Über die Folgen von Wirtschaftskrisen, deren Verläufe, Voraussetzungen und Implikationen, werden seit mehr als drei Jahrhunderten Beobachtungen gemacht. Ihr zyklisches Auftreten, die Auswirkungen auf Arbeits- und Lebensbedingungen, sowie damit verbundene gesellschaftliche Umbrüche machen Krisen zu einem populären Thema innerhalb der … Weiterlesen
WDR 3 Radiotag zum Jahr 1913
“Atemlos, taumelnd, überhitzt” – so lebte es sich im Jahr 1913, das den Vorabend des Ersten Weltkriegs markiert. Und so heißt auch das Thema eines WDR 3 Radiotags im September:
http://www.wdr3.de/schwerpunkte/radiotag/
Quelle: http://1914lvr.hypotheses.org/38
Ein grüner Faden durch die Netzbiographie. Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck und die Botanik
Sein Name begegnet bereits in der Schule, wenn auch nicht im Geschichtsunterricht. Dafür jedoch beim Mikroskopieren dickblättriger Pflanzenteile, beim Pippettieren krautig riechender Säfte und natürlich in den unausweichlich folgenden Fragen der Biologielehrerin nach den bevorzugten Standorten von Salmia, Dyckia oder Reifferscheidia… . Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck ist in aller erster Linie bekannt als großer Pflanzenkundler, als begnadetes Talent und umtriebiger Wissenschaftspionier auf dem Feld der Botanik. Etliche Pflanzengattungen wurden nach ihm benannt, durch ihn erstmalig bestimmt. Insbesondere seine Abhandlungen zur Systematik der Kakteengewächse wie allgemein zu den Sukkulenten und natürlich sein Hortus Dyckensis, in dem er die zahlreichen, in seinem Dycker Schlosspark versammelten und kultivierten seltenen Pflanzenarten dokumentiert, brachten ihm eine entsprechende Reputation ein. Seine botanische Bibliothek (nach ihrer Versteigerung heute leider in alle Winde zerstreut) gehörte wohl zu den bestsortiertesten seiner Zeit. Der malerische Landschaftsgarten lockt demgegenüber noch immer viele Besucher nach Dyck.
All jenen Aspekten seines botanischen Wirkens sind in der multiperspektivischen Netzbiographie zu seiner Person einzelne Beiträge gewidmet. Darüber hinaus wird man in den zahlreichen weiteren, um ganz unterschiedliche Handlungsräume des Protagonisten kreisenden Artikeln immer wieder auf das Thema Botanik stoßen. Bereits während seiner Kavalierstour und insbesondere im Jardin du Roi zu Paris wurde der junge Graf in der Pflanzenkunde unterwiesen. Hier wurde seine Leidenschaft offenbar geweckt. Seine sozialen Netzwerke durch ganz Europa spannten sich primär längs der botanischen Wissenschaft, seine Ämterkarriere unter Napoleon I. ließ sich immer wieder vorteilhaft mit ihr verbinden. In preußischer Zeit hüteten livrierte Parkwächter seine kostbarsten Pflanzenschätze, und repräsentierten zugleich seinen standesherrlichen Anspruch. Selbst mancher Brief des Landwehrmajors handelt zuvorderst von – Kakteen… .
Die Botanik stellt eine tragende, ja vielleicht die zentrale Achse im Leben Josephs zu Salm-Reifferscheidt-Dyck dar. Dabei wird die Prominenz dieses Aktions- und Denkfeldes erst in der Fokussierung anderer Tätigkeitsbereiche durch ein Kollektiv spezialisierter Autoren, durch intensive Verlinkungen, gezielte Verschlagwortung (Tag Cloud) und innovative Visualisierung (Itinerar) wirklich deutlich. So entsteht Schritt für Schritt, trotz aller bisherigen Bekanntheit des “Botanikerfürsten”, ein neues, ein präziseres Bild Josephs zu Salm-Reifferscheidt-Dyck in seiner Zeit. Das ist so sicher wie der grüne Daumen!
Florian Schönfuß
Quelle: http://rhad.hypotheses.org/242
Mord an einem Franziskaner
Es passiert im Dezember 1631 auf dem Gebiet des Herzogtums Württemberg. Ein Franziskanermönch befindet sich auf dem Weg von Heilbronn zu dem erst vor kurzer Zeit restituierten Klarissenstift in Pfullingen, wo er als Beichtvater erwartet wird. Doch er wird dort nie ankommen: Ein Reiter fängt ihn in der Nähe von Asperg ab, bringt ihn um und raubt ihn aus. Zunächst einfach nur die Geschichte eines Mordes, wie sie zigfach auch in diesen Zeiten belegt ist.
Welche vielfältigen Bezüge sich aus diesem Vorfall ergeben, wurde in einem Vortrag deutlich, den Oleg Rusakovskiy letztens auf einem Workshop an der Uni Tübingen hielt. Er tat dies auf der Grundlage umfangreicher württembergischer Kriminalakten, die den mehr als zwei Jahre dauernden Prozeß zu diesem Mordfall dokumentieren. So versuchte auch Kurfürst Maximilian von Bayern Einfluß auf das Verfahren zu nehmen. Daß die Ermordung eines Ordensmanns auch in München registriert wurde, erstaunt vor allem deswegen, weil der Kurfürst angesichts der akuten militärischen Bedrohung durch die schwedische Armee eigentlich ganz andere Sorgen hatte.
Der ermordete Franziskaner besaß übrigens eine Salvaguardia, ausgestellt von der schwedischen Armee, die zu dem Zeitpunkt schon in Heilbronn stand. Er stand damit unter dem Schutz der schwedischen Waffen, der Mörder mißachtete also die Autorität des schwedischen Schutzbriefes. Dessen Situation konnte auch dadurch nicht besser werden, daß er, wie sich herausstellte, unter den schwedischen Fahnen als Kavallerist gedient hatte. Denn eigentlich achtete jede Armee genau darauf, daß ihre Militärgerichtsbarkeit beachtet wurde und sich andere, territoriale Gerichte hier nicht einmischten.
Gegen den unter Mordverdacht angeklagten Reiter wurden erdrückende Indizien beigebracht: In seinem Haus fand man mit dem Almosenkasten ein Beutestück, das der Mönch bei sich geführt hatte. Was konnte der Reiter da noch zu seiner Verteidigung beibringen? Er spielte die konfessionelle Karte und bediente sich Versatzstücke des antikatholischen Diskurses: Mit dem Verweis darauf, der Überfallene sei für ihn als Franziskaner ein „Schelm“ und „Landsverderber“, suchte er seine Untat zu rechtfertigen. Natürlich beurteilte der Franziskanerorden den Ermordeten ganz anders und erkannte in ihm einen Märtyrer des Glaubens.
Dies alles sind nur knappe Schlaglichter auf einen Vorfall, der gerade aus seiner Komplexität seinen großen Reiz gewinnt. Sicherlich sind derartige Geschichten nicht immer leicht zu entwirren, aber sie helfen doch, die Verhältnisse dieser Zeit ganz wunderbar zu veranschaulichen. Man kann sich jedenfalls darauf freuen, irgendwann einmal die komplette Analyse dieses Ereignisses nachlesen zu können. Dabei steht der Ausgang der Geschichte schon fest: Der Mörder des Franziskaners wurde zu einer Zahlung einer für seine Verhältnisse gewaltigen Summe Geld verurteilt – aber er kam immerhin mit dem Leben davon. Zumindest vorerst, denn einige Zeit später fand auch er ein gewaltsames Ende.
Quelle: http://dkblog.hypotheses.org/295
SSK (2): Krisenzugänge – Potentiale der Soziologie – Prozesse in der Organisationssoziologie – Politische Potentiale
Innerhalb der soziologischen Theorietradition gibt es viele Perspektiven, mit denen Krisen betrachtet und auch greifbar gemacht werden kann. Krisen kamen explizit und implizit schon bei den großen Klassikern vor. Schon Durkheim, Weber, Marx und Simmel beschäftigten sich mit ihnen und … Weiterlesen
Hinweis auf Umfrage für Doktoranden der Archäologie
Der Dachverband archäologischer Studierendervertretungen e.V. (DASV) führt bis zum 29.9.2013 eine Online-Umfrage zu der Situation der Promovierenden in den archäologischen Fächern in Deutschland, Österreich und der Schweiz durch.
Die Umfrage ist anonym und die Ergebnisse sollen nach der Auswertung auf den Seiten des DASV veröffentlicht werden.
Es handelt sich insgesamt um 17 Fragen, in denen es um die finanzielle Situation und die Betreuung durch die Universität geht.
Ich halte es für wichtig, an solchen Umfragen teilzunehmen. In Deutschland ist es schwierig, klare belastbare Zahlen zur Promotion und zur Situation von Promovierenden zu bekommen. Das liegt vor allem daran, dass viele Doktoranden “extern”, neben dem Beruf, promovieren und damit häufig aus den Statistiken fallen.
Im aktuellen Bericht der Bundesregierung zur Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland sind Zahlen durch ein Hochrechnungsverfahren ermittelt worden. Die Situation der Doktoranden in unserem kleinen Fach ist dort natürlich nicht separat ermittelt worden.
Zur Umfrage geht es hier: https://de.surveymonkey.com/s/dasv_promotion
Bundesbericht wissenschaftlicher Nachwuchs 2013 hier
Emotionen und Wirtschaftsethik – ein Einwurf
Von Christoph Lütge
Wie man mit Geld und anderen ökonomischen Mechanismen umgeht, ist auch Thema der Ethik, insbesondere der Wirtschaftsethik (K. Homann/Ch. Lütge: Einführung in die Wirtschaftsethik, 3. Aufl., Münster 2013). Dabei setzen so manche Ansätze der Wirtschaftsethik vor allem auf die rationale Kraft der Argumentation: Peter Ulrich (Integrative Wirtschaftsethik: Grundlagen einer lebensdienlichen Ökonomie, Bern 1997) und Horst Steinmann etwa berufen sich auf die Diskursethik Habermas’ als grundlegendes Paradigma einer Ethik, die vor allem mit rationalen Überzeugungsmethoden, mit Appellen an das Gewissen und an die Einsicht, die Akteure im Wirtschaftsgeschehen “zur Vernunft” bringen will.
Der Ansatz der Ordnungsethik (Ch. Lütge: Wirtschaftsethik ohne Illusionen, Tübingen 2012) dagegen ist skeptisch gegenüber der Kraft rationaler Argumentation. Sie muss dazu gar nicht pessimistisch gegenüber den Motivationen der Menschen sein. Nur: Im Wettbewerb stehen Akteure unter dem Druck von Anreizen, der ihre guten Motivationen leicht erodieren lässt. Man kann solche Vorgänge mit Emotionen erklären – und diese wiederum mit zugrunde liegenden Interaktionsstrukturen (Dilemmasituationen). Daher setzt die Ordnungsethik statt auf Änderungen der Motivationen (“Bewusstseinswandel”) auf Änderungen der Regeln. Gleiche Spielregeln erlauben es, mit den Emotionen der Akteure und den Anreizen der sozialen Welt besser umzugehen – und das heißt: so dass alle Seiten etwas davon haben.
Der Zisterzienser Adam von Perseigne und das Speculum virginum
In der ersten Hälfte der 1990er Jahre habe ich mich recht intensiv mit der Geschichte des Klosters Hirsau befasst und auch auf Werkvertragsbasis unter Volker Himmelein, damals Direktor des Badischen Landesmuseums, die Eröffnung des Klostermuseums Hirsau vorbereitet. Aus dem umfangreichen Forschungsbericht, den ich für die Blätter für württembergische Kirchengeschichte schreiben wollte, ist nichts geworden. Besonders gefesselt hatte mich das Problem des als Konrad von Hirsau bekannten Autors, des Verfassers des Jungfrauenspiegels “Speculum virginum”. Vor kurzem habe ich in diesem Blog eine umfangreiche Besprechung des [...]
Der rationale Reiche?
Der rationale Reiche entspricht im modernen Sinne einem Menschen, der seine Gefühle einem vernunftgemäßen, zweckorientierten Agieren unterordnet und so wirtschaftlichen Erfolg hat. Die Geschichte dieser Vorstellung lässt sich auch als Geschichte des Versuchs, Ungewissheit und Kontingenz zu bewältigen, erörtern. Seit dem 12. Jahrhundert machte ein immer größer werdender Personenkreis die Erfahrung, dass Reichtum nicht mehr allein dem grundbesitzenden Adel vorbehalten war. Durch Handel, Kreditgeschäfte und erfolgreiche Investitionen konnte er vielmehr innerhalb nur einer Generation aufgebaut werden und ebenso schnell wieder zerrinnen. Dies hatte zur Folge, dass man sich verstärkt mit dem Schicksal und der Frage auseinandersetzte, inwiefern es durch Klugheit und Tüchtigkeit lenkbar sei. Als eine Antwort des 20. Jahrhunderts mögen der American Dream und sein Versprechen gesehen werden, harte Arbeit und Zielstebigkeit würden mit einem stetig wachsenden Einkommen belohnt. Dass menschliche Entscheidungen jedoch niemals allein der Vernunft folgen, sondern von Gefühlen begleitet, ja häufig sogar geleitet werden, ist eine Erkenntnis, die in Bezug auf die Untersuchung von wirtschaftlichem Handeln in jüngerer Zeit wieder an Bedeutung gewonnen hat und für die Geschichtswissenschaft fruchtbar gemacht werden kann. Die Beiträge der ersten Sektion widmen sich entsprechend dem Spannungsverhältnis von Emotionalität und Rationalität in historischen Kontexten der Generierung, Bewahrung und Konsumtion von Vermögen sowie den Selbst- und Fremdbildern reicher Personen.
Das geschichtsdidaktische Blogjournal “Public History Weekly”
Falls man sich nicht einem wirklichen Orchideenfach mit einer überschaubaren Anzahl an Kolleginnen und Kollegen verschrieben hat, kennt man die unterschwellige Verzweiflung angesichts der immer länger werdenden Liste der “unbedingt zu lesenden Fachbeiträge”. Fachzeitschriften erscheinen monatlich, quartalsweise, halbjährlich oder als Jahresband, die Ergebnisse von Tagungen werden in Sammelbänden präsentiert, Buchreihen fortgeschrieben, Dissertationen und Habilitationen verfasst und Handbücher geschrieben. In der Geschichtsdidaktik kommen noch die Schulgeschichtsbücher, Fachzeitschriften sowie die einschlägigen Blogs und Tweets der twitternden Geschichtsdidaktiker hinzu. Und jetzt noch: ein Blogjournal!
Den Mehrwert ihres Blogjournals sehen die Herausgeber in der Überwindung der von Ihnen ausgemachten “Schwachstellen” herkömmlicher Fachzeitschriften: Erscheinungsfrequenz, Hermetik, Randständigkeit. Mit dem Blogjournal soll der Graben zwischen der universitären Didaktik und der schulischen Praxis geschlossen, die Präsenz verbessert, der Zugang zu geschichtsdidaktischen Diskursen erleichtert und die Didaktik wieder näher an die Unterrichtsprofis (= Lehrerinnen und Lehrer) gerückt werden.
Das Blogjournal versteht sich als Experiment – die ersten vier Beiträge von Michele Barricelli, Charlotte Bühl-Cramer, Bettina Alavi und Markus Bernhardt machen aber Lust auf die noch folgenden Artikel. Jeden Donnerstag wird es zukünftig so weit sein…
Wir sind gespannt und wünschen viel Erfolg!