150 Jahre Industrie und Handelskammer Braunschweig – Teil 1
Im Jahre 2014 beging die Industrie- und Handelskammer Braunschweig ihr 150-jähriges Jubiläum. Die Statuten der neu gegründeten Corporation der Kaufmannschaft zu Braunschweig waren am 13. März 1864 vom Herzoglichen Staatsministerium bestätigt worden. In ihnen wurde erstmals eine Handelskammer als Organ der wirtschaftlichen Selbstverwaltung in der Stadt Braunschweig begründet und mit der Vertretung der Interessen von Handel und der Industrie betraut. Die konstituierende Sitzung der neu gegründeten Handelskammer fand am 1. August 1864 statt; auf ihr wurde Kommerzienrat Eduard Lüttge, Inhaber der Gewürz- und Materialwarenhandlung … 150 Jahre Industrie und Handelskammer Braunschweig – Teil 1 weiterlesen →
Das Geschlecht ruht nicht im Körper, sondern in der Seele
Das Geschlecht ruht nicht im Körper, sondern in der Seele. Magnus Hirschfelds Positionen zum Hermaphroditismus und ihre gutachterliche Umsetzung[1] Dr. Rainer Herrn, Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin der Charité / Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft…
durchsichten: Übung zu speziellen Methoden und Theorien. Vergleichende und transnationale Geschichte
Die Methoden der Hausnummerierung
Vor kurzem ist mein 2007 beim Jonas Verlag erschienenes Hausnummernbüchlein auf Englisch herausgekommen,1 Grundlage der von Anthony Mathews besorgten Übersetzung war eine um ein Drittel erweiterte und auch aktualisierte Fassung. Ich nehme dies zum Anlass, hier eine auf aktuellem Forschungsstand befindliche Typologie der verschiedenen Hausnummernsysteme zu veröffentlichen, denn die für die Nummerierung der Häuser verwendeten Methoden waren durchaus unterschiedlich, menschlicher Ordnungsgeist ersann eine erstaunliche Vielfalt davon:2
1.) Die ortschaftsweise Durchnummerierung: Diese wurde 1770/71 in der Habsburgermonarchie angewandt; ausgehend von einem Haus beim Ortseingang oder einem Herrschaftssitz (in Wien die Hofburg, auf dem Prager Hradschin das Schloß, in anderen Orten der Sitz der Grundherrschaft) wurde von eins an durchnummeriert, bis das zuletzt nummerierte Haus die höchste Nummer bekam, was in Städten zu recht hohen, manchmal vierstelligen Nummern führte, deren Auffinden nur dann einigermaßen schnell gewährleistet war, wenn dazu der Straßenname angegeben wurde.
2.) Die viertelweise Durchnummerierung: In Städten wie Mainz, Augsburg oder Nürnberg wurde den einzelnen Stadtviertel jeweils ein Buchstabe zugewiesen und innerhalb der Stadtviertel die Häuser durchnummeriert; zusätzlich zur Nummer wurde oft der Buchstabe des Viertels an die Häuser angebracht. So erhielten zum Beispiel in Nürnberg, wo die Nummerierung 1796 auf Druck der französischen Besatzungsmacht zur Erleichterung der Militäreinquartierung durchgeführt wurde, die Häuser der beiden Stadtteile Sebalder und Lorenzer Stadtseite die Hausnummern S1–S1706 bzw. L1–L1578 auf die Fassade aufgemalt. In Venedig ist ein solches System – ohne Zuweisung eines Buchstabens für das jeweilige sestiere – bis in die Gegenwart in Gebrauch, was das Auffinden eines Hauses in der Lagunenstadt zu einer Herausforderung macht.
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Quelle: http://nummer.hypotheses.org/169
Entra el hermafrodita. Hermaphroditen auf Spanisch
Spanische Wochen auf https://intersex.hypotheses.org! Die Quellen, die Enrique und ich hier vorgestellt haben, und die Rezension zu Hermaphrodites in Iberia motivieren mich zu einem kleinen Exkurs zum spanischen Ausdruck hermafrodita und seiner Geschichte. Für die Gegenwart und…
Berliner Schildkröten: Die Eckensteher
Als Eckensteher wurden im 19. Jahrhundert in Berlin Personen bezeichnet, die in den Straßen standen und auf Arbeitsaufträge warteten, wobei sie vorwiegend als Lastenträger tätig waren; nachdem einer von ihnen 1828 einen Bürger beleidigt hatte, wurden sie im folgenden Jahr unter polizeiliche Aufsicht gestellt. Ab sofort benötigten sie eine Erlaubnis und bekamen eine Nummer zugeteilt, „‘welche auf eine ovale weiße Blechtafel eingeschnitten, mit einer unterlegten schwarzen Tuchbinde an dem linken Oberarm getragen werden mu[sste]‘“.1 Knapp 600 derlei Konzessionen wurden vergeben, wobei es ab 1833 nicht mehr nötig war, die Nummer zu tragen; mit der Liberalisierung des Droschken- und Kutschenwesens sollte dieser Berufsstand verschwinden, was von ihnen allerdings blieb, war eine vielfältige Eckensteher-Literatur, mit dem berühmten Eckensteher Nante Strumpf – er trug die Nummer 22 – als bekanntesten Protagonisten. Einem Aufsatz von Olaf Briese ist zu entnehmen, dass Eckensteher auch als „Schildkröten“ bezeichnet wurden, eben wegen ihrer Nummernschilder und auch, weil sie angeblich die Lasten betont langsam trugen. Zuletzt hat übrigens Patrick Eiden-Offe die Eckensteher in eine Traditionslinie zu den Hipstern gestellt, als deren „Verwandt[e] und Vorläufer“ er sie bezeichnet, da beide Gruppen sich als Teil ihrer Arbeit lässig zur Schau stellen würden, immer bereit für einen neuen Auftrag, ohne klare Unterscheidung von Arbeit und Freizeit; bereit aber auch zur Empörung und zur Teilnahme am revolutionären Tumult.2 Eine polizeiliche Registrierung und Nummerierung dieser Gestalten, die mit ihren Laptops die Berliner Cafés bevölkern, scheint allerdings gar nicht mehr nötig zu sein, sind sie doch ohnehin dank ihrer Facebookprofile und sonstigen Accounts leicht aufspür- und identifizierbar.
- Briese, Olaf: Eckensteher. Zur Literatur- und Sozialgeschichte eines Phantoms, in: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur, 37.
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Quelle: http://nummer.hypotheses.org/160
Die Nummern der Ludditen – 1
Nur wenig ist bekannt über die Ludditen der Jahre 1811-1813, die, folgt man E. P. Thompson, keineswegs so rückwärtsgewandte Technikfeinde waren, wie lange dargestellt; auf jeden Fall schreckten sie nicht zurück, die Kulturtechnik der Nummerierung einzusetzen, wenn es darum ging, ihre Namen (vielleicht auch voreinander?) zu verbergen; klandestiner Kampf kann Nummern auf jeden Fall gut gebrauchen, wie aus einer Episode aus dem Yorkshire des Jahres 1812 hervorgeht:
Nach einem erfolgreichen Angriff ‘zog der Führer, sobald das Werk der Zerstörung vollbracht war, seine Männer zurück, hielt Appell, wobei jeder Mann auf eine bestimmte Nummer anstelle eines Namens antwortete; dann feuerten sie ihre Pistolen ab, […] stießen einen Ruf aus und marschierten in regulärer militärischer Aufstellung ab.’1
- Thompson, Edward P.: Die Entstehung der englischen Arbeiterklasse. Frankfurt am Main: Suhrkamp es 1170, 1987, Bd. 2, S.
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Quelle: http://nummer.hypotheses.org/153
Lexikon zur Computergeschichte spezial: Frauen in der Computergeschichte. Sonderausstellung im Heinz Nixdorf MuseumsForum Paderborn, 2.9.2015 bis 10.7.2016
Bouvard und Pécuchet machen einen Vorschlag oder: Die Grenzen der Nummerierung im 19. Jahrhundert
Gegen Schluss des nach den beiden Protagonisten benannten Romanfragments Bouvard und Pécuchet schwingen diese – es herrscht schon Napoleon III. – beim Kneipenwirt Beljambe politische Reden, sorgen damit für Unruhe und ventilieren schließlich einen Plan:
Da man ihnen den Vorwurf der Praxisferne machte und sie zudem beschuldigte, zur Nivellierung und zum Immoralismus anzuleiten, entwickelten sie den folgenden Dreistufenplan. [Absatz] Ersatz des Familiennamens durch eine Matrikelnummer. [Absatz] Hierarchische Gliederung aller Franzosen – und zur Aufrechterhaltung seines Ranges habe jedermann von Zeit zu Zeit ein Examen abzulegen. [Absatz] Keine Strafen, keine Belohnungen mehr, aber in allen Dörfern eine genaue Chronik der individuellen Lebensläufe, die der Nachwelt überliefert werden sollte. [Absatz] Man verabscheute ihr System.1
Das Schicksal des Plans gleicht so vielem, was Bouvard und Pécuchet in den Jahren zuvor versucht haben, weder interessiert sich die lokale Zeitung dafür, noch reagieren die Behörden, geschweige denn der Kaiser. Auch im keineswegs nummerierungsfeindlichen Frankreich scheint der Vorschlag, den Familiennamen durch eine Nummer („numéro matricule“) zu ersetzen, zu weit zu gehen, und auch die Reihung aller Franzosen nach einem mittels regelmäßigen Prüfungen zu bestimmenden Rangnummer scheint nur als eine maßlose satirische Verallgemeinerung der in Schulen üblichen „bio-numerisch[en]“ Ordnung (Heinrich Bosse)2 wahrnehmbar zu sein.
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Quelle: http://nummer.hypotheses.org/107