Meldewesen in China zur Zeit der Sung-Dynastie

Der dem chinesischen Schriftsteller Schi Nai-an zugeschriebene Roman Die Räuber vom Liangschan wurde im 14. Jahrhundert verfasst und spielt zur Zeit der Sung-Kaiser um 1100. Spannend, dass neben allerlei Grausamkeiten und Menschenfressereien darin auch folgende Passage über die Einführung einer Meldepflicht zu finden ist:

Gerade an diesem Tag war eine neue Verordnung herausgekommen, wonach die Herbergswirte jeden Abend von den Gästen, die bei ihnen übernachten wollten, Familien- und Rufnamen, woher sie kämen und wohin sie wollten sowie ihren Beruf oder die Angelegenheit, in der sie unterwegs wären, in eine amtlich gestempelte Liste eintragen sollten. Nun konnte der Wirt Wang, bei dem wir eingekehrt waren, nicht schreiben, und er bat mich, diese Liste allabendlich für ihn zu führen.

NAI-AN, Schi: Die Räuber vom Liangschan. 2 Bände. Leipzig: Insel, 1974, Bd.1, S. 366.

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022538360/

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Die große Erfassung – Beitrag für Analyse & Kritik

In der aktuellen Ausgabe von Analyse & Kritik (Nr. 611, auch online) befindet sich ein Beitrag von mir zur Erfassung der frühneuzeitlichen Bettler_innen, bei der sich ein typischer Prozess feststellen lässt: Wurde zuerst nur eine Randgruppe mit speziellen Mitteln registriert, fanden diese Methoden später Anwendung auf die gesamte Bevölkerung.

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022522317/

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Radio Orange-Interview mit Anne Roth

Wurde letzte Woche von Radio Dispositiv auf Radio Orange ausgestrahlt und kann downgeloadet werden: Ein Interview mit Anne Roth zum Thema Vom Versuch kontrollierter Kontrolle – Anne Roth zum NSA-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages:

Anne Roth ist als Referentin im laufenden NSA-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages tätig, seit dieser Frühjahr 2014 seine Arbeit aufgenommen hat. Ausmaß und Hintergründe der Ausspähungen durch ausländische Geheimdienste in Deutschland aufzuklären lautet der offizielle Auftrag. Im Interview schildert sie, wie sich die Arbeit des Ausschusses gestaltet, was bereits herausgefunden wurde, was sich möglicherweise noch herausfinden lassen könnte, wo die Grenzen liegen und welche Perspektiven sich daraus ergeben.

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022513636/

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Big Brother Award 2015 an Hello Barbie

War eine runde Sache, die Sonntag Abends im Rabenhoftheater stattgefundene Gala der österreichischen Big Brother Awards 2015, und eine der würdigen Preisträgerin ist die Hello Barbie: Der Prototyp der Firma Mattel wurde Anfang des Jahrs vorgestellt, für das Weihnachtsgeschäft sollen englischsprachige Kinder damit schon beglückt werden: Es handelt sich schlicht um eine Barbiepuppe mit eingebautem Mikrofon, ein Kind, das mit dieser Puppe spielt, kann mit dieser sprechen, der Ton wird dann über Wlan auf einen Server mit Spracherkennung à la Siri geladen, dort wird die passende Antwort gesucht, die das Kind dann von der Puppe zu hören bekommt. Der Clou daran: Die Eltern des Kindes bekommen wöchentlich eine Sounddatei zugeschickt mit den an die Barbie gerichteten Worten des spielenden Kinds, auf dass sich dieses von klein auf an Überwachung gewöhne.
Siehe auch http://wien.orf.at/news/stories/2738830/

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022485372/

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Workshop „Borders and Mobility Control“, Wien 25./26.9.2015

Diesen Freitag/Samstag findet in Wien der Workshop "Borders and Mobility Control in and between Empires and Nation-States in Modern and Early Modern Times“ statt, mit Vorträgen vorwiegend zur habsburgischen Militärgrenze; ich nehme auch daran teil und werde am Samstag über Aufschreibetechniken an den Wiener Stadtgrenzen um 1800 referieren.

Programm: http://fsp-wi-ge.univie.ac.at/aktuell/archiv-einzelansicht/article/conference-borders-and-mobility-control-in-and-between-empires-and-nation-states-in-modern-and-ea/?tx_ttnews[pointer282404]=6&tx_ttnews[backPid]=103141&cHash=20d3be32b73391f7ff773a2cfb4d4dcd

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022474869/

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Vorlesung „Die Anfänge der Kontrollgesellschaft: Aufschreibesysteme und Orte…

Dieses Semester halte ich an der Uni Wien eine Vorlesung zum Thema Die Anfänge der Kontrollgesellschaft: Aufschreibesysteme und Orte der Macht in der Geschichte der Neuzeit; ihre Kurzbeschreibung lautet folgendermaßen:

Was heute der NSA und anderen Geheimdiensten ihre Backdoor zum Zugriff auf die Server der Internetkonzerne ist, waren in der Frühen Neuzeit die bei den Postämtern eingerichteten "Schwarzen Kabinette". Sie überwachten den Briefverkehr, kontrollierten private Post wie Botschafterdepeschen und leiteten im Verdachtsfall Kopien davon an die vorgesetzten Behörden weiter. Doch nicht nur die auf Papier basierenden Aufschreibesysteme ließen Utopien wie die eines allumfassenden Meldewesens entstehen, auch klassische Formen der persönlichen Kontrolle sollten nicht vernachlässigt werden. So war schon das Wien des 18. Jahrhunderts von "menschlichen Medien" wie Hausmeistern oder Lohnlakaien bevölkert, die zum einen hilfreiche Geister, zum anderen Zuträger der Geheimpolizei waren.
Die Vorlesung spürt den Anfängen der heutigen "Kontrollgesellschaften" (Deleuze) in der Neuzeit nach und behandelt Themen wie Adressbüros, Enquêten und Volkszählungen, die Kulturtechnik der Nummerierung, Speicher-, Übertragungs- und Menschmedien, Grenzstationen, Orte der Einsperrung, Museen und Wunderkammern, Polizei und Meldewesen, Aneignung und Widerstand; inkludiert sind Ausführungen zu theoretischen Werkzeugen wie den im Titel der Vorlesung auftretenden Begriffen wie "Kontrollgesellschaft" und "Aufschreibesystemen".

Zeit: Dienstag, 18:30-20:00
Beginn: 6.10.2015
Ort: Universität Wien, Hauptgebäude Universitätsring 1, 1. Stock, Stiege 8, Hörsaal 41
Anmeldung: https://univis.

[...]

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022471803/

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Ö1-Diagonal über Edward Snowden

Heute auf Ö1-Diagonal (14.3.2015, 17:05-19:00):

Zur Person Edward Snowden. Whistleblower, Held und Verräter.
Präsentation: Ines Mitterer

Er hatte gut verdient, einen, wie er selbst sagt, "komfortablen Job" und ein Haus auf Hawaii. Das alles hat er vor zwei Jahren aufgegeben, als er einem Journalisten und einer Dokumentarfilmerin erzählte, woran er gearbeitet hatte: an Programmen zur weltweiten Überwachung der Internet-Kommunikation im Auftrag des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA.

Seitdem ist Edward Snowden auf der Flucht, und dass er sich ausgerechnet in Putins Russland aufhält, wird ihm von vielen angekreidet - doch mehr als ein Dutzend westliche Staaten wollten ihm kein Asyl gewähren, und Ecuador, das dazu bereit gewesen wäre, wurde von den USA mit dem Entzug von Handelserleichterungen bedroht. Die Freie Universität Berlin hat ihn zu ihrem Ehrenmitglied gemacht, er hat den Alternativen Nobelpreis und die Carl-von-Ossietzky-Medaille erhalten, doch für den Wiener Mathematiker Rudolf Taschner ist er der "Heiland der notorischen Amerika-Hasser".

"Diagonal" zeichnet nach, was in den vergangenen zwei Jahren über die weltweiten Überwachungssysteme bekannt geworden ist, beschreibt, wie der investigative Journalismus bedroht ist und würdigt die Rolle von Whistleblowern.

Inhaltsverzeichnis

Sammler und Jäger
Diese Woche ist bekannt geworden, dass die National Security Agency auch österreichische UPC Kunden mit chello.at-Mail-Adresse im Visier hatte oder hat. Das sind mehr als 400.000 Internetkunden in Österreich, deren Daten jetzt in den riesigen Speichern der NSA gelandet sind und dort gelagert werden bis zum Sanktnimmerleinstag. Die NSA interessiert sich also bei uns nicht nur für internationale Einrichtungen wie die OPEC oder die Atomenergiebehörde - was wir schon aus Snowden-Dokumenten erfahren haben - sondern auch für Sie und mich. Sonja Bettel schildert die Tragweite der Snowden-Enthüllungen bis heute.

"Ich bin eine Hauskatze"
Das sagt Ed Snowden über sich. Und das ist auch gut so. Sonst würde der derzeit im russischen Exil lebende Whistleblower wohl seinen Auslauf vermissen. Snowdens Spielraum ist klein: Er hat keinen Pass, darf nicht ausreisen und schon gar nicht nach Hause, wo ihn ein Prozess und wohl einige Jahrzehnte Haft erwarten würden. Aufgeben werde er deswegen nicht, hat er sich vorgenommen. Er lernt schon einmal russisch. Wie Snowden Russland und Russland Snowden sieht, berichtet von dort Christian Lininger.

Ich weiß, ich weiß, was du nicht weißt!
... darf aber nicht sagen, von wem. Whistleblower bleiben aus gutem Grund anonym. Sie können so gut wie nirgends auf dieser Welt auf einen fairen Prozess hoffen. Ihr Sprachrohr sind Journalisten. Bei Snowden waren das Glenn Greenwald vom britischen "Guardian" und die Filmemacherin Laura Poitras. Wie können aber Journalisten ihre Quellen schützen? Schlecht bis gar nicht, weiß Tanja Malle - vor allem wenn es um Fragen "nationaler Sicherheit" geht.

Gut gepfiffen, Löwe
Geheimdienste haben es naturgemäß nicht gerne, wenn ihre Geheimnisse ans Tageslicht kommen. Sollte es jemanden also einfallen, auf Missstände innerhalb der "Organisation" aufmerksam machen zu wollen, dann wehe ihm oder ihr. Statt diejenigen, denen unsere Privatsphäre so egal ist wie nur, trifft die Härte des Gesetzes dann oft die Whistleblower. Im übelsten Fall landen sie jahrzehntelang im Gefängnis. Doch selbst, wenn sie davonkommen, ist der psychische Druck so groß, dass Leben daran zugrunde gehen können, wie zwei britische Whistleblower Sonja Bettel erzählt haben.

Jedem sein Geheimpapier
Seit Snowdens Enthüllungen machen inzwischen doch auch einige Privatpersonen und Firmen das, was früher nur Organisationen gemacht haben, die über Hochvertrauliches kommuniziert haben: Sie verschlüsseln ihre Nachrichten. Sie, ja Sie können ihren E-Mail-Verkehr für die NSA uneinsehbar machen, genauso wie Ihre Spuren im WWW verschwinden lassen. Das klingt nicht nur attraktiv, das stärkt auch die Zivilgesellschaft. Tanja Malle erklärt, warum.

Kleinmöbel und Musik
Günter Hack, Autor, Journalist und früher Leiter der ORF Futurezone, erklärt in einem Studiogespräch, warum er die Netzutopie der glücklichen Internetfrühzeit für gescheitert hält, das World Wide Web aber trotzdem einfach "schön" ist; Robert Rotifer macht sich in London ein Bild über die von der Regierung angeordnete Zerstörung der Festplatten beim "Guardian", auf denen die Informationen von Edward Snowden gespeichert waren; und Tanja Malle war damals am Flughafen in Schwechat dabei, als die USA das Präsidentenflugzeug von Evo Morales zum Landen zwangen, weil sie vermuteten, er hätte einen blinden Passagier namens Snowden an Bord.

Gestaltung: Ines Mitterer

Quelle: http://adresscomptoir.twoday.net/stories/1022406679/

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