Themendossier: Antisemitische Bilder – Herstellung, Gebrauch, Effekte

Themendossier: Themendossier: Antisemitische Bilder – Herstellung, Gebrauch, Effekte

 

Der Themenschwerpunkt „Antisemitismus“ widmet sich den vielseitigen Bildern von Judenfeindschaft. Er untersucht an ausgesuchten Beispielen zentrale, aber auch sich wandelnde Motive des Feindbilds in verschiedenen Epochen und Medien. Darüber hinaus fragt er nach visuellen Relationen von Antisemitismus und Rassismus, nach Ähnlichkeiten und Unterschieden in der Bildsprache. Auch Wechselwirkungen mit weiteren Diffamierungstraditionen wie nationalen, sozialen oder genderbezogenen Bildstereotypen sind von Interesse.

Judenfeindliche Bilder werden seit Jahrhunderten hergestellt, genutzt und überliefert. Juden und Jüdinnen bildlich als „andersartig“ zu stigmatisieren und antisemitische Vorstellungen über Bildmedien zu verbreiten, ist wesentlicher Bestandteil judenfeindlicher Handlungspraxis. Der Schwerpunkt will deswegen nicht nur visuelle Kontinuitäten, Brüche und Modifikationen beleuchten, sondern auch die Bedingungen, Funktionen und Wandlungen der Bildnutzung und -herstellung in den Blick nehmen.



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Quelle: https://www.visual-history.de/2018/12/17/themendossier-themendossier-antisemitische-bilder-herstellung-gebrauch-effekte/

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Antisemitismus in der zeitgenössischen Karikatur

Antisemitismus in der zeitgenössischen Karikatur

Als im Mai 2018 die „Süddeutsche Zeitung“ eine Karikatur des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu veröffentlichte, waren zahlreiche Leser*innen schockiert. Sie sahen in der Zeichnung einen Wiedergänger einer „Stürmer“-Zeichnung in einem Leitmedium der deutschen Presselandschaft. Andere konnten darin keinen Antisemitismus erkennen, sondern beurteilten die Zeichnung als israelkritisch, nicht jedoch als antisemitisch.[1] Vor allem Tagespresse und soziale Medien führten diese Auseinandersetzung, mehrere Beschwerden gingen beim deutschen Presserat ein.[2] In der medialen und presserechtlichen Auseinandersetzung wurde die jeweilige Klassifikation mit verschiedenen Argumenten begründet, ohne grundsätzliche Kriterien für die Beurteilung einer karikaturistischen Darstellung als antisemitisch oder nicht zu formulieren. Dies verwundert nicht: Skandalisierung bzw. Legitimierung waren die Ziele in den unmittelbaren Reaktionen auf die Karikatur und nicht eine möglichst differenzierte Auseinandersetzung.

Abb. 1: Screenshot: Karikatur von Dieter Hanitzsch, „Süddeutsche Zeitung“ vom 15.

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Quelle: https://www.visual-history.de/2018/12/17/antisemitismus-in-der-zeitgenoessischen-karikatur/

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Unter falscher Flagge. Rechte “Identitäre” setzen auf Antiken-Pop. Die Geschichte ihrer Symbole dürfte ihnen kaum gefallen

Arg ramponiert nach missbräuchlicher Verwendung: Relikt der “Metapolitik” .

In der derzeit vieldiskutierten rechtsextremen  Szene fällt eine Gruppe als besonders aggressiv auf. Die übernational organisierte „Identitäre Bewegung“ (IB) agiert als eine Art Agit-Pop-Gruppe der völkischen Szene. Aus einer Nachfolgeorganisation der rechtsterroristischen französischen Unité radicale hervorgegangen, ist sie heute europaweit aktiv, besonders in Österreich. Vielerorts beobachtet sie der Verfassungsschutz. Ihre vergleichsweise schwache Mitgliederzahl versuchen die völkischen Aktivisten durch mediale Inszenierungen auszugleichen: Mit spektakulären “metapolitischen” Symbolhandlungen wie Besetzungen und Blockaden, dem demonstrativen Errichten von Grenzzäunen oder jüngst einem “Mahnmal” vor dem Brandenburger Tor plädieren die rechtsextremen Flash-Mobster für ein eingemauertes Europa und hetzen gegen Schwache, Geflüchtete und politisch Verfolgte. Unter dem Begriff des „Ethnopluralismus“ konstruieren sie unterschiedliche homogene Kulturen, die gegen Einflüsse von außen „verteidigt“ werden müssten, nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten.[1]



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Quelle: http://pophistory.hypotheses.org/2561

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Heinrich Kurtzig: Von jüdischen Bauern und Gutsbesitzer (1933)

Das Laubhüttenfest, vor Jahrtausenden als Ernte- und Herbstdankfest der Ackerbau und Viehzucht treibenden Juden eingesetzt, liegt hinter uns. Es ist in diesem Jahre wie immer von uns gefeiert worden. Aber man spricht uns Juden oft die Liebe zu Scholle, die Fähigkeit zu Landwirtschaft und die Freude am Ackerbau ab.

Es mag nicht leicht sein, die Frage zu beantworten, inwieweit Juden Anteil an der Bewirtschaftung deutschen Bodens haben und gehabt haben. Deshalb sollten alle diejenigen ihre Stimme erheben, die von jüdischen Bauern wissen und von Ihnen sagen können. Meine eigenen Kenntnisse auf diesem Gebiete erstrecken sich im wesentlichen auf einen engeren Bezirk, nämlich meine frühere Heimat, die ehemalige Provinz Posen. Sie sind aber wohl bemerkenswert genug, um einen Beitrag zu der Frage zu liefern: Wie steht der Jude im allgemeinen zum landwirtschaftlichen Beruf?
Betrachtungen und auch Äußerungen theoretischer Art dürften hierzu kaum genügen. Nur mit einem Hinweis auf nackte Tatsachen kann man erhärten, daß viele alteingesessene jüdische Familien seit Generationen ihrem Beruf als Landwirte treu geblieben sind.

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Quelle: http://phdj.hypotheses.org/507

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Artur Schweriner über Posenscher Heimat

Die Posener Heimatblätter brachten nicht nur regional-historische Abhandlungen und Berichte aus der Arbeit der Heimat-Vereine, sondern auch literarische Texte: Erzählungen, Gedichte und Anekdoten. Im ersten und im letzten Jahrgang waren es Posener, die ihren Humor ursprünglich in Westfalen geübt hatten, die solche Beiträge lieferten. 1938 war es der aus Wongrowitz stammende und in Dortmund praktizierende Tierarzt Norbert Bischofswerder, dessen Beiträge liebevolle Erwiderungen seines Cousins, des Oberkantors Magnus Davidsohn provozierten1 und 1926 Artur Schweriner, der im Lippischen wegen seiner scharfzüngigen Artikel einige Bekanntheit erlangt hatte und öfters verklagt wurde.

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Ein Gedicht von Artur Schweriner in „Posener Heimatblättern“. 6 (1927), S. 6.

Artur Schweriner wurde am 31. März 1882 in Czarnikau geboren.

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Quelle: https://phdj.hypotheses.org/312

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Arthur Kronthal zur Heimatliebe und Auswanderung aus Posen nach 1919

Eine bürgerliche Familiengeschichte aus dem 19. Jahrhundert: Der Großvater Simon Kronthal gründet 1820 eine Fabrik; der Vater Wolf Kronthal engagiert sich politisch und sitzt im Stadtrat; Arthur Kronthal selbst studiert zwar Maschinenbau, absolviert eine technische Ausbildung und kaufmännische Praktika, seine Bestimmung findet er aber in Geschichte, Kunst und Heimatpflege.

Am 25. November 1859 wurde er in Posen geboren. Seine schwache Gesundheit machte eine Tätigkeit als Leiter einer Fabrik unmöglich, öffnete ihm aber die Möglichkeit eines breiten ehrenamtlichen Engagement als Handelsrichter, Stadtrat (1906-1918), als Kurator einiger Institute für Kunst und Wissenschaft, als leitendes Vorstandsmitglied in Vereinigungen wissenschaftlicher, künstlerischer, sozialer und wohltätiger Art. Seine Stiftung für Kunst spendete dem Kunstmuseum zahlreiche Gemälde.1

Arthur Kronthal beschäftigte sich in unzähligen Beiträgen in Tageszeitungen und Monatsschriften mit der allgemeinen und jüdischen Geschichte und Kunst der Provinz Posen,2 hielt Vorträge zu diesen Themen, in denen er „den liberalen, bürgerlichen und auch jüdischen Beitrag zur Urbanen Modernisierung“ betonte.3 Auch deshalb ernannte ihn die Historische Gesellschaft für Posen, die auch Dank der Beteiligung der jüdischen Posener zu der größten in Deutschland gehörte, zum Ehrenmitglied.

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Quelle: https://phdj.hypotheses.org/158

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Arthur Kronthal zur Heimatliebe und Auswanderung aus Posen nach 1919

Eine bürgerliche Familiengeschichte aus dem 19. Jahrhundert: Der Großvater Simon Kronthal gründet 1820 eine Fabrik; der Vater Wolf Kronthal engagiert sich politisch und sitzt im Stadtrat; Arthur Kronthal selbst studiert zwar Maschinenbau, absolviert eine technische Ausbildung und kaufmännische Praktika, seine Bestimmung findet er aber in Geschichte, Kunst und Heimatpflege.

Am 25. November 1859 wurde er in Posen geboren. Seine schwache Gesundheit machte eine Tätigkeit als Leiter einer Fabrik unmöglich, öffnete ihm aber die Möglichkeit eines breiten ehrenamtlichen Engagement als Handelsrichter, Stadtrat (1906-1918), als Kurator einiger Institute für Kunst und Wissenschaft, als leitendes Vorstandsmitglied in Vereinigungen wissenschaftlicher, künstlerischer, sozialer und wohltätiger Art. Seine Stiftung für Kunst spendete dem Kunstmuseum zahlreiche Gemälde.1

Arthur Kronthal beschäftigte sich in unzähligen Beiträgen in Tageszeitungen und Monatsschriften mit der allgemeinen und jüdischen Geschichte und Kunst der Provinz Posen,2 hielt Vorträge zu diesen Themen, in denen er „den liberalen, bürgerlichen und auch jüdischen Beitrag zur Urbanen Modernisierung“ betonte.3 Auch deshalb ernannte ihn die Historische Gesellschaft für Posen, die auch Dank der Beteiligung der jüdischen Posener zu der größten in Deutschland gehörte, zum Ehrenmitglied.

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Quelle: https://phdj.hypotheses.org/158

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durchsichten: Antisemitismus im 19. Jahrhundert in transnationaler Perspektive

http://de.hypotheses.org/8390 Die Vernichtung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten hat in Deutschland zu einer intensiven Beschäftigung mit der Geschichte des deutschen Antisemitismus geführt. Die Literatur ist mittlerweile in einer Weise angewachsen, dass sie auch von Experten kaum noch übersehen werden kann. Trotz der Vielzahl an Veröffentlichungen ist der Forschungsstand aber durch eine deutliche Fehlstelle gekennzeichnet, […]

Quelle: http://www.einsichten-online.de/2014/07/5210/

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Versteckter Antisemitismus in Frankreich im Ersten Weltkrieg

Dissertationsprojekt: Zwischen Union sacrée und verstecktem Antisemitismus – Beziehungen zwischen Juden und Nicht-Juden in Frankreich während des Ersten Weltkriegs 

Alice_an_Robert_Hertz_vorneDer Erste Weltkrieg gilt in der französischen Historiographie als Kristallisationsmoment der Herausbildung eines starken jüdischen Patriotismus. Die vollständige jüdische Integration in die Nation sollte mithilfe militärischen Engagements und dem damit verbundenen Opfer auf dem Schlachtfeld gelingen. Durch den gemeinsamen Kampf sollte erreicht werden, was zu Friedenszeiten nicht möglich gewesen war: die Überwindung antisemitischer Ressentiments im Anschluss an die Dreyfus-Affäre und damit die uneingeschränkte Aufnahme der jüdischen Minderheit in die französische Gesellschaft.

 Hinter diesem Narrativ, das die Beziehungen zwischen Juden und Nicht-Juden und ihre Erfahrungen während der Kriegsjahre fast ausschließlich auf den patriotischen Gedanken im Kontext des Schützengrabens reduziert, tritt eine darüber hinausgehende Vielstimmigkeit des Kriegserlebens weitgehend zurück. Diese wird zwar in den Editionen von Korrespondenzen französischer Juden wie Marc Bloch oder Émile Durkheim deutlich, doch geben diese Quellen lediglich Einblicke in die männlichen Erfahrungswelten von Soldaten und Agitatoren im Dienste Frankreichs. Die Dialogpartnerinnen dieser Briefwechsel bleiben hingegen oftmals stumm und damit auf die Rolle passiver Empfängerinnen beschränkt. Durch dieses Nicht-Beachten der Briefe der Korrespondentinnen werden bislang nicht nur komplexe Dialoge zweier Individuen auf einseitige Monologe verkürzt, sondern es entsteht auch eine deutliche Leerstelle in Bezug auf die weiblichen Erfahrungswelten während des Krieges.

Im Rahmen meines Dissertationsprojektes strebe ich deshalb eine gleichwertige Einbeziehung der vielfach – sowohl in der Historiographie zum Ersten Weltkrieg als auch in der Antisemitismusforschung – vernachlässigten weiblichen Perspektive an. Anhand einer auf die Verschränkung und Verflechtung männlicher und weiblicher Perspektiven ausgerichteten Analyse von Kriegskorrespondenzen französischer Intellektueller und ihrer Ehepartner widmet sich mein Projekt dabei erstens Strukturen und Besonderheiten im Sprechen über den Krieg und sein Erleben. Wie unterscheiden sich die Darstellungen und das Verständnis des Konflikts? Welche Rollen schrieben sich die Briefpartner selbst und gegenseitig zu? Wo sahen sie ihre Positionen und Verpflichtungen innerhalb des Konflikts und welche Hoffnungen projizierten sie auf die Zeit nach Kriegsende? Neben diesen allgemein auf das Kriegserleben ausgerichteten Fragestellungen liegt der Fokus meines Projekts auf der Analyse der Beziehungen zwischen Juden und Nicht-Juden während der Kriegsjahre. Welchen Stellenwert hatte die Religionszugehörigkeit für die Korrespondenten beziehungsweise definierten sie sich selbst als Juden? Wie charakterisierten sie ihre Beziehungen zu ihren Mitkombattanten oder innerhalb ihrer sozialen Netzwerke? Wurden sie zur Zielscheibe antisemitischer Angriffe oder berichteten sie von derartigen Vorfällen? Und zuletzt, welche Rolle schrieben sie dem Aufruf zur Union sacrée zu, wobei in diesem Zusammenhang auch das Verhältnis von Zensur und Autozensur zu reflektieren ist?

Alice_an_Robert_hintenDie Quellenbasis der Untersuchung bilden die Kriegskorrespondenzen von vier Ehepaaren: dem Ethnologen Robert Hertz und seiner Frau Alice, dem Historiker Jules Isaac und seiner Frau Laure, dem Soziologen Maurice Halbwachs und seiner Frau Yvonne sowie dem Philosophen Michel Alexandre und seiner Frau Jeanne. Die ausgewählten Paare repräsentieren sowohl Verbindungen zwischen zwei jüdischen Partnern als auch zwischen Juden und Nicht-Juden. Alle vier Paare entstammten dem universitären Milieu und waren miteinander bekannt beziehungsweise standen – im Falle von Maurice Halbwachs und Jeanne Alexandre – in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zueinander. Trotz dieser engen sozialen Verbindungen repräsentieren sowohl die Frauen als auch die Männer der ausgewählten Paare sehr unterschiedliche Positionierungen und Erfahrungen während der Kriegsjahre. So meldete sich Robert Hertz zu Kriegsbeginn freiwillig zum Militärdienst und starb bereits im April 1915 an der Front, wohingegen Maurice Halbwachs nach seiner Ausmusterung im Kriegsministerium arbeitete. Laure Isaac zog sich mit ihren Kindern in die Bretagne zurück; Jeanne Alexandre dagegen engagierte sich zusammen mit ihrem Mann im sozialistisch-pazifistischen Milieu.

Eine verflechtende Analyse der Kriegskorrespondenzen dieser vier Ehepaare ermöglicht Einblicke in die Vielfältigkeit des Kriegserlebens sowie der alltäglichen Beziehungen von Juden und Nicht-Juden und zeichnet ein differenzierteres Bild der Kriegserfahrungen französischer Jüdinnen und Juden.

Zur Erweiterung der Perspektive über das universitäre Milieu hinaus werden zudem exemplarisch Zeitungen, Dossiers der Polizeipräfektur von Paris sowie Berichte aus den militärischen Einheiten, in denen Robert Hertz und Jules Isaac dienten beziehungsweise Akten ihrer Mitkombattanten, in die Analyse einbezogen. Durch diese Ausweitung des Quellenkorpus erscheinen die Korrespondenzen nicht als isolierte Einzelschicksale, sondern werden in einen milieuübergreifenden Kontext des Kriegserlebens von Jüdinnen und Juden in Frankreich während der Kriegsjahre eingebunden.

Methodisch bezieht sich das Projekt sowohl auf die Konzepte der „Kriegserfahrung“ des gleichnamigen Sonderforschungsbereichs der Universität Tübingen und der „Kriegskultur“ des Historial de la Grande Guerre, Péronne als auch auf die Verbindung von Antisemitismusforschung und Geschlechtergeschichte. Das Ziel der Dissertation ist es somit, einen Beitrag zur Verschränkung von kulturgeschichtlichen Ansätzen der  Militärgeschichte und einer um die Kategorie Geschlecht erweiterten Antisemitismusforschung zu leisten.

Das Dissertationsprojekt wird mit einem Wissenschaftsblog begleitet.

Abbildungen:

Vor- und Rückseite der Postkarte von Alice Hertz an ihren Mann Robert vom 21. November 1914: Carte. Charoy, 21 novembre 1914© Collège de France. Archives Laboratoire d’anthropologie social/ Fonds Robert Hertz. Mit Dank an das Collège de France für die Publikationserlaubnis. Alle Rechte vorbehalten.

Quelle: http://19jhdhip.hypotheses.org/1787

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