Kulturgeschichte Chinas im Netz (VIII): Tradition and Transformation of China

Die Seite Tradition and transformation of China, die im Herbst 2007 einen gleichnamigen Kurs[1]  an der Harvard University begleitete, bietet im Bereich “educational tools” neben einer allgemeinen Zeittafel zur Geschichte Chinas (Zeitraum: 5000 v. Chr.  bis 1989) auch Karten zur Topographie, zu den Verwaltungseinheiten, zur historischen Entwicklung Chinas und zu den “cultural regions” des Landes.

Zu Informationen über die einzelnen “cultural regions” gelangt man über den Menüpunkt “Cultural China”. Unter “Tutorials” finden sich dann mehrere Module zu ausgewählten Aspekten der chinesischen Kultur(geschichte), so etwa zu Architektur, Musik, Schrift und Chinoiserie, aber auch zum Leben der Gelehrten im kaiserlichen China (u.a. mit Kurzinformationen zur Geschichte des Schachspiels).

Die “Slide Shows (themed collections of images)” bieten eine Fülle von Bildmaterial zu den früh- und spätneolitischen Kulturen auf dem Gebiet des heutigen China. Einblicke in die verschiedenen Bronzegefäß-Typen des vorkaiserlichen China werden ebenso geboten wie auch Eindrücke von den Terrakotta-Figuren aus der Grabanlage des Ersten Kaisers. Auf einen zeitlich übergreifenden Abschnitt “Rituale” folgt eine Slide-Show zum Buddhismus in der Oase Dunhuang und zum Lotus-Sutra. – Darstellungen von Frauen aus der Zeit der Tang-Dynastie, eine Bildrolle aus der Yuan-Dynastie, Marionetten eines Schattentheaters, die “Schlachtenbilder” über Eroberung innerasiatischer Gebiete durch die Qing-Kaiser, städtisches Leben im frühen 20. Jahrhundert und Propagandakunst spannen den Bogen bis in die jüngere Vergangenheit.

Die ersten sieben Teile dieser Serie:

Kulturgeschichte Chinas im Netz (I)
Kulturgeschichte Chinas im Netz (II)
Kulturgeschichte Chinas im Netz (III)
Kulturgeschichte Chinas im Netz (IV): Vier Jahre “Bibliotheca Sinica 2.0.”
Kulturgeschichte Chinas im Netz (V): Die “Stanford Encyclopaedia of Philosophy”
Kulturgeschichte Chinas im Netz (VI): Das China Online Museum
Kulturgeschichte Chinas im Netz (VII): The Chinese Experience

  1. Peter Bol, Henrietta Harrison: Tradition and Transformation in China. – Für ein ähnliches Beispiel

Quelle: http://wenhua.hypotheses.org/1434

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aventinus varia Nr. 44 [28.03.2014]: Altwegeforschung. Forschungsstand und Methoden einer interdisziplinären Herangehensweise

Wegenetze sind die Grundlage jeglicher Kommunikation historischer Zeiten. Wege sind das Medium, über das Austausch stattfindet. Nicht nur Austausch von Waren und Personen, sondern auch von Informationen und Ideen. Bis in das digitale Zeitalter hinein. http://bit.ly/P0rUec

Quelle: http://www.einsichten-online.de/2014/03/5006/

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Chinesische Namen für europäische Staaten: Wie entstehen “Tugend-Land”, “West-Klasse-Zahn” etc.?

Manches geistert monatelang durchs Netz – wie eine Landkarte, die am 25. April 2013 im blog haonawshaokao auftauchte und die es zuletzt sogar unter die The world explained: Maps revealing everything you need to know[1] schaffte.
In dieser Karte werden die im Chinesischen geläufigen Bezeichnungen für die Staaten Europas ‘übersetzt’, indem die/eine wörtliche Bedeutung der zur Wiedergabe der Namen verwendeten Schriftzeichen angegeben wird. So wird aus 英國 Yīngguó [England] in der Karte “Braveland” – denn 英 yīng bedeutet (unter anderem) ‘Held/Heldin’ und 國 guó ‘Land, Staat’, aus 挪威 Nuówēi [Norwegen] “Move Prestige” – denn 挪 nuó bedeutet (u.a.) ‘rücken, verrücken’ und 威 wēi ‘Autorität’, aus 芬蘭 Fēnlán [Finnland] “Fragrant Orchid” – denn 芬蘭 fēn bedeutet ‘Duft’ und 蘭 lán ‘Orchidee’ etd. etc.
Die wörtlichen Übersetzungen sind beim Vokabellernen vielleicht eine brauchbare Eselsbrücke, gesammelt auf einer Karte scheinen sie eine (weitere) skurrile Facette dieser rätselhaften Sprache aufzuzeigen.[2]

Wie werden fremde Name und speziell Ländernamen im Chinesischen wiedergegeben?
Der Silbenbestand des chinesischen ist begrenzt, viele der in anderen Sprachen gebräuchlichen Silben existieren im Chinesischen nicht – also braucht es kreative Läsungen: Bei Ländernamen erscheint mitunter die Übersetzung als einfachste Möglichkeit – z.B.: Island = 冰島 Bīngdăo, wörtlich “Eis-Insel”: 冰 bīng= Eis,  島 dăo= Insel. In der Regel wird eine lautliche (oder lautmalende) Annäherung versucht – z.B.: Dänemark = 丹麦 Dānmài, Malta = 馬爾他 Máèrtā, Rumänien = 羅馬尼亞 Luómǎníyà, Schweden = 瑞典 Ruìdiǎn[3]

Aber warum heißen die Niederlande im Chinesischen weiterhin 荷蘭 Hélán?

Häufig werden die chinesischen Namen westlicher Staaten mit 國 guó [Staat, Nation, Land, Reich] gebildet. Dabei wird aus einer lautlichen Annäherung an den Namen die erste Silbe genommen und mit 國 guó kombiniert:

  • 德國 Déguó ‘Deutschland’ – 德 =’Tugend’, ‘Moral’ – aber eigentlich ist 德 eine Abkürzung von 德意志 déyìzhì, einer lautmalenden Annäherung an ‘deutsch’.
  • 俄國 Éguó bezeichnet, wobei 俄 é als Abkürzung für 俄羅斯 éluósī ‘russisch’ aufzufassen ist. Die Russische Föderation wird mit 俄羅斯聯邦 Éluósī liánbāng “Russische Föderation” bezeichnet.[4]
  • 法國 Făguó ist Frankreich – 法 =’Recht’, ‘Gesetz’[5]

Diese Wortbildungen sind jüngeren Datums und kamen im 19. Jahrhundert in Gebrauch für Staaten, die in China nun vermehrt auftraten und mit den chinesischen Behörden wiederholt in Kontakt traten.

Üblicher war (und ist) die lautliche Annäherung bzw. lautmalende Wiedergabe von Namen – wovon schon die früheste bekannte chinesische Weltkarte im europäischen Stil Zeugnis gibt: die so genannte “Ricci-Weltkarte” gibt1602 in Beijing gedruckte Kūnyú Wànguó Quántú 坤輿萬國全圖 [wörtlich ‚Gesamtkarte der 10.000 Länder der Welt‘, ital. "Carta Geografica Completa di tutti i Regni del Mondo'][6], die im Auftrag des Wanli 萬曆-Kaisers[7] 1602 gedruckt wurde.[8]

坤輿萬國全圖》左部 (1602)

坤輿萬國全圖》左部 (1602)
[Wikipedia-Montage der Panele 1-3 (Ausschnitt, bearbeitet)]
Quelle: Library of Congress, Geography and Map division g3200 ex000006Za

Einige Beispiele (in dem Ausschnitt markiert):

  • Spanien heißt auf der Ricci-Karte 以西巴尼亞 yǐxībāníyà, modern 西班牙 Xībānyá[9] – lautmalend von lat. ‘Hispania’/span. ‘España’/ital. ‘Spagna’
  • Frankreich  heißt auf der Ricci-Karte 拂郎察 fúlángchá, lautmalend von span. ‘Francia’/ital. ‘Francia’/frz. ‘France’
  • die Apeninnen-Halbinsel wird mit 意大利亞 yìdàlìyà bezeichnet – die Bezeichnung des Staates Italien ist heute 意大利 Yìdàlì.

Jedes der bei der Wiedergabe fremder Namen verwendeten Schriftzeichen hat eine Bedeutung, die jedoch bei der Wiedergabe von geographischen Namen in der Regel zurücktritt.[10] Erkennt man also nicht, dass hier ein Land gemeint ist, könnte beim Übersetzen man durchaus blumige, aber wenig sinnvolle Bedeutungen finden …

 

 

  1. Sara Malm/Daily Mail: “The world explained: Maps revealing everything you need to know, from the longest straight line you can possibly sail, to where rubber ducks wash up if you dump them in the sea” (PUBLISHED: 10:13 GMT, 15 November 2013 | UPDATED: 11:48 GMT, 15 November 2013; Online: http://www.dailymail.co.uk/news/article-2507719/The-world-explained-maps-revealing-need-know.html <Zugriff: 14.11.2013>.
  2. Das Thema wird immer wieder aufgegriffen, z.B. DIE WELT, 24.4.2011: “Gestatten, mein Name ist ‘Kurze  Hose’!” <Zugriff: 16.11.2013> oder CRIonline 2011-03-09 16:47:37:  “Namen sind Schall und Rauch? Hallo, ich heiße Kiwi.”<Zugriff: 16.11.2013>.
  3. Die Beispiele Malta und Scheden illustrieren ziemlich deutlich, dass die Behauptung, Chinesen kennen kein ‘r’ – die das Beispiel Rumanänien zu bestätigen scheint – , unsinnig ist … aber das ist ein ganz anderes Thema.
  4. 聯邦 liánbāng = Bund, Staatenbund, Föderation.
  5. BTW: Die gängige Bezeichnung für die Vereinigten Staaten von Amerika ist  美國 Měiguó,  美 měi =’schön, hübsch, anmutig.
  6. Zur Entstehung s. Benjamin A. Elman: On Their Own Terms. Science in China, 1550-1900 (Cambrdige, Mass./London: Harvard University Press 2005), 123-133.
  7. Míng Shénzōng 明神宗, persönlicher Name Zhū Yijun 朱翊鈞, 1563-1620, regierte 1572-1620 unter der Devise 萬曆.
  8. Ricci hatte, wie John Day herausgearbeitet hat, vor 1603 vier Versionen chinesischer Weltkarten vorgelegt, die Augabe von 1602 war die größte und detaillierteste Version. Vgl. John D. Day, “The Search for the Origins of the Chinese Manuscripts of Matteo Ricci’s Maps”, Imago Mundi 47 (1995), pp. 94–117. DOI: 10.1080/03085699508592815; http://www.jstor.org/stable/1151306.
  9. 西 ‘Westen’, 班 bān ‘Klasse’, ‘Gruppe’, ‘Zahn’
  10. Anders ist das bei manchen Firmen- und Markennamen, wo mitunter versucht wird, neben einer lautlichen Annäherung auch eine sinnvolle Bedeutung zu finden, die dem Image der Marke zuträglich ist -  wie z.B. 可口可乐 Kĕkŏu Kĕlè ['wohlschmeckend-erfreulich'] oder auch der chinesische Name für die Schreibwaren von Montblanc, 万宝龙 wànbǎolóng ['10.000-Schätze-Drache'] etc.

Quelle: http://mindthegaps.hypotheses.org/1144

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Die “heiligen Berge” Chinas (I): Der Kult der “Fünf Berge”

Seit dem Beginn der historischen Zeit kam den Bergen in China wiederholt kultische Bedeutung zu.[1] Nach traditioneller Anschauung garantierten bestimmte Berge – in Analogie zu der vom Herrscher ausgeübten Mittlerfunktion zwischen Himmel und Erde “den festen Bestand des Kosmos”[2]. Diese fünf Berge (wuyue 五嶽) standen für die einzelnen Himmelsrichtungen – der Taishan 泰山 im Osten, der Hengshan 衡山 im Süden, der Huashan 華山 im Westen, der Hengshan 恆山 im Norden und der Songshan 嵩山 in der Mitte.[3] Im 1. Jh. v. Chr. wurde das Opfer an die Fünf Berge in die kultischen Handlungen der Herrscher (“Staatskult”) aufgenommen und auch nach dem Ende der Han-Dynastie (220 n. Chr.) beibehalten. Im 5. Jh. nach Chr. befolgten selbst die nomadischen Eroberer Nordchinas diesen Kult.[4]

Dass dem Taishan dabei besondere Bedeutung zukommt, zeigt nicht der Umstand, dass der französische Sinologe Edouard Chavannes (1865-1918) dem Berg bereits 1910 eine Monographie gewidmet hatte[5], sondern auch der Blick in die den Themen Mythologie und Symbolik gewidmeten Nachschlagewerke. Für die Daoisten ist der Taishan Sitz des Dongyue dadi 東嶽大帝, des Kaisers des östlichen Gipfels. Dieser “ist zugleich Lebensspender und Richter, der die Geburt und den Tod jedes Menschen bestimmt. Für die vergeltende Gerichtigkeit verantwortlich, reguliert er entsprechend dem moralischen Verhalten der Menschen deren Lebensspanne und Wiedergeburt”[6] Wie Eberhard schreibt, fand man früher vor Häusern Sandsteinblöcke mit der Inschrift “Der Taishan wagt zu widerstehen” (Taishan shi gan dang 泰山石敢當) – Ziel und Zweck dieser Inschrift war die Abwehr von Gespenstern und Dämonen.[7]

Die Besteigung des Berges galt seit alters her als probates Mittel, um das Schicksal günstig zu stimmen. Es war jedoch nicht allen beschieden, bis zum Gipfel zu gelangen:

“Aber der Berg rächt sich, wenn ein Unwürdiger es wagt, ihn zu besteigen. Qin Shi Huangdi, der unerbittliche Einiger im 2. Jahrhundert v. Chr., wollte den Berg besteigen, um die Anerkennung des Himmels für seine Herrschaft zu erlangen. Er wurde von einem wütenden Gewitter abgewiesen.”[8]

  1. Zur kulturellen Bedeutung von Bergen in der Geschichte Chinas vgl. u. a. Kap. 1 und 2 bei Thomas H. Hahn: Formalisierter wilder Raum. Chinesische Berge und ihre Beschreibungen (shanzhi 山志). Diss., Heidelberg, 1996. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-opus-72876 . Vgl. ferner Werner Eichhorn: Die Religionen Chinas (Die Religionen der Menschheit 21; ed. Christel Matthias Schröder; Stuttgart: Kohlhammer, 1973) 72-75 („Heilige Berge“) sowie die Karte “Heilige Stätten Chinas” in Metzler Lexikon Religion 1 (1999) 213.
  2. Wolfram Eberhard: Lexikon chinesischer Symbole. Die Bildsprache der Chinesen (München, 5. Aufl., 1996) 35.
  3. Vgl. dazu u.a. Patricia Bjaaland Welch: Chinese Art. A Guide to Motifs and Imagery (Singapore 2008) 240 (“Five Sacred Mountains of Daoism”), UNESCO: “The Four Sacred Mountains as an Extension of Mt. Taishan”. Das Buch von William Edgar Geil: The Sacred 5 of China (Boston/New York 1926), die erste westliche Studie zu allen dieser fünf Berge wurde vor einigen Jahren ins Chinesische übersetzt: Zhongguo wuyue 中國五嶽 (Shandong huabao chubanshe 山東畫報出版社, 2006).
  4. Vgl. dazu Anning Jing: The Water God’s Temple of the Guangsheng Monastery. Cosmic Function of Art, Ritual & Theater (Sinica Leidensia 53; Leiden 2002) 82.
  5. Edouard Chavannes: Le T’ai Chan. Essai de monographie d’un culte chinois (Paris 1910).
  6. Hans Wilhelm Haussig, Egidius Schmalzriedt (Hg.): Wörterbuch der Mythologie. Bd. 6: Götter und Mythen in Ostasien (Stuttgart 1994) 822 (“Taishan”).
  7. Eberhard: Lexikon chinesischer Symbole, 277 (“T’ai-shan”).
  8. Cecilia Lindqvist: Eine Welt aus Zeichen: Die Chinesen und ihre Schrift (München 1990) 56.

Quelle: http://wenhua.hypotheses.org/654

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Slidecast: Martin Rickenbacher – Der vermessene Raum in seiner zeitlichen Dynamik

Slidecast de la présentation de M. Martin Rickenbacher tenue dans le cadre du Panel "Visualisation du changement au moyen des nouvelles technologies et des méthodes cartographiques" organisé par l'association Histoire et Informatique dans le cadre des journées suisses d'histoire 2010.

M. Rickenbacher y retrace l'histoire de la cartographie en Suisse et détaille le contenu des archives de Swisstopo.

Quelle: http://www.infoclio.ch/de/node/13575

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