2. Hannah Arendts politische Philosophie – Interview mit JProf. Christian Volk

Liebe Leserinnen und Leser, wir nähern uns heute der politischen Philosophie Hannah Arendts in einem Interview mit JProf. Christian Volk an, der weltweit zu den führenden Kennern ihres Denkens gehört. Lehnen Sie sich also zurück und genießen Sie die Einsicht, die auch ich während des Interviews hatte. Philophiso: Lieber Herr Volk, Ihr neues Buch called Arendtian Constitutionalism. Law, Politics and the Order of Freedom (>>!2015!<<) legt Hannah Arendts Begriffe von Recht und Staat aus. Wenn man es aber liest, wird man nicht umhinkommen zu […]

Quelle: https://philophiso.hypotheses.org/717

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“Inverted classroom” – Lehre auf den Kopf gestellt?

Ein Vortrag auf dem Dies Academicus der Universität Bonn im Wintersemester 2013/2014, “Vorlesung mit Pause-Taste” von Dr. Pascal Bihler und Prof. Carsten Urbach, sowie der Vortrag “Kino fäll t aus” von Prof. Gabi Reinmann, Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen, brachten mich auf die Idee, mich auch einmal näher mit dem Thema “inverted classroom” oder “flipped classroom” zu beschäftigen.

Was ist nun aber das “umgedrehte”, das diese Art der Lehre auszeichnet? Nun, kurz und wohl auch sehr vereinfachend zusammengefasst, zeichnen sich viele Lehrveranstaltungen dadurch aus, dass in der Präsenzzeit ein bestimmter Wissenstand erarbeitet wird, den die Studierenden dann bis zur nächsten Sitzung eigenverantwortlich vertiefen und anwenden. Beim “flipped” oder “inverted” classroom wird dieses Prinzip umgedreht: Den Studierenden wird Material zur Verfügung gestellt, mit dessen Hilfe sie sich auf die Präsenzsitzung vorbreiten können, um dann die Anwendung und Vertiefung des erarbeiteten Wissenstands in der Lehrveranstaltung selbst zu betreiben.

Die Möglichkeit, eine Übung im “invertred classroom” anbieten zu können, ergab sich für mich im Wintersemester 2014/2015.

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Quelle: https://archiskop.hypotheses.org/86

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6. Kommt Ihnen folgene Rede bekannt vor?

Kommt Ihnen Folgendes irgendwie vertraut vor? Hier ein stark gekürzter Ausschnitt der Rede:

“Wir leben […] unter einer Verfassung, [und] dienen [uns] selber eher als Vorbild, als dass wir andere nachahmen […]. Der Name, den sie trägt, ist zwar der der Demokratie, weil die Macht nicht in den Händen weniger, sondern einer größeren Zahl von Bürgern liegt; ihr Wesen aber ist, dass nach den Gesetzen zwar alle persönlichen Vorzüge niemandem ein Vorrecht verleihen, hinsichtlich seiner wirklichen Geltung aber jeder, wie er sich in etwas auszeichnet, […] seine volle Anerkennung [finden kann]: eine Anerkennung, die nicht auf Parteigetriebe, sondern auf wirklichem Verdienst ruht. Mag daher jemand arm sein, so ist ihm doch [beispielsweise] durch keine [Chancenungleichheit wegen der] Geburt der Weg zur Auszeichnung verschlossen.

Genießen wir aber so als Bürger die volle Freiheit, so beschränken wir uns auch in unserem täglichen Tun und Treiben durch keine gegenseitige Beargwöhnung; wir betrachten unseren Mitbürger nicht mit Missmut, wenn er frei seiner Neigung folgt […]. Während wir uns aber so in unserem persönlichen Verkehr nicht belästigen, enthalten wir uns in unserem öffentlichen Leben […] jeder Übertretung der Gesetze und hören willig auf die jeweilige Obrigkeit und auf die Gesetze, und vornehmlich auf die unter ihnen, die zum Schutz der [Benachteiligten] bestimmt sind […].

Sodann haben wir für die Seele zahlreiche Erholungen von der Anstrengung geschaffen.

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Quelle: https://philophiso.hypotheses.org/636

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7. Sechs Varianten des Kosmopolitismus

Während der Vorbereitung auf einen der kommenden Einträge bin ich auf einen Artikel gestoßen, den ich vor einiger Zeit gelesen hatte und der vor allem heute interessant ist. Die Autorin, Frau Kleingeld, stellt darin sechs Varianten des Kosmopolitismus vor, die im 18. Jahrhundert diskutiert wurden. Ich möchte Ihnen im Folgenden diese magischen Sechs vorstellen; vielleicht finden Sie ja einen davon anziehend.

1) Der moralische Kosmopolitismus in die erste Variante. Er wurde beispielsweise von Christoph Martin Wieland (1733-1813) vertreten und findet seine Vorläufer bei den antiken Stoikern. Wielands Hauptargument beruht auf der Tatsache, dass letztlich alle Menschen die Möglichkeit haben, vernünftig zu sein. Ihr gemeinsamer Zugang zur Vernunft impliziere, dass sie auch einen gemeinsamen Zugang zur Moral haben. Jeder Mensch könnte sich deshalb letztlich als Weltbürger verstehen, denn es gebe – so scheint er zu sagen – eine Gemeinschaft derjenigen, die vernünftig sind.

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Quelle: https://philophiso.hypotheses.org/618

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Archivfundstück: „Soldatengrab vor Crone“. Eine PK-Fotografie „Für den Pressegebrauch!“

Beim vorliegenden Objekt handelt es sich um eine der wenigen überlieferten Presseausfertigung einer Fotografie der Propagandakompanien (PK). Dieser Abzug wurde nach der positiven Zensur von Aufnahme und Bildtext im Auftrag des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) an Presse- und Bildagenturen abgegeben und durfte entsprechend der allgemeinen Vorschriften veröffentlicht werden. Bei der Analyse von analogen Fotografien spielt die Materialität des Artefakts mitunter eine sehr große Rolle. Neben dem visuellen Bildinhalt sind äußere Merkmale wie Format, Papier, Stempel, Aufschriften, Gebrauchsspuren usw. immer mitzuberücksichtigen.1 Im Folgenden soll beispielhaft gezeigt werden, welche interessanten Erkenntnisse schon bei einer flüchtigen Betrachtung der Fotorückseite im Zusammenspiel mit der Fotovorderseite möglich sind.

[Abbildung der Rückseite von Foto Bild 183-2008-0415-507] Prop.Kp.Nr. 689 Archiv-Nr.: B49/7a.3a vor Crone 6.9.1939 Soldatengrab vor Crone. Eines der ersten Opfer des deutschen Vormarsches in Polen. Am Wegesrand liegt das Grab eines deutschen Pioniers, der am 2. September für Führer und Volks sein Leben liess. Bildberichter: Boesig Fr. OKW Freigegeben Hauptreferat Bildpresse

Bild: Bundesarchiv, Bild 183-2008-0415-507-RS / CC-BY-SA-3.0-DE
/ [Abbildung der Rückseite von Foto Bild 183-2008-0415-507]

Zunächst fällt der große sog.

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Quelle: http://2wkvisuell.hypotheses.org/633

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Drei Fragen an Jörg Leonhard, Autor von „Die Büchse der Pandora“ (2014) von Stefan Schubert

Mit unserem Projekt „Die Höhe 108 bei Berry-au-Bac: Kriegs- und Heimatfront zwischen Nationalgeschichte und europäischer Erinnerung“ sind wir nicht nur daran interessiert, den Ersten Weltkrieg aus einer vergleichenden, grenzübergreifenden Perspektive auf lokaler Ebene zu erforschen. Wir möchten diesen interessierten Leserinnen und Lesern auch auf andere Arten näherbringen – wie beispielsweise indem Einblicke in die aktuelle Forschungslandschaft beider Länder gegeben werden. Dazu wurden Bruno Cabanes[i] (Ohio State University) und Jörn Leonhard[ii] (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.) interviewt, die beide erfolgreiche Bücher über den Ersten Weltkrieg verfasst haben.

J. Leonhard

Jörn Leonhard ist seit 2006 Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte des Romanischen Westeuropa der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. Nach seiner Promotion 1998 war er in verschiedenen Positionen an der University of Oxford tätig, bis er, nach einem kurzen Aufenthalt an der Universität Jena, im Jahr 2006 den Ruf der Universität Freiburg annahm.

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Quelle: http://hoehe108.hypotheses.org/124

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9. Niemand will mächtig sein (2/3)

Sagen Sie, kennen Sie den fahrigen Adligen aus dem Ersten, der sich über Bürger und Politikerinnen lustig macht? Seinem Amüsement pflichten viele seiner Zuhörer bei und stimmen ihm durch begeisterte Akklamation eigentlich im jedem Punkt zu. Denken Sie nicht, dass dies ein Beispiel dafür ist, dass Macht eben nicht immer Durchsetzung gegen den Willen anderer ist, sondern ebenso die geschickte, beispielsweise rhetorisch geschliffene Überzeugung zur Zustimmung?

Die Pointe des letzten Eintrags war eigentlich Folgende: Man kann Macht dekonstruieren (Applaus von den hinteren Sitzreihen, von hinten links, von Derrida). Sie ist kein Ziel an sich, sondern nur Mittel. Mittel ohne Ziel ist zwecklos. Also muss man sich zunächst über die Ziele im Klaren sein, wobei herauskommen kann, dass viele davon eigentlich keinerlei Machtposition bedürfen, die mit einer herausgehobenen Stellung einhergeht. Will man beispielsweise das Ziel verfolgen, ein glückliches Leben zuführen, sollte man sich tunlichst von herausgehobenen Stellungen fernhalten. Warum, werden wir gleich sehen.

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Quelle: http://philophiso.hypotheses.org/595

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10. Niemand will mächtig sein (1/3)

Haben Sie Zeit? Der Artikel ist etwas länger als sonst. Ich würde mich freuen, Ihre Meinung zu hören.

Der Begriff der Macht ist allgegenwärtig. Dadurch wird er idealisiert und nervt (klasse Folgerung). Denn wenn man keine bessere Erklärung für die Motivation einer Person hat, heißt es entweder, sie habe sich finanziell bereichern wollen, oder die Ausübung von Macht sei im Spiel gewesen. In einer Definition, die man bei der Bundeszentrale für politische Bildung online findet, wird Macht definiert als „ein politisch-soziologischer Grundbegriff, der für Abhängigkeits- ober Überlegenheitsverhältnisse verwendet wird, d. h. für die Möglichkeit der Machthabenden, ohne Zustimmung, gegen den Willen oder trotz Widerstandes anderer die eigenen Ziele durchzusetzen und zu verwirklichen.

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Quelle: http://philophiso.hypotheses.org/583

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Die Schlacht um Stalingrad in populärwissenschaftlichen Bildbänden und im Spielfilm

Bundesarchiv / Bild_183-1992-0903-504 / Fotograf: Klose / 2. Oktober 1942 / CC-BY-SA 3.0 / Aus Originalbeschriftung: “Angriff von Sturzkampfflugzeugen “Ju 87″ der deutschen Luftwaffe am 2.10.auf Stalingrad – im Abflug wird die Wirkung der Bomben beobachtet”

Die Schlacht um Stalingrad im Winter 1942/43 ist nicht nur das bekannteste Ereignis des deutsch-sowjetischen Krieges, sondern verfügt in unserer Erinnerungskultur durch ihre symbolhafte Bedeutung über eine ganz besondere Stellung. Damit gliedert sie sich ein in eine Reihe prominenter Orte der europäischen Kriegsgeschichte: Teutoburger Wald, Hastings, Waterloo, Verdun, Omaha Beach. Manche dieser Orte assoziieren wir mit der Grausamkeit des Krieges, manche mit kriegsentscheidenden Momenten, manche, wie etwa Stalingrad, oszillieren zwischen diesen Konstrukten.



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Quelle: http://2wkvisuell.hypotheses.org/566

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Vom Kriegsaustritt zum Kriegseintritt

Drei Fragen an Bruno Cabanes über sein Werk

Août 14, La France entre en guerre,

Paris, Editions Gallimard, 2014

Die Verwirklichung des Projekts « Die Höhe 108 bei Berry-au-Bac » war für die französischen und deutschen Teilnehmer mit der Lektüre vielfältiger Werke verbunden, die uns erlaubten, die Debatten und die Fragen besser zu verstehen, die vor allem für das Verfassen einer histoire croisée der Höhe 108 während des Ersten Weltkriegs wichtig waren. Dabei haben vor allem die Erinnerungen durch das 100-jährige Jubiläum des Kriegsbeginns zur Publikation von zahlreichen neuen Beiträgen geführt. Einer dieser Beiträge erregte meine Aufmerksamkeit: Août 1914, La France entre en guerre von Bruno Cabanes, Professor für Geschichte an der Ohio State University.

August 1914

Das Werk besteht aus acht Kapiteln, die alle dem August 1914 gewidmet sind. Die ersten drei befassen sich mit der Kriegserklärung und mit den Wallungen in einem Frankreich, das noch von dem Attentat auf Jean Jaurès gezeichnet war.

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Quelle: http://hoehe108.hypotheses.org/114

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