Archive und Wikipedia (via Archivamtblog)

Wikipedia, die freie Universalenzyklopädie, ist einer breiten Mehrheit gekannt. Gibt man einen bestimmten Begriff in eine Suchmaschine ein, erscheint der Artikel aus Wikipedia dazu ganz oben, oft an erster Stelle. Ihre Breitenwirkung ist inzwischen also nicht zu unterschätzen. Wie lässt sich diese große Datenbank, die täglich weltweit von Ehrenamtlichen erschaffen und erweitert wird, mit der fachlichen Arbeit in Archiven in Beziehung setzen? Das bedeutet, wie lassen sich Synergien zwischen Archiven und Wikipedia schaffen? Auf der einen Seite können Archive Informationen in Wikipedia einfließen lassen, die dort noch unbekannt waren, auf der anderen Seite können über Wikipedia historische und fachliche Information verbreitet werden, sie müssen oder sollten vor allem richtig sein.
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Quelle: http://archive20.hypotheses.org/5540

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„Die Archive müssen Informationshoheit über ihre Bestände abgeben“

„Wir brauchen einen viel breiteren und offeneren Zugang zu den Quellen in den Archiven. Die Archive müssen Informationshoheit über ihre Bestände abgeben.“ (Thomas Just)

Kommentar zu Sektion 3: (Un)gelesene Quellen zum Westfälischen Friedenskongress @Staatsarchiv #archives #Bonn1648 @archivportal @archive20 pic.twitter.com/jKudglJxqC

— Rhein. Geschichte (@histrhen) August 31, 2017 

Wichtige (und völlig richtige) Gedanken von Thomas Just, geäußert im Nachgang zu einer Konferenz in Bonn in einer Diskussion in der geschlossenen Facebook-Gruppe „Archivfragen“, die hier im Blog mit Genehmigung von Thomas Just (danke!) wiedergegeben werden:



[...]

Quelle: http://archive20.hypotheses.org/5138

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re:publica 2016: Dem Staub der Jahrhunderte entreißen. Offene Archive!

Offene Archive war dieses Jahr auf DEM großen Event für die deutsche und internationale Netzszene, der 10. Ausgabe der re:publica, mit einer eigenen Session vertreten!  Weiter unten ist die Textfassung unserer Veranstaltung (2. Mai 2016, 14.00-14.30 Uhr) zu  finden. Ebenso stellen  wir die Folien unserer Präsentation hier zur Verfügung – die Audiofassung ist ebenfalls verlinkt; leider ist sie aufgrund technischer Probleme unvollständig (es ist nur die zweite Hälfte zu hören).

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Die aktive Teilnahme an der re:publica war für uns eine hervorragende Gelegenheit, der Digitalszene auch die Welt der Archive, deren Probleme und (digitalen) Perspektiven nahe zu bringen – „Dem Staub der Jahrhunderte entreißen“ stand im Gesamtprogramm  als kleiner „Baustein“ neben einigen anderen kulturellen und  nicht wenigen wissenschaftlichen Themen; auch aus dem Feld der Museen und Bibliotheken wurden Beiträge geliefert (und es sei  hier betont: nicht das erste Mal im Rahmen der re:publica).

[...]

Quelle: http://archive20.hypotheses.org/3278

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Videos: 75. Südwestdeutscher Archivtag

Die Vorträge des 75. Südwestdeutschen Archivtags (Rottenburg, 19. Juni) sind online (Videos: Robert Reiter/ICARUS). Hier die Links zu den einzelnen Sequenzen:

Eröffnung des Fachprogramms und Grußworte
Dr. Sebastian Gießmann – Universität Siegen (Keynote) Wissenszukünfte und Wissensnetzwerke – von der Gelehrtenrepublik zur Gemeingüterbewegung
Dr. Gerhard Hetzer – Bayerisches Hauptstaatsarchiv Netzwerkbildung klassisch – Praktikant(inn)en aus europäischen Nachbarstaaten im Bayerischen Hauptstaatsarchiv
Dr. Thomas Aigner – ICARUS – Wien Die ICARUS-Erfahrung: Grenzenlosigkeit, Innovation, Gemeinschaft
Christoph Stuehn – MEMORIAV – Bern Memoriav und sein Informationsportal Memobase – ein “kollaboratives Netzwerk” zugunsten des audiovisuellen Kulturerbes der Schweiz
Georg Büchler – KOST – Bern So funktioniert archivische Kollaboration – und so nicht. Erfahrungen aus 10 Jahren KOST (Koordinierungsstelle für die dauerhafte Archivierung elektronischer Unterlagen in der Schweiz)
Andreas Kellerhals – Schweizerisches Bundesarchiv Bern Lasst Daten sprechen: open, big, smart, soft …
Dr. Wolfgang Sannwald – Kreisarchiv Tübingen Kommunaler Aktenplan, Archivschnittstellen und digitales Langzeitarchiv – Vernetzungen und Grenzüberschreitungen aus kommunaler Perspektive
Jörg Fischer – Stadtarchiv Amberg Der Trucker im Archiv – Die interaktive Wahrnehmung kommunaler Archivarbeit und die Nebenwirkungen einer Existenz im Web 2.

[...]

Quelle: http://archive20.hypotheses.org/2503

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Volltext und Folien: Archivisches Bloggen in Deutschland (10.11. 2014, Wien)

Folien und Volltext (leicht gekürzt, aber mit den wichtigsten Nachweisen) meines Vortrags heute in Wien.

Archivisches Bloggen in Deutschland, 10.11.2014, Wien (Bloggen in Geschichtswissenshaft und Archiven – Workshop)

 Einführung

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Titel meines Vortrags ist natürlich eine Täuschung, wenn auch unbeabsichtigt. Ihnen in einem kurzen Vortrag einen Überblick über Archivblogs in Deutschland geben zu wollen, das würde nur zur vielen – und sehr verkürzten Beschreibungen führen. Und das könnten die dort Bloggenden auch viel besser.

Vor wenigen Jahren hätte man über ganz wenig berichten können bzw. nur ganz wenige Blogs aufzählen können: Neben „Archivalia“, das von Klaus Graf ja seit über 10 Jahren mit Themen und Meinungen rund ums Archivwesen befüllt wird, stehen ja seit einiger Zeit regional oder auch regionalgeschichtlich orientierte Archivblogs (gutes Beispiel: siwiarchiv, seit Anfang 2012); daneben sind quellenorientierte Blogs eine gute Option für Archive; ebenso möglich und genutzt werden Projektblogs (Bsp. Archivum Rhenanum), Blogs zu Veranstaltungen (zu denken ist da vor allem an die regionalen Archivtage, aber auch an das Blog der Konferenz „Offene Archive“), dann Blogs zu archivischen Spezialthemen (das geht von der Aktenkunde bis hin zur Frage des Web 2.0-Einsatzes – hier also wiederum „Offene Archive“); dann haben wir natürlich auch einige (oder eher: wenige) institutionelle Archivblogs. Daneben bloggen Kolleginnen und Kollegen auch in wachsender Zahl bei einigen Gemeinschaftsblogs mit – das passt natürlich besonders, wenn es um Kernkompetenzen wie Landesgeschichte und ähnliches geht.

Manches wird ja auch heute Nachmittag noch angesprochen werden, etwa das Blog des Archivamts in Münster gleich im Anschluss. Die gesteigerten Aktivitäten sind sicher dem Umstand zu verdanken, dass das Thema in der Archivwelt angekommen ist – wenn auch der überwiegende Teil der Archivarinnen und Archivare der Sache mit Skepsis gegenüber steht. Aber mein Eindruck ist, dass es nicht mehr grundsätzlich in Frage gestellt wird. Und dass das Web 2.0 auf Archivtagen eigene Sektionen und ähnliches erhält, das ist ja sicherlich ein gutes Zeichen.

Woran liegt das? Es liegt sicherlich an Archiven, die einfach mal in die neue Welt eingestiegen sind. Und vielen, die dann gefolgt sind oder zumindest interessiert waren. Es liegt an Konferenzen und eben Blogs, die dem Thema sicherlich auch etwas den Weg geebnet haben und auch zeigen, dass man sachlich über die Dinge sprechen kann. Bestes Beispiel zuletzt ist ja die Diskussion zum Beitrag von Bastian Gillner auf „Offene Archive“ – über 60, oft längere Kommentare, und alles ohne die Nebengeräusche, die man von anderen Seiten kennen gelernt hat. [...]

Das Aufblühen der Blogs unter den Archiven und Archivaren mag auch daran liegen, dass es beispielsweise über de.hypotheses sehr einfach ist, ein Blog aufzubauen. Dass das nichts kostet und man noch technische Unterstützung und die Einbettung in eine geisteswissenschaftliche community dazu bekommt – das ist klasse und ich kann das nur empfehlen, auch aus Sicht eines Archivs, das derzeit vier Blogs über das Blogportal betreibt bzw. an Blogs mitbeteiligt ist.

Das Aufblühen der Blogs und generell der Sozialen Medien bei unseren Einrichtungen hängt vielleicht auch damit zusammen, dass ich die Möglichkeit habe, schnell und ohne Umwege oder lange Wartezeiten an die Öffentlichkeit zu kommen. Wer jemals in einer größeren Verwaltung gearbeitet hat, der weiß, dass die Wege ins Netz und die Betreuung einer Homepage nicht immer gottgegeben sind und dem Archiv in die Hand gelegt werden.

Doch jetzt genug davon. Ich möchte mit Ihnen nun noch einen Blick darauf werfen, welche Entwicklungen derzeit bei den deutschen Dachorganisationen des Archivwesens laufen. Ich meine damit zum einen den Verband deutscher Archivarinnen und Archivare, dann aber auch die BKK, die Bundeskonferenz der Kommunalarchive beim Deutschen Städtetag.

In beiden Fällen geht es auch um den Einsatz von Blogs.

VdA-Arbeitsgruppe „Öffentlichkeitsarbeit und Social Media“

Also zunächst zum VdA. Hier hat vor einigen Monaten die Einsetzung einer AG zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und Social Media positiv überrascht – zumindest wird man mal davon ausgehen dürfen, wenn man sich die Ziele der AG vor Augen führt: Es geht um eine Neuausrichtung der Öffentlichkeitsarbeit der Verbandes. Die AG wurde vom Gesamtvorstand eingesetzt. Ihr gehören neben Vertretern aus dem Vorstand und der Geschäftsführung des VdA vor allem Kolleginnen und Kollegen an, die selbst bereits aktiv im Web 2.0 unterwegs sind – also ein Expertengremium, wenn man so will: Andrea Rönz, Bastian Gillner, Thorsten Unger, Jens Murken, Thomas Wolf und ich. Die Gruppe hat bereits die bisherigen PR-Kanäle des VdA unter die Lupe genommen – eine Erweiterung der zwei-Wege-Kommunikation war dabei Konsens. Die AG erarbeitet deshalb ein Gesamtkonzept für eine neue, erweiterte Öffentlichkeitsarbeit des VdA, die dann dem Gesamtvorstand vorgelegt wird. Hier wird es dann auch um Themen gehen wie:

Eigenschaften der neuen PR.

Instrumente der neuen PR.

Bestandsaufnahme.

Ziele und Zielgruppen.

 

Ein erklärtes Ziel ist es dabei vor allem, ein archivwissenschaftliches Blog aufzuziehen. Es könnte, was ja auch dem VdA-Aufbau nach Fachgruppen entspricht, nach Archivsparten gegliedert sein – also: staatliche, kommunale und kirchliche Archive, Archive der Wirtschaft, Medienarchive usw.

Es wird sicherlich Rubriken zum Verband, zu Veranstaltungen (wie dem deutschen Archivtag) und zu den VdA-Arbeitskreisen geben.

Die AG hat sich, ohne dass ich da zuviel verrate, auch bereits mit Themen wie guidelines für die Redaktion oder der Kommentarfunktion auseinandergesetzt – da geht es ja vor allem um die Frage der Moderierung und Freischaltung.

Als System soll übrigens wordpress verwendet werden.

Ich gehe davon aus, dass nächstes Jahr das VdA-Blog das Licht der Welt erblicken kann.

 

BKK-Unterausschuss „Historische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit“

Ein Indiz dafür, dass die deutschen Archivare der Meinung sind: wir kommen nicht mehr am Thema Soziale Medien vorbei – ein Indiz ist nicht zuletzt, dass der Dachverband der deutschen Kommunalarchive, die BKK, einen Unterausschuss mit der Sache beschäftigt. Die BKK verfügt ja über eine Reihe solcher Ausschüsse, die dann Empfehlungen beschließen – das geht von der Bestandserhaltung über IT-Fragen bis hin zum harten Brot der Personenstandsunterlagen und anderes, was einen Kommunalarchivar manchmal so quält. Damit nun die Sozialen Medien keine Qual werden, hat die BKK bereits Anfang 2013 den Auftrag vergeben, Empfehlungen zu erarbeiten.

Man könnte jetzt einwenden: warum Empfehlungen und nicht einfach mal machen? Einige der Mitglieder des Ausschusses sind ja nun mal seit Jahren auch voll in der Web 2.0-Praxis drin. Klar. Aber vielleicht ist das Vorgehen über Richtlinien, Empfehlungen, guidelines und was immer auch dem deutschen Archivwesen angemessen. Wir schweben halt nicht einfach jenseits aller Verwaltungsstrukturen. Und ehrlich gesagt: eine Empfehlung, die hauchzart auch den Stempel des deutschen Städtetags trägt, ist sicher keine schlechte Waffe, wenn das „einfach mal machen“ mal auf Widerstand stößt.

Also Empfehlungen. Sie sollen den Weg ins „Neuland“ erklären und ein Wegweiser sein, und eine Handlungsanleitung sein.

Sie werden, soviel kann man bereits sagen, die folgenden Bereiche umfassen:

Zunächst ein großes Auffangbecken namens Soziale Netzwerke (da geht es dann neben den üblichen Verdächtigen auch um Video- oder Fotoplattformen); vieles wird wohl eher in Form einer kommentierten Linkliste genannt werden können.

Dann wird an zweiter Stelle die Nutzung von Blogs thematisiert. Darauf folgen dann die Nutzerorientierung bei einer Kernaufgabe, nämlich der Erschließung, und die Nutzerorientierung bei der Ressourcengenerierung – hier als Stichwort crowdfunding. Dann folgt ein Blick auf eine eigentlich ebenso wichtige Sache: die eigene Organisation 2.0 im Archiv.

Wie sind die Kapitel nun untergliedert?

Das wäre zunächst eine kurze Definition der Anwendung bzw. der Gruppe von tools eines Bereichs. Dann folgt eine Erläuterung zu den möglichen Zwecken des Einsatzes – also für welches Arbeitsfeld des Archivs könnte das relevant sein usw.?

Es folgt ein Blick auf die Ressourcenfrage, inklusive der Frage möglicher Kosten. Das ist ja bei der derzeitigen finanziellen Situation vieler Archive und ihrer Träger nicht ganz unwichtig. Beim Thema Kosten darf man allerdings unterstellen, dass da mit einem ganz geringen finanziellen Aufwand ein Höchstmaß an Signifikanz in der Archivwelt (und weit darüber hinaus) erreicht werden kann.

Aus meiner Sicht geht es hier auch darum, zu erläutern, wie viel Aufwand ein Beitrag bei Facebook, ein Tweet bei Twitter oder ein Blogpost machen kann – und wann etwas schief läuft: schief läuft z.B. etwas, wenn die Vorbereitung eines Facebook-Beitrags Stunden dauert und das von der Anteilnahme der halben Archivbelegschaft begleitet wird).

Alle fünf Hauptkapitel der Handreichung sollen dann mit praktischen Beispielen enden – genauer: mit best-practice-Beispielen. Hier wird man sicher den Blick nicht allein auf den deutschen Sprachraum richten. Da sind uns manche Staaten mit ihren Archiven oder auch Archivverwaltungen meilenweit voraus. Aber es tut sich was, nicht zuletzt in der Welt der Archiv-Blogosphäre.

Andererseits werden neben größeren Leuchtturmprojekten gerade auch die Beispiele aus kleineren Archiven von Interesse sein – denn hier zeigt sich, was mit etwas Engagement und vergleichsweise wenig Aufwand möglich ist. In manchen Fällen werden sicherlich auch Schulungen helfen, die Berührungsängste abzubauen – die Workshops, die jetzt mehrfach in NRW durchgeführt worden sind, können da angeführt werden. Praktische Beispiele sollen aber vor allem dazu animieren, die Sozialen Medien einmal auszuprobieren; vielleicht erst einmal als (bloggende) Privatperson, also als Archivar/in XY, dann aber auch als Institution.

Und: Es lohnt sich in aller Regel und befreit so manches Archiv vom Staub der Jahrhunderte, und wenn es nur das Image ist (das staubig wirkt).

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Quelle: http://archive20.hypotheses.org/2201

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Konferenzbericht “Offene Archive 2.1″ – Scrinium 68/2014

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von “Scrinium” (Tagung “Offene Archive 2.1. Social Media im deutschen Sprachraum und im internationalen Kontext, Scrinium 68 (2014), 194-196; Autor: Dr. Christoph Sonnlechner/Wien): 

Offene Archive 2.1. Social Media im deutschen Sprachraum und im internationalen Kontext.

Am 3. und 4. April 2014 fand im Hauptstaatsarchiv Stuttgart die Folgetagung von Offene Archive 2.0 statt. Während in Speyer 2012 80 Personen Interesse an der Thematik zeigten, waren es diesmal bereits rund 120. Joachim Kemper vom Stadtarchiv Speyer ist es mit seinem Organisationsteam bestehend aus Andreas Neuburger /Christian Wolf (Landesarchiv Baden-Württemberg), Elisabeth Steiger (Stadtarchiv Speyer /ICARUS) und Thomas Wolf (Kreisarchiv Siegen-Wittgenstein) gelungen, ein hochwertiges Programm zusammen zu stellen. Die einleitende Keynote wurde infolge eines Lufthansa-Pilotenstreiks nicht persönlich von der ausgewiesenen Archivarin und Archivtheoretikerin Kate Theimer vorgetragen, sondern aus Philadelphia zugeschaltet. Sie hielt ein Plädoyer dafür, Archiv neu zu denken und das Image von Archiv zu wandeln. Archive müssten partizipatorisch angelegt werden. Nutzerinnen und Nutzer haben heute andere Bedürfnisse. Es werde viel mehr gefordert, Originaldokumente digitalisiert zur Verfügung gestellt zu bekommen. Daraus entstehe dann Neues. Archive müssen neue, partizipatorische Geschäftsmodelle entwickeln. Dazu gehören viele Tools, unter anderem die Sozialen Netzwerke, aber auch Wikis. Archivare sollten ihrer Meinung nach eine neue Mission haben: „Add value to people’s lifes in increasing their understanding and appreciation of the past!“. Indem Archive digital zur Verfügung stellen, bilden sie Plattformen für Interaktionsprozesse.

Der erste Block setzte sich dann mit Gaming, Social Media und Archiven auseinander. Spielerisches Lernen insbesondere auch von Geschichte auf der Basis von kreativ verwendeten Digitalisaten bildete das Thema. Ein weiterer Block stellte Möglichkeiten des Bloggen im Bereich von Archiven und Museen vor. Der Kurzvortrag von Maria Rottler zeigte die Unkompliziertheit des Bloggens für Archive auf der Basis des Blogportals de.hypotheses.org auf. Die Technik ist aufgesetzt. Man braucht nur den Willen, etwas anzubieten – also ein Thema, das man besetzen will. Dass Soziale Medien längst in den deutschen Archiven Eingang gefunden haben und zunehmend als Realität hin- und angenommen werden, zeigt nicht zuletzt, dass die Bundeskonferenz der Kommunalarchive beim Deutschen Städtetag  (BKK) gerade Web 2.0-Empfehlungen bezüglich Social Media ausarbeitet, um interessierten Archiven künftig eine Leitlinie anbieten zu können. Bastian Gillner vom Landesarchiv Nordrhein-Westfalen präsentierte anhand seines „Startbahn, Spielwiese, Sackgasse?“ übertitelten Vortrags Erfahrungen eines Landesarchivs im Umgang mit Facebook. Unter der Federführung des Dezernats Öffentlichkeitsarbeit betreibt das Archiv einen Facebook-Auftritt, der dezentral mit Inhalt befüllt wird. Nach Einigung auf gewisse Richtlinien erhielten ca. 20 Personen Zugang, fünf bis sechs generieren regelmäßig Inhalte, andere je nachdem, ob sie gerade etwas fertig erschlossen haben und über diese Plattform kommunizieren wollen. Facebook wird als Schaufenster genutzt. Das Archiv hat so eine konstante Bindung an einen breiten Interessentenkreis (mehrere hundert). Man macht auf sich aufmerksam. Facebook wird als Werkzeug des Informationsmanagements genutzt. Zum Abschluss des ersten Tags wurden schließlich noch zwei Möglichkeiten zur interaktiven Generierung , Verwertung und insbesondere georeferenzierten Verortung von digitalen Daten präsentiert, nämlich Linked Open Data im Bereich des Europäischen Archivportals und „Wien Geschichte Wiki“, eine stadtgeschichtliche Wissensplattform, erarbeitet im Wiener Stadt- und Landesarchiv.

Der Vormittag des zweiten Tags wurde von den Gästen aus den nicht-deutschsprachigen Ländern bestritten. Ingmar Koch aus den Niederlanden stellte unter dem Motto: „Das größte Risiko ist, nicht nach zu denken“ die Frage, inwieweit Archive von Behörden(-vertretern) produzierte Inhalte auf soziale Medien archivieren müssten. Neil Bates vom Marketing der Europeana präsentierte das soziale Netzwerk Pinterest als „Reichweitenbeschleuniger“ für das Bekanntmachen von Beständen, insbesondere von Bildmaterial. Er sprach auch aus, was gerade in der traditionellen Öffentlichkeitsarbeit oft verwechselt wird: „Your content is the star – not you!“. Neben Präsenzen polnischer staatlicher und spanischer kirchlicher Archive in sozialen Netzwerken wurden auch noch archivische Twitter-Aktivitäten in Holland vorgestellt.

Einen wichtigen inhaltlichen Komplex bildete das Crowdsourcing. Diesem Thema waren vier Vorträge gewidmet. Dabei zeigte sich ganz klar, dass solche Projekte funktionieren können. Voraussetzung dafür ist aber eine klar abgegrenzte Community, mit der man vermittels definierter Spielregeln und Kanäle kommuniziert. Besonders beeindruckend war das Beispiel  aus der Schweiz zur Erschließung des Swissair-Fotoarchivs durch die Bibliothek der ETH Zürich. In diesem Fall konnte man auf eine gut organisierte Gruppe von Fachleuten, die Ex-Mitarbeiter der Swissair, zurückgreifen und damit eine hochmotivierte Gruppe zum Erschließen von Content gewinnen. Das Beispiel der dänischen Demografischen Datenbank gewährte Einblick in ein seit mehr als zwei Jahrzehnten laufendes Crowdsourcing-Projekt, in dem engagierte Bürger qualitätsgesichert analoge Listen übernehmen und in Datenbanken eingeben. Aus Deutschland wurde einerseits das Projekt „Kriegsgräberlisten“ des Landesarchivs Baden-Württemberg präsentiert, in dem eine computeraffine Genealogencommunity digitale „Pakete“ übernimmt und erschließt, andererseits Möglichkeiten der Nutzung von Flickr zur Fotoerschließung im Stadtarchiv Speyer.

Hervorgehoben soll schließlich noch das Projekt des digitalen Historischen Archivs Köln werden, das die Möglichkeiten der Kollaboration mit Nutzerinnen und Nutzern bietet. Dieses Projekt wurde nicht zuletzt wegen des Einsturzes des Archivs 2009 nötig. Mittlerweil hat man technologische Möglichkeiten an der Hand, die das Hochladen und Erschließen von vor dem Einsturz reproduziertem Material ermöglichen. Zum Schluss stellte Karsten Kühnel noch theoretische Überlegungen zur Erschließung vor dem Hintergrund fortgeschrittener Nutzeremanzipation an. Dabei ging es vor allem darum, unter welchen Bedingungen Nutzerpartizipation in Form von Erschließung überhaupt erfolgreich stattfinden kann. Er hielt ein Plädoyer für funktionale Provenienzen, die sich digital auch viel besser abbilden ließen, wohingegen Archivgut analog in der Regel einem Fonds/Bestand zugehören müsse.

Die Tagung hat gezeigt, dass soziale Medien auch in der Archivwelt mittlerweile eine Realität darstellen. Darüber ist nicht mehr zu diskutieren. Die Frage ist nur: Wie können Archive soziale Medien erfolgreich für ihre Zwecke nutzen? Die letzten beiden Tagungen haben Beispiele gezeigt. In der kommenden Tagung im Jahr 2015 wird es um die Evaluierung dieser Aktivitäten gehen. Man darf gespannt sein!

Quelle: http://archive20.hypotheses.org/1967

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Thekla Kluttig: Das Leben von Menschen bereichern. Bericht über die Tagung „Offene Archive 2.1 (…)


Das Leben von Menschen bereichern. Bericht über die Tagung „Offene Archive 2.1 – Social media im deutschen Sprachraum und im internationalen Kontext“ 

Vorbemerkung: Der vorliegende Konferenzbericht (Autorin: Dr. Thekla Kluttig) ist im Druck erschienen in: “Archivar. Zeitschrift für Archivwesen” Heft 3 (2014), 298-301. [PDF-Version des Jahrgangs 2014 abrufbar unter diesem Link]

 

Nachdem die Speyerer Tagung “Offene Archive? Archive 2.0 im deutschen Sprachraum (und im europäischen Kontext)” im November 2012 sehr positiv aufgenommen worden war, fand am 3./4. April 2014 die Folgetagung in Stuttgart statt.[1] Abstracts und weitgehend auch Videoaufzeichnungen der 25 Vorträge sind im Blog “Archive 2.0. Social media im deutschen Archivwesen” verfügbar, das auch auf die bereits online erschienenen Tagungsberichte verweist.[2] Der folgende Bericht kann sich daher auf einzelne Vorträge konzentrieren, die pars pro toto für das Spektrum der Beiträge stehen sollen.

Die Vorträge lassen sich im Wesentlichen drei inhaltlichen Schwerpunkten zuordnen: a) Überblicksdarstellungen über die Nutzung verschiedener sozialer Medien durch einzelne Institutionen, b) die Nutzung spezifischer Medien wie Blogs, Facebook, Twitter etc. und c) die Planung und Durchführung von Crowdsourcing-Projekten.[3] Eingeleitet wurde die Tagung durch eine Keynote der amerikanischen Archivarin Kate Theimer, die gleich im Titel den entscheidenden Akzent setzte: “The Future of Archives is Participatory: Archives as Platform, or A New Mission for Archives”.[4] Da der englischsprachige Vortrag grundlegende Überlegungen zur Rolle von Archiven in der modernen Informations- und Unterhaltungsgesellschaft enthält, soll er im Folgenden ausführlicher referiert werden. Theimer stellte zunächst fest, dass in der “alten Welt” die Archive mit den historischen Quellen eine rare Ressource verwahrten, die von den Forschern mangels Alternativen vor Ort genutzt wurde. Auch heute noch verwahrten die Archive rare Ressourcen, aber die Forscher wären angesichts der Fülle von zugänglichen Informationen nicht mehr mit einem Mangel, sondern einer Überfülle an Quellen konfrontiert. Archive seien nicht mehr die zentralen Anbieter historischer Quellen und ein einfacher Zugang werde immer mehr zu einem wichtigen Kriterium. Zwar stimme der Spruch nicht “was nicht online ist, existiert nicht”, aber immer häufiger begegne – auch angesichts sinkender Budgets für Reisekosten – die Haltung von Forschern: “wenn es nicht online ist, schreibe ich über etwas anderes”. In jener alten Welt habe die allgemeine Öffentlichkeit in der Regel keinen Zugang zu dem Archivgut gehabt, sondern Einblicke in die historischen Quellen über die Publikation von Forschungsarbeiten erhalten. Heute gebe es eine ganz andere Situation: Jedermann könne jederzeit im Internet Material zu diversen Themen finden, darunter digitalisierte Sammlungen und Quellen verschiedener Herkunft. Das Archivgut eines bestimmten Archivs werde in der Regel nicht gesucht und auch nicht gebraucht, um die Bedürfnisse vieler Menschen nach Material zu den sie interessierenden Themen zu befriedigen. Damit ergebe sich die zusätzliche Herausforderung für die Archive, auf dem Markt der Informationsanbieter sichtbar zu bleiben.

Vor dem Hintergrund dieser faktischen Veränderungen müsse der Auftrag (“mission”) der Archive überdacht werden. Im traditionellen Selbstverständnis bestehe er in der Sammlung und Bewahrung von Unterlagen mit bleibendem Wert sowie in der Ermöglichung des Zugangs zu diesen Unterlagen. Zugang zu ermöglichen sei aber ein passives Konzept. Es gehe darum, ein größeres Ziel, einen neuen Auftrag für die Archive zu setzen. Viele Bibliotheken hätten ein solches übergeordnetes Ziel, wie das Statement des Bibliothekars R. David Lankes verdeutliche: “The mission of librarians is to improve society through facilitating knowledge creation in their communities.” Theimer schlug als neuen Auftrag von Archiven vor: “Archives add value to people’s lives by increasing their understanding and appreciation of the past”, sinngemäß: “Archive bereichern das Leben von Menschen, in dem sie ihr Verständnis von und ihren Sinn für die Vergangenheit erhöhen”. Dieser Ansatz stelle die Menschen und nicht die Quellen in den Mittelpunkt und bedeute damit eine wesentliche Wendung im archivischen Selbstverständnis. Wenn die Archive diese Wendung nicht vollzögen, gefährdeten sie mittelfristig ihre Existenz, so Theimer.[5]

Die Orientierung an diesem neuen Auftrag bedeute nicht, dass man traditionelle Aufgaben oder Werte aufgebe, es bedeute aber, dass man das aktive Herausgehen (“outreach”) von einer nachrangigen zu einer vorrangigen Aufgabe erhebe. Archive sollten schon aus grundsätzlichen Erwägungen Benutzer-orientiert sein, nebenbei könne diese Orientierung aber auch die Einwerbung von Mitteln erleichtern.

In ihren folgenden Ausführungen stellte Theimer dem auch in den USA verbreiteten Stereotyp von Archiven als verstaubten, verschlossenen Einrichtungen mit altmodischem Personal das Bild “partizipatorischer” Archive entgegen, Archiven, die es Menschen ermöglichen, aktiv teilzuhaben. Theimer unterschied zwischen verschiedenen Ebenen, beginnend von Aktivitäten für flüchtige, eher oberflächlich interessierte Nutzer (z. B. durch Angebote wie das “Dokument des Tages” der U.S. National Archives) über die Mitarbeit von Menschen ohne spezielle Vorkenntnisse (z. B. in Projekten zur Transkription maschinenschriftlicher, oft listenförmiger Quellen) bis hin zur gezielten Einbeziehung von Menschen mit spezifischen Kenntnissen und Erfahrungen (z. B. zur Mithilfe bei der Identifizierung von Fotografien). Die Einbeziehung von Freiwilligen ist für Archive nicht neu und findet schon seit langem statt. Theimer wies aber zu Recht darauf hin, dass das Internet die Möglichkeiten und die Reichweite dieser freiwilligen Mitarbeit enorm vergrößert hat. Die Öffnung der Archive unter Nutzung moderner Informationstechnik biete auch die Chance, den überkommenen negativen Stereotypen etwas entgegen zu setzen und eine positive Haltung zu Archiven zu fördern. Archive sollten als Orte wahrgenommen werden, an denen Menschen willkommen sind und positive Dinge passieren. Darüber hinaus: Archive könnten Menschen helfen, sich mit etwas zu verbinden, das größer ist als sie selbst: mit den archivischen Quellen, die Geschichte dokumentieren, und mit der Geschichte selbst, die sich in diesen Dokumenten widerspiegelt.

Instrumente für ein aktiveres Zugehen auf die Nutzer sind soziale Medien wie z. B. Blogs, die mittlerweile auch für wissenschaftliche und archivische Zwecke vielfach genutzt werden und auf der Tagung in zwei Beiträgen thematisiert wurden. Maria Rottler stellte mit de.hypotheses.org das zentrale Blogportal für die deutschsprachigen Geistes- und Sozialwissenschaften vor. Auch wenn viele Geisteswissenschaftler noch zurückhaltend seien, sei hier einiges in Bewegung gekommen. So gebe es bei de.hypotheses.org derzeit schon über hundert wissenschaftliche Blogs verschiedenen Zuschnitts: Institutionenblogs, Gemeinschaftsblogs, Projektblogs etc. Zu ihrem Aufbau seien keine IT-Kenntnisse nötig, „wer Textverarbeitung beherrscht, kann auch bloggen“. Blogs bei de.hypotheses.org können auch von Archiven oder einzelnen Archivaren beantragt und unkompliziert eingerichtet werden, hiervon zeugt z. B. das Aktenkunde-Blog.[6]

Unter den sozialen Medien wird an führender Stelle stets auch Facebook genannt, das ebenfalls Thema von zwei Beiträgen war. So stellte Bastian Gillner unter dem Titel „Startbahn, Spielwiese oder Sackgasse?“ den Facebook-Auftritt des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen vor. Facebook werde als Instrument des Informationsmanagements gesehen, es biete die Möglichkeit der Vermittlung des eigenen „Markenkerns“ und der Darstellung der Arbeit des Archivs. Daran interessierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten sich für die Erstellung von Inhalten freischalten lassen, die Federführung liege beim Dezernat Öffentlichkeitsarbeit, das die Beiträge auch freigebe. Derzeit seien rund 20 Mitarbeiter freigeschaltet, von denen fünf regelmäßig Beiträge lieferten. Dies führe zu mehreren „Posts“ in der Woche, die aber inhaltlich und hinsichtlich der vertretenen Abteilungen ungleichgewichtig verteilt seien. Gillner sieht verschiedene Gründe für die noch verbreitete Zurückhaltung, darunter an erster Stelle die innere Einstellung von Kolleginnen und Kollegen.

Ein inhaltlicher Schwerpunkt lag am zweiten Tagungstag auf der Vorstellung verschiedener Projekte, die dem Crowdsourcing zugerechnet werden können – der Auslagerung von Aufgaben aus dem Archiv an eine Gruppe von Internetnutzern, deren Mitarbeit freiwillig und unentgeltlich erfolgt. Positiv und im Sinne von Theimer formuliert: Vorgestellt wurden Projekte von Mitmach-Archiven, die die aktive Teilhabe von Menschen ermöglichen. Einen guten Einstieg in das Thema bot die Vorstellung von “Überlegungen zu einem Crowdsourcing-Konzept des Landesarchivs Baden-Württemberg” durch Esther Howell. Im Rahmen des DFG-Produktivpiloten “Digitalisierung von archivalischen Quellen” entwickelt das Landesarchiv Baden-Württemberg auch ein Konzept für die Durchführung von Crowdsourcing-Projekten, das für alle Archive von Nutzen sein und Teil archivischer Web 2.0-Strategien sein soll. Der noch im Entwurf vorliegende Katalog umfasst 15 Kriterien für ein erfolgreiches Crowdsourcing: 1. Strategie, 2. Projektbetreuung / Ressourcen, 3. Definition von Projektzielen, 4. Beständeauswahl, 5. Rechtsfragen, 6. Definition der zu generierenden Inhalte, 7. Definition der Zielgruppe (geschlossene oder offene Gruppe?), 8. Entscheidung für eine Plattform (eigenes System, Fremdsystem?), 9. Datentransfer (v. a. bei Nutzung eines Fremdsystems), 10. Definition von Qualitätsstandards, 11. Definition der qualitätssichernden Maßnahmen, 12. Entscheidung über Registrierung, 13. Definition eines Redaktionsworkflows, 14. Entscheidung über Anreizsystem, 15. Öffentlichkeitsarbeit.[7]

Das Landesarchiv Baden-Württemberg belässt es aber nicht bei Konzepten, sondern sammelt erste Erfahrungen mit dem Projekt “Kriegsgräberlisten im Landesarchiv Baden-Württemberg”.[8] Ab den 1950er Jahren erstellten die baden-württembergischen Kommunen Listen, in denen Informationen über knapp 78.000 Kriegsgräber auf mehr als 2.000 Friedhöfen sind. Das Landesarchiv hatte die Digitalisate dieser Kriegsgräberlisten bereits über die eigene Webseite zugänglich gemacht, startete aber im März 2014 ein Projekt zur elektronischen Erfassung der Listen in Zusammenarbeit mit dem größten genealogischen Verein in Deutschland, dem Verein für Computergenealogie e. V. (CompGen). Mittels des von CompGen entwickelten Daten-Erfassungs-Systems (DES) können die freiwilligen Bearbeiter die Daten direkt “auf der Quelle” in eine Datenbank eingeben; die Daten sollen nach Abschluss des Projekts auch im Online-Findmittelsystem des Landesarchivs verfügbar sein. Zum Zeitpunkt der Tagung – rund vier Wochen nach Start des Projektes – waren 11% der Listen bereits durch etwa 40 Nutzer erfasst worden.

Diese wenigen Beispiele illustrieren bereits, dass die Tagung ein vielfältiges Programm bot. Allerdings gab es verhältnismäßig wenig Zeit für Diskussionen. So wurden Hindernisse für eine weitergehende Öffnung der Archive zwar benannt, z. B. dass kleine Archive von den übergeordneten Behörden oft nur als Dienstleister für diese Verwaltungen wahrgenommen werden. Vielen Mitarbeitern in Archiven sind (dienstlich) die Hände gebunden, weil Vorgesetzte die Nutzung von Web 2.0-Anwendungen nicht fördern oder freigeben. Strategien zur Lösung dieser Probleme wurden aber nicht diskutiert.

Wiederholt wurde angesprochen, dass social-media-Aktivitäten Teil einer digitalen Gesamtstrategie sein müssten. Leider wurde dieses Thema in keinem Vortrag ausgeführt, obwohl es angesichts der weit verbreiteten Unterfinanzierung öffentlicher Archive besonders wichtig ist. Sinkende personelle und finanzielle Ressourcen bei steigenden Aufgaben (wachsende Bestände, Archivierung elektronischer Unterlagen, Probleme der Bestandserhaltung der Originale, oft schwierige Position zwischen Ansprüchen des Trägers und Ansprüchen einer offenen Bürgergesellschaft) erzwingen die Einbindung der digitalen Strategie in eine Gesamtstrategie des Archivs. Es bleibt zu wünschen, dass dieses Thema bei der Programmplanung für die nächste Tagung zu “Offenen Archiven” stärker in den Blick genommen wird.

Mario Glauert stellte in seinem Schlusswort fest, dass man mit dem Blick zurück auf die Tagung “Offene Archive 2.0″ im November 2012 wohl sagen könne, dass das Thema nun endgültig in der Community angekommen sei. Die Berichterstatterin teilt diese Einschätzung nicht. Vielen Archivarinnen und Archivaren ist die Welt des Web 2.0 noch sehr fern, und sie stehen den Entwicklungen abwartend bis ablehnend gegenüber. In Stuttgart konnte man sich vielmehr erinnert fühlen an die Stimmung auf den Tagungen des Arbeitskreises “Archivierung von Unterlagen aus digitalen Systemen” vor etwa 15 Jahren.[9] Auch dort sah man sich – zu Recht – als Avantgarde, die drängende Themen anpackte, denen viele etablierte Kollegen noch auswichen. Die Zeit hat erwiesen, dass die Archivierung elektronischer Unterlagen eine Aufgabe ist, der sich alle Archive stellen müssen. So wird es auch beim Web 2.0 sein.

 

Thekla Kluttig, Leipzig

[1] Dem Organisationsteam gehörten Andreas Neuburger, Christina Wolf, Joachim Kemper, Elisabeth Steiger sowie Thomas Wolf an. Die Tagung konnte parallel über einen Livestream verfolgt werden, der eingerichtete Twitter-Hashtag wurde rege genutzt. Zur Tagung von 2012 siehe auch den Tagungsbericht von Meinolf Woste: Offene Archive?, in: Archivar 2/2013, S. 197-200.

[2] Siehe http://archive20.hypotheses.org/ (letzter Aufruf 15.04.2014).

[3] Nur einige Vorträge fielen aus diesem Rahmen. Dies gilt u. a. für den Beitrag von Silke Jagodzinski über “Linked Open Data im Archivportal Europa”, von Ingmar Koch über „E-Government 2.0 und Soziale Netzwerke in den Niederlanden“, der auf die Entstehung auch archivwürdiger Unterlagen (staatlicher Einrichtungen) bei Facebook und Twitter einging, sowie für den Beitrag von Karsten Kühnel zu “Partizipation durch Standardisierung? Erschließung vor dem Hintergrund fortgeschrittener Nutzeremanzipation”.

[4] Der Einführungsvortrag musste wegen des Streiks der Lufthansa in Form eine Telefefoninterviews gehalten werden. Der Text ist im Blog “ArchivesNext” veröffentlicht, siehe http://www.archivesnext.com/?p=3700 (letzter Aufruf: 09.04.2014).

[5] “While the collecting, preserving, and processing of materials will always be central to the work of any archives, it seems that today merely saying that an organization preserves valuable records is not enough to necessarily justify its continued funding level, or almost its very existence, as we’ve seen in the U.S. Proving the relevance of archives today – not for a distant future – is needed. Because really, for all but the biggest collections, at any given moment, relatively few people actually need access to what you have. Rather, we must make people want access to what we have, and to do that we must figure out what uses they want to make of the collections”, siehe http://www.archivesnext.com/?p=3700 (letzter Aufruf: 09.04.2014).

[6] Das Blog wird von dem Archivar Holger Berwinkel unter der URL http://aktenkunde.hypotheses.org/163 betrieben. Sein Beitrag “Die ‘Kanzlerakte’: eine offensichtliche Aktenfälschung” wurde von der Redaktion von de.hypotheses als “best-of”-Beitrag für die Einstiegsseite ausgewählt und ist ein sehr gutes Beispiel für die Vermittlung des Nutzens von Aktenkunde auch in eine breitere Öffentlichkeit.

[7] Ein beeindruckendes Beispiel für Crowdsourcing war das von Nicole Graf vorgestellte Swissair-Projekt. Das Bildarchiv der ehemaligen schweizerischen Fluggesellschaft befindet sich mit einem Umfang von rd. 200.000 Bildern in der Bibliothek der ETH Zürich. Durch die Werbung für das Projekt bei früheren Swissair-Mitarbeitern konnten rund 130 Freiwillige gewonnen werden, von denen etwa 40 regelmäßig am Projekt mitarbeiteten. Genauere Informationen über das Projekt finden sich auf der Website der ETH Bibliothek. Zur Presseberichterstattung über das Projekt siehe http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/gemeinden/Der-Geist-der-guten-alten-Swissair/story/15303435 (letzter Aufruf: 15.04.2014).

[8] Aufgrund einer kurzfristigen Verhinderung des Referenten Claudius Kienzle wurde seine Präsentation von Esther Howell vorgetragen, die an der Vorbereitung des Projektes beteiligt war. Siehe zu dem Projekt auch http://www.landesarchiv-bw.de/web/56361 (letzter Aufruf: 15.04.2014).

[9] Informationen zum Arbeitskreis stehen online unter http://www.staatsarchiv.sg.ch/home/auds.html (letzter Aufruf: 15.04.2014).

 

Quelle: http://archive20.hypotheses.org/1947

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