer und einige Zeichner. Zunächst war es im Raum recht ruhig. Der Künstler war anwesend.

Während die Zeichner auf ihr Medium festgelegt waren, wechselten nach einer Weile viele Twitterer vom Smartphone zu Papier und Stift; das Material lag für alle dort aus. Der Sprung von Twitter zur Zeichnung gelingt halt leichter, weil anders herum doch einige technische Voraussetzungen erfüllt werden müssen. Allmählich lockerte sich die Atmosphäre. Der Künstler wurde angesprochen, leise Gespräche geführt.

Und jetzt die Qual der Wahl: Zeichnen oder Twittern? Ich entschied mich für beides. Die Zeit verging dann gefühlt auch doppelt so schnell. Denn kaum hatte ich mit dem Zeichnen begonnen, fing die Ideenmaschine an zu arbeiten und ich hätte mindestens einen halben Tag dort zubringen können. So aber arbeitete mein Kopf nach dem Tweetup weiter. Und er arbeitet immer noch. Ich hoffe, den Kulturkonsorten (Christian Gries, Sybille Greisinger, Harald Link) geht es ähnlich ! :-)

So long! And many thanks to David Shrigley!

Tweets und Fotos wurden von Christian Gries zum Nachlesen hier als storify zusammengestellt.

#shrigpin

Quelle: http://games.hypotheses.org/1627

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CfA: Jahresthema 2014/15 “Das befreite Paris und die Künste” (Bewerbungsschluss: 30.04.2014)

Das Deutsche Forum für Kunstgeschichte (DFK) widmet sein Jahrthema 2014/15 den Künsten in Paris nach der Befreiung von der deutschen Besatzung im August 1944. Bei aller Kontinuität künstlerischer Entwicklungen bedeutete das Ende der Besatzung und des Vichy-Regimes einen Moment des Aufbruchs. Die Stadt erblühte zu neuem kulturellem Leben. Die Künste, denen eine zentrale Rolle im Selbstverständnis des nun freien Paris zufiel, waren in einem hohen Maße in die intellektuellen und politischen Diskussionen der Zeit eingebunden. Die Pariser Kunst, Malerei, Bildhauerei, Photographie, aber auch Film, Mode, Design, entwickelte nach 1944 neue Formen. War die Stadt bereits seit langem die bedeutendste Kulturmetropole Europas und Anziehungspunkt für KünstlerInnen unterschiedlichster Länder gewesen, so wurde es nun Zentrum eines Netzes, das über die Grenzen Europas und des westlichen Kulturkreises hinausging. Das künstlerische Leben der französischen Hauptstadt besaß eine große Ausstrahlungskraft, erfuhr aber auch wichtige Impulse von außerhalb.

Nachdem die Kunstgeschichte über längere Zeit kein ausgeprägtes Interesse an der Epoche gezeigt hatte, richtet sich ihre Aufmerksamkeit wieder verstärkt auf das Kunstschaffen der Jahre nach 1944, nun aber unter einer veränderten Perspektive. Nicht so sehr das Ende der École de Paris und der Moderne wird beschrieben oder die Verdrängung von Paris durch New York als Kulturhauptstadt der westlichen Welt, vielmehr geraten die Kontinuitäten zu den in der Nachmoderne entwickelten neuen Kunstformen in den Blick. Auch werden in einem stärkeren Maße die Beziehungen von Paris mit anderen Kunstlandschaften herausgearbeitet. Zudem hat sich das Blickfeld erweitert, wenn neben den Künsten und deren Vernetzung untereinander Institutionen wie Museen und Ausstellungshäuser, der Kunsthandel, die Künstlerausbildung und besonders die Rolle der verschiedenen künstlerischen wie populären Medien in die Betrachtung einbezogen werden. Und schließlich führen ethnologische und anthropologische Fragestellungen ebenso wie Genderaspekte und eine globale und postkoloniale Perspektive zu einer Neuorientierung der Forschung.

Zu dem Jahresthema vergibt das Deutsche Forum für Kunstgeschichte in Paris zum 1. September 2014 mehrere Forschungsstipendien (Dauer: 12 Monate). Interessenten mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium der Kunstgeschichte oder anderer fachnaher Disziplinen (M.A. und/bzw. Dr. phil.), die zum ausgeschriebenen Thema forschen, sind eingeladen, sich mit den üblichen Unterlagen (Lebenslauf, Zeugnisse, ggf. Publikationsliste, Empfehlungsschreiben der betreuenden Dozenten) sowie einer Projektskizze (max. 3 Seiten, dazu Zeitplan und Literaturverzeichnis) bis zum 30. April 2014 zu bewerben. Das Deutsche Forum für Kunstgeschichte nimmt überdies gern auch Bewerbungen entgegen, die außerhalb des Jahresthemas liegen und mit den weiteren Forschungsschwerpunkten des Instituts korrespondieren. Konferenzsprachen sind deutsch, französisch und englisch. Kenntnisse der deutschen und französischen Sprache werden vorausgesetzt.
Das Jahresthema wird geleitet von Thomas Kirchner (Deutsches Forum für Kunstgeschichte) und Laurence Bertrand Dorléac (Sciences Po.).

Bitte senden Sie Ihre Bewerbungsunterlagen in elektronischer Form in einem Dokument (nicht größer als 10 MB) an: stipendien@dt-forum.org.

Weitere Informationen

Quelle: http://gab.hypotheses.org/1159

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Digital Humanities Tagung in Passau als voller Erfolg

Gerade ist die DHd 2014 in Passau zu Ende gegangen, die erste Tagung der Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (Homepage). Das Organisationsteam hat großartige Arbeit geleistet, die Vorträge waren fast durchweg von hoher Qualität. Besonders beeindruckt war ich von dem echten interdisziplinären Mehrwert vieler Beiträge und Sektionen. Ich habe nicht nur vieles Neues erfahren, sondern bin auch mit zahlreichen Vertretern benachbarter geisteswissenschaftlicher Fächer und Informatikern ins Gespräch gekommen.

Passau DHd Konferenz Nr 02287 xr100 - SHoppe2014

Ich habe leider hier nicht die Zeit für eine ausführliche Tagungsbesprechung, aber besonders profitiert habe ich von den Sektionen Visualisierungen (und hier von der Vorstellung des GenericViewer und des Presenters) und Pecha Kucha “Virtuelle Rekonstruktion – Allgemeine Standards, Methodik und Dokumentation”. Das aber nur als ganz persönliches erstes Fazit.

Auch die Kunstgeschichte hat sich übrigens wacker geschlagen, siehe z.B. hier und hier. Vor allem aber allgemeinwirksam in der sehr schönen Keynote Lecture unserer ehemaligen Münchener Kollegin Prof. Katja Kwastek, die nun in Amsterdam wirkt.

Eine zeitnahe Publikation ist wohl geplant.

Passau DHd Konferenz Nr 02497 xr100 - SHoppe2014

Quelle: http://dhmuc.hypotheses.org/78

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Digitale 3D-Modelle historischer Architektur

Dieses Blog dient ja auch dazu, aufzuzeigen, was bereits alles im Bereich der Digitalen Geisteswissenschaften am Standort München geforscht und getan wird, ohne dass das volle Potential zukünftiger interdisziplinärer Verknüpfungen schon stets ausgeschöpft ist.

Ein Thema, das man vielleicht bei der Kunstgeschichte (bislang) gar nicht so erwartet, sondern eher unter Architekten oder Archäologen, ist das rasant wachsende Feld der digitalen Modelle, auch CAD-Modelle oder virtuelle Modelle genannt. In der Regel wird die praktische Anwendung ja an Architekturfakultäten gelehrt. Für einen Kunsthistoriker ist das Thema nicht aber nur als eine neue Methode der Visualisierung von praktischer Bedeutung (und sollte deshalb auch ggf. aktiver beherrscht werden), sonders auch als Forschungsgegenstand mit einer bereits etwa 20-jährigen Geschichte von großem Interesse.

Wie hat sich eigentlich die mit virtuellen digitalen Modellen verbundene Bildgattung entwickelt? Das Datemmodell wird ja auf unterschiedliche Weise sichtbar gemacht, als Film, Einzelbild oder als interaktive Anwendung z.B. in einer CAVE. Nach welchen Prinzipen werden diese Renderings gestaltet? Wie sahen und sehen Schlüsselprojekte aus und was weiß man heute noch von ihrer Durchführung und Rezeption? Wo werden Bildmaterial und Daten archiviert? Wie funktioniert die hier relevante Fachcommunity? Das alles sind Fragen, die nach Historikern und Historikerinnen mit Kompetenzen in der Untersuchung visueller Kulturen und ästhetischer Praktiken rufen.

Magisterarbeit von Jan Lutteroth zur Rekonstruktionsgeschichte der Aachener Pfalzkapelle 2012 - Filmstill

 

 

 

 

 

 

Einen kleinen Einblick in die am Institut für Kunstgeschichte der LMU verfolgten Fragen und Untersuchungsstrategien bietet diese Seite. Ich freue mich schon auf weitere Kontakte im Münchener Raum (und auch auf Studierende, die sich mit diesem Thema praktisch und/oder theoretisch auseinandersetzten wollen).

Quelle: http://dhmuc.hypotheses.org/61

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Layout und Wissensvermittlung in zwei österreichischen Legendaren (Heiligenkreuz, Stiftsbibliothek, Csc. 11-14; Zwettl, Stiftsbibliothek, Cod. Zwetl. 13-15, 24)

Abstract zum Dissertationsprojekt Layout und Wissensvermittlung in zwei österreichischen Legendaren (Heiligenkreuz, Stiftsbibliothek, Csc. 11-14; Zwettl, Stiftsbibliothek, Cod. Zwetl. 13-15, 24) Mit dem Magnum Legendarium Austriacum ist ein Textcorpus aus dem späten 12. und beginnenden 13. Jh. überliefert, das vornehmlich in österreichischen Klöstern Verbreitung fand. Er stellt eine Kompilation von ungefähr 580 Viten dar. Das Kompendium ist in sechs Textzeugen überliefert, von denen jedoch keiner für sich vollständig ist. Der Fokus der Dissertation liegt zunächst auf den Exemplaren von Heiligenkreuz und Zwettl, die als Zeugnisse […]

Quelle: http://ordensgeschichte.hypotheses.org/6760

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Daniel Rittenauer: Verortung bayerischer Landessymbole in der Weimarer Republik. Workshop Weimar / Institutionengeschichte

Abstract.

Die Weimarer Republik war die längste Zeit ihres Bestehens geprägt von Auseinandersetzungen zwischen politischen Lagern und Ideologien. Auf symbolischer Ebene und in breiter Öffentlichkeit wurden diese im Reich besonders im so genannten Flaggenstreit ausgetragen, in dem die Farben der Republik schwarz-rot-gold denen des vergangenen Kaiserreichs schwarz-weiß-rot gegenübergestellt wurden.
Auf Landesebene fand der Flaggenstreit auch Ausdruck, indem es besonders Ende der 1920er Jahre zu Konflikten um den durch den bayerischen Staat abgelehnten Gebrauch von schwarz-rot-goldenen Flaggen auf öffentlichen Gebäuden kam. Bereits zuvor war es zwischen der bayerischen Regierung und dem Reich zu Reibungen bei gemeinsamen Symbolfragen gekommen, so bei den Hoheitszeichen an der bayerischen Reichsgrenze oder im militärischen Bereich. Rechtfertigte die Bayerische Staatsregierung ihre Verweigerungshaltung mit Verweis auf die Souveränität Bayerns gegenüber dem Reich, so verwendeten etwa Münchener Hotels bei Staatsbesuchen weiß-blaue Flaggen, um dem Gebrauch der ungeliebten schwarz-rot-goldenen Flagge zu umgehen, nicht zuletzt auch deswegen, um ihre deutschnationale Stammkundschaft nicht zu vergraulen; dass diese Verweigerungshaltung in Bayern gegen die republikanischen Farben nicht immer gegeben war, zeigen Plakate der Bayerischen Volkspartei zur Wahl der Nationalversammlung 1919, in denen weiß-blau und schwarz-rot-gold gemeinsam und in positiver Konnotation verwendet werden.

Bedingt durch die zahlreichen Veränderungen und Konflikte in dieser Zeit ist die Quellengrundlage reichhaltig. Quellen zu diesem Forschungsanliegen finden sich vor allem im Bayerischen Hauptstaatsarchiv (Ministerium des Äußern, Ministerium für Unterricht und Kultus) sowie im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde (Reichsinnenministerium, Reichskanzlei, Reichskunstwart, Vertreter der Reichsregierung in München), darüber hinaus als Klein- und Kleinstfunde verstreut an verschiedenen Stellen in Form von gedruckten und ungedruckten Quellen in Bibliotheken und Archiven.

In meinen Forschungen soll untersucht werden, mit welchen Aussagen und Inhalten bayerische Landessymbole 1918 – 1933 verbunden sind und welche Entwicklungen diese im Laufe der Zeit erfuhren. Welche Auswirkungen hatte die Zäsur der Revolution von 1918 auf die Semantik bayerischer Landessymbole wie dem bis 1923 von Otto Hupp gestalteten Bayerischen Staatswappen? Welche politischen Vorstellungen – die etwa besonders gut anhand von Konflikten ersichtlich werden, die sich am Gebrauch oben genannter Symbole entzündeten – sollten durch die Verwendung bayerischer Landessymbole transportiert werden? Welches Staatsverständnis kommt in den bayerischen Landessymbolen zu Zeiten der Weimarer Republik zum Ausdruck. Wie gestalteten und entwickelten sich die Beziehungen zwischen Reichsstellen und Bayerischer Regierung in dieser Frage?

Die Untersuchung der Bayerischen Landessymbole zu Zeiten der Weimarer Republik ist dabei ein kleiner, aber bedeutsamer Bestandteil eines groß angelegten Langzeitprojektes, das sich der Erforschung der bayerischen Landessymbole vom Frühmittelalter bis in die Gegenwart widmet.

 

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Quelle: http://histbav.hypotheses.org/1647

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Michael Schmitt: Die Professoren der Universität Würzburg zwischen 1933 und 1945. Workshop Weimarer Republik / Institutionengeschichte

Die Geschichte der Universität Würzburg in der Zeit des Nationalsozialismus wurde bislang noch nicht umfassend aufgearbeitet, bis auf Einzelstudien zu Fakultäten oder Einzelpersonen liegen keine größeren Abhandlungen vor. Das Promotionsprojekt soll einen Beitrag zu dieser Aufarbeitung leisten, wobei es aber nicht das Ziel der Arbeit sein kann alle Aspekte umfassend zu behandeln. Vielmehr sollen die Professoren aller Fakultäten im Mittelpunkt der Arbeit stehen. Diese Beschränkung auf eine Ebene in der universitären Hierarchie erlaubt es den Blick über Fakultätsgrenzen hinaus zu richten und Aussagen zur Gesamtuniversität zu treffen, auch wenn die Studierenden und der akademische Mittelbau zunächst außen vor bleiben müssen.

Im Würzburger Universitätsarchiv haben bis auf wenige Ausnahmen lediglich die Personalakten den 2. Weltkrieg überstanden, diese können durch die ministerielle Gegenüberlieferungen des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, welche heute im Hauptstaatsarchiv in München liegt und des Reichs- und Preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, heute im Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde, ergänzt werden. Mit Hilfe dieser Quellen soll versucht werden eine Kollektivbiographie der Würzburger Professoren zu erarbeiten. Die Grundfragen sind dabei die soziale und geographische Herkunft, der Bildungsgang und der berufliche Werdegang. Es soll auch versucht werden anhand der Quellen die politische Ausrichtung herauszuarbeiten. Dieses Gesamtbild soll in einem weiteren Schritt auf die einzelnen Fakultäten heruntergebrochen werden um sowohl einen Vergleich der Fakultäten untereinander, als auch mit der Gesamtuniversität zu ermöglichen. Als Hauptquellen dienen hierbei die Personalakten und die darin enthaltenen biographischen angaben, die Fragebögen zur Durchführung des „Gesetzt zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ aus dem Jahr 1933 sowie die Gutachten, Lebensläufe und auch die Schriftenverzeichnisse aus den Berufungsvorgängen. Gerade bei den Berufungsverfahren genügt es aber nicht eine „Geschichte der Sieger“ zu schreiben, auch die „Verlierer“ müssen genauer betrachtet werden. Als zweite wichtige Quelle ist die „Kartei aller Hochschullehrer“, welche durch reichsministeriellen Runderlass vom 13. Dezember 1934 begonnen wurde. Hierin finden sich neben den biographischen Angaben auch Angaben über geleisteten Kriegsdienst und politische Betätigung.

Die zeitliche Dimension darf dabei aber nicht aus dem Blick geraten. Gerade die Veränderungen denen die Zusammensetzung der Professorenschaft unterworfen war sollen im Mittelpunkt der Untersuchung stehen. Die Situation am Ende der Weimarer Republik bildet den Ausgangspunkt. Ein zweiter Zeitschnitt müsste nach dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ von 1933 und dem „Gesetz über die Entpflichtung und Ersetzung von Hochschullehrern aus Anlass des Neuaufbaus des deutschen Hochschulwesens“ von 1935 gezogen werden. Als dritter Zeitschnitt bietet sich das Jahr 1939 an. Der Zweite Weltkrieg wirkte durch die Einberufung gleichermaßen von Studenten und Professoren, weit in die Universitäten hinein, daher wird davon abgesehen diese Zeit in die Betrachtungen über die Veränderungen in der Zusammensetzung der Professorenschaft, welche durch die nationalsozialistische Politik und Beamten- sowie Hochschulgesetzgebung bedingt waren, einzubeziehen. Dies bedeutet aber nicht, dass die Kriegsjahre ganz unbetrachtet bleiben sollen, auch die Kriegsbedingten Veränderungen gilt es zu untersuchen und darzustellen.

 

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Quelle: http://histbav.hypotheses.org/1437

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Digitale Kunstgeschichte: Thema = Seminarform?

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Dass das Thema eines Seminars auch gleichzeitig die Seminarform sein kann, bewies ein ungewöhnliches Experiment der Kunstgeschichtlichen Institute der Goethe-Universität Frankfurt und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Per Videokonferenz wurde das Seminar übertragen und behandelte Themen wie Digital Humanities im deutschsprachigen Raum, Problematik des Urheberrechtes, Google Art Project, Social Media im Museum und Möglichkeiten und Grenzen des wissenschaftlichen Einsatzes von Social Media in den Geisteswissenschaften.

Einen Erfahrungsbericht der Studierenden finden Sie hier.

Quelle: http://dhd-blog.org/?p=2442

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Wenn das Thema zur Seminarform wird – ein Erfahrungsbericht aus der digitalen Kunstgeschichte

2187407768_4934417da2_zEin Gastbeitrag von Sylvia Schneider und Eugen Rodin

Die modernen Technologien geben uns heutzutage eine Möglichkeit, miteinander schnell, unabhängig von der Entfernung, zu kommunizieren. In wenigen Sekunden kann man die gewünschten Inhalte im Netz veröffentlichen, teilen und liken. Allerdings kommt häufig die Frage auf, ob solche Möglichkeiten der neuen Technologien im wissenschaftlichen Bereich tatsächlich anwendbar sind.

Eine kollaborative Arbeit der Kunstgeschichtlichen Institute der Goethe-Universität Frankfurt und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg bewies in einer neuen Seminarform, dass dies möglich ist. Das Seminar zum Thema „Digitale Kunstgeschichte“ fand in Frankfurt und in Freiburg gleichzeitig statt und wurde per Videokonferenz übertragen. Die Thematik des Seminars behandelte sich selbst. Neben der Digitalisierung der Kunst wurde auf solche Themen wie Digital Humanities im deutschsprachigen Raum, Problematik des Urheberrechtes, Google Art Project, Social Media im Museum und Möglichkeiten und Grenzen des wissenschaftlichen Einsatzes von Social Media in den Geisteswissenschaften eingegangen. Geleitet wurde das Seminar in Frankfurt von Thorsten Wübbena (wiss. Mitarbeiter am Kunstgeschichtlichen Institut) und in Freiburg von Anna Schreurs-Morét (Professorin für Kunstgeschichte). Passend zum Thema jeder Sitzung wurde eine Person aus der Praxis eingeladen, die nähere Einblicke in ihre Arbeitswelt und wichtige Problemstellungen ihres Themas aufzeigte.

Aufgabe der Studierenden war es, mittels eines Referates einen allgemeinen Überblick zu einem Thema zu geben und die Diskussion zu moderieren. Die Schwierigkeit dabei bestand darin, nicht nur den eigenen Raum miteinzubeziehen, sondern auch die Teilnehmer in der Videokonferenz in die Diskussion zu involvieren und sie zu Wort kommen zu lassen. Doch von Sitzung zu Sitzung steigerte sich die Vertrautheit mit der neuen Seminarform, sodass angeregte Diskussionen über eine Entfernung von 300 km stattfinden konnten.

In der Sitzung wurden die Studierenden mit verschiedenen Projekten, Instituten und neuen Tendenzen in der Digitalisierung der Kunst(-geschichte) vertraut gemacht. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen die Zugänglichkeit der Kunst im Netz, die damit verbundene Problematik rund um Bild- und Urheberrechte und der Nutzen von Social Media im Museum.

Je tiefer die Auseinandersetzung mit der Technik ging, desto schneller wurde klar, dass diese Bereiche nicht mehr voneinander trennbar sind. Des Weiteren betrifft die Digitalisierung alle Disziplinen und stellt so gemeinsame Knotenpunkte, Problemstellungen und Aufgabenbereiche her. Zum Beispiel findet bei der Digitalisierung von Büchern ebenso eine Digitalisierung der Bilder in den Büchern statt und Forscher können im Austausch gemeinsam über Text und Bild das Werk entschlüsseln.

Rechtsfragen sind vor allem von Institutionen wie Museen zu stellen, wenn sie digitale Reproduktionen ihrer Werke online stellen. Zum einen sollten sie ihrer Aufgabe der Wissensvermittlung nachgehen, zum anderen dabei aber Künstlerrechte wahren. Online stellen bedeutet, die hierfür vorhandenen Portale zu nutzen. Am häufigsten werden heutzutage Portale wie Facebook oder Blogs von Konsumenten wahrgenommen. Dies sind soziale Plattformen, mithilfe deren Nutzer Beiträge sehen, kommentieren oder selbst weiterverbreiten können. Hinsichtlich des wissenschaftlichen Nutzens dienen diese Portale der direkten Kommunikation und dem Informationsaustausch. Die Diskussion darüber, ob und in welcher Form sie für Forschungszwecke verwendet werden können, ist noch nicht beendet.

Das Seminar hat nicht nur einen guten Überblick zum Thema „Digitale Kunstgeschichte“ verschafft, sondern auch eine neue Dimension in der wissenschaftlichen Arbeit und die Vielfalt der Aufgaben als Kunsthistoriker demonstriert. Dabei zeichnet sich die immer stärkere Verwischung von Grenzen ab: Kommunikationsformen lassen Laien und Wissenschaftler in Kontakt treten, Bilddatenbanken lösen Bilder von ihrer Ortsgebundenheit und interdisziplinäre Problemstellungen eröffnen neue Berufsfelder. Der Prozess der Digitalisierung ist nicht mehr aufzuhalten, unerlässlich bleibt es somit, Formen und Regelungen für einen einheitlichen und bewussten Umgang zum Schutz der Kulturgüter zu finden.

Wir, die Studierenden, waren vor allem von der Seminarform begeistert. Diese ist für uns aufgrund ihrer neuen Umsetzung interessant, aber auch effektiv, weil durch die kleine Gruppengröße Diskussionen sehr produktiv verliefen. Dabei wurden wir angeregt, über unser eigenes Verhalten hinsichtlich der digitalen Medien nachzudenken und es mehr aus einer beruflichen und nicht nur privaten Perspektive zu betrachten.

Die Tatsache, dass dieses Seminar mittels einer Videokonferenz zum Lernerfolg führte, ist der beste Beweis für den gelungenen Einsatz einer digitalen Arbeitsform in Wissenschaft und Lehre. Überzeugt von dem Nutzen digitaler Medien, wurden wir Studierende dazu angeregt, diese auch im Rahmen universitärer Veranstaltungen zu nutzen und vielleicht demnächst ein Seminar-begleitendes Blog zu eröffnen.


Programm des Seminars

2. Mai 2013:

Digital Humanities im deutschsprachigen Raum – Chance und Verpflichtung für eine Digitale Kunstgeschichte?

Thomas Stäcker

Stellvertretender Direktor der Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel, Leiter der Abteilung Neuere Medien. Digitale Bibliothek (Anwesenheit in Frankfurt)

 

16. Mai 2013:

GLAMs und Digitalisierung: Wünsche, Ängste und Tendenzen.

Barbara Fischer

Kuratorin für Kulturpartnerschaften, Wikimedia Deutschland e.V., GLAM (Galleries, Libraries, Archives and Museums)-Koordinatorin (Anwesenheit in Frankfurt)

 

6. Juni 2013:

„Was sind das nur für erbärmliche Kleingeister!“ – Über Bildrechte, Wasserzeichen und die Befreiung von Kulturgut

Klaus Graf

Mediävist (Historiker) und Archivar, Weblog ARCHIVALIA, Themenschwerpunkte Bild- und Archivrecht, Open Access (Anwesenheit in Freiburg)

 

13. Juni 2013:

Die „Digitale Diathek“ – Idee, Umsetzung und Perspektive eines internationalen, offenen (Bild-) Datenverbunds

Thomas Hänsli

Projektleiter und Wissenschaftlicher Koordinator des Projekts „Digitale Diathek“ in Kooperation der ETH Zürich mit dem Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich (Anwesenheit in Freiburg)
20. Juni 2013:

Google Art Project – Spielerei oder Vorreiterrolle auf dem Weg der Museen ins Netz?

Dirk Burghardt

Kaufmännischer Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (Anwesenheit in Freiburg)

 

27. Juni 2013:

„Standstreifenperspektiven“ – die Kunstgeschichte in der Welt der digitalen Forschungsinfrastrukturen

Fabian Cremer

Mitarbeiter in der Abteilung Forschung und Entwicklung an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB) (Anwesenheit in Frankfurt)

 

4. Juli 2013:

Social Media im Museum – Tagesgeschäft oder Zukunftsvision?

Daniela Bamberger

Content Managerin des Städel Museums in Frankfurt (Anwesenheit in Frankfurt)

 

11. Juli 2013:

Möglichkeiten und Grenzen des wissenschaftlichen Einsatzes von Social Media in den Geisteswissenschaften

Mareike König

Historikerin und Leiterin der Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Paris (DHIP) (Anwesenheit in Frankfurt)

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Autoren und Kontakt

Sylvia Schneider, Studierende am Kunstgeschichtlichen Institut der der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Sylvia.Schneider[at]gmx.de

Eugen Rodin, Studierender am Kunstgeschichtlichen Institut Goethe-Universität Frankfurt, info[at]eugenerodin.de

AbbildungGhetto lighting by hebedesignCC-BY-NC-SA 2.0

 

Quelle: http://redaktionsblog.hypotheses.org/1713

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