Eure Helden, unsere Täter: Die litauische Holocaust-Debatte ist aufs Neue entflammt

Kopie des Berichts von SS-Standartenführer Karl Jäger „Gesamtaufstellung der im Bereich des EK. 3 bis zum 1. Dez. 1941 durchgeführten Exekutionen“ über die Ermordung von litauischen Juden durch das Einsatzkommando 3 in Litauen (Jäger-Bericht) vom 1.12.1941, Foto: Bundesarchiv, Bild 183-B0716-0005-008

Vor 76 Jahren, am 1. Dezember 1941 berichtete der SS-Standartenführer Karl Jäger aus Kaunas nach Berlin: Litauen könne als judenfrei gemeldet werden, mit Ausnahme der „wenigen Arbeitsjuden“. Sein berühmt – berüchtigter „Jäger-Bericht“, den er zum ersten Advent fertigstellte, stellt eine akribische Tag-für-Tag -Auflistung aller in Litauen ermordeter Juden dar.

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Quelle: http://erinnerung.hypotheses.org/1617

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Auf den Spuren der Juden Thessalonikis

Der weiße Turm in Thessaloniki, eines der heutigen Wahrzeichen der Stadt, Foto: Hermann Hammer (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Thessaloniki hat während der letzten hundert Jahre tiefgreifende Veränderungen erlebt. Das heutige Stadtbild erinnert kaum an das Thessaloniki Anfang des 20. Jahrhunderts und seine Bewohner. Osmanische Bauten gibt es nur noch wenige.1 Moscheen wie auch Synagogen sind aus dem Stadtbild fast verschwunden.2

Die ursprüngliche Uferpromenade zierte vor 1917 noch viele Postkarten.

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Quelle: http://erinnerung.hypotheses.org/1498

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Den Holocaust zeichnen: Kontroversen um Bildsprachen und Darstellungsweisen

Die Debatte über die Darstellbarkeit des Holocaust im Comic blickt auf eine lange Tradition zurück, und scheint trotzdem an jede Neuveröffentlichung dieselbe Grundsatzfrage zu stellen. Die Frage <<Darf dieser Comic sich dieses Themas annehmen?>> wird zu einer kontinuierlich wiederholten Formel, mit der sogenannte „Holocaustcomics“ in zwei Kategorien, nämlich gelungen und misslungen, eingeteilt werden.

Aus solchen Bewertungen ergibt sich eine vermeintliche moralische Skala, an dessen Spitze bis heute Art Spiegelmans „Maus“ steht. Aufgrund des autobiografischen Bezugs, des reflektierten Umgangs Spiegelmans mit Erinnerungen an den Holocaust und des visuellen Stils gilt es heute als Paradebeispiel dafür, wie man im Medium Comic mit der Shoah umgehen solle. Doch auch Spiegelmans Veröffentlichung sah sich nach seinem Erscheinen reger Kritik ausgesetzt, meist jedoch nicht aufgrund des genutzten Mediums, sondern vielmehr wegen der genutzten Tiermetapher des Comics, welche an komödiantische Genrebeispiele wie Mickey Maus oder Funny Animals erinnerte. Spiegelman war keineswegs der erste, der den Holocaust zum Thema eines Comics machte. Martin Frenzel stellt überzeugend dar, dass das (Sub-)Genre des Holocaustcomics eine große Bandbreite abdeckt und immer auch mit Blick auf die jeweiligen Produktionsumstände eingeordnet werden muss. Dazu gehören beispielsweise Überlegungen zum Genre, zu der Zielgruppe, der Entstehungssituation, dem erinnerungskulturellen Hintergrund und der Erzählperspektive, die mitgedacht werden sollten.

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Quelle: https://moralicons.hypotheses.org/381

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Wider die Selbstzensur – Das Dritte Reich, nationalsozialistische Verbrechen und der Holocaust im Digitalen Spiel

Zwei Szenen aus Wolfenstein II: The New Colossus im Vergleich. Links ein Screenshot aus dem internationalen Ankündigungstrailer, rechts ein Screenshot aus dem deutschsprachigen „Erdbeermilch“-Trailer (Videolinks im Text, abgerufen am 05.08.2018

Inhalt

Eine Frage der Authentizität

Eine Frage des Gesetzes

Eine Frage des Geldes und des Selbstverständnisses

Eine Frage des Mediums

Die Entwicklerperspektive



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Quelle: http://gespielt.hypotheses.org/1449

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Das Unspielbare spielen – Imaginationen des Holocaust in Digitalen Spielen

von Eugen Pfister

 

„Sucht man heute nach Romanen, Filmen oder Theaterstücke, die sich kritisch mit dem Nationalsozialismus und insbesondere mit dem Holocaust auseinandersetzen, wird man rasch fündig: Fast jedes Jahr erscheinen neue Filme, die immer wieder neue Wege suchen den Holocaust zu erzählen.[1] Sucht man jedoch parallel dazu nach einem aktuellen digitalen Spiel,[2] welches den Holocaust imaginiert, gestaltet sich die Suche schon weitaus schwieriger – wenn nicht gar als ganz unmöglich.[3] Ist das Unterhaltungsmedium Spiel ungeeignet, die ethischen und moralischen Fragen des Themas verantwortungsvoll aufgreifen zu können? Ein oft wiederholter Einwand war und ist, dass digitale Spiele nie Kunst sein können und ihnen daher die Würde fehle, um die Verbrechen des Nationalsozialismus adäquat zu kommunizieren. Der Journalist Jordan Hoffman fasste diese Auffassung 2013 in einem Artikel für die ‚Times of Israel‘ plakativ zusammen: ‚Where the line of decency is drawn is somewhat dependent on whether you consider video games art, storytelling or a braindead way to kill time, blasting pixels in increasingly gross ways while memorizing movement patterns‘[4]

Zuletzt wurden aber immer öfter Stimmen hörbar, die eine Auseinandersetzung darüber verlangten, wie Erinnerung an den Holocaust an eine nächste, digitale Generation zu kommunizieren sei. So eröffnete die Historikerin Steffi de Jong von der Universität Köln im Dezember 2015 die Tagung „Digitale Wege gehen? Vom Add-On zur digitalen Lernumgebung in Gedenkstätten und Erinnerungsorten“ mit einem Vortrag, in welchem sie explizit auf das Potenzial von Social Media, digitalen Spielen und holographischen Zeitzeugeninterviews hinwies:

 ‚Generell sollte eine zukünftige Erinnerungskultur 3.

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Quelle: https://spielkult.hypotheses.org/1235

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#75JahreDanach – Online-Kampagne zum Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion


Die Edition „Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945“ (VEJ) veröffentlicht seit 20. Juni im Internet wichtige Dokumente zur Judenverfolgung.

Mit dem Editionsprojekt, das vom Insitut für Zeitgeschichte gemeinsam mit dem Bundesarchiv und dem Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Freiburg verantwortet wird, werden in insgesamt 16 territorial gegliederten Bänden zentrale Quellen  und Dokumente zur Geschichte der Judenverfolgung und des Holocaust zusammengestellt und vielfach erstmals publiziert.

Anlässlich des 75. Jahrestags des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion veröffentlicht das Editorenteam seit dem 20. Juni nun unter dem Hashtag #75JahreDanach auf seiner Webseite, sowie auf Twitter und Facebook täglich ein einschlägiges Dokument zur Judenverfolgung, deren mörderische Dynamik sich mit dem Kriegsbeginn gegen die Sowjetunion noch einmal dramatisch steigerte.  Wie in der gedruckten Edition, wird die Entwicklung auch in der Online-Kampagne aus vielfältigen Perspektiven dokumentiert: Neben Dokumenten der Täter werden auch Zeugnisse der Opfer sowie Quellen von Beobachtern publiziert – darunter Tagebucheinträge jüdischer Opfer, Briefe nicht-jüdischer Zeugen, Befehle von SS und Wehrmacht sowie ausländische Zeitungsberichte.



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Quelle: https://leibnizarc.hypotheses.org/729

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75 Jahre Babyn Jar: Sowjetische und postsowjetische Kontroversen um einen Gedenkort in Kiew von 1945 bis heute

Babyn Jar (ukrainisch) bzw. Babij Jar (russisch) meint übersetzt in etwa „Altweiberschlucht“ und war ein am Stadtrand Kiews gelegener Ort brutalster deutscher Verbrechen während der Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Er war und gilt vor allem als ein Ort deutscher Gewalt an der Kiewer jüdischen Bevölkerung, symbolisiert darüber hinaus aber auch allgemein die Entgrenzung nationalsozialistischer Gewalt gegenüber der jüdischen Bevölkerung im Jahr 1941 und danach. Er wurde und ist als solcher ein allgemeiner Erinnerungsort des Holocaust an den sowjetischen Juden in sowjetischer und post-sowjetischer Zeit geworden.1 Erst in den letzten 20-30 Jahren ist das bzw. sind die Verbrechen von Babyn Jar genauer dokumentiert und historisch interpretiert worden.2 Gerade aus heutiger Sicht scheint es aber angebracht, die in der Literatur zum Thema fehlende lokale und ukrainische Perspektive auf das Thema stärker einzubeziehen. Damit können deutlicher als in der bisher vorliegenden Literatur der Prozesscharakter der Erinnerung und Kontroversen bei der Schaffung und Veränderung des Erinnerungsortes Babyn Jar gezeigt werden. Das – und keine umfassende Darstellung des Erinnerungsortes Babyn Jar – ist das Ziel dieses Beitrages.



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Quelle: https://erinnerung.hypotheses.org/647

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Die Unsrigen – Die Holocaustdebatte in Litauen

Paneriai

Foto: Ekaterina Makhotina

Das Thema der Mittäterschaft am Holocaust wird wieder einmal kontrovers diskutiert. Während der Vorschlag der polnischen Regierung, dem international bekannten Holocaustforscher Jan Tomasz Gross den Verdienstorden abzuerkennen[1], weltweit für Empörung sorgte, läuft in Litauen eine eigene „Jedwabne“-Debatte. Das Buch „Die Unsrigen“[2], geschrieben von Ruta Vanagaite, das die Mittäterschaft der Litauer am Holocaust beschreibt, wird heftig und kontrovers diskutiert.

Die Wirkung des Buches ist tatsächlich mit dem 2001 erschienenen Buch „Nachbarn. Der Mord an den Juden von Jedwabne“ von Jan Tomasz Gross vergleichbar. Es geht, zugespitzt formuliert, um entfesselte Gewalt der Litauer gegen ihre jüdischen Nachbarn, um Mord und Raub, sei es aus alltäglichem Antisemitismus, oder aus dem Wunsch heraus sich an jüdischem Hab und Gut zu bereichern. Der Schriftstellerin und Journalistin Vanagaite geht es um Komplizenschaft, Kooperation und Mittäterschaft ihrer Mitbürger.

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Quelle: http://erinnerung.hypotheses.org/671

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Die Unsrigen – Die Holocaustdebatte in Litauen

Paneriai

Foto: Ekaterina Makhotina

Das Thema der Mittäterschaft am Holocaust wird wieder einmal kontrovers diskutiert. Während der Vorschlag der polnischen Regierung, dem international bekannten Holocaustforscher Jan Tomasz Gross den Verdienstorden abzuerkennen[1], weltweit für Empörung sorgte, läuft in Litauen eine eigene „Jedwabne“-Debatte. Das Buch „Die Unsrigen“[2], geschrieben von Ruta Vanagaite, das die Mittäterschaft der Litauer am Holocaust beschreibt, wird heftig und kontrovers diskutiert.

Die Wirkung des Buches ist tatsächlich mit dem 2001 erschienenen Buch „Nachbarn. Der Mord an den Juden von Jedwabne“ von Jan Tomasz Gross vergleichbar. Es geht, zugespitzt formuliert, um entfesselte Gewalt der Litauer gegen ihre jüdischen Nachbarn, um Mord und Raub, sei es aus alltäglichem Antisemitismus, oder aus dem Wunsch heraus sich an jüdischem Hab und Gut zu bereichern. Der Schriftstellerin und Journalistin Vanagaite geht es um Komplizenschaft, Kooperation und Mittäterschaft ihrer Mitbürger.

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Quelle: http://erinnerung.hypotheses.org/671

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