Akteure und Institutionen visueller Medien im [deutsch-]tschechischen Kontext

Akteure und Institutionen visueller Medien im [deutsch-]tschechischen Kontext

In den unterschiedlichsten Disziplinen gewinnen visuelle Medien als Quellen und Untersuchungsgegenstände zunehmend an Bedeutung, wobei der Schwerpunkt bisher vor allem auf den vermittelten Bildinhalten lag und weniger auf der Bildproduktion und Bildüberlieferung selbst. Aber gerade die Akteure und Institutionen sind es, die durch ihre Auswahl, (Vor-)Entscheidungen, Kooperationen, Organisationsstrukturen, technischen Möglichkeiten etc. das Bildgedächtnis moderner Gesellschaften geprägt haben und prägen.

Im deutsch-tschechischen Kontext erschienen in jüngster Zeit Studien zur Visualisierung historischer Ereignisse in den Böhmischen Ländern, z.B. zur Zwangsaussiedlung der Deutschen oder zu bestimmten tschechoslowakischen Themen wie der Niederschlagung des Prager Frühlings. Arbeiten jedoch, welche die Bildproduktion und -überlieferung in den Blick nehmen, stellen bislang ein Forschungsdesiderat dar. Ziel der diesjährigen Tagung, die von der 2013 im Rahmen der Historischen Kommission für die böhmischen Länder tätigen Arbeitsgruppe Visuelle Medien im deutsch-tschechischen Kontext organisiert wird, ist es, dieses Forschungsthema voranzutreiben.



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Quelle: https://www.visual-history.de/2017/04/10/akteure-und-institutionen-visueller-medien-im-deutsch-tschechischen-kontext/

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Lee Miller – Fotografien

Ausstellung: Lee Miller – Fotografien, Eine Ausstellung der Albertina Wien in Zusammenarbeit mit dem Martin-Gropius-Bau und der Lee Miller Foundation, Foto: Anne Chahine ©
Lee Miller – Fotografien

Ausstellung: Lee Miller – Fotografien, Eine Ausstellung der Albertina Wien in Zusammenarbeit mit dem Martin-Gropius-Bau und der Lee Miller Foundation, Foto: Anne Chahine ©

 

Lee Miller (Foto): Brandschutzmasken, London, England, 1941, Quelle: © Lee Miller Archives, England 2016. All rights reserved. www.leemiller.co.uk

Die beiden Frauen sitzen am Eingang eines Kellerzugangs, dessen hölzerne Türverschläge weit geöffnet sind. Kopf und Oberkörper sind dem Betrachter zugewandt, ihre Augen hinter schwarzen Brandschutzmasken verborgen.

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Quelle: https://www.visual-history.de/2016/05/02/lee-miller-fotografien/

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Vom Lächeln der Henker im Ersten Weltkrieg

Cover: Anton Holzer, Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung 1914-1918, Primus Verlag ²2014
Cover: Anton Holzer, Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung 1914-1918, Primus Verlag ²2014

Cover: Anton Holzer, Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung 1914-1918, Primus Verlag ²2014

„Ach, dieses Lächeln im Krieg war erschütternder als das Weinen“, schrieb Karl Kraus in „Die letzten Tage der Menschheit“. Und das Lächeln des Wiener Henkers nach der Hinrichtung des italienischen Patrioten Cesare Battisti im Jahr 1916 ist wahrhaft erschütternd. Heiter, als wären sie beim Heurigen, posieren der Henker und seine Assistenten vor der Kamera. Erst auf den zweiten Blick erfasst das Auge den erhängten Mann in ihrer Mitte, der an dem Pfahl wie eine Gliederpuppe wirkt – als Trophäe gehalten vom stolzen Henker, der mit seinen Händen den Besitz anzeigt.

Anton Holzer hat dieses Foto für den Umschlag seines Buchs „Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung“ gewählt, das 2014 als Sonderausgabe zum 100. Jahrestag des Ersten Weltkriegs in zweiter Auflage erschienen ist. Es reiht sich in eine lange Reihe von Bildern ein, mit denen Holzer die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung im Ersten Weltkrieg im Osten dokumentiert: Die Menschen hängen an Galgen, in den Bäumen oder an Pfählen. Diese Bilder vom österreichisch-ungarischen Kriegsschauplatz sollten neben denen vom Stellungskrieg an der Westfront Teil des Bildgedächtnisses werden – um auch den Mythos vom angeblich „sauberen“ Krieg zu widerlegen. Sie berichten von der systematischen und staatlich legitimierten Gewalt gegen Zivilisten gerade in den ersten Kriegsmonaten. Männer, Frauen wie auch Kinder wurden als „Spione“ und „Verräter“ zu Tausenden im Osten und Südosten Europas durch die Militärjustiz am Galgen hingerichtet. Meist waren es Angehörige ethnischer Minderheiten, Juden, Ruthenen (Ukrainer), Polen, Serben, Bosnier, Montenegriner, Tschechen und Italiener, die als „Fremde“ kollektiv verdächtigt, vertrieben und auch ermordet wurden.

Die Hinrichtung des italienischen Patrioten Cesare Battisti, Trient, 12. Juli 1916, Fotograf: namentlich nicht bekannter österreichischer Kriegsfotograf. Abb. aus: Anton Holzer, Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung, Darmstadt ²2014, S. 24

Die Hinrichtung des italienischen Patrioten Cesare Battisti, Trient, 12. Juli 1916, Fotograf: namentlich nicht bekannter österreichischer Kriegsfotograf. Abb. aus: Anton Holzer, Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung, Darmstadt ²2014, S. 24

Neben der Darstellung dieses Kriegs gegen die Bevölkerung versucht sich Holzer der Frage zu nähern, was für Motive die Täter wie die zahlreichen Schaulustigen hatten, sich mit den Opfern am Galgen fotografieren zu lassen. „Beutestücke einer abgründigen Schaulust“ (S. 10) nennt Anton Holzer diese Bilder, die er in Archiven in Tschechien, in Polen, in der Ukraine, in Serbien und Montenegro, in Bosnien und Slowenien gefunden hat. Sie waren dort, im Gegensatz zu westlichen offiziell-militärischen Sammlungen, wo es solche Fotos nicht geben durfte, archiviert worden, um die brutale und unrechtmäßige Kriegführung der Mittelmächte zu beweisen. Denn die Vorfälle waren keineswegs Exzesse Einzelner, sondern zentraler Teil der militärischen Strategie bei Kriegsbeginn, um die „verdächtige“ Zivilbevölkerung mit Zwangsdeportationen, Internierungen und systematischen Hinrichtungen zu „bändigen“ (S. 13). Nach zeitgenössischen Berichten waren es allein für die k.u.k. Monarchie zwischen 11.400 und 36.000 Zivilisten, die in den ersten Kriegsmonaten am Galgen ermordet wurden. (S. 19)

Die Fotos von den Hinrichtungen waren begehrt. Die Soldaten trugen sie in ihrem Gepäck oder direkt am Körper bei sich. In einzelnen Fällen wurden sie sogar als Feldpostkarten vervielfältigt und über die offiziellen Verkaufsstellen der Armee vertrieben. Was aus heutiger Sicht absolut unvorstellbar ist – wer verschickte solche Postkarten? –, zeugt aber auch von dem fehlenden Unrechtsbewusstsein. Erst als einzelne Bilder ab 1915/16 öffentlich zu Dokumenten der Anklage wurden, kursierten sie zwar immer noch, wurden jetzt aber geheim weitergereicht. Warum ließen sich die Täter überhaupt mit ihren Opfern fotografieren? Holzer nähert sich aus mehreren Perspektiven dieser Frage an. Zum einen waren die Fotografien sicherlich Trophäen für die beteiligten Soldaten, fast wie ein Fetisch Beweis ihrer Überlegenheit in einer Zeit, in der es sich so schnell starb. Auch wurden die Hinrichtungen als voyeuristisches Gewalt-Ritual öffentlich in Szene gesetzt, ein schreckliches Schauspiel, das Faszination und eine Art Lust auslöste – sie lässt sich in vielen Gesichtern der Umstehenden auf den Fotos im Buch erkennen. „Diese Lust hat zwei Seiten. Sie besteht darin, den Akt der Gewalt sehen zu wollen und in dem Wunsch, bei diesem Zuschauen gesehen (fotografiert) zu werden.“ (S. 96) Der Akt des Fotografierens selbst war sowohl Teil der Schaulust wie auch Ausdruck der Distanz zum Geschehen mittels des Apparates; er war also ganz selbstverständlich Teil der öffentlichen Gewalt.

 

Auf dem Weg zum Galgen. Hinrichtung eines „verdächtigen“ Zivilisten, Bosnien, Ende 1915. Fotograf: unbekannt (Abb. aus: Anton Holzer: Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung, Darmstadt ²2014, S. 54)

Auf dem Weg zum Galgen. Hinrichtung eines „verdächtigen“ Zivilisten, Bosnien, Ende 1915. Fotograf: unbekannt (Abb. aus: Anton Holzer: Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung, Darmstadt ²2014, S. 54)

Die Bilder, die Holzer in seinem Buch zeigt, sind erschreckend. Die Frage, ob man derartige Fotos abdrucken darf, beantwortet er mit einem klaren „ja“ (S. 14): Die Fotografien und zugleich die Geschichten, die sie erzählen (sofern er sie rekonstruieren konnte), berichten von den Gewalttaten hinter den Linien, sie geben den Opfern ein Gesicht (wenn auch meistens keinen Namen) und zeigen auch die Täter, unsere „Groß- und Urgroßväter“; so Holzer (S. 161). Aber er geht noch einen Schritt weiter und fragt auch danach, warum „uns“ heute diese und andere Bilder der Gewalt nicht mehr loslassen: Was ist das für ein Sog, in den wir durch den medialen Voyeurismus gezogen werden? Was hat es auf sich mit der Verknüpfung von Fotografie und Gewalt?

Die Gewalt, wie sie sich unmittelbar in den Fotos im Buch zeigt, geht weit über den Ersten Weltkrieg hinaus: Sie ist der Anfang einer langen Gewaltgeschichte, die ihren Höhepunkt mit dem nationalsozialistischen Vernichtungsfeldzug fand, der aber, und das zeigt Holzer eindringlich, „ohne die ‚Vorarbeit‘ der Jahre 1914 bis 1918 kaum denkbar“ gewesen wäre. (S. 161) Aber auch in den Kriegen nach 1945, in Vietnam, Afghanistan oder im Irak, sind Zivilisten Opfer systematischer militärischer Übergriffe geworden. Der lächelnde Wiener Henker im Jahre 1916 und die ausgelassenen amerikanischen Folterer von Abu Ghraib 2003 sind daher gar nicht so weit voneinander entfernt, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Dies zu zeigen, ist das Anliegen Anton Holzers.

 

Anton Holzer, Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung 1914-1918
Primus Verlag Darmstadt, Sonderausgabe 2014 (2., überarb. Aufl.), 244 S. mit ca. 114 s/w-Abb. und 2 farbigen Karten, gebunden mit Schutzumschlag, Format 21,0 x 27,0 cm, ISBN 978-3-86312-063-4, 24,95€

 

Dr. Anton Holzer ist Herausgeber der Zeitschrift „Fotogeschichte“. Er arbeitet als Fotohistoriker, Publizist und Ausstellungskurator in Wien. Bücher zum Ersten Weltkrieg: Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung, 2. Aufl. Darmstadt 2014; Die andere Front. Fotografie und Propaganda im Ersten Weltkrieg, 3. Auflage, Darmstadt 2012; Die letzten Tage der Menschheit. Der Erste Weltkrieg in Bildern. Mit Texten von Karl Kraus, Darmstadt 2013.

Quelle: http://www.visual-history.de/2014/08/12/vom-laecheln-der-henker-im-ersten-weltkrieg/

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Aby Warburg und die Bilder

Eva Schmidt (Hg.): Lieber Aby Warburg, was tun mit Bildern? Vom Umgang mit fotografischem Material. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung, Heidelberg: Kehrer Verlag, 2012, 15,5 x 23 cm, 380 Seiten, broschiert, 192 Abb. in Farbe., Deutsch/Englisch, 36 Euro
Eva Schmidt (Hg.): Lieber Aby Warburg, was tun mit Bildern? Vom Umgang mit fotografischem Material. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung, Heidelberg: Kehrer Verlag, 2012, 15,5 x 23 cm, 380 Seiten, broschiert, 192 Abb. in Farbe., Deutsch/Englisch, 36 Euro

Eva Schmidt (Hg.): Lieber Aby Warburg, was tun mit Bildern? Vom Umgang mit fotografischem Material. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung, Heidelberg: Kehrer Verlag, 2012, 15,5 x 23 cm, 380 Seiten, broschiert, 192 Abb. in Farbe., Deutsch/Englisch, 36 Euro

 

Um die Frage nach Funktion und Rolle von Bildern für kollektive Gedächtnisse beantworten zu können, muss die Frage nach Bildtraditionen und deren Deutung gestellt werden. Aby Warburgs Theorie des sozialen Bildgedächtnisses gewann in der Visual History daher in den vergangenen Jahren an Bedeutung.

„Lieber Aby Warburg, was tun mit Bildern?“, fragte eine Ausstellung im Sommer 2013 im Museum für Gegenwartskunst in Siegen. Im Dezember-Heft 2013 der  Zeitschrift Fotogeschichte beleuchtet eine Rezension den Begleitband zur Ausstellung.

 

 

Quelle: http://www.visual-history.de/2014/04/07/aby-warburg-und-die-bilder/

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Agenten der Bilder

Abraham Pisarek, Fotograf der Zeitung "Junge Welt" mit Rolleicord und Contax Fotoapparaten, 2. Deutschlandtreffen der Jugend 1954.

Innerhalb der Geschichtswissenschaft gewinnen Bilder als Quellen und Untersuchungsgegenstände stetig an Bedeutung. Dabei hat sich das Augenmerk bisher stärker auf die Bilder als auf die Infrastruktur der Bildproduktion bzw. die an ihr beteiligten Akteure gerichtet.

In dem Projekt „Agenten der Bilder. Fotografisches Handeln im 20. Jahrhundert“ soll der Fotojournalismus als zentrales Feld politischer Öffentlichkeit im 20. Jahrhundert jedoch vor allem daraufhin untersucht werden, wie Bilder produziert, vervielfältigt, vermarktet und publiziert wurden. Dabei stehen – neben den Fotografien – vor allem die Protagonisten der Bildproduktion im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dies gilt zunächst für die große Gruppe der Fotojournalisten.

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Quelle: https://www.visual-history.de/2013/11/22/agenten-der-bilder-fotografisches-handeln-im-20-jahrhundert/

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Visual History

Fotoapparate-Friedhof von Sonja Allocca

Wer kontrollierte und bestimmte in der Krisen- und Umbruchphase des späten Staatssozialismus, welche Bilder in die Öffentlichkeit gelangten? Wie unterschieden sich diese Praktiken und der Umgang der Bildproduzenten mit ihnen in den einzelnen Ländern des Ostblocks? Welche Rolle spielen Schulbücher als visuelle Medien? Wie wird in ihnen die Geschichte des Staatssozialismus visuell repräsentiert? Wie nutzte die Wissenschaft das Medium der Fotografie, um ihre Forschungsergebnisse in der Öffentlichkeit sichtbar und nachvollziehbar zu machen? Welcher Techniken bediente sie sich dabei? Vor welchen Problemen stehen die Bildarchive im digitalen Zeitalter? Geht die Kompetenz der Bildarchivare verloren oder ergeben sich mit der Digitalisierung neue Möglichkeiten der historischen Kontextualisierung von historischen Bildmaterialien?

Dies sind einige der Fragen, denen sich das Verbundprojekt „Visual History.

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Quelle: https://www.visual-history.de/2013/11/20/visual-history-institutionen-und-medien-des-bildgedaechtnisses/

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Eine neue Institution für den „Gambler“

Die Aufnahme erstellte Gerda Taro: Sie war Fotografin und bis zu ihrem Tod 1937 Lebensgefährtin von Robert Capa.

 

Seit Anfang 2013 verdichteten sich Spekulationen über die mögliche Ausgestaltung und den zukünftigen Ort einer nach Robert Capa benannten neuen fotografischen Institution in Budapest. Konkreter wurden die Pläne im Mai dieses Jahres, als die Regierung mit einem im Magyar Közlöny, dem ungarischen Bundesgesetzblatt, veröffentlichten Beschluss das Robert Capa-Zentrum für zeitgenössische Fotografie (RCZ) ins Leben rief sowie das Budget für 2013 mit insgesamt 155 Mio. Forint festsetzte. Die Idee für die Gründung einer Institution, die sich mit den ungarischen Fototraditionen auseinandersetzt, zugleich aber auch die zeitgenössische Fotografie berücksichtigt, entstand vor mehreren Jahren.

Das International Center of Photography wurde 1974 auf die Initiative des Fotografen Cornell Capa hin gegründet. Das New Yorker Institut soll als Vorbild für die Ausrichtung des Capa-Zentrums in Budapest dienen.



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Quelle: https://www.visual-history.de/2013/11/06/eine-neue-institution-fuer-den-gambler-in-budapest-nimmt-das-robert-capa-zentrum-fuer-zeitgenoessische-fotografie-robert-capa-kortars-fotografiai-koezpont-seine-arbeit-auf/

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