Heinrich August Winkler – Deutungskämpfe. Der Streit um die deutsche Geschichte (Teil 3)

 

Heinrich August Winkler - Deutungskämpfe. Der Streit um die deutsche Geschichte

Nazi-Soziologie

Zu den entscheidendsten Fragen jüngerer deutscher Geschichtsschreibung gehört die nach dem "Warum". Warum kam Hitler an die Macht, und wie? Die konservativen Apologeten favorisierten lange eine Erklärung von der Wahl radikaler Spinner, die quasi allein verantwortlich waren, durch verelendete Massen. Doch bereits in den 1960er Jahren begann eine vor allem soziologisch unterfütterte Analyse Raum einzunehmen.

Den Anfang macht eine in Kapitel 10, "Warum die Bauern Hitler wählten", erst 1963 auf Deutsch erschienen, aber bereits in den 1930er Jahren abgefasste Studie aus Schleswig-Holstein. Darin wurde herausgearbeitet, dass die Bauernschaft Schleswig-Holsteins viel entschiedener und umfänglicher dem Nationalsozialismus verfiel als andere Gruppierungen. Den Grund dafür sieht Winkler vor allem in den vormodernen patriarchalischen Strukturen, die auf dem Land auch zu dieser Zeit noch weitgehend herrschten. Diese Argumentation wird dann in seinen Betrachtungen der Sonderwegsthese später immer wieder aufgegriffen: für ihn ist der entscheidende Unterschied zwischen Deutschland und den westlichen Ländern der starke Agrarsektor mit seiner Adelselite und ihrer Beharrung auf vormodernen Strukturen, weswegen er auch wesentlich bereitwilliger einen Sonderweg zu erkennen bereit ist und von all seinen Kritikern einfordert, diesen Strukturunterschied anders zu erklären (was niemand zu seiner Zufriedenheit tun kann).



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Quelle: http://geschichts-blog.blogspot.com/2026/02/heinrich-august-winkler-deutungskampfe.html

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Interesse an Datenkompetenzen? Mitstreiter:innen für neue AG gesucht – Treffen auf der DHd2026

Datenkompetenzen für Forschung und Lehre gewinnen in den Geistes- und Kulturwissenschaften zunehmend an Bedeutung. Dennoch gibt es bislang im DHd-Verband keine Arbeitsgruppe, die sich gezielt und infrastrukturunterstützend mit der Vermittlung dieser Kompetenzen befasst. Dies möchten wir gemeinsam ändern und laden darum alle Interessierten ein, aktiv an der Gründung einer solchen Arbeitsgruppe mitzuwirken.


Da das Themenfeld sehr heterogen ist und viele Anforderungen unterschiedlicher Fachgemeinschaften zusammengebracht werden müssen, gestaltet sich dieses Bestreben als Herausforderung. Einerseits gibt es übergreifende Fragestellungen, andererseits erfordern viele Aspekte eine fachspezifische Betrachtung, da die Bedarfe und Lösungswege in den einzelnen Disziplinen und für einzelne Datentypen variieren.

 

Mit OER.net hat sich eine Vernetzungsgruppe der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften zusammengefunden, um diese Herausforderungen  gezielt anzugehen.

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Quelle: https://dhd-blog.org/?p=23249

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Widerstand in Genf

Schwarzweißfoto von einer Gruppe von Menschen an Konferenztischen
Zwischen 1981 und 2004 reiste die Fotografin Beatrice Weyrich jedes Jahr nach Genf, um an einer Konferenz der UNO teilzunehmen. Hier kamen die Delegierten indigener Völker zusammen, um für ihre internationale Sichtbarkeit und Anerkennung einzutreten. Weyrich dokumentierte die Arbeit der Delegierten – und schuf so eine visuelle Gegenerzählung zu dominierenden stereotypen Darstellungen Indigener Nordamerikas.

Quelle: https://visual-history.de/2026/02/13/mueller-widerstand-in-genf-beatrice-weyrich/

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Virtuelles DH-Kolloquium an der BBAW, 16.02.2026: Die KI beschreibt mein Objekt? – Anwendungsszenarien und Ausblicke für die Museumsdokumentation in Zeiten von KI

Im Rahmen des DH-Kolloquiums an der BBAW laden wir Sie herzlich zum nächsten Termin am Montag, den 16. Februar 2026, 16 Uhr c.t., ein (virtueller Raum: https://meet.gwdg.de/b/lou-eyn-nm6-t6b):

Joshua Ramon Enslin (Freies Deutsches Hochstift | museum-digital)

Spätestens mit dem Aufkommen und der Popularisierung von KI-Chatbots wie ChatGPT hat die Diskussion um die Möglichkeiten des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz auch die Museumsdokumentation erreicht.

In diesem Vortrag wird auf Basis eines generalisierten Lifecycles von Erschließungsdaten zu Museumsobjekten erst ein kurzer Überblick über bisherige Einsatzszenarien von KI mit dem Versuch einer Klassifikation präsentiert. Im Folgenden werden zwei im Rahmen der Initiative
museum-digital entwickelte Einsatzszenarien im Detail beleuchtet.

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Quelle: https://dhd-blog.org/?p=23245

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Rezension: Heinrich August Winkler – Deutungskämpfe. Der Streit um die deutsche Geschichte (Teil 2)

 

Heinrich August Winkler - Deutungskämpfe. Der Streit um die deutsche Geschichte

Ostpreußische Adelige und andere Rechte

Mit dem von mir postulierten Wandel der Geschichtswissenschaft beschäftigt sich Winkler auch auf der Metaebene. In Kapitel 19, "Historiker in ihrer Gegenwart", ist eine Reflexion Winklers über den Historikerkongress in Berlin von 1964 abgedruckt. Für den jungen Winkler war offenkundig, wie sehr sich die Geschichtswissenschaft einerseits methodisch weiterentwickelt hatte, entschieden weg von der früheren Personen- und Diplomatiegeschichte hin zu Wirtschafts- und Sozialgeschichte, wie sie aber auch ebenso entschieden von den typischen apologetischen Positionen etwa eines Gerhard Ritter abgekommen war. Die Deutungskämpfe der 1950er Jahre waren entschieden. Eine neue Generation von Historiker*innen habe eine klar wahrnehmbare "Linksschwenkung" der Geschichtswissenschaft weg von konservativer Apologetik bewirkt, die Debatte sei von den Konservativen klar verloren worden. Genauso wie dies später beim Historikerstreit der Fall sein würde war diese Niederlage vor allem dadurch relevant und deswegen für eine neue Generation von Historiker*innen prägend, weil sie wissenschaftlich geschehen sei: ad fontes, auf Basis der Quellen, ließen sich die alten Deutungen nicht mehr halten.



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Quelle: http://geschichts-blog.blogspot.com/2026/02/rezension-heinrich-august-winkler_0948427406.html

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