Warum finden wir ein Bild schön?
Wir alle verfügen über innere Bilder. Wenn wir an etwas denken, erscheint es häufig vor unserem inneren Auge, begleitet von angenehmen oder weniger angenehmen Gefühlen oder Gedanken.
Unsere innere Bilderwelt besteht zunächst aus dem Selbstbild, das wir von unserer eigenen Person haben, dann aus dem Menschenbild, das wir von den anderen um uns herum haben, und schließlich ist das Weltbild zu nennen, das wir von den größeren Zusammenhängen, in denen wir uns bewegen und leben, haben [1].
Wie entstehen diese Bilder in uns? Sie entwickeln sich aus Erfahrungen, die wir in unserem Leben machen. Das beginnt schon im Mutterleib mit den ersten Tast- und Geschmackserfahrungen. Richtig viele Erfahrungen sammeln wir dann nach der Geburt. Tut uns etwas gut, dann wollen wir das wiederholen und nochmal machen. Mögen wir etwas nicht, dann weigern wir uns und lehnen es ab. Das ist individuell verschieden, denn jeder hat seine eigenen Erfahrungen und damit seine eigenen Bilder. Indem wir etwas ablehnen und wiederholen, bewerten wir die Dinge und Bilder in uns. Bewerten heißt auch, dass wir sie mit einem Gefühl belegen. Somit sind alle Bilder automatisch bewertet und mit Emotionen verknüpft [2].
Ich frage mich, was das Gemälde eines Künstlers anderes als ein inneres Bild ist? Natürlich wurde aus diesem inneren ein äußeres Bild, indem es der Maler auf die Leinwand aufbrachte, sonst könnten wir es ja nicht sehen. Wobei sein inneres Bild nicht das Motiv selbst, sondern die Wahl des solchen ist. Dazu kommen der Pinselstrich und die Farbwahl, also der Ausdruck. Wenn zehn Maler vor demselben Motiv stehen und es malen, dann kommen zehn verschiedene Bilder dabei heraus: zehn verschiedene gemalte innere Bilder.
Beim Betrachten von Bildern in einem Museum begegnen sich die innere Bilderwelt des Künstlers und die innere Bilderwelt des Betrachters. Je nachdem, welche Berührungspunkte beide Bilderwelten haben, werden Gefühle im Betrachter geweckt, wie z.B. Freude, Ergriffenheit, Bewunderung oder Ablehnung und Irritation. Diese Berührungspunkte sind der Knackpunkt: Sie entscheiden nicht nur über Gefallen und Nichtgefallen, sondern auch über den Grad der Emotion, den wir beim Anschauen eines Gemäldes empfinden. Das ist meine Erklärung, warum wir ein Bild schön finden. Wobei meine Erklärung auch ein Bild ist.
[1] Gerald Hüther: Die Macht der inneren Bilder. Wie Visionen das Gehirn, den Menschen und die Welt verändern, Göttingen 2011
[2] Manfred Spitzer: Das Wahre, Schöne, Gute. Brücken zwischen Geist und Gehirn, Stuttgart 2009
Quelle: http://games.hypotheses.org/47
Rezension zu “Neuroästhetik” von Martin Dresler (Hg.)

Siehe meine Rezension von: Martin Dresler (Hg.): Neuroästhetik. Kunst – Gehirn – Wissenschaft, Leipzig: E. A. Seemann Verlag 2009, in: sehepunkte 12 (2012), Nr. 3 [15.03.2012], URL: http://www.sehepunkte.de/2012/03/18093.html
Quelle: http://games.hypotheses.org/43
Esskultur und nationale Identität – das Beispiel Dänemark
15 Artikel an einem Tag – Eine Übersicht
Der Zweite Weltkrieg in Skandinavien in deutschen Lehrbüchern – 1961 und heute
Ein Besuch auf der Leipziger Buchmesse hat mich auf eine Literaturgattung aufmerksam gemacht, die oft Gegenstand harter – und oft grenzüberschreitender – Auseinandersetzung über die “richtige” Geschichtsdarstellung gewesen ist: Lehr- und Geschichtsbücher. Während ich an einer Vielzahl von Lehrbuchverlagen vorbeiging, erinnerte ich mich an einen Zeitungsarikel der norwegischen Aftenposten aus den frühen 1960er Jahren. Darin forderte der Autor – ganz nach dem Titel des Artikels »Hårdt tiltrengt revisjon av lærebøkene i de tyske skoler« (21. Januar 1961) – eine Korrektur der deutschen Geschichtsbücher. Unter anderem kritisierte der Artikel “die unkorrekte Darstellung des Überfalls [auf Norwegen und Dänemark 1940, Anm. RZ]” sowie die apologethische Erklärung zur Besetzung der nordischen Nachbarn. Auf besonderes Unverständnis stieß das völlige Weglassen von detaillierteren Schilderungen zum deutschen Terror und dem Besatzungsregime in Norwegen.
Dies habe ich zum Anlass genommen, mir die aktuellen Lehrbücher zweier großer Verlage auf genau diese Kritik hin anzuschauen. Ich wollte wissen, wie der Überfall auf die skandinavischen Länder während des Weltkrieges in den heutigen Schulbüchern dargestellt wird und welchen Umfang die Beschreibung der anschließenden Besatzungsherrschaft einnimmt.
Vorweg sollte ich noch erwähnen, dass die beiden Beispiele weder repräsentativ für alle Geschichtsbücher auf dem deutschen Büchermarkt sind, noch dem stark förderalen Bildungssystem der Bundesrepublik mit all seinen verschiedenen Lehrplänen Rechnung tragen. Mir kommt es daher eher auf die Tendenzen der Aussagen als den genauen Wortlaut an.
Das erste Werk, das ich mir anschaute, war Geschichte und Geschehen, Oberstufe Gesamtband des Klett-Verlags. Hier wird der Überfall (und nur dieser) in drei Zeilen abgehandelt. So heißt es unter der Überschrift Deutschlands Führung verrechnet sich in Europa:
“Um sich wichtige Rohstoffe für die Rüstungsindustrie gegen einen möglichen britischen Zugriff zu sichern (schwedisches Eisenerz), überfiel Deutschland im April 1940 die neutralen Staaten Dänemark und Norwegen.” (S. 426)
Weitere Verweise auf das Besatzungsregime habe ich nicht gefunden (kann diese aber auch nicht 100% ausschließen, schließlich konnte ich die Lehrbücher nur an einem Messestand durchsehen).
Als Vergleichsexemplar habe ich das Geschichtslehrbuch Kursbuch Geschichte (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern) des Cornelsen-Verlages herangezogen. Unter den Unterpunkt Eroberungs- und Besatzungspolitik heißt es wieder auf drei Zeilen [sic]:
“Bevor das Deutsche Reich seine Offensive im Westen eröffnete, besetzte die Wehrmacht Dänemark und Norwegen, um die Nordflanke sowie die für die Kriegsführung notwendige Versorgung mit Erzen abzusichern.” (S. 449)
Wieder konnte ich keine Hinweise auf die eigentliche Besatzung oder wenigstens einen Verweis auf weiterführende Informationen entdecken. Stattdessen dominieren in den Geschichtsbüchern die Geschehnisse an der Ost- und Westfront. Skandninavien wird mehr oder minder ausgeklammert bzw. nur am Rande erwähnt.
Leider hatte ich bisher keine Möglichkeit diese Textstellen mit anderen deutschen Lehrbüchern aus den ersten Nachkriegsjahrzehnten zu vergleichen.
In Anbetracht der Fülle an Material, das die Autoren in nur wenigen Seiten überblicksartig darzustellen versuchen, ist die Kürze der Beschreibung nicht überraschend. Dennoch laden auch heute noch die deutschen Lehrbücher zur gleichen Kritik ein, die bereits vor über 50 Jahren im Aftenposten-Artikel aufgeführt wurde. Zumindest findet man keine Anspielung auf die “Race-to-Scandinavia”-These allá Walther Hubatsch (siehe letzter Post). Leider versäumen auch heutige Geschichtsbücher, auf die Rolle des Zweiten Weltkriegs für die Selbst- und Deutschlandwahrnehmung unserer skandinavischen Nachbarn einzugehen. Im Allgemeinen sollten die Deutschlandbilder unserer unmittelbaren Nachbarn im Unterricht Einzug halten, um die nationale Nabelschau im Geschichtsunterricht weiter entgegenzuwirken und ein europäisches Geschichtsverständnis zu fördern.
Weniger überraschend, aber nicht minder enttäuschend ist die fehlende Differenzierung zwischen den Besatzungsverläufen in Norwegen und Dänemark. Dies ist eine Disparität, auf die in beiden Ländern großen Wert gelegt wird und in Deutschland zu oft unterschlagen wird. (1)
(1) Vgl. Dahl, Hans F., et al. (Hrsg.): Danske tilstander, norske tilstander – Forskjeller og likheter under tysk okkupasjon 1940-45, Oslo: Forlaget Press, 2010.
Der Zweite Weltkrieg in Skandinavien in deutschen Lehrbüchern – 1961 und heute
Der Weg zur Quelle: Die erste Forschungsreise nach Frankreich – Interkulturelle Erfahrungen auf ungewohntem Terrain
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Telse Först In den letzten Jahren werden in der Forschung vermehrt Fragen zur transnationalen Geschichte in den Blick genommen. Damit ist es für HistorikerInnen auf diesem Gebiet unumgänglich, die alltägliche Arbeit in Archiven und Bibliotheken auf neue Felder über nationale … Weiterlesen
Warhols „Stillies“ damals und heute
Zwischen 1964 und 1966 sind in Andy Warhols Factory 472 drei Minuten lange „Screen Tests“ entstanden. Gefilmt wurden Künstler, Schauspieler, Musiker, Intellektuelle etc. entweder auf Einladung Warhols oder bei einem Gelegenheitsbesuch in der Factory. Gerard Malanga, Warhols Assistent, über die Entstehung der „Screen Tests“: „There were so many different things happening at the Factory, between painting and making movies and whatever other projects we were doing, that it really wasn’t a priority. In fact, just to do a ‚Screen Test’ really became a kind [...]
“Silence is sexy”
Quelle: http://dtforum.hypotheses.org/40