“Karl der Große – Pater Europae?” Empfehlung für das Mooc Production Fellowship
Als Blog für mediävistische Forschung und Rezeptionsgeschichte, das sich die Vermittlung von Wissenschaft im Open Access von Beginn an auf die Fahnen geschrieben hat, ist es nur selbstverständlich, dass wir das MOOC Production Fellowship für eine sehr gute Sache halten.
MOOC, das bedeutet ”Massive Open Online Courses” – also eine hervorragende Möglichkeit, vielen Menschen gleichzeitig und offen Wissen zu vermitteln. Im Rahmen des Mooc Production Fellowship, einer Initiative der Bernauer iversity GmbH und des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft werden innovative Konzepte für solche Online-Kurse gefördert. 253 Kurse stehen zur Auswahl, bis zu 10 Projekte werden gefördert, die Abstimmung läuft.
Zugegeben, es ist recht spät, die Frist für die Abstimmung läuft heute Mittag (12 pm CEST) ab. Quasi “auf den letzten Drücker” möchten wir aber hiermit eine Empfehlung aussprechen.
Von den 25 Kursen, die im Bereich Sprach- und Kulturwissenschaften zur Auswahl stehen, liegt uns der Kurs von Rainer Leng, “Karl der Große – Pater Europae?” am Herzen. Lassen wir den Stuttgarter Mediävisten selbst zu Wort kommen:
“Der Kurs erklärt die Bedeutung Karls des Großen für die Geschichte Europas. Im Zentrum stehen Quellen und Forschungen zur Herrschaft Karls, zu den Strukturen seines Reiches und zu seiner Rolle als “Pater Europae”. Ziele sind vertiefte Kenntnisse zu einem zentralen Abschnitt mittelalterlicher Geschichte und Befähigung zu einem kritischen Urteil.”
Dies und noch viel mehr ist hier, in der offiziellen Vorstellung des Kurses zu erfahren. Dort kann auch gleich abgestimmt werden – am besten gleich, denn die Frist läuft wie dargelegt in wenigen Stunden ab!
Zur Liste aller zur Abstimmung stehenden Kurse geht es hier entlang.
Türkenkrieg und Medienwandel im 15. Jahrhundert

Grabmal Pius’ II. in Sant’Andrea della Valle, Rom
(Foto: T. Y. Döring 2012)
1000 Worte Forschung: Dissertation (Mittelalterliche Geschichte) LMU München, abgeschlossen im Januar 2012
In der frühneuzeitlichen Forschung gilt es seit Winfried Schulzei als erwiesen, dass der Buchdruck im 16. Jahrhundert die Bildung einer politischen Öffentlichkeit und öffentlichen Meinung zum Türkenkrieg entscheidend förderte. Für die Zeit ab 1501 liegt dazu mit Carl Göllnersii Repertorium „Turcica“ außerdem ein grundlegendes Nachschlagewerk vor. Trotz der bemerkenswerten zeitlichen Koinzidenz zwischen der Eroberung Konstantinopels 1453 und der Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern ist der Zusammenhang von Türkenkrieg und Medienwandel im 15. Jahrhundert jedoch nur ansatzweise erforscht.iii
Meine Dissertation ging daher der Frage nach, ob die Beschäftigung mit dem osmanischen Feind bereits im 15. Jahrhundert in eine engere Verbindung zur Nutzung der neuen Drucktechnik gebracht werden kann, und wenn ja, wie sich ein solcher Zusammenhang in den ersten ca. 50 Jahren gestaltete.
Da eine Göllner vergleichbare Sammlung für das 15. Jahrhundert fehlte, habe ich zunächst die überlieferten Türkendrucke, die seit der Erfindung des Druckens mit beweglichen Lettern bis einschließlich zum Jahr 1500 in Europa erschienen sind, katalogisiert. Dieser Katalog umfasst 843 Ausgaben und macht eine Kernaussage meiner Arbeit augenfällig: Die große Anzahl an noch erhaltenen Druckausgaben und Exemplaren weist dem Türkenkrieg einen festen Platz in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion des 15. Jahrhundert zu und lässt deutlich erkennen, über welches Medium die Türkenproblematik bald bevorzugt be- und verhandelt wurde.
Diesen Katalog habe ich unter rezeptions- und überlieferungsgeschichtlichen Fragestellungen ausgewertet und den Türkenkrieg als „Medienereignis“ im ersten halben Jahrhundert vor dem Umbruchsjahr 1500 verfolgt. Die rein zahlenmäßige Auswertung führte im Vergleich mit der gesamten Drucküberlieferung des 15. Jahrhunderts zu einer aufschlussreichen Beobachtung: Neben einer kontinuierlichen Druckproduktion zu den Türken zeigt die statistische Verteilung immer wieder Peaks, die die aktuelle militärische Situation spiegeln. Wichtige Ereignisse der osmanischen Expansion wurden unmittelbar im Druck reflektiert.
Türbe Mehmeds II. in Istanbul
(Foto: T. Y. Döring 2011)
Sie wurden zum Teil eines „Medienereignisses“ (gemacht), das den Krieg gegen die Türken mit Hilfe der neuen technischen Möglichkeiten aufbereitete. Ein Überblick über die Druckorte bestätigte die Vermutung, dass Druckereien im Reich nördlich der Alpen und in Italien, also in den Regionen, in denen der Türkenkreuzzug besonders fieberhaft propagiert wurde, verstärkt Türkendrucke produzierten. Die Verteilung der Sprachen, in denen die Drucke verfasst sind, korrespondiert mit einer Beobachtung zur Hauptproduzentin der Türkendrucke: Fast ¾ aller von mir gesammelten Turcica gehören zum Verwaltungsschrifttum der kirchlichen Hierarchie (Ablässe, Papstbullen, Breven, Steuermandate etc.) und sind daher auf Lateinisch verfasst. Nur ¼ entfällt auf andere Textgenera wie Türkenreden, Türkentraktate, aktuelle Berichterstattung zum Türkenkrieg und literarische Verarbeitungen der Türkengefahr – die Mehrzahl dieser Texte ist allerdings ebenfalls auf Lateinisch verfasst, nur wenig erschien auf Deutsch, Italienisch oder Französisch.
Die Ergebnisse der Statistik perspektivierte ich in vier exemplarischen Studien. Im Fokus standen dabei neben der spätmittelalterlichen Ablasspropaganda die Spannungsfelder Rhetorik, Politik und Druck, Krieg und Medien und Wissen und Medien. Ziel dieser Detailstudien war, Türkenschriften und Druck mit beweglichen Lettern im 15. Jahrhundert in eine sinnvolle Beziehung zueinander zu setzen. Es ging um die historisch-soziale Kontextualisierung der ersten Drucke, um ihre Beziehung zu Kriegsvorbereitung und Kriegspropaganda und um den Medienwandel unter Einbeziehung einer gesamteuropäischen Perspektive. Nach Heraklits Ausspruch vom Krieg als Vater aller Dinge unterzog ich den Türkenkrieg als Triebfeder technischer Innovation und kultureller Kommunikationsprozesse einer kritischen Beurteilung.
Es ist evident geworden, dass sich das über den Gegner Sagbare offenbar auf den (Anti-)Türkendiskurs des 15. Jahrhunderts beschränkte, das heißt, auf die seit 1453 nachdrücklich behauptete Bedrohung ganz Europas durch die osmanischen Türken. Für die gedruckten Texte bedeutete das, dass die Propagierung des Türkenkriegs im Vordergrund stand. Ablässe, Ermahnungen zum Türkenkrieg, polemische Traktate, drastische Schilderungen aus dem Verlauf des Türkenkriegs, Briefe und Reden gegen die Türken gehörten bis 1500 zu den Hauptprodukten der europäischen Pressen. Die wenigen positiven Annäherungen turkophiler Autoren, wie Giovanni Mario Filelfos Heldenepos über Sultan Mehmed II. oder „aufgeklärtere“ Strategien wie das ambitionierte Koranübersetzungsprojekt des spanischen Kardinals Juan de Segovia, gelangten im 15. Jahrhundert nicht zum Druck. Produzenten wie Texte zeigen deutlich, dass der Türkendiskurs im 15. Jahrhundert durch sehr viel ältere religiöse Dynamiken bestimmt war, die auf die hochmittelalterlichen Kreuzzüge, das gelehrte Islambild der Scholastik und den Kampf gegen die Heterodoxie zurückgingen.
Blick in den Festungsgraben am Amboise-Tor, Rhodos-Stadt
(Foto: T. Y. Döring 2012)
Der Türkenkrieg im 15. Jahrhundert hielt sich nicht nur beständig als Thema der Politik – zu dem oft geforderten und lang verhandelten gesamteuropäischen Türkenkrieg ist es bekanntlich nie gekommen – sondern er hielt sich auch beständig im Druck. Während das Interesse von Druckern und Lesern an anderen politisch brisanten Themen wie etwa der Mainzer Stiftsfehde (1459 – 1463) mit der Beseitigung solcher Spannungen schnell erlahmte, war dem Türkenthema eine fast dauerhafte Aktualität beschieden. Das lag zum einen an den Entwicklungen der osmanischen Expansion, die immer wieder eine Konfrontation mit Europa herausforderten, was zu einem regelmäßigen Niederschlag in der Druckproduktion führte; das lag zum anderen aber auch daran, dass spätestens ab dem Krisenjahr 1480, in dem Sultan Mehmed II. nicht nur den Großmeistersitz der Johanniter auf Rhodos belagerte, sondern auch einen Brückenkopf in Unteritalien errichten konnte, auch ohne äußeren Anlass immer wieder Traktate zu den Türken im Druck herausgegeben wurden, die Türken sozusagen zum Objekt eines “klinischen” Interesses wurden.
Meine Arbeit an den Türkendrucken hat gezeigt, dass Türkenkrieg und Buchdruck zukünftig nicht mehr losgelöst von ihren Entwicklungslinien nach 1453, die den Weg zur Konstituierung neuer politisch-religiöser Öffentlichkeiten am Ende des Mittelalters weisen, betrachtet werden können. Denn nicht erst Reformation oder Bauernkrieg im 16. Jahrhundert erweiterten und perpetuierten die bekannten Formen mittelalterlicher Öffentlichkeit, sondern der Türkenkrieg des 15. Jahrhunderts. Abgeleitet vom Terminus der „reformatorischen Öffentlichkeit“ (Rainer Wohlfeil) müsste man wohl von einer „Türkenkriegsöffentlichkeit“ sprechen, die sich im komplexen Verband von politischer Situation, religiösen Strukturen und kulturellen Neuerungen am Ende des Mittelalters herauszubilden begann.
iWinfried Schulze, Reich und Türkengefahr im späten 16. Jahrhundert, Studien zu den politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen einer äußeren Bedrohung, München 1978.
iiCarl Göllner, Turcica. Die europäischen Türkendrucke des XVI. Jh., 3 Bde., Berlin/Bukarest 1961-1978.
iiiVgl. Falk Eisermann, ‘Das kain Babst teutsch zu schreiben phleg’: Päpstliches Schriftgut und Volkssprache im 15. Jahrhundert, in: Zeitschrift für deutsches Altertum und Literatur 134 (2005), 461; Margaret Meserve, News from Negroponte: Politics, Popular Opinion, and Information Exchange in the First Decade of the Italian Press, in: Renaissance Quarterly 59 (2006), 440-480; Dies., Patronage and Propaganda at the First Paris Press: Guillaume Fichet and the First Edition of Bessarion’s Orations against the Turks, in: Papers of the Bibliographical Society of America 97 (2003), 521-588.
Rezensionsüberblick April 2013
Willkommen zu unserem monatlichen Rezensionsüberblick. Wie immer stellen wir einen Überblick über die im letzten Monat erschienenen Online-Rezensionen mit mediävistischem Bezug zur Verfügung. Integriert sind die unten genannten Portale. In diesem Monat neu hinzugekommen ist Concilium medii aevi. Wer weitere aus allen mediävistischen Disziplinen kennt, hilft uns sehr durch einen kurzen Hinweis. Wir wünschen interessante und v.a. zeitsparende Lektüre!
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[en:] Welcome to our review digest! Every month we provide an overview of all online published medieval reviews we can find. The sites mentionend below are included. Newly added this month: Concilium medii aevi. In case we miss some portal for online reviews from all disciplines concerned with medieval studies, please give us a hint. We wish you an interesting, and first of all a timesaving reading!
Per Klick auf den Namen können Sie zum Überblick für das jeweilige Portal springen
H-Soz-u-Kult
Sehepunkte
The Medieval Review
Francia-Recensio
H-Net Reviews
Reviews in History
Histara
ArtHist.net
Ordensgeschichte
Marginalia
Concilium medii aevi
H-Soz-u-Kult:
(Offizielle Homepage: Link)
Erscheinungsweise: ad hoc | frequency of publication: ad hoc
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Sehepunkte (13, 2013, Nr. 3):
(Offizielle Homepage: Link)
Erscheinungsweise: monatlich | frequency of publication: montly
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The Medieval Review:
(Offizielle Homepage: Link)
Erscheinungsweise: ad hoc | frequency of publication: ad hoc
TMR 13.04.01, Herren, ed., The Cosmography of Aethicus Ister (Natalia Lozovsky)
TMR 13.04.02, Smith, The Taymouth Hours (Anne Rudloff Stanton)
TMR 13.04.03, Petts and Turner, eds., Early Medieval Northumbria (Karen Louise Jolly )
TMR 13.04.05 Marchesi, Dante and Augustine (Montemaggi)
TMR 13.04.06 Tracy, Torture and Brutality (van Dijk)
TMR 13.04.07 Young, Crossing Boundaries (Hobbins)
TMR 13.04.08 Powell, Depositions (Serchuk)
TMR 13.04.09 Kaldellis and Krallis, The History: Michael Attaleiates (Treadgold)
TMR 13.04.10 Carlson, John Gower: Poetry and Propaganda (Irvin)
TMR 13.04.11 Fritz, La Cloche et la lyre (Wells)
TMR 13.04.12 Sweeney, Anselm of Canterbury (Novikoff)
TMR 13.04.13 Lauwers, La dîme, l’Église et la société féodale (Bouchard)
TMR 13.04.14 Mudan Finn, The Last Planatagenet Consorts (Hurlburt)
TMR 13.04.15 Bianchini, The Queen’s Hand (Ruiz)
TMR 13.04.16 Blumenfeld-Kosinski and Petkov, Philippe de Mézières (Hobbins)
TMR 13.04.17 Pitcher, Chaucer’s Feminine Subjects (Nakley)
TMR 13.04.18 Kamath, Authorship and First-Person Allegory (Delogu)
We will add the missing links, once we notice that they have been uploaded to the website of TMR itself. Unfortunately there is a certain delay between the distribution via newsletter and the publication online.
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Francia-Recensio: 2013-1
(Offizielle Homepage: Link)
Erscheinungsweise: vierteljährlich | frequency of publication: quarterly
(Since the last volume has not been published as expected in the end of March but in April, we added it belated to our March digest and put it into this April digest as well)
A. Châtelet, Hubert et Jan van Eyck, créateurs de l’Agneau mystique (Jacques Paviot)
T. Pécout, Du castrum au registre et vice-versa (Stefan Weiß)
K. Witthinrich, … si negotio ecclesiae videtur expedire (Jochen Johrendt)
K. Schmuki / F. Schnorr / E. Tremp, Musik im Kloster St. Gallen (Eva-Maria Tralle)
R. Mullally, The Carole (Valeska Koal)
E. Daniel, Abbot Joachim of Fiore and Joachimism (Jürgen Miethke)
M. Bellomo, Il doppio medioevo (Werner Maleczek)
L. Clemens / S. Hirbodian, Christliches und jüdisches Europa im Mittelalter (Dominique Bourel)
D. Pangerl, Die Metropolitanverfassung des karolingischen Frankenreiches (Florence Close)
O. Götze, Der öffentliche Kosmos (Patrick Gautier Dalché)
J. Jarrett, Rulers and Ruled in Frontier Catalonia (Daniel König)
S. Efthymiadis, The Ashgate Research Companion to Byzantine Hagiography (Peter Schreiner)
K. Herbers / P. Rückert, Pilgerheilige und ihre Memoria (Volker Caumanns)
M. McCormick, Charlemagne’s Survey of the Holy Land (Mattia Guidetti)
K. Weber, Die Formierung des Elsass im Regnum Francorum (Gerhard Lubich)
T. Lohse, Die Dauer der Stiftung (Nathalie Kruppa)
A. Sohn, Von der Residenz zur Hauptstadt (Joseph P. Huffman)
S. Patzold, Das Lehnswesen (Felix Grollmann)
H. van Hall, Eijsden, een vrijheid met Luikse stadsrechten (Alexis Wilkin)
D. Berger, Stift und Pfründe (Alexis Wilkin)
F. Close, Uniformiser la foi pour unifier l’Empire (Eugenio Riversi)
J. Schenk, Templar Families (Christian Vogel)
E. Magnou-Nortier, Aux origines de la fiscalité moderne (Olivier Bruand)
P. Linehan, Historical Memory and Clerical Activity in Medieval Spain and Portugal (Adeline Rucquoi)
S. Vaughn, Archbishop Anselm 1093–1109 (Brian Patrick McGuire)
G. Owen-Crocker, The Bayeux Tapestry (George T. Beech)
P. Rosemann / J. McEvoy / R. Grosseteste, Robert Grosseteste at Munich (Mechthild Pörnbacher)
C. Wilsdorf, L’Alsace des Mérovingiens (Laurent Naas)
C. Wilsdorf, Comment la sainte Croix parvint à Niedermunster (Alsace) (Laurent Naas)
P. Matarasso, Le baptême de Renée de France en 1510 (Jacques Paviot)
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H-Net Reviews:
(Offizielle Homepage: Link)
Erscheinungsweise: ad hoc | frequency of publication: ad hoc
Mary Jo Maynes, Ann Beth Waltner, eds. The Family: A World History. Oxford 2012 (Linda Walton)
Peter Mack: A History of Renaissance Rhetoric 1380-1620. Oxford 2011 (Brian J. Maxson)
Sammelrezension von G. Carole Woodall zu:
Ebru Boyar und Kate Fleet: A Social History of Ottoman Istanbul. Cambridge 2010.
Çiğdem Kafescioğlu: Constantinopolis/Istanbul: Cultural Encounter, Imperial Vision, and the Construction of the Ottoman Capital. University Park 2009.
Asher D. Biemann: Dreaming of Michelangelo: Jewish Variations on a Modern Theme. Stanford 2012 (Larry Silver)
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Reviews in History:
(Offizielle Homepage: Link)
Erscheinungsweise: ad hoc | frequency of publication: ad hoc
Joseph Canning: Ideas of Power in the Late Middle Ages, 1296-1417, Cambridge 2011 (Chris Jones)
Marjorie Keniston McIntosh: Poor Relief in England, 1350-1600, Cambridge 2011 (Nigel Goose)
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Histara:
(Offizielle Homepage: Link)
Erscheinungsweise: ad hoc | frequency of publication: ad hoc
Treuil, René: Le mythe de l’Atlantide, Paris 2012 (Nicola Cucuzza).
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ArtHist.net:
(Offizielle Homepage: Link)
Erscheinungsweise: ad hoc | frequency of publication: ad hoc
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Ordensgeschichte:
(Offizielle Homepage: Link)
Erscheinungsweise: ad hoc | frequency of publication: ad hoc
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Marginalia:
(Offizielle Homepage: Link)
Erscheinungsweise: ad hoc | frequency of publication: ad hoc
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Concilium medii aevi:
(Offizielle Homepage: Link)
Erscheinungsweise: ad hoc | frequency of publication: ad hoc
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Snorri Sturlusons Mythologie und die mittelalterliche Theologie
1000 Worte Forschung: Dissertation LMU München, abgeschlossen im Juli 2012
Snorris Statue in Reykholt
Foto: Jan van Nahl
Eine Insel im Nordatlantik – Finanzkrise und Vulkanausbruch zum Trotz nur am Rande öffentlicher Wahrnehmung – rückte mit der Frankfurter Buchmesse 2011 in den Fokus eines literarisch interessierten Publikums aus aller Welt: Island. Zur Weltliteratur indessen zählten die volkssprachlichen Werke des isländischen Hoch- und Spätmittelalters schon vorher. Qualitativ und quantitativ scheuen sie keinen Vergleich im gesamteuropäischen Kontext, und in mancher Hinsicht ist ihnen auch gar nichts Vergleichbares an die Seite zu stellen: Weder die hochkomplexe Skaldendichtung noch die berühmten Isländerssagas blicken auf kontinentale Vorbilder.
Besonderes Interesse unter Wissenschaftlern und Laien gleichermaßen hat aber die so genannte Edda des isländischen Gelehrten, Politikers und Dichters Snorri Sturluson auf sich gezogen. Geboren im Winter 1178/79, kam Snorri bereits als Kind in die Obhut des seinerzeit mächtigsten Mannes in Island, Jón Loftsson, dessen Herrschersitz Oddi doch zugleich auch ein Zentrum mittelalterlicher Gelehrsamkeit war. Es wundert wenig, dass Snorri schon in jungen Jahren erste politische und wirtschaftliche Erfolge verbuchen konnte, aber auch ein Interesse an der Dichtkunst seiner Vorfahren wird bald erwacht sein. Als geschickter Taktiker wusste Snorri sich im Laufe der Jahre zur einflussreichsten und vermögendsten Persönlichkeit Islands zu erheben. Mehrere Aufenthalte am Hof des norwegischen Königs Hákon Hákonarson zeugen von politischem Weitblick, belegen aber auch ein Interesse, das der eloquente Machtmensch Snorri in elitären Kreisen Skandinaviens zu wecken vermochte. Indessen: Sein Streben nach Einfluss und Besitz, wohl auch manche Unstimmigkeit in weltanschaulichen Fragen ließ Snorri und Hákon zum Ende der 1230er Jahre im Streit auseinandergehen; gegen Befehl des Königs reiste Snorri zurück nach Island. Im September 1241 wurde er in den Kellerräumen seines Gehöfts in Reykholt von Hákons Häschern erschlagen – das frühzeitige, aber vielleicht vorhersehbare Ende einer Ausnahmegestalt des nordischen Mittelalters.
Hinterlassen hat er der Nachwelt ein literarisches Werk, das bereits seine Zeitgenossen zur Auseinandersetzung reizte. Sicher zugeschrieben wird ihm heute zum einen die Edda, ein Lehrbuch der Mythologie und Dichtkunst, dessen einzelne Abschnitte durchaus eigene Ziele verfolgen; zum zweiten die Heimskringla, eine umfangreiche Sammlung nordischer Königsgeschichten, die den Blick von mythischer Vorzeit auf dem asiatischen Kontinent bis weit hinein ins 12. Jahrhundert Skandinaviens richtet. Es besteht kein Zweifel, dass Snorris Edda das Fundament einer modernen Auseinandersetzung mit der mittelalterlichen Mythologie und Religion Nordeuropas bildet – und das seit über zwei Jahrhunderten. Entsprechend voluminös tritt die Forschungsliteratur in Erscheinung, Regalmeter werden gefüllt von Studien zum literarischen Erbe dieses Mannes, aber auch von mannigfachen Editionen und Übersetzungen.
Snorralaug, das von einer heißen Quelle gespeiste Bad Snorris aus dem 13. Jh.
(Foto von 2004)
Foto: Jan van Nahl
Im Zuge der Überwindung fachgeschichtlicher Problematisierungen, wie sie das Ende des Dritten Reichs gefordert hatte, erstarkte die Forschung im deutschsprachigen Raum seit den 1980er Jahren. Namhafte Germanisten und Skandinavisten wussten ihre Thesen in zahlreichen Publikationen zu entfalten, aber auch die internationale Forschung trug wesentlich zur Diskussion bei. Rückblickend kristallisiert sich in dieser Debatte die zunehmende Zementierung gewisser Überzeugungen zu Snorris Werk heraus, die ihre Deutungsdominanz wirkungsvoll vor allem in Lexika und Anthologien zu manifestieren verstanden. Das Gros der aktuellen Forschung (und dies betrifft auch manche Studie des „wissenschaftlichen Nachwuchses“) ist solchen Linien des methodischen und thematischen Zugangs bewusst oder unbewusst verpflichtet. Dabei treten zwei wesentliche Aspekte aber in den Hintergrund.
Zum ersten ist dies die zeitgeschichtliche Bedingtheit von Fach und Forschung: Ein Fundament für Arbeiten der 80er und 90er Jahre wurde vor allem die epochale Abhandlung des „Nestors der altgermanischen Religionsforschung“ Walter Baetke (1884–1978): In seiner schmalen Akademieschrift „Die Götterlehre der Snorra-Edda“ (1950) [1] entfaltete er das wirkungsmächtige Konzept einer Odinstheologie, verband er nordische Mythologie mit theologischen Konzepten, Snorris Allvater-Odin mit dem unerkannten Christengott einer religio naturalis. Kriegsbedingt einem christlichen Standpunkt besonders verpflichtet, kam der akribische Quellenkritiker Baetke abschließend aber zu dem Ergebnis, Snorri habe trotz aller Relationen das nordische Heidentum eben doch als teuflischen Trug brandmarken wollen. Baute nachfolgende Forschung erheblich auf dieser Überzeugung, geriet deren zeitgeschichtlicher Kontext zunehmend aus dem Blick – mit Auswirkungen bis in jüngste Forschung: Zum zweiten nämlich scheint die neuerliche Untersuchung der mittelalterlich überlieferten Texte gleichsam gehemmt angesichts des unbestreitbaren Verdienstes international renommierter Forscher der letzten Jahrzehnte. Bisweilen aber überwiegt der Eindruck einer Abhängigkeit von diesen Arbeiten, die den Blick in festen Bahnen hält und eher eine Bestätigung denn Weiterentwicklung vorangehender Forschung zeitigt.
Dem Desiderat einer kritischen Aufarbeitung der gleichermaßen komplexen wie umfänglichen Forschung tritt die Münchner Dissertation „Snorri Sturlusons Mythologie und die mittelalterliche Theologie“ in mehreren Schwerpunkten entgegen. Nicht nur galt es, in grundsätzlicher Methodenreflexion den eigenen Standort zunächst zu erkennen und zu erklären; im Besonderen die Frage nach mittelalterlichen Kontexten der Person Snorris und seines Werks war zu stellen: Das betraf eine viel diskutierte Autorschaft, mehr noch aber Fragen nach Textfassungen, Sprachverständnis und vor allem kontinentalen Diskursen in ihrer Wirkung auf die Gelehrtenwelt Norwegens und Islands. Die Forschung der letzten Jahrzehnte hat Konzepte der Natürlichen Theologie [2], des Euhemerismus [3] und der Analogie [4] teils vehement vertreten – eine Synthese dieser Ideen scheint jedoch nur bedingt möglich, vielmehr ist die konstruktive Konfrontation gefordert.
Eine Basis künftiger Diskussion mittelalterlicher Interpretationsmethodik erarbeitete die Dissertation in ihrem Hauptteil, einer lexematischen Analyse der überlieferten Fassungen von Snorris Werk, der Gylfaginning und Ynglinga saga im Speziellen. Die Untersuchung so genannter „Schlüsselwörter“ gereichte bereits 1964 der einflussreichen Abhandlung „Studier i Snorres mytologi“ der norwegischen Philologin Anne Holtsmark (1896–1974) zum methodischen Ausgangspunkt [5]. Doch auch Holtsmark folgerte, Snorri habe sich in seinem Werk strikt von aller heidnischen Überlieferung distanziert, den nordischen Götterglauben kontrastiv zum Teufelskult degradiert. Demgegenüber kam die vorliegende Studie in Untersuchung mehrerer Dutzend Lexeme und dahinterstehender Konzepte zu gegenteiligem Ergebnis: In Analyse eines Wortschatzes, der in zeitgenössischen theologischen Werken Träger zentraler christlicher Vorstellungen war, konnte wahrscheinlich gemacht werden, dass Snorri – in Orientierung an epochalen Ereignissen wie dem 4. Laterankonzil 1215 oder dem 5. Kreuzzug von 1217–1229 – vielmehr die würdigende Konstruktion einer vorchristlichen Glaubenswelt vor Augen hatte. Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass dieser unbezweifelte Meister der Sprache zwei Ebenen des Verständnisses in seinen Werken konstruierte: einerseits eine oberflächlich unterhaltende; andererseits eine viel tiefer reichende, die dem aufmerksamen Rezipienten wegweisende Analogien zwischen christlichem und nordisch-paganem Glauben eröffnete. Erstmals konnte darin auch eine werkübergreifende Konzeption Snorris wahrscheinlich gemacht werden.
Mit diesen Ergebnissen positioniert sich die Studie konträr zum Gros bisheriger und auch aktueller Forschung. Sie fordert keine Deutungshoheit, versteht sich aber als provozierender Impulsgeber künftigen Disputs zu einem interdisziplinären Forschungsthema.
[1] Baetke, Walter (1950): Die Götterlehre der Snorra-Edda. (Berichte über die Verhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, phil.-hist. Klasse, 97/3.) Berlin.
[2] Vgl. z.B. Weber, Gerd Wolfgang (1986): Edda, Jüngere. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 6, S. 394–412. Berlin, New York.
[3] Vgl. z.B. Clunies Ross, Margaret (2006): The measures of Old Norse religion in longterm perspective. In: Anders Andrén/Kristina Jennbert/Catharina Raudvere (Hrsg.), Old Norse religion in long-term perspectives, S. 412–416. (Vägar til Midgard 8.) Lund.
[4] Vgl. z.B. Beck, Heinrich (2007): Die Uppsala-Edda und Snorri Sturlusons Konstruktion einer skandinavischen Vorzeit. In: Scripta Islandica 58, S. 5–32.
[5] Holtsmark, Anne (1964): Studier i Snorres Mytologi. (Skrifter utg. av Det Norske Videnskaps-Akademi i Oslo. II. Hist.-Filos. Klasse. Ny Serie 4.) Oslo.
Ein unbekanntes Fragment mit den Homilien des Beda Venerabilis
In den letzten Jahren wurden die 386 liturgischen Fragmente, die sich hauptsächlich an den Amtsrechnungen der ehemaligen preußischen Ämter befanden, wissenschaftlich bearbeitet.[1] Ein weiterer Band soll nun die nicht-liturgischen Fragmente erschließen, so dass der gesamte Fragmentbestand aus dem Historischen Staatsarchiv in Königsberg dann der Forschung vorliegt. Die meisten der in diesem Bestand vorhandenen deutschsprachigen Fragmente wurden von Ralf Päsler bereits aufgearbeitet.[2] Gleichwohl sollen diese deutschen Fragmente und die neu aufgetauchten in dem abschließenden Katalog erneut aufgeführt werden.
Recto-Seite 2 mit Beschriftung des Trägerbandes
GStA Berlin, vorläufige Signatur XX. HA, Hs 86, Nr. 21
(Bild: Anette Löffler)
In diesem Fundus befindet sich ein Doppelblatt aus Pergament, das als Kopert zur Jahresrechnung des Amts Neuhaus in den Jahren 1600/1601 gedient hatte, wie die Kopert-Beschriftung aus dem frühen 17. Jahrhundert ausweist.[3] Die Bindungslöcher der Jahresrechnung sind noch sichtbar, ebenso der Platz des ehemaligen Signaturschildchens. Das für die Sekundärverwendung als Kopert an den Rändern umgeknickte Pergament wurde inzwischen in der Restaurierungsabteilung des GStA geglättet. Die 1. Seite des Doppelblatts wurde am Rand beschnitten, was einen Textverlust von ca. 20% nach sich zog. Mit einem Schriftraum von 370 x 230 mm und einem Außenmaß der kompletten Seite von 400 x 260 mm besaß der ehemalige Codex eine stattliche Größe im Großfolio-Format.
Die Ausstattung ist vergleichsweise unspektakulär. Die Überschriften sind in roten Majuskeln gehalten. Neben einzeiligen schwarzen Lombarden existiert zu Beginn einer neuen Homilie eine vierzeilige rote Lombarde mit ornamentaler Verzierung. Bei der Schrift handelt es sich um eine spätkarolingische Minuskel. Die Datierung dieser Minuskel sowie die Provenienzbestimmung gestaltet sich hingegen schwieriger als erwartet.
Das Schriftbild der Minuskel ist sehr einheitlich und weist einen gleichmäßigen Duktus auf. Die einzelnen Buchstaben sind wenig geneigt. Ober- und Unterlängen sind vergleichsweise kurz, lediglich beim x sind sie weiter nach unten ausladend. Abbreviaturen werden außerordentlich zurückhaltend verwendet. Der Schreiber benutzt sie lediglich bei Worten wie dni/dno/dns (domini/domino/dominus), xpo/xpm/xpi (Christo/Christum/Christi), apli/aplis (apostoli/apostolis), usq (usque), ee (esse), spu (spiritu), frs (fratres), nros (nostros), kmi (karissimi), nob (nobis), oma (omnia), sci (sancti), dm/ds/do (deum/deus/deo). Pro wird selten abgekürzt (z. B. proposita: Verso-Seite 2, rechte Spalte, Z. 23), dasselbe gilt für per (z. B. semper: Recto-Seite 1, rechte Spalte, 5, Z. von unten). Generell verwendet der Schreiber den gängigen Abkürzungsstrich für m und n. Eine spezifische Ausprägung findet sich bei e caudata, also etwa in den Wörtern nre (nostre) oder ecce (ecclesie). Hier führt der Schreiber von der unteren Rundung des e einen keilförmigen Strich von rechts oben nach links unten.
Aufgrund der Schriftmerkmale ergibt sich eine Datierung in die 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts. Allerdings weist das äußere Erscheinungsbild auf die Abschrift von einer wesentlich älteren Vorlage. Darauf weist bspw. auch der Schriftmodus auf der Verso-Seite 1 hin, wo eine neue Homilie beginnt. Sowohl die Schrift als auch die Anlage dieser Textstellen verweisen auf einen älteren Text. Die Rubriken führen wie im Homéliaire bavarois folgenden Text [vi]gilia sancti Petri [et Pauli] euangelium secundum Iohannem, gefolgt von dem Text aus Iohannes 21,15-19. Im Anschluss findet sich die Rubrik Omelia [venera]bilis Bede presbiteri [de eode]m lectione.[4] Auch die Schrift ist einer älteren Quelle nachempfunden, indem die Rubriken in Majuskeln ausgeführt werden und zudem auch die Schrift der Vorlage imitiert wird. Dies zeigt sich bspw. an dem Majuskel-M, das durch seine Bögen ganz eindeutig auf entsprechende alte Quellen hinweist.
Ein Vergleich mit anderen Texten ergibt bezüglich der Datierung ein gewissermaßen leicht diffuses Bild. Eine Datierung in die 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts erscheint deshalb angebracht.[5] In Verbindung mit einer möglichen Provenienz gestaltet sich das Bild allerdings nicht einheitlicher. Zwar sind die meisten der von der Schrift vergleichbaren Handschriften im weitestgehend süddeutschen Raum einzuordnen, dennoch dürfte das hier vorliegende Fragment nicht zwangsläufig ebenfalls in dieser Gegend zu verorten sein. Ähnliche Schriftelemente finden sich bspw. in einem möglicherweise aus Köln stammenden Psalter Hs 45, der um 993/996 geschrieben wurde, wobei diese Datierung für die hier vorliegenden Fragmente nicht in Frage kommen.[6] Gleiches gilt für die ähnliche Schriftausprägung in dem Homiliar Cod. Aug. perg. XVI von der Reichenau, das in das 2. Drittel des 10. Jahrhunderts datiert wird.[7] Zwei weitere liturgische Handschriften bzw. Fragmente aus der Mitte des 11. Jahrhunderts sind von der Schrift noch vergleichbar. Dies ist einmal ein Pontifikale aus Südost-Deutschland, welches sich heute in der Stadtbibliothek Schaffhausen befindet,[8] sowie ein wahrscheinlich aus England stammende Psalterfragment aus dem Bestand des Schlossmuseums Sondershausen.[9]
Die in diesem Fall statthaft erscheinende Datierung in die 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts ist eben auch der uneinheitlichen Überlieferung sowie der alten Vorlage geschuldet. Damit ist aber auch wahrscheinlich, dass das vorliegende Homiliar-Fragment nur ganz allgemein aus dem deutschen Überlieferungsbereich stammt. Eine Entstehung in Preussenland scheidet aufgrund des Alters somit vollständig aus.
Auf welchen Wegen diese Handschrift nach Preussenland gelangte, ist nicht mehr rekonstruierbar. Im Ordensland müssten selbstverständlich eine erhebliche Anzahl derartiger Handschriften in Benutzung gewesen sein. Allein schon für das Stundengebet waren derartige Bücher notwendig. Allerdings sind kaum Hinweise auf die Existenz von Homiliaren im Ordensland zu finden. In den Statuten des Deutschen Ordens finden sich weder in der Regel noch in den Gesetzen oder in den Gewohnheiten entsprechende Indizien für eine Verwendung von Homiliaren.[10] Im Großen Ämterbuch des Deutschen Ordens, in dem auch der Buchbesitz in den einzelnen Komtureien, Pfarren und Kirchen wenn auch sehr plakativ und lediglich in quantitativem Maßstab aufgeführt wird, kommt nur zum Jahr 1405 für die Pfarrei Thorn ein omelia de sanctis vor.[11] Nicht von der Hand zu weisen ist natürlich auch die Vermutung, dass die Handschriften, die wir heute als Homiliare bezeichnen in den mittelalterlichen Quellen anderweitig bezeichnet werden, etwa als Lectionarium, Sermonarium o.ä.[12] Auch Arno Mentzel-Reuters konnte in seiner Habilitation über den Buchbesitz im Deutschen Orden keine expliziten Homiliare erkennen.[13] Im Großen Ämterbuch finden sich unter den Begriffen buch mit sermones oder predigbucher wenigstens einige wenige Nachweise.[14] Auch ein buch dorinne lectiones kommt in den Jahre 1507 und 1508 für Preussisch Mark vor.[15]
Dennoch befanden sich im Ordensbesitz mit Sicherheit Homiliare. Nach der Reformation und der Umwandlung des preußischen Ordensstaates in ein weltliches Herzogtum wurde ein Teil der ehemaligen Buchbestände der Ordenskonvente in der Ordensliberei Tapiau aufbewahrt.[16] Diese Bestände wurden 1541-1543 in die Schlossbibliothek nach Königsberg überführt. Von dieser Überführung existiert ein heute im GStA Berlin aufbewahrtes Verzeichnis.[17] Dort finden sich zwar mehrfach Predigtsammlungen sowie einige liturgischen Handschriften, unter den knapp 340 Büchern ist jedoch kein Homiliar genannt oder umschrieben.
Wie die meisten Jahresrechnungen der preußischen Ämter sind auch die des Amtes Neuhaus nahezu lückenlos überliefert. Weitere Fragmente wurden für einige Neuhauser Jahresrechnungen „verarbeitet“. So sind auch die Jahre 1593/94, 1601/02, 1605/06, 1607/08, 1614/15, 1615/16, 1617/18 sowie 1619/20 mit liturgischer Makulatur versehen.[18] In diesen Zeitraum fügt sich das vorliegende Fragmente den Rechnungsjahren 1600/01 perfekt ein. Außerdem legt dies den Gedanken nahe, dass diese Amtsrechnungen offensichtlich von demselben Buchbinder in einer Art konzertierter Aktion eingebunden wurden. Ihre Zugehörigkeit zu einer Konventsbibliothek des Deutschen Ordens gewinnt dadurch an Gewicht, dass es sich bei der liturgischen Makulatur um Handschriften handelt, die der Liturgie des Deutschen Ordens folgten.[19]
Beginn der Homilie zu Vigilia Petri et Pauli
GStA Berlin, vorläufige Signatur XX. HA, Hs 86, Nr. 21
(Bild: Anette Löffler)
Inhaltlich gesehen handelt es sich um Teile der Homilien 20 und 22 des Beda Venerabilis.[20] Aus den fehlenden Textteilen ergibt sich, dass es sich bei diesem Doppelblatt um das zweitinnerste einer Lage handeln muss. Beide Homilien entstammen dem Sanktorale. Homilia 20 birgt Teile zu dem Fest der Geburt Johannes des Täufers (24. Juni), Homilia 22 mit dem Initium Virtutem nobis perfectae dilectionis den Beginn zur Vigil von Petrus und Paulus (28. Juni). Diese beiden Homilien finden sich außer im Homéliaire bavarois noch im Homiliar von Mondsee, im Homiliar des Hrabanus Maurus sowie in der Sammlung des Smaragdus.[21] Ihren Stammplatz besitzen diese beiden Homilien allerdings im Homeliar des Paulus Diaconus, wo sie auch direkt aufeinander folgen.[22] In der genannten Reihenfolge erscheinen die beiden Homilien auch im Homeliar von Mont Saint-Michel, einer Handschrift des 12. Jahrhunderts.[23] Die Homilie zur vigilia von Petrus und Paulus ist allerdings nicht mit der im Fragment vorliegenden identisch, obwohl das Initium gleich beginnt, dann aber wie schon aus der Überschrift im Codex kenntlich sich als Omelia Claudii presb. de eodem lectione, also einem Auslegungsteil des Alcuin zum Johannes-Evangelium, erweist.[24]
Die textliche Überlieferung orientiert sich überwiegend an der Handschriftenfamilie, die in der Edition der Classis I B (Codices deteriores) zugehörig sind.[25] Lediglich mit der Handschrift L der Classis II A (Codices meliores) weist das Fragment weitere Gemeinsamkeit in der Textüberlieferung auf.[26]Alle vier Textzeugen stammen aus dem 10. bis 11. Jahrhundert. Allerdings sind im vorliegenden Fragment weitere, in der Edition nicht berücksichtigte, Textvarianten vorhanden. In Homilia 20 wird das Wort autem durch ein enim ersetzt.[27] Und zu Beginn der Homilia 22 heißt es im Fragment totiens statt toties und wenige Zeilen darunter in dominum statt in deum.[28] Noch eine weitere Abweichung taucht in Homilia 22 auf, nämlich die Einfügung von et gegen Ende des Textes.[29]
[1] Anette Löffler: Fragmente liturgischer Handschriften des Deutschen Ordens im Historischen Staatsarchiv Königsberg (Einzelschriften der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung 18, hg. von Udo Arnold), Lüneburg 2001; dies.: Fragmente liturgischer Handschriften des Deutschen Ordens aus dem Historischen Staatsarchiv Königsberg/Preußen II (Einzelschriften der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung 24, hg. von Udo Arnold), Marburg 2004; dies.: Fragmente liturgischer Handschriften des Deutschen Ordens im Historischen Staatsarchiv Königsberg/Preußen III (Einzelschriften der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung 28, hg. von Udo Arnold), Marburg 2009.
[2] Ralf Päsler: Katalog der mittelalterlichen deutschsprachigen Handschriften der ehemaligen Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg (Schriften des Bundesinstituts für Ostdeutsche Kultur und Geschichte 15, hg. von Uwe Meves), Oldenburg 2000, hier S. 154-179. Dazu auch ders.: Deutschsprachige Sachliteratur im Preußenland bis 1500. Untersuchungen zu ihrer Überlieferung (Aus Archiven, Bibliotheken und Museen Mittel- und Osteuropas 2, hg. von Klaus Garber und Axel E. Walter), Köln 2003.
[3] Signatur des Trägerbandes: GStA Berlin, XX. HA., Ostpr. Fol. 7662. Das Fragment trägt die vorläufige Signatur Hs 86, Nr. 21.
[4] Henri Barré: Les Homéliares carolingiens de l’École d’Auxerre. Authenticité – Inventaire – Tableaux comparatifs – Initia (Studi e Testi 225), Città del Vaticano 1962, S. 25-26 und 218.
[5] Für kollegialen Rat danke ich einmal mehr Prof: Dr. Herrad Spilling, Stuttgart.
[6] Glaube und Wissen im Mittelalter. Die Kölner Dombibliothek, Köln 1998, S. 219-224, mit weiterer Literatur.
[7] Vor dem Jahr 1000. Abendländische Buchkunst zur Zeit der Kaiserin Theophanu, Köln 1991, S. 116-117, mit weiterer Literatur.
[8] Europas Mitte um 1000, hg. von Alfried Wieczorek / Hans-Martin Hinz, 3 Bde., Stuttgart 2000, hier Bd. 3, S. 434-435.
[9] Bestandskatalog zur Sammlung Handschriften- und Inkunabelfragmente des Schloßmuseums Sondershausen, hg. von Gerlinde Huber-Rebenich / Christa Hirschler (Sondershäuser Kataloge III), bearb. von Matthias Eifler, Almuth Märker und Katrin Wenzel, Jena 2004, S. 119.
[10] Max Perlbach (Hg.): Die Statuten des Deutschen Ordens, Halle 1890, ND Hildesheim 1975.
[11] Walther Ziesemer (Hg.): Das Größe Ämterbuch des Deutschen Ordens, Danzig 1921, S. 462, Z. 7.
[12] Ein mitteldeutsches Lektionarfragment aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts befindet sich bspw. unter den deutschen Königsberger Fragmenten, s. Ralf Päsler: Katalog der mittelalterlichen deutschsprachigen Handschriften der ehemaligen Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, hg. von Uwe Meves (Schriften des Bundesinstituts für ostdeutsche Kultur und Geschichte 15), München 2000, S. 173.
[13] Arno Mentzel-Reuters: Arma spiritualia. Bibliotheken, Bücher und Bildung im Deutschen Orden (Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen 47, hg. von Michael Knoche), Wiesbaden 2003.
[14] Ziesemer (wie Anm. 11) für den obersten Marschall in der Komturei Königsberg in den Jahren 1431-1438 16 predigebucher, S. 29, Z. 15; S. 32, Z. 13; S. 34, Z. 35; S. 39, Z. 6; S. 40, Z.21 oder für die Sakristei der Komturei Osterrode 1449 5 bucher sermonen S. 337, Z. 31 und 35.
[15] Ziesemer (wie Anm. 11), S. 146, Z. 27 und S. 147, Z. 37.
[16] Hans-Georg Malz: Das Bibliothekswesen des Deutschen Ordens in Preußen unter besonderer Berücksichtigung des Verzeichnisses der Ordensliberei Tapiau, ungedruckte Diplomarbeit, Köln 1970, hier S. 55 ff.
[17] GStA Berlin, EM, Tit. 71,1, Nr. 43. Ein weiterer Abdruck auch bei Eckhard Grunewald: Das Register der Ordensliberei Tapiau aus den Jahren 1541-1543, in: Berichte und Forschungen. Jahrbuch des Bundesinstituts für ostdeutsche Kultur und Geschichte 1 (1993), S. 55-91.
[18] Löffler I (wie Anm. 1), Nr. 128, S. 157-158; Nr. 133-137, S. 162-169; Nr. 139, S. 170-172.
[19] Nr. 128, 135, 137, 139 und 140: Missale OT;Nr. 133 und 134: Antiphonarium OT;
[20] Beda Venerabilis Opera, Pars III: Opera homiletica, Pars IV: Opera rhytmica (Corpus Christianorum, Series Latina 122), Turnhout 1965, S. 333-334, 342, 344 und. 346-348. Patrologiae cursus completus, series Latina (künftig: PL), hg. von Jacques-Paul Migne, Paris 1844 ff., 94, Sp. 210-214 und 214-219.
[21] Barré (wie Anm. 4), S. 25-26 und 218.
[22] Reginald Grégoire: Homéliaires liturgiques médiévaux. Analyse de mansucrtits (Biblioteca della „Studi medievali“ 12), Spoleto 1980, S. 461, Nr. 44-45, in der Überlieferung der Karlsruher Handschrift Hs. Augiensis 15 aus dem 9. Jahrhundert..
[23] Raymond Étaix: Homéliaries patristiques latins. Recueil d’études de manuscrits médiévaux (Collection des études Augustiniennes, Série moyen âge et temps modernes 29), Paris 1994, S. 281, Nr. 129, zu Beginn des Sommerteils des Sanktorale.
[24] Étaix (wie Anm. 23), S. 281; PL 100, Sp. 1000D-1003B.
[25] CCSL 122 (wie Anm. 20), S. XVII-XVIII.
[26] CC SL 122 (wie Anm. 20), S. XVIII.
[27] CCSL 122, (wie Anm. 20), S. 333, Z. 178.
[28] CC SL 122 (wie Anm. 20), S. 344, Z. 7 und 10.
[29] CC SL 122, (wie Anm. 20), S. 347, Z. 206, zwischen erant und ceteri.
Über die Autorin: Dr. Anette Löffler M.A. promovierte zu einem Thema der spätmittelalterlichen hessischen Landesgeschichte. Nach der Promotion war sie in verschiedenen Handschriftenabteilungen, in Bibliotheken und Archiven als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Liturgie des Deutschen Ordens, Fragmentforschung sowie die Erforschung mittelalterlicher Buch- und Bibliotheksbestände.
Sie können den gesamten Beitrag auch als pdf-Datei herunterladen: download
Konferenz: Wassermühlen und Wassernutzung im mittelalterlichen Ostmitteleuropa (12.-13.4.13, Leipzig)
Die Nutzung des Wassers ist ein Forschungsbereich, der zwar häufig, aber oft in regional oder thematisch begrenzter Perspektive bearbeitet wurde. Mit dieser Tagung sollen diese Begrenzungen aufgebrochen werden. Hierbei steht ganz Ostmitteleuropa zur Diskussion. Eine Charakterisierung dieser Großregion wird durch einige das westliche Mitteleuropa betreffende Beiträge vertieft.
Im Rahmen dieser Tagung sollen Forschungsergebnisse des Projektes „Usus aquarum“ in einem Kreis ausgewiesener Fachwissenschaftler zur Diskussion gestellt werden.
Šerlink-Schiffsmühlen in der Prager Neustadt im Jahre 1610 (Detail), (Archiv der Hauptstadt Prag, Handschriftensammlung, Sign. 3469, Fol. 12r)
Veranstaltungsort:
GWZO, Specks Hof (Eingang A), 4. Etage, Reichsstraße 4, 04109 Leipzig
Veranstalter/Organisation:
PhDr. Martina Maříková (GWZO – Projektgruppe Usus aquarum) E-Mail: martina.marikova@uni-leipzig.de
Dr. Christian Zschieschang (GWZO – Projektgruppe Usus aquarum) E-Mail: zschie@rz.uni-leipzig.de
www.uni-leipzig.de/gwzo; In Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Mühlen Sachsen-Anhalt e.V. (in der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung e.V.)
Tagungsprogramm
FREITAG, 12. APRIL 2013
Wassernutzung im Mittelalter
9:00 – 9:30:
Begrüßung Christian Lübke (Direktor des GWZO, Leipzig); Einführung in das Tagungsprogramm Matthias Hardt (GWZO, Leipzig)
9:30 – 10:00
Perception of Rivers and Other Water Streams in the Czech Middle Ages
Tomáš Klimek (Nationalbibliothek, Prag)
10:00 – 10:30
Inland Navigation in Transylvania (based on medieval charters and late medieval official reports)
Oana Toda (Babeş-Bolyai University, Cluj-Napoca)
10:30 – 11:00
Die Elbe als Wirtschaftsfaktor im nordwestlichen Böhmen
Nadine Sohr (Leipzig)
11:00 – 11:30 Pause
11:30 – 12:00
Alles hängt vom Wetter ab. Voraussage der Witterung in lateinischen Quellen des Mittelalters
Barbora Kocánová (Tschechische Akademie der Wissenschaften, Prag)
12:00 – 12:30
Wasserwirtschaft des Klosters Broda
Matthias Hardt (GWZO, Leipzig)
12:30 – 13:00
An Attempt at an Outline of the Historical Development of Water Supply and Sewerage of Medieval Settlements in the
Czech Lands in the Middle Ages
Kryštof Drnek und Jaroslav Jásek (Karls-Universität, Prag / Museum der Wasserversorgung in Prag)
13:00 – 14:30 Pause
Mühlen in Landschaft, Wirtschaft und Wahrnehmung
14:30 – 15:00
Die Verbreitung der Wassermühle im frühmittelalterlichen Mitteleuropa
Thomas Kind (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
15:00 – 15:30
Die Bedeutung der Wassermühle für die zisterziensische Klostergemeinschaft
Winfried Schich (Humboldt-Universität, Berlin)
15:30 – 16:00
Mühlen, Dämme und Flutarchen – Die Nutzung von Wasserwegen im Spreewald im 15. und 16. Jahrhundert
Sascha Bütow (Universität Potsdam)
16:00 – 16:30 Pause
16:30 – 17:00
Namen der Wassermühlen in Schlesien
Stanisława Sochacka (Instytut Śląski, Opole)
17:00 – 17:30
Schlesische Orts- und Flurnamen mit dem Glied Mühle/mlyn
Monika Choroś und Łucja Jarczak (Instytut Śląski, Opole)
17:30 –18:00
Zur Benennung von Mühlen im Mittelalter
Christian Zschieschang (GWZO, Leipzig)
18:30 – 19:30
Führung durch die Wassermühle Dölitz
19:30
Gemeinsames Abendessen im Restaurant Spreewaldschänke (Im Dölitzer Holz 7)
Der vom Lucní-Bach abzweigende Mühlgraben beim Dorf Zubrnice (Bez. Ústí nad Labem, Nordböhmen) [Foto: L. Galusová]
SAMSTAG, 13. APRIL 2013
Sachrelikte mittelalterlicher Mühlen
9:00 – 9:30
Verbreitung und Technik der hochmittelalterlichen Mühle aus archäologischer Sicht
Gerson H. Jeute (Universität Bremen)
9:30 – 10:00
Stoahackher im bayerischen Inntal. Eine Studie zu Mühlsteinbrüchen vom 8.–20. Jahrhundert
Wolfgang Czysz (Bayer. Landesamt für Denkmalpflege, Thierhaupten)
10:00 – 10:15 Pause
10:15 – 10:45
Mühlen im Befund – Archäologische Erscheinungsformen und Nachweismöglichkeiten von Wassermühlen
Jens Berthold (Kommunalarchäologie Schaumburger Landschaft, Bückeburg)
10:45 – 11:15
Die Baugestalt der mittelalterlichen Wassermühlen in Böhmen und Mähren
Lucie Galusová und Martina Maříková (GWZO, Leipzig)
11:15 – 11:45
Schlussdiskussion
11:45 – 12:15 Pause
12:30
Abfahrt zur Exkursion zu Mühlen in und um Freyburg (Unstrut) und Eckartsberga
18:00
Ankunft in Leipzig
Vorstellung des Blogs und der Initiatoren
Der Name ist Programm: Thema des Blogs ist das Mittelalter, doch nicht nur diese Epoche selbst, sondern auch die Rezeption bzw. Vermittlung des Mittelalters in der heutigen Zeit. Ziel des Blogs ist der interdisziplinäre wissenschaftliche Austausch, die Vernetzung von zum Mittelalter und dessen Rezeption Forschenden, die Veröffentlichung von fachrelevanten Informationen und Terminen und auch, im Sinne einer wissenschaftlichen Vermittlung des Mittelalters, die Publikation von Forschungsergebnissen im Open Access. “Das Mittelalter” als Epoche soll hier freilich dynamisch verstanden werden, die Jahre 500 und 1500 gelten also nur als grobe Orientierungspunkte.
Es ist ein Gemeinschaftsblog, das zwar von drei Historikern (machen wir uns nichts vor – mitstudierte Haupt- oder Nebenfächer bleiben oft wenigstens etwas hinter dem ersten Fach, dem der Abschlussarbeit zurück) ins Leben gerufen wurde, bei dem aber künftig die Einbindung von Wissenschaftlern anderer Disziplinen – auch redaktionell – ausdrücklich vorgesehen ist und definitiv realisiert werden wird. Wir sind schon mit einigen der Kollegen im Gespräch und Ideen für kommende Beiträge gibt es nicht wenige. Weitere Kollegen, Historiker wie andere, werden wir ansprechen und wir arbeiten auch an Konzepten einer offeneren Beteiligung, da uns Forschung auf diese Weise am lebendigsten und fruchtbarsten erscheint. Doch dazu mehr zu einem späteren Zeitpunkt. Denn da wir das Ganze hier neben unseren eigentlich beruflichen Tätigkeiten – und dass auch halbe WiMi-Stellen schnell mehr als 20h Arbeitszeit in der Woche verschlingen, ist kein Geheimnis – betreiben, bitten wir jedoch um etwas Geduld, auch dafür, dass es erst mit der Zeit zu einer größeren Dichte an Beiträgen kommen wird. Was wir aber auf jeden Fall meinen, bereits jetzt gewährleisten zu können, ist ein regelmäßiger, monatlicher Überblick über online erschienene Fachrezensionen zu mediävistischen Publikationen – die erste Ausgabe, für Dezember 2012, ist seit kurzem online und steht auch als .pdf zum Download zur Verfügung.
Damit Sie sich / Ihr Euch eine erste Vorstellung davon machen können / könnt, wer die InitiatorInnen dieses Blogs sind, möchten wir uns an dieser Stelle in alphabetischer Reihenfolge auch selbst kurz vorstellen.
Martin Bauch
In Potsdam, Florenz und Berlin habe ich Geschichte, Politikwissenschaft und Öffentliches Recht studiert und wurde im Juni 2012 an der TU Darmstadt mit einer Arbeit über “Auserwählung, Frömmigkeit und Heilsvermittlung in der Herrschaftspraxis Karls IV.” promoviert. Am dortigen Lehrstuhl bin ich seit 2009 wissenschaftlicher Mitarbeiter. Neben Forschungen zu Reliquienverehrung, Karl IV. und den Luxemburgern interessiere ich mich perspektivisch für Themen der Umwelt- und Klimageschichte im Spätmittelalter, u.a. im Kontext von Anfang und Ende des hochmittelalterlichen Landesausbaus in Ostmitteleuropa.
Fachübergreifende Zusammenarbeit mit all ihren Chancen liegt mir also besonders am Herzen, gerade auch für dieses Blog. Die interdisziplinären Fallstricke sind natürlich ein reales Problem, und daher hoffe ich in der Diskussion auf dieser gesamtmediävistischen Plattform auf Offenheit der Perspektiven und Toleranz gegenüber den scheinbaren Marotten der jeweiligen Nachbardisziplinen.
Twitter: schau ich mir nochmal kritisch an (und vertrete somit den konservativen Teil der Zunft)
Karoline Döring
Ich habe Mittelalterliche Geschichte, Neuere und Neueste Geschichte und Englische Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert und bin im Februar 2012 mit dem Thema „Türkenkrieg und Medienwandel im 15. Jahrhundert“ promoviert worden. Seit Mai 2012 arbeite ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei den Monumenta Germaniae Historica München und bin dort hauptsächlich für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.
Mich interessiert besonders die Geschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit. Aktuell forsche ich zu den sogenannten Sultansbriefen, populären Brieffiktionen des 14. und 15. Jahrhunderts, die ich im Spannungsfeld von literarischer Fiktion, Kanzleitradition und antitürkischem Diskurs untersuche.
Neben der Forschung ist mir die Vermittlung von mittelalterlicher Geschichte sehr wichtig. Ich bin Lehrbeauftragte des Historischen Seminars der LMU und gebe Basiskurse für Bachelorstudenten. Seit 2009 engagiere ich mich aber auch in der Erwachsenenbildung des Münchner Bildungswerks und halte Vorlesungen über mittelalterliche Themen in der „Münchner Seniorenakademie – Studieren ab 55 Jahren.“
Twitter: @karolinedoering
Björn Gebert
Ich habe an der Freien Universität Berlin Geschichte mit dem Schwerpunkt Mittelalter und Religionswissenschaft auf Magister studiert und im Jahr 2010 abgeschlossen. Mein Forschungsschwerpunkt liegt in der Geschichte des mittelalterlichen Religiosentums, vornehmlich der Zisterzienser, Kartäuser und Regularkanoniker.
Ich bin derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hugo von Sankt Viktor-Institut für Quellenkunde des Mittelalters in Frankfurt/Main und arbeite dort im von der DFG geförderten Projekt “Das Spannungsverhältnis von Stetigkeit und Wandel im Personenverband der Pariser Abtei Saint-Victor (12.-18. Jahrhundert). Ein Mikrokosmos der früheuropäischen Gesellschaft” mit. Daneben war/bin ich Lehrbeauftragter an der Technischen Universität Darmstadt im Sommersemester 2012 und 2013.
Ich blogge ebenfalls bei ordensgeschichte.hypotheses.org und gebe Social Media-Kurse für (Geistes-)Wissenschaftler, zuletzt im Auftrag von WIWEX an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humbold-Univeristät zu Berlin.
Hugo von Sankt Viktor-Institut
Twitter: @bjoerngebert
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Rezensionsüberblick Dezember 2012
Beginnend mit dem Dezember ’12 möchten wir in diesem Blog regelmäßig einen monatlichen Überblick von online-Rezensionen mit mediävistischem Bezug bringen – unseres Wissens nach ein Service, den es in dieser Form noch nicht gibt. Inspirierend für einen epochal fokussierten Rezensionsüberblick war hierbei das Frühneuzeit-Blog der RWTH Aachen. Vorerst beschränken wir uns auf die fünf unten genannten Portale, freuen uns aber über Ergänzungen gerade zu Rezensionsportalen jenseits der mediävistischen Geschichtswissenschaft. Wir beziehen hier aus Aktualitätsgründen nur tatsächliche online-Rezensionen ein.
Wir wünschen interessante und v.a. zeitsparende Lektüre!
Per Klick auf den Namen können Sie zum Überblick für das jeweilige Portal springen
H-Soz-u-Kult
Sehepunkte
Francia-Recensio
The Medieval Review
Reviews in History
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Sehepunkte:
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Francia-Recensio:
D. Barthélemy, Nouvelle histoire des Capétiens (Julian Führer)
A. Bihrer, Begegnungen zwischen dem ostfränkisch-deutschen Reich und England (850–1100) (Levi Roach)
R. Blumenfeld-Kosinski, K. Petkov, Philippe de Mézières and His Age (Jacques Paviot)
H. L. L. Busard (†), Nicole Oresme, Questiones super geometriam Euclidis (Jürgen Miethke)
M. Caesar, Le pouvoir en ville (Eberhard Isenmann)
M. Cohen, J. Firnhaber-Baker, Difference and Identity in Francia and Medieval France (Markus Spaeth)
N. Coulet, Rites, histoires et mythes de Provence (Klaus Oschema)
L. Donkin, H. Vorholt, Imagining Jerusalem in the Medieval West (Élisabeth Ruchaud)
C. A. Fleck, The Clement Bible at the Medieval Courts of Naples and Avignon (Stefan Weiß)
F. Foronda, Avant le contrat social (Gisela Naegle)
F. Foronda, A.I. Carrasco Manchado, Du contrat d’alliance au contrat politique (Gisela Naegle)
F. Foronda, A.I. Carrasco Manchado, El contrato político en la Corona de Castilla (Gisela Naegle)
M. Gabriele, An Empire of Memory (Phillipe Cordez)
A. Germa, B. Lellouch, E. Patlagean, Les Juifs dans l’histoire (Amélie Sagasser)
H.-W. Goetz, Gott und die Welt (Klaus Krönert)
S. Hamel, La justice dans une ville du Nord du Royaume de France au Moyen Âge (Eberhard Isenmann)
K. Herbers, I. Fleisch, Erinnerung – Niederschrift – Nutzung (Beate Schilling)
G. Hirsaugiensis, Willehelmi Abbatis Constitutiones Hirsaugienses (Jean-Loup Lemaitre)
L. Jégou, L’évêque, juge de paix (Ludwig Falkenstein)
J. Kemper, G. Vogeler, Digitale Urkundenpräsentationen (Olivier Guyotjeannin)
A. Laiou (†), C. Morrisson, Le monde byzantin (Jacques Paviot)
O. Mattéoni, Un prince face à Louis XI (Heribert Müller)
C. Mihailovic, Mémoires d’un janissaire (Jacques Paviot)
W. of Ockham, Dialogus (Jacques Verger)
K. Pennington, M. Harris Eichbauer, Law as Profession and Practice in Medieval Europe (Jörg Müller)
K. Schreiner, Rituale, Zeichen, Bilder (Andreas Büttner)
G. Seabourne, Imprisoning Medieval Women (Julie Claustre)
W. Tschacher, Königtum als lokale Praxis (Joseph P. Huffman)
W. E. Wagner, Die liturgische Gegenwart des abwesenden Königs (Yitzak Hen)
________nach oben ↑
The Medieval Review:
TMR 12.12.06, Maxwell, ed., Representing History (Beth Williamson)
TMR 12.12.04, Loutchitsky, Homo Legens (Carol Symes)
TMR 12.12.05, Strauch, Mittelalterliches Nordisches Recht bis 1500 (Anders Winroth)
TMR 12.12.09, Canning, Ideas of Power in the Late Middle Ages (Geoffrey Koziol)
TMR 12.12.10, Folger, Writing as Poaching (John Slater)
TMR 12.12.01, Pastoureau, The Bear (Michael A. Ryan)
TMR 12.12.11, Filosa and Papio, eds. Boccaccio in America (Janet Smarr)
TMR 12.12.08, Machacek, Milton and Homer (David Oliver Davies)
TMR 12.12.07, Kalinke, The Arthur of the North (Sif Rikhardsdottir)
________nach oben ↑
Reviews in History:
Interview: Prof. Michael Stolz – Digitale Edition der Berner Parzival-Handschrift

Herr Michael Stolz ist Professor für germanistische Mediävistik am Institut für Germanistik der Universität Bern und konnte im letzten Jahr ein Editionsprojekt abschliessen, in dem den neuen digitalen, technischen Möglichkeiten eine wichtige Rolle zukam. Hier geht es zum Interview.






