Geschichte im Brennglas: Der Erste Weltkrieg und das Rheinland

MoRa_Schleper

Auch 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs gibt es keine eindeutige Antwort auf die Frage, wer oder was ihn ausgelöst hat. Das Verbundprojekt “Mitten in Europa – Das Rheinland und der Erste Weltkrieg” des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) geht dieser Frage in zahlreichen Forschungsprojekten und Events nach. Das “Rheinland als Brennglas” steht dabei als begehrtes, zentrales Gebiet in Europa im Fokus der Untersuchungen zu “Aggression und Avantgarde”.

Dr. Thomas Schleper, Leiter des Verbundprojektes, sprach auf der 7. Geschichtsmesse in Suhl für “MONTAGSRADIO – Vor Ort” mit Miriam Menzel und Patrick Stegemann über die Hintergründe und Ziele von “Mitten in Europa”, dem ersten kulturellen Großprojekt des LVR.

Die Reihe “MONTAGSRADIO – Vor Ort in Suhl” wurde gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Für einen schnellen Überblick: die Timeline zum Gespräch mit Dr. Thomas Schleper

0:56 Ziele des Projekts?

1:44 Rolle des Rheinlands für den Ersten Weltkrieg?

5:30 Ähnelt 2014 1914?

6:44 Spielen Parallelen eine Rolle?

7:40 Erinnerungskultur: Nationale Angelegenheit oder europäisch denkbar?

9:10 Erinnerungsprojekte anleiten und austauschen?

10:10„Erinnern an 1914“ in unterschiedlichen Nationen

12:21 Unterschiedliche Erinnerungen im vielfältigem Europa

13:06 Wer soll in Deutschland Erinnerung antreiben?

15:50 Einfluss der deutschen Kriegsschuld auf die Erinnerung

17:11 Soll das Projekt die Erinnerung an 1914 ändern?

19:47 Historischer Kontext des Epochenjahrs 1914

21:04 „Aggression und Avantgarde“ (Begriff zu 1914) heute

22:04 „Das Zeitalter der Extreme“?

23:15 Projekt: Meinungsdiktatur oder Sinnsynthese?

24:03 Montagsradio-Fragebogen

Quelle: http://www.montagsradio.de/2014/06/27/geschichte-im-brennglas-der-erste-weltkrieg-und-das-rheinland/

Weiterlesen

Unterschiede zwischen Nord und Süd (II)

Im ersten Teil dieser losen Serie (Unterschiede zwischen Nord und Süd (I)) wurden Differenzierungen zwischen Nord- und Süchina betrachtet, die in der chinesischen Sprache gleichsam zu stehenden Wendungen geworden sind.

Der chinesische Literaturwissenschaftler Jiang Kanghu 江亢虎 (1883-1954), der unter anderem 1930-1933 an der kanadischen McGill University tätig war, widmete sich in seiner 1935 erschienenen Einführung in die Geschichte der chinesischen Kultur[1] den Unterschieden zwischen Nord- und Südchina. Jiang schrieb, dass diese Unterschiede schon im Wesen der Menschen deutlich zutage treten würden. Während die Bevölkerung Nordchinas als „dull, slow, conservative, and stubborn“ charakterisiert werden könne, wären die Südchinesen „clever, quick, more radical, but less stable.“ Auch im Zusammenhang mit der äußeren Erscheinung der Menschen sah er deutliche Unterschiede: die Nordchinesen wären „usually tall, heavy, and strongly built“, während man die Südchinesen als „comparatively small in size“ bezeichnen könnte. Der Norden habe mehr Gelehrte hervorgebracht, aus dem Süden dagegen wären eher die Literaten („more belles lettres writers“) gekommen. Einer eher materialistischen Philosophie im Norden stehe eine mehr idealistische Philosophie im Süden Chinas gegenüber. Für den Bereich der traditionellen chinesischen Kampfkunst (wushu 武術) nannte Jiang folgende Unterschiede: im Norden eher „offensive and active“, im Süden eher „defensive and passive“. Im Hinblick auf die Herkunft von Persönlichkeiten in Geschichte und Politik formulierte Jiang das folgende Modell: während die Mehrheit der Dynastiengründer aus dem Norden stammte, kamen die bedeutenden Staatsmänner überwiegend aus dem Süden – eng damit verknüpft und in diesem Sinne auch logisch erscheint seine letzte Gegenüberstellung: während Nordchina „more military leaders“ hervorgebracht habe, stammten aus dem Süden Chinas „more political leaders“. [2].

Offen bleibt, auf welche Quellen Jiang für diese Zusammenstellung zurückgegriffen hat: handelte es sich dabei ausschließlich um in der chinesischen Tradition fest etablierte Zuschreibungen oder griff er zur Veranschaulichung der Unterschiede auch auf “westliche” Darstellungen zurück?

  1. Kiang Kang-hu [Jiang Kanghu]: Chinese Civilization. An Introduction to Sinology (Shanghai: Chung Hwa Book Co. Ltd., 1935) 94.
  2. Alle Zitate ebd.

Quelle: http://wenhua.hypotheses.org/1197

Weiterlesen

Facebook hui / Twitter pfui? – Die Integration von Social Media in Kommunikationskonzepte kultureller Veranstaltungen

 

An Twitter scheiden sich die Geister. Während beispielsweise die ARD-Filmreihe „Tatort“ bereits frühzeitig zu einem Paradebeispiel dafür wurde, wie kollektiv via Hashtag (#tatort) auf Twitter zu einem Ereignis diskutiert wird, zielen heute immer mehr Medien, aber auch Kulturinstitutionen ganz bewusst auf die Einbindung des Publikums über diesen Social Media Kanal. Eines der jüngsten Beispiele ist der Digitalsender EinsPlus, der bei der Übertragung des Eurovision Song Contest 2014 die Twitter-Wall gleich mit auf den Bildschirm holte und so das Second Screen-Verhalten forcierte, um Zuschauer interaktiv […]

 

 

Quelle: http://musermeku.hypotheses.org/1200

Weiterlesen

Von Köln über Barcelona zur DDR-Geschichte

Weinert

Es ist die quälende Ungewissheit, die der Film “Die Familie” von Stefan Weinert so plastisch darstellt. Weinert erzählt die Geschichte der Familien von Mauertoten. Bis heute wissen manche von ihnen nicht, was ihren Söhnen, Ehemännern oder Brüdern tatsächlich zugestoßen ist.

Auf der 7. Geschichtsmesse in Suhl präsentierte Weinert seinen Film “Die Familie”. Im “MONTAGSRADIO – Vor Ort” spricht er mit Miriam Menzel und Patrick Stegemann über seinen Weg vom Schauspieler zum Filmemacher und erklärt, warum er erst von seiner Heimatstadt Köln nach Barcelona gehen musste, um sich intensiver mit der DDR auseinanderzusetzen.

Der Film “Die Familie” wurde mittlerweile mit dem “Cinema for Peace”-Award ausgezeichnet, hier ein visueller Vorgeschmack.

Die Reihe “MONTAGSRADIO – Vor Ort in Suhl” wurde gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

 

Für einen schnellen Überblick: die Timeline zum Gespräch mit Stefan Weinert

0:35 Worum geht’s im Film “Die Familie”?

1:34 Wie kamst du zu den Protagonisten?

2:45 Vom Schauspiel zur Zeitgeschichte

7:00 Probleme als Westdeutscher und “Aufarbeitungsneuling”

12:00 Klassische Dokumentarfilme sind alle gleich – mit diesen Rezeptionsgewohnheiten möchte Weinert brechen.

13:00 Weinert vertraut der Kraft der Zeitzeugen.

15.20 Wie hält man als Filmemacher das Leid der Zeitzeugen aus, das im Film ja so eine große Rolle spielt?

17.45 Was ist die Grenze der Brutalität, die im Film gezeigt werden kann?

19.10 Was leistet der Film eigentlich?

22:00 “Cinema for Peace”-Award, aber kein Sendeplatz im deutschen Fernsehen!?

23:20 Wie kommt Film international an?

27:20 Der Film funktioniert in Spanien besser als in Westdeutschland – entscheidend ist die Diktaturerfahrung, nicht die regionale Nähe.

34:00 Montagsradio Fragebogen

35:00 Stefan Weinerts Filmempfehlung: “Die Wohnung”.

Quelle: http://www.montagsradio.de/2014/04/14/von-koeln-ueber-barcelona-zur-ddr-geschichte/

Weiterlesen

Farben machen Leute (II): Masken auf der Bühne

Im traditionellen chinesischen Singspiel (“Oper”) erlauben die Farben der Masken Rückschlüsse auf den den einzelnen Rollen zugeschriebenen Charakter. Die folgenden Notizen geben lediglich einen ersten Überblick[1], bedürfen aber wohl noch der Ergänzung und gegebenenfalls mancher Präzisierung und Korrektur.[2].

Ist das Gesicht des Darstellers hinter einer roten Maske verborgen, so wird damit die Rolle des positiven Helden assoziiert, oft ist dies ein Hinweis auf den Kriegsgott Guandi.[3]. Die Farbe Purpur steht einerseits für Pietät, andererseits aber auch für “ruhige, loyale Beamte”.[4]

Blau kennzeichnet die Darsteller “ruchloser und verbrecherischer Personen”[5], es kann aber auch ein Gespenst symbolisieren.[6]

Ein mattes Weiß lässt auf “eine verbrecherische, gerissene, aber in angesehener Stellung befindliche Person”[7] schließen.  Die so dargestellten Charaktere gelten als besonders hinterlistig und werden als “Tofugesichter” bezeichnet – in Anspielung auf die weißgelbe Farbe, die dem “Bohnenkäse” eigen ist.[8]. Die Farbe Schwarz hingegen steht für eine “grobe, aber ehrliche Person.”[9]

Die Farbsymbolik der Masken hat auch Niederschlag in einigen Redewendungen gefunden: so bezeichnet bai bizi 白鼻子 (d. i. “weiße Nase”) eine hinterlistige Person. Ähnliche Beispiele sind chang heilian 唱黑臉 (“eine schwarze Maske tragen”, d.i. “ungeachtet der freundschaftlichen Beziehungen offen und aufrichtig reden”) und chang honglian 唱紅臉 (“eine rote Maske tragen”, d.i. “den Großzügigen und Wohlgesinnten spielen”).[10]

  1. Der Artikel “Pekingoper” des am Ostasieninstituts der Hochschule Ludwigshafen am Rhein erstellten  Ostasienlexikons fällt hinsichtlich unseres Aspekts – und auch nach Korrektur der Wortstellung – eher dürftig aus: “Ein ganz weißes Gesicht besagt, dass die Figur böse ist. Ein rotes Gesicht soll den Mut der Person hervorheben. Ein schwarzes Gesicht ist ein normales [?] Gesicht. Ein weißer Fleck auf der Nase bedeutet, dass die Person komisch ist.”
  2. Kurze Überblicke auch bei Ronald G. Knapp, Michael Freeman: Things Chinese. Antiques – crafts – collectibles (Tokyo/Rutland VT/Singapore 2011) 118 f. (‘Opera Masks’
  3. Vgl. Wolfram Eberhard: Lexikon chinesischer Symbole. Die Bildsprache der Chinesen (München, 5. Aufl. 1996) 245 (“Rot”).
  4. Ebd., 177 („Lila“ [zi 紫]).
  5. Djin Ping Meh. Schlehenblüte in goldener Vase. Ein Sittenroman aus der Ming-Zeit. Herausgegeben und eingeleitet von Herbert Franke. Bd. 6: Kommentare (Berlin/Frankfurt a. M. 1987) 141 f. (53a).
  6. Eberhard: Lexikon chinesischer Symbole, 40 („Blau“).
  7. Djin Ping Meh, Bd. 6, S. 142 (53a).
  8. Eberhard: Lexikon chinesischer Symbole, 301 („Weiß“).
  9. Djin Ping Meh, Bd. 6, S. 142 (53a).
  10. Vgl. dazu Fan Yanqian: Farbnomenklatur im Deutschen und im Chinesischen. Eine kontrastive Analyse unter psycholinguistischen, semantischen und kulturellen Aspekten (Frankfurt a. M. 1996) 262 (mit Anm. 363) und ebd. 270 Anm. 380.

Quelle: http://wenhua.hypotheses.org/1082

Weiterlesen

Der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2014 in Hamburg

Am 27. Januar 2005, anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im Jahr 1945, verabschiedete das Parlament der Europäischen Union die „Entschließung zum Gedenken an den Holocaust sowie zu Antisemitismus und Rassismus“.1 Bereits seit dem Jahr 1996 ist der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus” in Deutschland ein gesetzlich verankerter Gedenktag.2 Der Holocaust-Gedenktag ist über die Jahre in Deutschland zu einem festen Bestandteil der nationalen Erinnerungskultur geworden, zu dem jedes Jahr eine Vielzahl von Gedenk-, Bildungs- und Kulturveranstaltungen stattfinden. […]

Quelle: http://musermeku.hypotheses.org/944

Weiterlesen

Wenn Bilder plötzlich lächeln

Blick in den Ausstellungsraum: „Fotografien berühren“, ein Projekt des Ethnologen Michael Kraus und des Szenografiebüros chezweitz

Die Fotografie als scheinbar objektive Darstellungsform gewann im 19. Jahrhundert sowohl qualitativ als auch quantitativ rapide an Bedeutung. Dabei erschien das Medium auch als optimal, um Informationen über andere Kulturen und Völker zugänglich zu machen. Das Ethnologische Museum Berlin-Dahlem besitzt eine stattliche Sammlung entsprechender Aufnahmen von Forschungsreisenden aus zahlreichen Nachlässen, Ankäufen oder Schenkungen. Allein aus Lateinamerika befinden sich über 6000 Stück –  entstanden zwischen 1868 und den 1930er-Jahren – in der Sammlung.

„Fotografien berühren“ lautet der Titel der aktuellen Ausstellung in Dahlem, die sich zum Ziel gesetzt hat, eben jene Fotografien aus Lateinamerika neu zu erschließen und dabei nicht die Forschungsreisenden oder Entdeckungen in den Fokus zu rücken, sondern die Abgebildeten.

Die Präsentation entstand in Kooperation des Ethnologischen Museums mit dem Museum für Asiatische Kunst in Berlin-Dahlem und ist Teil der dritten sogenannten Probebühne des Humboldt Lab. In Vorbereitung auf den Umzug der beiden Museen und ihrer Sammlungen in das im Bau befindliche Berliner Stadtschloss experimentieren Kuratoren und Gestalter mit neuen Ausstellungsformen, die vor allem neue Perspektiven auf die Sammlungen ermöglichen sollen.

[...]

Quelle: https://www.visual-history.de/2013/12/12/wenn-bilder-ploetzlich-laecheln/

Weiterlesen

Kulturgeschichte Chinas im Netz (III)

In loser Folge werden Webseiten präsentiert und rezensiert, die sich mit der Kulturgeschichte Chinas im weitesten Sinne beschäftigen. Vgl.  “Kulturgeschichte Chinas im Netz (I)” und “Kulturgeschichte Chinas im Netz (II)”.

Das “Mission Statement” des am Ostasieninstitut der Hochschule Ludwigshafen am Rhein erstellen Ostasienlexikons, als dessen Zielgruppe “weniger die Fachgelehrten als die interessierte Öffentlichkeit” definiert wird, kann auch vielen geisteswissenschaftliche Blogs als Anregung dienen:

“Gibt es nicht bereits umfangreiche China- und Japanhandbücher, die von Fachleuten zusammengestellt wurden? Ja, die gibt es, aber sie wurden eben von Experten geschrieben, denen es oft nicht bewusst ist, dass Laien ihnen nicht immer folgen können. Oft verschwindet das Wesentliche auch unter der Fülle an Information.”[1]

Unter der Rubrik “Neue Artikel” finden sich derzeit Informationen zu den so genannten “Heiligen Bergen Chinas”[2].

Für die Kulturgeschichte Chinas wird man beim Zugriff über die alphabetische Liste rasch fündig – ganz unabhängig davon, ob man die Durchsicht bei A wie “Abakus” (chinesisch suanpan 算盤, Rechenbrett) oder bei Z wie “Zweihundertfünfzig” (erbaiwu 二百五, chinesisches Schimpfwort) beginnt.

Am Ende der einzelnen Artikel werden Querverweise auf verwandte Begriffe beziehungsweise auf die der jeweiligen Kategorie zugeordneten Stichwörter gegeben. Bei “Abakus” sind dies “Alltagsgegenstände” wie Essstäbchen, Fächer, Rückenkratzer und dergleichen. Bei “Zweihundertfünfzig” sind dies “Redewendungen und Redensarten” wie ganbei 乾杯(Prost, Prosit) oder renao 熱鬧 (belebt).

Der Artikel Bauernkalender führt zu weiteren Informationen über Feste und Feiern im Jahresverlauf sowie zu den zwölf Tierkreiszeichen. Die Querverweise unter Tierkreis führen zu einigen zentralen Begriffen für die Kultur(geschichte) Chinas. Unter der ziemlich plakativ betitelten Rubrik “Parawissenschaften und Aberglaube” werden unter anderem Feng Shui, Fünf Elemente, “I Ging”, Orakel, Tetraphobie, sowie Yin und Yang zusammengefasst.

Das Ostasienlexikon ermöglicht rasche Orientierung bei einer Vielzahl von Themen und Begriffen. Alle “Einträge” des Lexikons sind in den alphabetischen Listen mit einer kurzen Erklärung versehen. Bei vielen Stichwörtern und manchen Erklärungen, so etwa bei der Herkunft des Wortes Mandarin, wären weiterführende Literaturhinweise hilfreich und wünschenswert – trotz oder gerade wegen der intendierten Zielgruppe!

  1. “Was will dieses Ostasienlexikon?”, http://www.oai.de/de/publikationen/ostasienlexikon.html
  2. Zu diesem Thema vgl. auch zwei Beiträge auf De rebus sinicis: “Die vier berühmten Berge des Buddhismus” und “Der Kult der fünf Berge”.

Quelle: http://wenhua.hypotheses.org/865

Weiterlesen

Heute vor 75 Jahren – Ein Mikroblog über den 9. November 1938

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 eskalierte die Gewalt gegen die jüdische Bevölkerung im gesamten “Deutschen Rech”. Die sogenannte “Reichspogromnacht” oder auch “Kristallnacht” hatte die Zerstörung von 267 Synagogen sowie von fast 7.000 jüdischen Gemeindehäusern, Geschäften und Wohnhäusern zur Folge. In den Folgetagen setzten sich gewalttätige Übergriffe gegenüber Juden fort; knapp 30.000 jüdische Bürger wurden in Zusammenhang mit den Novemberpogromen verhaftet und in die Konzentrationslager Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald inhaftiert. Im Jahr 2013 jähren sich die Novemberpogrome nun zum 75. […]

Quelle: http://musermeku.hypotheses.org/813

Weiterlesen

Wissen suchen, finden und vernetzen – die Fachtagung “Semantische Technologien“ im Rückblick

Titelbild "Semantic Media Web"

Titelbild “Semantic Media Web”

Unter dem Titel „Verwertungsstrategien und Konvergenz von Metadaten” organisierten das deutsch-österreichische W3C-Büro und die Xinnovations e. V. in Zusammenarbeit mit dem Innovationsforum Semantic Media Web vom 26. bis 27. September 2013 in Berlin die Fachtagung “Semantische Technologien”, die sich mit der Nutzbarkeit semantischer Technologien für die Kultur- und Medienbranche befasste. Dabei waren Institutionen im Allgemeinen, wie Verlage, Museen und Bibliotheken, ebenso Thema wie die Bereiche Projektdokumentationen, Werbung und Marketing im Speziellen.

Der Umfang des im Internet verfügbaren Fachwissens ist in den letzten Jahren immens gewachsen, jedoch zu wenig sortiert und aufbereitet, um gut damit arbeiten zu können. Hier setzen die Technologien des semantischen Internet, genannt Web 3.0, an. Sie sollen Inhalte jeglicher Art durch Metadaten kategorisieren und in Hierarchien einordnen, um eine (möglichst einheitliche) Verknüpfung des verfügbaren Wissens und damit dessen bessere Zugänglichkeit und Anwendbarkeit zu ermöglichen.

Zentrale Fragestellung der Konferenz war es, die Möglichkeiten der Umsetzung und Nutzung solcher semantischer Daten, die Beziehungen, Kontexte und Bedeutungen von Daten erzeugen, für Kultur- und Medienbetriebe aufzuzeigen. Genutzt wird deren Aufbereitung z.B. bereits von der Deutschen Nationalbibliothek und dem Bundesarchiv, um ihre Wissensressourcen im Internet zur Verfügung zu stellen und Recherchen zu erleichtern. Die Querverlinkungen helfen hier, sich Überblick über komplexe Themenfelder und verwandte Beiträge, Bücher oder Dokumente zu verschaffen. Auch stehen die Digitalisierung von Museums- oder Archivsammlungen, wirtschaftliche Bereiche wie Bestandsaufnahmen und Vertrieb sowie bei Bibliotheken die Aufbereitung für Online-Kataloge im Mittelpunkt. Hier bringt die Nutzung semantischer Metadaten viele Vorteile und Vereinfachungen des Workflows mit sich, wie die Referenten der Fachkonferenz darlegten. Zu ihnen gehörten Alexander Haffner (Deutsche Nationalbibliothek) und Ina Blümel (TIB Hannover) als Bibliotheksvertreter, Dr. Jana Kittelmann (Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park & Schloss Branitz) mit dem Schwerpunkt Archiv, Antoine Isaac als Stellvertreter von Europeana sowie Bettina de Keijzer (Verlag de Gruyter), Steffen Meier (Verlag Eugen Ulmer, Arbeitskreis elektronisches Publizieren des Börsenverein des Deutschen Buchhandels) und Ronald Schild (Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH), die sich mit dem Thema Verlag & Buchhandel beschäftigen.

In den Beiträgen und Diskussionen wurde deutlich, dass die übergreifende Verknüpfung semantisch aufbereiteter Daten über einzelne Firmen und Institutionen hinaus noch kaum Anwendung findet. Dabei sollen neben basic data wie Autor oder Umfang eines Buches die Inhalte selbst systematisiert werden, um die Nutzung von weiterreichenden, sogenannten enhanced Data, zu ermöglichen und zum Ausgleich Wissen, Kundensympathie oder wirtschaftlichen Output zurückzubekommen. So machte Roland Schild deutlich, dass Verlage z.b. ihren Service im Social Web mit Semantik verbessern können, um ihren Kunden bei der Suche nach ähnlichen Produkten und auf diese Weise sich selbst bei der Umsatzsteigerung zu helfen. Hierfür wird das Semantic Web bisher aber kaum genutzt.

Zugleich gibt es zwischen Verlagen und Bibliotheken nur wenig Zusammenarbeit in Bezug auf die einheitliche Zuordnung von Büchern und deren Inhalten zu festen semantischen Begrifflichkeiten oder Kategoriesystemen. Gleiches gilt für Archive oder Museen, die ihre Sammlungen digitalisieren. Auch sie behandeln die weiteren Kontexte der Exponate meist nur marginal und verwenden keine über-institutionellen semantischen Begriffssysteme. Solche könnten helfen, beispielsweise passende Stücke für Sonderausstellungen oder fachliche Zusatzinformationen zu Vergleichsbeispielen oder historischen Kontexten zu finden. Interessant können Metadaten auch für die Dokumentation von Projektprozessen sein, um die Auswertung und das Vermeiden von Fehlern zu verbessern. Beispielhaft präsentierte Prof. Dr.-Ing. Ernesto De Luca hierfür das Projekt SemRes, das Semantic für die tägliche Arbeit von Restauratoren nutzbar macht, um diese zugunsten der späteren Nachvollziehbarkeit dauerhaft zugänglich und leichter austauschbar zu gestalten.

Für die Erstellung und Etablierung solcher Schlagwort-Hierarchien, die allgemeingültig sein und damit von Bibliotheken, Verlagen, Museen und Wissenschaftlern gleichermaßen verstanden und genutzt werden sollen, gibt es bereits Ansätze. U.a. von W3C (World Wide Web Consortium) wurden grundlegende semantische Systeme entwickelt, die jede Institution für die eigenen Projekte nutzen kann. Forschungen kommen bisher vor allem aus Philologie und Linguistik und setzen sich mit dem Stand von Mehrsprachigkeit, Begriffsbedeutungen und eindeutiger Verständlichkeit auseinander, stellen in Bezug auf computerlinguistische Semantik derzeit aber noch ein recht kleines Forschungsfeld dar. Ein Desiderat sind die Auseinandersetzung mit diesem Problem in den einzelnen Fachbereichen und die Entwicklung von entsprechenden Thesauri. Hier ist es den Fachwissenschaftlern besser möglich, ihr Wissen zu systematisieren, als Experten aus der Sprachforschung oder Informatik ohne umfangreiche Kenntnisse der jeweilgen Wissenschaft.

Nutzbar ist semantische Aufbereitung auch für Bilder und Videos im Kontext von Marketing und Medien, Marken- und Konkurrenzanalysen. Dies ist für jede Institution interessant, die Videos oder Fotos für Ausstellungen oder PR benutzt. Wenn sie inhaltlich Ausstellungen, Aufführungen oder Publikationen zugeordnet werden können, erhöht sich ihre Nutzbarkeit. Beispielhaft präsentierte Felix Daub von Klickfilm die semantische Verknüpfung von Inhalten eines Videos mit Produkten oder Websites, um interessierte Kunden direkt anzusprechen. Dies kann mit Büchern ebenso geschehen, wie mit Sehenswürdigkeiten, Kunst oder historischen Hintergrundinformationen. Interessant sind auch semantische Websites, wie sie Dr. Thomas Hoppe von der Ontonym GmbH in der Theorie und Armin Berger von der 3pc GmbH in der Praxis präsentierten. Hierbei werden die Inhalte über Schlagworte und Kontexte in Erzählsträngen dargestellt und dem Besucher die Möglichkeit gegeben, diese je nach den eigenen Interessen selbst zu erforschen. Dieses Storytelling eignet sich besonders für Kulturinstitutionen, die damit ihre eigene Geschichte ebenso wie die Hintergründe einzelner Ausstellungen, Stücke oder Werke umsetzen können. Zugleich können auch bei Apps mehrdimensionale Datenstrukturierungen anschaulich gemacht und Zusammenhänge über mehrere Punkte erklärt werden. Diese Möglichkeiten sind aber noch in der Entwicklung begriffen und vor allem in Bezug auf dynamische, regelmäßige befüllte Webseiten noch nicht ausgereift.

Insgesamt machte die Tagung die Nutzungsmöglichkeiten des Semantic Web für Kulturunternehmen zwar deutlich, zeigte aber auch die noch vielfach bestehenden Probleme auf. Dies liegen derzeit primär in der Entwicklung von einheitlichen Hierarchien und Begrifflichkeiten sowie der daran geknüpften automatisierten Aufbereitung semantischer Daten und Verknüpfung der Projekte einzelner Institutionen. Auch die Aufbereitung und Anwendbarkeit semantischer Daten in Forschungs- oder Kultureinrichtungen für spezifische Inhalte und nicht-textuelle Digitalisate stellen noch große Komplikationen dar und sind ohne zusätzliches Budget und informatische Fachkenntnisse bisher kaum umsetzbar. Deutlich wurde dies an den Teilnehmern und Diskussionen der Fachtagung, die sich vorrangig mit Computerlinguistik und Programmierung beschäftigten. So wurde bereits das Web 4.0 als Pragmatic Web thematisiert, während es gerade in den Kultur- und Geisteswissenschaften vielfach noch Probleme beim richtigen Umgang mit dem Web 2.0 und größere Schwierigkeiten beim Zugang zur Anwendbarkeit des Web 3.0 gibt.

Quelle: http://kristinoswald.hypotheses.org/1102

Weiterlesen