Zensierte Zwitter. Über zensierte Ausgaben und Übersetzungen historischer Quellentexte

Wer sich mit der Geschichte uneindeutiger Körper beschäftigt, wird schnell mit Zensur-Phänomenen konfrontiert. Das betrifft insbesondere auch Textausgaben und Übersetzungen historischer Quellen, die zwischen der Mitte des 19. und Mitte des 20. Jahrhunderts erschienen sind. Als Einstieg drei Beispiele:

1. Der Chronist Matthäus Paris (gest. 1259) berichtet in seiner Chronica maior von „Androgynen“ in Lincoln: Eine „unheilverkündende und unerhörte“ Begebenheit habe sich dort im Jahre 1246 zugetragen. Eine adelige Frau, verheiratet und Mutter mehrerer Kinder, habe eine andere adelige Frau geschwängert, und zwar „in einer neuen und wundersamen Weise“. Um dieses Wunder zu erklären, verweist der Chronist auf die gelehrte Auslegung des Schöpfungsberichts: Dort heiße es, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen habe (Gen. 1, 27), die Glosse (gemeint ist ein Werk von Petrus Cantor) aber bemerke zu dieser Stelle, dass es auch androgyne Menschen gebe, die zeugen und empfangen könnten. Letztlich sind es also Berichte über das Wundervolk der Hermaphroditen, wie sie seit der Antike und bis weit in die Neuzeit tradiert wurden, auf die der Chronist sich hier beruft. 

Das wäre nicht weiter erstaunlich – viel interessanter ist, wie im 19. Jahrhundert mit diesem Text umgegangen wurde.

Aufgrund ihrer Bedeutung v.a. für die englische Geschichte wurde die Chronik schon im 19. Jahrhundert ins Englische und (teilweise) ins Deutsche übersetzt, keine Selbstverständlichkeit für eine mittelalterliche Chronik. Die deutsche Übersetzung von 1896 erwähnt die „Androgynen“ nicht, was nicht viel bedeuten muss, da es sich um eine Auswahlübersetzung handelt. Die englische Übersetzung von 1853 hingegen ist eine vollständige Übersetzung - verzichtet ausgerechnet auf die oben zitierte Episode, und beruft sich (Bd. 2, S. 166, online hier) auf ihre angebliche Unübersetzbarkeit: "The contents of this chapter being untranslatable, we give the Latin text, which is as follows: "Sub ejusdem anni curriculo, …"

2. Die Konstanzer Chronik (14./15. Jh.) berichtet zum Jahr 1388 von einem Mensch, der doppelte Geschlechtsorgane hatte, in zeitgenössischen Begriffen also ebenfalls ein „Hermaphrodit“. Anders als der gelehrte, auf Latein schreibende Matthew Paris verwendet der Konstanzer Chronist aber nicht diesen gelehrten Begriff; „hat ain zagel, hat ein fud“, schreibt er schlicht und deutlich, um die doppelten Geschlechtsorgane (Penis und Vulva) zu benennen. Eines aber hat er mit Mathew Paris gemeinsam – in den Druckausgaben wurde die Passage zensiert. Die erste Ausgabe der Konstanzer Chronik (durch Mone, hier online), obwohl sonst vollständig, ließ die Passage kommentarlos weg, die zweite (Ruppert) ersetzte sie immer noch durch eine Fußnote mit einer knappen (inhaltlich durchaus zutreffenden) Paraphrase.

3. Ein Kapitel des Paedagogos des Clemens von Alexandrien (gest. um 215), in dem es um Zwitter geht (mehr dazu hier), wird in der weit verbreiteten englischen Übersetzung (Schaff; hier online) stark gekürzt, ohne dass dies im Vorwort erwähnt würde. Erst eine Fußnote zur Kapitelüberschrift erläutert: "For obvious reasons, we have given the greater part of this chapter in the Latin version. [...]." Aus „offensichtlichen“ Gründen „muss“ der griechische Text des Originals auf Latein anstatt auf Englisch wiedergegeben werden – welche offensichtlichen Gründe dies sind, wird nicht gesagt. Immerhin wird die Zensur, bei aller sprachlichen Verschleierung, hier als solche erkennbar. In der deutschen Clemens-Übersetzung in der „Bibliothek der Kirchenväter“ (hier) ist nicht einmal das der Fall - hier wird ein noch kleinerer Teil des Paedagogos-Kapitels übersetzt – und der Rest fehlt ganz, ohne jeden Hinweis darauf, dass hier etwas fehlte!

Mit solchen zensierenden Eingriffen, Nicht-Übersetzungen, Verschleierungen rechnet man bei Textausgaben des 19. und 20. Jahrhunderts bei erotischen und allgemein sexuellen Themen, vor allem, wenn es um homosexuelle Akte und Beziehungen geht – zum Beispiel die berüchtigte Martial-Ausgabe der Loeb Classical Library: Bis zur Neuausgabe 1993 bot sie „einschlägige“ Verse anstatt in englischer in italienischer Übersetzung, die übrigens auch nicht vom Übersetzer selbst stammte, sondern einer Übertragung des 18. Jahrhunderts entnommen war. (Näheres kann man in der klugen Rezension Howells in der Classical Review, siehe hier, nachlesen.)

Die hier zitierten Zensur-Beispiele fallen aber auf dem ersten Blick nicht in dieses Muster: Der „Hermaphrodit von Lincoln“ begeht zwar Ehebruch, aber Matthew Paris berichtet denkbar knapp darüber und in irgendeiner Weise anstössig zu sein. Der Mensch mit doppelten Genitalien, der in der Konstanzer Chronik erwähnt wird, führt ein geordnetes Eheleben: Aufgewachsen als Katharina, nannte er sich später Hans, heiratete eine Frau, und das Konstanzer Gericht bestätigt die Gültigkeit ebendieser Ehe; alles recht langweilig. Erst recht ist Clemens von Alexandrien ziemlich unverdächtig: Die imkriminierten Passagen leugnen die Existenz von „echten“ Hermaphroditen und diskutieren dann angebliche „hermaphroditische“ Tiere wie die Hyäne und den Hasen, um die entsprechenden Speiseverbote des Alten Testamentes (und des sog. Barnabasbriefes) zu deuten. Dogmatisch nicht ganz jedermanns Tasse Tee, aber moralisch jedenfalls unverdächtigt.

Nicht die Darstellung sexueller Handlungen, erst recht nicht moralische Wertungen, sondern allein die Erwähnung von „Hermaphroditen“ ist es offenbar, die bei Herausgebern und Übersetzern des 19./20. Jahrhunderts als problematisch gesehen wurde. Gerade weil antike und mittelalterliche Texte für die meisten Leser wenn überhaupt, dann nur in Übersetzungen zugänglich sind, dürften die oben zitierten Beispiele nicht ohne Wirkung sein. Teilweise gibt es neuere Übersetzungen (z.B. von Clemens), aber gerade dank Google books und Co. erleben die alten, oft gemeinfreien Übersetzungen derzeit eine regelrechte Renaissance. Umso wichtiger ist es, dass man damit zu rechnen lernt, dass Hinweise auf Menschen zwischen den Geschlechtern in diesen Ausgaben gezielt eliminiert wurden.

Quelle: http://intersex.hypotheses.org/60

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Zensierte Zwitter. Über zensierte Ausgaben und Übersetzungen historischer Quellentexte

Wer sich mit der Geschichte uneindeutiger Körper beschäftigt, wird schnell mit Zensur-Phänomenen konfrontiert. Das betrifft insbesondere auch Textausgaben und Übersetzungen historischer Quellen, die zwischen der Mitte des 19. und Mitte des 20. Jahrhunderts erschienen sind. Als Einstieg drei Beispiele: 1. Der Chronist Matthäus Paris (gest. 1259) berichtet in seiner Chronica maior von „Androgynen“ in Lincoln: Eine „unheilverkündende und unerhörte“ Begebenheit habe sich dort im Jahre 1246 zugetragen. Eine adelige Frau, verheiratet und Mutter mehrerer Kinder, habe eine andere adelige Frau geschwängert, und zwar „in […]

Quelle: http://intersex.hypotheses.org/60

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Bayerische Eisenbahngeschichte: Online-Petition zur Rettung des 1858 errichteten Alten Bahnhofs Schleißheim

Im Jahre 1858 wurde in Oberschleißheim einer der ersten Bahnhöfe der gerade neu errichteten Bayerischen Ostbahnen fertiggestellt. Nachdem im Jahre 1835 mit dem Adler zwischen Nürnberg und Fürth die erste Eisenbahn auf deutschem Boden fuhr, stellte die Eröffnung des ‚Bahnhofs Schleißheim‘ für die Region und das Land einen Meilenstein in der Geschichte dar. Im Rahmen des Streckenausbaus wurde der Alte Bahnhof 1898 um sechs Meter verrückt, um Platz für zusätzliche Gleise zu schaffen. Da das Gebäude beide Weltkriege unbeschadet überdauert hatte, diente es bis zur Einführung des S-Bahnverkehrs im Jahre 1972 als Haltestelle. Seitdem wurde der Alte Bahnhof verschiedenen Nutzungsarten zugeführt, wobei die Bausubstanz zunehmend dem Verfall preisgegeben wird und das Gebäude sogar zur Disposition steht.

Das Gebäude steht nun seit Jahren leer und verfällt. Der mögliche Ausbau der Bahnstrecke und häufig wechselnde Besitzverhältnisse haben in den letzten Jahren eine Nutzung verhindert. Wir befürchten, dass ein baldiger Abriss nicht mehr auszuschließen ist. Die Initiative ‚Verrückter Alter Bahnhof Oberschleißheim‘ hat bereits seit 2008 verschiedene Anstrengungen unternommen, das Bahnhofsgebäude nutzbar zu machen. Dies stieß beim Konzern Deutsche Bahn AG als Eigentümer bisher nicht auf fruchtbaren Boden. Wir verlangen daher von der Deutsche Bahn AG auf, sich öffentlich zum Fortbestand des Gebäudes zu bekennen sowie seine Renovierung und Nutzung zu ermöglichen. Um dieser Forderung den entsprechenden Nachdruck zu verleihen, hat die Initiative eine Online-Petition gestartet, um den öffentlichen Druck zu erhöhen.

Die Online-Petition finden Sie unter bit.ly/vabosh-petition.

Nähere Informationen zur Initiative ‘Verrückter Alter Bahnhof Oberschleißheim’ (VABOSH) stehen zur Verfügung unter www.alterbahnhof-schleissheim.de.

Quelle: http://histbav.hypotheses.org/2777

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aventinus nova Nr. 48 [28.07.2014]: „Revolution“ in der Bildung. Frauen an die Universitäten: 2. Hälfte 19. Jhd. bis zum 1. Weltkrieg [=historia.scribere 1 (2009), S. 239–365]

The following paper is about female students at German and Austrian universities between 1850 and 1918. It describes problems and barriers which existed for female students in this period and the long way until women were allowed to study at German and Austrian universities. http://bit.ly/1pvj3f2

Quelle: http://www.einsichten-online.de/2014/07/5271/

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durchsichten: Antisemitismus im 19. Jahrhundert in transnationaler Perspektive

http://de.hypotheses.org/8390 Die Vernichtung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten hat in Deutschland zu einer intensiven Beschäftigung mit der Geschichte des deutschen Antisemitismus geführt. Die Literatur ist mittlerweile in einer Weise angewachsen, dass sie auch von Experten kaum noch übersehen werden kann. Trotz der Vielzahl an Veröffentlichungen ist der Forschungsstand aber durch eine deutliche Fehlstelle gekennzeichnet, […]

Quelle: http://www.einsichten-online.de/2014/07/5210/

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1864 und die Folgen, Teil 5 | Der erste “deutsche Einigungskrieg” – ein vergessener Erinnerungsort

Wer kümmert sich in Deutschland schon um den Krieg, den Preußen und Österreich 1864 gegen Dänemark führten? So gut wie niemand, scheint es. Nun gut, dieses Ereignis wird vom atemlosen Hype um die Erinnerung an 1914, die uns schon seit letztem Jahr auf Trab hält, vollkommen überschattet. Dennoch bleibt es erstaunlich, dass die deutsche Geschichtswissenschaft, aber auch die historisch interessierte Öffentlichkeit dieses Thema derart kalt lässt. 1864 – wie bitte? War da was? Dabei gäbe es doch gute Gründe für die historisch Sensibilisierten, sich dieses Ereignisses anzunehmen. Mit 1864 beginnt der Weg zur deutschen Einigung. Die Gründungsgeschichte des Deutschen Reiches nimmt hier ihren Anfang. Ohne 1864 kein “deutscher Bruderkrieg” 1866, ohne Königgrätz kein Versailles 1871. Ohne 1864 möglicherweise kein Aufstieg des seinerzeit nicht unumstrittenen Otto von Bismarck zur politischen Führungsfigur in der deutschen Einigung.

Bismarck ergriff 1864 die Chance, das Einigungsprojekt durch den Krieg gegen Dänemark voranzutreiben. Mit der “Befreiung” der deutschen Brüder in Schleswig, Holstein und (dem oft vergessenen) Lauenburg wurde die Idee von der deutschen Nation weiter mobilisiert, aber auch Preußen innerhalb kurzer Zeit ein beträchtlicher Machtzuwachs beschert. Die Einbeziehung Österreichs in den Konflikt bereitete zudem den Boden für Preußens Positionierung als Führungsmacht der “kleindeutschen” Einigungslösung. Eigentlich beauftragt mit der Bundesexekution durch den Deutschen Bund waren Sachsen und Hannover gewesen. Kaum aus altruistischen Gründen, sondern weil man auch Garantiemacht des Londoner Protokolls von 1852 war, stellten die Preußen bereitwillig ihre Unterstützung zur Verfügung. Die an dem Konflikt desinteressierten und eher unwilligen Österreicher mit ins Boot zu holen, war ein Kabinettstück Bismarcks, dessen Konsequenzen sich 1866 zeigen sollten. Nach dem Sieg gegen Dänemark und der erfolgten Abtretung der Herzogtümer war Preußen mit der Verwaltung Schleswigs, Österreich wiederum mit der Verwaltung Holsteins betraut worden. Es dauerte nicht lange, bis die Preußen einen Anlass suchten, um dem deutschen Dualismus ein Ende zu bereiten, und diesen fanden sie in Holstein. Österreich war einer Eigenständigkeit Holsteins (und möglicherweise auch Schleswigs) gegenüber deutlich aufgeschlossener als Preußen, wo man das Entstehen eines weiteren deutschen Kleinstaates (auf den die Schleswig-Holsteiner selbst ja auch hofften) vermeiden wollte. Als die Österreicher in Holstein eine Ständeversammlung einberufen wollten, warf man ihnen preußischerseits einen Bruch der Gasteiner Konvention von 1865 vor. Der Unterstützung bzw. des Desinteresses der wichtigsten Großmächte hatte man sich vergewissert, Verbündete im Deutschen Bund und im Ausland hatte man sich gesucht. Gerade Italien hatte großes Interesse, die Österreicher um ihre norditalienischen Besitzungen zu bringen.

So hängen also diese beiden ersten deutschen Einigungskriege eng mit der Situation Schleswigs und Holsteins zusammen. Der Deutsche Krieg 1866 führte dazu, dass die Herzogtümer dem weiter wachsenden Preußen als Provinzen einverleibt wurden und Österreich keinen Anteil mehr an der Einheit Deutschlands haben sollte. Von dort führt der Weg bis zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, der wohl – wenn überhaupt – der einzige der drei Einigungskriege ist, der noch im öffentlichen Gedächtnis eine Rolle spielt. Warum aber sind die ersten beiden und vor allem der “Deutsch-Dänische Krieg” dermaßen in Vergessenheit geraten?

Ein gewaltiger Teil der Antwort liegt natürlich in der Dominanz der Erinnerung an Nationalsozialismus und Holocaust in der deutschen Öffentlichkeit, darauf hat auch Bernd Henningsen bereits in dieser Serie verwiesen. Hinzu kommen das geringe Interesse bzw. als selbstverständlich angenommene Wahrheiten über den kleinen nordeuropäischen Nachbarn Dänemark, der in der deutschen Wahrnehmung heutzutage eben keine große Rolle spielt bzw. als sympathisch und nicht als klassischer Gegenpart in Konflikten gesehen wird. In gewisser Weise ist dieses Image ja gerade ein Produkt von 1864: Im Nachgang der Niederlage wurde das Selbstbild von Dänemark als kleinem, harmlosen, friedliebenden Land konstruiert, wo es gemütlich zugeht und das nie danach getrachtet habe, andere Territorien zu besitzen und fremde Völker zu beherrschen. Diese Konstruktion ist bis heute so erfolgreich, dass die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt in ihrer Rede bei den diesjährigen 150-Jahr-Feierlichkeiten in Dybbøl den Krieg ohne große Probleme als Ursprung des heutigen Dänemarks bezeichnete:

“Aus der Niederlage von 1864 wuchs das moderne Dänemark hervor. Mit Demokratie. Mit einer gut ausgebildeten Bevölkerung. Mit Gleichstellung der Geschlechter. Freiheit für jeden einzelnen Menschen. Und unsere solidarische Wohlfahrtsgesellschaft.”
 

Vor diesem Hintergrund kann man verstehen, warum viele Dänen vor einigen Jahren irritiert auf eine Publikation zweier dänischer Historiker reagierten, die den Titel Das dänische Imperium. Größe und Fall trug. Dänemark – ein Imperium? Niemals! Das Bild von einem Dänemark, das niemals Aggressor gewesen sein konnte, das erfolgreich exportiert und im Zweiten Weltkrieg durch die deutsche Besetzung Dänemarks ja “bestätigt” wurde, könnte also mit dazu beigetragen haben dazu, dass 1864 in der deutschen Erinnerung nicht mehr stattfindet.

Weitaus wichtiger aber dürfte der Umstand sein, dass wir in Deutschland es als merkwürdig empfinden würden, wenn wir an einen Krieg gedächten, der, wie gesagt, den ersten Schritt hin zum Deutschen Kaiserreich bedeutete. Wir leben spätestens seit 1945 mit einer gebrochenen Erinnerung, in der das Kaiserreich alles andere als positiv besetzt ist. Steht 1864 nicht exemplarisch für den Aufstieg des militaristischen Preußens zur deutschen Führungsmacht? Wollen wir uns damit beschäftigen? Andererseits können wir uns ja mit dem Ersten Weltkrieg, dessen Entstehungsgeschichte von Chauvinismus und Imperialismus durch und durch geprägt ist, sehr wohl und sehr intensiv auseinandersetzen. Aber dieser Krieg, ebenso wie der Zweite Weltkrieg, haben in ihrem Ergebnis das problematische Kaiserreich beseitigt und (hoffentlich) für immer deutscher Kriegslüsternheit ein Ende bereitet. Neben den gewaltigen globalen Katastrophen dieser Weltkriege nimmt sich der Deutsch-Dänische Krieg von 1864 nun wirklich bescheiden und unbedeutend aus. So brutal und gewalttätig die Weltkriege auch waren, sie haben die postnationale und pazifistische Identität von Nachkriegsdeutschland entscheidend geprägt. Nachdem Deutschland in diese Abgründe geschaut hatte, warum dann noch solcher Kriege gedenken, die den Ausgangspunkt für das Massenmorden des 20. Jahrhunderts darzustellen scheinen?

Dabei war 1864 mindestens bis 1914 und in gewissem Maße auch darüber hinaus preußisch-deutsche Erinnerungsorte. Wie sehr sich aber ihre Bedeutung wandeln kann und ihre Zuschreibung verloren gehen kann, dafür ist der Krieg von 1864 ein sehr gutes Beispiel.

Quelle: http://nordichistoryblog.hypotheses.org/2399

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durchsichten: Grenzziehungen im Europa des 19. Jahrhunderts. Eine transnationale Geschichte

http://dhi-roma.it/projekte-aktuell+M5fcbc8480a5.html Die Entstehung von Staaten modernen Typs, wie sie sich auf dem europäischen Kontinent im 19. Jahrhundert vollzog, trieb die politisch-administrative Festleguing des Hoheitsgebietes durch die öffentlichen Gewalten in einem bis dahin unbekannten Maß voran. Dieser hoheitliche Territorialisierungsprozess fand einen wichtigen Ausdruck darin, dass die äußeren staatlichen Grenzen sehr viel genauer als in der Vergangenheit […]

Quelle: http://www.einsichten-online.de/2014/05/5127/

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1864 und die Folgen, Teil 4 | 1864 between nation and region: The need for a new history

A guest contribution by Steen Bo Frandsen. Anniversaries always present a reason to look back and reflect about the past. In earlier times specific dates were chosen for celebrations, mourning or commemorations. Nowadays we experience a bombardment of events stretching over the whole year. The outbreak of the Great War was “celebrated” almost before 2014 began. Nobody could wait until August, and we are already now almost drowned in books and articles commemorating the war. Historians, journalists, directors of museums, film producers and travel agents all want to make money out of this unique occasion. Apart from the scale it is hardly different if we look at 1864 in Denmark. Attention is no longer focused exclusively on April 18th, the date of the decisive battle in Dybbøl. Conferences, exhibitions, re-enactments and other events run non-stop through the whole calendar of 2014. Even a TV series about that fatal year is threatening next autumn. It has been claimed that Danes are the only people to celebrate their own defeats. This is hardly true, but they have even learned to make a business and marketing out of their failures too.

To historians anniversaries are not least about funding. A jubilee itself offers an indisputable argument for “relevance”. What Marxists introduced in the 1970s when they argued that academic work had to be relevant, has now become the deadly weapon of their old enemies. So far anniversaries are the winners when it comes to funding historical research and events. Anything else would be stupid, because a whole industry is now commercialising anniversaries. And so it is in fact not that much about history, but certainly about money.

Why should 1864 be particularly relevant today? What are we supposed to celebrate? What should we remember? The importance of this outstanding year in Danish history is beyond any doubt, and 2014 is not going to change that. But it remains unclear what exactly we should commemorate. A bloody catastrophe and a national debacle? The final breakup of the Gesamtstaat and the birth of the nation-state? That we finally got rid of the Germans? Should we repeat the national myths? Or should we once more condemn the incompetent politicians with their dozens of false decisions?

It used to be much easier. 1864 was closely related to the national ideology, and the defeat was a decisive factor in the success of the nation building. One cannot separate the memory of 1864 from the hatred towards the Prussians as a part of national identity. The overwhelmingly strong neighbour made it easier to explain and forget one’s own mistakes. It made it possible to create the myth of being an innocent victim of an evil empire. Hatred became a constructive element in transforming loss and defeat into something positive to Danish identity. Only for a short time after 1864 the Danes were in fact a nation of losers. The defeat provoked a strong leap forward in the society, and it spread a much more realistic idea about the country’s own resources than was the case in most other nationalisms. 1864 showed the limits of territorial nationalism.

To modern Danish nationalism 2014 looks promising, but the reason is not as much 1864 as the European Elections that once more will boost red-and-white sentiments. Already their predecessors of the 19th century fought against “the European necessity” of the Gesamtstaat. Most politicians have grown tired of nationalist rhetoric however, but they have never been able to exorcize this element from society. The war and the strained relations to the Southern neighbour has been a part of this ever since 1864.

In 1964 thousands of people gathered at Dybbøl to commemorate the war of 1864. They met on the former battlefield around the mill that is one of the most famous national symbols. At this national event on holy ground the social democratic prime minister and ardent pro-European Jens Otto Krag held a speech and urged the Danes to move forward and engage themselves in Europe. He had hardly finished before King Frederik IX – a king that usually did not participate in political discussions – spontaneously held a speech himself in which he stressed the emotional, backward-orientated national memory. The prime minister did not succeed in historicizing the past. On the contrary Dybbøl and the mill remained prominent symbols to the nationalist movement in the long battle against the Common Market and the European Union in the following decades. Nationalists also succeeded in keeping German representatives away from the annual commemorations at Dybbøl until the beginning of the new millennium.

In this way the 18th April at Dybbøl remained a last retreat for a nationalism in the old germanophobic version. Perhaps this was a necessary obligingness towards a sentiment that dominated the development of the countries for a long time. The nationalists never found the right time to show magnanimity and transform the sentiments of the past into something new and constructive. This seem almost absurd compared to the impressive moments of reconciliation at Verdun or other places of much greater loss and horror than Dybbøl. But it also seems strange and inappropriate after 60 years of military alliance and a close relationship between the neighbours.

Even if it can be argued that the success of Tom Buk-Swientys book Slagtebænk Dybbøl (2008) has a lot to do with the return of war to Danish society after Bosnia, Iraq and Afghanistan, it is fascinating and strange at the same time how this long gone war of 1864 still captures the interest and imagination of the Danes. It is important though that Buk-Swienty did not repeat the old national narrative. He did not celebrate the Danish war but stresses the hardship of the soldiers and the problems behind the lines. The national way of describing a war without taking notice of the feelings and ideas of the other side is effectively opposed by quoting enemy voices that clearly demonstrate that the war was a terrifying experience to them too. A critical distance to the tradition can be seen in other publications from later years too. It reflects a certain “post-national” atmosphere, but it also can be seen as a confirmation of the total victory of the nation-state. There is no longer the same old need for drama and emotion. The nation-state and the national community can even do without the old enemy and is developing strategies for peaceful cross border cooperation.

In 2014 the politicians once again want to change the meaning of 1864. Well aware that the 150th anniversary could not be ignored the politicians have made it clear that they do not want the old history to dominate. Instead the anniversary should be an occasion to look forward. The leader of the Region of Southern Denmark, Carl Holst, explicitly stated his wish to push forward a region of growth across the border. It is quite difficult to see 1864 interpreted in a constructive way, but the year might of course be used to reinterpret history and change the focus from war and conflict to the many positive elements that can be found in the region’s past. Over the last decades the Danish-German border region has changed, but even though a much more relaxed and cooperative relationship has developed, the region is still marked by the conflict that reduced it to a sort of double periphery. The national movements that caused the conflict also celebrated the establishment of a clear border (although both sides wanted the border in a different place) as a victory in their national narratives. In the contemporary world it becomes still more evident however that a much closer cooperation is a necessity if this region shall prosper in the future.

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The storming of the Danish fortifications at Dybbøl, historical postcard
Flickr, CC-BY Statens Arkiver – Danish State Archives

The question is if – instead of trying to reinterpret 1864 – one should not search for a different history for the border region. An obvious possibility would be to reconquer the history of the region from the national interpretation of a never-ending conflict between incompatible neighbours. This way of seeing the history of Schleswig was constructed by national historians on both sides during the conflicts of the 19th century. This picture did not develop in the region. It was brought into the region from the outside, from the centres of nationalism in Copenhagen and Kiel. This narrative fuelled the conflict in Schleswig, and later it facilitated the integration of the two halves of the region into their respective nation states. Today the region has returned to a situation that has similarities with the times before the nation-state. At least we are far away from the border regime and the climate of aversion and antagonism of the old nation state. Could it be that the history of the border, the national conflict and 1864 might turn out to be a parenthesis in history?

The history of this region cannot be reduced to a history of conflict. The region was connecting and not the far end of the respective nation states. It was a passage and a transition. These concepts are much better descriptions of a region without a clear and homogeneous character. It was almost impossible to draw a border in this area. Languages, interests, identities and orientations were interwoven. The region showed why Danish and German seemed to be a continuity and not a dramatic break to many foreign observers. Schleswig was even in Denmark known as “Danish Holstein” to stress this complexity.

The 19th century ironically was an epoch of a new type of borders and at the same time one of movement and fast growing contacts to the outer world. It was no coincidence that the national discussions ran parallel to emotional debates about infrastructure. Roads, railroads, and steamship lines were eagerly discussed. Progressive liberals saw new possibilities and a hitherto unknown wealth in the future. They were fascinated by the possibilities to save time and to gain new information. Nationalists and conservatives did not always agree. They were more concerned with the threats against local habits and national identities. Effective lines of communication to the outside world were not an automatic gain. They wanted to control the flow of people and goods. It was important to decide where the Danes should send their dairy and cattle. A great example was the plan to build a railroad from Flensburg to Husum on the West coast of Schleswig. The intension was to open a new connection with Great Britain. The trains should not go any further to the South. The railroad should not be connected with the German railroads. It would only tempt the Danes to deal with their southern neighbours.

Even today infrastructure and the connections across the border on the peninsula are important issues in the public debate. In fact the infrastructure and the need to communicate effectively is probably the best choice if one wanted to propose a historic continuity fundamentally different from the narrative of conflict. Modern suggestions and plans for connections along the peninsula have much in common with past proposals, and even the arguments are quite similar to those of the middle of the 19th century. The problems and the obstacles are often similar too.

If the politicians on both sides of the border really want a change of narrative and a change of perspective in this area they cannot ignore the other dimension of the Schleswigian wars: the regional one. It is necessary to discuss the role of the region with respect to the nation-states and the balance between the economic centres outside the region. In the 19th century the conflict was also a battle between Copenhagen and Hamburg. Schleswig – the modern border region – lost that fight and therefore ended up being a divided periphery. A different development in this region can only be achieved with a much higher degree of cooperation and much less border.

Steen Bo Frandsen is a historian and Professor at the Department of Border Region Studies, University of Southern Denmark in Sønderborg. He has contributed extensively to the history of Danish-German relations and the history of the border region. Be it Schleswig as a lieu de mémoire or the discovery of Jutland in the 19th century, Frandsen is one of the most productive – and provocative – scholars on this field.

Quelle: http://nordichistoryblog.hypotheses.org/2310

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aventinus historia Nr. 13 [29.04.2014]: Umfassende Bibliographie zu Johannes Aventinus von Prof. Dr. Erich Stahleder auf www.aventinum.info

Die Bibliographie des früheren Landshuter Staatsarchivars Prof. Dr. Erich Stahleder umfasst 13 Seiten und listet Titel zum historischen und historiographischen Wirken Johannes Aventinus auf, die seit dem 16. Jahrhundert erschienen sind. http://preview.tinyurl.com/mrwztzg

Quelle: http://www.einsichten-online.de/2014/04/5065/

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