In weiten Teilen der interdisziplinären Diskussion rund um die Themenfelder des Gedächtnisses, des Erinnerns und Vergessens werden vorwiegend Bewusstseinsvorgänge und mentale Prozesse als gedächtnishafte Äquivalente herangezogen und verhandelt. Die Soziologie verfügt jedoch darüber hinaus über eine Reihe von Theorieangeboten, die … Weiterlesen
Nützliche Software Teil 2: Ideen bewegen? Prezi
Heute will ich mich einem klassischen Problem von Historikern annähern: die visuellen Begleitung von Vorträgen. Wenn überhaupt benutzen wir Powerpoint, um Überschriften, Thesen oder Bilder an die Wand zu projizieren. Der Zuhörer hofft inständig, dass der Referent die Folien schnell genug abspielt und sie in seinen Vortrag integriert. Ansonsten kommt es zu einem hektischen vor- und zurückgeklicke. Bilder oder Textbausteine werden häufig als simple Illustrationen des gesprochenen Wortes verstanden. Eine visuelle Entwicklung (oder Begleitung) der Gedanken findet nicht statt. Wie auch, immerhin hat Powerpoint zwar viele Diagramme und Tabellen zu bieten, aber es ist und bleibt eine Slideshow. Die Darstellung der Leitidee eines Vortrages ist nicht möglich. Diese Lücke versucht seit ein paar Jahren Prezi zu schließen. Dieses Präsentationswerkzeug will eine Alternative zu Powerpoint anbieten und “Ideen bewegen”.
Die Anwendung
Nach meiner ersten Einführung in die Welt der Software kommt nun eine Anwendung zur Sprache, die besonders für Seminare oder Vorlesungen geeignet ist: Prezi ist ein plattformunabhängiges cloud-abhängiges Präsentationsprogramm und basiert auf der Flash-Technologie. Es ermöglicht die Erstellung von dynamischen 2D Präsentationen. Die Cloudfunktion erlaubt es dem Benutzer ortsunabhängig auf seine Präsentationen zuzugreifen und sie über das Internet mit anderen zu teilen. Die Anwendung ist mit einigen Einschränkungen (man kann alle Präsentationen nur öffentlich abspeichern) kostenlos. Die fertige Präsentation wird heruntergeladen und als Datei auf einem Mac oder Windows PC abgespielt. Zusätzlich gibt es für zahlende Kunden (ab 5€/Monat mit einer Education License) einen Standaloneclient mit dem auch eine Offlinebearbeitung möglich ist. Das kommerzielle Projekt wurde 2007 in Ungarn gestartet und hat laut eigenen Angaben über 18 Millionen Nutzer und 250 Millionen Views. Ich selbst habe es durch einen technikaffinen Kommilitonen kennengelernt (Danke Benjamin!). Natürlich gibt es einige Kritikpunkte an der Software, die vor allem die Nachbearbeitung von fertigen Projekten oder die Kompatibilität des Flashformates thematisieren. Das sind aber schon weiterführende Probleme, die uns nicht beschäftigen sollen. Vielmehr möchte ich die Vorstellung des Programms mit eigenen Überlegungen zu meiner Doktorarbeit verknüpfen. Ich stelle hier einen noch nicht gehaltenen Vortrag über die Grundlagen meiner Arbeit online
Die Visualisierung
Bevor ich zu meinen eigenen Ideen komme, möchte ich sagen, dass Prezi viele Formatvorlagen mitbringt. Ich habe für den ersten Gebrauch vorhandene Motive verwendet (keine Angst, Farben und Schriften lassen sich leicht ändern). Allerdings ist mein Vortrag noch nicht fertig. Mit diesem Blogeintrag will ich euch gleichzeitig an meinem Arbeitsprozess beteiligen. Aber nun zu meinem Vortrag. Im Gegensatz zu einer Powerpointslideshow samt diesem ironischen Beispiel, wird auf den ersten Blick eine Idee ersichtlich um was es mir geht: den Baum der Erkenntnis. Wie wächst aus meinem Erkenntnisinteresse ein Projekt? Was sind seine Wurzeln? Welchen (geistigen) Dünger verwende ich und wie stabil ist der Stamm. Immerhin möchte ich am Ende der Arbeit eine reife Frucht in Form eines Titels ernten. Wie an diesen Fragen und der Folie schnell klar wird, kann ich für meinen Vortrag ein Narrativ visualisieren und die einzelnen Schritte deutlicher voneinander unterscheiden. Ich erhoffe mir dadurch eine klarer Diskussion im Anschluß an das Referat.
Ein wichtiger Aspekt ist für mich die Hervorherbung einzelner Aussagen durch das Heranzoomen. Als Beispiel dient die Folie “Methode”. Zunächst erkläre ich meine generelle Position bezüglich des akteurszentrierten Ansatzes. Danach vergrößere ich ein Zitat über das Wesen von Parteien aus Sicht der Politikwissenschaft, um anschließend methodische Bausteine (Organisationstheorie, Diskursgeschichte, Denkstil, Vergleich) zu diskutieren. Durch die Zoomfunktion erhoffe ich mir eine bessere Kontextualisierung von Quellen/Zitaten/Bildern innerhalb meines Referates. Wenn ich mir klaren darüber bin welche Beispiele ich verwende, werde ich das Zoomverfahren auch für die Quellenbeispiele einbauen. Das ist leicht möglich, weil sowohl PDFs, Bilder, Wortdateien oder auch Youtubevideos ohne Probleme eingebunden werden können. Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung von Diagrammen zur visualisierung von Gedankenprozessen oder Zusammenhängen. Eine kleine Auswahl der Vorlagen seht ihr hier:
Fazit
Das Programm ist kostenlos und lässt sich intuitiv bedienen. Mit Hilfe der Vorlagen können selbst Anfänger in wenigen Stunden eine sinnvolle 2D Präsentation erstellen. Es gibt zwar einige kleinere Mankos in der Bedienung und der Formatierung der fertigen Dateien. Mein Fazit ist aber durchaus positiv und ich habe sogar gehört, dass die Anwendung unter Studenten immer beliebter wird, zumindest bei uns an der HU Berlin. Wobei durch die bekannten Differenzen zwischen den digital natives und den digital immigrants sicherlich auch Probleme entstehen können. Wer Powerpoint ablehnt, wird Prezi nur noch als Showeinlage betrachten. Das mag natürlich sein, aber ein Vortrag muss kein einschläfernden Monologen sein. Es sollte immer – sowohl sprachlich als auch visuell – unterhalten und zur Diskussion anregen. Eine gute Präsentation trägt ihren Teil dazu bei, solang sie nicht die Vortragskunst ersetzt. Mir persönlich hat das Programm geholfen meine eigenen Gedanken stärker zu kontextualisieren und mich zu fragen: warum streiche ich etwas hervor oder an welche Stelle innerhalb des visuellen Narrativs bringe ich welches Argument. Achja: und es hat Spaß gemacht mit Bildern und Effekten zu arbeiten! Wie der Vortrag den Zuhörern gefallen hat, kann ich leider noch nicht sagen. Ich halte meine Leser aber auf dem Laufenden.
Bei ARTigo gibt’s Überraschendes zu entdecken
Während mein Rechner minutenlang mit Rechenoperationen beschäftig ist, habe ich gerade ein paar Bilder in ARTigo getaggt und dabei einen schönen Fund gemacht:
Beim Taggen der Abbildung links war mir klar, dass es sich um eine Art technische Zeichnung handeln musste und tatsächlich: Das Bild ist betitelt mit “Hydraulischer Apparat”, datiert auf 1205 und von al-Jazari.
Es handelt sich hier um ein sehr frühes Dokument, dass der Technischen Dokumentation zuzuordnen ist. Als erstes Buch in deutscher Sprache gilt übrigens das Feuerwerksbuch von 1420, das also gut 200 Jahre später erschien.
Noch frühere erhaltene Hinweise auf Planungen (so ca. 2000 v. Chr.) sind von der Konstruktion größerer Gebäude in Mesopotamien erhalten: Hier wurde der Grundriss eines Tempels in eine Statue eingekerbt. Oder Landkarten wurden in Tontafeln geritzt, die damit Auskunft über die Lage von Häusern und Feldern, dem Bewässerungssystem und weiteren Landschaftsmerkmalen, wie Bergen und Überschwemmungsgebieten Auskunft geben.
Spätere Dokumente sind Vitruvs Zehn Bücher der Architektur (um 25 v. Chr.), die von italienischen Architekten im 15. Jahrhundert verwendet wurden. Auch Leonardo da Vinci hat Maschinen konstruiert und gilt als Erfinder der Explosionszeichnung.
Solche Funde, wie der den ich in ARTigo gemacht habe, sind rar und deshalb habe ich mich besonders darüber gefreut. Also taggen Sie doch auch mal ein paar Bilder. Vielleicht entdecken Sie dabei was Schönes.
Siehe auch: Erst lesen – dann einschalten! Zur Geschichte der Gebrauchsanleitung, Hrsg. Joachim Kallinich und Clemens Schwendner, Berlin 1997
Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung im Museum für Kommunikation Berlin.
Quelle: http://games.hypotheses.org/1109
Der Ort des Brünner Lecturkabinetts
Eine Lösung des Rätsels bringt ein weiterer Eintrag im Intelligenzblatt: Demnach standen mehrere Bücher [z]um Verkauf auf dem großen Platz in dem Freyherrl. Waldorfischen Haus, in dem Lecturkabinet des Herrn von Bianchy (WIZ); dies ist nun leicht, denn der große Platz (also: náměstí Svobody) ist nun tatsächlich der zentrale Platz Brünns und der Plan Brünns von 1794 verzeichnet auch das Haus:

Sonst sei schon mal verraten, dass es Bianchi auch in Brünn gelang, nicht wenig Schulden - in der Höhe nämlich von mehr als 1200 Gulden - zu machen und dass sein Kabinett gerade mal 1 1/2 Jahre, von Anfang 1774 bis Mitte 1775 aktiv war.
Wochentlicher Intelligenz-zetl aus dem Fragamte der Kaiser-Königl. privilegirten Lehen-Bank zu Brünn in Mähren (WIZ), 13.1.1774, Nr.2, unpaginiert.
Aktuelle Stunde II: Erlebnis Archiv
Im Anschluss wirbt die Archivpädagogin des Archivs des Landschaftsverbands (ALVR) Dr. Bettina Bouresh für das seit 2006 laufende Programm „Erlebnis Archiv“, das inzwischen jährlich ca. 50 Studierende des Fachs Geschichte von sechs rheinischen Universitäten mit dem Beruf der Archivarin / des Archivars vertraut macht. Weiterhin werden rheinische Archive gesucht, die bereit sind in den Sommersemesterferien Studierende als Praktikanten aufzunehmen.
Meine Damen u Herren, sehr geehrte Kolleginnen u Kollegen,
die Gunst der Aktuellen Stunde beim Rhein. Archivtag erlaubt es, hinzuweisen auf ein Seminar, das wir im Archivberatungs- und Fortbildungszentrum und im Archiv des LVR vor 7 Jahren krëiert haben und das mittlerweile zum festen Bestandteil der Angebote unseres Hauses geworden ist.
Ich möchte Ihnen kurz „Erlebnis Archiv“ vorstellen, ein Blockseminar für rheinische Geschichtsstudenten, das viele von Ihnen kennen, weil sie mit dabei sind und weil wir Sie alle brauchen, die noch nicht dabei sind.
„Erlebnis Archiv“ hat zum Ziel, Studierende des Faches Geschichte aus 6 rheinischen Universitäten (RWTH Aachen, die Universitäten Bonn, Essen-Duisburg, Düsseldorf, Köln und Wuppertal) in einem zweitägigen Kompaktseminar in Brauweiler in die Archivkunde einzuführen und ihnen anschließend ein 4wöchiges Praktikum in einem rheinischen Archiv zu vermitteln. Die Studenten, KEINE angehenden Lehrer, sondern mit zukünftigen BA / MA-Abschlüssen – unter ihnen sicher potentielle Kollegen der Zukunft – erhalten in abwechslungsreichen 2 Tagen Einblicke in die Archivwelt, für die meisten sind es tatsächlich die ersten Eindrücke. Anschließend schwärmen sie aus in die rheinischen Archive.
Das Seminar hat an den beteiligten Unis inzwischen einen festen Platz am Ende des Sommersemesters, das Praktikum folgt in der Zeit zwischen Ende Juli bis Anfang Oktober, also den Sommersemesterferien. Vor Beginn des Wintersemesters Anfang Oktober gibt es einen „Evaluationstag“, der bis auf wenige Ausnahmen zu durchwegs positivem Echo führt.
In diesem Jahr, dem 7. in Folge, haben wir 52 Anmeldungen zu verzeichnen. Auf der Liste der in dieser Sache mit uns zusammenarbeitenden Archive stehen mittlerweile über 60 Archive aus dem Rheinland.
Warum ich Ihnen das berichte?
Ich möchte dringend an Sie appellieren, sich an diesem erfolgreichen Format zu beteiligen und uns für das kommende Jahr rechtzeitig Praktikantenplätze zu „reservieren“. Wir sind uns der Schwierigkeiten bewusst, im Sommer Praktika anzubieten, deshalb bedarf es erfahrungsgemäß langer Vorlaufzeiten und Planung. Lassen Sie uns doch einfach eine kurze Nachricht zukommen – und wir wenden uns im Herbst an Sie, bevor wir die Listen für das nächste Jahr ausschreiben. Aus dieser Liste von Archiven, die einen Praktikantenplatz (oder sogar mehrere) anzubieten haben, dürfen sich die Studierenden 3 Archive ihrer Wahl aussuchen. Wir versuchen bei unserer letztendlichen Verteilung der Praktikantenplätze all diese Wünsche möglichst zu berücksichtigen.
Auf diese Weise führen wir Jahr für Jahr zwischen 30 und 50 Studierende im Rheinland an die Archive ihrer Region heran. – Wenn wir mehr Archive = Praktikantenplätze haben, könnten es auch mehr Studierende sein. Die Studenten lernen Archive kennen sowohl als interessanten Arbeitsort für ihre Studien – so mancher entscheidet sich nach der Teilnahme an „Erlebnis Archiv“ für eine Abschlussarbeit im Archiv. Immer größer wird jedoch, das ist ein erkennbarer Trend, das Interesse der angehenden Historikerinnen und Historiker am Archiv als attraktivem Berufsziel.
Für uns also Gelegenheit, unserer Nachwuchs in Augenschein zu nehmen und näher kennenzulernen – eine Begegnung, die erfahrungsgemäß in den meisten Fällen beiden Seiten Gewinn bringt und Spaß macht.
Die beteiligten Archive nutzen die 4 Wochen, um den Studenten kleine Aufgaben zu überlassen – natürlich um den Preis des Betreuungsaufwandes. Es ist aber jedes Jahr von neuem schön zu beobachten, wie die Studenten sich diesem für sie neuen Feld öffnen mit sichtlicher Begeisterung. Das Wichtigste und Eindrücklichste, so berichten viele, ist für sie die Erfahrung, als Kollegen auf Zeit angenommen und ernst genommen worden zu sein.
Für die Archive ist das Besondere an diesem Seminar + Praktikums-Paket das koordinierte Vorgehen. Sechs rheinische Universitäten und mehr als 60 Archive arbeiten zusammen! Programmausarbeitung und Vorlauf werden für alle vom Archivberatungs- und Fortbildungszentrum erledigt. Als Archive leisten wir einen von den Universitäten hoch geschätzten Beitrag im Rahmen der beruflichen Orientierung der Studierenden. – Dies sind Lorbeeren, die wir zusammen ernten mit vergleichsweise wenig Aufwand. Von außen werden wir wahrgenommen als Archive, die sich aktiv um Bildung und Zukunft und Zusammenarbeit bemühen – ein Image, das sich zu pflegen lohnt.
Bei Interesse zur Teilnahme am Seminar „Erlebnis Archiv“ und Angebot eines Praktikumsplatzes bitte eine Nachricht an:
Dr. Bettina Bouresh
Mail: bettina.bouresh@lvr.de
Sofortmaßnahmen – „Erste Hilfe“ nach Bombenschäden
Die Maßnahmen, die man im Sommer 1943 unmittelbar nach dem verheerenden Feuersturm ergriff, dienten dazu, so viele Menschen wie irgend möglich zu retten und den ersten Schritt zur Wiederherstellung der Ordnung zu unternehmen. Doch erreichten die Flächenbrände in Hamburg Dimensionen, angesichts derer die in der Vorkriegszeit für den Luftschutz ausgearbeiteten Systeme an ihre Grenzen stießen. Auch wenn das Inferno für viele Zeitgenossen einem Weltuntergang gleichkam, konnte man zumindest das Ausmaß sowie einige der Langzeitfolgen dieser Katastrophe etwas begrenzen. Welche Handlungsspielräume gab es und was wurde durch deren Ausschöpfung erreicht?
Luftschutz
Schon vor Beginn des II. Weltkrieges hatten die Verantwortlichen geahnt, dass die technischen Innovationen in der Luftfahrt das Risiko von Bombenangriffen gegen die Städte erhöhten. Dementsprechend hatte man im Rahmen des Luftschutzes Vorkehrungen getroffen, mit denen man die Auswirkungen begrenzen wollte. Dies betraf sowohl die Prävention als auch Planungen für die Durchführung von Sofortmaßnahmen im Ernstfall. Da der Luftkrieg ein vollkommen neues Mittel der Kriegsführung war, konnte jedoch kaum jemand im Voraus ahnen, welche Szenarien genau man zu erwarten hatte. Daher kamen die Verantwortlichen im Verlauf des II. Weltkrieges nicht umhin, ihren Luftschutz an die tatsächlich eintretenden Gegebenheiten anzupassen. In Deutschland geschah dies auch und gerade unter dem Eindruck des Schocks infolge der so genannten „Operation Gomorrha“ in Hamburg.
Schutzräume
Bereits bei Kriegsbeginn hatte man Luftschutzräume eingerichtet, in denen die Menschen sich im Falle eines Angriffs sicher fühlen sollten. Es gelang in Hamburg ebenso wie in vielen anderen deutschen Großstädten nicht, für die ganze Bevölkerung Plätze in den besonders gut ausgestatteten öffentlichen Schutzräumen zu schaffen. Daher mussten viele Menschen bei Bombenangriffen auf ihre behelfsmäßig ausgebauten Hauskeller ausweichen, die nur einen sehr unzureichenden Schutz boten. Bei Flächenbränden konnten sich in diesen Räumen giftige Gase entwickeln, an denen die Insassen erstickten, sofern sie diese Keller nicht umgehend verließen. Die fatalen Folgen dieser Mängel sollten die Bewohner Hamburgs im Sommer 1943 auf grausame Weise zu spüren bekommen. Ausgerechnet die Kellerräume, die sie zu ihrem eigenen Schutz aufgesucht hatten, wurden für Tausende zur tödlichen Falle.
Organisationsstrukturen im Luftschutz
Ebenfalls vor Kriegsbeginn hatte man die Organisation der Sofortmaßnahmen für den Fall von Bombenangriffen genau geregelt. Hierbei war es zum Einen wichtig, die vorgesehenen Abläufe genau einzustudieren und damit das angemessene Verhalten im Ernstfall zur Routine werden zu lassen. Zum Anderen war man jedoch auf Spielräume angewiesen, um sich an unvorhersehbare Gegebenheiten anpassen zu können. Daher waren einerseits kommunale und staatliche Institutionen erforderlich, die Personal und Logistik bereitstellten, um umfangreichere Einsätze durchzuführen. Andererseits wurde die Schadensbegrenzung vor Ort durch schnelles Eingreifen entscheidend durch dezentrale Strukturen erleichtert. Gerade in Deutschland spielte der Einsatz der Bewohner vor Ort neben den Einrichtungen des professionellen Katastrophenschutzes eine entscheidende Rolle. Im Rahmen der so genannten „Luftschutzdienstpflicht“ waren im „Dritten Reich“ alle erwachsenen und gesunden Bewohner zur Mitwirkung verpflichtet. Damit waren die luftschutzbedingten Eingriffe in das Privatleben der Menschen besonders massiv. Dass Menschen angesichts der primitiven Ausstattung, die dafür zur Verfügung stand, bei Großangriffen ihr Leben riskierten, nahm die NS-Führung billigend in Kauf. Für das Regime waren diese Organisationsstrukturen nicht nur aus praktischen Erwägungen heraus notwendig, sondern man sah darin vielmehr noch eine zusätzliche Chance, die Kampfmoral im totalen Krieg zusätzlich zu erhöhen. Bei kleinen Bombenangriffen mochten die Einsätze dieser so genannten „Selbstschutzgemeinschaften“ aus Hausbewohnern und Belegschaften von Betrieben durchaus eine gewisse Wirksamkeit entfalten. Mit Flächenbombardements und deren verheerenden Folgen waren sie jedoch überfordert.
Brandbekämpfung
Um Menschenleben zu retten und Zerstörungen zu begrenzen, war es zunächst einmal erforderlich, die durch Tausende von Phosphor- und Stabbrandbomben ausgelösten Brände zu bekämpfen. Zunächst war es an den „Selbstschutzgemeinschaften“, Brände im Keim zu ersticken, zumindest aber deren weitere Ausbreitung zu verhindern. Die mit Fahrzeugen und professionellem Löschmaterial ausgerüstete Feuerwehr sollte dann eingreifen, wenn die Löschkräfte vor Ort ein Feuer nicht unter Kontrolle bringen konnten.
Aufgrund der wiederholten massiven Bombardements im Juli und August 1943 stießen alle Beteiligten dieses Brandbekämpfungssystems an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Die professionelle Feuerwehr war in ihrer Mobilität eingeschränkt, weil Trümmer und Brände kein Durchkommen mehr ermöglichten. Darüber hinaus fielen zahlreiche Fahrzeuge den Flammen zum Opfer. Die „Selbstschutzgemeinschaften“ konnten mit ihren primitiven Löschmitteln – einfache Handspritzen gegen herkömmliche Brandbomben und Sand gegen Phosphor – der umfassenden Brandentwicklung keinen Einhalt mehr gebieten. Je länger die Großangriffsserie dauerte, desto stärker wurden bei allen Löschkräften die Erschöpfungssymptome. Wenn es angesichts der Konzentration der abgeworfenen Brandbomben kaum möglich war, Brände zu löschen, so konnte man zumindest deren Ausbreitung eindämmen. Vor allem bei den ersten Bombenangriffen vor dem 27. Juli 1943 konnte man hier noch eine entscheidende Wirkung erzielen. Die vorübergehende Eindämmung der Brände verschaffte eine Atempause im Wettlauf gegen die Zeit und ermöglichte es zahlreichen Bewohnern, sich und einen Teil ihrer Habe in Sicherheit zu bringen, bevor es zu spät war.
Hilfe für die Opfer
Mit mehr als 30.000 Toten gehörte die „Operation Gomhorra“ zu den folgenschwersten Bombenangriffen gegen deutsche Städte im II. Weltkrieg. Doch angesichts der Dimensionen des Brand-Infernos hätte es noch um einiges schlimmer kommen können, wenn nicht die trotz allem bestehenden Handlungsspielräume zur Rettung von Menschenleben ausgeschöpft worden wären.
Rettung und Bergung
Durch die sehr gut funktionierende mobile medizinische Versorgung konnten zahlreiche Verletzte überleben und vor dauerhaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen bewahrt werden. So waren eingesetzten Pflegekräfte angemessen darauf vorbereitet, Verletzungen durch Phosphor und Stabbrandbomben wirkungsvoll zu behandeln. An die Belastungsgrenzen stieß man jedoch bei der Rettung von Bombenopfern, die entweder verschüttet oder vom Flammenmeer eingeschlossen waren. Hierfür musste man schnell handeln, gleichzeitig jedoch mit Sorgfalt vorgehen, um die Betroffenen nicht zusätzlich zu gefährden. Angesichts der allgemeinen Überlastung kam daher für viele Opfer jede Hilfe zu spät. Die Bergung der Toten stellte die städtischen Institutionen lange nach Ende der Großangriffsserie vor erhebliche Belastungen. Die Leichen mussten geborgen und umgehend entfernt werden, um den Ausbruch von Seuchen sowie eine Beeinträchtigung der Moral der Bevölkerung zu vermeiden. Tatsächlich verlief die Seuchenbekämpfung trotz der sommerlichen Witterung erfolgreich. Ob dies auf die Wirksamkeit der Bergungsaktionen oder eher darauf zurückzuführen ist, dass es die meisten Toten in den schwer zerstörten Stadtteilen gab, die ohnehin weitgehend unbewohnbar geworden waren, lässt sich im Nachhinein kaum noch nachvollziehen.
Versorgung der Obdachlosen
Um die Moral der Bevölkerung zu stabilisieren und den Ausbruch sozialer Unruhen zu vermeiden, war es unerlässlich, die Obdachlosen, die oftmals ihre gesamte Habe verloren hatten, umgehend mit dem Nötigsten zu versorgen. Unverzüglich sollten kommunale Institutionen und NS-Wohlfahrtsorganisationen Nahrungsmittel, Getränke und eine Grundausstattung mit Ersatz-Hausrat für die Ausgebombten bereitstellen. Durch die besonderen Bedingungen des Hamburger Feuersturms waren viele Obdachlose zusätzlich akuter Lebensgefahr ausgesetzt. Daher funktionierte das ursprünglich ausgearbeitete Versorgungssystem nicht, das die Ausgebombten zu den bereits vorbereiteten Sammelunterkünften leiten sollte, in Hamburg nur sehr unzureichend. Tatsächlich verließen in Hamburg zahlreiche obdachlos gewordene Menschen fluchtartig die Stadt in Richtung Umland, nachdem sie dem Inferno entronnen waren. Es kam zu chaotischen Zuständen auf den Bahnhöfen. Doch es gelang Behörden und NS-Wohlfahrtsorganisationen rasch, die Obdachlosen auf dem Land mit dem Lebensnotwendigen – vor allem mit Nahrungsmitteln – zu versorgen. Unterkünfte konnten ebenfalls zeitnah bereitgestellt werden. Trotz des durch das Inferno hervorgerufenen Chaos gerieten diejenigen, die durch den Feuersturm in Hamburg ihr Zuhause verloren hatten, aufgrund dieser wirkungsvollen Maßnahmen nicht in eine die existenziellen Lebensgrundlagen dauerhaft bedrohende Notsituation. Das Wichtigste war, dass die Lebensmittelversorgung der Obdachlosen durch die großzügigen Sonderzuteilungen zu keinem Zeitpunkt gefährdet war.
Wiederherstellung von Ordnung und Normalität
Sobald man die unmittelbare, mitunter lebensbedrohliche Notsituation infolge der Bombenangriffe unter Kontrolle gebracht hatte, ging es darum, die Grundlagen für die Wiederaufnahme eines geregelten Alltagslebens zu schaffen. Durch entsprechende effiziente Sofortmaßnahmen konnte man mit einem geringen Aufwand an Personal und Logistik schnell eine Wiederherstellung der lebenswichtigen Grundfunktionen bewirken. So gelang es, die Auswirkungen der Bombenangriffe in den als lebensnotwendig oder kriegswichtig eingestuften Bereichen zeitlich und räumlich erheblich zu begrenzen.
Trümmerbeseitigung
Um die für die Wiederaufnahme des öffentlichen Lebens entscheidenden Verkehrswege wieder nutzbar zu machen, mussten die dort befindlichen Trümmer umgehend beseitigt werden. Dazu gehörte auch das Entfernen einsturzgefährdeter Ruinen, die ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen konnten. Wollte man zudem mit den Ressourcen effizient haushalten, war es erforderlich, den Schutt bestmöglich wiederzuverwerten. Somit kam der Trümmerbeseitigung auch bei der Schaffung der Grundlagen für eine langfristige Bewältigung der Bombenkriegsfolgen eine Schlüsselrolle zu.
Die Enttrümmerung war also eine anspruchsvolle, mit hohem personellem und logistischem Aufwand verbundene Aufgabe. Aufgrund der flächendeckenden Zerstörung ganzer Stadtteile durch den Feuersturm war es unmöglich, alle Trümmer zeitnah zu entfernen. Doch indem die Verantwortlichen klare Schwerpunkte beim Freiräumen der lebenswichtigen Hauptverkehrswege setzten, gelang es in diesem Bereich eine beachtliche Wirksamkeit zu entfalten. Das Abräumen des Schutts auf den total zerstörten Grundstücken wurde damit zur Nachkriegsaufgabe.
Behelfsmäßige Reparaturen
Während des Krieges war aufgrund des Mangels an Personal, Baumaterialien und finanziellen Mitteln nicht an einen groß angelegten Wiederaufbau zu denken. Dennoch gab es bei den begrenzten Schäden beträchtliche Handlungsspielräume für behelfsmäßige Instandsetzungen. Um hierbei mit dem geringstmöglichen Aufwand eine größtmögliche Wirksamkeit zu erzielen, konzentrierte man sich sehr gezielt auf die lebensnotwendigen und kriegswichtigen Bereiche. Entscheidende Ergebnisse brachten diese Reparaturen vor allem bei der Infrastruktur, bei lebenswichtigen öffentlichen Gebäuden sowie bei der Industrie. Gerade das Beispiel des Hamburger Feuersturms zeigt, dass es trotz schweren und flächendeckenden Bombenschäden während des Krieges möglich war, die Grundfunktionen einer Metropole aufrechtzuerhalten.
Sofortmaßnahmen und Ausbeutung von Zwangsarbeitern
Die frühen Publikationen zum Hamburger Feuersturm in den 1950er und 1960er Jahren betonen den vorbildlichen Einsatz der deutschen Bevölkerung und das dabei angeblich gelebte Gemeinschaftsgefühl. Erst in den letzten Jahren wurde herausgearbeitet, dass diese Sichtweise einseitig ist. Es ist an der Zeit, dass der Einsatz von Zwangsarbeitern, die auch bei diesen Kraftakten ausgebeutet wurden, größere Beachtung findet.
Der Zwangsarbeiter-Einsatz für jene Maßnahmen, die mit der Bewältigung von Bombenkriegsfolgen zu tun hatten, war in Hamburg keine improvisierte Notlösung, auf die man erst 1943 zurückgriff. Vielmehr war die menschenunwürdige Ausbeutung dieser billigen Arbeitskräfte von langer Hand geplant worden. Schon seit 1938 mussten Häftlinge des KZ Neuengamme unter lebensfeindlichen Bedingungen schuften, um in dem dortigen Klinkerwerk dringend benötigte Baustoffe zu produzieren, die für Zwecke des Luftschutzes und der Behebung von Bombenschäden zum Einsatz kommen sollten. Als die Intensität des Bombenkrieges zunahm, wurden über das ganze Stadtgebiet verteilt dezentrale Zwangsarbeiter-Lager eingerichtet, um die Arbeitskräfte zeitnah an den Einsatzorten bereitstellen zu können.
Zwangsarbeit spielte vor allem in denjenigen Bereichen der Sofortmaßnahmen eine entscheidende Rolle, in denen die physische oder psychische Belastung für deutsche Arbeitskräfte eine Belastung der allgemeinen Kriegsmoral hätte bewirken können. Zugleich handelte es sich um Tätigkeiten, die weder ein ausgeprägtes Fachwissen voraussetzten, noch sicherheitsrelevante Bereiche der Kriegswirtschaft berührten. Daher griff man vor allem bei der Bergung der Leichen und bei der Schutt-Beseitigung verstärkt auf Zwangsarbeiter zurück. Es ist daher davon auszugehen, dass die Wiederherstellung der Lebensgrundlagen nach dem Feuersturm durch den Einsatz der Zwangsarbeiter erheblich erleichtert und beschleunigt wurde. Daher ist es an der Zeit, die Arbeit dieser Menschen bei der Erinnerung an die Bombenangriffe angemessen zu würdigen.
Irische Geschichte, Teil 5: Bürgerkrieg und Spaltung
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Soldaten der irischen Armee auf einem Schiff |
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Regierungstruppen |
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Denkmal für die erschossenen IRA-Kämpfer in Ballyseedy |
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Kevin O'Higgins |
Sinn Féin Plakat gegen die RUC |
Literaturhinweise:
T. R. Dwyer - Michael Collins
Michael Collins (DVD, Spielfilm)
The Wind that shakes the Barley (DVD, Spielfilm)
Bildnachweise:
Soldaten auf Schiff - National Library of Ireland on The Commons (gemeinfrei)
Regierungstruppen - unknown - personal collection (gemeinfrei)
Ballyseedy - Patrick McAleer (CC-BY-SA 2.5)
Kevin O'Higgins - unbekannt (gemeinfrei)
Plakat - Ógra Shinn Féin (CC-BY-SA 3.0)
Quelle: http://geschichts-blog.blogspot.com/2013/06/irische-geschichte-teil-5-burgerkrieg.html
Gedenkstättenbesuche brauchen Kontext
Gedenkstätten an Orten von NS-Verbrechen zu besuchen, ist eine außergewöhnliche pädagogische Aufgabe. Die Vorbereitung der Lerngruppe ist von zentraler Bedeutung.
Quelle: http://lernen-aus-der-geschichte.de/Online-Lernen/content/11296
Bern Lecture on Digital Heritage II
Olia Lialina über “Aging Online — Eternal Present and Perpetual Future in Digital Culture”
Zu Gast bei der zweiten Bern Lecture on Digital Heritage ist Olia Lialina, Netzkünstlerin der ersten Stunde und Professorin an der Merz Akademie in Stuttgart. Sie wird in ihrem Vortrag über Alterungsphänomene und Temporalität im Internet und seinem Umfeld sprechen.
Titel: Aging Online — Eternal Present and Perpetual Future in Digital Culture
Datum: Fr. 05.07.2013 um 17:30 Uhr
Ort: Hochschule der Künste Bern, grossen Aula (Fellerstrasse 11, CH – 3027 Bern; Haltestelle: Bümplitz Nord)
Sprache: Englisch
Eintritt: frei
Die Veranstaltung findet im Rahmen des Jubliäumsjahres 10 Jahre HKB statt und ist dem MAS PDACH assoziiert.
Quelle: http://dhd-blog.org/?p=1897
Bilder des Bundesarchivs zum Puzzlen
Über den Webauftritt “CC PLAY” können Personen und Momente der deutschen Geschichte spielerisch erlebt werden.

Im Rahmen der inzwischen beendeten Kooperation von Bundesarchiv und Wikimedia Deutschland e.V. wurden zehntausende Fotos des Bundesarchivs unter der Creative Commons (CC)-Lizenz 3.0 by-sa der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Aus diesem Fundus hat das Kölner Game Studio the Good Evil zahlreiche Bilder ausgewählt und das kostenlose digitale Puzzle-Spiel “CC PLAY” entwickelt.
Auf ungewöhnliche Weise erfahrbar werden so weite Teile der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Herausragende und alltägliche, heitere und sehr dunkle Momente u.a. aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Sport: “Vom Hitlerputsch 1923 bis zur Birkensafternte in Colditz 1985″. Probieren Sie es aus!