Abdankungen in Memmingen, I

Wann hörte der Dreißigjährige Krieg auf? Die übliche Antwort wird den 24. Oktober 1648 nennen, an dem in Münster das Friedenswerk unterzeichnet wurde, um das so viele Jahre intensiv gerungen worden war. Umgesetzt war der Frieden damit noch nicht, und ob sich die Papierversion in der Realität bewähren würde, war ebenfalls offen. Ein entscheidender Faktor war die Abdankung der Truppen: Solange sie überall im Reich verteilt in ihren Quartieren lagen, war es jederzeit möglich, die Kampfhandlungen wiederaufzunehmen. Wie die Abdankungen in der Folge des Friedensabkommens und vor allem nach dem Nürnberger Exekutionstag vonstatten gingen, der sich genau mit der Umsetzung der Friedensbestimmungen und hier auch den Abdankungen auseinandersetzte, ist bislang wenig untersucht. Nötig sind hierfür Detailstudien, die die Auflösung der Armeen bis hin zur Abdankung der einzelnen Regimenter in den Blick nehmen.

Genau dies habe ich exemplarisch versucht, indem ich die Abdankung des Regiments Winterscheid verfolgt habe, das seit der Übergabe der Stadt Memmingen an die kurbayerische Armee im Herbst 1647 dort stationiert war und am 5. Oktober 1649, also zwei Jahre später, dort aufgelöst wurde (zumindest die Memminger konnten erst im Oktober 1649 davon ausgehen, daß der Krieg wirklich zu Ende war).

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Quelle: http://dkblog.hypotheses.org/1232

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Landschaftsausschuss beschließt Aktualisierung der Förderrichtlinien für die nichtstaatliche Archivpflege

Der Landschaftsausschuss des LWL hat in seiner Sitzung vom 17.11.2017 die Förderrichtlinien für die Gewährung von Zuwendungen und Rabatten in der nichtstaatlichen Archivpflege aktualisiert. Sie lösen mit sofortiger Wirkung die Förderrichtlinien von 2004 ab.

Was ändert sich für die nichtstaatlichen Archive in Westfalen-Lippe? Die wichtigste Neuerung ist, dass zwischen Zuwendungen und Rabatten differenziert wird:

  • Zuwendungen sind tatsächlich ausgezahlte Finanzbeihilfen, die für archivfachlich sinnvolle Maßnahmen und archivspezisische Anschaffungen durch das LWL-Archivamt gewährt werden. Damit wird z.B.

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Quelle: http://archivamt.hypotheses.org/5765

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Die Alchemie ist tot – es lebe die Chemie!?

Erschöpft ist der Alchemist in seiner Werkstatt, die von eifrigem Treiben zeugt, zusammengesunken und sanft entschlafen. In seiner rechten Hand hält er noch die Schreibfeder, mit der er bis vor Kurzem seine Beobachtungen in dem davor aufgeschlagenen Buch festgehalten hat. Das Feuer des alchemistischen Ofens ist verloschen, das Werkzeug liegt, als wäre es inmitten der Tätigkeit fallen gelassen worden, davor verstreut. Der Zeitpunkt des Todes kann noch nicht weit zurückliegen. Es ist ein merkwürdiges Spannungsverhältnis zwischen eifrigem Schaffen und der Stille des Todes, das dieses Bild dominiert. Die Suche nach dem so vielfach in diversen Handschriften gepriesenen Stein der Weisen ist, so scheint es, gescheitert. Die Reise des Adepten bleibt unvollendet. Es ist ein Bild von Verzweiflung und Kapitulation, das Elihu Vedder mit seinem Werk The Dead Alchemist (1868) hier zeichnet.1



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Quelle: https://thearticle.hypotheses.org/588

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Eure Helden, unsere Täter: Die litauische Holocaust-Debatte ist aufs Neue entflammt

Kopie des Berichts von SS-Standartenführer Karl Jäger „Gesamtaufstellung der im Bereich des EK. 3 bis zum 1. Dez. 1941 durchgeführten Exekutionen“ über die Ermordung von litauischen Juden durch das Einsatzkommando 3 in Litauen (Jäger-Bericht) vom 1.12.1941, Foto: Bundesarchiv, Bild 183-B0716-0005-008

Vor 76 Jahren, am 1. Dezember 1941 berichtete der SS-Standartenführer Karl Jäger aus Kaunas nach Berlin: Litauen könne als judenfrei gemeldet werden, mit Ausnahme der „wenigen Arbeitsjuden“. Sein berühmt – berüchtigter „Jäger-Bericht“, den er zum ersten Advent fertigstellte, stellt eine akribische Tag-für-Tag -Auflistung aller in Litauen ermordeter Juden dar.

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Quelle: http://erinnerung.hypotheses.org/1617

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Jenseits der „Lügenpresse“-Parolen. Ein Gastbeitrag von Wolfgang Lieb

Dieser Beitrag ist ein Ergebnis der Jahrestagung des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung am 24. und 25. November 2017 in Berlin (Tagungstitel: Jenseits der “Lügenpresse”-Parolen – Soziale Bewegungen und die Zukunft der Medienkritik). Wolfgang Lieb hat an einer Gesprächsrunde mit der Überschrift „Lügenpresse“? – nix da! Wie positioniert sich eine progressive Medienkritik in Zeiten von Verleumdung und Verschwörungsideologien?“ teilgenommen und seine Notizen in diesem Text ausformuliert. Wolfgang Lieb war fast zwölf Jahre Mitherausgeber der NachDenkSeiten und ist einer der profiliertesten Beobachter der Medienkritik, die sich in Blogs und Online-Netzwerken artikuliert. Über die Berliner Tagung selbst hat Uwe Krüger hier berichtet.



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Quelle: https://medienblog.hypotheses.org/836

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Vom Aufstieg des Risikos und der Auflösung des Erwartungshorizonts

Ringvorlesung und Diskussion mit Rüdiger Graf

30.11.2017 von Anna Maria Schmidt und Helen Wagner

Den Auftakt unserer Ringvorlesung zum Thema „Imaginationen. Entwürfe von Vergangenem und Zukünftigem“ machte Rüdiger Graf vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, der zurzeit eine Gastprofessur an der Freien Universität Berlin innehat. Wie der Vortragstitel „Der Aufstieg des Risikos und die Auflösung des Erwartungshorizonts. Veränderungen der Zukunft im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts“ verspricht, widmete sich Graf in seinem Vortrag der Konjunktur des Risikobegriffs und dem damit einhergehenden Wandel des Zukunftsverständnisses seit den 1970er Jahren. Zunächst näherte er sich dem Aufstieg des Risikobegriffs in modernen Selbstbeschreibungen, den er anhand der Ausdifferenzierung, Popularisierung und Verwissenschaftlichung des Risikobegriffs festmachte.

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Quelle: http://grk1919.hypotheses.org/328

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„N. O. Body – Aus eines Mannes Mädchenjahren“ – von einer Medizinhistorikerin neu gelesen V: Diskussion – Resümee – Literatur

Diskussion Wie wird eine Besonderheit, ein Leiden von wem und wann bewertet? Und gibt es nicht zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Ausschläge hinsichtlich der diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten, des juristischen Rahmens und der Selbst- und Fremdzuschreibungen? Was…

Quelle: http://intersex.hypotheses.org/5173

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Tauts Türen









Tauts Türen

Sie treten einzeln auf, zu zweit, in der Regel durchfenstert, oft in Begleitung von Backstein, meistens mit einem Vordach und immer: in Farbe. Doch nicht nur den Türen verpasste Bruno Taut einen Anstrich – ganze Siedlungen wurden vielfarbig gestaltet, außen wie innen. Auf dem Ersten Deutschen Farbentag 1925 in Hamburg stellte Taut in seinem Vortrag kategorisch fest: „Da alles seine Farbe hat, so muss auch alles, was Menschen tun, farbig gestaltet sein.“
Bereits 1919 hatte Bruno Taut einen ersten Aufruf zum farbigen Bauen formuliert und in der Zeitschrift Bauwelt veröffentlicht. Als Stadtbaurat in Magdeburg sorgte Taut zwischen 1921 und 1924 nicht nur für einen Generalsiedlungsplan, sondern gemeinsam mit Carl Krayl auch für eine farbige Neugestaltung bestehender Architektur. Das Ergebnis wurde als „Bunte Stadt Magdeburg“ bekannt, womit jedoch nicht immer eine freundliche Umschreibung gemeint war. In seiner Funktion als Chefarchitekt der GEHAG (Berliner Gemeinnützigen Heimstätten Spar- und Bauaktiengesellschaft) realisierte Bruno Taut ab 1924 in Zusammenarbeit mit anderen Architekten zahlreiche Wohnbausiedlungen, so die Hufeisensiedlung in Britz (zusammen mit Martin Wagner) und eine als „Onkel Toms Hütte“ bekannte großflächige Anlage in Zehlendorf (mit Hugo Häring und Otto Salvisberg). Beim Durchqueren der Siedlungen fällt auf, dass die farbige Gestaltung einzelne Fassaden strukturiert.

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Quelle: https://thearticle.hypotheses.org/526

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Medienkritik: Kann man lechts und rinks velwechsern? Ein Gastbeitrag von Uwe Krüger

Es waren spannende Fragen für Medienkritiker, die das Institut für Protest- und Bewegungsforschung auf seiner Jahrestagung am 24. November in Berlin stellte: Wie verändert die „Lügenpresse“-Debatte, die vor allem von rechtskonservativen bis rechtsextremen Akteuren in teils völkischen und rassistischen Alternativmedien und auf sozialen Netzwerkplattformen geführt wird, die progressive Medienkritik? Seit Jahrzehnten haben sich linke Akteure an den Eigentumsverhältnissen und Selektionskriterien etablierter Medien abgearbeitet, eigene Medienprojekte gestartet und Gegenöffentlichkeit hergestellt. Müssen sie nun, da eine machtvolle Gegenöffentlichkeit von rechts entstanden ist, die von links-grün versiffter, gesteuerter, gleichgeschalteter Systempresse spricht und in ihren Kritikmustern zuweilen linker Medienkritik ähnelt, ihr Verhältnis zu den Mainstream-Medien neu justieren? Wo erwies sich die eigene Kritik als zutreffend, wo als problematisch? Wie geht radikale Medienkritik, die nicht an Verschwörungsideologien anschlussfähig ist? Und kann man „lechts und rinks (…) velwechsern“ (Ernst Jandl)?

„Nein“, sagt ganz entschieden Wolfgang Lieb, der Mitgründer und ehemalige Mitherausgeber des erfolgreichen Polit-Blogs Nachdenkseiten.de.

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Quelle: https://medienblog.hypotheses.org/745

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