Associated Press: USA schufen kubanischen Twitterklon
Hummingbird – Infrared (Foto: fortherock unter CC BY-SA 2.0)
Das Internet, das per Definition Ländergrenzen überwindet, ist dennoch nicht überall wirklich angekommen. Laut Statistiken der International Telecommunication Union (ITU) nutzten 2012 gerade einmal 25,6% aller KubanerInnen das Internet (in Deutschland betrug die Quote 84%). Es gibt zwar Internet-Cafés auf Kuba, aber man zahlt für eine Stunde Internetnutzung mindestens 4,50 US-Dollar. In Anbetracht des Durchschnittseinkommens, das bei rund 20 US-Dollar liegt, für viele unbezahlbar. 2008 gab es nur in 0,5% der Haushalte überhaupt einen Internetanschluss, obwohl 3,4% der Haushalte über einen Computer verfügten.
Mobiltelefone sind schon eher verbreitet, gut 15% der KubanerInnen nutzen sie. Doch auch sie unterliegen dem staatlichen Monopol. Dies machte sich laut einem Bericht der Associated Press (AP) die US-Regierung zu nutze. In einem Projekt des Entwicklungsdienstes USAID, der sich vor allem um humanitäre Hilfe in Entwicklungsländern kümmert, wurde eine Plattform entwickelt, mit deren Hilfe KubanerInnen unzensiert und ohne Beobachtung durch den Staatsapparat austauschen können. In Anlehnung an twitter wurde die Plattform „Zunzuneo“ getauft – das kubanische Wort für Kolibri. Dort sollten zunächst harmlose Nachrichten über Musik, Wetter und Sport verbreitet werden, später laut AP regierungskritische Botschaften. USAID äußert sich in einem Pressebericht zum Projekt „Zuzuneo“, gibt aber an, das Ziel sei gewesen, „eine Plattform zu entwickeln, auf der sich KubanerInnen frei austauschen können – Punkt.“
Den Bericht der AP sowie weitere Informationen (beides auf Englisch) finden Sie hier.
Quelle: http://wwc.hypotheses.org/83
Tipp: Austellung “The American Way. Die USA in Deutschland”
Seit Edward Snowden die Überwachung des Mobiltelefons der Kanzlerin publik machte, ist die transatlantische Freundschaft zunächst wieder etwas abgekühlt. Allerdings hat die Freundschaft zwischen den USA und der Bundesrepublik schon mehrere Hoch- und Tiefpunkte hinter sich. In der Ausstellung „The American Way. Die USA in Deutschland“ widmet sich das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig derzeit dem Amerikabild der Deutschen.
Während des Kalten Kriegs waren die USA bedacht, Westdeutschland kulturpolitisch an sich zu binden. Neben wirtschaftlichen Maßnahmen wie dem Marshall Plan und einem akademischem Austausch in Gestalt des Fulbright-Progamms wurde auch (Pop-)Kultur exportiert. Neben Elvis Presley, der während seines Militärdienstes in Hessen stationiert war, und Tupperware, die ab 1962 in Deutschland verkauft wurde, versuchten die 15 Amerika-Häuser für ein positives Amerikabild zu sorgen (was nicht immer gelang). Unterhalten vom US Information Service waren sie Ort für Vorträge, Konzerte und auch Sprachkurse und sogar fahrende Bibliotheken. „Die Dachorganisation der Amerikahäuser[…] war weltweit für die auswärtige Kultur- und Informationspolitik der USA zuständig. ‚Telling America‘s story to the world‘ hieß das Motto für die psychologische Kriegführung im Kalten Krieg.“1 Doch unter der Präsidentschaft von John F. Kennedy wurde der diplomatische Fokus mehr auf Asien, Afrika und Südamerika gelegt und die Budgets für westeuropäische Amerika-Häuser gekürzt. Daraufhin wurden viele der Häuser in binationale, das heißt von Deutschland und den USA finanzierte Institute umgewandelt, in deren Form einige von ihnen heute noch existieren.
Die Ausstellung ist noch bis zum 12. Oktober 2014 zu sehen. Der Eintritt ist frei.
- vgl. Kreis, Reinhild: Orte für Amerika. Deutsch-Amerikanische Institute und Amerikahäuser in der Bundesrepublik seit den 1960er Jahren. Stuttgart 2012
Quelle: http://wwc.hypotheses.org/72
Das 20. Jahrhundert & der Erste Weltkrieg: Jörg Fisch – Vom Selbstbestimmungsrecht der Völker zum Selbstbestimmungsrecht der Kolonialvölker
Prof. Dr. Jörg Fisch ist Lehrstuhlinhaber für allgemeine neuere Geschichte an der Universität Zürich. Einen Schwerpunkt bildet in seiner Forschung die Geschichte des Völkerrechts und der internationalen Beziehungen.
Das 20. Jahrhundert & der Erste Weltkrieg: Jörg Fisch – Vom Selbstbestimmungsrecht from maxweberstiftung on Vimeo.
Buchtipp: Linke amerikanischer Generationenroman
“Das zentrale Motiv von Jonathan Lethems linksradikaler Familiensaga ist die ständige Trennung der einzelnen Familienmitglieder, ganz so wie sich die Linken in ihren Gruppierungen und Parteien weltweit ständig streiten und spalten. Aber ebenso gibt es eine nicht aufkündbare Verbindlichkeit und Kontinuität – in der Linken ebenso wie in der Familie Zimmer.” Jonathan Lethem führt die Leser_in in seinem Roman »Der Garten der Dissidenten« von den Kommunisten der 30er Jahre bis hin zu Occupy. Florian Schmid hat das Buch (Verlagswebsite) im ND rezensiert. Zur Buchbesprechung der “komplexe(n) historische(n) Aufarbeitung linker Geschichte” (Schmid) bitte hier entlang.
Einsortiert unter:Biographie, Erfahrungen, Erinnerung, Geschichte
Buchtipp: Linke amerikanischer Generationenroman
“Das zentrale Motiv von Jonathan Lethems linksradikaler Familiensaga ist die ständige Trennung der einzelnen Familienmitglieder, ganz so wie sich die Linken in ihren Gruppierungen und Parteien weltweit ständig streiten und spalten. Aber ebenso gibt es eine nicht aufkündbare Verbindlichkeit und Kontinuität – in der Linken ebenso wie in der Familie Zimmer.” Jonathan Lethem führt die Leser_in in seinem Roman »Der Garten der Dissidenten« von den Kommunisten der 30er Jahre bis hin zu Occupy. Florian Schmid hat das Buch (Verlagswebsite) im ND rezensiert. Zur Buchbesprechung der “komplexe(n) historische(n) Aufarbeitung linker Geschichte” (Schmid) bitte hier entlang.
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Quelle: http://kritischegeschichte.wordpress.com/2014/03/18/buchtipp-linke-amerikanischer-generationenroman/
Zwei Tagungen zu Parlamenten, Wahlen und Parteien
Zu zwei dieses Jahr stattgefundenen Veranstaltungen mit wichtigen Beiträgen zur Kulturgeschichte der Politik im 19. und 20. Jahrhundert sind eben auf H-Soz-u-Kult ausführliche Tagungsberichte erschienen:
Unter dem Titel „Politische Kommunikation vor Ort. Demokratische Kulturen und lokaler Raum in Europa, 1870–1990“ veranstaltete das Institut für Geschichtswissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin (Lehrstuhl für Europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts, Prof. Thomas Mergel) in Zusammenarbeit mit der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien vom 4. bis zum 6. April 2013 eine internationale Tagung, auf der sich Forschende aus Deutschland, Italien, Frankreich, Dänemark, den Niederlanden und den USA über das Verhältnis lokaler politischer Kulturen zum „politischen Massenmarkt“ austauschten. Zur Sprache kamen unter anderem Wahlen und Wahlkämpfe, lokale Parteiorganisation, der Einfluss von Kirchen auf die lokale Politik, Gewalt als Medium politischer Konflikte und immer wieder die Frage, was unter dem Lokalen überhaupt zu verstehen sei und wie es als Raum, Bezugsrahmen und Identität auf vielfältige Weise konstruiert wurde. Der behandelte Zeitraum reichte vom späten 19. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre. Teilgenommen hat im übrigen auch eine Veranstalterin der kommenden Tagung „Culture and Practice of Elections“, über die hier schon berichtet wurde. Den Tagungsbericht von Felicia Kompio gibt es unter
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=5034
„The Ideal Parliament: Perception, Interpretation and Memory of Parliaments and Parliamentarism in Europe“ hieß die zweite Tagung, die vom 30. Mai bis zum 1. Juni 2013 in Den Haag stattfand. Organisiert wurde sie von deutschen und niederländischen Partnerinstitutionen im Rahmen des European Information and Research Network on Parliamentary History, darunter wiederum die Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Auch hier gab es ein breites internationales Feld von Vortragenden, die nicht nur zu den „klassischen“ Untersuchungsfällen Großbritannien und Frankreich, sondern auch etwa zu Spanien, Belgien, Italien, Ungarn, Polen oder der Tschechoslowakischen Republik sprachen. Es ging um Modelle und Ideale des Parlamentarismus, um Begeisterung für die parlamentarische Demokratie, aber auch um Kritik an ihr und die Suche nach Alternativen, nicht zuletzt auch um historiographische Traditionen der Deutung der Parlamentsgeschichte. Von den chronologisch gruppierten vier Sektionen ist aus der Perspektive unseres Blogs die erste zum 19. Jahrhundert besonders zu beachten, in der auch von Willibald Steinmetz (Bielefeld) ein Vortrag über die Frankfurter Nationalversammlung von 1848/49 im Spannungsfeld transnationalen Kulturtransfers und spezifisch-situativer Einflüsse gehalten wurde: „A New Design? The Frankfurt National Assembly of 1848/49 and ‘Western’ Parliamentary Culture“. Alles Weitere finden Sie im Tagungsbericht von Juliane Brandt (München) unter
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=5029
Amerika, Du hast es besser? Zur Lage der Postdoktoranden in den USA

Postdoktoranden sind wie Geister. So jedenfalls fasst Orfeu Buxton, Mitbegründer der National Postdoctoral Association, die Lage griffig zusammen. Rund 60.000 dieser Geister gibt es aktuell in den USA. Aus der gespenstischen Nicht-Sichtbarkeit der “tomorrow’s professors” entstand 2003 die landesweite Postdoctoral Association NPA.
Die Geschichte der Vereinigung lässt sich in einem lesenswerten Nature-Artikel von Karen Kaplan nachlesen. Neben Buxton kommt darin Alyson Reed, die erste Direktorin zu Wort. Außerhalb von Universitäten, so Reed, wüssten nur wenige, was Postdoktorand_innen eigentlich machen. Und auch auf dem Campus selbst ist die akademische Geselligkeit keine Selbstverständlichkeit. Auch für US-amerikanische Postdocs, selbst wenn sie einen wenig ihren Geisterstatus verlassen, gelten die Unsicherheiten des modernen akademischen Lebens. Max Webers “wilder Hasard” der wissenschaftlichen Laufbahn scheint auch hier selbstverständlich zu sein: Temporäre Absicherung, unklare Zukunftsperspektiven und schlechte Bezahlung gab und gibt es auch im US-amerikanischen System zuhauf.
Spannend ist vor diesem Hintergrund die grass roots-Gründung der NPA, die heute 2.700 Mitglieder hat. In Kaplans Artikel beginnt sie mit sieben Personen und einer Unterstützung der American Association for the Advancement of Science (AAAS). Zu den Herausforderungen der Vereinigung gehört neben den Finanzierungsfragen auch das permanente agenda setting in der Washingtoner Politikszene und an den Universitäten. Die Frage “Was ist ein Postdoc?” spielt dabei naturgemäß eine elementare Rolle, so dass 2007 eine entsprechende Definition geschaffen wurde, die sich heute auf der Homepage der NPA findet:
A postdoctoral scholar (“postdoc”) is an individual holding a doctoral degree who is engaged in a temporary period of mentored research and/or scholarly training for the purpose of acquiring the professional skills needed to pursue a career path of his or her choosing.
Zur Charakteristik von Postdoktoranden-Positionen gehört, dass sie temporäre Karriereschritte auf dem Weg zu einer permanenten Anstellung beinhalten, die meistens durch erfahrene Wissenschaftler_innen unterstützt werden. Dabei soll der hauptsächliche Ertrag die eigene wissenschaftliche Forschung und deren Publikation in der Förderzeit sein, auch wenn man an größeren Forschungsprojekten beteiligt ist. Postdocs sind für die NPA kein Beiwerk, sondern essenziell für die wissenschaftliche Stellung ihrer Mentoren und Heimatinstitutionen. Die Zeit als Postdoktorand_in sollte fünf Jahre nicht überschreiten.
Von der National Postdoctoral Association – die aktuell den Direktionsposten neu besetzt – lässt sich sicherlich auch für Europa und Deutschland einiges lernen. Mir fällt auf Anhieb keine Interessenvertretung ein, die Gleiches für die deutschsprachigen Kultur- und Geisteswissenschaften leisten würde. Das ist ob des spukhaften Charakters gerade hochmobiler Postdoktorand_innen zwar erklärbar, aber zugleich höchst unerfreulich. Immerhin wird die spezielle Situation im Templiner Manifest reflektiert. Dort heißt es kurz und richtig unter Punkt zwei:
Postdocs verlässliche Perspektiven geben
Promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Postdocs) müssen verlässliche berufliche Perspektiven haben: durch einen Tenure Track, der den dauerhaften Verbleib in Hochschule und Forschung ermöglicht – unabhängig davon, ob eine Berufung auf eine Professur erfolgt oder nicht. Voraussetzung dafür ist eine systematische Personalplanung und –entwicklung durch Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die Hochschullehrerlaufbahn muss über unterschiedliche Karrierewege erreichbar sein, die Habilitation ist dabei immer nur eine Möglichkeit.
Quelle: http://gab.hypotheses.org/494
Wenn Einwanderer zu Unternehmern werden. Das Forschungsprojekt Immigrant Entrepreneurship
Seit Anfang 2012 können unter www.immigrantentrepreneurship.org erste Ergebnisse des mehrjährigen Forschungsprojekts „Immigrant Entrepreneurship: German-American Business Biographies, 1720 to the Present“ genutzt werden. Das vom Deutschen Historischen Institut Washington unter der Leitung von Hartmut Berghoff und Uwe Spiekermann koordinierte Projekt analysiert erstmals systematisch den Beitrag deutscher Einwandererunternehmer/innen zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung der USA.

Einwanderung und Unternehmertum bildeten die Grundpfeiler des Aufstiegs der USA. Die Offenheit des amerikanischen Wirtschaftssystems für unternehmerische Initiativen von innen oder außen war eines der markanten Charakteristika der USA und ein zentraler Faktor ihrer Vitalität und Attraktivität, doch die Verbindung zwischen Einwanderung und Unternehmertum ist bislang noch nicht systematisch untersucht worden. In der Wissenschaft und in der Öffentlichkeit dominiert die Sichtweise einer relativ homogenen, sozial exklusiven Unternehmerelite mit angelsächsischem Hintergrund. Das Projekt zeichnet dagegen ein differenzierteres Bild, das der Vielfalt der amerikanischen Erfahrung entspricht. Während die Immigration politisch Verfolgter und Intellektueller aus Deutschland in die USA bereits recht gut erforscht ist, sucht man fundierte Beiträge über Unternehmer/innen zumeist vergeblich. Neuere Studien zu „immigrant entrepreneurship“ konzentrieren sich primär auf asiatische sowie latein- und zentralamerikanische Kleinunternehmen. Hier existiert also eine beträchtliche Forschungs- und Informationslücke, die das Projekt schließen wird.
Welcome to our website!
Die Onlineplattform wird ständig mit neuem Material ergänzt und bietet einen reichhaltigen, thematisch und didaktisch aufbereiteten Fundus an Fallstudien, Quellen und Forschungsliteratur. Am Ende werden mehr als zweihundert biographisch-unternehmenshistorische Essays deutsch-amerikanischer Unternehmer/innen der ersten und zweiten Generation stehen, begleitet von Überblicksdarstellungen sowie thematischen Essays zu Schlüsselthemen. Sie werden durch eine Fülle von Primärquellen ergänzt, wie z.B. Briefe und Tagebucheinträge, einschlägige Bilder, Geschäftsunterlagen, Ton- und Filmaufnahmen. Eine Suchmaschine erlaubt rasche Recherchen nach Themen, Namen, Regionen und Zeiten. So entsteht ein weltweit einmaliges und kostenlos nutzbares Online-Archiv zum Thema „immigrant entrepreneurship“.
Meet some entrepreneurs…
Das Projekt enthält Porträts und Essays zu Unternehmertätigkeit seit dem 17./18. Jahrhundert und dokumentiert so den Wandel von Unternehmen und Wirtschaftsbürgertum über die letzten dreihundert Jahre. Einer der frühesten deutsch-amerikanischen Unternehmer war William Rittenhouse (1644-1708), der die erste Papiermanufaktur in Nordamerika aufbaute als er sich im späten 17. Jahrhundert in der Provinz Pennsylvania niederließ. Das Know-How und die erforderliche Technologie dafür brachte er aus dem Bergischen Land mit. Er versorgte das aufkommende Verlagswesen in Philadelphia und sogar Druckereien im entfernten New York mit Papier.
Ein gutes Beispiel für neue Angebote des 19. Jahrhunderts bietet Maximilian D. Berlitz (1852-1921), Entwickler des gleichnamigen Spracherwerbssystems. Er kam 1870 in die USA und begann nach einer Reihe von Gelegenheitsjobs in Providence, Rhode Island, und später in New York City Sprachen zu unterrichten. Zu einer Zeit, zu der Geschäfts- und Privatreisen – und damit die Nachfrage nach Fremdsprachenkenntnissen – zunahmen, erfreute sich sein immersives Sprachsystem rasch großer Beliebtheit. Das Unternehmen, welches er gründete, ist heute noch einer der größten Anbieter im Bereich Fremdsprachenerwerb.
Philanthropie war in den USA seit Ende des 19. Jahrhunderts ein wichtiges Korrektiv für die noch gering ausgeprägte Staatstätigkeit. Diese entsprang christlichen aber auch jüdischen Wurzeln: Julius Rosenwald (1862-1932), Sohn deutscher Juden, die nach der Revolution von 1848 ausgewandert waren, wurde in Springfield, Illinois geboren. Er leitete das Großunternehmen Sears, Roebuck. Neben anderen philanthropischen Initiativen half Rosenwald, im Süden der Vereinigten Staaten mehr als 5,000 Schulgebäude für afroamerikanische Schüler und Schülerinnen zu errichten, um ihnen einen Elementarunterricht zu ermöglichen.
Die amerikanische Unterhaltungsindustrie des frühen 20. Jahrhunderts wurde tief von Immigranten geprägt. Harry Cohn (1891-1951) z.B. wollte ursprünglich Varietékünstler werden, doch gründete stattdessen im aufstrebenden Kalifornien ein kleines Filmstudio, welches später Columbia Pictures wurde. Er zielte auf hochwertige Filme, um hohe Zuschauerzahlen und Gewinne zu erreichen: “It Happened One Night” (Es geschah in einer Nacht, 1934) erhielt als erster Film die fünf prestigeträchtigsten Oscars. Über die folgenden zwanzig Jahre baute Cohn einen legendären Ruf als zugleich gefürchteter und bewunderter Filmmogul auf. Er formte die Karrieren von Stars wie Rita Hayworth und Kim Novak und produzierte berühmte Filme wie “Mr. Smith Goes to Washington” (Mr. Smith geht nach Washington, 1939) und “From Here to Eternity” (Verdammt in alle Ewigkeit, 1953).
Wie so viele, die nach der nationalsozialistischen Machtergreifung in den 1930ern Deutschland verließen, kamen Kurt und Helen Wolff (1887-1961 und 1906-1994) auf Umwegen in die USA und mussten sich dort eine neue Existenz aufbauen. Sie gründeten 1942 den Verlag Pantheon Books Inc., der sich rasch auf dem amerikanischen literarischen Markt etablierte und durch erfolgreiche Nischenstrategien sowie erstklassigen Übersetzungen europäischer Werke bekannt wurde. Die Veröffentlichung von Boris Pasternaks Doctor Zhivago im Jahre 1958 brachte den kommerziellen Durchbruch. Auch heute noch sind die Namen Kurt und Helen Wolff vielen Buchliebhabern ein Begriff, und Pantheon ist—mittlerweile als Imprint-Verlag in der Knopf Doubleday Verlagsgruppe—weiterhin im Geschäft.
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Quelle: http://mws.hypotheses.org/1277
Class Dismissed – Wie das US-Fernsehen die Arbeiterklasse zeigt
Und gleich noch einmal YoutTube. Eine sehr gut gemachte Dokumentation über das US-Fernsehen: Class Dismissed – How TV Frames the Working Class.
Based on the book by Pepi Leistyna, Class Dismissed navigates the steady stream of narrow working class representations from American television’s beginnings to today’s sitcoms, reality shows, police dramas, and daytime talk shows.
Featuring interviews with media analysts and cultural historians, this documentary examines the patterns inherent in TV’s disturbing depictions of working class people as either clowns or social deviants — stereotypical portrayals that reinforce the myth of meritocracy.
Class Dismissed breaks important new ground in exploring the ways in which race, gender, and sexuality intersect with class, offering a more complex reading of television’s often one-dimensional representations. The video also links television portrayals to negative cultural attitudes and public policies that directly affect the lives of working class people.
Danke an Christiane für den Tipp.
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